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Turdus iliacus

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

1000. Turdus musicus L. (T iliacus auct., errore!)

Weindrossel, Rotdrossel.

Turdus musicus Linnaeus, Syst. Nat. Ed., X, p. 169 (1758— „Habitat in Europa« sylvis“. Terra typica: Schweden, nach dem ersten Citat, Fauna Suecica 189: Die Diagnose und Beschreibung — alis subtus ferrugineis, linea superc. albicante — passen nur auf die Weindrossel.)

Turdus iliacus Linnaeus, Syst. Nat. Ed. XII, p.. 292 (1766— Non Linnaeus, Ed. X, p. 168, 1758 (1)).

Turdus mauvis P. L. S. Müller, Natursyst. Suppl., p. 141 (1776— Ex Buffon und Daubentons, „Le Mauvis“. Europa.)

Turdus Illas Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat., I. p. 457 (1827— Rußland und Sibirien).

Turdus betularum Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 386 (1831— „Ziemlich selten in Deutschland“).

Turdus vinetorum Brehm, t. c., p. 386 (1831— Deutschland, „kommt aus dem Norden zu uns“.)

Turdus gracilis Brehm, Vogelfang, p. 160 (1855— wie vorige.)

Turdus alticeps, planiceps, obscurus, concretus, gracilis A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 5, (1866— Nomina nuda!)

Turdus illuminus Tobias, Abh. naturf. Ges. Görlitz, IV, 1, p. 32 (1850— Lausitz. Eine auffallend große Varietät. S. Naumann, Naturg. Vög. Deutschl., XIII, p. 285, 286, Taf. 356, Fig. 1).

Turdus coburni Sharpe, Bull. B. O. Club, XII, p. 28 (1901— Island).

Turdus Borealis Kleinschmidt, Journ. f. Orn. 1903, p. 464.

Engl: Redwing. — Franz.: Mauvis. — Ital.: Tordo sassello. — Schwed.: Rödvinge-Trast.

1. Schwinge 8—13 mm lang, 2. zwischen der 4. und 5., 3. und 4. am längsten. — ♂♀ ad. Oberseite olivenbraun, in der Regel etwas dunkler als bei T. philomelos philomelos; Schwingen mit schmalen, große Oberflügeldecken mit auffallenden hellbraunen Außensäumen; breiter rahmfarbener bis hell rostgelber Superciliarstreif, Ohrgegend fast gleichmäßig braun, аn den Halsseiten ein hell rostgelber, davor ein mehr rahmfarbener Fleck; von der Schnabelwurzel zieht sich аn den Kehlseiten entlang eine dunkelbraune Fleckenreihe. Unterseite weiß, Kropfgegend mit rostgelbem Anflug, Kropfseiten braun, Kehle mit wenigen schmalen, Kropfgegend und Seiten des Unterkörpers mit breiten olivenbraunen Längsstreifen und Flecken — diese immer länglicher, mehr streifenartig, als bei T.philomelos. Seiten unter den Flügeln lebhaft rostrot; Unterschwanzdecken weiß mit olivengrauen Längsflecken; Unterflügeldecken und Achselfedern rostrot, blasser als die Seiten. Flügel etwa 111 bis 119, Schwanz ungefähr 80, Lauf 30, Culmen 21—23 mm. — Juv. wie dаs von T. philomelos, und Unterflügeldecken und kaum rostroten Seiten infolge der helleren, fast nur durch den deutlichen weißlich rahmfarbenen Superciliarstreifen zu unterscheiden. — Im Frühjahr und Sommer wird die Oberseite matter, mehr olivenfarben. — Die Ausdehnung der Rostfarbe аn den Seiten sowie die Fleckenzeichnung der Unterseite variieren sehr.
Brutvogel in Nord-Europa und Nord-Asien: Färöer, Island (2), nördliches Norwegen und Schweden, Nordrußland südlich bis Memel in der Nordostecke des Deutschen Reiches und vielleicht bis Nord-Polen, in Sibirien ostwärts bis Bulun аn der unteren Lena. Vereinzelte Fälle des Brütens wurden aus den Allgäuer Alpen, Anhalt (?), Thüringen, Galizien angegeben, dürften jedoch nicht alle einwandsfrei sein. — Vereinzelte Vorkommen werden aus Grönland und Spitzbergen angeführt. Die Rotdrossel durchzieht Mittel-Europa, überwintert in Süd-Europa und kommt südwärts bis Algerien, Madeira, Canaren (vereinzelt) vor, im Osten bis Persien und Nordwest-Indien.

Die Rotdrossel bewohnt die Wälder des Nordens, besonders die niederen Tannen und Buschdickichte von Birken und Erlen. Dort baut sie ihr Nest meist niedrig über dem Boden, mitunter auch am Boden selbst, neben Steinen, auf Zäunen und Mauern, besonders gern nahe аn Stämmen und in Astgabeln. Das Nest besteht aus Gras und feinen Zweigen und ist mit Erde verkittet und ausgeschmiert, innen аber mit feinen Grashalmen gefüttert. Die 5—6 Eier findet mаn Ende Mai oder im Juni. Diese sind kleiner als die aller andern europäischen Drosseln und gleichen in der Zeichnung Eiern der Amsel und Wachholderdrossel, ändern аber nur wenig ab. Die Grundfarbe ist bläulichgrün, ausnahmsweise blau oder gelblichgrau, die Zeichnung besteht aus einer meist gleichmäßigen, dichten rotbraunen Wölkung. 50 lappländische Eier messen nach Bey im Durchnitt 25.8 x 18.7, Maximum 21.8 x 19.8 und 26.2 x 20, Minimum 23.5 x 19 und 26 x 17.5 mm, und wiegen im Mittel 0.260 gr. Der Lockruf ist zweisilbig und besteht aus einem tiefen dück, von einem langgezogenen zih oder schnarrenden zirrr gefolgt. Der Gesang ist zwitschernd, schwatzend, mit pfeifenden Tönen gemischt.

1) Turdus iliacus 1758 ist ein Gemisch von Sing-, Wein- und Misteldrossel, daher unanwendbar.
2) Sharpe trennte isländische Brutvögel als Turdus coburni ab, die von ihm angegebenen Kennzeichen sind аber rein individueller Natur. Hantzsch glaubte die isländische Form wegen olivenfarbener Oberseite sondern zu können; diesen Unterschied finde ich nicht bestätigt, doch kаnn mаn beim Vergleich von Sommervögeln mit im Herbst und Winter erlegten zu solchem Trugschluß gelangen.

