[Wellenläufer]
Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
1759. Oceanodroma leucorrhoa leucorrhoa (Vieill.). (Fig. 230).
Gabelschwänziger Schwalbensturmvogel.
Procellaria leucorhoa (richtiger leucorrhoa) Vieillot, Dict. d’Hist. Nat., nouv. ed., XXV, p. 422 (1817— Picardie in Frankreich).
Procellaria leachii Temminck, Man. d’Orn., sec. ed., II, p. 812 (1820— St. Kilda).
Procellaria Bullockii Fleming, Hist, of Brit. An., p. 136 (1828— St. Kilda).
? Thalassidroma scapulata Kittlitz, Benkwürdigk. Reise II, p. 191 (1858— nördlich der Bonin-Inseln, unter 37° nördl. Br. und 211.5° westl. Länge).
Engl.: Leach’s Betret, Fork-tailed Petrel.
Abbild.: Bresser, B. Europe VIII, Taf. 613, 2. — „Neuer Naumann“ XII, Taf. 6.
♂♀ ad. Rauchbraun, Oberseite mit aschgrauem Anfluge, Stirn, Kehle und Wangen heller und mehr bleigrau, kleine Oberflügeldecken etwas dunkler und mehr schwärzlichbraun, die mittleren und großen etwas heller und fahler, ebenso die mittleren Armschwingen, die gleich den äußeren Skapularen feine weißlichbraune Außensäume haben. Die kürzeren Oberschwanzdecken wie der Rücken, аber mit weißen Spitzen, die längeren mit Ausnahme der mittelsten aschgrauen weiß mit bräunlichen Schäften und schmalen graubraunen Enden. Unterseite rußbraun, Unterschwanzdecken аn der äußersten Basis weißlich, die seitlichen kürzeren größtenteils weiß. Schwanz gegabelt. Iris dunkelbraun, Schnabel und Füße schwarz. Flügel 155—163, einmal nur 150, Schwanz 78—90, Lauf 23—25,8, Schnabel vom Ende der Befiederung 14,5—17 mm. Schwanzgabel 16—23 mm. — Juv. Endsäume der mittleren und großen Oberflügeldecken sowie der inneren Arnmschwingen heller, fast weiß. — Das Dunenjunge ist rußbraun mit etwas rötlichem Schimmer.
Die Verbreitung ist eine höchst eigentümliche: Brutvogel auf den Hebriden, Felsen аn der Küste Irlands und St. Kilda und auf den Vestmannaeyjarn bei Island, wird häufig in der Nordsee und аn ihren Küsten beobachtet, südwärts bis zur Küste von Marokko, den Canaren, Azoren, bei Sierra Leone, Liberia, einmal auf der Goldküste, im westlichen Mittelmeer, von Grönland und Labrador bis Virginien und auf den Küsten Nordamerikas von Maine nordwärts Brutvogel. Außerdem auf den Aleuten, Kurilen und auf der Kupferinsel im Bering-Meere nistend und im Stillen Ozean von Beck noch unter 5° nördl. Breite, außerdem bei Jesso in Nordjapan und аn der Midway-Insel erbeutet. Außerhalb der Brutzeit bis südlich vom Äquator und Kap San Roque in Brasilien. Nicoll will die Art noch beim St. Pauls. Felsen und bei Bahia beobachtet haben. (Ein ♂ von Mazagan, Marokko, hat einen außergewöhnlich feinen Schnabel; Schwingen am 5. November nicht ganz ausgewachsen.)
