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Lanius minor

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Bezzel

Lanius minor Gmel. 1788 — Schwarzstirnwürger

Status in ME. Seltener Brut- und Sommervogel im E, im W nach 1980 als regelmäßiger Brutvogel ausgestorben.

Kennzeichen Wenig größer als Neuntöter; etwas kleiner und schlanker als Raubwürger, Schnabel wirkt etwas kürzer und dicker; Flügel länger, sichtbare HS-Spitzen etwa 11/4 bis 1 1/2 mal so lang wie Schirmfedern, reichen meist über die Ober- schwanzD hinaus, Schwanz insgesamt deutlich kürzer; Sitzhaltung aufrecht. • Oberseite hellgrau; Stirn bis Augenmitte, Zügel, Augenumgebung und breiter Streifen über die OhrD bis zu den Halsseiten schwarz (♀ schwarzes Stirnband etwas niedriger; Gesamtfärbung oft mehr dunkelgrau); Färbung der ST variabel, die beiden äußersten meist ganz oder überwiegend weiß bzw. nach innen zunehmend mit breitem dunklen Fleck vor der weißen Spitze, die beiden innersten schwarz, oh mit weißer Spitze; Schwungfedern schwarz, HS mit ausgedehnter weißer Basis (Flügelspiegel), Spitzensäume der AS und Schirmfedern weiß; Außensäume der Schulterfedern weißlich (im abgetragenen Kleid kaum zu erkennen); Unterseite weiß, Vorderbrust und Seiten mehr oder minder deutlich rosa bis weinrötlich überflogen (♀ grauer). Juv./1. Jahreskleid Oberseite bräunlichgrau, mit heller Querwellung vor allem аn Kopf und Schultern; schmaler dunkler, oft wenig distinkter Streifen vom Zügel durch dаs Auge bis über die OhrD; Stirn wie Oberkopf (!); Unterseite grauweiß mit undeutlicher Querwellung. Wichtigste Färbungsunterschiede zu 1. Jahreskleid Raubwürger: Kein weißer Überaugenstreifen und nur sehr undeutlicher weißer Schultersaum; breiterer weißer HS- Spiegel am zusammengelegten Flügel. • Schnabel schwarz (juv. аn der Basis heller); Lauf schwarz bis dunkelgrau; Iris dunkelbraun. • Vgl. Raubwürger. • Fotos f Pforr u.a. 1980; Singer 1988; Delin u.a. 1989. Zeichnungen: f Harris u.a. 1991.
Verbreitung und Bestand. Br. der gemäßigten, mediterranen und Steppenzone in der W- und Zentralpa- läarktis, dessen W-Grenze N der Alpen seit Mitte des 20. Jh. аn den E- Rand ME zurückgewichen ist. Heute von S-F und I nach E bis Mittelasien etwa аn den oberen Ob bzw. W-Rand des Alatau; S-Grenze I, GR, Anatolien, W-Iran und S-Rand Kasachstans; N-Grenze PL, S-RUS, W-Sibi- rien bis ca. 55° N. In ME nur noch in PL, CS, H und im E-A r. Br. < 900 m in geringen Beständen oder Inselvorkommen
CH: ehemaliger lokaler Br. Mittelland, letzter Brutnachweis 1972; 1 Brutversuch 1987, je 1 übersommerndes <5 am selben Platz 1988-90. • L: 19. Jh. r. Br., (1933- 34 angeblich ein BP), Letztbeobachtung 1946 (Stand 1986) • B: r. Br. 19. Jh., letzter Bruthinweis 1930. • NL: ur. G, 30 Nachweise bis Juli 1991. • D: Nrh.-Westf. wohl seit Anfang 20. Jh. nicht mehr Br.; Rhl.-Pf. > 100 BP (1960-61), die letzten beiden BP 1974, Beobachtungen bis 1980; Saar. Br. 19. Jh., nur 2 Beobachtungen seit 1950; He. seit Anfang 1960er nicht mehr Br.; Ba.- Wü. ca.120 BP (1950), 70 BP (1960), 7 BP (1970), 1978 letzte Brut, Einzelbrut 1984 und 1987; Bay. r. Br. bis etwa 1970, dann nur noch Einzelpaare, letztes BP 1978; Thür — seit Mitte 19. Jh., nach 1950 nur 3 Brutnachweise (1956, 1962, 1976) und einige Brutzeitbeobachtungen; Sa.-Anh. einzelne BP bis mind. 1965; Bra. — 19. Jh., letzte Bruthinweise Anfang 1920er; Meckl. — 19. Jh., letzter Brutnachweis 1924. • A: nur im SE s. Br. • H: r. Br. • CS: im 20. Jh. — ; Böhmen/Mähren 10-30 BP (1973-77). • PL: – (seit Anfang 20. Jh.); <100 BP (ca. 1987); Slask 1968 letzter Brutnachweis. — F: bis auf NW Anfang 20. weit verbreitet, 1988 bis auf einige BP im S verschwunden (Lefranc 1978; Dubois, Aves 26, 1989). • GB/IRL: 138 Ind. bis 1990. • DK: 35 Nachweise bis 1988. • N: 9 Nachweise bis 1989. » S.: ca. 120 Nachweise bis 1988. • LET: ein Paar 1986 beobachtet. – EST: 11 Nachweise bis 1982.
Mit gewisser Parallele zu Rotkopfwürger аn der NW-Grenze des Areals in Europa starke Schwankungen 19. — 20. Jh., u.a. + mind. seit Anfang 20. Jh. und Höchststand um 1950; in D damals bis > 500 m in sommerwarmen Gebieten weit verbreitet, ebenso geringe Zunahme F. Die erheblichen Schwankungen sind mit Klimaschwankungen korrelierbar, z. B. Anstieg bei überdurchschnittlichen Sommertemperaturen und relativ niedrigen -niederschlägen vor 1950 und 1930-50. Allgemein Ende 1950er —Anfang 1960er beginnende Abnahme, parallel mit mehr atlantischen Klimaeinflüssen (u.a. Niehuis 1968, Lefranc 1978); Zusammenbruch aller Bestände in D innerhalb von ca. 15 Jahren durch Faktoren beschleunigt, die auch alle anderen Würgerarten betreffen, wie Habitatvernichtung und -Veränderung (insbesondere Landwirtschaft), Störung (zunehmende Erschließung), Abnahme der Vielfalt und Quantität des Nahrungsangebotes, Habitatveränderungen und schädliche Einflüsse auf dem Zug usw. • Dichte: In gut besiedelten Gebiet Neigung zur Gruppenbildung mit geringen Nestabständen (geringste Nestabstände D z. B. 30 m); Nahrungssuche außerhalb des Nestreviers.
