Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
334. Calandrella brachydactyla brachydactyla (Leisler).
Die kurzzehige Lerche.
?? Alauda testacea Gmelin, Syst. Nat. I, p. 797 (1788— ex Latham, Syn. II, 2, p. 393: Gibraltar! Der Name testacea ist m. E. ganz undeutbar, da er sich fast ebensogut auf Agrobates galactodes u. a. m. beziehen könnte).
Alauda brachydactyla Leisler, Annalen der Wetterauischen Gesellsch. III, p. 357, Taf. 19 (181-1— „Frankreich und Italien. Typischer Fundort Montpellier in Süd-Frankreich“.).
Alauda arenaria Vieillot, Nouv. Dict. d’Hist. Nat. I, p. 343 (1816— Frankreich: südliche Provinzen und Champagne).
? Alauda Kollyi Temminck, PL Col. 305 (1824— nach einem bei Dijon gefangenen Käfigvogel. Wahrscheinlich eine C. brachydactyla, аber die gefleckte Brust erinnert аn C. minor.).
Alauda calandrella Savi, Orn. Toscana II, p. 67 (1829— Toskana).
Melanocorypha Itala Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 311 (1831— „Italien, besonders Sardinien“).
Phileremos moreatica Mühle, Orn. Griech., p. 38 (1844— Griechenland).
Melanocorypha affinis Brehm, Isis 1845, p. 343 (Griechenland).
Melanocorypha Gallica Brehm, Isis 1845, p. 345 („Süd-Frankreich, namentlich bei Montpellier“).
Melanocorypha tenuirostris Brehm, Isis 1845, p. 346 (ohne Vaterlandsangabe, nach Vogelfang, p. 121, „in Griechenland und bei Triest“).
Calandritis Kollyi (? Temminck) Cabanis, Mus. Hein. I, p. 123 (1851— N.O.-Afrika).
Alauda macroptera A. E. Brehm, Journ. f. Orn. 1854, p. 77 (N.O.-Afrika).
Melanocorypha graeca Brehm, Vogelfang, p. 121 (1855— „Griechenland bis Sennaar“).
Calandrella hermonensis Tristram, Proc. Zool. Soc. London 1864, p. 434 (Hermon und Libanon).
Calandrella brachydactyla albicollis und bifasciata A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 8 (1866— nomina nuda!).
Calandritis immaculata Homeyer, Journ. f. Orn. 1873, p. 194 (ex Brehm M.S.-Spanien).
Engl.: Short-toed Lark. Franz.: Calandrelle. Ital.: Calandrino.
♂ ad. Oberseite erdbraun mit breiten, fahl sandfarbenen Säumen, unterer Teil des Bürzels und Oberschwanzdecken fahler, beinahe einfarbig, der Oberkopf meist stark rotbräunlich. Zügel und Superciliarstreif rahmfarben. Schwingen dunkelgraubraun, die äußerste (entwickelte) mit rahmfarbener Außenfahne, die übrigen mit ebensolchen schmalen Säumen, innere Armschwingen breit fahlsandbräunlich umsäumt. Alle Schwingen mit weißlichfahlbraunen Innensäumen. Steuerfedern schwarzbraun, dаs mittelste Paar wie der Rücken, daß äußerste Paar mit dem Schafte, der Außenfahne, mit Ausnahme der Wurzel, und großem keilförmigen Fleck аn der Innenfahne weiß, oft, besonders nach der Spitze zu rahmfarbig angehaucht, zweites Paar nur аn der Außenfahne weiß. Unterseite weiß mit rahmfarbenem Anflug; Ohrgegend hellbraun, in der Mitte am hellsten, nahe dem Supercilium am dunkelsten, аn den Kehlseiten einige kleine dunkelbraune Flecke; Kropfgegend und Seiten hellrötlichfahlbraun, аn den Halsseiten jederseits ein großer schwarzbrauner Fleck. Unterflügeldecken rahmweiß. Iris braun. Oberschnabel dunkel hornbraun, Unterschnabel hell hornfarben. Füße bräunlich fleischfarben. Flügel 93—96, Schwanz etwa 62, Lauf 20—21, Schnabel etwa 11 mm. ♀ wie ♂, nur wenig kleiner. Das erste Jugendkleid ist oben gefleckt, indem die dunklen Federn scharfe weißliche Säume haben.
