Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
327. Melanocorypha calandra calandra (L.). (Fig. 44.)
Kalanderlerche.
Alauda Calandra Linnaeus, Syst. Nat. Ed. XII, I, p. 288 (1766— aus Brisson, Orn. III, p. 352, u. a. „Habitat circa Pyrenaeos.“).
Alauda collaris P. L. S. Müller, Natursystem, Suppl., p. 137 (1776— Ex Edwards, Gleanings II Taf. 268. „Carolina“ errore!).
Melanocorypha subcalandra C. L. Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 310 (1831— „lebt im südöstlichen Europa und in Asien, kommt äußerst selten nach Deutschland.“ In Naumannia 1856, p. 374: „Griechenland und Dalmatien“.).
Melanocorypha albigularis C. L. Brehm, Vogelfang, p. 120 (1855— „Süd-Europa“. AIs typischer Fundort ist Dalmatien anzunehmen, nach Naumannia 1856, p.374.).
Melanocoryplia calandra megarhynchos C. L. Brehm, Naumannia 1856, p.374 („in Algerien und auf Sardinien“).
Melanocoryplia semitorquata C. L. Brehm, Naumannia 1856, p. 374 (Sarepta. Der Typus am Vorderhalse beschädigt, daher „semitorquata“.).
? Melanocoryplia Calandra torquata, longirostris, tenuirostris A. E. Brehm, Verz. Sammlung, p. 8 (nomina nuda! Jedenfalls nur individuelle Abweichungen von calandra, аber in der Sammlung nur tenuirostris erhalten.).
Engl.: Calandra Lark. Franz.: Calandre. Italien.: Calandra.
♂ ad. Oberseite graulich sepiabraun mit schwarzbraunen Federmitten, die auf dem Vorderrücken, wo sich auch hell gelblichfahle Federsäume zeigen, am breitesten und dunkelsten sind. Oberhals etwas graulicher. Hinterer Teil des Bürzels und Oberschwanzdecken fast einfarbig, letztere mit blaßfahlen Säumen. Schwingen schwärzlich, Außenfahnen schmal, аn den inneren Armschwingen breiter und bräunlicher, rahmfarben gesäumt, Armschwingen, mit Ausnahme der letzten (verlängerten), mit etwa 6—9 mm breiten weißen Spitzen. Steuerfedern schwarzbraun mit schmalen, nach den äußeren Federn zu größer werdenden weißen Spitzen, dаs mittelste Paar weniger schwärzlich und mit fahlbräunlichen Säumen, dаs äußerste größtenteils weiß, аn der Basis аber ein schiefer, keilförmiger, dunkelbrauner Fleck, dаs zweite Paar mit etwa 1 mm breitem weißen Außensaum. Zügel graulich weiß; ein schmaler rahmweißer Superciliarstreif. Kopfseiten graubraun, schmal fahlbräunlich gestrichelt, unter dem Auge ein hellerer Fleck. Unterseite weiß, аn den Kropfseiten ein sehr großer schwarzer Fleck, Vorderbrust mit gelbbräunlichem Schimmer und kleinen dunkelbraunen Längsflecken, Seiten fahl erdbraun. Unterflügeldecken und Achselfedern bräunlichgrau mit schmalen fahlen Säumen. Oberschnabel und Spitze des Unterschnabels dunkel horngrau, Schneide des Oberschnabels und Unterschnabel blaß bräunlichgelb. Iris braun, Füße hellbraun. Flügel 127—134, Schwanz etwa 62—66, Schnabel etwa 14—17, Lauf etwa 17—18 mm. ♀ wie ♂, nur etwas kleiner, Schnabel und Flügel kürzer, meist auch die schwarzen Flecke аn den Kropfseiten nicht ganz so groß. Das Herbstkleid ist lebhafter, die fahlen Federsäume machen es hübscher, im Sommer wird die Färbung matter, bräunlicher. Die Variation ist namentlich in Bezug auf Schnabel- und Flügellänge groß, auch der dunklere und hellere, braunere und grauere Ton der Oberseite ist etwas wechselnd, ohne аber geographisch beschränkt zu sein. Der junge Vogel im ersten Gefieder ist oben lebhaft gelbbraun mit braunschwarzen Federmitten und fahlgelben Säumen, dаs Weiß аn Steuerfedern, Schwingensäumen und Unterseite ist durch Rahmgelb ersetzt, die dunklen Flecke аn den Kropfseiten sind braun und kleiner.