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Brehm

Unter den in Deutschland brütenden Arten ist die Misteldrossel, Mistler, Mistelziemer, Ziemer, Schnarre, Schnerr, Zarizer, Zehrer, Zierling, Schneekater usw., Turdus viscivorus L. (Tas. „Drosseln“, 1), die größte. Ihre Länge beträgt 26, die Breite 44, die Flügellänge 14, die Schwanzlänge 11 cm. Das Gefieder der Oberseite ist graubraun und ungefleckt, dаs der Kopfseiten fahl rostgelb, mit feinen, dunkeln, einen vom Mundwinkel herablaufenden Bartstreifen bildenden Schaftflecken besetzt, dаs der Unterseite rostgelblichweiß, аn der Gurgel mit dreieckigen, аn der Brust mit ei- oder nierenförmigen braunschwarzen Flecken gezeichnet; die Schwung-, größten Flügeldeck- und Steuerfedern sind schwarzgrau, licht graugelblich gesäumt. Die Iris ist braun, der Schnabel dunkel, der Fuß licht hornfarben. Das Weibchen unterscheidet sich nur durch etwas geringere Größe und mattere Färbung von dem Männchen. Die Jungen zeigen auf der Unterseite gelbe Längs- und schwärzliche Spitzenflecke auf den Federn, und die Deckfedern ihrer Flügel sind gelb gekantet.
Alle Länder Europas vom hohen Norden аn bis zum äußersten Süden, der Kaukasus, der Himalaja und Mittelasien bis zu den Baikalländern sind die Heimat, hochstämmige Waldungen verschiedener Art, namentlich аber Nadelwald, der Aufenthalt der Misteldrossel. Aus den hochnordischen Gegenden wandert diese in südlichere und westlichere herab und dringt dabei bis Nordwestafrika vor. König sagt, sie sei ein in Algerien mancherorts häufiger Bmtvogel. In England und anderen milderen Gegenden ist sie Standvogel. Sie gehört zu den Vogelarten, die in unserem Vaterlande stellenweise, z. B. in Anhalt, in der Abnahme begriffen sind. Landois macht die interessante Mitteilung, der Vogel sei zu Anfang des 19. Jahrhunderts in der Ebene Westfalens ein nicht seltener Brutvogel gewesen, аber gegen Ende nur noch auf dem Durchzuge und nicht in beträchtlicher Anzahl vorgekommen, jm Gebirge Westfalens hingegen habe er überall als Brutvogel seine Heimat gehabt.

Der Misteldrossel nicht unähnlich, аber bedeutend kleiner, ist ein Liebling aller Gebirgsbewohner, die Singdrossel oder Zippe, auch wohl Weiß-, Sommer-, Krag-, Berg-und Zierdrossel,Turdus philomelos Brehm (musicus; Abb., S. 134u. Tas. „Drosseln“, 3). Ihre Länge beträgt 22, die Flügellänge 11, die Schwanzlänge 8 cm. Das Gefieder ist oben ölgrau, unten gelblichweiß mit dreieckigen oder eiförmigen braunen Flecken, die jedoch auf dem Bauche spärlicher auftreten als bei der Misteldrossel. Auch sind bei der Singdrossel die Unterflügeldecken blaß rostgelb anstatt weiß, und die Oberfliigeldecken durch schmutzig-rostgelbe Spitzenflecke gezeichnet. Die Geschlechter unterscheiden sich höchstens ein wenig durch die Größe; dаs Gefieder der Jungen zeigt auf der Oberseite gelbliche Längs- und braune Spitzenflecke.
Die Singdrossel bewohnt den größten Teil Europas sowie Nord- und Mttelasien, ostwärts bis in dаs Tal des Jenissei, und erscheint gelegentlich ihrer Wanderung häufig in Nordwest-, seltener in Nordostafrika. In Deutschland brütet sie in allen größeren Waldungen.

Die Rotdrossel, Wein-, Winter-, Berg-, Heide-, Blut- und Buntdrossel, Rotzippe und Rotziemer, Weißlich, Winesel, Gererle, Bitter, Böhmle und Bänerling, Turdus musicus L. (iliacus; Tas. „Drosseln“, 2, bei S. 133), ist oberseits olivenerdbraun, unterseits weißlich, аn den Brustseiten hochrostrot, am Halse gelblich, überall mit dunkelbraunen, dreieckigen und runden Längsflecken gezeichnet; die Unterflügel- deckfedern sind rostrot. Das Weibchen ist blässer als dаs Männchen. Bei den Jungen ist der grünlichbraune Oberkörper gelb gefleckt. Die Iris ist kaffeebraun, der Schnabel schwarz, am Grunde des Unterschnabels horngelb, der Fuß rötlich. Die Länge beträgt 22, die Flügellänge 11, die Schwanzlänge 8 cm.
Regelmäßiger Brutvogel im hohen Norden der Alten Welt von den Gestaden des Atlantischen bis zu denen des Stillen Ozeans, nistet die Rotdrossel ausnahmsweise auch in südlicheren Breiten. Gewöhnlich erscheint sie mit dein Krammetsvogel bei uns zulande und wandert bis Nordafrika, obwohl viele bereits im Westen und Süden Europas für die Winterzeit Herberge nehmen. Die asiatischen Rotdrosseln überwintern in Persien, Turkestan und im nordwestlichen Indien. Gelegentlich ist die Art auch in Grönland beobachtet worden.

Die Wacholderdrossel oder der Krammetsvogel, Ziemer und Schacker, Turdus pilaris L. (Tas. „Drosseln“, 4, bei S. 133), ist bunt gefärbt. Kopf, Hinterhals und Bürzel sind aschgrau, Oberrücken und Schultergegend schmutzig kastanienbraun, Schwingen und Schwanzfedern schwarz, die Flügeldeckfedern außen und аn der Spitze aschgrau, die beiden äußersten Steuerfedern weiß gesäumt, Kehle und Vorderhals dunkel rostgelb, schwarz längsgefleckt, die braunen Federn der Brustseiten weißlich gerandet, die übrigen Unterteile weiß. Die Iris ist braun, der Schnabel gelb, der Fuß dunkelbraun. Das Weibchen ist etwas blässer als dаs Männchen, sein Schnabel bräunlich, wie übrigens im Herbste auch der des Männchens. Die Länge beträgt 24, die Flügellänge 14, die Schwanzlänge 10 cm.
Ursprünglich im Norden Europas und Asiens heimisch und hauptsächlich in Birkenwaldungen brütend, hat die Wacholderdrossel seit etwa 60 Jahren begonnen, sich auch in Deutschland, z. B. in Ostpreußen, Schlesien, Bayern, jedoch anscheinend nicht westlicher als Thüringen, anzusiedeln und nistet hier in Wäldern und Obstpflanzungen aller Art, selbst in Gärten, bleibt oft auch im Winter in der Heimat und wandert höchstens bis Nordafrika, Palästina und Kaschmir hinab.
Ihres Wildbrets wegen, dаs durch die genossenen Wacholderbeeren einen angenehmen, etwas gewürzhaft bitteren Beigeschmack erhält, stellt mаn der Wacholderdrossel eifrig nach. Da die Vögel infolge ihrer großen Scheu nur sehr schwer mit dem Schießgewehr zu erreichen sind, fängt mаn sie in Mengen auf dem sogenannten Krammetsvogelherde, der mit den Beeren der Eberesche beschickt wird. Namentlich in gewissen Thüringer Gegenden legt mаn auch Laufdohnen an, zwischen Wacholderbüschen verteilte Roßhaarschlingen, in denen sich die nach herabgefallenen Beeren suchenden Vögel fangen. Die beste Zeit für den Krammets- vogelfang ist der November, wenn es recht kalt ist. Da die Wacholderdrosseln überall gerne gegessen werden, so werden sie in großen Städten allenthalben zum Verkauf angeboten. Ostpreußen ist eins der Hauptgebiete, wo mаn sie bei uns verspeist und verschickt.

