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Bezzel
Eremophila alpestris (L. 1758) — Ohrenlerche
Os. 40 Subspezies; Mitteleuropa E. a. flava (GmeL 1789)
Status in ME. Regelmäßiger, mäßig häufiger Durchzügler und Wintergast аn der Küste, im Binnenland unregelmäßig und nach S selten bis sehr selten.
Kennzeichen. Etwa feldlerchengroß, Schnabel relativ kürzer; ♂ ad. mit deutlichen Federhörnchen. • ♂ ad. Stirn und breiter, weit nach hinten reichender Überaugenstreif zitronengelb bis weißlich, ebenso Kehle, Hals- und Kopfseiten (letztere nach hinten weißlicher); Vorderscheitel mit schwarzem Querband, dаs seitlich in zwei spitze, aufrichtbare Federhörnchen mündet; ferner schwarzes Band vom Oberschnabel bis zum Auge (Zügel), dаs sich unter dem Auge zu einem schwarzen Wangenfleck vergrößert (Gesichtsmaske); breiter schwarzer Brustlatz. Im frischen Gefieder (Herbst) sind die Kontraste durch gelbbräunliche Federspitzen teilweise verdeckt, im abgetragenen Gefieder (Frühjahr) dagegen deutlicher. Oberseite weinrötlichbraun, Hinterrücken mit dunkelbraunen Flecken. Unterseite nach dem Brustschild weiß, Flanken rosabraun oder auch gelblich. Mittleres ST-Paar dunkelbraun mit breiten helleren Rändern, übrige ST braunschwarz; ST 5 mit schmaler, ST 6 mit breiter weißen Außen- und Spitzenkante. ♀ ad. Schwarz am Kopf weniger weit ausgedehnt, Vorderscheitelband schmaler, mit braungrauen Federn durchsetzt, Hörnchen nur angedeutet; im frischen Gefieder (Herbst) dunkle Abzeichen unter bräunlichen Federspitzen undeutlich zu sehen; jedoch im Spätherbst und Winter große Variationsbreite zwischen ♂ und ♀. Scheitel und Vorderrücken dunkel längsgestreift und daher weniger rötlich als bei ♂. Juv. (nur im Brutgebiet) oberseits dunkler, Oberseite mit hellen Pfeilflecken (ähnlich Haubenlerche), keine schwarze Kopfzeichnung, sondern nur dunkelbraunes, fleckiges Brustquerband und dunkle Wangen. Im 1. Winter am Kopf matter gefärbt als ad., insbesondere sehr undeutliches Querband auf dem Vorderscheitel. • Andere Subspezies: Brutvögel der Balkanhalbinsel und TR mehr Schwarz am Kopf; Wangenfleck und Brustlatz verschmelzen miteinander und schließen den hellen Kehlfleck ein; Federhörnchen etwas länger; helle Stellen am Kopf weißlich; Rücken grauer. • Schnabel grau mit dunklerer Spitze und hellerer Unterschnabelbasis; Lauf schwarz; Iris dunkelbraun. • Flügelstruktur: Flügelspitze bilden HS 7 —9 (näheres Pätzold 1987). • Fotos: f Pforr u.a. 1980; Hammond u a. 1981; Nicolai 1982; De- lin u.a. 1989. sw Makatsch 1976:108; VF 46, 1987: 401; OM 39, 1987: 15, 159-160 (Serie); Pätzold 1987 (Serie, meist balcanica, juv usw.); OM 41, 1989: 93-94; BB 83, 1990: 329. Zeichnungen: f Pätzold 1987 (Köpfe der Subspezies).
Verbreitung und Bestand. Br. holark- tisch (mit einer Insel im NW Südamerikas); im N zirkumpolar in S-Arktis, Subarktis und Fjälltundren der borealen Zone, im S in den Hochsteppen und Halbwüsten der Gebirgsländer (in N-Amerika beide Gürtel ineinander übergehend). In der Paläarktis in den Bergtundren E-Sibiriens, der Tundren Mittel- und W-Sibiriens, im nördlichsten RUS, N-SF, N-S. und in N. nach S bis < 60° N, ferner im S von E-Sibirien durch die Hochgebirge Zentral- und Mittelasiens bis Kaukasus und Kleinasien, Verbreitungsinseln in GR, YU, B, seit 1962 in R (Südkarpaten) nachgewiesen, ferner MA (Atlas). In Skandinavien offenbar erst im 19. Jh. eingewandert, doch im 20. Jh. z.T. stark – (z.B. SF). In ME r., аber s. Dz. und Wintergast mit abnehmender Regelmäßigkeit und Häufigkeit im Binnenland. Ausnahmsweise Sommerbeobachtungen.
CH: 1922/90 11 Nachweise. • B: r. G., 21. Aug.1953 3 Ind • NL: max. Okt. —Nov., 250-1000 Ind. überwinternd (1978-83). • D Schl.-Holst. аn der Küste Überwinterung von 4000 — 5000 Ind.; Saar, bis 1989 nur 4 Nachweise 1969-1987, einmal 23 Ind.; Bay. 19. Jh. einige, 1890-1943 kein Nachweis, 1943 — 1981 in 15 Wintern jeweils wenige Einzeldaten bis max. 23 Ind zusammen, 15. Juni 1989 2 Ind. Südbayern (im Druck); Thür, erst seit 1963-64 als r. G. beobachtet, 19. Sept, bis Anfang April, max. > 200 Ind. zusammen; Bra. r. G. 16. Okt—12. April, max. ca. 1000 Ind. zusammen; Meckl. r. G. 12. Sept. —21. Mai, max. 1500 Ind. zusammen; • A: u.a. 26. Juli 1980 2 Ind. (davon 1 sing ) 2350 m Karnische Alpen Grenze Osttirol/Venetien. • CS: im 19. Jh. ur.; seit Winter 1953 — 54 wahrscheinlich alljährlich; 23. Okt. – 13. März, Sommerdaten 26. Juli 1961 6 Ind., Aug. 1860 ♂♀; einmal ca. 1000 Ind., sonst meist kleine Trupps (Stand ca. 1980). »PL. r. G. im N, am seltensten im SE. • SF: besonders seit 1950 stark —, nur noch 50 BP geschätzt (1974- 79). -8.: ca. 10 000 BP (um 1975), —. • N.: ca. 12 000 BP (um 1975). • GB/IRL: 1977 1 Brut im schottischen Hochland; Winterbestand 1981 — 84 nicht > 300 Ind., in günstigen Wintern dаs Mehrfache.
Wanderungen. Die Br. N-Europas sind Zugvögel mit Winterquartier im Küstenbereich von Ost- und Nordsee sowie am Ärmelkanal von 8-3. und S- N bis SE-England und N-F; im Binnenland kommen einzelne Überwinterer bis Ungarn und аn die deutsche Mittelgebirgsschwelle. Ausnahmegäste sind nach S bis Malta, S- und W-F und im W bis IRL nachgewiesen; gelegentlich erscheinen auch einzelne hoch im N (z. B. Spitzbergen). Wegzug in N-Europa Sept — Anfang Okt., Zugbeginn im S der Ost- und Nordsee Anfang —Mitte Okt., max Mitte Nov. Heimzug ab Febr. bis Anfang April, Ankunft аn den Brutplätzen Mitte April —Ende Mai. Einflug nach ME auch von RUS (u. a. em Ringfund).
Biotop. Br. auf dürftig bewachsenen Flächen mit geringer Vegetationshöhe, oft auf sehr steinigen bis felsigem Untergrund. Im Winter аn der Küste аn Deichen und auf bewachsenen Schlickboden des Vorlandes, auch auf Sand und Kies in Flußmündungen; im Binnenland auf abgeernteten oder brachliegenden Äckern oder аn schneefreien Weg- und Straßenrändern.
Nahrung. Im Sommer Insekten, ferner andere Arthropoden, gelegentlich kleine Mollusken, Würmer; Anteile von Samen und grünen Pflanzen gering. Im Winter vor allem Samen.
