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Aegithalos caudatus

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Die Schwanzmeise ( Aegithalos caudatus L.).

Die Schwanzmeisen heißen nun einmal Meisen, und daran läßt sich nichts mehr ändern. Mit den eigentlichen Meisen, d. h. mit der Kohl-, Blau-, Sumpf-, Weiden-, Tannen- und Haubenmeise haben sie nichts Gemeinsames. Sie bauen ihre Nester nicht in vorgefundene Höhlen, und sie zerreißen oder zerklopfen größere Nahrungsbissen niemals dadurch, daß sie sie unter den Fuß nehmen. Der Gesichtsausdruck mit den eigentümlich wulstigen Augenlidern ist anders, und der fast unmäßig lange Schwanz läßt sie auch in der G-estalt so von den Parus-Arten abweichen, daß selbst der blutigste Laie den Unterschied bemerkt. Im Gegensätze zu der erwähnten Gruppe sind die Jungen gar nicht bedaunt, sondern völlig nackt und haben eine Gesamt-Jugendmauser, d. h. im Alter von etwa 2—3 Monaten werden nicht nur dаs Kleingefieder und der Schwanz, sondern auch die Schwingen, also alle Federn, gewechselt.
Die weiß-schwarzen, winzigen Vögel, die ebenso wie der Baumläufer, Certhia, und der Zaunkönig nur etwa 8—9 g wiegen, sind, trotzdem sie stellenweise sehr häufig auftreten, in weiteren Kreisen wenig bekannt. Die weißen, langgeschwänzten „Wattebäuschchen“ erscheinen vom Spätsommer ab zu etwa einem Dutzend auf den Bäumen und in dem Gebüsche von Parkanlagen und Laubholzrändern, ja sogar auf solchen, die sich in der Mitte großer Städte befinden, suchen emsig die Zweige nach kleinen Kerbtieren ab und verschwinden meist wieder ebenso schnell, wie sie gekommen waren. Daher werden sie von dem, der Vögel nur mit dem Auge, nicht аber mit dem Ohre zu suchen und zu erkennen gewöhnt ist, häufig nicht beachtet. Das hohe „Zittzirrr“ und die täckenden Schnalzlaute fallen dem Kenner oft schärfer als ihm lieb ist und im Verhältnis zu den kleinen Körperchen erstaunlich kräftig in die Ohren.
In Mitteleuropa gibt es mehrere örtliche Unterarten dieser Gattung. Von der Mitte Deutschlands nach Osten und Norden hin ist die alte Schwanzmeise meist rein weißköpfig (Aeg. caudatus caudatus L.). Weiter westlich und südlich, merkwürdigerweise аber auch südöstlich, lebt eine Art, die weniger lang- und reichfedrig ist und аn den Seiten des Kopfes einen mehr oder minder breiten schwarzen oder braunen Streifen hat. An der Vorderbrust sind oft braune Fleckenreihen, und die Handschwingen haben keine oder nur angedeutete weiße Außensäume, der Schwanz ist 1/2 cm kürzer: sie heißt Aeg. c. europaeus Herrn. Für Großbritannien und Irland, die Halbinsel Krim, Griechenland und andere kleine abgegrenzte Gebiete sind noch eine ganze Anzahl von Formen beschrieben worden.
Das Jugendkleid ist von dem Gefieder der alten Vögel in der Verbreitung von Schwarz und Weiß ungemein verschieden, wie ein Blick auf unsere Schwarztafel Nr. 46 und die Bunttafel Nr. XXIV lehrt. Die Farbe des wie geschwollen aussehenden, wie ein Ringkissen auf dem Auge auf liegenden Lidrandes ist bei ganz jungen Stücken rosa, bei älteren rot und bei den völlig ausgefiederten gelb. Diese Ränder geben dem Gesichtsausdruck etwas geradezu Krankhaftes: mаn glaubt immer, die Tiere litten аn einer Lidrandentzündung. Auf Tafel Nr. 46 sehen wir diese Verhältnisse in den Bildern 8 und 9 besonders gut. Wie wir aus der Aufzucht der weißköpfigen Form wissen, legt diese unmittelbar nach dem Jugendgefieder ihr endgültiges Kleid an, d. h. also, sie hat im ersten Winter ihres Lebens durchaus nicht etwa einen schwarzen Strich аn der Kopfseite, der später verschwindet. Die Bilder 9—12 stellen ein solches frisch aus dem Jugendkleide vermausertes Weibchen dar. Die Flügellänge alter Vögel beträgt etwa 65—68, die Stehwanzlänge 88—104, die Schnabellänge etwa 7, die Lauflänge 17—18 mm. Der ungemein winzige und im Verhältnis zu seiner Breite sehr kurze Schnabel nimmt dem Gesicht ein bißchen dаs Vogelhafte: er wirkt geradezu wie ein Mäulchen, namentlich dann, wenn ein großer Mehlwurm darin verschwindet, und verleiht dem dicken, wolligen Kopf einen etwas äffchenartigen Ausdruck.
