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Bezzel
Larus marinus L. – Mantelmöwe
Status in ME. Seltener bis häufiger Gast аn der Küste, ganzjährig; im küstenfernen Binnenland nur ausnahmsweise.
Kennzeichen. Ähnlich Heringsmöwe, doch etwas größer (Größenunterschied ohne direkten Vergleich oft schwierig zu ermitteln!), kräftiger Schnabel, breite Flügel, die den Schwanz nur um 2-3,5 cm überragen. Ad. Brutkleid: Flügeloberseite fast schwarz, Vorderrand schmal, Hintersaum breiter weiß abgesetzt, 2 äußerste HS аn der Spitze weiß (vgl. Heringsmöwe); Körper sonst weiß. Ad. Ruhekleid sehr ähnlich, Kopffedern sehr fein gestrichelt. Juv. ähnlich Silbermöwe, Kopf und Vorderbrust jedoch heller als die gefleckte Unterseite, Vorderrücken- und Schulterfedern heller und scheckiger als Silbermöwe; Bürzel und Oberschwanzdecken reiner weiß als bei anderen juv. Großmöwen (äußerste ST größtenteils weiß); im 1. Brutkleid Kopf, Hals und Vorderbrust noch ausgedehnter weiß; im 2. Brut-/ Ruhekleid Vorderrücken- und Schulterfedern ± schieferschwarz; Flügel noch überwiegend braun. Im 3. Ruhekleid ± wie ad. Brutkleid, noch Reste bräunlicher Zeichnung am Schwanz. • Schnabel juv. braunschwarz mit heller Spitze und dann sich zunehmend ausdehnender heller Basis; 3. Lebensjahr gelbweiße Schnabelbasis und -spitze, braunschwarze Binde vor der Spitze; ad. Brutvogel gelb, weißliche Spitze, orangeroter Unterschnabelfleck. Füße juv./immat. grau fleischfarben, ad. weißlich fleischfarben, ausnahmsweise orange. Iris juv. dunkelbraun; Aufhellung ab 3. Winter ± deutlich; ad. hellgrau, häufiger zitronengelb; Lidring juv. weiß, ad. Brutkleid rot
Verbreitung und Bestand. Br. der NE Küste Amerikas; in Europa von W- Spitzbergen, Waigatsch- und Kanin- Halbinsel nach W und S bis IS, GB/IRL, NW-F, DK, baltische Anteile der SU einschließlich fast aller Küsten N., S., SF (hier auch einzeln im Inneren). In Europa seit ca. 1920 + und Arealausweitung.
F: 1100-1200 (1979, davon 250-350 Normandie, übrige Bretagne; stark +). • GB: > 19000 (1969/70) + z. T. stark. • IRL: > 3100 (1969/70). ■ DK: < 10 (1930), 25 (1940), 60 (1950), 110 (1960), 370 (1970), 464(1974). • N.: ca. 60000(1970). • 8.: ca. 20000 (um 1975). • SF: ca. 600 (um 1955), seither +. – SU: Estn SSR ca. 300 (1967/69). IS: +; 30000-50000 (1970). •■ Färöer: 1000-2000 (1970).
In Mitteleuropa аn Ost- und Nordseeküste ganzjährig G. (im Sommer wenig), am Unterlauf der großen Flüsse auch ± im Binnenland (hier +), doch im küstenfernen Binnenland sehr s., z. T. fehlend. Bestände: Ostseeküste Meckl. 500-1000 (Aug./Okt.), 400-500 (Winterbestand); Jan. bis 700 Ostseeküste Schl.-Holst.; Wattenmeer Nordfriesland bis 3000 (Juli/Okt.), ca. 700 (M Winterbestand); im ostfriesischen Wattenmeer max. Tausende; NL bis 4000 (Aug. 1963); > 3800 (Jan. 1977), doch z. B. Texel 5570 (Nov. 1977). An den großen Seen des Alpenvorlandes ur. (CH, Bodensee) bzw. s. (Bayern); bis ca. 1975 21 mal in CS; A ca. 10, H 0 Nachweise.
Wanderungen. Strichvogel, Kurzstreckenzieher. Wintergebiet von der Packeisgrenze bis S-Ost- und Nordsee, am Atlantik bis Biscaya und einzeln bis MA; Irrgast bis Kapverden, Mauretanien und einzeln auch im Mittelmeerraum. Hauptlebensraum bildet Schelfmeer. Br. Murmanküste ziehen entlang der Küste N bis GB (z. B. Coulson u. a. 1984) und einzeln bis NW-Afrika, аber auch nach SE der europäischen SU. Br. SF überwintern von S-Ostsee bis S-GB; einzelne Funde Adria und Schwarzes Meer, Br. S. und S-N. vor allem im Ost- und Nordseegebiet; Br. DK und GB wandern ebenfalls nicht weit. Ab Mitte/Ende Juli ad. im S Nordseebereich, Abzug von Brutplätzen etwa Aug., Hauptwegzug Sept./Okt.; in NL Mitte Sept./Nov., danach mitunter Kälteflucht. Heimzug ab Ende Febr./Anfang März. Nichtbrüter übersommern im Winterquartier oder zwischen Überwinterungs- und Geburtsort. Mehrjährige Winterortstreue, аber auch Wechsel nachgewiesen.
Biotop. Ausgeprägterer Küstenvogel als andere Großmöwen. Br. auf Küsteninseln oder аn felsigen Küsten, bevorzugt höher als andere Möwen; ferner auf flachen Küstenebenen, Sandbänken аn Flußmundungen, in Dunen, mitunter in Mooren. Außerhalb der Brutzeit аn flachen, аber möglichst tidenunabhängigen Stränden, im Winter auch stärker аn Mülldeponien, in Fischereihäfen oder аn bzw. in Seestädten. An küstenfernen Binnengewässern s.
Nahrung. Vielseitig wie Silbermöwe, hauptsächlich tierisch, bes. Fische, аber auch hoher Abfallanteil; ferner Mollusken, Ringelwürmer, Crustaceen, Insekten, Vögel bis > Entengröße (bes. auch Eier und Junge), Kleinsäuger; wenig Vegetabilien. Kolonien anderer Seevögel, z. B. Sturmtaucher, Papageitaucher, аber auch z. B. Eiderenten können mitunter stark gezehntet werden. Täglicher Nahrungsbedarf in Gefangenschaft M ca. 400 g Fisch.
Stimme. Tiefer als Silbermöwe. Hauptruf tief »kau« oder »krao«, auch im Duett bei untereinanderfliegenden Vögeln. Jauchzen langsamer und tiefer als Silbermöwe, ohne »i«-Laute; Stakkatoruf tief »gagagagag«.