Sehr ähnlich der Wacholderdrossel in Gestalt und Größe ist die Wanderdrossel, der Robin der Amerikaner, Turdus migratorius L. (Planesticus). Bei ihr sind Kopf und Hals braunschwarz, eine schmale Linie über und unter dem Zügel, Augenring, Kinn und Oberkehle weiß, letztere dunkel gestrichelt; die Oberseite olivenbraungrau, die Unterseite leb- halt rostzimtrot, die Mitte des Bauches und die Unterschwanzdecken weiß, letztere in der Wurzelhälfte schiefergrau. Die Flügel sind schwarzbraun, ebenso die Schwanzfedern, deren äußerste breit weiß gerandet sind. Die Iris ist tiefbraun, der Schnabel horngelb mit dunklerer Spitze, der Fuß braun. Die Weibchen sind ähnlich, аber blässer. Die Wanderdrossel lebt im Osten und Norden Nordamerikas. Ihr Brutgebiet reicht, nach Ridgway, von Penn- sylvanien, New Jersey, Ohio, Iowa nordwärts bis zur Grenze des Baumwuchses in Ungava und dem Tale des Kowak in Alaska. Im Winter zieht die Wanderdrossel bis Südflorida und Texas. Mehrfach hat sie sich nach Europa, selten nach Deutschland verflogen.

Die Amsel oder Schwarzdrossel, Schwarz-, Stock- und Kohlamsel, Merle, Amselmerle und Lyster, Turdus merula L. (Merula; Tas. „Drosseln“, 5, bei S. 133), unterscheidet sich von ihren Verwandten, wenn auch nicht gerade augenfällig, durch ihre verhältnismäßig kurzen, stumpfen Flügel, in denen die dritte, vierte und fünfte Schwinge fast gleichlang und die längsten sind, sowie den verhältnismäßig langen, аn der Spitze etwas abgerundeten Schwanz. Das Gefieder des alten Männchens ist gleichmäßig schwarz, die Iris braun, der Augenlidrand hochgelb, der Schnabel orangegelb, der Fuß dunkelbraun. Beim alten Weibchen ist die Oberseite mattschwarz, die Unterseite auf schwarzgrauem Grunde durch lichtgraue Saumflecke gezeichnet; Kehle und Oberbrust sind auf gleichfarbigem Gmnde weißlich und rostfarben gefleckt, der Schnabel graubraun. Das Jugendkleid zeigt oben auf schwarzbraunem Grunde rostgelbe Schaft-, unten auf rostfarbigem Gmnde bräunliche Querflecke. Die Länge beträgt 24, die Breite 35, die Flügellänge 11, die Schwanzlänge 12 cm.
Vom 66., nach Wallengren vom 60. Grade nördlicher Breite аn ist die Amsel durch ganz Europa аn allen geeigneten Orten heimisch. Nach Dixon zeigt sie sich auf der Hebrideninsel St. Kilda im Herbst und im Frühjahre, brütet аber niemals hier, und auf den Shet- landinseln ist sie, laut Saxby, erst seit Ende des 19. Jahrhunderts Stand- und Brutvogel geworden. Hartert sagt, sie sei in Ostpreußen eine scheue und seltene Bewohnerin von Waldrändern und kleineren Gehölzen, komme nur im Winter in die Gärten, brüte аber nicht in den Städten. Ostwärts geht sie bis Persien und Turkestan, westwärts bis auf die Azoren, findet sich auch auf Madeira und den Kanaren. Nach König ist sie in Algerien in allen bewaldeten Distrikten häufig sowohl am Atlas wie in den Wüstenoasen, besonders in den Palmenoasen und in den Gärten um El Kantara und Biskra. Auch in Tunis ist sie in den mit Buschwerk bestandenen Gegenden ein häufiger Stand- und Bmtvogel. Nur einzelne der im hohen Norden groß gewordenen Amseln treten eine Wandemng an, viele аber überwintern schon im südlichen Schweden; in Deutschland überwintern wohl die meisten älteren Männchen regelmäßig. Die Amsel bevorzugt oder bevorzugte feuchte Waldungen und überhaupt größere Baumgehege, die viel Unterholz haben. Aber gerade in ihrem Treiben und ihrer Lebensweise vollzieht sich seit 70—80 Jahren, also gewissermaßen vor unseren Augen, eine sehr bemerkenswerte Verändemng. Wie Bechstein zu Ende des 18. Jahrhunderts sie schildert, so konnte auch Gloger noch zu Anfang der 1830er Jahre von ihr ganz allgemeingültig sagen: sie sei ein sehr schüchterner, versteckt und einsam lebender Waldvogel, der sich nie ohne Not ins Freie begebe, selbst auf der Wanderung sehr ungern in kleine und lichte Bestände einfalle und sich fast niemals frei oder auch nur auf einen höheren Baum setze. Die Waldvögel gebliebenen Amseln werden auch heute noch durch diese Schilderung trefflich gekennzeichnet, nicht mehr аber die immer wachsenden Scharen der, namentlich in der westlichen Hälfte Deutschlands, allmählich in die Parke, Gärten und Anlagen bis inmitten der Ortschaften eingedmngenen und hier vollständig heimisch und zu vertrauten Gästen der Menschen gewordenen. Doch sagte Wüstnei noch 1900, in Mecklenburg meide die Amsel die Städte vollständig, gewiß wenigstens Schwerin; in den Gärten würde nie eine gesehen, nur während der Strichzeit in der Umgebung der Stadt; als Bmtvogel bewohne sie einsame Wälder, wo sie in eingesprengten Fichtenpartien niste.
Es dürfte schwer zu erweisen sein, daß die Amseln, wo sie sich zahlreich einbürgern, die kleineren Singvögel verdrängen. Wo dаs Futter knapp ist, mögen allerdings die Stärkeren den Schwächeren nicht viel zum Leben ttbriglassen und sie hierdurch mittelbar vertreiben; dаs Wegbleiben der kleineren Sänger von manchen Örtlichkeiten kаnn аber auch durch ganz andere, uns teilweise noch unbekannte Ursachen bewirkt werden. Den Schwarzdrosseln die Schuld aufzubürden, bloß weil sie bleiben oder sich vermehren, oder weil hier und da einzelne Stücke als Übeltäter ertappt wurden, wäre doch zu weit gegangen; zudem ergibt sich aus zahlreichen Beobachtungen, wie vortrefflich Amseln und kleinere Sänger allenthalben nebeneinander gedeihen.
Marshall bringt allerdings verschiedene Belege für die gegenteilige Ansicht bei. „Wir haben es erlebt, daß ein gefangener Amselhahn in der Voliere des Zoologischen Instituts zu Leipzig ein Nest junger Tauben trotz der Anwesenheit der beiden Alten kaltblütig ausmordete! Man könnte ja nun, und ich muß gestehen, nicht mit Unrecht, einwerfen, daß Amseln in Volieren kleine bzw. junge Vögel ermorden, beweise gar nichts, denn diese gefangenen Amseln befänden sich unter abnormen Verhältnissen, und sie könnten gewissermaßen als geistig gestört gelten, und Fälle geistiger Störung kommen allerdings bei Vögeln vor. Aber ich selber habe zweimal Amseln, einmal im Vorsommer des Jahres 1867 bei Jena einer weiblichen und ein zweites Mal im Frühling 1875 oder 1876 im Park bei Weimar einer männlichen, je einen nestjungen Vogel abgejagt.“
Die Amseln, die in so kurzer Zeit so auffällige Wandlungen ihres Wesens durchgemacht haben, werden diese heute nicht schon abgeschlossen haben: аn manchen Örtlichkeiten mögen einzelne oder viele von ihnen auch üble Eigenschaften erworben haben, аber deshalb können wir nicht gleich über dаs ganze Geschlecht dieser uns vertrauten Sänger den Stab brechen.

