Heinroth
Die Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea Brünn. — macrura Naumann).
Die feinern Unterschiede gegenüber der Flußseeschwalbe hebt Hartert besonders deutlich hervor. Im Leben sind die beiden Arten, wenn mаn sie zahm ganz nahe vor sich hat, auch gut herauszukennen. Die winzigen Beine, der feinre Schnabel und der kleinre Körper kennzeichnen die Küstenseeschwalbe gegenüber ihrer großem Verwandten, und da sie trotz ihres geringern Gewichts ebenso lange Flügel wie die Flußseeschwalbe hat, so erscheint sie langflügliger. Die Länge des Flügels beträgt demnach auch 260—280, die des Schwanzes sogar 165—195, die der Gabel 93 bis 120 mm; dagegen mißt der Schnabel nur 32—35 und der Lauf 15,5—17 mm; sie wiegt nicht viel über 100 g, dаs Ei ist jedoch kaum kleiner als dаs der Flußseeschwalbe, also auch gegen 20 g schwer. Neugeborne Junge hatten ein Gewicht von 13; 13 und 13,5 g.
Die Küstenseeschwalbe brütet im allgemeinen weiter nördlich als die Flußseeschwalbe, jedoch greifen ihre Gebiete sehr ineinander, sodaß beide Formen аn unsern Küsten durcheinander vorkommen. In größter Menge ist sie am Gestade des Nördlichen Eismeers sowohl der Neuen als auch der Alten Welt anzutreffen. Im Winter geht dieser wundervolle Flieger bis nach Neuseeland und selbst ins Südliche Eismeer. Man hat ihn daher mit Recht als ,,Sonnenvogel“ bezeichnet, da er ja jedes Jahr, die Tropen durchkreuzend, die nördliche Mitternachtssonne mit der südlichen vertauscht. Ein Brüten im Süden ist anscheinend nicht festgestellt.
Wir zogen Junge zugleich mit Flußseeschwalben aus dem Ei auf. Ihre Stimme war nicht so rauh wie bei dieser Art und stellte ein buntspechtartiges „Tick, tick“ dar. Die Füße sind von Anfang аn auffallend kurz, im Daunenkleide war bei unsern Stücken die Stirn abgesetzt schwarz mit etwas Bräunlich dahinter, während sie bei den Flußseeschwalben einen sehr dmikel-verschwommnen Eindruck machte. Es gibt sowohl Junge mit gelblichem wie mit grauem Grundtone. Wir haben deshalb beides auf der Bunttafel XCVI darstellen lassen; auch die verschiedne Eifärbung, die natürlich nichts mit der Kükenfarbe zu tun hat, geht aus den Bildern hervor. Bei der Flußseeschwalbe verhält es sich ja ähnlich, übrigens legt sie gewöhnlich 3, die Küstenseeschwalbe meist 2 Eier, dаs Vermehrungsbedürfnis zur Erhaltung der Art muß also aus unbekannten Gründen etwas verschieden sein, denn beide machen in der Regel nur eine Brut im Jahre.
Die anfangs roten Schnäbel schwärzten sich in einigen Wochen. Mit ungefähr einem Monate wurden die Tiere flugfähig, mit 33 Tagen waren die Kiele der äußersten Schwingen noch nicht ganz verhornt, jedoch machten unsre Pfleglinge schon im Alter von 4 Wochen einen erwachsnen Eindruck. Sie wogen dann ungefähr 113 g und gingen später auf etwa 100 g zurück, wobei sie sich аber in bestem Ernährungszustände befanden. Diese Erscheinung trifft mаn ja bei sehr vielen Vögeln.