Wanderungen. Langstreckenzieher; Hauptwintergebiet SW-Afrika mit Winternachweisen bis Kongogebiet und südliches E-Afrika (Karten und Details Dowsett 1971). Hauptwegzugsrichtung Br. W- und Mitteleuropa SE über E-Mittelmeer, Br. E-Europa auch S —SSW; Küste N-Afrika wird in Ägypten erreicht (Ausnahmedaten weiter W); um dаs Winterquartier zu erreichen, muß über Mittelmeer oder in N-Afrika Richtungsänderungen nach S-SSW erfolgen. Weiter S offenbar Ausweitung der W- Grenze bis ca. 20° W (Kongo), Hauptzug in Schmalfront zwischen unterem Kongo und Viktoriasee. Heimzug verläuft weiter E, bereits im tropischen Afrika und am E-Rand des Mittelmeers nach N bzw. NE (auch über Zypern), ähnlich Neuntöter. Wegzug im Juli — Aug. (ausnahmsweise bis nach Mitte Sept.; doch bei extrem späten Daten Verwechslung mit Raubwürger möglich); in SW- Afrika Nov. — April. Ankunft in ME (Ende April) – Mai; Dz. bis Juni. Brutortstreue und Umsiedlung bis 3 km nachgewiesen, auch Geburtsortstreue (Matthes 1965).
Biotop. Br. warmer, trockener offener Lagen mit höchstens niedriger oder lückiger Bodenvegetation, in ME nur in den wärmsten und regenärmsten Gegenden mit wenig Bäumen, z. B. Alleen (Obstbäume, Pappeln), Streuobstgebiete mit aufgelockertem, verwildertem Baumbestand; wohl am stärksten auf vegetationsarme bzw. -freie Revierteile angewiesen, daher in Mittelund W-Europa auch in Agrarbiotopen. Jagt auch über offenen Feldern und kommt daher mit wenig Warten aus.
Nahrung (u.a Haensel 1964, Schmidt 1980). Hauptsächlich bodenbewohnende Insekten, bes. Käfer (die über 90% ausmachen können); Wirbeltiere nur s. (z.B. Kleinsäuger bei schlechtem Wetter und hoher Dichte mitunter in nennenswerten Anteilen). Offenbar engstes Nahrungsspektrum der in ME lebenden Arten.
Stimme. Häufig »wät«-Rufe, bei Erregung oft lang gereiht »ksek ksek ksek…« oder »srek srke srek…«; Imponierrufe schnarrend »kerrib«, »tscherrib oder »tschilip- tschilip bei Angriffe oder in höchster Erregung schnarrend. Leise bis mittellauter schwätzender Balzgesang, mit Imitationen untermischt.
Verhalten. Wartenjagd; bei schlechtem Wetter Nahrungssuche auf dem Boden umherhüpfend, wie Raubwürger аber auch Rüttelsuchjagd aus der Luft. Kein Aufspießen der Beute Neigung zu Sozialkontakt offensichtlich größer als bei den anderen europäischen Würgern. Ausdrucksflug zur Reviermarkierung mit langsamen Flügelschlägen und Gleitstrek- ken unter Spreizen der ST. Beide Partner beteiligen sich аn der Verteidigung des Nestreviers.
Fortpflanzung (u.a Hantge 1957, Warncke 1959, Matthes 1965). Geschlechtsreife wohl im 1. Lebensjahr. Monogame Saisonehe (Neuverpaarung in aufeinanderfolgenden Jahren nachgewiesen). Mehrzahl ME in der 2. Maidekade am Brutplatz. Revierbesetzung rasch nach Ankunft; bei Ersatzbrut offenbar in der Regel Umsiedlung. Paare kommen bereits verpaart am Brutplatz an. Beide Partner suchen nach Restplatz. ♂ meist in Führerrolle, zeigt dem ♀ Nistplätze, dessen Wahl offenbar meist entscheidet. Nest auf Bäumen, ME bes. auf Obstbäumen, in S- Europa häufig auf Pappeln, entweder ± nahe am Stamm vom oder auf den Seitenästen von Einzelbäumen, offenbar nicht s. in kleinen Gruppen oder gar Kolonien konzentriert. Bodenhöhe 2 —max. 28 m. Nest kompakter Bau aus Zweigen, Reisern und feinerer Innenauskleidung, meist mit großen Anteilen grüner Pflanzen. Nestbau kurz nach Ankunft (oft einige d intensive Nistplatzsuche), beide Partner bauen, Dauer 2 — 5 d. Eier Grundfarbe hellgrün bis blaß grünlich, große ur. hell- bis olivbraune Flecken, ± am stumpfen Pol konzentriert. Vollgelege 4 — 7, ME ca. 5,3/5,5 Eier. Legebeginn ME frühestens ab Anfang Mai, die meisten Vollgelege Anfang, die letzten Ende Juni —Anfang Juli; letzte Junge verlassen Ende Juli —Anfang Aug. dаs Nest. 1 Jahresbrut; bei Brutverlust bis 2 Ersatzbruten. Brutdauer 14- 16 d, Brutbeginn meist nach 4.-5. Ei; nur ♀ brütet, wird vom ♂ am Nest gefüttert. Nestlingsdauer 17-19 d; beide Partner füttern. Nach dem Ausfliegen Junge bis 2 Wochen im eigentlichen Revier, dann Abwandern in ein Aufzuchtsgebiet; bis mind.4 Wochen bei den ad. beobachtet.
Mauser. Postjuvenile Mauser (Teilmauser) Körperkleingefieder im Sommer. • Postnuptialmauser (Teilmauser) Körperkleingefieder nach Brutzeit. • Pränuptialmauser (Vollmauser) im Winterquartier Dez.- Ende März, 1. Mauser offenbar etwas später bzw. nicht ganz vollständig, so daß 1 — 2 AS unvermausert bleiben.
Literatur . R. J. Dowsett, Ostrich 42, 1971: 259-270. • E. Hantge, V 78, 1957: 137- 147. – J. Haensel, BV 19, 1964: 199-210. • L. Horvath, Acta zool. Budapest 4, 1959: 319-332. * N. Lefranc, O 40, 1970: 89- 103. • ders., A 46, 1978: 193-208. • W. Matthes, OM 17, 1965: 91-98. M. Niehuis, Mainz, naturw. Arch. 7, 1968: 185 – 224. • E. Schmidt, ökol .Vögel 2,1980: 177-188. «K. Warncke, V 79, 1958: 177- 181.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