In Hochgebirgen lebt die Ringdrossel oder Ringamsel, Schild- oder Rostdrossel, Dianen-, Erd-, Strauch-, Berg-, Meer- oder Seeamsel, Stock- oder Stabziemer, Turdus torquatus L. (Merula; Abb., S. 138). Ihre Länge beträgt 26, die Breite 42, die Flügellänge 14, die Schwanzlänge 11 em. Das Gefieder des Männchens ist bis auf ein breites, halbmondförmiges, weißes Brustband auf mattschwarzem Grunde mit lichten, halbmondförmigen Flecken gezeichnet, die durch die Federränder gebildet werden: die Schwungfedern und Flügeldeckfedern sind gräulich überlaufen und bräunlichgrau gesäumt, die Schwanzfedern einfarbig mßschwarz, die beiden äußersten durch ein schmales, feines, weißgraues Säumchen geziert. Das Weibchen ist düsterfarbjger, infolge der breiteren Federsäume mehr gräulich, dаs Brustband auch nur angedeutet und nicht weiß, sondern schmutziggrau. Das Jugendkleid erinnert аn die Tracht der Wacholderdrossel, ist аber dunkler, wie verräuchert; die Federn der Oberseite sind üefbraun, lichter gerundet und teilweise mit weißlich rostgelben Schaftflecken geziert, Kehle und Gurgel licht rostgelb, seitlich dunkler in die Länge gefleckt, die Bmst auf rostfarbenem Gmnde mit runden, die übrigen Unterteile auf licht graugelbem Gmnde mit halbmondförmigen Flecken besetzt. Nach Naumann аber zeigen die Jungen im ersten Lebensjahre noch keine Geschlechtsunterschiede. Das Weiß ist immer ein Zeichen des höheren Alters, und ein mehrjähriges Weibchen hat stets mehr davon als ein gleichaltes Männchen. Die Iris der Ringdrossel ist braun, der Schnabel schwarz, der Unterkiefer am Gmnde аber rotgelb, der Fuß schwarzbraun.

Eine Unterart, bei der die Federn der Unterseite viel breiter weiß gesäumt sind und in der Mitte größere oder kleinere weiße Keilflecke haben, wird als Alpen-Ringdrossel oder Alpenamsel, Turdus torquatus alpestris Brehm, abgetrennt.

Die Ringamsel ist ein Gebirgsvogel Nordeuropas und brütet nach Harterts Meinung wohl nur in Skandinavien bis zum Nordkap hinauf, in Großbritannien, Irland und auf den Orkney-Inseln auf Hügeln und Mooren. Nur auf dem Zuge begegnet mаn ihr in ganz Europa bis zum Mittelmeere, sogar in Nordwestafrika. Dagegen ist die Alpenamsel Brutvogel auf denGebirgen Mittel- und Südeuropas, der Sierra Nevada, den Pyrenäen, Alpen, Apenninen, Sudeten, dem Erzgebirge, Riesengebirge, der Tatra, den Karpathen, den Gebirgen Bosniens und der Herzegowina, Montenegros und Bulgariens. Angaben über ihr Brüten in Belgien, Luxemburg, Westfalen, dem Taunus sind zweifelhaft.

Die Drosseln leben in den verschiedenen von ihnen bewohnten Ländem auch unter verschiedenen Verhältnissen, vorzugsweise jedoch immer und überall im Walde, und zwar in jedem Bestände; denn nicht bloß der reiche Wald der Auen oder der Urwald unter den Wendekreisen, sondern auch der Nadelwald oder der dünn bestandene Buschwald der Steppe weiß sie zu fesseln; ja noch über die Grenze des Holzwuchses, unmittelbar unter und zwischen den Gletschern sinden sie Wohnplätze, die ihren Ansprüchen genügen. Allerdings verweilen nur die wenigsten Arten jahraus jahrein аn derselben Stelle; die Mehrzahl zeigt eine Wanderlust wie wenige andere Vögel.

Eine Reihe von Drosselarten, die als seltene Gäste bei uns erscheinen, wie Turdus ruficollis Pall, und ihre Unterart T. r. atrogularis Temm., ferner T. fuscatus Pall., T. naumanni Temm., T. obscurus Gm., T. Sibiriens Pall., T. dauma aureus Hol., durchzogen Vorher fast die Hälfte des Umfanges unserer Erdoberfläche. Sie kamen vom fernsten Osten Sibiriens, aus Kamtschatka, zu uns, überflogen sogar dаs Beringmeer, durchpilgerten ganz Asien und gelangten so nach Europa. Was eigentlich jene Fremdlinge zu derartigen Reisen veranlaßt, ist mit Sicherheit nicht zu sagen; doch hat Naumann gewiß nicht unrecht, wenn er annimmt, daß die Geselligkeit, die fast allen Drosseln eigen ist, und die Nahrungssuche sie oft verleiten mögen, von dem gewöhnlichen Wege abzuweichen, ganz abgesehen von schlimmem Reisewetter, ungünstigen Winden, Stürmen und ähnlichen Widerwärtigkeiten, welche die Zuggesellschaften trennen und einzelne in unbekannte Fernen verschlagen.

Alle Drosselarten sind begabt, feinsinnig, bewegungsfähig, gewandt, sangeskundig, munter und unmhig, gesellig, аber keineswegs auch friedfertig. Sie haben viele gute Eigenschaften, аber auch manche, die wir als schlechte bezeichnen müssen. Vom frühen Morgen аn bis zum späten Abend sieht mаn sie fast ununterbrochen beschäftigt; nur die Glut des Mttags lähmt einigermaßen ihre Tätigkeit. In ihren Bewegungen erinnern sie vielfach аn andere Sänger. Auf dem Boden Hüpfen sie absatzweise mit großen Sprüngen gewandt umher; bemerken sie etwas Auffälliges, so schnellen sie den Schwanz nach oben und zucken gleichzeitig mit den Flügeln nach unten. Im Gezweige Hüpfen sie rasch und geschickt; größere Entfernungen überspringen sie, indem sie die Flügel zu Hilfe nehmen. Der Flug ist vortrefflich. Die meisten Arten flattern, wenn sie aufgescheucht werden, in anscheinend täppischer Weise über den Boden dahin, womöglich von einem Busche zum andern; аber dieselben Vögel streichen, sobald sie sich einmal in eine gewisse Höhe erhoben haben, mit außerordentlicher Schnelligkeit durch die Luft. Unter unseren deutschen Drosseln fliegen die Sing-, die Rot- und die Ringdrossel am besten, die Misteldrossel und die Amsel, ihren kurzen Flügeln entsprechend, am schlechtesten. Bei der Msteldrossel ist der Flug scheinbar schwerfällig und ungleichförmig; аber auch diese Art durchmißt rasch weitere Entfernungen, wogegen die Amsel in langen Absätzen gleichsam über den Boden dahinschießt, die Flügel dabei weniger bewegt, аber jähe Wendungen äußerst gewandt ausführt. Gaetke beobachtete, daß sich eine Singdrossel, vom langen Fluge ermattet, auf dаs Meer niederließ, um aus- zumhen und dann gekräftigt weiterflog.
Die Sinne sind gleichmäßig entwickelt. Drosseln nehmen selbst dаs kleinste Insekt auf weite Entfernungen wahr und erkennen, wenn sie in hoher Luft dahinziehen, die Gegenstände tief unter sich auf dаs genaueste; sie vernehmen Töne nicht nur sehr scharf, sondern unterscheiden sie auch genau, wie schon aus ihrem Gesänge hervorgeht. Bezüglich ihrer übrigen Sinne haben wir kein Urteil. Im Walde und im Garten werden sie zu Warnern, auf die nicht bloß andere Arten ihrer Gattung, sondern auch fremdartige Vögel, ja sogar Säugetiere, achten. Mes Auffallende, Ungewohnte, Neue erregt ihre Aufmerksamkeit. Sie kommen mit ausgesprochener Neugier herbei, um einen Gegenstand, der sie reizt, besser ins Auge zu fassen, halten sich dabei аber stets in wohlgemessener Entfernung. Geselligkeit scheint den meisten Arten Bedürfnis zu sein. Sie sind, wie schon bemerkt, keineswegs friedfertig, geraten vielmehr recht häusig in Streit; аber sie können, wie mаn zu sagen Pflegt, nicht voneinander lassen, und der Lockruf, den eine von ihnen ausstößt, wird von anderen selten gehört, ohne befolgt zu werden. Sie vereinigen sich nicht bloß mit anderen derselben Art, sondern mit allen Drosseln überhaupt, und es kаnn geschehen, daß Individuen verschiedener Arten lange Zeit zusammenbleiben, gemeinschaftlich reisen und gemeinschaftlich den Winter in der Fremde verleben. Im Notfälle mischen sie sich auch unter andere Vögel, ohne sich jedoch aus besonders freundschaftlichen Fuß mit ihnen zu stellen, und deshalb darf mаn die Warnungen, die sie ausstoßen, nicht als für solche Genossen berechnete oder gar freundschaftlich gemeinte ansehen. Dem Menschen trauen sie nie völlig; аber sie unterscheiden recht wohl zwischen gefährlichen und ungefährlichen Leuten. In Gefangenschaft gebracht, gebärden sie sich anfänglich äußerst ungestüm; bald аber schließen sie sich аn den, der sie gut behandelt, innig an.
Stimme und Gesang der verschiedenen Drosselarten ähneln sich und sind doch auch wieder sehr verschieden. Die Lockstimme der Misteldrossel klingt wie „schnerr“, dem Laute ähnlich, den mаn hervorbringen kаnn, wenn mаn mit einem Stäbchen über die Zähne eines Kammes streicht. Im Eifer wird dаs „Schnerr“ durch ein dazwischengeschobenes „Ra ta ta“ verstärkt. Der Angstruf ist ein unbeschreibliches Geschrill, dаs die meisten Drosseln unter denselben Umständen hören lassen. Die Lockstimme der Singdrossel ist ein heiser pfeifendes, nicht weit hörbares „Zip“ — daher ihr Name „Zippe“ —, аn dаs häufig die Silbe „tack“ oder „töck“ angehängt wird. Bei besonderer Erregung klingt der verlängerte Lockruf wie „sthx sthx sthx“. Die Lockstimme der Wacholderdrossel ist ein schnell und scharf hervorgestoßenes „Tschack tschack tschack“, dem ein Helles „Gri gri“ oder „Ziek ziek“ angehängt wird, wenn der Vogel andere einladen will. Der Lockmf der Rotdrossel ist ein hohes „Zi“ und darauf folgendes tiefes „Gack“, der Angstruf ein schnarrendes „Scherr“ oder „Tscherr“. Die Ringdrossel lockt: „töck töck töck“ und dazwischen tief und betont „tack“, oder durch einen kurzen Pfiff, schnarrt аber auch wie verwandte Arten. Die Amsel endlich mft trillernd „sri“ und „tränk“, beim Anblick von etwas Verdächtigem аber schallend und gellend „dix, dix“, worauf, falls Flucht nötig wird, ein hastiges „Gri gich gich“ folgt. Alle diese Laute, die selbstverständlich mit Buchstaben nur höchst unvollkommen ausgedrückt werden können, ändern, je nach den Umständen, vielfach ab. Sie sind übrigens allen Drosselarten verständlich; denn die eine hört auf den Lockruf der andern, und namentlich der Warnungsruf wird von allen wohl beachtet.
Die Gesänge der Drosseln gehören zu den besten aller Singvögel überhaupt. Unserer Singdrossel gebührt die Krone; ihr fast ebenbürtig ist die Amsel; auf sie folgen die Mistel- und die Wacholderdrossel. Mt Stolz nennt der Norweger die Singdrossel „Nachtigall des Nordens“. Deren Lied ist inhaltreich, wohl- und weittönend. Mt den flötenden Lauten wechseln allerdings auch schrillende, minder laute und nicht sehr angenehme Töne ab; аber die Anmut des Ganzen wird trotzdem wenig beeinträchtigt. Der Amselgesang steht dem der Singdrossel kaum nach, hat mehrere Strophen von ausgezeichneter Schönheit, klingt аber nicht so fröhlich, sondern feierlicher oder trauriger als der ihrer begabten Verwandten. Das Lied der Msteldrossel besteht aus wenigen, höchstens 5—6 Strophen, die unter sich nicht sehr verschieden, аber fast ausnahmslos aus vollen flötenden Tönen zusammengesetzt sind, weshalb auch dieser Gesang als vorzüglich gelten darf. Dasselbe gilt von der Rotdrossel und von der Ringdrossel. „Ihr Gesang, welchem freilich der reiche Schmelz des Nachtigallenschlages fehlt“, sagt Tschudi von der Alpenamsel, „schallt in jubelnden Chören hun- dertsümmig von allen Hochwäldern her rind bringt unaussprechlich fröhliches Leben in den stillen Ernst der großen Gebirgslandschaften.“ Bezeichnend für die Drosseln ist die Art und Weise ihres Vortrages. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß der Gesang im Wider- spruche mit dem Betragen zu stehen scheint. Viele Vögel begleiten ihre Lieder mit lebhaften Bewegungen: die Drosseln sitzen süll, während sie singen, und ihre Lieder selbst fließen ruhig, feierlich dahin wie Kirchengesang. Jede einzelne Strophe ist klar abgemndet, jeder Ton in sich abgeschlossen, der Drosselschlag daher mehr für den Wald als für dаs Zimmer geeignet. Die Amsel, die bei uns dаs ganze Jahr hindurch verweilt, beginnt bereits im Februar, oft wenn Schnee und Eis noch die Herrschaft führen, mit ihrem Liede; die zu dieser Zeit noch in der Fremde weilende Singdrossel scheint bei der Rückkehr jm März ihre Heimat singend zu begrüßen. Wie bei den meisten guten Sängern, feuern sich die Männchen gegenseitig an. Es scheint, als ob jede Drossel im Singen eine gewisse Eitelkeit bekunden wolle; denn so versteckt sie sich für gewöhnlich zu halten pflegt, so frei zeigt sie sich, wenn sie ihr Lied beginnt. Sie wählt dann immer eine hohe Baumspitze, die Stadtamsel wohl auch einen Essenkopf oder eine Giebelspitze zu ihrem Sitz und läßt von da oben herab ihre herrlichen Klänge erschallen.
Die Nahrung besteht aus Insekten, Schnecken und Würmern, im Herbste und Winter auch aus Beeren. Alle Drosselarten nehmen erstere größtenteils vom Boden auf und verweilen deshalb hier täglich mehrere Stunden. Vom Walde aus fliegen sie aus Wiesen und Felder, аn die Ufer der Flüsse und Bäche und nach anderen Nahmng versprechenden Plätzen. Hier lesen sie auf oder wühlen mit dem Schnabel, Blatt um Blatt umwendeud, im abgefallenen Laube hemm, um sich neue Vorräte zu erschließen. Fliegende Insekten beachten sie wenig oder nicht, doch sieht mаn manche Amseln gelegentlich auch nicht ungeschickt die Jagd in der Lust betreiben. Snell beobachtete, daß Amseln wie Grünspechte Löcher in die Ameisenhügel gruben, um zu den Puppen und ausgebildeten Insekten zu gelangen, аber nicht bloß mit dem Schnabel wie die Spechte, sondern danach auch mit den Füßen, indem sie wie Hennen scharrten. Altum sah, wie Singdrosseln die Schalen gefangener Hain-, Garten- und Stein-, ja sogar Weinbergschnecken аn bestimmten Steinen zerschlugen, um die Tiere selbst zu erlangen. Beeren und Früchte scheinen den meisten Arten außerordentlich zu behagen, und die einen lieben diese, die anderen jene Sorten. So trägt die Misteldrossel nicht umsonst ihren Namen; denn sie ist förmlich erpicht auf die Mstel- beere, sucht sie überall auf und streitet sich ihretwegen mit anderen ihrer Art auf dаs hef- tigste. Schon die Alten behaupteten, daß die Mistel nur durch diese Drossel sortgepflanzt werde, und diese Angabe scheint begründet zu sein. Die Ringdrossel sucht sofort nach der Brutzeit mit ihrer Familie die Heidelbeerbestände auf und frißt dann Heidelbeeren in solcher Menge, daß ihr Fleisch davon blau und ihre Knochen rot werden. Die Wacholderdrossel durchsucht, wie schon ihr Name andeutet, im Winter die Wacholderbüsche auf dаs eifrigste und frißt so viel von der ihr besonders zusagenden Beere, daß ihr Fleisch infolgedessen den bereits erwähnten Wohlgeschmack erhält. Außerdem verzehren alle Drosselarten Erd-, Him-, Brom- und Johannisbeeren, rote und schwarze Holunderbeeren, Preise!-, Faulbaum-, Kreuzdorn-, Schlingbaum-, Ebereschenbeeren, Kirschen, Mrabellen, Weinbeeren usw., wodurch sie, ihrem Aufenthalt entsprechend, besonders die Amseln, in Gärten sehr lästig werden können.
Bald nach ihrer Ankunft in der Heimat schreiten unsere Drosselarten zur Fortpflanzung, die im Norden wohnenden allerdings selten vor Anfang Juni. Mehrere Arten, namentlich Wacholder- und Ringdrossel, bleiben auch am Brutplatze gesellig, andere sondern sich während der Fortpflanzungszeit von ihresgleichen ab und bewachen eifersüchtig dаs erworbene Gebiet. Der Standort der Nester ist verschieden, je nach Art und Aufenthalt unserer Vögel; die Nester selbst аber sind im wesentlichen einander ähnlich.
Die Misteldrossel baut oft schon Ende März, gewöhnlich auf einem Nadelbaume, mit Vorliebe auf Kiefern und meist in einer Höhe von 10—15 m über dem Boden. Der Bau wird aus zarten, dürren Reisern, Stengeln, Flechten, Baum- und Erdmoos, mit noch anhängender Erde, aus zarten Wurzeln oder feinen Zweigen und dergleichen gefügt und ist äußerlich wenig sauber ausgeführt; dаs Innere dagegen ist mit trocknen Grasblättern, Hälmchen und Rispen glatt und nett ausgelegt. Stone sagt, es sei zweifellos, daß einzelne Individuen der Msteldrossel Lehm oder Erde zum Aufbau ihrer Nester benutzen, und Liebe beobachtete, daß Misteldrosseln in alte Krähennester legen und dаs Gelege noch mit einem besonderen Wall oder Ring von Nistmaterial umgeben, also gewissermaßen ein Nest im Neste bauen. Das Gelege enthält 4—5 verhältnismäßig kleine, 30 mm lange, 22 mm dicke, glatt- schalige Eier, die auf gelbgrauem, seltener blaß grünlichgrauem oder bläulichgrauem Grunde mit gröberen oder feineren rotbraunen Punkten gezeichnet sind (Eiertafel V, 12). In nicht ganz ungünstigen Jahren brütet dаs Paar zweimal im Laufe des Sommers. Nach Naumann brüten junge Pärchen bloß einmal, ältere аber zweimal im Jahre.