Das Brutgebiet der Kalanderlerche erstreckt sich von Süd-Frankreich über Süd-Europa und Nord-Afrika bis Kleinasien, Kaukasus und Armenien. Häufig in Spanien und Portugal, Mittel- und Süd-Italien, in Nord-Italien jedoch nur selten und zufällig, in Korsika, Sardinien, Sizilien, Dalmatien, Montenegro (bei Podgorica), Bulgarien, Dobrudscha, Süd-Rußland bis zum Kaspischen Meere, Türkei und Griechenland, Kleinasien bis Armenien, Nord- Kaukasus (aber nicht im Bakudistrikt), Palästina bis zum Libanon, in den nördlichen und mittleren Teilen von Marokko, Algier und Tunis (aber in Ägypten anscheinend nicht Brutvogel, sondern nur eine ausnahmsweise Erscheinung). — Stand- und Strichvogel, daher nicht oft außerhalb ihres Wohngebietets beobachtet. Da sie oft in der Gefangenschaft gehalten wird, sind vereinzelte Vorkommnisse mit Vorsicht aufzunehmen. Ist nach Leisler einmal bei Frankfurt a. M., nach Gloger einmal in Schlesien, nach Gätke einmal auf Helgoland vorgekommen, in England nicht mit Sicherheit festgestellt.
Lebensweise feldlerchenartig. Bewohnt mit Gras, Steinen und Gestrüpp bedeckte steppenartige Ebenen, аber auch, besonders in Nord-Afrika, Gerste- und Haferfelder, in denen sie sehr gemein ist. Im Winter vereinigt sie sich zu großen Schwärmen, аber schon im März beginnen sich die Paare zu sondern. Lockstimme viel kräftiger als die der Feldlerchen, Gesang schnarrend und flötend, häufig von dem laut und klar gepfiffenen Worte „klytra, klytra“, sowie mit den wunderbar nachgeahmten Strophen andrer Singvögel durchsetzt. Das Nest steht am Boden in kleinen vorgefundenen oder gescharrten Mulden, meist von überhängendem Grase mehr oder minder verborgen. Im Mai oder schon Ende April findet mаn meist 5, seltener 4 oder 6 Eier. Letztere sind in der Regel gröber gefleckt als Haubenlercheneier und immer größer und dicker als Feldlercheneier. Grundfarbe meist weißlich oder gelblich, sehr selten schwach grünlich, fast immer zwischen den zahlreichen, meist graubraunen Flecken deutlich hervortretend. Selten ist eine Kranzzeichnung ausgebildet, selten die Fleckung fein, wie bei Heidelercheneiern, bisweilen erinnern die Eier аn die der großen Grauwürger. Maße von 78 Eiern in Dr. Rey’s Sammlung im Maximum 27.1 x 18.9 und 26.8 x 19.2, im Durchschnitt 24.3 x 17.9, im Minimum 24 x 17.2 und 22.8 X 18 mm. Gewicht etwa 239 mg.
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Brehm
Ein herrlicher und deshalb hochgeschätzter Sänger Südeuropas, die Kalanderlerche, Melanocorypha calandra L. (collaris), bildet mit fünf weiteren Arten die Gattung Melanocorypha Boie, deren Gebiet von den Mittelmeerländern bis Zentralasien und Nordwestindien reicht. Bei allen ist der Schnabel hoch und stark, finkenähnlich, oberseits zusammengedrückt, auf dem First der ganzen Länge nach gebogen. Im langen und spitzen Flügel ist die äußerste Handschwinge 0,5—1 cm lang, bald versteckt, bald deutlich von unten zu sehen; die innersten Armschwingen sind verlängert, ohne doch die Flügelspitze zu erreichen. Der kurze oder mittellange Schwanz ist nicht oder kaum ausgeschnitten, der Fuß stark, die Hinterzehe mit langem, geradem, spornartigem Nagel bewehrt. Der Leibesbau ist kräftig und gedrungen. Die Länge der Kalanderlerche beträgt bis 21, die Flügellänge 13, die Schwanzlänge 6,5, die Schnabellänge etwa 1,5 cm. Die Federn der Oberseite sind fahlbräunlich, außen isabellfarben gesäumt und verwaschen dunkel geschäftet, Zügel und undeutlicher Augenstreifen, Kinn, Kehle, Kropf und Brust zart rostgelblich, letztere mit feinen dunkeln Schaftstrichen geziert, die übrigen Unterteile weiß, seitlich dunkel isabellfarbig.
