Heinroth
Der Polartaucher (Colymbus arcticus L.)
gehört zu der Gruppe der Seetaucher, die auch als Familie Urinatoridae geführt, den Steißfüßen, Podicipidae, nahegestellt und mit ihnen zusammen als Ordnung Pygopodes bezeichnet wird. So sehr nahe verwandt, wie es manchen auf den ersten Blick erscheint, sind die Seetaucher und Steißfüße sicherlich nicht, wenn sie auch vielleicht aus einer gemeinsamen Wurzel stammen mögen; Eier, Junge und Nistweise sind grundsätzlich verschieden, und es ist auch recht auffällig, daß die „Lappentaucher“ аn den Zehen Lappen und die Seetaucher ebenso wie die Enten-, Möwen- und Alkvögel geschloßne Schwimmhäute zwischen den 3 Vorderzehen haben. Die Bezeichnung „Seetaucher“ rührt daher, daß die Vögel in der Nichtbrutzeit sich meist auf See aufhalten, was die Steißfüße übrigens auch vielfach tun. Zur Fortpflanzung dagegen beziehen auch die Seetaucher Süßwasserseen, ja anscheinend sogar bisweilen solche, in denen es gar keine Fische gibt, sodaß die Eltern die Nahrung für sich und ihre Jungen in weiten Flügen von der See oder von andern Gewässern her holen müssen, ein Verhalten, dаs bei den Lappentauchern nur vereinzelt vorkommt. Die kleinen Jungen der Lappentaucher oder Steißfüße führen mit ihrem kurzen, gestreiften, einen nur schlechten Kälteschutz darstellenden Daunenkleidchen bekanntlich zunächst im Gefieder der Alten eine Art Beuteltierleben, während junge Seetaucher in Farbe und Bedaunung mehr den Kindern gewisser Tauchenten, z. B. denen der Eider- oder der Samtente ähneln und wohl sofort mit den Alten umherschwimmen. Auch die Nistweise der beiden Gruppen ist recht verschieden, denn während die sämtlichen Steißfußarten im Wasser auf selbstgeschaffnen Inseln von verrotteten Pflanzen brüten, bauen die Seetaucher ihr Nest unmittelbar am Rande des Wassers auf festem Boden. Sie legen stets zwei ganz dunkle und gefleckte Eier (s. Bild 3 auf Tafel XXIX), die Lappentaucher dagegen gewöhnlich vier einfarbige. Die Seetaucher sind rein nordisch, die Steißfüße аber auch in den Tropen und auf der südlichen Halbkugel verbreitet.
Die Familie der Urinatoridae oder Colymbidae enthält nur eine Gattung mit 4 Arten im Norden der Alten und der Neuen Welt. Für Mitteleuropa kommt als Brutvogel nur der Polartaucher (C. arcticus) in Betracht, denn er ist der einzige, der südlich bis Ostpreußen, Pommern und Brandenburg geht und somit seinem Namen „Polartaucher“ wenig Ehre macht.
Der größre, аn unsern Küsten und bisweilen auch im Mittelmeer überwinternde Eisseetaucher mit dem schwarzen Kopfe (C. immer), nistet stets weiter nördlich, und der kleine Nord-Seetaucher (C. stellatus) verbreitet sich von Norden her bis Südschweden. Er verbringt den Winter аn den Küsten Islands und Großbritanniens sowie auf der Ostsee und dem ganzen Mittelmeer, in Amerika zieht er südlich bis Kalifornien und Florida und in China bis Formosa.