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Niethammer/Boxberger

Lanius minor Gmelin — Schwarzstirnwürger.

Lanius minor Gm., Naumann IV, 8. 121; Reichenow S. 92.

Beschreibung. ♂ und ♀ ad.: Stirn- und Kopfseitenstreifen schwarz. Oberseite grau; Unterseite weiß, Unterkörper mit weinrötlichem Anflug. Flügel schwarz mit weißem Band auf den Handschwingen und weißen Spitzen der Armschwingen; äußerste zwei Paare der Steuerfedern meist weiß, die nächsten zwei schwarz mit weißen Flecken, die übrigen schwarz. Schnabel und Füße schwarz; Iris bräunlich. — Jugendkleid: wie ad., аber Oberseite bräunlich grau, schwach hell quergewellt; Stirn grau, Oberflügeldecken mit weißhohen, Schwingen mit breiteren weißen Enden. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) im Herbst; 1. Ruhemauser (Vollmauser) im FebruarMärz; 1. Brutmauser (Vollmauser) im Herbst; 2. Ruhemauser (Teilmauser) im Februar/März (Witherby). Das Brutkleid gleicht dem Ruhekleid, erscheint аber nach Witherby sauberer und glänzender. Nach Heinroth (Vögel Mitteleuropas) macht die Art erst (und nur) in der Winterherberge eine Volhnauser durch. — Maße: Flügel ♂ 114—123, ♀ 113—122 mm. Gewicht 60—65 g (Heinroth).
Feldornithologische Kennzeichen. Oberseits grau, Stirn und Augenstrich schwarz. Im langen Flügel eine weiße Binde, langer schwarzweißer Wippschwanz. Würger sitzen gern frei auf Baumspitzen oder Leitungsdrähten. Sie fliegen bogenförmig und tauchen beim Abfliegen von ihrer Warte dem Beobachter abgewendet hinab, fliegen meist knapp über dem Erdboden dahin und steigen erst vorm neuen Sitzplatz wieder empor. Schlagen gern mit dem Schwanz, rütteln. — Stimme: schackernd „scharrek“ oder „tschäkäkä“ u. ä. Am Nest tief und rauh „kjäck“ oder ,,schäck“. Ferner pfeifend „kwiell“. Gesang leise zwitschernd und schwatzend, dabei oft fremde Vögel nachahmend, mit Locktönen untermischt.
Allgemeine Verbreitung. Südost- und Mitteleuropa, nordwärts als seltener Brutvogel bis nach Polen, Litauen (Ivanauskas briefl.), Deutschland, unregelmäßig in Südbelgien, hier und da in Frankreich (ausgenommen der Norden und Nordwesten), häufig in Italien und Sizilien, gemein in Südosteuropa; durch Süd- und Mittelrußland, Kleinasien, Persien und Westturkestan bis zum Altai und Westsibirien (hier nordwärts bis zum 57.°).
Verbreitung in Deutschland. Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts in fast ganz Deutschland verbreiteter, stellenweise häufiger Brutvogel. Nur in Schleswig-Holstein mit Ausnahme des südlichsten Teiles, im nördlichen Hannover und Westfalen fehlte er auch früher als Brutvogel. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde überall eine rasche Abnahme im Bestände dieses Würgers beobachtet, ohne daß hierfür stichhaltige Gründe genannt werden könnten. Heute gibt es, vom südlichen Ostpreußen durch Mitteldeutschland bis zum Rheinland, der Rheinpfalz und Baden, nur noch zerstreut einzelne, meist unbeständige Brutpaare. Am regelmäßigsten brütet er z. Z., wenn auch nicht gerade häufig, in der weiten Ebene des unteren Nahetals und im Rheintal zwischen Bingen und Mainz und zwischen Mainz und Karlsruhe (Völker briefl.). 1936 konnte die Art im unteren Nahetal wieder viel häufiger als in den Jahren vorher nachgewiesen werden (Petry briefl.). Auf dem Zug wird er als Seltenheit in allen Teilen Deutschlands beobachtet.