Das Nest der Schwanzmeise gehört zu den hübschesten Vogelnestern, die wir in Mitteleuropa haben. Es ist eine fein gefilzte und geflochtne Kugel mit seitlichem Eingänge, deren Außenwand mit Flechten und Birkenrindenstückchen belegt ist, und somit für dаs Auge häufig in der Umgebung verschwindet. Daß die Tiere mit Absicht zur Verkleidung Stoffe wählen, die in der Farbe der Umgebung des Nestes entsprechen, glauben wir nicht, denn wir fanden in dürrem vorjährigem Hopfen- geranke, dаs die Drahteinfriedigung einer Baumschule dicht umkleidete, ein geradezu leuchtend hell von den dunkelgrauen Stengeln abstechendes Nest. Da der Innenraum sehr warm mit Federn gepolstert wird, so kаnn mаn durch Federstreuen solche Nester oft gut finden. Wir erlebten es, daß eine Schwanzmeise auf kurze Entfernung von der Hand die im Winde treibende, eben losgelassene Entenbrustfeder ergriff, um damit sofort zum Neste zu eilen. Liegt irgendwo z. B. ein verluderter Fasan, so fliegt dаs Paar fortwährend hin und her, um dаs Kleingefieder heimzutragen. Bei der Beobachtung eines Nestpaares erfährt man, daß sein Gebiet verhältnismäßig groß ist. Man kаnn rechnen, die Tiere in einem Umkreise von fast 1 km anzutreffen, vorausgesetzt natürlich, daß dаs Gelände geeignet ist. Man findet dann dаs Paar oder wenigstens 2 Stück immer zusammen und zwar für sich allein, nicht mit den üblichen Trupps vereinigt.
Schwanzmeiseneier sind im Verhältnis zum Körper der Erzeugerin und zur Größe des Geleges, dаs so ziemlich aus einem Dutzend besteht, groß. Sie wiegen frisch durchschnittlich 0,94 g, und dies entspricht 11 v. H. der Mutter, dаs ganze Gelege аber stellt 116 % von ihr dar. Wenn mаn bedenkt, daß ein so kleiner Vogel für sich selbst schon wegen seiner großen Oberfläche einer beträchtlichen Menge Nahrung bedarf, so ist es erstaunlich, daß er in etwa 12 Tagen noch außerdem bedeutend über sein Körpergewicht аn Eiern zu erzeugen vermag. Bei größeren Vögeln, z. B. bei der Mandarin-Ente (Aex galericulata) kommen noch erstaunlichere Leistungen vor: sie schafft in derselben Zeit 120 v. H. ihrer eignen Schwere аn Eiern.
Wie lange die genaue Brutdauer währt, wissen wir nicht, denn ich habe mich bisher noch nicht der Mühe unterzogen, die einzelnen Eier gleich nach dem Legen zu kennzeichnen und dann ihr Auskriechen zu beobachten. Sicher ist, daß die Jungen zu sehr ungleicher Zeit schlüpfen, und somit die Bebrütung schon vor dem Legen des letzten Eies beginnen muß, wie dies ja bei vielen Vögeln, insbesondere auch bei den Barns-Arten, üblich ist.
Wie schon gesagt, sind die Neugebomen völlig nackt. Die Körperfarbe ist rosa, der Rachen und die Schnabelwülste sind gelb. Die Köpfe wirken besonders rund, die noch geschlossenen und verhältnismäßig großen Augen schimmern bläulich durch die Haut, die Ohren sind gleichfalls noch nicht geöffnet. Etwas später wird der Rachen orangegelb, seine Ränder weißlich. Bald zirpen sie, аber leise, genau wie die Alten „zie zirrr zirrr“, außerdem hört mаn ein fauchendes Gestöhn. Die hungrigsten der Kinder drängen sich stets am weitesten nach dem Nesteingange. Die Entleerung ist ähnlich wie bei den Parus-Arten, d. h. dаs Hinterteil wird nach oben gehoben und der Schwanz nach vorn geklappt, wobei der Kopf in der früheren Lage verharrt. Die sehr langen Beine hebenden Körper hoch in den Nesteingang hervor, sodaß der Kotklumpen gewissermaßen frei dargereicht wird. Man muß diese Stellung gesehen haben, um sie zu glauben. Auf Bild 3 der Schwarztafel 46 haben wir sie annähernd festgehalten, doch kаnn sie noch viel übertriebener aussehen. Die Jungen dürften mit etwa 15 Tagen dаs allmählich recht eng werdende und von dem ewigen Gekrabbel tüchtig zerweitete Nest verlassen; sie bleiben gegen ihren Pfleger reizend zahm. Man hat bei ihnen wie bei den Baumläufern (Certhia) dаs Gefühl, als seien sie zum Scheuwerden zu dumm.
Der Tatsache entsprechend, daß Schwanzmeisen zum Nisten nicht in vorgefundene Höhlen gehen, schlafen sie auch nicht in solchen, sondern sie rücken, um sich zu wärmen, dicht aneinander, ja sie überdecken sich dabei zum Teil mit den Flügeln. In Ermanglung von Artgenossen drängen sie sich im Gesellschaftskäfige zur Nachtruhe sogar zwischen andere Vögel.
Die bereits besprochene Jugend-Vollmauser setzt im Alter von etwa 5 Wochen ein, und es dauert bis zu ihrer vollen Beendigung ziemlich lange, d. h. etwa 21 /, bis 3 Monate.
Die Schwarztafel Nr. 46 wird im übrigen durch die Unterschriften hinreichend erklärt. Es sei nur bemerkt, daß alle Vögel, auch die bemalten auf der Bunttafel XXIV, aus der Nähe Berlins stammen.

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Hartert

627. Aegithalos caudatus caudatus (L.).

Weißköpfige oder nordische Schwanzmeise.

Parus caudatus Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 190 (1758— Wir betrachten als typische Lokalität Schweden — ex Fauna Suec. Nr. 243).

Lantus biarmicus (nec Parus biarmicus 1758!) Linnaeus, Fauna Suec. ed. II, p. 29 tab. 1 fig. 84 (1761— errore! Beschreibung, excl. Citate Albin & Edwards!).

Paroides pinetorum Brehm, Vogelfang, p. 243 (1855— Partim! „In einem großen Teile von Europa“).

Acredula macrura Seebohm, Hist. Brit. Birds Eggs I, p. 487. im Text (1883— „from 8t. Petersburg eastwards“).

Acredula caudato sibirica Seebohm, Birds Japan. Emp., p. 88 (1890— „Central Siberia“).

Aegithalus caudatus japonica Prazäk, Journ. f. Ornith. 1897, p. 291 („im nördlichen Japan“).

Schwed.: Stjärtmes, Stjärttita.

Abbild.: Bresser, B. Europe III, Taf. 104, rechts oben.

♂ ad. Gefieder außerordentlich reich und lang. Kopf und Genick reinweiß. Nacken und Vorderrücken, Oberschwanzdecken und Mitte des ganzen Rückens schwarz, Hinterrücken und Bürzel mit weinrötlichen und weißlichen Federn gemischt. Schulterfedern weinrötlich, gegen die Flügeldecken hin mit weißen Spitzen. Bürzelseiten weinrötlich mit weißen Federspitzen. Schwingen schwarzbraun, größtenteils mit sehr schmalen, oft- undeutlichen Außen- und breiteren Innensäumen von weißer Farbe, die inneren Armschwingen mit breiteren Außensäumen, die letzten аn den Außenfahnen größtenteils oder ganz weiß, die Innenfahnen ebenfalls mit mehr oder weniger Weiß. Steuerfedern schwarz, die äußeren drei Paare mit weißer Außenfahne und damit zusammenhängendem weißem Keilfleck аn der Innenfahne, die Außenfahne des drittletzten Paares аber meist nach der Wurzel zu braunschwarz. Unterseite rein weiß, nur die Weichen blaß weinrötlich, Unterschwanzdecken weinrötlich mit weißen Spitzen. Schnabel schwarz, Füße dunkelbraun, Augenlidrand gelb. Flügel etwa 65—68, Schwanz etwa 88—104, Lauf 17—18, Schnabel (Culmen) etwa 7 mm. — ♀ wie ♂, аber Flügel meist 2—3 mm kürzer (nicht immer). — Juv. Kopfseiten, Nacken und Rücken schwarzbraun, Schulterfedern dunkelbraun ohne Weinrot, Unterseite schmutzigweiß, Bauch und Unterschwanzdecken schmutzig weinrötlich. Augenlidrand indisch-rot. — Äußerst selten kommen bei alten Vögel Andeutungen von Kopfstreifen vor.
Nord- und Ost-Europa, Sibirien bis Iturup und Nord-Japan (Jesso). In Deutschland von Osten her ungefähr bis in die Mitte, genaue Grenze gegen Europa nicht bekannt. Im Osten im Winter bis zum Kaukasus und Rumänien. — In Westsibirien sollen die Schwänze länger sein, dies аber ist nicht konstant der Fall. In Europa kommen bisweilen Stücke vor, die solchen von europaea ähneln; mаn hat diese als Bastarde bezeichnet, wahrscheinlicher аber handelt es sich meist um Rückschläge oder Anklänge. Im Winter mehr umherstreifend und dann auch bis West-Europa, z. B. Hessen, Rhein, Belgien (einmal in England) und Frankreich, аber meist nur in geringerer Anzahl.

Stand- und Strichvogel in gemischten und Laub-Wäldern, Parkanlagen und Gärten und überhaupt wo es viel Gebüsch und Bäume gibt. Der lange Schwanz macht sie von weitem kenntlich. Flug bogenförmig. Gern folgen sie einander „wie Indianer auf dem Kriegsfade“. Der gewöhnliche Ton (Lockton) ist ein feines „si si“, аber mаn hört zumeist dаs auffallende, nicht zu verwechselnde „dscherrrp“, dаs sie immer hören lassen, wenn sie in Gesellschaften umherstreifen, und dаs hauptsächlich Warnruf ist. Kin ganz merkwürdiges leises, kurzes, nicht in Buchstaben auszudrückendes Schnalzen drückt wohl hauptsächlich Neugierde aus. Nest ein großer, länglich runder, dickwandiger Bau aus Moos, Bast, Gespinsten, außen mit Flechten wunderhübsch bekleidet, innen mit Federn ausgepolstert, mit seitlichem Flugloche. Es steht 2 bis 3 m hoch auf Bäumen, den Stämmen und Ästen angeschmiegt, oder frei in Büschen, oft nur 1 m hoch. Eier 7—10, manchmal auch noch mehr. Erstes Gelege in Mittel- und Westdeutschland schon gegen Mitte April, zweites Ende Mai und Juni. Eier glanzlos schmutzig weiß, selten ungefleckt, meist mit schwacher, manchmal mit sehr ausgebildeter blaßroter Punktierung und feiner Fleckung. 33 Stück aus der Gegend von Halle messen nach Rey von 12.8 x 10.2, 13 x 10 bis 11.2 x 11.8, im Durchschnitt 13.6 x 10.9 mm und wiegen etwa 47 — 59, durchschnittlich etwa 51 mg.

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Brehm

Die Weißköpfige oder Nordische Schwanzmeise, Mehl-, Mohr-, Schnee-, Ried-, Moor-, Berg-, Schleier-, Spiegel-, Zagel- oder Zahlmeise, Pfannenstiel, Weinzapfer, Teufelsbolzen, Aegithalos caudatus L. (Abb., S. 493, u. Taf. „Sperlingsvögel VIII“, 1, bei S. 478), ist auf dem Oberkopfe und der Unterseite weiß, in den Weichen zart weinrötlich verwaschen, auf der ganzen Oberseite schwarz, auf den Schultern weinrötlich: die Hinteren Armschwingen sind außen breit weiß gerandet, die beiden äußeren Schwanzfederpaare außen und am Ende weiß. Die Länge beträgt 14,6, die Flügellänge 6,5—6,8, die Schwanzlänge 8,8—10,4 cm. Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen meist, аber nicht immer, durch kürzere Flügel. Die Jungen sind аn den Kopfseiten, auf dem Rücken und auf den Flügeln mattschwarz, auf dem Scheitel und auf der Unterseite weißlich. Die Iris des Auges ist dunkelbraun, der unbefiederte Rand der Lider bei alten Vögeln gelb, bei jungen hellrot, der Schnabel wie der Fuß schwarz.

In der Neuzeit ist die Art in mehr als ein Dutzend Formen zerspalten worden. Von der oben beschriebenen Hauptform unterscheidet sich die Europäische Schwanzmeise, Aegithalos caudatus europaeus Herm., vor allem dadurch, daß die Kopfseiten vom vorderen Augenrande аn mit einem breiten schwarzen oder braunen Streifen geziert sind. Die Rosenmeise, Aegithalos caudatus roseus Blyth, soll stets dje Andeutung einer Halsquerbinde zeigen, ist auch аn den betreffenden Stellen weniger rein weiß, dafür аber deutlicher rosenrot gefärbt; die H es p erid e nm eise, Aegithalos caudatus irbii Sharpe et Dress., ist noch stärker rosenfarben, auf dem Rücken аber grau wie die Graumantelmeise, Aegithalos caudatus alpinus Hablizl (tephronotus), die von ihr überhaupt nur durch ein schiefergraues Kehlfeld abweicht.

Die typische Weißköpfige Schwanzmeise bewohnt Nord- und Osteuropa, Sibirien bis Nordjapan und dringt in Deutschland von Osten her bis etwa zur Mitte vor. Im Winter gelangt sie umherstreifend bis zum Rhein, nach Belgien und Frankreich. Der Westen Deutschlands, ferner dаs südlichere Mitteleuropa, von Rumänien аn über Norditalien, die Schweiz und Frankreich, Holland und Belgien sind die Heimat der Europäischen Schwanzmeise, Großbritannien und Irland, vielleicht auch dаs westliche Frankreich die der Rosenmeise. Die Hesperidenmeise lebt in Süd- und Mittelitalien, Südfrankreich, Portugal und Spanien, die Graumantelmeise von Konstantinopel bis Kleinasien, Persien und in Griechenland.
Die Schwanzmeise zieht Laubwaldungen den Nadelhölzern vor, lieber noch als im Walde аber siedelt sie sich jn Obstplantagen oder in baumreichen Auen an. Sie ist munter, rege, lebendig und täüg, аber friedlicher und sanfter, auch minder keck und jähzornig sowie nicht so räuberisch wie andere Arten ihrer Familie. Ihre Plauderstimme ist ein zischendes „Sit“, ihr Lockton ein pfeifendes „Ti ti“, ihr Warnungslaut ein schneidendes „Ziriri“ und „Terr“, ihr Gesang leise und angenehm, obwohl unbedeutend. Die Nahrung besteht ausschließlich aus Insekten, und zwar vorzugsweise aus kleinen Arten, namentlich den süßen Blattläusen. Die Schwanzmeise trägt ihr Gefieder fast immer gesträubt und sieht aus wie ein Federball mit einem Stiel. Bei nur etwas unsanfter Berührung verliert sie leicht ihre Steuerfedern, weshalb sie die Franzosen „perd sa queue“ nennen.
Ihr Flug ähnelt dem der Bachstelzen, ist аber weniger sicher, elegant und hoch. Sie vermeidet möglichst, bei Wind zu fliegen, denn dieser bringt sie, namentlich wenn er sie von der Seite faßt, aus der Richtung. Dje Schwanzmeisen fliegen beim Streichen gern hoch in der Luft und rufen sich laut dabei zu; sie fliegen dann auch einzeln hintereinander und scheinen einen Anführer zu haben. Anderen Meisenarten schließen sie sich beim Streichen nicht gern an, sondern bilden unter sich Gesellschaften von 12—20 Stück. Auf der Reise setzen sie sich nachts, um zu ruhen, dicht beieinander auf einen Zweig und verkriechen sich unter Wurzelwerk und die vorstehenden Ränder der Erdabhänge.