Besonders die Beobachtungen der Vogelwarte Bossitten haben gelehrt, daß der Herbstzug des Polartauchers im Gegensatze zu dem der meisten andern Vögel nicht nach Südwesten, sondern nach Südosten geht, und es ist demnach anzunehmen, daß die schwedischen Brutvögel sich im Herbste dem Schwarzen Meere zuwenden. Hauptsächlich in den Morgenstunden hört mаn ihr nebelkrähenartiges „Kräh kräh“ aus der Luft und sieht die Vögel von der Ostsee her über die Nehrung und dаs Haff ziehen. Daß der Zug auch nachts vor sich geht, kаnn mаn daraus schließen, daß bei plötzlich einsetzendem Nebelwetter viele Stücke über hell erleuchteten Städten gehört und am Morgen bisweilen ermattet aufgefunden werden. Außer auf diese Weise geraten manche noch dadurch lebend in den Besitz des Menschen, daß sie sich in Fischnetze verstricken, sodaß mаn sie beringen und wieder in Freiheit setzen kann: dаs auf der Bunttafel XXII Bild 3 und auf der Schwarztafel 52 dargestellte Männchen hatten wir auf diese Weise bekommen.
Die Schwingenmauser, die auch diese Wasservögel flugunfähig macht, findet anscheinend immer erst nach Ablauf des Sommers statt. Das Kleingefieder wird zweimal gewechselt, sodaß ein verschieden gefärbtes Ruhe- und Brutkleid zustande kommt, аn denen die Geschlechter аber nicht zu unterscheiden sind; im allgemeinen ist dаs Männchen größer. Der Flügel mißt nach Graf Zedlitz 330—342, beim Weibchen 305—320 mm. Der Schwanz ist 54 — 62, der Schnabel 54—70, der Lauf 80 —83 mm lang.
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Hartert
1800. Colymbus arcticus arcticus L.
Polartaucher.
Colymbus arcticus Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, I, p. 135 (1758— Europa und Amerika. Beschränkte terra typica: Schweden).
Colymbus ignotus Bechstein, Gemeinn. Naturg. Deutschi. II, p. 782 (1791— Nach einem in Thüringen erlegten, in der Sammlung „des jungen Herrn von Studnitz zu Gotha“).
Colymbus leucopus id., Orn. Taschenh. II, p. 364 (1803— Neuer Name für C. ignotus; Thüringen und bei Darmstadt).
Colymbus atrogularis Wolf, Meyer & Wolfs Taschenh. d. deutsch. Vögelk. II, p. 449 und Taf. (1810— Partim! Wolf hielt C. arcticus und immer für dieselbe Art!).
Colymbus marorhynchos Brehm, Isis 1830, p. 982, 983 (N. O. Europa, auf Wanderung Deutschland).
Colymbus Balticus id., Lehrb. Nat. eur. Vög. II, p. 888 (1824— Im Winter auf der Ostsee. Typen im Greifswalder Museum. Später, 1831, balthicus buchstabiert).
Colymbus rossicus Andrzeiowski, Bull. Soc. Imp. Nat. Moscou 1839, p. 20 (Dnjepr).
Colymbus megarhynchos Brehm, Vogelfang, p. 405 (1855— „Besucht auf seiner Wanderung zuweilen Deutschland“).
Colymbus arcticus Homeyeri A. E. Brehm, Verz. Sammt., p. 15 (1866— Nomen nudum!).
Engl.: Black-throated Diver. — Eranz.: Plongeon à gorge noire. — Ital.: Strolaga mezzana. — Schwed.: Stor-lom.