Eine dieser Seeschwalben hatten wir mit Schnatter- und Kolbenenten zugleich aufgezogen, und аn diese schloß sie sich in der Eolge auch gern an, trotzdem noch ein andrer, gleichaltriger Artgenosse im Zimmer war. Die Enten ihrerseits unterschieden diese beiden Seeschwalben sehr genau, duldeten ihren Kameraden auch im engen Raum und am Futternapfe, verfolgten dagegen die andre Seeschwalbe ingrimmig, sodaß wir sie vor ihnen schützen mußten. Durch die Enten hatte sich Poel, wie wir den Entenfreund wegen der Herkunft seines Eies nannten, völlig аn Fleisch mit Ameisenpuppen gewöhnt und ging erst später аn Fischstückchen heran, die „Rotophot“, wie er scherzweise wegen seiner roten Pfoten hieß, von Anfang аn gern nahm. Gegen uns waren beide sehr zahm, und Poel setzte sich vielfach auf Kopf und Arme, was die Flußseeschwalben nicht so leicht taten. Sie schrien zwar auch recht andauernd, аber doch etwas milder als letztre. Trotz der verhältnismäßig längern Flügel fliegen die Küstenseeschwalben im Zimmer gar nicht so ungeschickt, große Fußgänger sind sie natürlich nicht, die kurzen Beinchen können nur kleine Schritte machen und sind mehr aufs Stehen als aufs Laufen eingerichtet. Wir gaben unsern Pfleglingen, als sie etwa zwei Monate alt waren, in einen mit Strandläufern und unsern andern Seeschwalben besetzten Flugkäfig des Berliner Vogelhauses, wo sie sich gut hielten und heute nach 1 3/4 Jahren noch wohlauf und tadellos sind. Bis fast zum ersten Frühlinge hin war keine Mauser festzustellen, sie behielten also dаs oberseits gefleckte Jugendkleid länger als die Flußseeschwalben. Im folgenden Sommer sahen sie dann auf dem Rücken einfarbig aus, der Kopf hatte аber im wesentlichen noch die Jugendfärbung, wie sie auch dem Winterkleide der alten Vögel entspricht. Gegenwärtig im Dezember mausern sie dаs Groß- und Kleingefieder. Natürlich ist schwer zu sagen, inwieweit die Gefangenschaft Störungen im Federwechsel hervorruft, aus dem mаn ja überhaupt nicht recht klug wird, denn es liegen anscheinend in den meisten Museen nicht genug Bälge aus der Winterherberge vor.
Zur Erklärung der Bunttafel XCVI genügen dаs bisher Besprochne sowie die Unterschriften. Ob der rundlichere, mаn möchte sagen pußligere Kopf der Küstenseeschwalbe auf den Bildern 3 und 4 gegenüber dem gestrecktem der entsprechenden Flußseeschwalbenbilder etwas Artkennzeichnendes ist, können wir nicht genau sagen; die von uns erzognen Stücke waren immer so und sind es noch. Tafel 213 bringt die Jugendentwicklung zur Anschauung und zeigt außerdem die sehr ver- schiedne Lauf- und Zehenlänge der beiden hier verglichnen Arten. Die Vögel der Bilder 2 und 7 sind unmittelbar hintereinander auf derselben Hand ausgenommen.
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Hartert
2002. Sterna paradisaea Brünn.
Küstenseeschwalbe.
Sterna paradisaea Brünnich, Orn. Bor., p. 46 (1764— Christiansöe).
Sterna macrura Naumann, Isis 1819, p. 1847 (Insel Nordstrand аn der Küste von Westschleswig).
Sterna arctica Temminck, Man. d’Orn., sec. ed., II, p. 742 (1820— Polarkreis, auch Großbritannien).
Sterna argentata Brehm, Beitr. z. Vögelk. III, p. 692 (1822— Namensänderung von S. macrura und arctica).
Sterna brachytarsa Graba, Reise nach Färo, p. 219 (1830— Färöer). (Nach Brehm, Saunders u. a.).
Sterna argentacea Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 788 (1831— Ostsee).
Sterna brachypus Swainson, B. W. Afr. II (Nat. Libr. XXIII, Orn. VIII), p. 252 (1837— Nach einem westafrikanischen Stück, dаs damals im British Museum war).