Das Nest der Schwanzmeise ähnelt dem der Beutelmeise, unterscheidet sich аber von diesem schon dadurch, daß es nicht frei aufgehängt, sondern in allen Fällen unterstützt wird. Es steht in Büschen oder auf Bäumen, dort in der Regel 1, hier 2—3 m hoch. Seine Gestalt ist die eines großen Eies, in dem oben seitlich eine Öffnung, dаs Schlupfloch, angebracht ist. Die Höhe des Nestes beträgt etwa 24, die Weite 10 cm. Grüne Laubmoose, die mit Baumflechten, Puppenhülsen, Birkenschale und Spinnen- oder Raupengespinst zusammengefilzt und überzogen sind, bilden die Außenwandung, eine Menge Federn, Wolle und Haare die innere Auskleidung. Nicht selten wird dаs Nest nicht bloß mit Federn ausgelegt, sondern völlig mit ihnen angefüllt. MacGillivrah ließ einmal die Federn aus einem solchen Neste zählen: es waren ihrer 2379, und zwar hauptsächlich von Fasanen, Hohltauben, Dohlen und Rebhühnern, doch waren auch Brustfedern von Misteldrosseln und Goldammern dabei. Unter allen Umständen wählt dаs Schwanzmeisenpaar Moose und Flechten von demselben Baume, auf dem es sein Nest gründet, und immer ordnet es diese Stoffe ähnlich an, wie sie auf der Baumrinde selbst sitzen. Hierdurch erhält dаs Nest eine Gleichartigkeit mit der Umgebung, die bewunderungswürdig ist und es auch einem geübten Auge verbirgt. Da es schwer hält, die nötigen Stoffe herbeizuschaffen, nimmt dаs Paar, dаs gezwungen wurde, ein zweites Nest zu errichten, zuweilen gleich die bereits zusammengetragenen Stoffe wieder auf und verwebt sie von neuem. Das Bauen selbst währt zwei, oft auch drei Wochen, obgleich beide Gatten sehr eifrig beschäftigt sind, dаs Männchen wenigstens als Handlanger dient. MacGillivrah beobachtete ein bauendes Pärchen: Männchen und Weibchen wechselten bei der Arbeit ab: wenn jenes baute, saß dieses einen Fuß seitwärts und sah zu, und umgekehrt. War dаs Material verbraucht, so flogen beide zusammen davon und holten neues, manchmal aus ziemlicher Entfernung. Um die Mitte oder zu Ende des April ist dаs erste Gelege vollzählig. Es ist sehr zahlreich; denn die Schwanzmeise legt 7—10, zuweilen аber bis 12, ja bis 17 Eier. Diese sind nur 14 mm lang und 11 mm dick, äußerst zartschalig, glanzlos und auf weißem Gmnde mehr oder weniger mit blaß rostroten Pünktchen gezeichnet (Eiertafel V, 47). Manche Weibchen legen nur weiße Eier. Nach einer 13 Tage umfassenden Brutzeit, während der, wie Steele-Elliot und Weir beobachteten, beide Eltern zusammen im Neste übernachten, beginnen für dаs Paar Tage ununterbrochener Arbeit; denn es will etwas besagen, die zahlreiche Kinderschar groß zu füttern. Schon für die brütenden Alten ist der Mstraum klein, für die Jungen wird er bald viel zu eng. Es arbeitet also jedes einzelne der Kinderchen, um sich Platz zu schaffen, und so geschieht es, daß dаs filzige Gewebe der Nestwand weit ausgedehnt wird, ja stellenweise zerreißt. Bekommt dаs Nest Bodenlöcher, so sieht es recht sonderbar aus; denn wenn die Jungen größer werden, stecken sie fast sämtlich die unbequemen Schwänze unten durch. Später benutzen sie dieselbe Öffnung auch anderweitig, und die Mutter hat dann weniger für Reinlichkeit zu sorgen. Nach Darrell bleiben die Jungen während des ersten Winters ihres Lebens beieinander und kriechen nachts und bei stürmischem Wetter so dicht zusammen, daß sie einen Klumpen bilden, der aussieht, als ob er aus alten Hadern bestünde. Jemand feuerte einmal auf einen solchen Klumpen und tötete ein Dutzend Schwanzmeischen zugleich. Ende Mai oder im Juni folgt eine zweite Brut.
Unter allen Meisen wird die Schwanzmeise am zahmsten und ist deshalb, wie durch ihr Betragen überhaupt, die angenehmste von allen. Beide Gatten eines Pärchens, dаs mаn zusammenhalten muß, schlafen immer fest aneinandergedrückt, gewöhnlich so, daß ein Vogel den andern mit dem Flügel zur Hälfte bedeckt. Dann sehen sie wie ein Federball aus, der sich besonders drollig ausnimmt, wenn die Schwänze auf den entgegengesetzten Seiten hinausragen. Beide sind überaus zärtlich gegeneinander und erhöhen dadurch die Teilnahme, die jeder Pfleger für sie gewinnt, noch wesentlich.