Wanderungen. Zieht aus Deutschland in südöstlicher Richtung durch Ostafrika zum Winteraufenthalt nach Süd- und Südwestafrika (Weiteres s. Geyr v. Schweppenburg, J. Orn. 1926). Abzug in der zweiten Hälfte des August und früher (Ende Juli, nach brieflicher Mitteilung Thiels). Ankunft im Frühjahr im 1. und 2. Maidrittel, frühestens letztes Aprildrittel; (früheste Ankunft in Mitteldeutschland am 20. April, Brehms Ornis I, S. 63).
Biotop. Offenes Gelände wie Feldgehölze, Baumgärten, Alleen, Auen, Waldränder usw., besonders gern, wenn Wiesen, Triften, Gebüschbestände angrenzen; in ebenem oder hügeligem Gelände.
Fortpflanzung. Nest: „mit Vorliebe aus weißlichen Reisern und Wurzeln, die mit grünen und besonders auch wohlriechenden Pflanzen wie Salvia, Thymus, Mentha usw., аber auch anderen untermengt und geziert sind“ (Hartert). Auch Wolfsmilchgewächse, Klee, Taubnesseln, Kätzchen von Pappel und Weide finden Verwendung (W. Thienemann 1881). Die Nestmulde ist öfters mit Haaren und Federn ausgepolstert. Neststand gewöhnlich auf Laubbäumen (gern Pappeln, Ulmen, Linden, Erlen, Obst- und Nußbäume), selten auf Nadelbäumen, oft, аber nicht immer in Stammnähe, zuweilen auf Seitenästen; in der Regel 7—9 m, nach Thienemann meist 15 bis 18 m hoch (womit die Art am höchsten von allen einheimischen Würgern brütet), nur höchst selten unterhalb 3 m. Nestmaße: äußere Höhe etwa 7,5—9 cm, äußerer Durchmesser 12—14, innerer Durchmesser 7—9 cm, Napftiefe 3—5,5 cm, also etwas größer als bei L. Senator. Nestbau nach W. Thienemann durch beide Gatten. Wird dаs Nest zerstört, so wird nach etwa 8 Tagen ein neues fertiggestellt (W. Thienemann). — Vollgelege: 4—5, auch 6, seltener 7 Eier; ab Mai bis Juni, bei Nachgelegen wohl auch noch später. 1 Brut. — Eier: auf grünlichweißem, sehr selten gelblichweißem Grunde nicht sehr dicht mit hellgrauen Schalenflecken und ölbraunen Oberflecken gezeichnet, die sich oft kranzförmig anordnen. Durchschnitt von 100 nur zum Teil deutschen Eiern (Hartert) 25,1 x 18,2 mm; Schalengewicht etwa 0,28 g. — Brutpflege: Bei der Seltenheit der Art liegen nur sehr wenige neuere Angaben vor. Nach Naumann und Jourdain brüten beide Gatten wechselweise, jedoch dürfte die Hauptlast beim ♀ liegen (Perzina 1888). — Brutdauer. 15 Tage. — Nestlingsdauer: ? (Nach Heinroth waren in Gefangenschaft aufgezogene Schwarzstirnwürger mit gut 2 Wochen Lebensalter nicht mehr im Nest zu halten.) Beide Eltern füttern. Auch die längst flüggen Jungen werden noch geraume Zeit gefüttert und geführt.
Nahrung. Fast ausschließlich Insekten, vor allem Käfer (Aas-, Mai-, Lauf-, Schnellkäfer u. a.), ferner Orthopteren, Schmetterlinge, deren Larven und Puppen, gelegentlich auch Schnecken; nur ausnahmsweise Jungvögel und -mäuse. Die Beute wird meist sofort verzehrt oder verfüttert. Der Aufspießtrieb ist bei dieser Art nur wenig entwickelt. Die Jungen werden ausschließlich mit Insekten gefüttert und werfen dann reichlich Gewölle aus.
Parasiten. Milben: Proctophyllodes glandarinus, P. passeris subsp. Saugwürmer: Prosthogonimus cuneatus, P. ovatus, Lyperosomum asovi, Laterotrema vexans, Plagiorchis multglandularis. Bandwürmer: Pa- ruterina parallelipipeda. Fadenwürmer: Acuaria rotundata, Physa- loptera bilabiata (die Arten der Gattung kommen bei recht verschiedenen Wirbeltieren vor; gewöhnlich im Magen), Viguiera euryoptera, Hartertia zakharovi (im Darmkanal; bei II. gallinarum vom Huhn dienen Termiten als Zwischenwirt).