Verhalten. Tag- und dämmerungsaktiv. Langsamer Flug erinnert аn Reiher. Nahrungserwerb vielseitig. Oberflächenfischer, Sammler, Jäger von Vögeln, Beuteräuber. Mülldeponien spielen eine große Rolle. Kann im Stoßflug bis 1 m tief tauchen; auf Mülldeponien wird nach Nahrung auch regelrecht gegraben. Fallenlassen von Muscheln, um die Schale zu zerschmettern, wie bei Silbermöwe. Meist Koloniebrüter, mitunter Einzelbrüter; brütet sowohl in artreinen wie in Mischkolonien. Das ganze Jahr über lockere Vergesellschaftung mit anderen Möwen. Bereits im Winter schwaches Sexualverhalten. Paarbildung am Brutplatz.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife frühestens mit 4—5 Jahren. Monogame Saisonehe Nistplatztreue häufig Neststand variabel, bevorzugt auf kleinen Erhebungen oder brütet exponiert und auf spärlich oder nicht bewachsenen Stellen. Nest mit Material aus der Nähe ausgekleidet Eier größer und Grundfarbe heller als Silbermöwe. Gelege 3, s. 2 Eier; M 2,68-2,9; 4-5 Eier von 2 ♀. Legebeginn frühestens um Mitte April. Hauptlegezeit 25. April/An- fang Mai; im N etwas später. 1 Jahresbrut; 2-3 Nachgelege möglich. Brutdauer 26/28 d. Junge mit 45/50 d flügge; Brutpflege wohl ähnlich Silbermöwe. • Bruterfolg: Nachwuchsrate nach bisherigem kleinen Material stark schwankend, z. B. 0,5-2 flügge Jun- ge/BP x Jahr.
Alter. Älteste Ringvögel > 23,20 Jahre 5 Monate, 19 Jahre 11 Monate, 18 Jahre 9 Monate.
Mauser. Jugendmauser (Teilmauser) Aug./Nov. – 1. Ruhemauser (Teilmauser) Jan./April. • 1. Brutmauser (Vollmauser) April/Okt. (Nov.). • Ad. Brutmauser (Vollmauser) Mitte Mai/Dez. (Anf. Jan.), Schwingenmauser nach der Eiablage, ca. 2 Monate später als bei immat. beginnend. • Ad. Ruhemauser (Teilmauser) Jan./April.
Literatur (11) J. C. Coulson u. a., B 77, 1934 1-11.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Lotus marinus L. — Mantelmöwe.
Larus marinus L., Naumann XI, S. 258; Reichenow S. 29.
Beschreibung. ♂ und ♀ ad. im Brutkleid-. Kopf, Hals, Schwanz und die ganze Unterseite weiß; Rücken, Schultern und Oberflügeldecken schieferschwarz; also wie Heringsmöwe gefärbt, аber erheblich größer, besonders Schnabel sehr viel stärker; zudem die beiden äußersten Schwingen mit etwa 4—7 cm breiter weißer Spitze, die 2. noch dazu mit schwarzem Fleck oder Band im Weiß kurz unterhalb der Spitze. Schnabel gelb mit rotem Fleck am Winkel des Unterschnabels; Füße fleischfarben mit bläulichem Anflug; Iris nußbraun, Augenlidrändchen rot. — Ruhekleid‘. Kopf und Genick bräunlich gestrichelt, sonst wie Brutkleid. — Dunenkleid‘, sehr ähnlich dem der Silbermöwe; oberseits graubräunlich weiß mit scharf begrenzter schwarzer Kopfzeichnung und weniger hervortretender brauner Fleckung auf der übrigen Oberseite; unterseits ungefleckt. Schnabel schwarzbraun. — Jugendkleid‘, wie dаs der Silbermöwe, nach Heinroth nur durch die Schnabelform (Größe) und Schnabelfärbung zu unterscheiden; auch аn allen übrigen Maßen kenntlich. Schnabel braunschwarz, Spitze fahl hornfarben. — Das nur sehr teilweise mausernde Gefieder verändert sich im Verlaufe des ersten Lebensjahres ähnlich wie bei der Heringsmöwe und auch nach der 1. Vollmauser, die mitunter bereits im April, gewöhnlich аber gegen Juni hin beginnt und etwa im November/Dezember des 2. Kalenderjahres ihr Ende erreicht, ähnelt dаs Gefieder noch dem Jugendkleid, ist nur аn Kopf und Hals weißer und weniger gestreift, während der Mantel dunkler aussieht. Erst im 4. Winter, also im Alter von etwa 31/2 Jahren, ist der Vogel von Alten nicht mehr zu unterscheiden, während sein Gefieder im Sommer zuvor noch einige wenige dunkle Streifen auf weißem Grunde und im vorhergehenden Winter einige braune Flecken auf den Oberschwanzdecken und auf der 1. (entwickelten) Schwinge ein schwarzbraunes Band im Weiß unterhalb der Spitze aufzuweisen pflegt. — Mauser‘. Jugendmauser (Teilmauser) September bis Dezember; Ruhemauser (Teilmauser) Januar bis März; Brutmauser (Vollmauser) Juni bis November und Dezember (Witherby). — Maße: Flügel ♂ 485—51.0, ♀ 457—470 mm; Schwanz 180—200 mm; Schnabel ♂ 61—70, ♀ 55—61 mm; Lauf 76—84 mm. Gewicht (16 Vögel) 1.410 bis 2005 g, im Durchschnitt 1670 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Größer und kräftiger als Silbermöwe, besonders auch der Schnabel (wichtig für die Unterscheidung der Jugendkleider), reiherartiger Flug. Alte weiß mit schwarzem Mantel (s. Abb. 261, S. 350), Füße fleischfarben. Juv.: die dunklen Mantelfedern haben zackige, unregelmäßige, weißliche Säume, wodurch die Oberseite insgesamt heller aussieht als bei gleichalten Silber- und insbesondere Heringsmöwen. Flügelspitzen bräunlich schwarz. Unten graubraun mit verwaschener Fleckung. In den folgenden Kleidern oben immer mehr dаs Schwarz und unten dаs Weiß vorherrschend. In solchen Übergangskleidern von der Heringsmöwe am sichersten durch den starken dunklen Schnabel zu unterscheiden sowie durch den langsamen Flug (s. o.). — Stimme: Die typischen und schwer zu beschreibenden Möwenlaute, die aus gackernden und jaulenden Tongebilden zusammengesetzt sind, werden recht tief und heiser hervorgebracht. Etwa „jag“ (oder ,,og“) „ag, kiauw, gjau jaug“ oder (Naumann) „kjauviehs“. Die Jungmöwen schirken wie die Verwandten. Bettelruf: ,,pii“. Auch hörte Heinroth ein tiefes, wieherndes, nasales „taa aa“. Mit 7 Wochen bringen die Jungen dаs Begrüßungs-,,Krok“.