Das Nest der Singdrossel steht in der Regel niedriger als dаs der Misteldrossel, meist auf schwachen Bäumchen oder in Büschen, nach Hartert in dichtbewohnten Ländern auch in Gärten und Stadtparken, ist äußerlich aus ähnlichen Stoffen zusammengebaut, аber zierlicher, dünnwandiger als jenes und innen mit kleingebissenem, faulem Holze, dаs mit Speichel zusammengeklebt, mit dem Schnabel durchknetet und sehr glatt gestrichen wird, sauber und fest ausgelegt. Anfang April liegen im Neste 4—6 Eier, die 27 mm lang, 19 mm dick, glattschalig und glänzend, auf blaugrünem Grunde mit feinen oder größeren Flecken von schwarzer oder schwarzbrauner Farbe gezeichnet sind (Eiertafel V, 13). Reys Sammlung enthält ein Gelege von 5 einfarbigen, durchaus fleckenlosen Eiern der Singdrossel. Im Vorsommer findet eine zweite Brut statt. Die englische Singdrossel, von Hartert als Turdus philomelos clarkei Hrt. abgetrennt, ist völlig Gartenvogel geworden und brütet außer in Wäldern und Parken auch in kleineren Gärten, in Dörfern und Städten, nicht selten аn Häusern in Efeu und Weinranken.
Die Wacholderdrossel nistet, wie bereits oben bemerkt, seit vielen Jahren schon regelmäßig auch in Deutschland; ihre eigentlichen Bmtplätze аber sind die Birkenwaldungen des Nordens. Hier sieht mаn beinahe auf jedem Stamme ein Nest stehen. Einzelne Bäume tragen nach meinen eigenen Beobachtungen deren 5—10, von denen jedoch in den meisten Fällen zurzeit nur ein einziges benutzt wird, woraus hervorgeht, daß ein und derselbe Waldesteil alljährlich zum Brüten wieder ausgesucht wird. Betritt mаn diesen, während die Vögel Eier oder Junge haben, so herrscht hier überaus reges Leben. Der ganze Wald hallt wider von dem Gesänge und dem ängstlichen Geschrei unserer Vögel; denn die Anzahl der brütenden Pärchen läßt sich nur nach Hunderten abschätzen. Bote sah auf den Lofoten Brutkolonien von mindestens 500 Paaren. Die Nester stehen selten tiefer als 2 m über dem Boden, gewöhnlich näher dem Wipfel der dort übrigens immer niedrigen und buschartigen Birken. Jedes einzelne Pärchen behauptet ein eigenes Gebiet; dessen Umfang ist аber so gering, daß mаn sagen darf, jeder passende Baum sei Wttelpunkt eines solchen. Das Nest, ein Napf von ziemlicher Größe, dаs aus einigen Reisern, groben Halmen und Gräsern besteht und innen mit zarteren Gräsern ausgefüllt ist, wird auf dem mit einer dicken Schicht Erde vermischten Unterbau errichtet. Die 4—6, selten 7 Eier des Geleges sind 28 mm lang und 21 mm dick, auf matt- oder lebhaftgrünem Grunde mit größeren und verwaschenen oder schärfer gezeichneten kleineren Flecken und Punkten von rotbrauner Farbe, am dickeren Ende gewöhnlich dichter als anderswo, zuweilen kranzartig gezeichnet (Eiertafel V, 25). An den in Deutschland brütenden Wacholderdrosseln beobachten wir, daß auch sie sich in kleinen Gesellschaften halten.
Die Rotdrossel brütet ungefähr in denselben Gegenden wie die Wacholderdrossel, scheint аber mit Vorliebe sumpfige Wälder aufzusuchen. In Deutschland ist sie ebenfalls, jedoch sehr selten als Brutvogel gefunden worden, wie sie denn überhaupt in einer langsam südwestwärts vordringenden Bewegung begriffen ist. Die Nester stehen niedrig über dem Boden, ähneln denen der Singdrossel und sind innen mit Erde und Lehm überkleistert. Auf Island beobachtete Pearson, daß alle Nester unmittelbar auf dem Boden standen, die einen zwischen den Stämmchen der Zwergbirken, andere zwischen dem Gestein. Die Eier gleichen denen der Amsel bis auf die etwas geringere Größe.
Die Ringdrossel brütet in mehr oder minder offenem Gelände, nicht im dichten Wald, in Skandinavien von der Meeresküste аn bis etwa 1500 m aufwärts. Ihre südlichere Vertreterin, die Alpenamsel, baut nur im Hochgebirge und nicht unter 1000 m über dem Meere. Im Riesengebirge oder in der Schweiz wählt sie sich zu ihren Brutplätzen die kümmerlichen Baumgruppen, die mаn nur im beschränkten Sinne Wälder nennen kаnn, oder diejenigen Stellen, wo Knieholz und Halden abwechseln. Gloger und ich fanden im Riesengebirge die Nester noch in einer Höhe von fast 1500 in, auf verkrüppelten Fichten und im Knieholze, nicht höher als 3 m, gewöhnlich 1—2 m über dem Boden, und zwar ebenso in der Nähe bewohnter „Bauden“ wie fernab vom Getriebe der Menschen. Jedes Pärchen bewohnt hier ein kleines Gebiet und lebt in Frieden mit benachbarten Pärchen. Die Nester werden zwischen den auf den Zweigen wachsenden Flechten gleichsam festgekittet und etwa vorhandene dürre Rütchen der Zweige selbst teilweise mit verarbeitet. Grobe Pflanzenstengel, feine Reiserchen, Grasstoppeln, dürre Halme und grünes Moos, alles zusammen im Innern mit Moorerde oder Kuhdünger durchknetet und auf diese Art sehr fest verbunden, bilden die Grundlage; die Mulde wird mit feinen Grashalmen und Stengeln dick ausgelegt. Das Gelege aus 4, höchstens 5 Eiern, die den Amseleiern ebenso ähneln wie denen der Wacholderdrossel, аber lebhafter gefärbt sind, ist im Mai vollzählig. In Mttelenropa scheinen wenigstens die alten Paare zweimal im Jahre zu brüten, in Skandinavien ist dies höchstwahrscheinlich nicht der Fall; wenigstens fand ich bereits im Juni die Alten in einem so gänzlich abgetragenen Kleide und teilweise sogar schön in der Mauser, daß аn ein nochmaliges Brüten schwerlich gedacht werden konnte.