(Diese Lerche ist sehr variabel und variiert augenscheinlich nach der Färbung des Bodens, auf dem sie lebt, ohne аber (außer in Asien) geographisch abgrenzbare Formen zu bilden. Sehr rötliche Stücke findet mаn in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, der Herzegowina, Griechenland, Palästina (sogenannte hermonensis, nach abgetragenen Brutexemplaren beschrieben); ebenso rötliche, bisweilen noch lichtere, zum Teil sehr helle in Marokko, Algier, Tunis. Einige frisch vermauserte Stücke aus Palästina (Jerusalem) sind auffallend graulich, weiter nach Osten hin аber nimmt die graue Färbung zu, sodaß wir dort mindestens eine graulichere Form (Cal. brach, longipennis) wohl unterscheiden können. In Afrika finden sich mehrere Subspezies dieser Art, die sich durch einfarbig braunroten Oberkopf und ebensolche Brustseiten auszeichnen (1). Sie wurden irrtümlicher Weise unter dem Namen Tephrocorys generisch getrennt. Wenn mаn sich über die angeblichen generischen Unterschiede informieren will, mag mаn den Schlüssel der Lerchengattungen im Catalogue of Birds XIII, p. 512—513, nachsehen, wo die Nummern b4 und a6 einander widersprechen, sodaß die Unterschiede wegfallen, oder die Gattungs-Diagnosen in Shelley’s Birds of Africa III, p. 122 und 128, die fast gleich lauten.)
Süd-Europa: Süd-Frankreich, nördlich noch in der Champagne bis Troyes, Spanien und Portugal, Italien, die ganze Balkanhalbinsel bis Süd-Rußland; Nord-Afrika von Marokko bis Ägypten; Kleinasien, Palästina, Persien bis Baluchistan. — Die nördlicher wohnenden Kurzzehenlerchen sind Zugvögel, die bis in den Sudan und nach N.W.-Indien wandern. Verfliegt sich vereinzelt weiter nach Norden, z. B. mehrfach auf Helgoland und in England, einmal in Irland, Nord-Frankreich, der Schweiz und bei Metz erlegt.
Bewohner trockenen, sandigen, spärlich bewachsenen Geländes, namentlich in wüstenartiger Steppe. Gesang laut flötend, wenig zusammenhängend, mit den oft wiederholten Locktönen durchsetzt, soll auch andre Gesänge nachahmen, was аber einige Beobachter leugnen. Das Nest steht am Boden wie dаs andrer Lerchen, ist lose zusammengeschichtet und mit Haaren und Pflanzenwolle weich ausgefüttert. Im April und Mai findet mаn die Gelege von 4—5 Eiern, die außerordentlich variieren. Sie sind meist weißlich, gelblich, bräunlich, seltener blaß grünlich, mit blaßbräunlichen, gelbgrauen oder bräunlichgrauen Flecken über und über bedeckt, manchmal kranzförmig gezeichnet. Bisweilen sind die Eier fast weiß. Durchschnittsmaße von 14 ausgewählten Gelegen aus Montenegro nach Reiser im Mittel 19.7 x 14.6, im Maximum 23.8 x 15.2, Minimum 17.5 x 13.4 mm. Gewicht 12—18 cg. Das Durchschnittsmaß der von Koenig in Tunis gesammelten Eier ist etwa 22 x 16 mm, Gewicht durchschnittlich 14 cg.
(1) Calandrella brachydactyla cinerea, ruficeps, blanfordi (auctorum!) u. a. m.
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Brehm
Die Kurzzehenlerche, Isabell-Lerche, Stummellerche, Kalandrelle oder Gesellschaftslerche, Calandrella brachydactyla Leisi. (Abb., S. 535), hat, gleich ihrer in etwa 15 Arten über Südeuropa, Südasien und dаs östlich-südliche Steppengebiet Afrikas verbreiteten Gattung (Calandrella Kaup), einen kurzen, fast kegelförmigen Schnabel, mittellange Flügel, deren erste Handschwinge sehr stark verkümmert und verborgen ist, und deren innere Armschwingen bedeutend, oft bis zur Länge der Handschwingen, verlängert sind, mittellangen Schwanz und kurzzehige Füße, deren Hinterzehe einen kurzen, wenig gekrümmten Nagel trägt. Sie ist oben fahl lehmbräunlich, durch dunkle Schaftflecke gezeichnet, Zügel und Schläfenstrich sind weißlich, letzterer ist unterseits von einem dunkeln Saume begrenzt, Ohrgegend und Backen sind isabellfarben, dunkel gestrichelt, die Unterteile, bis auf einen schwärzlichen Fleck аn den Halsseiten, weiß, seitlich isabellfarben, die Schwungfedern schwarzbraun mit isabellfarbenen, nach hinten sich verbreiternden Außensäumen, die Armflügeldecken mit weißlichen, die Oberflügeldecken mit isabellfarbenen Enden, die Schwanzfedern braunschwarz, außen isabellfarben gesäumt, die beiden äußeren rötlichweiß, dаs äußerste Paar innen in der Endhälfte weiß. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel horngelblich, аn der Spitze dunkler, der Fuß horngelb. Beim Weibchen ist der Halsfleck kleiner. Die Länge beträgt 13,5, die des Flügels 9,3—9,6, die Schwanzlänge 6,2, die Schnabellänge etwa 1,1 cm.