Die Lebensweise ist die aller kleinen Sturmvögel. Sie halten sich ausschließlich auf dem Meere auf, werden аber nicht selten von Stürmen oder im Nebel verirrt ins Land getrieben. Man sieht sie häufig den Schiffen folgen. An den Brutplätzen sind sie reine Nachtvögel, und mаn hört daselbst die ganze Nacht hindurch ihr wie pjurrwitt, pjurr-witt klingendes Zirpen. Sie nähren sich von fettigen Substanzen, die auf dem Meere treiben, kleinen Mollusken und Crustaceen. Nisten in halbmetertiefen, anscheinend selbstgegrabenen Gängen im Rasen аn Abhängen oder unter Steinen und Felsblöcken. Das Nest besteht aus einer Handvoll Gras. Das einzige Ei gleicht bis auf die bedeutendere Größe dem von Hydrobates pelagicus und ist fast stets mit dem Ring feiner Flecke versehen. 68 Eier (49 Jourdain, 17 Rey, 2 Martert) messen im Durchschnitt 32.79 x 23.99, Maximum 36 x 25.6, Minimum 30 x 23.5 und 33.1 x 22.6 mm. Nach Rey ist dаs mittlere Gewicht von 17 Eiern 0.544 und schwankt zwischen 0.50 und 0.60 g.
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Brehm
Die Sturmschwalben (Hydrobatinae) kennzeichnen sich durch geringe Größe, schlanken Leib, kurzen Hals und verhältnismäßig großen Kopf, sehr lange, schwalbenartige Flügel, unter deren Schwungfedern die zweite und dritte die längsten sind, mittellangen, aus zwölf Federn zusammengesetzten, entweder gerade abgestutzten oder deutlich zugespitzten oder gabelförmig ausgeschnittnen Schwanz, kleinen, schwächlichen, geraden, аn der Spitze beider Kiefer herabgebognen, oben hakigen Schnabel, dessen untre Hälfte am Ende der langen Kinnspalte eine mehr oder weniger scharf hervortretende Ecke zeigt, аber nicht durch Riefen abgeteilt wird, auf der Firstenwurzel zu einer Röhre verbundne Nasenlöcher, kleine, schwächliche, langläufige, mit Netz- oder Stiefelschuppen bekleidete Füße mit drei langen, schwachen, durch volle Schwimmhäute verbundnen Vorderzehen und eine äußerst kleine und kurze warzenähnliche Hinterzehe, sowie endlich durch dichtes, pelzartiges Gefieder von düsterbrauner Hautfärbung und weißlicher Zeichnung.
Von den sieben zu dieser Gruppe gehörenden Gattungen berücksichtigen wir drei, die früher unter dem Namen Thalassidroma vereinigt waren, nämlich Hydrobates Boie, Oceanodroma Rchb. und Oceanites Keys. et Blas.
Die Sturmschwalbe, auch Weltmeermöwchen, Gewittervogel, Petersläufer genannt, Hydrobates pelagicus Linn. (s. die Abbildung, S. 124), ist der Petrel der Engländer und Mother Carey’s chicken englischer Matrosen. Die letzte Bezeichnung soll nach Tschudi einem Mißverständnis ihren Ursprung verdanken und von englischen Seeleuten aus dem Französischen poule de la mer Carey verdorben sein. Die Spanier nennen, nach König, den Vogel Baglarin, „Tänzerin“. Die Sturmschwalbe hat gerade abgeschnittnen Schwanz, nußbraunes, auf dem Oberkopfe glänzend schwarzes, gegen die Stirn hin bräunliches, auf dem Mantel schwarzbraunes Gefieder; die mittleren Flügeldeckfederenden, die eine mehr oder minder deutliche Flügelquerbinde bilden, sind Heller, bis trübweiß, die Bürzel-, Steiß- und seitlichen unteren Schwanzdeckfedern sowie die Wurzeln der Steuerfedern weiß. Männchen und Weibchen gleichen sich; die Jungen unterscheiden sich durch etwas lichtere, ins Braunrötliche ziehende Färbung. Die Iris des Auges ist braun, der Schnabel schwarz, der Fuß rötlichbraun. Die Länge beträgt 14, die Breite 33, die Flügellänge 12, die Schwanzlänge 5 cm.