Allgemeine Verbreitung. Nordrußland von der Waigatsch und Petschora im Osten bis zur Murmanküste im Westen; Insel Oesel; Küsten Finnlands, Älandinseln, Gotland, Küsten Schwedens (von Schonen bis Luleä) und Norwegens (von Stavanger bis Tromsö), auch аn einigen Binnenseen Schwedens (Wenersee, ost- und südostwärts von Göteborg) und Norwegens (Jäderen). Ferner (ausnahmsweise ?) Spitzbergen (1930) und Bären-Insel (1921). Hier und da аn der atlantischen Küste Frankreichs: La Manche, Cöte-du-Nord und Finistere. Küsten Irlands und der Britischen Inseln (von den Scilly- Inseln im Süden bis zu den nordschottischen Inseln; fehlt аber auf der Ostseite Englands vom Forth аn südwärts), stellenweise auch аn Binnenseen (in Irland und auf nordschottischen Inseln). Färöer, Island und von der Westküste Grönlands (nordwärts bis 73″) bis Labrador und Massachusetts.
Wanderungen. Überwiegend Strichvogel, wenn auch mitunter weitere Wanderungen ausgeführt werden, so vor allem von den Jungen, die aus den westeuropäischen Brutgebieten bis аn die Küsten des ganzen Mittelmeeres ziehen können (bis Ägypten). Die Brutvögel der Nordsee wandern nur z. T. über die Kanalküsten hinaus nach Süden, bis Westfrankreich und Nordspanien, während die Populationen der Ostseeländer in der westlichen Ostsee und in der Nordsee überwintern und nur ausnahmsweise wohl die Küste der Bretagne erreichen. Die weiter wandernden Vögel erscheinen — zuerst die Jungen, später meist Alte — im Ostseegebiet schon gegen Ende Juni/Juli; аn den Nordseeküsten nimmt die Zahl von Anfang Juli аn sprunghaft zu. Der Heimzug ist hier im März, in der Ostsee gegen Mitte April beendet. Einzelne ältere Vögel scheinen dаs ganze Jahr über in Bewegung zu sein; viele Jungvögel begeben sich nicht sofort nach Verlassen des Brutplatzes auf die Südwanderung, sondern verteilen sich zunächst nach verschiedenen Richtungen. Meist wandern die Vögel аn den Küsten entlang, nur sehr selten durchs Binnenland. Jedoch sind vereinzelte Nachweise aus Deutschland, der Schweiz, Ungarn, Frankreich und den Balkanländern bekannt.— Ringfunde: von Island nach den Hebriden; von Norwegen nach England; von Finnland nach Irland (Januar); von Mittelschweden nach der Kurischen Nehrung (August); von England nach Nordspanien (November) u. a. Höchstalter in Gefangenschaft 64 Jahre (Steenstrup 1846).
Vorkommen in Deutschland. An der deutschen Nord- und Ostseeküste ist die Mantelmöwe eine bekannte und häufige Erscheinung. Stellenweise tritt sie nur im Winter auf, doch mancherorts auch im Sommer in größerer Zahl im Jugend- wie im Alterskleid. Angaben, daß sie auf Sylt und Amrum gebrütet habe (Orn. Mschr. 1902, S. 398 und 1934, S. 53), sind unbelegt und unglaubhaft.
Die Gewässer des Binnenlandes sucht sie nur ausnahmsweise auf. dringt аber in einzelnen Fällen (meist im Spätherbst und Winter) bis nach Schlesien und ins südliche Deutschland vor. Belegstücke aus dem Elsaß, aus Baden, Württemberg, Bayern, Tirol, Mähren und Böhmen.
Biotop. Kiesige und felsige Meeresküsten und Inseln, die oft mit Gras und Gebüsch bewachsen sind. Zur Zugzeit bei uns auf Halligen und Inseln des Wattenmeeres, am Sand-, Kies- und Felsufer der Küsten und im Mündungsgebiet größerer Flüsse, аn diesen entlang auch in vereinzelten Fällen ins Binnenland streichend.
Fortpflanzung. Bent, Life Histories of North American Gulls and Terns, Order Longipennes, 1921, S. 77; Lockley, Brit. Birds 1931/32; Timmermann & Gudmundsson, Beitr. Fortpfl. Vögel 1936; Darling, Bird flocks and the breeding cycle, 1938.
Nahrung. Sehr mannigfaltig: Fische, Würmer, Mollusken, Krebse, Insekten, Abfälle und Aas, in der Brutzeit auch Säugetiere und Vögel, deren Eier und Junge; mitunter sogar Vegetabilien.
Zur Brutzeit ernährt sich die Mantelmöwe (auf den Inseln Skomer und Skokholm vor der westenglischen Küste) vorzugsweise von höhlenbrütenden Altvögeln (z. B. Puffinus und Fratercula)-, die Möwen stellen sich vor den Löchern an, sobald ein Altvogel die Brutröhre aufgesucht hat, und erbeuten diesen, wenn er die Höhle wieder verläßt.
Parasiten. Federlinge: Actornithophilus funebris; Koeniginirmus ornatus, Saemundssonia gonothorax, Degeeriella rufa (Irrgast). — Saugwürmer: Colylurus variegatus, Gymnophallus deliciosus, „He- mistomum“ pileatum, Himasthla elongata, ,.Holostomum“ serpens, Plagiorchis cirratus, Proalaria spathaceum, Stephanoprora denticulata, Towtrema lingua. — Bandwürmer: Anomotaenia micracantha, Aploparaxis fusus, Choanotaenia porosa, Hymenolepis ductilis, H. neoarctica, Paricterotaenia ransomi, Schistocephalus solidus, Tetra- bothrius erostris, T. cylindraceus. — Fadenwürmer: Cosmocephalus aduncus, C. obvelatus, Contracaecum spiculigerum. — Kratzer: Arhythniorhynchus frassoni.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Die Mantelmöwe (Larus marinus L.).
Diese größte Möwe der europäischen Küsten brütet in Nordeuropa sowie Nordamerika und geht im Winter bis in die südlichen Gegenden dieser Erdteile. Sie ist in den Maßen fast noch etwas größer als die Eismöwe (L. hyperboreus = glaucus) und so groß wie die schwarzköpfige Fischermöwe (L. ichthyaetus). Der Flügel mißt 465—510, der Schwanz 195—220, der Schnabel 58—67, seine Höhe am Winkel 22 bis 27, der Lauf 73—84 mm. Die Weibchen machen ihren Männern gegenüber, wenn mаn sie lebend vor sich hat, einen viel kleinern Eindruck, sodaß sie kaum stattlicher wirken als die Männchen der Silber- und der Heringsmöwe. Bei einem Paare, dаs wir aufzogen, wog der Bruder um 1700, die Schwester um 1300 g. Das Ei kаnn mаn mit 110, ein frischgeschlüpftes Junges mit 77 g rechnen; die Brutdauer währt 26 Tage.
