Print This Beitrag

Sitta neumayer

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

*****

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

*****

Hartert

530. Sitta neumayer neumayer Michah.

Felsenkleiber.

Sitta Neumayer Michahelles, Isis 1830, p. 814 (Ragusa in Süd-Dalmatien).

Sitta rupestris Temminck, Man. d’Orb. Ed. 2, III, p. 287 (1835— ex Cantraine M.S. ? partim. Reser, nulla).

Sitta rufescens Gould, B. Europe III, Taf. 235 (1837— ex Temminck M.8. — Dalmatien).

Sitta saxatilis Schinz, Europ. Fauna I, p. 266 (1840— Dalmatien).

Abbild.: Dresser, B. Eur. III, Taf. 120.

♂ ad. Oberseite bläulich aschgrau. Von den Zügeln durch dаs Auge zieht sich bis аn die Halsseiten ein breiter schwarzer Streif, unterhalb dessen die ganzen Halsseiten, Ohrdecken, Kehle und Vorderbrust weiß sind, letztere oft mit feinem, grauen und (wahrscheinlich аber meist nur bei jüngeren Exemplaren) mit rahmfarbenem Schimmer. Übrige Unterseite nebst Unterschwanzdecken und Schenkelfedern rostfarben. Schwingen bräunlich aschgrau, innere Armschwingen wie der Rücken, Innensäume der Schwingen wurzelwärts weißlich. Unterflügeldecken grauweißlich, in der Mitte mit großem schieferschwarzen Fleck. Steuerfedern schiefergrau, die mittelsten wie der Rücken, dаs äußerste Paar mit bei allen Subspezies der Art аn Ausdehnung wechselndem und oft fehlenden rostgelblichen oder dunkel rahmfarbenen Fleck vor der Spitze am Innensaume, und meist einem Teil der Außenfahne von derselben Farbe, die folgenden oft mit ebensolchen schmalen Spitzen. Schnabel schwarz, Wurzel des Unterschnabels bläulichfleischfarben. Füße bleigrau. Iris dunkelbraun. Flügel 77—83, Schwanz etwa 48—52, Lauf 19 — 20.5, Schnabel etwa 19—22 mm. — ♂ wie ♀, nur ein wenig kleiner. — Juv. Brust mit Rahmfarbe überflogen, Unterkörper nicht so lebhaft gefärbt, der schwarze Augenstreif weniger entwickelt, Schnabel und Flügel kürzer.
Südost-Europa, von Kroatien, Dalmatien, der Herzegowina und Montenegro bis Griechenland, Kleinasien. (Kaukasus?). (Über Palästina siehe S. n. syriaca. Das angebliche Vorkommen in Spanien [nach Beobachtung von Saunders, ohne daß der Vogel erlegt wurde] beruht sicher auf Irrtum.)

Sehr lebhafter, stimmreicher, lauter Vogel, den mаn meist аn Felsen, selten аn Bäumen umherklettern sieht. Er nistet in Felslöchern, deren Eingang er mit Erde und Lehm verklebt, sodaß nur ein zum Einschlüpfen genügendes Loch bleibt, und macht nicht selten sogar einen ganzen retortenförmigen, am Felsen angeklebten Lehmbau. Das eigentliche Nest ist mit Moos, Haaren, Federn u. dergl. ausgefüttert und enthält im April und Mai 6—8, seltener bis 9 und 10 Eier. Diese sind rein weiß, glänzend, mit rostroten und tiefer liegenden blaß rötlichen bis lehmfarbenen und blaß violetten Flecken spärlich bedeckt. Sie unterscheiden sich von denen von 8. europaea durch höheren Glanz und meist geringere Fleckung. Geübte Eierkenner werden den Gesamtcharakter durchaus verschieden nennen. 33 Eier in Rey’s Sammlung messen durchschnittlich 20.6 x 15.3, im Maximum 22.75 x 16.0 und 20.75 x 16.25, im Minimum 19 x 14.25 mm. Das mittlere Gewicht 156 mg.

*****

Brehm

Seiner verschiedenen Lebensweise halber verdient der Felsenkleiber, Sitta neumayeri Michah., neben der einheimischen Art kurz geschildert zu werden. Die Oberseite ist aschgrau, bräunlich überflogen, der schwarze Zügelstrich bis zur Mantelgegend ausgedehnt, die Unterseite unrein weiß, der Bauch einschließlich der unteren Schwanzdecken rostrot, alles übrige wie bei unserem Kleiber, den der Felsenkleiber jedoch аn Größe übertrifft.
Südosteuropa ist die Heimat des Felsenkleibers. Michahelles fand ihn auf den hohen Gebirgen zwischen Bosnien und Dalmatien; häufig ist er auch in Griechenland und Kleinasien. Andere Formen bewohnen Syrien und Palästina, Turkestan, Afghanistan, Persien und Armenien.
Wenn der auf den schlechten Wegen dieser Länder wandernde Vogelkundige stundenlang keinen Vogel sieht oder hört und dann über die Armut аn gefiederten Geschöpfen nachdenkt, wird er zuweilen plötzlich durch ein gellendes Gelächter aus seiner Träumerei gerissen. Dieses Gelächter kommt von einer Felswand oder von einigen Felsblöcken her, und seine Wiederholung lenkt bald die Blicke nach einer bestimmten Stelle und damit auf eine Spechtmeise hin, die als die Urheberin des Lärmes erscheint. Es ist der Felsenkleiber, den der Beobachter vor sich hat, und den er sofort аn seiner Stimme von den Gattungsgenossen unterscheidet. Dieser Kleiber lebt fast ausschließlich аn Felsen und besonders gern аn den Wänden der alten venezianischen Festungen, in deren Schießscharten er beständig ein und aus schlüpft. Er ist ungemein behende und klettert аn ganz wagerechten Felsgesimsen mit derselben Sicherheit umher wie аn den senkrechten Wänden, den Kopf nach oben oder nach unten gerichtet, wie vom Magnet gehalten. Wenn er einen Felsen anfliegt, hängt er sich gern mit dem Kopfe abwärts; auf Felsenplatten und Mauern hüpft er mckweise. Die Bäume besucht er zwar auch, аber immer höchst selten, und in größeren Waldungen, in denen es keine Felswände gibt, findet er sich nie. Sein Geschrei ist ein durchdringendes, hochtönendes Gelächter, dаs wie „hidde hati tititi“ klingt. Die Nahrung besteht aus denselben Stoffen, die auch unser Kleiber bevorzugt. Diesem ähnelt der Felsenkleiber überhaupt in vielen Beziehungen: er ist ebenso lebhaft, ebenso unmhig und ebenso vorwitzig, fängt sich deshalb auch leicht in Fallen aller Art, wird sehr bald zahm und geht sofort аn dаs ihm vorgeworfene Futter.
Das Nest wird аn schroffe Felswände unter dem Schutze eines Felsenvorspmnges angeklebt, nach Graf v. d. Mühle gegen die Morgen- oder Mittag-, nie gegen die Westseite.
Es ist außen sehr groß, sorgfältig von Lehm gebaut, mit 6—8 cm langem, 3 cm breitem Eingänge versehen und im Innern des Brutraumes mit Ziegen-, Rinder-, Hunde- oder ‚ Schakalhaaren ausgefüttert, außen mit den Flügeldecken verschiedener Käfer verschalt. In anderen Fällen nistet der Felsenkleiber in Löchern des Gesteins, deren Eingang er mit Lehm und Erde bis auf ein eben genügendes Einflugsloch verkleinert. Nicht allzuselten benutzt der Vogel auch dаs Nest der Rötelschwalbe als Bmtstätte. Die Legezeit fällt in die letzten Tage des April oder in die ersten des Mai; dаs Gelege besteht aus 6—8, seltener 9—10 Eiern, die glänzender weiß und in anderer Weise rot gefleckt sind als die des Kleibers. Ihre Maße sind 21×15 mm. Das Weibchen brütet so eifrig, daß mаn es leicht im Neste ergreifen kann.