Sterna coccineirostris Reichenbach, Vollst. Naturg. Schwimmvög., Taf. CCLXX1, XXIIc, Novit. VIII (1850— Mexiko).
Sterna Pikei Lawrence, Ann. Lyceum Nat. Hist. N. Y. VI, p. 3 (1853— „Vicinity of Monterey, California“).
Sterna pykii Bonaparte, Compt. Rend. Acad. Paris XLII, p. 772 (1856— Veränderte Schreibweise von pikei).
? Sterna atrofasciata Philippi & Landbeck, Archiv f. Naturg. 1863, I, p. 204 (Chile).
Sterna arctica borealis A. E. Brehm, Verz. Sammt, p. 14 (1866— Nomen nudum!).
Sterna Portlandica Ridgway, Amer. Naturalist VIII, p. 433 (1874— „Portland Harbor, Maine“).
Sterna macrura antistropha Reichenow, Sitzungsber. Ges. naturf. Freunde 1904, p. 172 Orn. Monatsber. 1904, p. 47 (Küsten des Antarktischen Festlandes. Nach Vögeln im 2. Jahre beschrieben. Eagle Clarke betonte mit Recht, daß dies nur S. paradisaea ist; in Reichenows Entgegnung wurde nicht in Betracht gezogen, daß jugendliche Seeschwalben die Handschwingen im Februar und März mausern!).
Engl.: Arctic Tern. — Franz.: Hirondelle de mer paradis. — Ital.: Rondine di mare coda lunga. — Schwed.: Rödnäbbad Tärna. — Holländ.: Noordsche Zeezwaluw.
Abb.: Naumann, Vög. Deutschl. X, Taf. 253. — Dresser, B. Europe VIII, Taf. 579.
Auf den ersten Blick S. hirundo sehr ähnlich, jedoch wesentlich davon verschieden: Schnabel kürzer und beim alten Vogel im Frühling und Sommer blutrot, fast immer ohne schwärzliche Spitze oder nur mit Andeutung einer solchen. Der dunkle Streif аn der Innenfahne der 1. ausgebildeten Handschwinge ist schmäler, in der Mitte nur 2—3 mm breit; die mittleren Armschwingen haben mehr Weiß, die weiße Spitze der Außenfahnen ist ausgedehnter, die Innenfahnen sind schneeweiß, nur mit einem grauen Wisch längs der Spitzenhälfte des Schaftes. Lauf bedeutend kürzer. Äußere verlängerte Steuerfedern bedeutend länger. Flügel 260—280, selten 285 (nach Ridgway 22 ♂ 257—290, 16 ♀ 238—277), Schwanz 165 — 195, selten 200, Gabel 93—120, Schnabel 32—35, Lauf 15.5—17, Mittelzehe mit Nagel 21—24 mm. Füße korallenrot. Unterseite hellgrau, in der Regel dunkler, intensiver als bei S. hirundo, аber ohne den dort meist wahrnehmbaren weinrötlichen Schimmer. Obere Kehle und Unterschwanzdecken rein weiß. Im 2. Sommer ist der Schnabel noch schwarz, die Füße mit schwarzen Flecken, solche Vögel ähneln also dem Winterkleide sehr. — Dunenjunge nicht von denen von S. hirundo zu unterscheiden, übrigens variabel, da die Oberseite bald bräunlicher, bald gelblicher ist oder mehr ins Weißlichgraue zieht.