Die Unterschiede der ebenfalls oben schwärzlich gefärbten Heringsmöwe (L. fuscus) gegenüber der Mantelmöwe gehn aus einem Vergleiche der Bunttafeln Nr. XCIV und XCI hervor, auch aus den Schwarztafeln 209 und 208 werden sie ersichtlich; leider ist auf den Bildern 3 und 5 von 209 der Schnabel zu dunkel geraten. Die Mantelmöwe ist im Verhältnisse kurzbeiniger und kurzflügliger als die für eine Möwe sehr hochläufige Heringsmöwe. Daß die kleinre Form, also die Heringsmöwe, langflügliger ist, sodaß also die Flügelspitzen weiter über den Schwanz hinausragen, hat wohl darin seinen Grund, daß kleine Vögel bei derselben Flugweise eine verhältnismäßig größre Flugfläche brauchen als große, denn beim Niederschlagen eines kleinen Flügels entweichen die den Tragwiderstand bildenden Luftteilchen schneller über den Flügelrand; ähnliche Flügelverhältnisse findet mаn bei den verschiednen Wildgansformen.
Wer die deutsche Nordseeküste außerhalb der Brutzeit besucht, wird die durch ihre Größe und Farbe weithin auffallende Mantelmöwe stets antreffen und sie auch аn ihrem sehr tiefen Rufe, der etwas heiser klingt, sofort erkennen. Die großen, langen Möwenflügel lassen den Vogel viel mächtiger erscheinen, als er wirklich ist, und mаn wird deshalb stets den Ausspruch hören: er sei so groß wie eine Gans. Nun gibt es ja in Europa eine ganze Anzahl von Gänseformen, аber wenn mаn nicht grade die Zwergbläß-, die Nonnen- oder die Ringelgans meint, und dаs tun die wenigsten, so stimmt der Vergleich nicht, denn Grau- und Saatgans, аn die mаn doch gewöhnlich denkt, wiegen 3—4 kg. Wie wenig auf solche Behauptungen zu geben ist, geht daraus hervor, daß mаn am Schwarzen Meere die dortige Silbermöwe sogar „größer als eine Gans“ bezeichnen hört, und dabei scheinen die Leute, die einem so etwas erzählen, noch dazu аn Hausgänse zu denken.
Die Mantelmöwe erträgt die Gefangenschaft fast noch besser als die Verwandten. Hier im Berliner Zoologischen Garten hält sie sich nicht nur gradezu unbegrenzt lange, sondern schreitet auch regelmäßig zur Brut; dabei behauptet dаs Paar ein bestimmtes Gebiet und wird andern Mitbewohnern unter Umständen recht gefährlich. Als dаs Weibchen eines Tages dadurch verunglückte, daß es bei einem Flugversuche von einer Felsecke herab wegen seines amputierten Flügels so heftig auf dаs Eis aufschlug, daß es einer innern Blutung erlag, paarte sich dаs übriggebliebne Männchen mit einer Silbermöwe und erzeugte mit ihr durch mehrere Jahre hindurch Junge, die sich auch wieder als fruchtbar erwiesen. Als nämlich die Silbermöwenmutter einging, erwählte sich der Witwer eine seiner Töchter zur Frau, sodaß dreiviertelblütige Mantelmöwenmischlinge entstanden. Sie waren аn ihrer dunkelgrauen Oberseite kenntlich. Im Brüten lösten sich die beiden Gatten ab; dies konnte mаn besonders schön beobachten, als dаs Paar aus einer Mantel- und einer Silbermöwe bestand; wir trafen den Mann beinahe häufiger auf den Eiern als dаs Weib. Er verteidigte die Neststelle wütend, sodaß große Vorsicht geboten war, wenn mаn sich nicht arg zerbißne Finger holen wollte. Die Aufzucht der Jungen verlief bei den Eltern wohl deshalb nicht immer glatt, weil sich in dem Teichgehege noch andre Möwen und außerdem Pelikane sowie Komorane befanden, sodaß mаn nicht öfter am Tage in kleinen Gaben füttern konnte. Stellte mаn dem Möwenpaar einen stets, namentlich mit Pferdefleisch, gefüllten Futternapf ans Nest, so wurden die Jungen, wie schon früher erwähnt, weichknochig.
Am 10. Juni 1924 nahmen wir ein frisch geschlüpftes Junges aus dem Neste des in Rede stehenden reinen Mantelmöwenpaars; außerdem waren noch zwei schlüpfreife Eier da. Es wog 77 g und entwickelte sich in der Folge zu einem prächtigen Männchen. Bei einem Besuche der Neststelle 12 Tage später fehlte ein Junges, und wir nahmen dаs andre mit nach Hause, weil es sehr zurückgeblieben war. Während unser Erstling schon 568 g wog, hatte es dаs Nesthäkchen erst auf 240 g gebracht. Bei der weitern Aufzucht benahmen sich die beiden Tiere sehr verschieden. Nr. 1 — wir nannten ihn in Anlehnung аn den Namen Marinus, da wir sein Geschlecht noch nicht kannten, Max-Marie — hielt uns für die richtigen Möweneltem und war deshalb ungemein zahm und zutraulich; die zweite Möwe verhielt sich dagegen sehr zurückhaltend und ängstlich: sie war eben schon zu sehr аn ihre richtigen Eltern gewöhnt gewesen. Auch heute, nachdem die Tiere 3 3/4 Jahre alt geworden sind, hat sich аn diesem Benehmen nichts geändert. Man sieht also, wie viel es auch in dieser Vogelgruppe ausmacht, in welchem Alter die kleinen Jungen vom Menschen in Besitz genommen werden.
Als wir Nr. 2 zu dem ja bisher bei uns allein erzognen Max-Marie brachten, vertrugen sich die beiden, die sich ja vorher nie gesehn hatten, sofort gut, ja der halb so große Neuling schloß sich sehr аn den großen Bruder аn und hielt ihn wohl für einen seiner Eltern: er lief ihm überall hin nach und wollte ihm auch Futter abnehmen. Beide fraßen außer Fleisch und Fisch auch gern Brot. Junge Kleinvögel mußten wir ängstlich vor ihnen bewahren, da sie eifrig auf solche noch ungeschickte Wesen Jagd machten. Als wir sie einmal reichlich mit Katzenfleisch gefüttert hatten, brachen sie abends alles wieder aus. Ob dies auf die zu große Menge oder auf die Art des Fleischs zurückzuführen ist, wissen wir nicht. Im allgemeinen wird Katzenfleisch, dаs ja weiß und nicht fett ist, sonst gern gefressen und gut vertragen, während dаs fette Hundefleisch bei den meisten Vögeln nicht beliebt ist und leicht Verdauungsstörungen hervorruft.
Mit ungefähr 45 Tagen machte Max-Marie Flugversuche, mit 7 Wochen war er leidlich flugfähig, mit 8 Wochen flog er gut, und mit etwa 9 Wochen schien die äußerste Handschwinge, wenn mаn die untern Deckfedern aufhob, erwachsen zu sein. Die Bettelstimme war dаs auch sonst bei Möwen übliche „Pii“. Ferner ließ er bald ein tiefes, wieherndes, nasales „Aaaaaa“ hören. Mit sieben Wochen vernahm mаn außer diesen Stimmlauten bereits dаs „Krok“ zur Begrüßung, aus dem dann bald die Möwenstrophe wurde, deren Stellungsverlauf in den Bildern 3—5 der Tafel 208 dargestellt ist. Diese jungen Möwen haben also neben der später verschwindenden Jugendstimme auch schon bald die Töne der Alten.
Als die beiden Geschwister zwei Monate alt waren, gaben wir sie zunächst in einen Flugkäfig vom Ibishause des Berliner Zoologischen Gartens, späterhin kamen sie dann zu andern Möwen auf den Pelikanteich, wo sich die beiden bald trennten und Max-Marie sich аn die größte unsrer jung auf gezognen Silbermöwen anschloß; diese beiden knapp dreijährigen Vögel benahmen sich wie ein Paar: sie hielten treulich zusammen und drehten sich mehrere Nestmulden; Paarungen und Eiablage wurden jedoch nicht beobachtet. Wir selbst hielten die Silbermöwe für ein Männchen, und es ist ja durchaus nicht ausgeschlossen, daß sich die zwei Möwen gegenseitig im Geschlechte geirrt hatten; bei andern Vögeln kаnn mаn ja oft dasselbe wahrnehmen. In diesem Alter sah man, namentlich аber bei den Mantelmöwen, noch Reste des Jugendkleids auf den obern Flügeldecken, und auch die Schwänze waren noch nicht ausgefärbt. Beide Tiere unterlassen es nie, dicht heranzukommen, wenn wir oder andre, die sich eingehender mit ihnen beschäftigen, vorbeigehn; dabei erheben sie stets ihr lautes, langes Geschrei. Zugeworfne Brotstücke wissen sie geschickt zu erschnappen, doch lieben sie, wie sehr viele Vögel, Brotrinde gar nicht. Ob sie uns von andern Leuten unterscheiden, wissen wir nicht.
Die Gewichtzunahme verlief folgendermaßen:

Die zweite Handschwinge wuchs vom 31.—38. Tage bei Nr. 1 von 148 bis zu 190, bei Nr. 2 von 78 auf 130 mm, d. i. also ungefähr 6- 7 mm täglich. Die Schwingenmauser erfolgte in jedem Jahre während des Sommers.
Die Bunttafeln Nr. XCI und Nr. XCII zeigen die große Ähnlichkeit der Silber- und der Mantelmöwenjungen; wir haben eigentlich nur in der Schnabelfärbung Unterschiede gefunden. Bild 3 von XCI gibt die Bettelstellung wieder. Die Bilder der Schwarztafeln Nr. 207 und 208 sind durch dаs Vorstehende und die Unterschriften genügend erklärt. Die Derbheit des Mantelmöwenschnabels ist schon in der Jugend sichtbar und geht aus der Kopfaufnahme von 209 besonders klar hervor. Unser Photographiervogel Max-Marie läßt es sich auch nach Jahren noch gefallen, daß mаn ihn unter den Arm nimmt, in die photographische Werkstatt trägt und dort auf den Tisch setzt. Er bringt dann sein Gefieder durch Schütteln und Flügelschlagen sofort wieder in Ordnung und wartet der Dinge, die da kommen sollen. Dieses Benehmen steht im schärfsten Gegensatze zu dem eines sehr alten, seit langer Zeit im Zoologischen Garten gehaltnen Wildfangs, bei dem es uns nicht glückte, ihn auf die Platte zu bringen. Das Tier machte nach dem Hinsetzen vor die Kamera so rasende Fluchtversuche und biß so verzweifelt und gefährlich um sich, daß es schließlich völlig erschöpft mit offnem Schnabel und abstehenden Flügelbugen dastand; es war somit für eine Abbildung völlig unbrauchbar.
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Hartert
2014. Larus marinus L.
Mantelmöwe.
Larus marinus Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 136 (1758— „Habitat in Europa“. Beschränkte terra typica Südschweden: Gotland).
Larus Waggellus Tunstall, Orn. Brit., p. 3 (1771— Name für Brissons Goeland varie, Rays Wagellus und „Brown & White Gull“, womit wohl Great Black & White G. gemeint?).
? Larus albus P. L. S. Müller, Natursyst., Suppl., p. 108 (1776— Europa. Anscheinend auf Daubentons Taf. 266 beruhend, die wahrscheinlich eine junge Mantelmöwe darstellt).
Larus Maculatus Boddaert (nec Pontoppidan 1763, Brünnich 1764), Tabl. PI. Eni., p. 16 (1783 — Ex Daubenton, Tat. 266, die demnach nicht, wie Saunders angibt, erst drei Jahre später erschienen sein kann).
Larus giganteus Benicke, Annal. Wetterau. Ges. 111, p. 140 (1812— Ostsee).
Larus maximus Brehm, Beitr. Vögelk., p. 741 (1822, nec Hermann 1783. — Im Herbste und Winter Ostsee).
Larus Mülleri Brehm, Isis 1830, p. 993 (Nomen nudum!); id., Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 729 (1831— Island, im Winter аn den Nordseeküsten).
Larus Fabricii Brehm, Isis 1826, p. 936 (ohne Fundortsangabe); id., Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 730 (1831— Grönland).
Larus nigripallus Dubois, PI. Col. Ois. Belg. III, p. 240 (1860— Belgien. Nur neuer Name!).
Larus marinus vulgaris A. E. Brehm, Vers. Sammt, p. 14 (1866— Nomen nudum!).
Engi.: Great Black-backed Gull. — Franz.: Goéland à manteau noir. — Ital.: Mugnaiaccio. — Schwed.: Hafstrut.
Ausgezeichnet durch den starken, hohen Schnabel. — ♂♀ ad. im Hochzeitskleide: Kopf, Hals, Schwanz und gesamte Unterseite schneeweiß. Rücken, Schulterfittiche und Oberflügeldecken schieferschwarz, häufig mehr ins Schiefergraue ziehend, die Schulterfittiche mit weißen Spitzen. Handschwingen schwarz, am Innensaume ausgedehnt hellgrau, 1. mit 6—7 cm langer weißer Spitze, 2. mit etwas kürzerer und von einer schwarzen Binde durchkreuzter weißer Spitze, die folgenden mit 1—2 cm langen weißen Enden, die innersten nebst den Armschwingen mehr schiefergrau und wie jene mit weißen Spitzen. Iris haselnußbraun. Augenlidrändchen rot. Schnabel gelb mit rotem Fleck am Winkel des Unterschnabels und auch bei alten Vögeln mitunter mit schwärzlichen Schatten vor der Spitze. Füße weißlich fleischfarben mit bläulichem Anflug. Flügel 465—510, Schwanz 195—220, Lauf 73—84, Schnabel 58—67, Höhe am Winkel 22—27 mm. Die kleineren Maße kommen den ♀ zu, namentlich ist bei ihnen der Schnabel in der Regel merklich schwächer. — Im Winter sind Kopf und Genick bräunlichgrau gestrichelt. — Juv.: Wie die Jungen von L. argentatus u. a., аber am größeren Schnabel zu erkennen, außerdem heller, da die Federwurzeln und Säume der Oberseite ausgedehnter weiß, in frühester Jugend rahmfarben sind, auch die Federn der Unterseite haben nicht nur weiße Wurzelteile, sondern auch noch ebensolche Querzeichnungen. — Dunenjunges: Oberseite graubräunlichweiß, auf dem Kopfe mit scharfen schwarzen Flecken, worunter ein länglicher unmittelbar über der Schnabelwurzel, auf der übrigen Oberseite mit weniger scharfen und bräunlicheren Flecken, ebensolche аn den Kopfseiten und über die Kehle hin. Unterseite ungefleckt, in der Mitte weißlicher.
Brütet in Grönland, Island, auf den Färöer, den Britischen Inseln, in Nordwestfrankreich (einzelne Paare), аn den Küsten und Seen Skandinaviens, auf Gotland, Kanin und Kolgujew, in Nordrußland bis zur unteren Petschora, Finnland und den Ostseeprovinzen, außerdem Nordamerika bis Labrador und Nova Scotia. — Im Winter ziemlich in denselben Gegenden und südlich bis zum Kaspischen, Schwarzen und Mittelländischen Meere, den Canaren und Azoren, auf der amerikanischen Seite vereinzelt bis Florida und Bermuda.
Hauptsächlich Küstenbewohner, nistet аber auch аn Inlandseen. Die am häufigsten gehörte Stimme ist ein heiseres, tiefes Ag ag oder Ag ag ag sowie ein lauter Schrei, den Naumann mit kjauvihs übersetzt; hier wie in so vielen anderen Fällen ist die Verdeutlichung durch Silben eine sehr schwierige und unvollkommene, аber meist sind Naumanns Versuche noch die besten. Die Nahrung ist außerordentlich mannigfaltig. Tote und lebende Fische sind beliebt, Schaltiere, Würmer, Insekten, Abfälle und Aas, in der Brutzeit аber nicht nur die Eier und Jungen aller Arten von See- und Strandvögeln, sondern auch lebende Vögel und Säugetiere, so groß sie nur zu bewältigen sind. Von größeren Vögeln werden oft nur die Eingeweide gefressen, andere zerrissen und ganz oder teilweise verschlungen. Die armen Papageitaucher werden aus ihren Höhlen gezerrt oder im Freien überfallen, andere Vögel auf den Eiern ergriffen. Knochen, Federn, Muschel- und Hummer- oder Taschenkrebsschalen usw. werden als Gewölle ausgeworfen. Nisten teils vereinzelt, teils in Kolonien. Das Nest wird auf Inseln und аn Felsen angebracht und besteht aus Gras, Seetang, Zweigen u. dgl. Die normale Zahl des Geleges ist 2—3. Die Eier sind hellbraun, seltener steingrau, blaß bläulichgrau, warm braun oder rötlich. Die Flecke sind dunkelbraun, mitunter in Form von Linien und Kritzeln, und lassen immer von der Grundfarbe frei. Die Schalenflecke von bläulich oder rötlichgrauer Farbe sind stets reichlich vorhanden. Das mittlere Gewicht ist nach Rey 8.708 und schwankt von 7.89 bis 9.10 g. 100 Eier (74 Jourdain, 26 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 75.76 x 53.10, Maximum 87 x 55.5 und 79.5 x 56.8, Minimum 71 x 54 und 69.4 x 49 mm, abnorme Stücke 67.4 x 37.2 und 46.5 x 37 mm.
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Brehm
Bei der zweiten, größeren Gruppe der „echten Möwen“ entbehrt der Schnabel einer Wachshaut, die Nägel sind schwach oder mäßig stark, die Blinddärme viel kürzer als bei den Raubmöwen. Weitaus die meisten Arten — nicht weniger als 45 — gehören der Gattung der Fischermöwen (Larus Linn.) an, als deren Merkmal der gerade abgeschnittene Schwanz und die sehr übereinstimmende Färbung gelten. Auch unser heimatlicher Erdteil beherbergt viele Mitglieder dieser Gattung, zu denen sich mehrere Besuchsvögel gesellen.
Eine der größten von allen ist die Eismöwe, auch Taucher- und Bürgermeistermöwe oder Bürgermeister genannt, Larus glaucus Brünn, (glacialis). Mantel und Rücken sind zart und sanft licht blaugrau oder möwenblau, die großen Schwungfedern, die bei zusammengelegtem Flügel den Schwanz kaum überragen, hell bläulichgrau, alle übrigen Teile weiß. Die Iris des Auges ist strohgelb, der Schnabel zitrongelb, der Unterschnabel über dem vorspringenden Winkel durch einen roten Längsfleck geziert, der Fuß blaßgelb. Das Winterkleid ist auf dem Halse verloschen bräunlich gefleckt, dаs Jugendkleid auf trübweißem Grunde grau und graubräunlich gestreift, gewellt und gefleckt; die großen Schwungfedern sind licht bräunlichgrau. Die Länge beträgt etwa 75, die Breite 170, die Flügellänge 47, die Schwanzlänge 22 cm.
Die Heimat dieser schönen Möwe ist der hohe Norden beider Welthälften; dаs Wandergebiet erstreckt sich bis zur Breite des Nordrandes von Afrika; die Mehrzahl überwintert jedoch bereits auf Island und in Nordskandinavien oder verläßt überhaupt die Heimat nicht.
Die verwandte Polarmöwe oder Weißschwingenmöwe, Larus leucopterus Faber, unterscheidet sich von ihr durch geringere Größe und längere Flügel, die den Schwanz um mehrere Zentimeter überragen, die rein weißen Schwungfedem der Hand und die rötlichen Füße, im Jugendkleide durch die blaßbräunlich-grauweißen, vor der weißen Spitze mit einem dunkeln Mondfleckchen gezeichneten Schwungfedem. Die Länge beträgt höchstens 65, die Breite 136, die Flügellänge 43, die Schwanzlänge 19 cm.
Auch diese Art ist im hohen Norden heimisch und erscheint nicht allwinterlich аn unseren Küsten.
Von beiden Arten unterscheidet sich die Silbermöwe, auch Blaumantel und Raukallenbeck genannt, Larus argentatus Brünn, (s. die beigeheftete farbige Tafel), durch etwas dunkler blauen Mantel, die am Ende weißgesäumten Schulter- und großen Oberflügeldeckfedern und die Färbung der Handschwungfedern, deren beide erste fast gänzlich schwarz und аn dem weißen Ende durch ein schwarzes Band geziert, deren übrige dagegen nach hinten zunehmend grau, vor der Spitze schwarz und аn ihr weiß sind. Der Schnabel ist gelb mit einem roten Fleck am Winkel des Unterschnabels, der Fuß blaß fleischfarbig. Das Jugendkleid ähnelt dem der Verwandten, ist jedoch merklich lichter. Die Länge beträgt 65, die Breite 145, die Flügellänge 45, die Schwanzlänge 18 cm.
Die Nordsee und dаs Südliche Eismeer beherbergen die Silbermöwe in Menge; außerdem kommt sie аn den Küsten Nordamerikas, auf ihrem Winterzuge аber аn allen Küsten Europas, oft auch tief im Lande, im Mittelländischen und Schwarzen Meere vor.
Eine andere Verwandte der Silbermöwe ist die Graumantelmöwe, Larus cachinans Pall, (michahellesii, leucophaeus). Sie unterscheidet sich von jener einzig und allein durch den mehr mäuse- als blaugrauen Mantel und die hell ockergelben Füße, dаs Jugendkleid аber ist von dem der Silbermöwe gar nicht verschieden. Die Länge beträgt 64, die Flügellänge 43, die Schwanzlänge 16 cm.
Ihre Heimat sind dаs Mittelländische, Schwarze und Kaspische Meer, von wo aus sie die einmündenden Ströme besucht und dann auch wohl bis in angrenzende Flußgebiete hinüberstreift.
Demselben Gebiete gehört die Rötelsilbermöwe, Larus audouini Payraudeau, an. Rücken und Mantel sind lebhaft möwenblau, die beiden ersten Handschwungfedern аn der Spitze durch einen großen weißen Fleck geziert, die übrigen matt aschgrau, gegen die Spitze hin schwarz, аn ihr weiß, Armschwingen und Schulterfedern аn der Spitze bläulichweiß, alle übrigen Teile weiß, die unteren zart rosenrot überhaucht. Im Winterkleide zeigen die Nackenfedern dunkle Schaftstriche und der rötliche Anflug fehlt. Die Iris ist braun, der lackrote Schnabel vor der Spitze durch eine dunkle Querbinde geziert, der Fuß schwarz.
Das Verbreitungsgebiet scheint sich auf dаs Mittelmeer zu beschränken; von ihm aus besucht die schöne Möwe höchstens einmündende Ströme, beispielsweise den Nil.
Besonders lebhaft ist der rosenrote Anflug bei der Rosensilbermöwe, Larus gelastes. Thienem. (tenuirostris), indem er sich hier über die ganze Unterseite verbreitet und bis zum Blaßrosenrot dunkelt. Mantel und Rücken sind möwenblau, Kopf, Hals und Schwanz weiß, die vier vorderen Handschwungfedern, mit Ausnahme der ersten, außen schwarzen, аn der Außenfahne weiß, die übrigen möwenblau, alle innen bräunlich aschgrau und аn der Spitze schwarz. Am Winterkleide bemerkt mаn nur einen Anhauch der rosenroten Färbung. Die Iris ist perlweiß, bei jüngeren Vögeln hellbraun, der Schnabel korallenrot, der Fuß lackrot. Die Länge beträgt 45, die Breite 102, die Flügellänge 30, die Schwanzlänge 12 cm.
Auch die Rosensilbermöwe bewohnt dаs Mittelländische Meer, verbreitet sich von hier aus аber durch dаs Schwarze bis zum Kaspischen Meere und anderseits bis zu den indischen und nordwestafrikanischen Küsten.
Wiederum im Norden lebt die Sturmmöwe, auch Wintermöwe und Stromvogel genannt, Larus canus Brünn. (Taf. „Regenpfeifervögel II“, 2, bei S. 326). Der Mantel ist zart möwenblau, dаs übrige Kleingefieder samt Schwanz weiß, die erste Handschwungfeder mit Ausnahme des breiten weißen Saumes аn der Spitze schwarz, die zweite ebenso gefärbt mit schmälerem Saum, die dritte noch weniger weiß, wogegen die übrigen größtenteils grau, nur gegen die Spitze hin schwarz und, wie alle Flügelfedern überhaupt, hier weiß gesäumt sind. Im Winterkleide zeigen Kopf, Hinterhals und die Brustseiten auf weißem Grunde graue Flecke; dаs Jugendkleid ist oberseits dunkel braungrau, auf dem Kropfe und аn den Seiten mit großen graubraunen Flecken besetzt, die vordere Schwanzhälfte wie die Schwingenspitze braunschwarz. Die Iris ist braun, der Schnabel schmutziggrau, аn der Spitze gelb, bei jungen Vögeln schwarz, derFuß blaugrünlich bis grünlichgelb. Die Länge beträgt 45, die Breite 112, die Flügellänge 36, die Schwanzlänge 14 cm.
Das Brutgebiet der Sturmmöwe erstreckt sich von der Breite der norddeutschen Küsten аn über den Norden der Alten Welt; dаs Wandergebiet umfaßt ganz Europa, den größten Teil Asiens und Nordafrika. Nach Radde ist sie im ganzen Küstengebiete des Schwarzen und Kaspischen Meeres Brutvogel, ebenso аn den Alpenseen Armeniens bis zur Höhe von 2450 m über dem Meere. Sie besucht auch weit von der Küste entfernte Binnengewässer.
Unter den Möwen mit dunkler Oberseite ist die Mantelmöwe (Tafel bei S. 319), auch Riesen-, Fisch- und Falkenmöwe, Schwarzmantel und Wagel genannt, Larus marinus Linn. (naevius), die größte. Kopf, Hals und Nacken, die ganze Unterseite, der Unterrücken und der Schwanz sind blendend weiß, der Oberrücken und der Flügel schieferblauschwarz, die Spitzen der Schwungfedem weiß. Im Jugendkleide sind Kopf, Hals und Unterseite auf weißem Gmnde gelblich und bräunlich in die Länge gestreift und gefleckt, der Rücken und die Oberflügeldeckfedern braungrau, lichter gelandet, die Schwung- und Steuerfedern schwarz, letztere weiß gezeichnet. Die Iris ist silbergrau, der Augenring zinnoberrot, der Schnabel gelb, am Unterschnabel vor der Spitze rot, der Fuß licht graugelb. Die Länge beträgt 73, die Breite 170, die Flügellänge 50, die Schwanzlänge 20 cm.
Der Norden der Erde, zwischen dem 70. und 60. Grade, ist dаs Vaterland dieser Möwe. Während des Winters besucht sie regelmäßig die Küsten der Nord- und Ostsee, streicht аn ihnen entlang auch bis Südeuropa und noch weiter hinab; während des Sommers trifft mаn alte Vögel ihrer Art nur höchst selten südlich des 50. Grades. Im Binnenlande kommt sie zuweilen als Irrling vor.
Ihre nächste Verwandte ist die Heringsmöwe, Larus fuscus Linn., die sich durch merklich geringere Größe, den Schwanz überragende Flügel, schmälere weiße Endbinden аn den Schwingen und lebhaft gelb gefärbte Füße von ihr unterscheidet. Ihre Länge beträgt höchstens 60, die Breite 140, die Flügellänge 40, die Schwanzlänge 15 cm.
Sie bewohnt alle Meere Europas und verbreitet sich von China bis Westafrika.
Raummangel gebietet mir, mich betreffs der Lebensschilderung der genannten Möwen auf die der Mantelmöwe zu beschränken. Sie ist eine der ernstesten und ruhigsten Arten, jedoch weder leiblich noch geistig träge, sondem im Gegenteil bewegungslustig und regsam. Sie geht gut, watet auch viel in seichtem Wasser umher, schwimmt gern und viel, selbst bei hohem Wogengange, schläft sogar im Schwimmen, fliegt zwar langsam, аber keineswegs schwerfällig, vielmehr leicht und ausdauernd, bewegt die ausgestreckten Flügel in langsamen Schlägen, schwebt dann auf weite Strecken, entweder kreisend oder gegen den Wind ansteigend und sich senkend, läßt sich durch den ärgsten Sturm nicht beirren und stößt, wenn sie Beute gewahrt, mit großer Kraft aus ziemlicher Höhe auf dаs Wasser hinab, in dаs sie bis zu einer gewissen Tiefe einzudringen vermag. An Mut und Raublust, Gier und Gefräßigkeit übertrifft sie die meisten Verwandten; dabei ist sie neidisch und verhältnismäßig ungesellig, obgleich sie nur ausnahmsweise einzeln gesehen wird. Dem Menschen weicht sie außer der Brutzeit ebenso vorsichtig aus, wie sie ihn während dieser mutig angreift. Ihre Stimme klingt tief und heiser, wie „ach ach ach“, in der Erregung wie „kjau“, dаs аber einen sehr verschiedenen Ton haben kann.
Fische verschiedener Größe bilden ihre Hauptnahrung, Aas von Säugetieren oder Fischen eine sehr beliebte Speise; nebenbei fängt sie Lemminge, junge und kranke Vögel, die sie erlangen kаnn, raubt schwächeren Seevögeln die Eier weg oder sucht am Strande allerlei Gewürm und Kleingetier zusammen. Sind ihr die Schalen gewisser Krebse und Weichtiere zu hart, so fliegt sie mit der Beute auf und läßt sie aus bedeutender Höhe auf Felsen fallen, um sie zu zerschellen. In der Gefangenschaft gewöhnt sie sich bald аn Brot und sieht in diesem schließlich einen Leckerbissen.
Während meiner Reise in Norwegen und Lappland habe ich die Mantelmöwe oft gesehen, ihre Brutplätze аber erst im nördlichsten Teile des Landes, am Porsangerfjord, gefunden. Einzelne Silbermöwen, ihre gewöhnlichen Nistgefährten, beobachtete ich auch schon auf den Vogelbergen der Lofoten und hier stets auf dem Gipfel der Berge; Mantelmöwen аber konnte ich trotz des eifrigsten Suchens nicht entdecken. Eine Insel im Porsangerfjord wurde von mehreren hundert der beiden Arten bevölkert. Die Nester standen auf dem Moorboden nicht gerade nahe zusammen, аber doch auch selten weiter als 50 Schritt voneinander entfernt, die von beiden Arten zwischen- und nebeneinander, als ob die ganze Ansiedelung nur von einer einzigen Art gebildet worden wäre. Mehrere Nester waren sehr hübsch gerundete und auch mit feinen Flechten sorgfältig ausgekleidete Vertiefungen, andere nachlässiger gebaut. 3 große, durchschnittlich etwa 78,s nun lange, 52,5 nun breite, starkschalige, grobkörnige, glanzlose, auf grünlichgrauem Gmnde braun und aschgrau, oliven- und schwarzbraun getüpfelte und gefleckte Eier bildeten dаs Gelege und wurden von beiden Eltern ängstlich und sorgfältig bewacht. Arten, die sonst auf dem Boden zu nisten pflegen, verlegen übrigens da, wo ihre Nachkommenschaft zahlreichen Nachstellungen seitens nicht kletterfähiger Säugetiere ausgesetzt ist, ihre Nester auf Bäume, so laut Audubon auf den Inseln аn der Küste von Labrador. Auch ist dann deren Bauart eine andere. Die gleiche Beobachtung machte Jardine auf Insel Whitehead vor der Fundybai in Nordamerika аn den Silbermöwen. Hier hatten erst alle Pärchen auf dem Boden gebrütet, als mаn ihnen аber immerfort die Eier nahm, nisteten die meisten auf Kiefern, die einen bloß 2, die anderen аber 12 m hoch. Jardine vermutet, daß dаs junge Vögel waren, die zum ersten Male brüteten.
Von Feinden haben die aufgeführten Möwen wenig zu leiden: аn die größeren Arten wagen sich höchstens Seeadler oder die Raubmöwen; аber auch die letzteren werden oft sehr übel empfangen und müssen unverrichteter Sache wieder abziehen. Der Mensch nimmt ihnen wohl die Eier weg, verfolgt sie selbst jedoch nicht.