Stimme. Rufe hell pfeifend »tieh« oder »tiü«, auch manchmal ähnliche Stelzen oder Goldammer »tsit«, »trrli«, im Flug auch ßsilbig härter »di- di-di«, »tsieh….«, Schreckrufe kurz »zirr« o.ä. Gesang hoch und eilig zwitschernd, relativ kurz und teilweise ausgesprochen melodisch am Boden von einer Warte aus oder seltener in einem Singflug vorgetragen. Der eigentliche Fluggesang aus stereotyp wiederholten zwitschernden, klirrenden oder quietschenden Strophen, z.B »pit wit pit-wit pittle wittle little little liii«.
Verhalten. Läuft rasch, mäuseartig, oft miteingezogenem Kopf. Flug relativ hastig. Bei der Insektenjagd im schnellen Laufen stelzenartig. F verteidigen Brutreviere; im Winter in Trupps oder größeren Schwärmen, auch untermischt mit anderen am Boden nahrungssuchenden Singvögeln. Zum Singflug relativ steiles Aufsteigen, zunächst ohne Gesang, dann singend in Stufen abwechselnd mit Flügelschlag- und Gleitphasen aufsteigend und anschließend mit angelegten Flügeln herabfallend. Im Brutgebiet auch Bodenbalz. Am Brutplatz oft recht scheu, Wintergäste häufig mit geringer Fluchtdistanz.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife im 1. Lebensjahr. Monogame Saisonehe. Nistplatzwahl durch dаs ♀. Nest am Boden, manchmal recht offen, häufig im Windschatten von Stein, Erdhügel oder Grasbüschel. Nest in einer relativ tiefen Mulde, auf einer Seite meist eine »Rampe« aus Steinchen, Zweig- oder Flechtenstücken. ♀ gräbt Mulde mit dem Schnabel und trägt Nistmaterial ein. Eier variabel gefärbt, auf gelbbraunem Grund verschieden gefleckt oder gepunktet. Vollgelege 3 — 5 (-7) Eier. Legebeginn N. und SF kaum vor 20. Mai. 2 Jahresbruten kommen vor, ihr Anteil ist аber unbekannt. Brutdauer (10)11( —14) d. Nur dаs ♀ brütet, beide Eltern füttern. Nestlingsdauer 12(13) d, Nest wird oft schon früher verlassen. Juv. hüpfen zunächst und laufen etwa ab 12 d schrittweise, ab 15 d voll flugfähig.
Alter. Im Freien lebend kontrolliert 7 Jahre (N-Amerika), in Gefangenschaft bis 10 Jahre.
Mauser. Postjuvenile Mauser (Vollmauser) bald nach dem Leibständigwerden, Dauer (8)9( —11) Wochen. • Postnuptialmauser (Vollmauser) ab Ende Juni — Mitte Juli etwa 8—10 Wochen, Beginn mit HS 1, Kleingefiedermauser erst am Ende der Großgefiedermauser (Heranwachsen von HS 9).
Literatur (35). R. Pätzold, NBB 586, 1987.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Ereniophila alpestris (L.) — Ohrenlerche.
Verbreitung des Rassenkreises. Zirkumpolarer Brutvogel der Tundren und waldlosen Ebenen und Gebirge des hohen Nordens der Alten und Neuen Welt einschließlich Grönlands. — In Europa außerdem im Süden auf den Gebirgen der Balkanhalbinsel; in Afrika im Atlas, in Rio de Oro, in der Sahara bis nach Vorderarabien; ferner die meisten Gebirge, Wüsten und Steppen Vorder- und Mittelasiens, nahezu dаs ganze Nordamerika südwärts bis Mexiko; Columbien. (Weiteres vgl. Meinertzhagen, Ibis 1928, Verbreitungskarten).
Sehr reiche Rassengliederung mit gegen 30 Rassen.
Ereniophila alpestris flava (Gmelin) — Ohrenlerche.
Otocorys alpestris (L.), Naumann III, S. 2; Ereniophila alpestris flava Gmelin, Reichenow S. 116.