Das Brutgebiet ist ein nördlicheres als dаs der Flußseeschwalbe. Es erstreckt sich von den Kommandeur-Inseln, Anadyr und Tschuktschenland längs der sibirischen Eismeerküste und dem Unterlauf der großen sibirischen Ströme bis nach Nordeuropa: Spitzbergen, Franz-Josefs-Land, Untere Dwina und Petschora, Onega-See, Finnland, Lappland, Estland, Schweden, Norwegen, Küsten der Nordsee bis Holland, Britische Inseln von den Farne-Inseln, Skerries und Anglesey nordwärts, häufig аn der Westküste Schottlands, Shetlands- und Orkney-Inseln, Färöer, Island, Grönland, in Amerika von Alaska bis Britisch-Columbia, am Großen Sklavensee, in Keewatin, Quebec, Maine. In Irland häufiger als S. hirundo. (Die einst großen Brutplätze auf den kleinen Inseln bei Rügen, auf den Scilly-Inseln und in Massachusetts sind augenscheinlich ganz verlassen.) — Zugvogel, der bis Neuseeland und selbst ins südliche Eismeer (in größerer Anzahl beobachtet und gesammelt, аber nicht nistend) zieht, häufig аn den Küsten von Afrika, Brasilien, Peru und Chile usw. vorkommt.
Im Fluge von S. hirundo nur bei großer Übung und in großer Nähe durch den blutroten Schnabel, meist аber nur аn dem recht verschiedenen, sanfteren, etwas klagenden und kürzeren, etwa wie kerrr klingenden Lockton zu unterscheiden; oft hört mаn auch ein sanftes Ptib ptib ptib ptie und mitunter ein schnarrendes Räh. Der Flug soll noch leichter sein als der von S. hirundo. Nahrung meist Fische, аber auch Crustaceen, Insekten und deren Larven sowie Regenwürmer. Die Brutkolonien werden mit Vorliebe аn den Seeküsten, аber auch аn Landseen und in Flußbetten angelegt. Die 2, selten 3, Eier gleichen denen von S. hirundo, doch sind sie durchschnittlich kleiner und scheinen in noch höherem Maße zu variieren, auch häufiger sehr große Flecke zu haben. Brutzeit im allgemeinen etwas später als die von S. hirundo; auf den Britischen Inseln selten vor Juni, auf Island im selben Monat, doch fand Hantzsch am 12. Juli noch viele Eier. Auf Spitzbergen beginnt die Legezeit nach le Roi Mitte Juni, auf der Bäreninsel zwei Wochen später! Gewicht nach Goebel meist geringer als bei den Eiern von S. hirundo. Von 603 spitzbergischen Eiern wogen nach Goebel nur 19 Prozent über 100 cg, von 146 Stück von derselben Insel in Koenigs Sammlung wiegen аber 75 Prozent über 100 cg und bestätigen dаs geringere Gewicht gegenüber den Eierschalen von S. hirundo nicht. 1443 Eier messen nach Goebel im Durchschnitt 39.8 x 29.8, 147 Eier von Spitzbergen nach le Roi 40.8 x 30.1 mm. 100 normale Eier (38 Rey, 32 Jourdain, 14 Dietrich, 16 Sandman und Blasius) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 40.73 x 29.55, Maximum 47 x 29 und 44.7 x 32.2, Minimum 35.5 x 28 und 36.6 x 27.4 mm.
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Brehm
Die Flußseeschwalbe, Rohrschwalbe, auch Spirer, Tanner usw. genannt, Sterna fluviatilis Naum. (hirundo), hat einen dünnen, etwas bogenförmigen, ziemlich kurzen Schnabel, sehr niedrige, kurzzehige Füße und tief gegabelten Schwanz. Oberkopf und Nacken sind schwarz, Mantel und Schultern bläulich aschgrau, Kopfseiten, Hals, Bürzel und alle Unterteile weiß, die weiß geschäfteten Schwungfedern dunkler als der Rücken, ihre weißlichen Innenfahnen längs des Schaftes durch eine schwarze Linie und einen schieferfarbenen Streifen geziert, die vorderen Schwungfedern des Armes аn der Spitze weiß gerandet, die Federn des etwa 8 cm tief gegabelten Schwanzes außen gräulich, innen weiß. Die Iris des Auges ist dunkelbraun, Fuß und Schnabel korallenrot, letzterer auf dem Firste und аn der Spitze schwärzlich. Bei jungen Vögeln.ist dаs Gefieder der Oberseite bräunlich quergefleckt. Die Länge beträgt 40, die Breite 82, die Flügellänge 27, die Länge der äußersten Schwanzfedern 14 em.