Ohrgegend und ein undeutlicher Bartstreifen bräunlich, zwei große, zuweilen fast sich berührende Flecke аn den Halsseiten schwarz, die Schwungfedern braunschwarz, die Armschwingen erdbraun, erstere außen schmal, letztere breit hellbraun gesäumt, die hintersten Hand- und Armschwingen auch am Ende weiß gerandet, die Schwanzfedern braunschwarz, außen breit fahl gesäumt, die äußersten Federn und die Spitzen des zweiten und dritten Paares weiß, rostgelblich überhaucht. Die Iris ist tiefbraun, der Oberschnabel Hornbraun, der Unterschnabel Horngelb, der Fuß hellbraun.
Südeuropa, insbesondere die Umgebung des Mittelmeeres, Spanien, Süditalien, Istrien, Dalmatien, Griechenland, die Krim und die südrussische Steppe zwischen Wolga und Uralfluß nördlich bis Indirsk, Kleinasien, der Kaukasus und Armenien sowie Nordwestafrika sind die Heimat der Kalanderlerche. Als Irrgast ist sie bei Frankfurt a. M., in Schlesien und auf Helgoland beobachtet worden. Sie bewohnt am liebsten dürre, nicht bewässerte Ebenen oder ausgedehnte Viehweiden, in Asien die Steppe, in Nordafrika auch Gersten- und Haferfelder.
In ihrem Betragen unterscheidet sich die Kalanderlerche nicht wesentlich von unsrer Feldlerche. Auch sie lebt während der Fortpflanzungszeit paarweise in einem bestimmten Gebiete, aus dem sie andere ihrer Art eifersüchtig vertreibt, schlägt sich аber nach der Paarungszeit in Flüge zusammen, die zuweilen ebenfalls sehr zahlreich werden können. Ihr Vorkommen und ihr Wesen in Nordafrika schildert König folgendermaßen: „Die häufigste aller Lerchen im Atlasgebiet ist unstreitig die Kalanderlerche. Dieser große und schöne Vogel bedeckt die ihm zusagenden Felder und Ebenen in zahllosen Schwärmen. Da, wo er vorkommt, ist er in überreicher Anzahl vorhanden und daher gemein zu nennen, doch bindet er sich nur аn gewisse Strecken und tritt keineswegs überall auf. Ihm sagen die Felder zu in des Wortes vollster Bedeutung, auch die Steppengegenden, welche mit den wohlriechenden Thymianpflänzchen und dem hochstaudigen Asphodill besetzt sind. Doch halten sich diese Lerchen in Banden zusammen, die sich oft zu ganzen Scharen, die Scharen wiederum zu Schwärmen zusammenschlagen. Ihr Gezwitscher füllt dann die Luft, wie sie es selber tun mit ihren Körpern, wenn sie vor den Füßen des Dahinschreitenden auffliegen. Wo mаn dann hinblickt und hinhorcht: Kalanderlerchen und nichts als Kalanderlerchen! Man muß diese Scharen selbst gesehen, mаn muß ihren ohrenbetäubenden Lärm selbst vernommen haben, um die Wahrheit des eben Gesagten glauben zu können.“ Bestimmt zu unterscheiden ist die Kalanderlerche von unseren und allen anderen mir bekannten Lerchen аn ihrem aufrechten Gange und аn den zwar etwas langsamen, аber ungemein kräftigen Bewegungen ihrer sehr breiten Flügel, die in Verbindung mit dem sie unterseits säumenden lichteren Endrande ihrem Flugbilde ein so eigenartiges Gepräge geben, daß mаn sie nie verkennen kann. Ebenso charakterisiert sie ihr herrlicher Gesang. Wer sie zum ersten Male singen hört, bleibt überrascht stehen, um ihr sodann mit Entzücken zu lauschen. Ihr Lied zeichnet sich vor allen mir bekannten Lerchengesängen durch einen wunderbaren Reichtum und ebenso große Fülle und Kraft aus. In der Steppe vereinigt, verschmilzt, vertönt sie die Gesänge aller dort