Beschreibung. ♂ ad.: mit spitzen, schwarzen Federohren; schwarz ist ebenfalls ein die Federohren verbindender Querstreif sowie Wangen und Kropfgegend, im frischen Kleide mit gelblichen Federsäumen, die sich später abreiben; Kopf im übrigen bis zum Kropffleck gelb, übrige Unterseite gelblich weiß, Brustseiten grau rötlich. Oberseite braun mit rosa Anflug, auf dem Rücken mit dunkelbraunen Federmitten; Steuerfedern braunschwarz, äußerstes Paar mit breiteren, dаs nächste mit ganz schmalen, weißen Außensäumen. Schnabel horngrau, аn der Spitze fast schwarz, Wurzel des Unterschnabels schmutzig gelb; Füße schwarz; Iris dunkelbraun. — ♀ ad.: insgesamt weniger kontrastreich; Federöhrchen nur angedeutet. — Jugendkleid: ohne Schwarz am Kopfe; nach Hartert Oberseite dunkel sepiabraun, die meisten Federn mit rostgelblichen Säumen und rahmfarbenen, tropfenartigen Flecken, Zügel gelb; Unterseite matt rahmfarben, Kropfgegend und Seiten braun gefleckt. Schnabel und Füße gelblich fleischfarben. Mauser, wie bei Alauda arvensis-, im abgetragenen Kleide werden die Farben reiner. — Maße: Flügel ♂ 108—112, ♀ 101—105 mm. Gewicht (9 ♂) 32 1/2—46 g, im Durchschnitt 39,2 g; (5 ♀) 26 1/2 bis 37 g, im Durchschnitt 32,7 g (Weigold).
Feldornithologische Kennzeichen. Zeichnung bei ad. siehe Abb. 28! Bodenvogel, der auf dem Zug gern in dünigem Gelände einfällt.
Stimme: Lockton fein metallisch, von Braunellenklangfarbe, „dididü“, „hidü(düdü)“. Gesang nach Grote kurz, wie abgebrochen, klangschön, fliegend oder sitzend vorgetragen (s. Zool. Garten 1935, S. 56).
Allgemeine Verbreitung. Brutvogel im nördlichsten Nordeuropa und Nordasien, Bewohner der Gebirge über der Baumregion, der Tundren und waldlosen Nordlandgebiete; im allgemeinen nördlich des Polarkreises, аber in Norwegen bis zum Dovre-Fjeld, in Schweden südlich bis Jämtland, in Sibirien bis Transbaikalien, hier den Anschluß аn die Rassen Innerasiens gewinnend. Die Alpenlerche hat Skandinavien erst etwa von 1830 аn besiedelt, ist аber heute im Norden dieser Halbinsel weit verbreitet.
Wanderungen. Auf dem Zuge bis nach Mittel- und Osteuropa, größtenteils аn den Küsten von England, Deutschland, Holland, Belgien und Nordfrankreich sowie in Südrußland überwinternd.
Vorkommen in Deutschland. Auf dem Durchzug im Oktober/ November und März bis Mai auf Helgoland in Menge, auf den Inseln und im Küstengebiet der Nordsee sehr häufig, hier auch überwinternd. Weniger zahlreich аn der Ostsee auftretend; im Binnenlande sehr unregelmäßig, in Süddeutschland äußerst selten.
Fortpflanzung. Sutton, Mem. Carneg. Mus. Vol. XII.
Nahrung. Vor allem Gräser- und andere Samen, zur Zugzeit auch kleine Mollusken und Crustaceen, nach Naumann gern Hafer usw. Im Sommer erheblicher Anteil аn Insekten, besonders Fliegen und Mücken, Käfern und deren Larven.
Parasiten. Federlinge: Menacaiithus perforatus subsp., Ricinus s. serratus. Milben: Pterodectes reticulifer, Proctophyllodes troncaius, Pterodecles bilobatus, Analgopsis pachycncmis, A. tridentulatus.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Die Ohrenlerche (Eremophila alpestris L.)
…, eine Art, die in der örtlichen Form E. a. flava Gm. im hohen Norden der Alten Welt Brutvogel ist und zum Überwintern häufig nach Mitteleuropa kommt. Zu dieser Zeit sind die schwarzen Federöhrchen, wie dаs Bild zeigt, noch wenig ausgebildet, da sie von den Spitzen der übrigen Kopffedern überdeckt werden; diese nutzen sich zum Sommer hin so ab, daß die schwarzen Hörnchen dann deutlich werden. Bei dem etwas kleinern Weibchen sind sie schwächer entwickelt, auch ist die Gesamtfärbung trüber und dаs Zeichnungsmuster weniger abgesetzt. Der Flügel mißt 106—112, der Schwanz 68—74, der Schnabel 9—11, der Lauf 21—23 mm. Sie wiegt etwa 35—40 g.
In unsrer Gegend bekommt mаn von dieser Form natürlich nur Wildfänge, die stets recht fahrig und scheu bleiben und in ihrem Benehmen аn Feldlerchen erinnern. Der Vogel heißt vielfach auch Alpenlerche, was, wie beim Alpenstrandläufer, den Unkundigen zu der irrtümlichen Ansicht verleitet, daß diese nordischen Tiere irgend etwas mit den Alpen zu tun hätten; Finne dachte bei seiner Namengebung alpestris und alpina аn die Gebirge Skandinaviens.
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Hartert
415. Eremophila alpestris flava (Gm.). (Fig. 46.)
Nordeuropäische Alpenlerche, Ohrenlerche.
Alauda flava Gmelin, Syst. Nat. I, p. 800 (1788— beruht auf „Buffon’s“ und Daubenton’s Ceinture de Prêtre ou Alouette de Sibérie. Typ. loc. Sibirien.).
Alauda nivalis Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. I, p. 519 (1827— Europa und Sibirien bis zur Lena).
Phileremos striatus Brehm, Vogelfang, p. 122 (1855— Europa).
Phileremus alpestris macrourus, brachyurus A. E. Brehm, Verz. Sammt., p. 8 (1866— nomina nuda!).
Engl.: Shore lark. Franz.: Alonette de la Sibérie, Ceinture de Prêtre. Schwed.: Berglärka. Ital.: Lodola gola gialla.
♂ ad. Stirn, größter Teil der Kehle, Streif überm Auge und hinter den schwarzen Wangenflecken аn den Halsseiten bis zur Kehle hinziehend schwefelgelb. Die nach vorn stehenden kleinen Federn über den Nasenlöchern und Zügel schwarz, unter dem Auge mit einem großen schwarzen Kopfseitenfleck verbunden, von dem schwarzen Kropffleck breit getrennt. Quer über den Scheitel eine breite schwarze Rinde, aus der die ebenfalls schwarzen „Federohren“ entspringen. Im frischen Herbstkleide haben die schwarzen Scheitelfedern und Kopfseitenflecke bräunlichgelbe Säume. Oberkopf von der schwarzen Scheitelbinde аn und Hinterkopf gräulich-rosa mit graubräunlichen Federspitzen und Säumen, Rücken braun, in der Mitte der Federn dunkler, аn den Seiten der Federn mit rosigem Anflug, die Schwanzdecken аn der Basis ausgedehnt rosa und mit helleren, fast weißlichen Spitzen. Schwingen dunkelbraun, beide Fahnen weiß gesäumt, die inneren verlängerten Armschwingen mehr restlich braun und mit restlichen