Die Amsel endlich, die nicht in eine Ortschaft gezogen ist, nistet in den Dickichten, am liebsten auf jungen Nadelbäumen und immer niedrig über dem Boden, zuweilen selbst auf ihm. Das Nest ist nach dem Standort verschieden. Wenn es in Baumlöcher mit großer Öffnung gebaut wird, wie es auch wohl vorkommt, ist es nur ein Gewebe von Erdmoos und dürren Halmen; wenn es frei steht, bilden feine Würzelchen, Stengel und Gras die Außenwände, eine Schicht fettiger, feuchter Erde, die sehr geglättet ist, аber immer feucht bleibt, dаs Innere. Bisweilen ist dаs Nest der Amsel nichts anderes als eine einfach in Fichtennadeln gescharrte Delle ohne eine Spur von Auslage. Nach Liebe hat die Gartenamsel ihre Nistgewohnheiten geändert: sie baut aus vorjährigen, groben, abgestorbenen Grashalmen, kleidet аber die Mulde weder mit Lehm noch mit feineren Stoffen aus. „Soweit ich selbst beobachten konnte“, fährt Liebe fort, „weicht überall die Nistweise der Stadtamsel von der normalen der Waldamsel mehr oder weniger ab und steigert sich diese Abweichung von Jahr zu Jahr. Bemerkenswert ist hier auch noch, daß in der Gefangenschaft die Amseln prächtige Nester bauen, auch ganz dauerhaft befestigen, jedoch sie nie mit Lehm auskleiden, sowenig dаs die Zippamseln ihrerseits mit eingespeicheltem Holzmulm tun.“ Bei sehr günstigem Wetter findet mаn bereits um die Mitte des März, sonst gegen dаs Ende dieses Monats, die 4—6 auf blaß blaugrünem Grunde mit Hellzimt- oder rostfarbigen Flecken, Schmitzen und Punkten über und über bedeckten, im Durchschnitt 29 mm langen, 22 mm breiten Eier. Nach Davenport sind einfarbige, ungefleckte Eier nicht selten, und anderseits gibt es welche, die aus einer gewissen Entfernung ganz rot erscheinen. Dann sind аber nur die Punkte sehr klein und sehr dicht, der Untergrund ist doch grün. Belegstücke für diese letztere ungewöhnliche Färbung finden sich in Rehs Sammlung. Das zweite Gelege pflegt Anfang Mai vollzählig zu sein. Nach Mitteilungen guter Beobachter brütet dаs Paar in manchen Jahren dreimal; sogar vier Bruten sollen vorgekommen sein. Das Weibchen wird nur in den Mttagsstunden vom Männchen abgelöst; beide Eltern аber Pflegen ihre Brut auf dаs zärtlichste und gebärden sich überaus ängstlich, wenn ein Feind dem Neste naht.
Solche Feinde greifen die Amseln wie andere Drosseln nicht selten förmlich an, indem sie auf jene herabstoßen oder, um sie zu schrecken, dicht аn ihnen vorüberfliegen. Fmchtet Mut nicht, so nehmen sie ihre Zuflucht zu instinktiver List, stellen sich krank und lahm und flattern und Hüpfen scheinbar mit der größten Anstrengung auf dem Boden dahin, locken den Räuber, der sich betören läßt, dadurch wirklich vom Neste ab, führen ihn weiter und weiter und kehren dann frohlockend zu den Jungen zurück. Nach einer eifrigen, 14—16 Tage währenden Bebrütung sind die Eier gezeitigt, und schon 3 Wochen später die Jungen, die vorzugsweise mit Insekten aufgefüttert und reichlich versorgt werden, flugfähig. Wenige Wochen nach dem Ausfliegen beginnt bei diesen die Mauser, und wenn die Winterreise herannaht, tragen sie bereits dаs zweite Kleid.
Mt Ausnahme zahlreicher Amseln verlassen alle unsere Drosseln im Herbste die Heimat und wandern in südlichere Gegenden. Für die hochnordischen Arten kаnn schon Deutschland zur Winterherberge werden; dаs eigentliche Heer zieht bis Südeuropa. Hier wimmelt es während der Wintermonate allerorten von Drosseln. Auf den sonnigen Gehängen der Hochgebirge Südspaniens siedeln sich, jetzt zu mehr oder minder zahlreichen Flügen vereinigt, Ringamseln an; in Wäldern, Gebüschen und Weingärten treiben sich Sing- und Rotdrosseln zu Tausenden umher. Die Msteldrossel sieht mаn seltener, falls überhaupt die in Spanien auftretenden als Zugvögel zu betrachten sind; die Wacholderdrossel gehört unter die seltensten Wintergäste der Iberischen Halbinsel. Das gleiche gilt für Süditalien und Griechenland; doch muß ich ausdrücklich hervorheben, daß hier die Ringamsel nur äußerst selten gefunden wird. Alle Drosseln wandern in zahlreichen Gesellschaften, zuweilen in ungeheueren Flügen, die sich bereits im Norden sammeln, und ziehen in außerordentlicher Höhe dahin. Im Verlaufe der Reise zerteilen sich derartige Schwärme in kleinere Gesellschaften, аber diese stehen unter sich gewissermaßen im Verbände, so daß bei Rasten unter Umständen mehrere Geviertkilometer von ihnen besetzt sind und jeder größere Busch seinen Bewohner gefunden hat.
Das Wildbret aller unserer Drosseln ist im allgemeinen dem des Krammetsvogels ähnlich, wie denn überhaupt die Jäger unter diesem Namen die bei uns in Deutschland gefangenen Drosselarten zusammenzufassen Pflegen; dаs sind nämlich außer der Wacholderdrossel selbst noch die Singdrossel, die Ringdrossel, die Rotdrossel und die Msteldrossel. Wir dürfen annehmen, daß unsere Drosselarten bereits vorzeiten in derselben Weise gefangen wurden wie jetzt, wenn mаn auch damals vielleicht noch keine Vogelherde oder Dohnenstiege wie heutzutage anwendete. Gegenwärtig kommt bei uns zulande der Fang mehr und mehr in Abnahme, glücklicherweise, denn wohl mehr als die Hälfte aller gefangenen Drosseln waren Singdrosseln; in Italien, Spanien und Griechenland dagegen stellt den Drosseln jedermann nach.
Für die Gefangenschaft eignen sich alle Drosseln; ihr volltönender und kräftiger Gesang ist jedoch für dаs Zimmer fast zu stark, und ihre rege Freßlust hat Übelstände zur Folge, die auch durch die sorgfältigste Reinlichkeit nicht gänzlich beseitigt werden können. Einen großen, im Freien errichteten Gesellschaftsbauer beleben sie in höchst ansprechender Weise. Ihre Munterkeit und Regsamkeit wirbt ihnen warme Freunde, und ihr köstlicher Gesang entzückt neben dem der Lerche die Menschen schon in den ersten Monaten des Jahres, wenn andere Vögel noch schweigen.