lebenden Lerchenarten in dem ihrigen und gibt sie veredelt wieder. Nicht alle verwenden ihre unerschöpflichen Stimmittel in einer unserm Ohre wohltuenden Weise; einzelne аber sind geradezu unvergleichliche Meister in ihrer Kunst, die mаn im Freien gehört haben muß, um sie gebührend zu würdigen. Die Kalanderlerche singt vom Morgen bis аn den Abend. „Eine vor dem Fenster hängende Lerche dieser Art“, sagt Cetti, „ist hinreichend, die ganze Gegend zu erheitern. Sie ist die Freude und der Stolz des Handwerkers, dаs Entzücken der Vorübergehenden.“ Alle Beobachter sind einstimmig in diesem Lobe, und die französischen Bewohner Nordafrikas sagen, laut König, von einem jungen Mädchen sprichwörtlich: „es singt wie eine Kalanderlerche“. „Ihr Lockton“, schreibt Graf Gourcy meinem Vater, „gleicht, einen tiefen Ton ausgenommen, der Lockstimme der Haubenlerche sehr. Ihr Gesang ist herrlich und wegen seiner außerordentlichen Abwechselung wirklich wunderbar. Wenn sie ihren Lockton einige Male hat hören lassen, folgen gewöhnlich einige Strophen aus dem Gesänge der Bastardnachtigall; dann kommt der langgezogene, sehr tiefe Ruf der Amsel, in dem sich namentlich dаs ,Tack tack‘ sehr hübsch ausnimmt. Hierauf folgen Strophen, ja zuweilen der ganze Gesang der Rauchschwalbe, der Singdrossel, des Stieglitzes, der Wachtel, der Finkmeise, des Grünlings, des Hänflings, der Feld- und Haubenlerche, des Finken und Sperlings, dаs Jauchzen der Spechte, dаs Kreischen der Reiher, und dies alles wird in der richtigen Betonung vorgetragen. Sie schnalzt wie ein Mensch; sie trägt allerhand Töne vor, die sie gewiß von anderen, mir gänzlich unbekannten Sängern annahm; sie ahmt alles so täuschend nach, daß der Kenner jedes Vogels Gesang sogleich erkennen muß. Als ich sie erhielt, kannte sie den Gesang der Baumlerche und den Ruf der Schwanzmeise noch nicht: in kurzer Zeit hatte sie beiden Vögeln ihre Töne so gut abgelernt, daß sie diese herrlich vortrug. Zuweilen ist ihre Art zu singen äußerst sonderbar; sie scheint dann die Töne, ohne die Kehle im geringsten dabei zu bewegen, nur aus dem Schnabel herauszuwerfen. Schade nur, daß ihr Gesang für dаs Zimmer zu laut ist, daß er im geschlossenen Raume auf die Länge nicht ertragen werden kann.“
Das Nest ist ein kunstloser Bau aus trocknen Stengeln und seinen Wurzeln, der аn einer verborgenen Stelle hinter Erdschollen, kleinen Büschchen oder im Getreide, immer аber in einer kleinen Vertiefung angelegt wird. Die 4—6 Eier, die mаn im Mai oder schon Ende April findet, sind 24 mm lang, 18 mm dick, rundlich, in der Mitte stark ausgebaucht und auf etwas glänzend weißem oder gelblichweißem Grunde mit gelbbraunen und grauen groben Flecken, die gegen dаs dicke Ende hin oft kranzartig zusammenlaufen, dicht bedeckt.
Um in Spanien die auch hier sehr beliebte Sängerin zu fangen, geht mаn des Nachts auf geeignete Feldstücke; einige der Fänger tragen Herdenglocken, andere Blendlaternen, die übrigen Handnetze. Die Lerchen werden durch den Lichtschimmer geblendet, durch den Klang der Herdenglocken, die eine nahende Rinder- oder Schafherde anzukündigen scheinen, аber irregeführt. Sie warten die Ankunft der Fänger ruhig ab, drücken sich auf den Boden nieder und werden dann entweder mit den Netzen überdeckt oder sogar mit der Hand gegriffen.