Säumen. Kleine Oberflügeldecken gräulich rosa, mittlere graurosa mit brauner Wurzel und weißlichen Spitzen säumen, große braun mit zimmtartig helleren Säumen und weißlichen Spitzen. Steuerfedern braunschwarz, äußerstes Paar mit breitem, zweites mit schmalem weißem Außensaum, Spitzen aller Steuerfedern weißlich, mittelstes Paar braun, nur mit braunschwarzem Mittelstreifen. Kehle gelb, großer schwarzer, bis zur Kehle ansteigender Kropffleck; übrige Unterseite weiß, unter dem schwarzen Kropffleck einige, durch graue Federspitzen gebildete Fleckung, Brustseiten graurötlich. Weichen hellbraun mit rötlichem Schimmer und dunkleren Strichen. Unterflügeldecken weiß, die äußeren mit schwarzbraunen Wurzeln. Schnabel horngrau, аn der Spitze fast schwarz, Basis des Unterschnabels schmutziggelblich. Beine schwarz. In der Brutzeit werden die Farben reiner, weil sich die Federränder abnutzen: Das Gelb der Stirn und Kehle verbleicht zu einem gelblichen Weiß, dаs Schwarz des Scheitels und Kropfes wird rein und tief, Hinterkopf und Hinterhals werden rosiggrau, die Oberschwanzdecken rötlicher, die graue Beschuppung der untern Kropfgegend verschwindet. Flügel 106—112, Schwanz 68—74, Schnabel 9—11, Lauf 21—23 mm. Das ♀ ad. ist merklich kleiner (Flügel etwa 102—106 mm), weniger lebhaft gefärbt, die „Federohren“ nicht lang, sondern fast nur angedeutet, dаs Gelb der Stirn durch schwärzliche Federwurzeln undeutlich und schmäler, dаs Schwarz des Scheitels nicht so scharf begrenzt, die rosigen Partien des Gefieders mehr grau, der ganze Rücken durch ausgedehnt braune Federmitten dunkler und brauner. Juv. im ersten Kleide: Oberseite dunkel sepiabraun, die meisten Federn mit rostgelblichen Säumen und rahmfarbenen tropfenartigen Flecken, Zügel gelb. Unterseite matt und blaß rahmfarben, Kehle gelblicher, Kropfgegend und Seiten braun gefleckt. Schnabel und Füße gelblich fleischfarben.
Bewohnt zur Brutzeit dаs nördlichste Nord-Europa, fast nur innerhalb des Polarkreises, in den ebenen Teilen sowohl, als auch im Gebirge, immer über der Baumregion, und die Tundren und waldlosen Nordlandsgebiete Nord-Asiens. — Auf dem Zuge erscheint sie in Mittel-Europa, überwintert аber schon аn den Küsten Nord-Deutschlands und in Süd-Rußland, erscheint nur selten in Italien, im Osten südlich bis zum Amur und Nord- China. Die Behauptung von rezenter Weiterverbreitung von Amerika nach Westen hin ist nicht aufrecht zu erhalten, denn nicht nur sind die amerikanischen Formen verschieden, sondern die Alpenlerche war auch schon 1736, 1747 und 1767 in Deutschland bekannt.
In der Lebensweise lerchenartig; läßt ihren lieblichen, weichen, im Vergleich zu dem der Feldlerche kurzen und unbedeutenderen, weniger schmetternden Gesang auch während des kalten Mitternachtsonnenscheins von erhöhten Gegenständen und in der Luft schwebend erschallen. Am Brutplatze zutraulich, auf der Wanderung in Scharen, mit Vorliebe auf Brachen, Steppen, und namentlich am Seestrande, ziemlich scheu; sie fliegen dann rasch und gewandt, mit hellem, vernehmlichen Lockruf. Die Nester stehen in kleinen Bodenvertiefungen im offenen Gelände. Sie sind je nach des Orts Gelegenheit aus Zweiglein, Pflanzenstengeln, Halmen und Wolle gebaut, mit Weidenkätzchen und Haaren ausgefüttert und enthalten (in Lappland) in der zweiten Hälfte des Mai und im Juni 3—5 Eier. Diese ähneln bis auf die meist geringere Größe den Feldlercheneiern, sind jedoch in der Regel grünlich, obwohl auch oft graulich und überhaupt recht variabel. Sie messen nach Rey’s Messungen аn 17 Exemplaren im Maximum 25.1 x 15.9 und 22.1 x 16.8, im Durchschnitt 22.7 x 16.4, im Minimum 21.2 x 16.3 und 25.1 x 15.9 mm.
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Brehm
Eine der anmutigsten Lerchengattungen ist die der Ohrenlerchen (Eremophila Boie, Otocoris, Otocorys), deren Kennzeichen indem starken, kurzen, bei vielen Formen fast kegelförmigen, bei anderen spitzeren und gestreckteren Schnabel, den starken Füßen mit mittellangen Zehen und kurzen, wenig bogenförmigen Sporen аn der Hinterzehe, den langen Flügeln, deren innere Armschwingen zwar verlängert, аber nicht annähernd so lang wie die Handschwingen sind, sowie endlich in dem sehr reichen Gefieder, zwei kleinen Federohren аn den Seiten des Hinterkopfes und der eigenartig bunten Zeichnung zu suchen sind. Die Gattung bewohnt in zahlreichen Formen, nach Hartert lauter Unterarten einer einzigen Spezies, deren Stammform die nordamerikanische Eremophila alpestris L. ist, Nordamerika und Mexiko, die nördlichen Anden bis Bogota, Europa, Nordafrika und Nordasien bis zum Himalaja.
Bei der Nordeuropäischen Alpenlerche, Berg-, Küsten- und Hornlerche, Eremophila alpestris flava Gm. (Abb., S. 550), sind Stirn, Augenstreifen, Kinn und Kehle blaßgelb, eine Querbinde auf dem Hinterkopfe, die seitlich über den Schläfen in eine hervorragende Spitze ausläuft, Zügel und Ohrgegend sowie ein breites, halbmondförmiges Kropfschild schwarz, Oberkopf, Hinterhals und Oberflügeldecken zart weinrötlich, die übrigen Oberteile erdbraun, durch dunkle Schaftflecken gezeichnet, die Unterteile weiß, аn den Seiten weinrötlich, die Schenkel dunkel längsgestrichelt, die Schwungfedern braun, außen fahlbräunlich, die erste jederseits аber weiß gesäumt, die Deckfedern der Armschwingen und größten Flügeldecken auch am Ende so umrandet, die Schwanzfedern, mit Ausnahme der beiden dunkelbraunen, fahlbraun gesäumten Mittelfedern, schwarz, die beiden äußersten außen weiß. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel bläulichgrau, аn der Spitze fast schwarz, der Fuß Hornbraun. Beim Weibchen ist dаs Gelb im Gesicht und auf der Kehle blässer, die schwarze Querbinde auf dem Kopfe nicht vorhanden, der schwarze Fleck auf den Kopfseiten und dem Kropfe mehr beschränkt und durch schmale hellere Federspitzen etwas verwischt, auch die Brust mit verwaschenen dunkeln Schaftstrichen gezeichnet. Die Gesamtlänge beträgt 17, die des Flügels 11, des Schwanzes 7, des Schnabels 1,1 cm.
Die Alpenlerche trägt ihren Namen nicht von dem Alpengebirge, sondern von den gebirgigen Gegenden des Nordens: dаs nördlichste Nordeuropa und die Tundren und waldlosen Gebiete Nordasiens sind ihre Heimat. In Skandinavien brütet sie nicht südlich vom 67. Grad nördl. Br., аber im westlichen Rußland bis zum 48. Grad zwischen der Wolga und dem Uralflusse. Durch Alfred Walter wissen wir aber, daß sie vereinzelt sogar Transkaukasien im Sommer bewohnt und ebenso аn der Ostseite des Kaspischen Meeres, bei Krasnowodsk, vorkommt. „Hier also“, schreibt Walter, „lebt der Vogel noch mehr als 20 m unter dem Meeresspiegel.“ Flügge und bereits gescharte Junge sah er Ende Mai. Früher gehörte die Alpenlerche in Nordwesteuropa zu den Seltenheiten; seit etwa 60—70 Jahren аber hat sie sich mehr und mehr verbreitet, und gegenwärtig ist sie in Nordskandinavien eine regelmäßige Erscheinung. In Finmarken oder Norwegisch-Lappland lebt sie, nach meinen Beobachtungen, keineswegs auf den dort schon beträchtlich kalten höheren Gebirgen, sondern von der Seeküste аn bis zu höchstens 150 mHöhe aufwärts, findet sich hier аber nur auf steinigem Grunde, in menschenleersten Einöden ebensowohl wie in unmittelbarer Nähe von Wohnungen. Wenige Schritte hinter dem Hause des Kaufmannes und Naturforschers Nordvy traf ich ein nistendes Pärchen an, dаs um Mitte Juli bereits zum zweiten Male Junge hatte. Der kundige Vogelfreund sagte mir, daß diese schöne Lerche noch während seiner Knabenjahre zu den seltensten Erscheinungen gehört habe, allgemach аber eingewandert sei und jetzt als Sommervogel überall vorkomme. Ende Oktober verläßt sie die Tundra Lapplands, um Mitte September ihre nordsibirischen Brutstätten; hierher kehrt sie schwerlich vor Anfang Mai, dorthin um die Mitte des April zurück. Ende April haben die in Finmarken hausenden Paare dаs Nest bereits gebaut und gewöhnlich auch schon Eier darin. Gelegentlich ihrer Winterreise besucht diese Lerche gegenwärtig regelmäßig Deutschland, namentlich die Ostseeküste, und es scheint, daß dies, seitdem sie sich in Finmarken angesiedelt hat, viel öfter geschieht, als es früher der Fall war. Nach mündlichem Berichte des jüngeren Schilling gehört sie in neuerer Zeit auf Rügen und den benachbarten Inseln, namentlich auf Hiddensöe, zu den Erscheinungen, die jeder Winter bringt. Nach Versicherung kundiger Freunde wandert sie alljährlich durch Ost- und Westpreußen; ebenso hat sie Gätke sehr häufig auf Helgoland in Scharen von 60—100 Stück beobachtet. Barthélemy- Lapommeraye erwähnt, daß sie einige Male in der Provence, Graf Salvadori, daß sie wiederholt in Italien vorgekommen ist. Am Ob begegneten wir in dem sehr günstigen Herbste des Jahres 1876 vom 20. September аn zahlreichen Zuggesellschaften, die am kiesigen Stromufer und in den Dörfern Nahrung suchten. Wie weit die Alpenlerche im Winter nach Süden oder Südwesten hin vordringt, bedarf noch der Feststellung, jedenfalls wurde sie zu dieser Jahreszeit in der Krim beobachtet. Radde fand sie um diese Zeit auf den Hochsteppen Dauriens, im Gouvernement Cherson und in Bessarabien.
In ihrem Wesen und Betragen hat die Alpenlerche so große Ähnlichkeit mit der Feldlerche, daß ich keinen wesentlichen Unterschied wahrnehmen konnte. Doch sah ich die Alpenlerche niemals singend in die Luft steigen, vielmehr entweder von Steinen oder Baumzweigen herab ihr einfaches, аber ansprechendes Liedchen vortragen; laut Collett steigt jedoch auch sie und singt dabei ganz anders als im Sitzen. Die Nahrung besteht aus Pflanzenstoffen, zumal Sämereien, аber auch aus Insekten, namentlich aus den in allen Tundren so überaus häufigen Mücken, mit denen auch die Jungen aufgefüttert werden.
Das verhältnismäßig kunstreiche Nest wird zwar ebenfalls in einer Vertiefung des Bodens angelegt, innen аber mit feinen Halmen und selbst mit Pflanzenwolle und zarten Samenhülsen sehr nett ausgelegt. Das Gelege enthält 3—5 Eier, die etwa 23 mm lang, 17 mm dick sind und in ihrer Färbung denen unserer Heidelerche ähneln; meist ist der vorherrschende Farbenton grünlich gelb, und viele Eier sind mit schwarzen Haarlinien gezeichnet. Das Nest ist schwer aufzufinden, weil die Tundra sehr gute Versteckplätze bietet. Ob nur die Weibchen oder abwechselnd beide Geschlechter brüten, weiß ich nicht, wohl aber, daß die Alpenlerche Störungen nicht verträgt, vielmehr danach Nest und Eier verläßt.
Gefangene Alpenlerchen sind anmutig in einem kleinen Raume, viel anmutiger noch in dem Gesellschaftsbauer, vertragen sich mit anderen Vögeln nicht nur vortrefflich, sondern scheinen sogar аn deren Gesellschaft Freude zu haben, dauern auch lange Jahre aus.