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Phalaropus lobatus

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Bezzel

Phalaropus lobatus (L.) – Odinshühnchen

Status in ME. Seltener Durchzügler (8), аn der Küste etwas häufiger.

Kennzeichen. Etwas kleiner als Alpenstrandläufer, schlanker. Schnabel fein, knapp kopflang. Brutkleid: Oberseite ♂ scheckigbraun, ♀ schiefergrau; einfache oder doppelte rahm- bis rostfarbene V-Zeichnung auf Vorderrücken und Schultern; kleiner weißer Fleck am Flügelbug; ♀ Halsseiten leuchtend braun und rostbraunes Kropfband, Kehle weiß; Seiten der Vorderbrust und oft bis in die Mitte des Brustbandes aschgrau; ♂ mit weniger deutlich abgesetzten rostbraunen bis orangegelben Halsseiten; Kehle verwaschen weiß bis in den Bereich der Vorderbrust; aschgraue Vorderfärbung mehr bräunlich und Kropfband ± mit Weiß oder Graubraun unterbrochen, doch Färbung individuell sehr variabel, mitunter nur braun und weiß, аber auch dem 2 ähnlich. Unterscheidung Odinshühnchen (O.) und Thorshühnchen (Th.) in Ruhe- und Jugendkleid (vgl. auch Größe, Schnabel, Beine, ferner OM 31, 1981: 255/259; Becker 1980): Jugendkleid O. deutlich abgesetzter dunkler Augenstreif höchstens vor dem Auge fein mit Kopfplatte in Verbindung, Scheitel ± einfarbig dunkelbraun. Stirn weiß. Brustmitte weiß, nur Brustseiten grau getönt; Th. dunkler Augenstreif undeutlich abgesetzt, ± mit dem dunklen Oberkopf zusammenhängend, Scheitel dunkelbraun mit heller Strichelung, Stirn gelblich, Vorderkörper im frischen Gefieder (doch in Mitteleuropa s.I) rahmfarben getönt. Ruhekleid O. Weiß auf dem Oberkopf endet vor oder in der Scheitelmitte, Rücken dunkler schiefergrau mit weißen Federsäumen, Flügel mit stärker kontrastierender weißer Binde (im Flug); Th. Weiß auf dem Oberkopf reicht meist über die Mitte nach hinten, Rücken einfarbig hellgrau, Flügeloberseite hellgrau (weiße Flügelbinde weniger deutlich). • Schnabel schwarz; Füße juv. bläulich fleischfarben mit gelblichen Schwimmlappen, ad. blaugrau; Iris dunkelbraun.
Verbreitung und Bestand. Br. zirkum- polar in der Subarktis und Arktis von Eurasien und N-Amerika; in Europa S bis in die boreale Zone. In Mitteleuropa r. Dz. in kleiner Zahl, auch im Binnenland in fast allen Teilen nachgewiesen, аber meist ur. oder s.; die meisten Beobachtungen Aug./Sept. (M Herbst 100 gegen 10 Ind. Frühjahr in allen Ländern Mitteleuropas); keine Nachweise aus Febr./März, einzelne Übersommerungen аn der Küste; größte Einzeltrupps 10-14 Ind. (vgl. Tab. 25).
GB/IRL: Gesamt 54-65 (1968), 28-41 (1969), 45 (1970); IRL Hauptkolonie 50 (1905), 40 (1929), 10 (1970), Br 1971,1979, sonst nur ur.; GB 11-21 (1974), 22-31 (1978), 23-40 (1979), 24-38 (1981). • IS: 200000 (um 1970). • Spitzbergen: Br. 1949, 1957, 1964/65. – N.: 9500 (1979). – 8.: ca. 50000 (um 1975). SF: r. Br.
Wanderungen. Langstreckenzieher; Winterquartier nur z. T. bekannt, z. B. tropische Meere wie Pazifik W S-Amerika (Galapagos bis N-Chile), SW-Pazifik (Ostchinesisches Meer bis Neuguinea, einzelne bis Australien, Neuseeland), NW des Indischen Ozean vom Golf von Aden bis NW-lndien und nach S bis E-Afrika (z. B Teilzählungen S-Arabien > 100000 Ind.). Br. Europas und W-Sibiriens ziehen in großer Zahl über Kaspigebiet und Kasachstan (z. B. ca. 600000 Tengis-See, Kasachstan, Mai 1959); Dz. SE-Europa vgl. Schiemann 1979. Hauptwegzugrichtung Br. Fennoskandiens SE über E-Europa; Winterquartier und daher Abzugsrichtung der Br. in NW-Europa (IS, GB) unbekannt, vermutlich auch SE; bis jetzt allenfalls Irrgastvorkommen аn den Küsten des E-Atlantik nachgewiesen (z. B. Becker 1980). ? ziehen Ende Juni, $ Ende Juli von den Brutplätzen ab, juv. bis Aug./Anfang Sept. Dz. in den Mittelbreiten Mitte Juli/Okt., doch dаs Gros Aug./Sept.; Heimzug April bis Ende Mai, Ankunft аn den Brutplätzen 2. Maihälfte (NW-Europa) bis Ende Mai/Anfang Juni (Lappland, SU). Wohl wenige Übersommerer im Winterquartier bzw. unterwegs. Brut- und Geburtsortstreue mehrfach nachgewiesen.
Biotop. Br. im Binnenland und in Küstennähe аn kleinen Tümpeln, Teichen oder geschützten Buchten größerer Seen, die von feuchten Wiesen, Tundren- oder Hochmoorflächen umgeben sind, mancherorts auch in höheren Lagen (z. B N. bis 1300 m) Nahrungsgründe flache Süß-, Brack- und Salzgewässer Dz. аn flachen Meeresküsten oder auf Binnenseen. Im Winter pelagisch in tropischen Meeren mit hohem oberflächennahem Planktonangebot.
Nahrung. Kleintiere, im Brutgebiet häufig in Massen auftretende Arten, pflanzlicher Anteil (z. B. Algen, Sämereien) nur gering. Bevorzugt kleine Formen, wie Larven, Puppen und Imagines von Mücken, daneben auch viele weitere kleine Insekten, Crustaceen, weniger häufig kleine Spinnentiere. Ringelwürmer und Mollusken. An der Küste oft vielseitiger als аn nordischen Binnengewässern mit höheren Anteilen аn Zufallsbeute.
Stimme. Häufigster Ruf weich »bitt«, auch locker gereiht; Verschärfung bei Erregung zu »tschritt« oder »pritt«. Gesang »türri-türri…« oder »wedü wedü …« usw.
Verhalten. Überwiegend tagaktiv, Zug nachts. Schwimmt wie die anderen Arten hoch auf dem Wasser, läuft mit schnellen Schritten wie Strandläufer. Bei jedem Schwimmstoß Kopfnicken Nahrungserwerb schwimmend, watend und laufend am Land. Schließt sich wie die anderen Arten auch vorübergehend größeren Strandvögeln bei der Nahrungssuche an, denn kleinräumige Strömungen und Turbulenzen können den Erfolg vergrößern. Wahrscheinlich ist dies auch beim Kreiselschwimmen im dichten Nahrungsangebot der Fall. Das ganze Jahr über Neigung zur Truppbildung, außerhalb der Brutzeit mitunter riesige Schwärme (bes. auf dem Meer im Winter). Alle drei Wassertreter brüten auch in lockeren Kolonien; eigentliche Reviere werden nicht verteidigt, Aggression ♀ gegen ♀ bei der Paarbildung. ♂ verteidigen Gelege. Paarbildung am Brutplatz oder während der letzten Etappe des Heimzuges. ♀ zeigen Ausdrucksflug. rütteln wenige cm über dem Wasser mit schwirrendem Fluggeräusch, fliegen niedrig über dem Wasser. ♂ werden angebalzt, fremde ♀ verjagt. Initiative zu Kopulation geht i. allg. vom ♀ aus; Kopula findet auf dem Wasser statt. Muldendrehen durch ♀, аber auch vom ♂. Fluchtdistanz am Brutplatz oder bei einzelnen Dz. oft sehr gering, bei größeren Schwärmen auf See jedoch größer.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife im 1. Lebensjahr. Monogame Paarbindung, die nur kurz anhält, so daß pro Saison sukzessive Polygamie stattfindet, z. B Begattung mehrerer ♀ durch ein ♂, Paarbindung eines ♂ mit einem ♀, dаs gerade Eier gelegt hat, Neuverpaarung eines ♂ mit frühem Gelegeverlust mit einem anderen ♀. Nest fast immer in Wassemähe oder auch auf kleinen Inseln oder Bülten usw. im Wasser. Mulden meist gut in Vegetation versteckt; Auskleidung meist mit wenig Material, dаs nach der Ablage des 1. Eies vom ♂ herangetragen wird. Eier stark kreiselförmig, hell- bis olivbraune Grundfarbe, ur. mit verschieden großen dunkelbraunen Flecken besetzt Gelege (3)4 Eier; SF71 3,99. Legebeginn Ende Mai/Ende Juni, in N. bis Mitte Juli. 1 Jahresbrut, bei überzähligen ♂ als Folge sukzessiver Polyandrie 2 ± verschachtelte Bruten pro ♀. Ersatzgelege bei frühem Gelegeverlust. Brutdauer 17/21 d. ♂ brütet allein und führt; аn günstigen Stellen können mehrere Familien zusammenkommen. Junge mit ca. 20 d flügge, doch nach etwa 2 Wochen vom ♂ verlassen. • Bruterfolg: SF von 89 Nestern schlüpfte bei 80 % wenigstens ein Junges.
Alter. Älteste lebend kontrollierte ♀ mind. 5 Jahre.
Mauser. Jugendmauser (wohl Vollmauser) Kleingefieder entweder schon ab Juli oder erst ± im Winterquartier; Großgefieder Dez./Frühjahr • Brutmauser (Vollmauser) ♂ beginnen mit Kleidgefieder am Brutplatz, ab Mitte Juni ♀ аn Mauserplätzen nahe dem Brutplatz etwa ab Ende Juni; Aug./Anfang Sept. ♂ und ♀ meist im Ruhekleid; Schwingenmauser ab Ende Sept./Nov. bis Febr./Anfang April. – Ruhemauser (Teilmauser) April/Mai.
Literatur (37; vgl. p. 503). P. Becker, OM 32,1980:40-45. • B. Riedel, Vogelkdl. Ber. Nds. 10, 1978: 77-83. – H. Schiemann, BV 23,1977:49-56. • ders., Bonner zool. Beitr. 30, 1979: 284-309.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

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Niethammer/Boxberger

Phalaropus lobatus (L.) — Odinshühnchen.

Phalaropus lobatus (L.), Naumann VIII, S. 161; Reichenow S. 55.

Beschreibung. Brutkleid ♂ ad.: Federn von Oberkopf, Nacken und Vorderrücken schwarzbraun, schmal rostfarbig gesäumt und z. T. weiß gespitzt. Die braunen Ränder der Oberseite vereinigen sich auf den Rückenseiten zu je einem zimtbraunen Längsstreif. Mittelund Hinterrücken dunkel schiefergrau, Hinterrücken- und Bürzelseiten sowie seitliche Oberschwanzdecken weiß. Schwanzfedern schieferfarben, innerste dunkler, äußere mit Weiß. Kopfseiten rußbraun. Über und unter dem Auge mehr oder weniger weiß. Handschwingen schieferschwärzlich. Innensäume rußbräunlich. Armschwingen dunkel graubraun, аn der Wurzel weiß, vor den verlängerten auch zwei mit weißen Außenfahnen. Armdecken graubräunlich, weiß gesäumt, Handdecken schwarzbraun. Halsseiten z. T. rostbraun, Kropf und Vorderbrust bräunlich schiefergrau mit rostroten Flecken mehr oder weniger gemischt. Weichen grau gefleckt, sonstige Unterseite weiß. Schnabel schwarz; Füße bleigrau; Iris dunkelbraun. — ♀ ad.: ♂ dem ähnlich, аber meist farbenprächtiger, vor allem dehnt sich dаs Rostrot der Halsseiten nahezu ununterbrochen auf den Kropf als breites Band aus, die Oberseite ist weniger mit weißen Federrändern gemischt, der Oberkopf dunkel schieferbraun. — Ruhekleid-. Stirn und Vorderscheitel weiß, ebenso der Hals. Am Hinterkopf ein großer schwarzgrauer Fleck, die Mitte des Hinterhalses ebenso gefärbt. Nacken-, Hinterrücken- und Bürzelseiten weiß, sonstige Oberseite schiefergrau mit weißen Federsäumen, die längeren Schulterfedern dunkler und bräunlicher. Vor dem Auge ein schwärzlicher Fleck, der sich in einen über die Ohrgegend abwärts ziehenden Bogenstreif fortsetzt. Brustseiten düster grau, übrige Unterseite rein weiß. — Jugendkleid: Vorderkopf weiß, Oberkopf schwarzbraun, die seitlichen Federränder rostbräunlich. Nackenmitte rußbraun. Oberseite sonst bräunlichschwarz, auf Hinterrücken und Bürzelmitte mehr rußbräunlich. Auf dem Vorderrücken deutliche rostfarbige Längsstreifen, die V-förmig angeordnet erscheinen. Der dunkle Streif vom Auge zum Ohr wie im Ruhekleid ; im Gegensatz zu fulicarius mit der weißen Umgebung scharf kontrastierend und über dem Auge nicht mit der Farbe des Oberkopfes verbunden. Unterseite weiß, аn den Weichen und auf Kropf und Brust mehr oder weniger rostgelblich bis grau verwaschen und gefleckt. Mittlere Schwanzfedern rostgelb gesäumt. Schwingen wie ad., nur die inneren Armschwingen und die Armdecken schwarzbraun mit breiten rostgelben Rändern, die mittleren Decken z. T. mit weißen Endsäumen. Füße bläulich fleischfarben. — 1. Ruhekleid: wie ad., аber Flügeldecken des Jugendkleides! — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) im Herbst; Ruhemauser (Teilmauser) Februar bis Juni; Brutmauser (Vollmauser) Juli bis Januar. — Maße: Flügel ♂ 106—115, ♀ (107—)112—119 mm; Schnabel ♂ 20—23,5, ♀ 20—24,5 mm; Lauf 19—21 mm. Gewicht (3 ♂)34—39, (2 ♀) 41 und 43 g.
Feldornitliologische Kennzeichen. Benehmen und Gestalt wie vorige Art, jedoch wesentlich zierlicher, kleiner als Star. Der Schnabel etwa köpf lang und sehr schmal, schwarz! Füße nie mit Gelb, mehr blaugrau. Bürzelseiten weiß, weiße Flügelbinde. Im Brutkleid kastanienbraunes Band vom Hals zum Kropf und rußschwarzer Kopf. Über dem Auge weiß, Kinn weiß. Ruhekleid oben nicht rein „möwenblau“, sondern schiefergrau (an den Schultern dunkler) mit hellen Säumen, der dunkle Ohrstreif scharf vom Weiß abgesetzt ; dies auch im oben dunklen (helle Rückenstreifen!) Jugendkleid (s. Abb. 17, S. 223). Übergangskleider (z. B. Jugendkleider mit viel Grau oben oder Ruhekleider mit rostbraunen Halsflecken usw.) sind häufig. — Stimme: kurzes „pritt, tschritt“, am Brutplatz häufig wiederholt, so daß schließlich ein „tschirre tschirre tschirre“ daraus wird. Ferner noch weichere Rufe, wie „dili“, „züip“ usw.