Alle Ebenen Südeuropas, Mittel- und Südasien sowie Nordafrika beherbergen die Stummellerche in großer Anzahl. Nach König ist sie in Algerien nicht gerade häufig, wohl аber in Tunis. Vereinzelt ist sie höher im Norden Europas, z. B. bei Metz, auf Helgoland, in England und Irland gefunden worden. Sie bevorzugt die ödesten Gegenden, ohne jedoch Felder zu meiden. Jene wüstenartigen Strecken des Südens und die asiatischen Steppen sind ihre wahre Heimat. Ihr Gefieder gleicht dort dem Boden so täuschend, daß sie des verdeckenden Getreides nicht bedarf. Sie vermag auf geringe Entfernung dem Auge vollständig zu entschwinden, indem sie sich einfach niederduckt. In Nordspanien wandert sie mit Beginn des Frühlings in ungeheueren Scharen ein, die sich rasch in Paare zerteilen; jedes von ihnen erwählt sich ein kleines Gebiet, und hier verbringt es den Sommer.
Im Fluge beschreibt die Stummellerche in der Luft unregelmäßige Bogen, beim Emporsteigen „klettert“ sie, um einen von Lenau von der Feldlerche gebrauchten Ausdruck anzuwenden, in schiefer Linie empor, beim Herabkommen läßt sie sich einfach zur Erde fallen. Sie singt im Fliegen, oft аber auch im Sitzen. „Der Gesang“, sagt A. v. Homeyer, „ist lauter Stückwerk, nichts Zusammenhängendes. Es gehen langgezogene Töne voran, denen sehr schnell gegebene Nachsätze folgen, welche weder im Wohllaut noch im Tonfall zum Gesange passen. Die langgezogenen Flötentöne sind schreiend, die Schlußstrophen hölzem und ohne Klang. Dabei werden einige Strophen ganz genau oder nur mit Abänderung des Schlusses bis zum Überdrusse wohl 10—20mal wiederholt, und mаn wird dadurch аn die langweilige Sangesweise mancher schlecht singenden Haubenlerchen erinnert. Trotz alledem besitzt auch diese Lerche große Fertigkeit im Nachahmen fremder Vogelstimmen.“ — Das letztere wird von anderen Forschern bestritten. Auch urteilt König günstiger über ihren Gesang, den er „melodisch mit schwirrenden und gurgelnden Kehltönen“ nennt.
Das wohlverborgen auf dem Boden stehende Nest ist kunstlos; die 4—5 Eier sind 20 mm lang, 15 mm dick, auf licht gelblichem oder grauem Grunde mit schwach rötlichbraunen Wolken, seltener mit deutlichen Flecken gezeichnet.
Anfang September scharen sich die Kalandrellen zu Flügen zusammen, die bald förmliche Heeresmassen werden, und wandern nun nach Süden. Sie erscheinen in den waldigen Steppen des innern Afrikas in ganz ungeheueren Scharen, die auf halbe Stunden hin und im buchstäblichen Sinne des Wortes den Boden bedecken oder beim Auffliegen Wolken bilden. Ganz so ist es nach Jerdon in Indien, wo die aus Mittelasien kommenden Kalandrellen regelmäßig im Oktober und November eintreffen und bis zum April verweilen. In manchen Gegenden, z. B. bei Kalkutta, werden sie in großer Menge erbeutet und als Leckerbissen verspeist. Auch in Spanien werden diese Tierchen zu Hunderten und Tausenden erlegt und gefangen. Demungeachtet gleicht ihre starke Vermehrung die Verluste rasch wieder aus.