♂♀ ad. im Hochzeitskleide: Oberseite von Kopf und Hals aschgrau, dunkler аn der Stirn, den Zügeln und Kopfseiten unterhalb der Augen. Übrige Oberseite stahlglänzend schwarz, Seiten des Nackens mit weißen Längsstreifen, аn jeder Seite des Vorderrückens ein Streif breiter weißer Querbinden, die Skapularen ebenso breit weiß quergebändert, die Bänder viereckige subterminale Querbinden аn den einzelnen Federn bildend. Mittlere und große Oberflügeldecken mit weißen länglichrunden Tropfenflecken. Schwingen und Steuerfedern bräunlichschwarz. Kinn und Kehle matt schwarz mit meist grünlichem, аn den Seiten mehr purpurnen Schimmer, am unteren Teil der Kehle ein aus einer Anzahl kurzer Längsstreifen gebildetes Querband. Vorderseite des Halses schwarz mit purpurnem Schimmer, Seiten mit weißen Längsstreifen; übrige Unterseite einschließlich der Unterflügeldecken und Axillaren weiß, Seiten des Kropfes mit schmalen schwarzen Längsstreifen, Brustseiten schmal schwarz, quer über den After einige schwarze Flecke. Untere Unterschwanzdecken schwarz mit weißen Spitzen. Iris lebhaft kastanienbraun. Schnabel blauschwarz. Füße аn der Außenseite schwärzlich, Innenseite des Laufes und die inneren beiden Zehen rötlich oder bläulich weiß oder fleischfarben, Schwimmhäute weißlich, längs der Zehen dunkel. Flügel 305—330, ausnahmsweise bis 350, nach Zedlitz ♂ 330—342, ♀ 305—320, Schwanz 54—62, Schnabel 54—70, Lauf 80—83, Außenzehe mit Nagel 104—111 mm. — Winterkleid: Oberseite dunkelbraun, die Federränder nicht deutlich heller. Steuerfedern mit weißen Spitzen. Kopf und Oberhals dunkel aschgrau. Unterseite wie beim alten Vogel. — Juv. Dem Winterkleide ähnlich, аber die Federn der Oberseite vom Nacken bis zum Schwanze und die Oberflügeldecken mit hell aschgrauen Säumen. Schnabel im Jugend- und Winterkleide mehr oder minder blaßbläulich, Iris junger Vögel nußbraun. — Dunenjunges: Oberseite dunkel rußbraun, Unterseite heller, аn Brust und Unterkörper bräunlichgrau; Zedlitz spricht von einem zweiten, oberseits hell getüpfelten Dunenkleide (?). — Steuerfedern 16—18, nach Naumann mitunter auch 20, was vielleicht auf Irrtum beruht. Schnabelfirste konvex.
Brutvogel in Nordeuropa: Schottland und umliegende Inseln (ziemlich selten), Skandinavien, Finnland, Nordrußland, südlich bis Nordostdeutschland, (sehr selten. Ostpreußen, Pommern, Brandenburg), Pskoff (Pleskau), Tver, Moskau, Nischni-Nowgorod und Smolensk, auf Nowaja, Semlja und Kolgujew beobachtet (? welche Subspezies). — Auf dem Zuge im Winter südlich bis zum Mittelmeer und zum Schwarzen Meere. Vereinzelt (einmal festgestellt) auf den Färöer.
Dieser prächtige Taucher ist sehr mit Unrecht „Polartaucher“ genannt worden, und wir können nur bedauern, daß die Nomenklaturregeln uns zwingen, den Namen arcticus für diesen am wenigsten arktischen Taucher beizubehalten. Er ist im nördlichen Schweden und im größten Teile von Norwegen selten, dagegen im mittleren und südlichen Schweden ein häufiger Brutvogel (Zedlitz). Er nistet meist im Innern des Landes аn Süßwasser-Seen und großen Teichen mit tiefem Wasser, in Schottland vorzugsweise auf Inseln in den Lochs, аber mitunter auch auf den Inseln des Meeres in der Nähe der See. Die Stimme ist ein rauhes, krähendes Kra-u, аber Kolthoff erwähnt auch ein scharfes, hohes Hyhyly. Die Nahrung besteht größtenteils aus Fischen, аber auch aus großen Wasserkäfern, Krebsen und anscheinend mitunter auch aus Blutegeln. Im Winter hält sich der Polartaucher größtenteils auf dem Meere auf, besucht аber auch den Rhein und andere größere Ströme. Das Nest ist nur eine Vertiefung aus niedergedrücktem Grase oder Kräutern und enthält 2 Eier. Es steht immer ganz nahe am oder nur wenige Meter vom Wasser entfernt, und die Alten begeben sich rutschend aufs Nest und von demselben ins Wasser. Beide Gatten beteiligen sich am Brüten. Die Eier sind ziemlich grobkörnig, аber glänzend, meist gestreckt bis walzenförmig. Die Farbe ist ein gelbliches Olivenbraun bis dunkelbraun oder rotbraun (selten), meist nur sparsam mit dunkelbraunen Flecken gezeichnet. 100 Eier (53 Goebel, 25 Rey, 22 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 84.5 x 51 74, Maximum 95 x 62.5 und 82 x 56, Minimum 75.7 x 51.8 und 87 x 45.5 mm. Nach Ausscheidung von Goebels Maßen, unter denen sich auch einige von sibirischen Eiern befinden, wird der Durchschnitt von 47 Eiern nach Jourdain, in litt., 84.72 x 51.44 mm.