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

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Heinroth

Der Schwarzstirnwürger (Lanius minor Gm.).

Diese Art bewohnt Süd- und Mitteleuropa und geht östlich bis zum Altai, in Norddeutschland ist sie selten und auch in Süddeutschland anscheinend nicht mehr so häufig wie früher. Über den Grund des Rückgangs der heimischen Würgerarten haben wir auf Seite 60 eine Vermutung ausgesprochen. Im Winter zieht der Vogel südlich bis nach Südwest-Afrika und dem Oranje-Dreistaat. Der Flügel mißt 115 bis 123, der Schwanz 85—95, der Lauf 25 mm, dаs Gewicht beträgt gut 40 g. Die Bezeichnung „Kleiner Würger“, die vielfach gebraucht wird, führt deshalb leicht irre, weil er ja größer ist als der rotrückige und der rotköpfige Verwandte. „Kleiner Grauwürger“ ist schon besser, denn dann vergleicht mаn ihn mit dem viel großem Raubwürger, mit dem er ja in der Färbungsweise bis auf die schwarze Stirn eine gewisse Ähnlichkeit hat. Außer in der Größe und in der Stirnfärbung der Alten liegt der Hauptunterschied zwischen beiden darin, daß der Schwarzstirnwürger als Zugvogel, der jedes Jahr mehrere tausend Kilometer hin und zurück zu fliegen hat, viel längre und spitzre Flügel braucht als der rundflügligere Raubwürger, der meist Standvogel ist.
Da wir Gelegenheit hatten, einen alten Schwarzstirnwürger zu erwerben, so geben wir sein Buntbild auf Tafel XIII wieder. Er war ein recht stürmischer Wildfang und daher nur soviel аn ihm zu beobachten, daß er nach Art der andern Zugwürger ein Wintermausrer ist, womit er ja im Gegensatze zum Raubwürger steht, der den Federwechsel nach Beendigung der Fortpflanzungszeit durchmacht. Der Gesang unsers Stücks enthielt Hänflings- und Finkenstrophen, viele flötende Pfiffe und hörte sich gut an. Merkwürdigerweise war der Vogel nur schwer und langsam аn den Genuß rohen Fleisches zu gewöhnen, dаs doch sonst von allen andern Würgern sehr gern gefressen wird.

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Hartert

681. Lanins minor Gin.

Kleiner Würger, kleiner Grauwürger, schwarzstirniger Würger.

Lanius minor Gmelin, Syst. Nat. I, p.308 (1788— „Habitat in Italia, Hispania, Russia“. Ex Buffon, Daubenton PI. Enl. 32. Als terra typica betrachten wir Italien).

Lanius italicus Latham, Ind. Orn. I, p. 71 (1790— Europa).

Lanius Vigil Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. I, p. 403 (1827— Südrußland).

? Lanius flavescens Hemprich & Ehrenberg, Symb. Phys. Aves I, fol. e (1828— nomen nudum!).

Lanius nigrifrons Brehm, Handb. Naturgesch. Vög. Deutschl., p. 236 (1831— Thüringen).

Lanius medius Brehm, 1. c., p. 236 (1831— Norddeutschland).

Lanius pinetorum Brehm, Isis 1842, p. 652, 659 (Berlin, Mecklenburg, Ahlsdorf).

Lanius eximius Brehm, Isis 1842, p. 652, 662 (Thüringen, Wien, Kärnthen).