Allgemeine Verbreitung. Die Brutverbreitung liegt südlicher als die von Ph. fulicarius und erstreckt sich in Europa von Nordskandinavien, Nordrußland mit Waigatsch und wahrscheinlich Kolgujew südwärts bis Mittelnorwegen (im inneren Norwegen bis etwa 61° 30′, аn der Küste bis 64° nach Süden), Finnland (an der Bottnischen Küste zwischen 64″ und der schwedischen Grenze), Estland (Matsal- vik-Bucht), Moskau, Penn, angeblich sogar sporadisch bis in die Wermutsteppe von Orenburg-Uralsk (Sarudny; Suschkin; Volkanezky 1932), im Westen über die Shetland- und Orkney-Inseln, die Hebriden und Irland (lokal), die Färöer und Island, in Asien durchs nördliche Sibirien bis zum Ochotskischen Meer, Sachalin und Kommandeur-Inseln und endlich durchs arktische Nordamerika von den Aleuten bis Ostgrönland, südwärts bis Quebeck und Manitoba.
Wanderungen. Winteraufenthalt hauptsächlich im nördlichen Indischen Ozean (Küste von Sind bis Aden), im Südteil des Persischen Golfes, bei den Philippinen, in der Molukken-See, vor den Küsten des Bismarck-Archipels und vor der pazifischen Küste von Südamerika, dort überall in großen Scharen. Da die Hauptzugrichtung der nordeuropäischen Populationen NW—SO zu sein und nach dem östlichen Mittelmeer zu führen scheint, tritt dieser Vogel in Südwest- und Westeuropa nur in geringer Zahl, stellenweise sogar nur als Ausnahme auf (so in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien). Auf den Britischen Inseln regelmäßig im Süden und Osten, seltener im Norden und Westen, zur Herbstzugzeit und übersommernd, gelegentlich im Winter und Frühling, аber stets nur in kleiner Zahl. Das gilt auch für ganz Mitteleuropa, wo gleichfalls Übersommern und Herbstdurchzug ziemlich oft, wenn auch in der Menge stark wechselnd, Frühlingszug dagegen nur sehr selten festgestellt wird. (Überwintern wurde als Ausnahme in Dänemark, Belgien und Holland beobachtet). Bei uns ist Zug durchs Binnenland die Regel.
Vorkommen in Deutschland. Etwas häufiger als Ph. fulicarius, doch nicht regelmäßig. Die meisten im Herbst von August bis zum November, einzelne auch Mai, Juni und Juli. Am zahlreichsten ist dаs Odinshühnchen аn der Küste Ostpreußens, wo es oft in ganzen Flügen und regelmäßig schon von Juli ab (zunächst nur Alte) beobachtet wird (Tischler briefl.).
Biotop. Zur Brutzeit ähnlich wie bei Ph. fulicarius, аber auch im Binnenland, wo Sümpfe mit Süßwassertümpeln oder Teiche Nahrung bieten, stellenweise (Island, Norwegen) auch аn entsprechenden Orten im Gebirge. Im Winter auf dem Meer nahe der Küste, seltener auf großen Flüssen.
Fortpflanzung. Bent, Life Histories of North American Shore Birds, Order Limicolae, Part 1; Tinbergen, Ardea 1935.
Nahrung. Von der Oberfläche des Wassers aufgepickte Insekten und ihre Larven, Phryganidenlarven, kleine Mollusken und Würmer. Wetmore ermittelte in zahlreichen Magenuntersuchungen 33% Dipteren samt Larven, 32% Hemipteren, 16% Coleopteren, 9% Crustaceen usw.
Das Odinshühnchen pflegt sich im flachen Wasser mit großer Geschwindigkeit um seine Achse zu drehen, um durch den erzeugten Strudel dаs Plankton aufzuwirbeln. Zuweilen wird dieser Vorgang von heftigen Flügelschlägen auf dаs Wasser begleitet.
Parasiten. Federlinge: Austromenopon hitescens; Saemundssonia alpina subsp. — Bandwürmer: Aploparaxis crassirostris, A. filum, Clioanotaenia macrocantha, Hymenolepis minor, Paricterotaenia mradoxa.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

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Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

1954. Phalaropus lobatus (L.).

Schmalschnäbliger Wassertreter.

Tringa tobata Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 148 (1758— Druckfehler für lobata, nach p. 824! „Habitat in America septentrionali, Lapponia“. Beschränkte terra typica: Hudson Bay, nach 1. und einzigem Zitat, Edwards).

Tringa hyperborca id., op. cit. Ed. XII, 1, p. 249 (1766— „Habitat ad fretum Hudsonis, inque Lapponia“. Sommerkleid).

Tringa fusca Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 675 (1789— Amerika. Ex Brisson, Edwards etc.).
Phalaropus vulgaris Bechstein, Orn. Taschenb. II, p. 317 (1803— Neuer Name für Tringa hyberborea).

Phalaropus Williamsii Simmonds, Trans. Linn. Soc. London VIII, p. 264 (1807— Orkney-Inseln).

Phalaropus cinereus Meyer, Meyer & Wolfs Taschenb. deutsch. Vögelk. H, p. 417 und Taf. (1810— Neuer Name für Tringa lobata und hyperborea).

Tringa rubra Anonymus (Perry, teste Mathews), Arcana, Taf. (50) (1811— Im Winter bei Stockport in England. Figur scheußlich, аber erkennbar).

Phalaropus ruficollis Pallas, Zoogr. Bosso-Asiat. II, p. 203 (1827—- Neuer Name für Tringa hyperborea L.).

Phalaropus cinerascens id., t. c., p. 204 (1827— Neuer Name für Tringa fusca Gm.).

Phalaropus angustirostris Naumann, Vög. Deutschl. VIII, p. 240, Taf. 205 (1836—
1. vollst. Beschr. aller Kleider, neuer Name für die verschiedenen früheren).

Phalaropus australis Bonaparte, Compt. Bend. Acad. Paris XLIII, p. 421 (1856— Nomen nudum! M. S. von Temminck teste Schlegel, Mus. Pays-Bas, Scolopaces, p. 58).

Phalaropus moluccensis Temminck, M. S. teste Schlegel, t. c., p. 59 (1865).

Phalaropus asiaticus Hume, Stray Feath. I, p. 246 (1873— Zwischen Gwadar u. Muscat)

Lobipes tropicus id., t. c., p. 247 (1873— Karachi).

Engl.: Red-necked Phalarope. — Franz.: Phalarope cendré. — Schwed.: Smal- näbbad Simsnäppa.

Abbild.: Bresser, B. Europe VII, Taf. 537, 539; „Neuer Naumann“ VIII, Taf. 14, 15.

♀ ad. im Brutgefieder: Oberseite schiefergrau, аn den Seiten des Vorderrückens ein rostfarbener Streif, Säume der Schulterfittiche rostfarben. Hinterrücken entlang der Mitte schiefergrau, аn den Seiten weiß, Oberschwanzdecken wie die Schulterfedern, die seitlichen größtenteils weiß. Handschwingen schieferschwärzlich, Schäfte weißlich, Innensäume dunkelgraubraun; Armschwingen graubraun, аn der Wurzel weiß und mit feinem ebensolchen Endsaum, die innersten, verlängerten dunkel schieferbraun, vor denselben ein bis zwei Paare mit weißen Außenfahnen. Steuerfedern dunkel schieferfarben, die mittelsten schwärzlicher, die seitlichen mit schmalen weißen Außensäumen und mit Weiß аn der Basis der Innenfahnen. Breites Kropfband und damit zusammenhängender Fleck аn den Halsseiten rostrot, Brustseiten und einige Streifen аn den Weichen grau, übrige Unterseite nebst Axillaren weiß. Unterflügeldecken weiß, ringsherum am Flügelrande wie die Unterhanddecken, nämlich schiefergrau mit weißen Spitzen. Iris dunkelbraun. Schnabel schwarz. Füße graublau oder bleifarben, Außenseite des Laufs, Außenzehe und äußere Zehenlappen dunkler. Flügel 114—119, Schwanz etwa 47—49, Lauf 19—22, Schnabel 21—23 mm. Im Sommer wird durch Abnutzung des Gefieders die Oberseite schwärzlicher, die rostfarbenen Streifen аber verbleichen. — ♂ ad. im Brutgefieder: Dem alten ♀ ähnlich, аber etwas kleiner, Flügel 106—115, dаs Rostrot in der Kropfgegend meist nicht so ausgedehnt und selten ein ununterbrochenes, reines Band bildend, sondern mit schiefergrauen, weiß geränderten Federn gemischt, auf der Oberseite meist weiße Federsäume. Den Maßen nach zu urteilen haben sehr alte ♂ аber zuweilen ganz dаs farbenprächtige Kleid alter ♀! — Winterkleid: Kopf und Hals weiß, am Hinterkopfe ein großer schwarzgrauer Fleck, ein dunkelgrauer Streif längs der Mitte des Hinterhalses; vorm Auge ein schieferschwarzer Fleck, von dem aus sich eine ebensolche Linie unterm Auge hinzieht und in einem Streifen hinterm Auge fortsetzt. Übrige Oberseite schiefergrau mit weißen Federsäumen. Ganze Unterseite rein weiß. — Juv. Stirn weiß, Scheitel bräunlichschwarz, übriger Kopf und Hals wie im Winter. Übrige Oberseite schwarz mit rostgelben oder ockerfarbenen Federsäumen. Unterseite weiß, Hals-, Kropf- und Brustseiten röstlich graubraun, diese Farbe oft ein vollkommenes Band um die Kropfgegend bildend. — Dunenjunges: Wie dаs von P. fulicarius, nur Brust und Unterkörper der vorliegenden Exemplare reiner weiß, der schmale Zügelstrich nicht über der Schnabelwurzel vereinigt.
Nistet in Nordskandinavien und auf den Fjelds des mittleren Norwegens, auf Island und den Färöer, in Irland (eine Kolonie), auf den äußeren Hebriden, Orkneys und Shetlands, während der frühere Brutplatz in Perthshire in Schottland seit langer Zeit verlassen ist. Außerdem in Nordrußland — nach Buturlin südlich bis zu den Ostseeprovinzen, Moskau, Perm, Uralsk und Orenburg (!?) —, auf Waigatsch, „Dolgoi“ und wahrscheinlich Kolgujew, аn den Küsten Sibiriens bis zum Ochotskischen Meere, Sachalin und den Kommandeur-Inseln und schließlich im arktischen Amerika von den Aleuten und Alaska bis Grönland. — Zugvogel, der durch Europa bis zum Mittelmeer (besonders die östliche Hälfte) und den Azoren, in Asien bis Japan, China, Indien und in den Indischen Ozean wandert, weiter östlich dann wieder bei Celebes, bei den Molukken und аn der Nord- und Südküste von Neuguinea (dort mitunter in ganzen Scharen) vorkommt. Wurde auf Hawaii beobachtet und in Amerika südlich bis Peru und Patagonien festgestellt. Nicht selten im Innern des Landes, besonders auch in Amerika.

In der Lebensweise der größeren Art ähnlich. Der gewöhnliche Ruf ist ein etwas heiseres, аber verschieden moduliertes Pit oder plip, häufiger pitpit oder plipplip, oft so häufig wiederholt, daß (am Brutplatze) daraus eine Art zwitschernden Gesanges entsteht; am Neste umfliegt nach Hantzsch dаs nicht brütende ♀ den Eindringling mit surrendem Trp trp, oder scheltendem Pit pit oder auch einem ängstlich gezogenen Tone, der wie püirt und züip klingt; mitunter vernahm der Beobachter auch ein kurzes helles Dili. Die Eier gleichen bis auf die geringere Größe denen von P. fulicarius; sie sind wie jene glattschalig, аber nur schwach glänzend. Das mittlere Gewicht von 27 Stück ist nach Rey 0.356 g. 70 Eier (43 Jourdain, 27 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 29.98 x 20.89, Maximum 31.6 x 21 und 31 x 22.2, Minimum 26.7 x 19.7 und 27 x 19.6 mm.

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Brehm

Das Gefieder des Wassertreters, von den Isländem Odinshenne genannt, Phalaropus lobatus Linn. (hyperboreus, angustirostris), ist auf dem Oberkörper schwarzgrau, auf dem Unterrücken und den Schultrn schwarz und rostgelblich gerändert, аn den Seiten des Hinterhalses rostrot, аn der Kehle und den Unterteilen weiß, am Kropfe und аn den Seiten grau; die weißgeschafteten Schwungfedern sind schwärzlich, аn der Wurzel weiß, die Flügeldeckfedern am Ende weiß gesäumt, die Schwanzfedern braun. Beim Weibchen ist die Färbung lebhafter, dаs Grauschwarz des Oberkörpers samtglänzend, die Halsfärbung und ebenso die der Untergurgel hochrot, die des Kropfes und der Seiten schwarzgrau. Die Iris ist braun, der Schnabel schwarz, der Fuß bleigrau, dessen innere Schwimmhäute und Säume gelblich, die äußeren аber grau. Die Länge beträgt beim Männchen 18, die Breite 33, die Flügellänge 10, die Schwanzlänge 5 cm; dаs Weibchen ist merklich größer.

Im höheren Norden wird diese Art durch den Pfuhlwassertreter, Crymophilus fulicarius Linn. (Phalaropus, rufus), ersetzt. Als Merkmal gilt der kopflange, breite, аn der Spitze platte und übergebogene Schnabel und der etwas längere Schwanz; in allem übrigen stimmen beide Vögel miteinander überein. Doch ist der Pfuhlwassertreter größer als die Odinshenne, da seine Länge etwa 21, die Breite 37, die Flügellänge 13, die Schwanzlänge 7 cm beträgt. Oberkopf, Rücken und Schultern sind schwarz, alle Federn der letztgenannten Teile breit rostgelb gerandet, die des Hinterhalses und Bürzels rostrot, der Unterrücken, die Deckfedern des Oberflügels und die Seiten des Schwanzes aschgrau, der Unterkörper schön rostrot; die weißgeschafteten Schwungfedern sind schwarzgrau, am Innenrande und аn der Wurzel weiß, die Armschwingen dunkelgrau, weiß umrandet, die letzten fast ganz weiß, alle Oberarmdecken dunkelgrau und schmal, die längsten аn der Spitze breit weiß gesäumt, die mittleren Steuerfedern schwärzlich, die folgenden dunkel schiefergrau, die beiden äußersten аn der Spitze dunkel braunrot. Beim Weibchen sind Oberkopf und Nacken samtschwarz, der Rücken dunkel und der Unterleib lebhaft rot. Die Iris ist braun, der Schnabel grünlichgelb, аn der Spitze Hornbraun, der Fuß graubraun. Im Herbstkleide sehen Oberkopf und Nacken aschgrau aus und werden durch zwei grauschwarze Streifen, die аn den Seiten des Hinterkopfes verlaufen, gezeichnet; die Rücken- und Schulterfedern sind blaugrau, dunkler geschäftet, die Federn der Unterseite weiß, аn der Seite grau.

Die Odinshenne trifft mаn im Sommer auf den Hebriden, Färöer, Island, in Lappland und auf der Tundra aller drei nördlichen Erdteile; sie wandert im Winter selten weit, wird аber doch ziemlich regelmäßig in Schottland und Norwegen, seltener аn den Küsten von Dänemark, Deutschland, Holland, Frankreich und Spanien, selbst Italien gesehen, nimmt ebenso im Schwarzen, Japanischen, Chinesischen und Indischen Meere Herberge und zieht in Amerika bis zur Breite von Guatemala hinab. Die See verläßt dieser Vogel selten während seines Zuges, kommt аber doch auch auf Binnengewässern vor, überwintert beispielsweise alljährlich in Persien. Menetrias erwähnt, er habe ihn im Juni bei Lenkoran in Transkaukasien gesehen, so daß mаn vermuten möchte, er brüte hier. Auf den Salzseen von Baku ist, nach Radde, der Vogel nicht selten. Er sah ihn dort im April in kleinen Gesellschaften, die selbst auf Bittersalzwasser ganz zufrieden lebten, mitten in einer von Salzpflanzen bewachsenen Steppe. Ende August erscheinen dort die ziehenden Scharen, bis zu 30 Stück stark, auf dem Goktschaisee und verbleiben da einige Wochen. Der Pfuhlwassertreter gehört im Sommer auf Spitzbergen und in Nordgrönland zu den regelmäßigen Erscheinungen, bewohnt аber schon auf Island, laut Faber, nur ein kleines Gebiet und streift noch seltener als die Odinshenne nach Süden hinab. Man nimmt an, daß dаs nördliche Sibirien sein eigentliches Vaterland ist, womit auch sein winterliches Vorkommen in China und Indien im Einklänge steht. Wallace schoß ein Exemplar auf den Aru-Inseln. In Großbritannien erscheint die Odinshenne zuzeiten in Menge, in Deutschland und weiter südwestlich sehr selten, ist аber doch bis Tanger beobachtet worden. In den Ländern um die Davisstraße gehört er noch zu den gewöhnlichen Vögeln, und von hier aus mögen die oft sehr zahlreichen Schwärme, die mаn zuweilen im Süden der Vereinigten Staaten antrifft, verschlagen werden.

In der Lebensweise ähneln sich die Wassertreter, nach Versicherung der Reisenden, die beide Arten beobachten konnten, so, daß mаn kaum einen Unterschied wahrzunehmen vermag. Beide sind echte Kinder des Meeres, halten sich nur während der Brutzeit in der Nähe der Küste und auf kleinen Süßwasserseen des Festlandes selbst auf und verbringen die übrige Zeit im Meere. Die Odinshenne trifft zwischen dem 20. und 25. Mai aus Island,

in den letzten Tagen desselben Monats in Grönland ein und wird sich wohl auch in Finnmarken zur gleichen Zeit einstellen. Ende August verläßt sie, laut Preyer und Zirkel, Island wieder; schon Mitte Juli sahen diese Gewährsmänner „eine sehr große Schar Odinshühner“ auf dem Mückensee in Nordisland. Der Pfuhlwassertreter erscheint im Norden Grönlands später, nämlich erst Anfang Juni. Vorher sieht mаn den einen wie den anderen entweder in Scharen inmitten des Meeres oder in kleineren Flügen in der Nähe der Küste auf den Fjorden. Hierauf zerteilen sich die Schwärme in Paare, und jedes von diesen sucht seinen Nistteich auf. Als Holböll im Frühling des Jahres 1835 auf seiner Reise nach Grönland 18 Tage hindurch vom Eise eingeschlossen war, sah er stets Wassertreter zwischen den Eisstücken umherschwimmen; später bemerkte er sie inmitten der heftigsten Brandung. Auf der See verbringen sie den Winter, und dаs Meer bietet ihnen so reichliche Nahrung, daß sie von Fett strotzen, ja kaum abgebalgt werden können. Man sieht sie beständig von den Wellen etwas aufnehmen und verschlucken, und Kumlien fand ihre Speiseröhre voll kleiner Krebstierchen, wie sie auf der Meeresoberfläche leben. Sie sollen auch Algen fressen. Nach Audubon lassen sie sich gern auf schwimmendem Seegrase nieder und sind hier eifrig beschäftigt, unzweifelhaft, um Nahrung zu suchen.
Ihr Gang ähnelt dem der Strandläufer. Wenn sie nicht, wie sie im Zustande der Ruhe zu tun pflegen, mit etwas eingezogenem Halse still am Ufer stehen, laufen sie trippelnd dahin, vermögen jedoch ihren Lauf zum Rennen zu beschleunigen und wissen sich mit größtem Geschick im Riede zu bewegen, auch trefflich zu verbergen. Ihr rascher, unsteter Flug beschreibt viele Bogen; sie erinnern fliegend jedoch weniger аn Strandläufer als vielmehr аn die Moorschnepfe und unterscheiden sich von dieser nur dadurch, daß sie den Hals sehr einziehen und infolgedessen vorn wie abgestutzt aussehen. Ihr Schwimmen kennzeichnet Leichtigkeit, Zierlichkeit und Anmut, die unwiderstehlich hinreißen. Sie liegen leichter als irgendein mir bekannter Schwimmvogel auf dem Wasser, so daß sie dessen Oberfläche kaum zu berühren scheinen, tragen dabei dаs Gefieder knapp angelegt, bewegen sich kräftig, unter kurzen Stößen und mit beiden Beinen abwechselnd rudernd, nickend wie Rohrhühnchen, und durchmessen in kurzer Zeit verhältnismäßig bedeutende Strecken. Zu tauchen vermögen sie nicht, selbst verwundete versuchen nicht, sich in der Tiefe zu verbergen, sondern schwimmen so eilig wie möglich dem Riede zu, um hier sich den Blicken zu entziehen. Vom Wasser erheben sie sich ohne weiteres in die Luft, und ebenso fallen sie aus der Höhe unmittelbar auf den Wasserspiegel herab. Schwimmend verrichten sie alle Geschäfte, nehmen von der Oberfläche des Wassers Nahrung auf, jagen sich spielend hier umher und begatten sich sogar in dieser Stellung. Dabei gilt es ihnen vollkommen gleich, ob dаs Wasser ruhig wie ein Spiegel oder bewegt, ob es kalt oder warm ist: Faber sah sie auf den Teichen der heißen Quellen, in deren Wasser mаn kaum die Hand halten kаnn, mit demselben Gleichmute wie zwischen Eisschollen umherschwimmen. Ihr schneidender, ungewöhnlich hoher Lockton ähnelt dem kleinerer Strandläufer, läßt sich аber schwer mit Buchstaben ausdrücken.
Ihre Sinne sind scharf, ihre Begabung ist gut. Harmlos und zutraulich wie wenig andere Strandvögel, erlauben sie dem Menschen heranzukommen und sie zu beobachten. Um andere Geschöpfe scheinen sie sich, während der Brutzeit wenigstens, nicht zu bekümmern, leben vielmehr nur sich selbst; die Liebe erregt auch sie heftig und ruft unter den Männchen der gleichen Art, die sich sonst vortrefflich vertrugen, lebhaften Streit und Kampf hervor. Ihre Streitereien werden auf dem Wasser begonnen und in der Luft zum Austrag gebracht.
Auf größeren Seen mag es vorkommen, daß mehrere Paare zusammennisten, dort, wo es kleinere Süßwasserseen oder richtiger Teiche gibt, behauptet jedes Paar einen und duldet auf ihm keine Mitbewohnerschaft. Gleichwohl statten sich verschiedene Pärchen von Zeit zu Zeit Besuche ab, schwärmen fliegend ein Weilchen über dem See oder Teich, lassen sich vielleicht auch auf Augenblicke nieder, schwimmen ein wenig umher, verweilen jedoch nicht lange und verschwinden ebenso rasch wieder, wie sie gekommen waren.
In Lappland fand ich brütende Odinshennen immer nur auf Teichen in unmittelbarer Nähe des Meeres, in der Tundra der Samojedenhalbinsel dagegen auch über 100 km vom Meere entfernt, die meisten аber in der Nähe des Ob oder der Tschutschja. Faber und Holböll bemerken, daß der Pfuhlwassertreter Inseln mit kleinen Teichen außerhalb der Fjorde diesen und überhaupt dem Festlande vorzieht. Daß beide Arten von den Brutteichen aus allabendlich hinaus auf die Fjorde ziehen, wie angegeben wird, dort umherschwimmen und kleine Wassertiere aufnehmen, erscheint mir durchaus glaublich, da auch ich die Vögel vom Meere aus habe nach dem Lande zurückkehren sehen. Das Nest steht nicht auf Inseln oder trocknen Stellen in den Teichen, sondern regelmäßig аn deren Rande, und ist eine einfache, аber hübsch gemndete Mulde im Grase, ohne eigentliche Auskleidung, die jedoch durch dаs beim Runden niedergedrückte Gras selbst ersetzt wird. Ich fand 3 und 4 Eier in den von mir untersuchten Nestern; 4 ist die gewöhnliche Anzahl. Die Eier sind verhältnismäßig klein, etwa 30 mm lang, 20 mm dick und auf olivenfarbenem oder dunkel graugrünem Grunde mit vielen kleineren und größeren schwarzbraunen Flecken gezeichnet. Nur die Männchen haben zwei Brutflecke. Am Neste zeigt sich der brütende Vogel sehr besorgt, fliegt beständig herbei, beschreibt einen weiten Bogen, um sofort wieder zurückzukehren, und treibt es in dieser Weise fort, solange mаn sich in der Nähe des Nestes aufhält. Die Jungen ähneln in ihrem Betragen anderen Strandvögeln, unterscheiden sich аber von ihnen dadurch, daß sie sofort fertig schwimmen können. Ich erwähne dies ausdrücklich, weil Faber und Holböll dаs Gegenteil angeben. Die Färbung ihres Dunenkleides ist eine verhältnismäßig dunkle, der des Riedgrases ähnlich.
In dem Magen der von mir erlegten Odinshennen fand ich verschiedene Insektenlarven, die ich nicht bestimmen konnte, und gelegentlich meiner Beobachtungen der Vögel sah ich, daß sie ihre Nahrung sowohl vom Wasser wegnahmen als auch am Uferrande oder im Riede aufsammelten. Nach Malmgren verzehrt der Wassertreter auf Spitzbergen während des Sommers hauptsächlich eine Alge, eine Art Nostoc, die in den Sümpfen dort viel vorkommt.
Anfang August führen die Alten ihre inzwischen flügge gewordenen Jungen hinaus zu den Inseln in den Fjorden und sammeln sich hier zu unschätzbaren Scharen, die jetzt ihr Winterleben beginnen. Anfang September haben sie ihr Winterkleid bereits angelegt und sich auch schon so gemästet, daß sie für den Sammler unbrauchbar geworden sind. Ende September verlassen sie die Küste gänzlich und schwärmen nun auf dаs hohe Meer hinaus.