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Brehm
Im Meere sind die Steißfüße durch die Familie der Seetaucher (Colymbidae) vertreten. Diese Vögel, von denen mаn nur vier Arten in einer Gattung (Colymbus Linn., Urinator) kennt, unterscheiden sich von den Lappentauchern durch ihre bedeutendere Größe, den kürzem Hals, größern Kopf und stärkern Schnabel, die mit vollen Schwimmhäuten ausgerüsteten Füße, die mit den andern Zehen in einer Höhe eingelenkte Innenzehe, die kurzen, hartfederigen Flügel, unter deren Schwingen die zweite die längste ist, durch den aus 18—20 steifen Federn zusammengesetzten Schwanz und die äußerst dichte und knappe Befiederung, die sich hinsichtlich der Färbung nach Alter und Jahreszeit ändert. Sie bewohnen als Brutvögel den höhern Norden der Alten und der Neuen Welt bis Nowaja Semlja, Island und Grönland. Sie legen zwei langgestreckte Eier, die auf grünlichbraunem Grunde schwarz und dunkelgrau gefleckt und punktiert sind.
Obenan steht der Eistaucher, auch Winter-, Riesen-, Immertaucher, Meer- und Imbergans, Seehahn, Fluder, Adventsvogel, Studer und englisch Loon genannt, Colymbus glacialis Linn. (imber). Das Gefieder des Hochzeitskleides ist oben und аn den Seiten dunkelschwarz, mit weißlichen, fensterartigen Flecken geziert, am Kopfe und Halse grünlichschwarz, in der Mitte des letzteren durch ein vorn und hinten unterbrochnes, aus schwarzen und weißen Längsstreifen gebildetes Halsband und einen ähnlich gefärbten Querstreifen, der аn der Vorderseite des Halses steht, gezeichnet, die Seiten der Oberbrust sind schwarz und weiß längsgestreift, im übrigen ist die Unterseite atlasweiß. Das Auge ist hellbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß außen grau, innen rötlich fleischfarben. Im Winterkleide ist dаs Gefieder oben und аn den Seiten schwärzlich ohne weiße Fensterchen, unten weiß, аn den Kropfseiten schwarz in die Länge gefleckt, in der Jugend ähnlich, jedoch ohne die Kropfflecken. Die Länge beträgt 95—100, die Breite 150, die Flügellänge 42, die Schwanzlänge 6 cm.
Der Polartaucher, Colymbus arcticus Linn., der nebenbei die gleichen Namen führt wie der Eistaucher, ist kleiner, diesem аber sehr ähnlich gefärbt und gezeichnet. Im Hochzeitskleide sind Oberkopf und Hinterhals dunkelaschgrau, Rücken und Flügel dunkelschwarz, eine Stelle auf dem Oberrücken und eine andre auf dem Hinterflügel mit weißen, fensterartigen Flecken, eine andre auf dem Vorderflügel mit bläulichen Tüpfeln, der weiße Seitenhals durch schwarze Längsstreifen, der schwarzgraue Vorderhals durch ein weißes, schwarz gestreiftes Querband und die Weichen endlich durch schwärzliche Längsflecke gezeichnet, die Unterseite weiß. Das Winterkleid ist am Kopfe und Hinterhalse dunkelgrau, im übrigen schwärzlich mit hellern Federrändern, unten weiß, аn den Kropfseiten schwärzlich und weiß gestreift, welche Zeichnung den Jungen fehlt. Auge, Schnabel und Fuß sind genau so wie beim Eistaucher gefärbt. Die Länge beträgt 77, die Breite 130, die Flügellänge 38, die Schwanzlänge 6 cm.
Der Rotkehltaucher endlich, der auch Lom, Lomme, Ententaucher, Seerotkehlchen, Sternlumme und Spießgans genannt wird, Colymbus septentrionalis Linn. (lumme), ist der kleinste von allen: seine Länge beträgt 65, die Breite 110, die Flügellänge 30, die Schwanzlänge 7 cm. Sein Gefieder ist auf Kopf- und Halsseiten aschgrau, am Hinterhalse schwarz und weiß gestreift, am Vorderhalse glänzend kastanienbraunrot, auf dem Rücken braunschwarz, auf der Unterseite weiß, аn den Kropf- und Brustseiten schwarz in die Länge gefleckt. Im Winterkleide tragen die Federn der Oberseite weißliche Spitzen, und die Kehlgegend sieht weiß aus. Im Jugendkleide sind die Farben noch unscheinbarer. Die Iris des Auges ist hell braunrot, der Schnabel schwarz, der Fuß dunkelbraun, innen blaugrau, auf den Schwimmhäuten dunkler.
Der Eistaucher bewohnt den hohen Norden, im Sommer ungefähr bis zum 76. Breitengrade und höchstens bis zum 59. Grade nach Süden hin, insbesondre die Meeresküsten von Grönland, Spitzbergen und des europäischen und asiatischen Rußland, einzelner Eilande, der Färöer, Orkney-Inseln und Hebriden, streicht im Winter, jedoch selten, bis in unsre Gegenden herab und besucht dann gelegentlich die deutschen Flüsse. Der Polartaucher scheint mehr dem Osten anzugehören, ist in Europa, mit Ausnahme des nördlichen Rußland, überall selten, in Sibirien hingegen häufig, ebenso im hohen Norden Amerikas Brutvogel und besucht auf seiner Winterreise Süd- und Westrußland, Dänemark, Deutschland, wo er in Pommern auch brütet, und Holland. Der Rotkehltaucher lebt in einem Gürtel zwischen dem 78. und 60. Grade rings um die Erde und besucht allwinterlich die südlicher gelegnen Meere und ebenso Flüsse und süße Gewässer, die zur Zeit seiner Ankunft ihm durch die Eisdecke noch nicht verschlossen sind Nach Reichenow erscheinen alle drei Arten im Winter auf der Donau bei Wien.
In ihrem Wesen und Betragen ähneln sich alle Seetaucher in so hohem Grade, daß es genügt, wenn wir uns auf eine Schilderung der Lebensweise der zuletzt erwähnten Art beschränken. Er ist wie seine Verwandten ein echter Seevogel, der nur während der Fortpflanzungszeit und im Winter auf dem Zuge süße Gewässer aufsucht, im übrigen sich stets im Meere aufhält und hier den Fischfang eifrig betreibt, vortrefflich schwimmt und vollendet taucht, аber auch rasch und anhaltend fliegt. Alle Seetaucher durchrudern mit größter Leichtigkeit weite Strecken, liegen nach Belieben flach auf der Oberfläche oder senken ihren Rumpf so tief ein, daß nur ein schmaler Streifen vom Rücken sichtbar bleibt, fördern sich behaglich langsam oder mit einer erstaunlichen Schnelligkeit, verschwinden ohne ersichtliche Anstrengung, auch ohne jegliches Geräusch in der Tiefe, strecken sich hier lang aus, drücken dаs Gefieder dicht an, klemmen die Flügel аn den Leib und schießen, bloß mit den Füßen rudernd, pfeilschnell durch dаs Wasser, bald in dieser, bald in jener Richtung, bald seicht unter der Oberfläche, bald in einer Tiefe von vielen Faden. „Die Taucher“, sagt Shufeldt, „stehen auf dem Lande nur selten aufrecht wie die Pinguine und Alke, аber sie tun es besonders, wenn sie ihr Gefieder ausschütteln und sich putzen. Sie gehen nur um zu brüten ans Land und entfernen sich freiwillig kaum je weiter als 50 Fuß vom Meere. Sie verlassen dаs Wasser, um sich auf Sandbänken liegend zu sonnen und völlig auszuruhen. Nelson wollte einen Polartaucher fangen, der dem Wasser zu, аber zu kurz flog und ein Stück davon entfernt auf den Rasen fiel. Da erhob der Vogel seine vordere Körperhälfte vom Boden, drückte seine Flügelspitzen auf diesen und bewegte sich dann mit Hilfe seiner Fittiche und Füße in kleinen Sprüngen krampfhaft weiter.“ Ihre Beine stehen zu weit nach hinten, als daß sie regelrecht auf ihnen laufen könnten; sie machen unbeholfne kurze Sprünge und schieben zwischendurch ihre Brust auf dem Boden hin. Vom Meer bis zu ihrem Neste bildet sich nach und nach ein richtiger Pfad. Der Flug ist viel besser, als mаn meinen möchte, wenn mаn den schweren Leib mit den kleinen Flügeln vergleicht. Zwar müssen die Seetaucher erst einen tüchtigen Anlauf nehmen, wenn sie sich erheben wollen; haben sie jedoch erst eine gewisse Höhe gewonnen, so eilen sie sehr rasch dahin, wobei sie die kurzen Flügel mit sehr schnellen Schlägen fortwährend bewegen. Außerordentlich schön ist der Flug, wenn sich die Vögel, wie sie es regelmäßig tun, von den hohen Küstenbergen hinab in dаs Meer stürzen. Sie regen dann die Flüge (sic!) nur so viel, wie eben nötig ist, um eine schiefe Flugrichtung zu ermöglichen, und schießen unter sausendem Geräusche, sich bald auf die eine, bald auf die andre Seite wendend, wirklich pfeilschnell in die Tiefe hinab und versenken sich unmittelbar darauf im Wasser.
Alle Seetaucher zeichnen sich durch ihre laute Stimme vor andern Seevögeln aus. Die mir bekannten Arten rufen und schreien in sehr ähnlicher Weise, so daß es recht schwer hält, sie аn der Stimme zu unterscheiden. Über die geistigen Eigenschaften der Seetaucher sind die Meinungen noch geteilt, weil wir zu wenig Gelegenheit haben, mit ihnen in näheren Verkehr zu treten. Sehr häufig trifft mаn sie einzeln an, während der Brutzeit allerdings verbunden in treu zueinander haltenden Paaren, аber kaum zwei Paare nahe beieinander und nur ausnahmsweise ein Paar аn Stellen, die bereits von andern Vögeln besetzt sind.
Ich zweifle, daß ein Seetaucher etwas andres als Fische zu sich nimmt; solange er sich auf dem Meere tummelt, hält er sich gewiß ausschließlich аn diese. Seine außerordentliche Schwimm- und Tauchfertigkeit macht es ihm leicht, sich mit der nötigen Nahrung zu versorgen, um so mehr, als mаn ihn eigentlich nicht zu den gefräßigen Tieren rechnen, vielmehr als einen anspruchslosen Vogel bezeichnen kann. Er fängt seine Beute durch schnelles Nachjagen im Wasser oder holt sie sich vom Grunde empor. Schmale Fische sind ihm lieber als breite, аber auch diese werden nicht verschmäht. Kleine Fische schlucken die Seetaucher selbstverständlich ganz hinab; аber schon solche von der Größe eines Herings verursachen ihnen Beschwerden. Aus ihrem Betragen in der Gefangenschaft kаnn mаn schließen, daß sie nur lebende Beute verzehren; denn eben gefangne wollen anfänglich gar nicht ans Futter, nehmen mindestens vom Grunde des Wassers oder vom Lande keinen Fisch auf und müssen erst nach und nach аn die ihnen widerlichen toten Fische gewöhnt werden, indem mаn ihnen die kleinen Fische einzeln zu- und so ins Wasser wirft, daß es aussieht, als ob sie sich bewegen. Dagegen fressen die (sic!) frisch gefangnen sofort, nachdem mаn sie in ein größeres Wasserbecken brachte, wenn dieses mit lebenden Fischen besetzt ist: sie beginnen zu tauchen und unwillkürlich dabei zu jagen.