Lanius longipennis Blyth, Journ. As. Soc. Bengal XV, p.300 (1846— Fundort unbekannt).

Lanius Roseus Bailly, Orn. Savoie II, p. 26 (1853— Savoyen, Frankreich, Spanien, Italien. Neuer Name für L. minor).

Lanius graecus Brehm, Vogelfang, p. 84 (1855— „Griechenland“. Typus aus Attica).

Lanius minor arboreus, septentrionalis, microrhynchos, A. E. Brehm, Verz. Sammlung, p. 3 (1866— Nomina nuda!).

„Lanius minor Gml. typ. et var.: obscurior Radde“ Radde, Orn. Gaue., p. 282 (1884— Kaukasus).

Engl.: Lesser Grey Shrike. Eranz.: Pie Grieche d’ltalie. Ital.: Averla cenerina.

Unterscheidet sich von den eigentlichen Grauwürgern (L. excubitor und Verwandten) fundamental durch den Bau des Flügels: die bei den großen Würgern etwa die Hälfte der zweiten Schwinge erreichende erste Schwinge ist viel kürzer, nämlich nur etwa so lang wie die Handdecken, wohingegen die zweite Schwinge, die bei excubitor und seinen Verwandten erheblich (meist etwa 1 1/2 cm) hinter der dritten zurückbleibt, nur etwa 2 mm kürzer ist als die dritte, die allein die Spitze des Flügels bildet, da die vierte wieder merklich kürzer ist. — ♂ ad. Zügel und Stirn mindestens bis in die Augenhöhe, sowie damit zusammenhängender Streif überm Auge und großer Fleck hinterm Auge rein schwarz. Übrige Oberseite hellgrau, meist auf dem Bürzel etwas heller, äußerste Außensäume der Schulterfedern weißlich. Schwingen schwarz, Handschwingen mit ausgedehnter weißer Basis, Spitzensäume der Armschwingen weiß, die der Handschwingen nur äußerst schmal hellbräunlich. Schwanzzeichnung wie bei allen Grauwürgern variierend: meist sind die beiden äußeren Paare weiß mit größtenteils schwarzen Schäften, dаs dritte Paar hat einen ausgedehnten, аn Form und Ausdehnung wechselnden anteapikalen schwarzen Fleck, dаs vierte ist schwarz mit weißer Basis und Spitze; oft hat indessen schon dаs zweite Paar von außen einen mehr oder minder großen schwarzen Querfleck in der Endhälfte. Unterseite weiß, Vorderbrust und Seiten rosig angehaucht bis lebhaft wein-rosig. Schnabel und Füße schwarz, Iris nußbraun. Flügel etwa 115—123, Schwanz 85 — 95 mm, Lauf etwa 25 mm. ♀ wie ♂, аber meist etwas kleiner. Unter den westeuropäischen Exemplaren findet mаn die kleinsten, unter den östlichen die größten, die Maße аber schwanken so, daß daraufhin keine verschiedenen Formen unterschieden werden können. Juv. Oberseite bräunlichgrau, mehr oder minder weißlich und grau quergewellt, Stirn wie der Rücken, also nicht schwarz. Flügeldecken mit weißlichen Spitzensäumen.
Brutvogel in Süd- und Mitteleuropa, nördlich bis in die Ostseeprovinzen und selbst Livland, und in West-Sibirien bis 57° nördl. Br., östlich durch Süd- und Mittelrußland, Klein-Asien, Persien und West-Turkestan bis zum Altai. In Deutschland sporadisch, аber überall als Brutvogel vorkommend, mit Ausnahme der nordwestlichsten Landesteile. In Holland und Belgien nur vereinzelt auf dem Zuge, in Großbritannien sehr seltener Irrgast. Im mittleren und südlichen Frankreich nicht selten, fehlt jedoch im Norden und Nordwesten des Landes und ist nur eine zufällige Erscheinung in der Südwestecke (Lot, Tarne et Garonne, Gars, Huntes Pyrénées, Basses Pyrénées, Landes, Gironde — L. Bureau in litt.). Nicht selten in Italien, Korsika, Sardinien, Südost-Europa, sehr häufig in Ungarn. — Zugvogel, der uns früh verläßt und in Afrika, südlich bis Deutsch S.W. Afrika und Oranje-Freistaat überwintert.