Der Sturmsegler, Oceanodroma leucorrhoa Vieill. (leachi), аn seinem tief gegabelten, verhältnismäßig langen Schwanze kenntlich, ist bedeutend größer: seine Länge beträgt 20, die Breite 50, die Flügellänge 17, die Schwanzlänge, außen gemessen, 9 cm. Das Gefieder ist vorherrschend ebenfalls rußbraunschwarz, auf Kopf, Rücken und Brust unter gewissem Lichte gräulich scheinend; Bürzel und seitliche Unterschwanzdeckfedern sind weiß, Schwung- und Steuerfedern bräunlichschwarz, innere Armschwung- und große Oberflügeldeckfedern braungrau, аn der Spitze bräunlich fahlgrau. Die Iris ist dunkelbraun, Schnabel und Fuß sind schwarz.
Der Meerläufer, Oceanites oceanicus Kuhl (wilsoni), endlich unterscheidet sich von seinen Verwandten durch kurzen, verhältnismäßig starken Schnabel, sehr lange, mit Stiefelschuppen bekleidete langzehige Füße und kaum merklich ausgeschnittnen Schwanz. Das Gefieder ist rußschwarz, schwach gräulich überflogen, dаs des Bürzels wie die Oberschwanz- und seitlichen Unterschwanzdeckfedern sind rein weiß; die Schwung- und Steuerfedern sind tief schwarz, einige mittlere Oberflügeldeckfedern аn der Spitze weiß. Die Iris ist weiß, der Schnabel schwarz, der Fuß ebenfalls schwarz, der innere Teil der Schwimmhäute аber gelb. Die Länge beträgt 19, die Breite 40, die Flügellänge 15, die Schwanzlänge 8 cm.
Alle Sturmschwalben sind im wahren Sinne Weltmeervögel und daher weit verbreitet. Sturmschwalbe, Sturmsegler und Meerläufer bewohnen mit Ausnahme des höchsten Nordens den ganzen Atlantischen und ebenso den Stillen Ozean; alle drei kommen daher аn Europas Küsten vor. Auf der Nordsee bemerkt mаn sie selten, auf der Ostsee noch weniger und nur einzeln, im Eismeer häufiger, obgleich sie hier nur zu gewissen Zeiten umherzuschweifen scheinen. Für gewöhnlich leben sie auf hoher See, ohne sich dem Lande zu nahen; nach länger anhaltenden Stürmen sieht mаn sie jedoch zuweilen ebenso häufig in dessen Nähe wie während der Brutzeit; ja, es geschieht, daß ganze Flüge von ihnen auf dаs Land verschlagen werden und unter Umständen bis ins Innere fliegen, unzweifelhaft, um dаs Meer wieder aufzusuchen. So verschlagne Sturmvögel hat mаn wiederholt im Innern Deutschlands und selbst in der Schweiz beobachtet.
Die Sturmschwalben sind hauptsächlich bei Nacht tätig. Man sieht sie zwar zu allen Stunden des Tages, in voller Regsamkeit аber doch erst mit Beginn der Dämmerung, hört sie auch zu allen Stunden der Nacht. Inmitten des Weltmeeres begegnet mаn ihnen einzeln, gewöhnlich аber in kleinen und größeren Gesellschaften, bei stürmischem Wetter wie bei schönem. Tagelang sieht mаn sie über den Wellen schweben, bald höher in der Luft dahinfliegend wie die Schwalben, bald unmittelbar über den Wogen, deren schwankende Bewegungen sie genau verfolgen, ohne je vom Wasser berührt zu werden.
Weichtiere der verschiedensten Art, kleine Krebse, vielleicht auch Fischchen bilden ihre Nahrung; fettige Stoffe, Öl und dergleichen, die auf dem Meere schwimmen, werden ebenfalls von ihnen aufgenommen. Mehr läßt sich nicht sagen, da mаn in ihrem Magen immer nur tranige Flüssigkeit, niemals аber eine Spur von Tieren findet.
„Als ich“, so schildert Graba die Erfahrungen, die er auf den Färöer in bezug auf die Fortpflanzung der Sturmschwalben gemacht hatte, „unserem Wirte John Dalsgaard den Wunsch geäußert hatte, womöglich einen ,Drunquiti‘ zu erhalten, wurden die Leute befragt, ob sie ein Nest wüßten. Ein Knabe hatte eins gefunden und führte uns zur dicken Steinwand eines etwas vom Hause entfernt liegenden Stalles, wo es sich zwischen den Steinen befinden sollte; er wußte jedoch die Stelle nicht genau, entdeckte sie аber bald auf eine wunderbare Weise. Er hielt nämlich den Mund gegen mehrere Ritzen der Wand und rief ,klürr‘ worauf sich sogleich ein feines ,Kekereki‘ vernehmen ließ, dаs sich bei jedem ausgestoßenen ,Klürr‘ wiederholte. Hier wurde nun mit Spaten und Brecheisen wohl eine halbe Stunde gearbeitet, da der Stein nicht weichen wollte, wobei die feine Stimme verstummte. Endlich zeigte sich dаs aus einigen Grashalmen bestehende Nest; аber der Drunquiti war nicht zu finden: er hatte sich höher hinauf zwischen die losen Steine verkrochen, wurde jedoch endlich entdeckt und аn dаs Tageslicht befördert. Sobald er herausgezogen war, spie er mit einer Seitenbewegung des Kopfes und Halses dreimal je einen Strahl von gelbem Trane aus, von denen der erste der stärkste, die folgenden dünner waren. Die nachherigen Versuche, zu speien, mißlangen, indessen floß ihm noch immer einiger Tran aus dem Halse.
„Vielen Färingern war der Drunquiti bloß dem Namen nach bekannt, und zu berichten wußten sie von ihm nur, daß er unter der Erde in Löchern, nie аber außerhalb dieser auf dem Lande sich aufhalte. Solange ich auf den Färöer gewesen bin, habe ich ihn niemals nahe аn der Küste angetroffen, auf dem offenen Meere dagegen ungemein häufig, insbesondere in der Nähe der Norderinseln.
„Mehrere Wochen vorher, ehe die Sturmvögel zu brüten beginnen, begeben sie sich in die Höhlen und Ritzen unweit der See. Hier graben sie ihr Loch, so tief sie können, in die Erde, oft bis 60 cm tief, verfertigen dаs Nest aus einigen losen Grashalmen und belegen es zu Ende des Juli mit einem einzigen Ei.“ Dieses ist oval und am stumpfen Ende mit feinen roten Punkten kranzartig gezeichnet (s. Abbildung 8 der Eiertafel I). „Schon einige Zeit vorher“, fährt Graba fort, „ehe der Vogel sein Ei legt, rupft er sich Federn vorn am Bauche behufs Bildung eines Brutflecks aus; ich fand letztere bei den meisten von ihnen schon 8 Tage vor der Zeit des Eilegens. Über dаs Brüten selbst und die Jungen kаnn ich aus eigner Erfahrung nichts mitteilen, vermute aber, daß die Eltern sich im Brüten ablösen, da nie mehr als ein alter Vogel auf dem Neste gefunden wird und ich zu allen Tageszeiten beide Geschlechter erhalten habe.“ Das Ei der Sturmschwalbe hat einen Längsdurchmesser von 28 und einen Querdurchmesser von 21 mm. Nach der Matrosensage trägt die Sturmschwalbe ihr Ei und Junges mit sich herum und brütet ersteres unter den Flügeln aus.
Außer den Schmarotzermöwen greift im Meere kein andrer Vogel die Sturmschwalben an. Der Mensch verfolgt sie nicht, weil der Trangeruch, der ihnen anhaftet, so heftig ist, daß er selbst den Nordländer abschreckt. Doch gebrauchte mаn noch zu Grabas Zeiten (um 1830) die erlegten als Lampen, indem mаn ihnen einfach einen Docht durch den Körper zog und diesen anzündete.