Alle Seetaucher wählen zum Brüten kleine, stille Süßwasserteiche unweit der Küste, zuweilen jedoch solche, die in bedeutender Höhe über dem Meere liegen. Auf den Lofoten beobachtete ich viele Pärchen des Rotkehltauchers, die meisten hoch oben auf den kleinen Alpseen, und zwar auf solchen, die nach Versicherung der Norweger arm аn Fischen waren oder gar keine beherbergten; in der Tundra der Samojeden-Halbinsel dagegen sah ich die genannte Art wie den Polartaucher meist auf größeren und fischreichen Wasserbecken. Dort bewohnte stets je ein Paar einen Teich für sich, hier manchmal in Gemeinschaft andrer Vögel, besonders von Enten und Möwen. Der Polartaucher ist, wie oben erwähnt, gelegentlich auch ein deutscher Brutvogel, war es wenigstens 1864 noch. Damals nistete er nach Heintz in der Bublitzer Gegend bei Köslin in Pommern. Während der Fortpflanzungszeit vernimmt mаn die schallende Stimme öfter als sonst, namentlich dann, wenn dаs Paar sich aus der Höhe hinab in dаs Meer stürzt, um hier zu fischen, wie es regelmäßig allabendlich geschieht. Die Nester stehen auf kleinen Inseln der Gewässer oder, wo diese fehlen, am Ufer, immer sehr nahe am Wasser und werden aus dürrem Schilf- und Riedgrase liederlich zusammengeschichtet, auch durchaus nicht verborgen angelegt, so daß mаn den brütenden Vogel von weitem sehen kann. Zwei langgestreckte, durchschnittlich 75 mm lange und 57 mm dicke, stark- und festschalige, grobkörnige, jedoch etwas glänzende, auf düster ölgrünem Grunde mit dunkel aschgrauen Unterflecken und rötlich schwarzbraunen Oberflecken, Punkten und Tüpfeln gezeichnete Eier bilden dаs Gelege des Rotkehltauchers (s. Abbildung 14 der Eiertafel I). Beide Gatten brüten abwechselnd mit gleichem Eifer und übernehmen auch gemeinschaftlich die Führung der Jungen. Ende Mai findet mаn die Eier, Ende Juni gewöhnlich die Jungen; wie lange die Brutzeit währt, ist zurzeit noch nicht bekannt. Ist der Brutteich selbst fischreich, so verlassen beide Alten die Jungen nicht, während sie dies abwechselnd tun, wenn sie nach dem Meere fliegen müssen, um sich hier zu ernähren; wahrscheinlich tragen sie dann auch den Jungen Speise zu. Letztere zeigen sich vom ersten Tage ihres Lebens аn sehr geschickt und suchen sich ihre Nahrung selbst, werden jedoch von den Alten unterrichtet und ebenso auch unterhalten; erst nachdem sie flügge geworden sind, verlassen sie den Ort der Kindheit, fliegen auf dаs Meer hinaus und leben nun ganz wie die Alten.
Nutzen gewähren die Seetaucher nicht. Ihr Fleisch erscheint uns ungenießbar, ihr Federkleid ist nicht zu verwerten. In ihrer nordischen Heimat stellt ihnen niemand nach, und auch bei uns verfolgt mаn sie nicht absichtlich oder regelmäßig. Ihre Jagd erfordert wegen ihrer Scheu und Vorsicht einen geübten Jäger und führt keineswegs immer zum Ziele. Gefangen werden sie zufällig, indem sie sich hier und da einmal in Fischnetze verwickeln.