In Europa in Ebenen und hügeligem Gelände, im Kaukasus nach Radde vereinzelt bis 1800 m. Bewohnt Feldhölzer. Waldränder, Parkanlagen, Auen und Gärten, besonders wenn solche аn Wiesen angrenzen. Warnrufe und Lockstimme wie schäck, schäck oder kjäck, auch pfeifend wie kwiä, kwieli, und quätsch, scharrek, scharrek. Der Gesang ist ein gepreßtes Zwitschern, mit den Lock- und Angstrufen untermischt, manche Individuen haben аber ein wunderbares Nachahmungstalent und ahmen die Gesänge vieler Vögel trefflich nach. Nahrung Käfer, namentlich Arten von Geotrupes, Melolontha, Carabus, Elateriden, kleinere Carabiden, Aphodius, Necrophorus, auch Orthopteren, Raupen, mitunter auch Schnecken, selten und wohl nur ausnahmsweise junge Vögel und Mäuse. Nester meist hoch, bis 8 oder 9 m, selten unter 3—4 m, gern, аber nicht immer, nahe am Stamm von Laubbäumen, selten auf Nadelbäumen. Nester mit Vorliebe aus weißlichen Reisern und Wurzeln, die mit grünen oder sonst unverändert bleibenden und besonders auch wohlriechenden Pflanzen und Blumen, wie Salvia, Gnaphalium, Capsella, Chelidonium, Thymian, Achillea, Potentilla, Mentha, аber auch andern, untermengt und geziert sind. Die innere Ausfütterung besteht aus feinen Halmen und Würzelchen. Die Eier sind charakteristisch, typische Würgereier, Grundfarbe fast immer hellgrünlich, selten weißlich, nach Rey auch bisweilen, аber nur ausnahmsweise rötlichgelb, Flecke olivenbraun, Schalenflecke hellgrau oder grünlichgrau, meist groß, oft ringförmig angeordnet. Maße von 100 Eiern (Rey, Jourdain, Blasius) im Durchschnitt 25.10 x 18.24, Maximum 28.2 x 20 (also größer als normale Eier von excubitor), Minimum 23 x 17 und 23.3 x 16.6 mm. In der Rödernschen Sammlung (Tring) аber befinden sich auch noch Eier von 22.8 x 18.3 und ein Riesenei von 29 x 19 mm. Das mittlere Gewicht ist nach Rey 0.257 g.

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Brehm

Alle ebenen Gegenden unsers Vaterlandes, in denen der Laubwald vorherrscht, beherbergen den Kleinen Grauwürger, Kleinen Würger, Rosen- und Schwarzstirnwürger, Schäferdickkopf, Sommerkrik- und Drillelster, Lanius minor Gm. (Abb., S. 212), eine der schönsten Arten der Gattung. Das Gefieder ist auf der Oberseite hell aschgrau, auf der Unterseite weiß, аn der Brust rosenrot überhaucht; Stirn und Zügel sowie der Flügel, der ausnahmsweise nur zehn Handschwingen trägt, bis auf einen weißen Fleck, der sich über die Wurzelhälfte der neun ersten Handschwingen verbreitet, und einen schmalen weißen Endsaum der Armschwingen sind schwarz; die vier mittelsten Steuerfedern ebenfalls schwarz, die darauffolgenden fast zur Hälfte weiß, die übrigen zeigen nur noch neben dem dunkeln Schafte einen schwarzen Fleck auf der innern Fahne, die äußersten sind rein weiß. Die Iris ist braun, der Schnabel schwarz, der Fuß gräulich. Die Jungen sind аn der Stirn schmutzigweiß, auf der Unterseite gelblichweiß, grau in die Quere gestreift. Die Länge beträgt 23, die Flügellänge 12, die Schwanzlänge 9 cm.
Unter den im Frühling zurückkehrenden Sommervögeln ist der Kleine Grauwürger einer der letzten. Er erscheint einzeln erst zu Anfang Mai. Rimrod in Quenstedt beobachtete seine Ankunft am 2., 4., 7., 8., 10. und 18. Mai, einmal schon am 26. April. Seine Abreise tritt der Vogel mit am frühesten, gewöhnlich schon im Spätsommer zu Ende August, familienweise wieder an. Bereits im September begegnet mаn ihm in den Waldungen der oberen Nilländer und ebenso wahrscheinlich in ganz Mittelafrika; denn hier erst verbringt er den Winter. So häufig er in gewissen Gegenden Europas ist, so selten zeigt er sich in anderen. In Anhalt, Provinz Sachsen, Brandenburg, Franken, Bayern, Südfrankreich, Italien, Ungarn und den Balkanländern, im südlichen Rußland ist er gemein: die übrigen Länder Europas berührt er entweder gar nicht oder nur auf dem Zuge; den Norden Europas meidet er ganz. Zu seinem Aufenthalt wühlt er mit Vorliebe Baumpflanzungen аn Straßen und Obstgärten, ebenso kleine Feldgehölze, Hecken und zusammenhängende Gebüsche, fehlt аber oft in Gegenden, die anscheinend alle seine Lebensbedingungen erfüllen, vollständig, verschwindet wohl auch allmählich aus Gebieten, die ihn vormals in Menge beherbergten, ohne daß mаn stichhaltige Gründe dafür aufzufinden wüßte. In Thüringen ist er, laut Liebe, seit Mitte des vorigen Jahrhunderts fast völlig verschwunden, in der Berliner Gegend аber neuerdings häufiger geworden.
Alle Beobachter stimmen mit mir darin überein, daß der Kleine Grauwürger zu den anmutigsten und harmlosesten Arten seiner Gattung gehört. Er belebt dаs von ihm bewohnte Gebiet in höchst ansprechender Weise; denn er ist beweglicher, munterer und unruhiger als jeder andere Würger. Hieran und аn seiner schlanken Gestalt sowie den spitzigeren Schwingen ist er im Sitzen wie im Fliegen leicht vom Raubwürger zu unterscheiden. Vorteilhaft zeichnet ihn vor diesem ferner seine geringe Raubsucht aus. Naumann versichert, ihn niemals als Vogelräuber, sondern immer nur als Insektenjäger kennen gelernt zu haben.
Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken, deren Larven und Puppen sind seine Beute. Lauernd sitzt er auf der Spitze eines Baumes, Busches, auf einzelnen Stangen, Steinen und anderen erhabenen Gegenständen; riittelnd erhält er sich in der Luft, wenn ihm derartige Warten fehlen, stürzt sich, sobald er eine Beute gewahrt hat, plötzlich auf den Boden hinab, ergreift dаs Insekt, tötet es und fliegt mit ihm auf die nächste Baumspitze zurück, um es dort zu verzehren. Dies geschieht gewöhnlich ohne alle Vorbereitung; denn seltener als seine Verwandten spießt er die gefangenen Tiere vor dem Zerstückeln auf Dornen und Astspitzen.
„Durch Färbung und Gestalt“, sagt Naumann, „ist der schwarzstirnige Würger gleich schön im Sitzen wie im Fliegen, und da er immer herumflattert und seine Stimme hören läßt, so macht er sich auch sehr bemerklich und trägt zu den lebendigen Reizen einer Gegend nicht wenig bei. Sein Flug ist leicht und sanft, und er schwimmt öfters eine Strecke ohne Bewegung der Flügel durch die Luft dahin wie ein Raubvogel. Hat er аber weit zu fliegen, so setzt er öfters ab und beschreibt so viele, sehr flache Bogenlinien. Seine gewöhnliche Stimme klingt ,kjäck kjäck‘ oder,schäck‘, seine Lockstimme ,kwiä-kwi-ell-kwiell‘ und ‚perletsch- hrolletsckp, auch ’scharreck scharreck‘.“
Das Nest legt der Kleine Grauwürger gewöhnlich in einer Höhe von 7—8 m im Gezweig oder dicht am Stamm seiner Lieblingsbäume an. Es ist groß und wie alle Würgernester aus trocknen Wurzeln, Quecken, Reisern, Heu und Stroh aufgebaut und inwendig mit Wolle, Haaren und Federn weich ausgefüttert. Päßler, ein sehr sorgfältiger Beobachter, sagt, der Vogel nähme stets grüne Stengel zum Nisten, die er mit wenigen trocknen sowie mit großen und kleinen Federn und einem dichten und dicken Boden und ebensolchen Wandungen verarbeite; auch Wollfäden und Feldblumen würden benutzt. Ende Mai findet mаn in ihm 5—6 etwa 25 mm lange, 18 mm dicke, auf schön grünem oder blaugrünem, seltener weißlichem, nach Rey ausnahmsweise auch rötlichgelbem Grunde mit bräunlichen und violettgrauen Flecken gezeichnete Eier, die von beiden Gatten wechselweise innerhalb 15 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen erhalten nur Kerbtiere zur Nahrung. „Wenn sich eine Krähe, Elster oder ein Raubvogel ihrem Neste oder auch nur einem gewissen Bezirke ringsum nähert“, sagt Naumann, „so verfolgen ihn beide Gatten beherzt, zwicken und schreien auf ihn los, bis er sich entfernt hat. Nähert sich ein Mensch dem Neste, so schlagen sie mit dem Schwänze beständig auf und nieder und schreien dazu ängstlich ,kjäck kjäck kjäck‘, und nicht selten fliegen dem, der die Jungen aus dem Neste nehmen will, die Alten, besonders die Weibchen, keine Gefahr scheuend, ins Gesicht. Die Jungen wachsen zwar schnell heran, werden aber, nachdem sie bereits ausgeflogen, lange noch von den Eltern gefüttert. Sie sitzen oft alle auf einem Zweige dicht nebeneinander und empfangen ihr Futter unter vielem Schreien; durch ihr klägliches ,Giäh giäck gäckgäckgäck‘ verraten sie ihren Aufenthalt sehr bald. In jedem Gehecke ist eins der Jungen besonders klein und schwächlich. Da sie sehr viel fressen, so haben die Alten mit dem Fangen und Herbeischleppen der Nahrungsmittel ihre volle Arbeit und sind dann außerordentlich geschäftig. Bei trüber oder regnerischer Witterung, wenn sich wenige Insekten sehen lassen, fangen sie dann auch manchmal junge Vögel und füttern die Jungen damit.“
Habicht und Sperber stellen den alten Grauwürgern nach, Raben, Krähen und Elstern zerstören trotz des Mutes, den die Eltern аn den Tag legen, die Brut. Der Mensch, der diesen Würger kennen gelernt hat, verfolgt ihn nicht oder fängt ihn höchstens für dаs Gebauer, und zwar in derselben Weise, wie ich schon weiter oben mitgeteilt habe. Die gefangenen Grauwürger erfreuen durch ihre Schönheit und Nachahmungsgabe.