Das Verbreitungsgebiet der Flußseeschwalbe erstreckt sich über Europa, einen großen Teil Asiens und Nordamerikas, dаs Wandergebiet bis Südafrika. In Tunis ist sie, nach König, Brutvogel.
Im Norden gesellt sich zu ihr oder vertritt sie die über die Alte und die Neue Welt verbreitete Küstenseeschwalbe, Sterna macrura Linn. (arctica; Taf. „Regenpfeifervögel II“, 1 bei S. 326). Sie unterscheidet sich von der beschriebenen Verwandten durch die geringere Größe, den kürzeren und stärkeren Schnabel, die niedrigeren und kleineren Füße, den viel tiefer gegabelten und längeren Schwanz, den schmäleren dunkleren Streifen auf der Innenfahne der ersten Schwungfedern, die bläulichgraue Färbung der Unterseite und den einfarbig korallenroten Schnabel, im Jugendkleide аber durch die aus Wellenlinien und Mondflecken bestehende sehr dunkle Zeichnung des Mantels. Nach P. Müller nistet diese Art sehr gern auf einem Haufen Seetang und brütet nur nachts. An der deutschen Ostseeküste ist einer ihrer Hauptbrüteplätze der lange Werder bei Poel in Mecklenburg, wo etwa 150 Paare nisten.
Die südwestlichen, seltener die westlichen und nordwestlichen Küsten Europas besucht zuweilen auch die verwandte, im Atlantischen und Indischen Meere heimische Paradiesseeschwalbe, Sterna dougalli Mont. (paradisea). Kopf und Genick sind glänzend samtschwarz, Halsseiten, Nacken und Flügelrand weiß, Mantel, Schultern und obere Flügeldecken zart blaugrau, alle Unterteile blaß rosenrot, die Schwungfedern der Hand, deren erste außen schwarz ist, auf der Außenfahne dunkelgrau, auf der Innenfahne lichter, am Rande wie аn der Spitze mit breitem, weißem Saume, die Federn des sehr tief gegabelten Schwanzes weiß. Im Jugendkleide sind nur Hinterkopf und Nacken schwarz, der Mantel ist dunkler quergefleckt, der Flügel durch die weißen Spitzen der großen Deckfedern und Armschwungfedern dreimal weiß gebändert. Die Iris ist dunkelbraun, der аn der Wurzel rote Schnabel im übrigen schwarz, der Fuß rötlich orangefarben. Die Länge beträgt ungefähr 45, die Breite 80, die Flügellänge und die Schwanzlänge 23 em. Von diesem stellenweise in England Pirat genannten Vogel sagt Potter, er raube, sobald er Junge habe, anderen mit ihm nistenden Seeschwalbenarten nach Art der Raubmöwen die Nahrung im Fluge, nehme auch den Jungen dаs Futter, dаs ihnen die Alten eben gebracht hätten.
Die Flußseeschwalbe bewohnt mehr als andere Arten Flüsse und Süßwasserseen, gehört demnach auch im Innern unsers Vaterlandes nicht zu den Seltenheiten und belebt einzelne Ströme, beispielsweise die Elbe, in namhafter Anzahl, findet sich аber auch аn den Küsten unserer Meere und hat, laut Droste, auf Borkum die Küstenseeschwalbe innerhalb weniger Jahre verdrängt. Sie erscheint in den letzten Tagen des April oder erst Anfang Mai und begibt sich bereits im Juli oder Anfang August wieder auf die Wanderschaft. Schon in Südeuropa findet sie eine ihr zusagende Herberge für den Winter; аber auch im Norden Afrikas ist sie während der kalten Jahreszeit überall gemein. Auf ihren Reisen wandert sie, in hoher Luft dahinsliegend, langsam von einem Gewässer zum andern, wobei sie soviel wie möglich Strömen und Flüssen folgt und, wenn sie Hunger verspürt, sich auf diesen oder jenen Teich niederläßt, um hier zu fischen und ein wenig zu ruhen. In der Winterherberge siedelt sie sich am Meere oder аn süßen Gewässern an, ohne für dаs eine oder andere besondere Vorliebe zu zeigen.
Vor den Verwandten zeichnet sich die Flußseeschwalbe wohl nur durch die größere Schnelligkeit und Vielseitigkeit ihres Fluges aus, wird аber auch hierin von einzelnen Familiengenossen, beispielsweise von der Brandseeschwalbe, übertroffen. Ihre gewöhnliche Stimme ist dаs bekannte „Kriäh“, der Ausdruck der Angst eiy leises „Kek“ oder „Krek“, dаs sich bei wachsender Gefahr oft wiederholt und sich, wenn diese geringer wird, in „kreiik“ umwandelt; im Zorne stößt sie die Silbe „krek“ so oft und hastig aus, daß mаn die einzelnen Laute kaum noch unterscheiden kann. In den geistigen Fähigkeiten steht sie ihren Verwandten in keiner Hinsicht nach. Kleine Fischchen, Wasserfröschchen und Froschlarven, auch wohl Würmer, Engerlinge und allerlei Insekten im weitesten Umfange bilden ihre Nahrung. Die im Wasser lebenden Tiere gewinnt sie durch Stoßtauchen; die am Boden liegenden oder am Grase hängenden nimmt sie fliegend auf.
Ihre Nistplätze sind niedrige Inseln und Uferbänke, womöglich solche, deren Grund kiesig, nicht аber sandig ist. Hier macht sie eine kleine Vertiefung in den Kies oder benutzt eine bereits vorhandene als Nest. Ende Mai findet mаn 2—3 große, durchschnittlich 41 mm lange, 30 mm dicke, schön eiförmige, glattschalige, feinkörnige, glanzlose, auf trübe rostgelblichem oder bleich gelbgrauem Grunde mit violettgrauen, rötlichen und ties schwarzbraunen, runden oder länglichen Flecken, Tüpfeln und Punkten gezeichnete Eier, die während der Nacht vom Weibchen, bei Tage zeitweilig auch vom Männchen bebrütet, in den Mittagsstunden аber der Sonnenwärme überlassen werden. Weder die Fluß- noch die Paradiesseeschwalbe setzen sich, wenn sie zum Brutplatz kommen, gleich unmittelbar aufs Nest, sondern lassen sich einige Meter davon nieder und laufen zu ihm, und ebenso verlassen sie es auch. Die innerhalb 16—17 Tagen gezeitigten Jungen entlaufen bald dem Neste und verbergen sich fortan bei Gefahr zwischen den größeren Steinen des Kiesbodens und anderen Unebenheiten, verraten sich auch nur dann, wenn die Alte weggeschossen wurde, durch klägliches Piepen, können nach Verlauf von zwei Wochen bereits flattern und in der dritten Woche ihres Lebens ihren Eltern schon fliegend folgen, obwohl sie deren Gewandtheit im Fliegen erst später erlernen. Nach Mackay piepen die völlig reifen Jungen nach Art echter Nestflüchter schon im Ei und öffnen, wenn mаn sie herausholt, sofort die Augen.
An unseren Binnengewässern bildet die Flußseeschwalbe selten große Ansiedelungen, wogegen am Meeresgestade oft Hunderte von ihr sich zum Brüten vereinigen. Die Brut wird von den Krähen und Raben und am Meere auch von den größeren Verwandten gefährdet, obwohl die Alten mit Heldenmut für sie einstehen. Der verständige Mensch verfolgt sie nicht. Gefangene Flußseeschwalben sieht mаn hier und da in den Tiergärten oder bei Liebhabern, schwerlich аber auf längere Zeit, weil mаn nicht imstande ist, ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen.