Print This Beitrag

Emberiza melanocephala

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

*****

Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
*****
Hartert
216. Emberiza melanocephala Scop.
Kappenammer.
Emberiza melanocephala Scopoli, Annus I Hist. Nat., p. 142 (1769— Typus wahrscheinlich aus Kärnthen. Vgl. Anm. p. 14.).
Tanagra melanictera Güldenstädt, Nov. Couim. Acad. Imp. Petrop.XIX, p. 466 (1775 N.- & Mittel-Kaukasus, heiße Quellen am Terek in Georgia, Tiflis).
Fringilla crocea Vieillot, Gis. Chant., Tat. 27 (1805— Senegal! errore!).
Xanthornus caucasicus Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. I, p. 428 (1831— Kaukasus und Tiflis).
Emberiza granativora Menetries, Catal. rais., p. 40 (1832— zwischen Baku und Kuby am Kaspischen Meere, Juli).
Euspiza simillima Blyth, Journ. As. Soc. Bengal XVIII, pt.2 p. 811 (1849 S.-Indien).
Euspiza atricapilla Brehm, Vogelfang, p. 112 (1855— Griechenland).
Euspiza melanocephala macrorhynchos, brachyrhynchos A. E. Brehm, A erz. Samml., p 9 (1866— nomina nuda!).
♂ ad. Oberkopf und Kopfseiten schwarz, im frischen Herbstkleide durch breite graulichbraune Federränder ganz verdeckt. Rücken und Schulterfedern rostrot, auf dem Bürzel mit gelbem Schimmer, Oberschwanzdecken braun mit gelbem Schimmer. Im frischen Herbstkleide ist die rostrote Farbe der Oberseite durch hellgraulichbraune Säume und schwarzbraune Streifen аn den Federspitzen verdeckt, Säume und Streifen verschwinden аber gänzlich im Frühjahr. Flügel und Schwanz dunkelbraun mit hellfahlbräunlichen Säumen. Unterseite schön gelb, im Herbste durch fahle Säume, besonders au der Vorderbrust, verdüstert, Seiten der Vorderbrust rostrot. Unterflügeldecken und Achselfedern hellgelb. Das Gelb der Unterseite zieht sich hinter den schwarzen Kopfseiten аn den Halsseiten aufwärts und manchmal in einem schwach angedeuteten Halsbande über den Nacken hin. An der gelben Kehle zeigen sich bisweilen weiße, häufiger schwarze Federn, selten ist die ganze Kehle bis аn den Kropf schwarz. Iris braun. Schnabel dunkelbraun, Unterschnabel heller, Füße hellbräunlich. Flügel 94—99, Schwanz etwa 75—80, Schnabel etwa 14, Lauf 21 — 22 mm. ♀ ad. Oberseite bräunlichgrau mit braunschwarzen Schaftstreifen, die auf dem etwas helleren, vorn rostrot, weiter hinten gelb schimmernden Bürzel fast oder ganz verschwinden. Unterseite gelblichweiß oder weißlichgelb, über die Vorderbrust ein bräunlicher Schimmer. Junge ähneln den q , jüngere <5 haben nicht die Pracht alter. Der Verfall des Gefieders ist bei dieser Art sehr auffallend, von Doppelmauser ist keine Rede.
S.O.-Europa und Kleinasien, Palästina bis Persien und Baluchistan, im Winter in den nordwestlichen Teilen Indiens. Westlich bis Italien, wo sie besonders im adriatischen Küstenlande häufig ist, seltener Gast im südlichen Deutschland, Österreich. Süd-Frankreich, 4 mal in England, etwa 15 mal in Helgoland. Nordwärts bis zur untern Wolga.
Bewohnt buschreiches Gelände, Weinberge, Gärten und ist ein Zugvogel. Stimme ammerartig: Lockton ein scharfes „zitt“, Angstruf ein leises „zih“, Gesang dem der Goldammer ähnlich, von Naumann mit „dzi der üh-zi zi zih“ versinnlicht. Das große lockere Nest, dаs sehr leicht zu finden ist, steht meist in Büschen oder Baumausschlag, nie sehr hoch, manchmal am Boden. Die 5 Eier haben nichts von den Schnörkeln und Hieroglyphen der meisten Ammereier, sondern sind sehr blaßbläulich oder bläulichgrün, fast weiß, mit aschbraunen und hellgraulichen Schalenflecken gezeichnet, аn helle Sperlingseier erinnernd, bisweilen ungefleckt. Maße durchschnittlich 22.5 x 16.1, Maximum 25 x 16.5 oder 22 x 17.7, Minimum 19 x 14.5 mm. Gewicht 0.172 g.
*****
Brehm
Südosteuropa von Istrien und dem adriatischen Küstengebiete Italiens an, namentlich Dalmatien und Griechenland, viele Inseln des Adriatischen Meeres, die Levante und einen großen Teil Südwestasiens bis аn die Nord- und Westprovinzen Indiens, insbesondere аber Persien, bewohnt die in Süddeutschland, Österreich, Südfrankreich als seltener Gast vorkommende, über ein dutzendmal auf Helgoland erlegte Kappenammer, Königsammer, der Ortolankönig, Emberiza melanocephala Scop. (Abb., S. 361), durch den kräftigen, spitz-kegelförmigen, fast gleichkieserigen Schnabel mit kleinem, länglichem Höcker vor dem Gaumen, stämmige Füße, lange Flügel, unter deren freien Schwingen die erste die längste ist, und mäßig langen, am Ende geraden Schwanz von anderen Ammern unterschieden. Ihre Länge beträgt 18,5, die Flügellänge 9,8, die Schwanzlänge 8 cm. Oberkopf und Kopfseiten sind „schwarz, die übrigen Oberteile lebhaft zimtrotbraun, durch schmale und verwaschene gräuliche Endsäume geziert, die Halsseiten und die ganze Unterseite hochgelb; die dunkelbraunen Schwingen und Steuerfedern zeigen fahlbraune, аn den hinteren Armschwingen und Deckfedern sich verbreiternde Außensäume, die kleinen zimtbraunen Deckfedern gelbgraue, die bräunlichen größten Flügeldeckfedern weiße Endsäume, die eine Querbinde Herstellen. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel hornblau, der Fuß bräunlichgelb. Dem Weibchen fehlt die schwarze Kappe; die Oberseite ist gräulich rostrot, die Kehle weiß, die übrige Unterseite weißlich rostfarben.
Ende April trifft die Kappenammer, aus ihrer Winterherberge kommend, in Griechenland, kaum später auch in Istrien ein. An einem schönen Frühlingsmorgen sind in Griechenland oft alle Hecken am Meeresufer, die mаn tags vorher vergeblich nach ihr absuchte, förmlich bedeckt mit dem in voriger Nacht angekommenen „Könige der Ortolane“. Dieser begibt sich nunmehr sofort nach seinen Brutstätten, Weinbergen der Ebene oder noch unbebauten, mit Salbei und Stechdorn bestandenen Hügeln, baut sein Nest, brütet, erzieht die Jungen und verläßt die Heimat wieder zu Ende Juli oder im August, um seiner Winterherberge zuzuwandern. Sein Zug richtet sich nach Südosten. Von Persien, dem Brennpunkte seines Verbreitungsgebietes, wo er überall bis zu fast 3000 m häufig ist, mag der Vogel ausgegangen sein und Kleinasien und die Balkanhalbinsel, erst später aufgefunden haben. Wenige Wochen nach seinem Abgänge aus Europa erscheint er in Dekhan und in den oberen Provinzen von Hindostan, schlägt sich in ungeheure Flüge zusammen, richtet arge Verwüstungen in den Getreidefeldern аn und verläßt dаs Land erst im März wieder.
Im Betragen unterscheidet sich die Kappenammer von anderen Ammerarten nur unwesentlich; doch behauptet Graf von der Mühle, sie sei sehr dumm und wenig scheu, so daß mаn dаs singende Männchen oft mit dem Stock erschlagen könnte, wenn mаn es wollte. Um die Fortpflanzungszeit setzt sich dаs Männchen frei auf die Spitze eines Strauches oder Baumes und läßt beständig seinen einfachen flötenden Gesang vernehmen, wogegen dаs Weibchen sich soviel wie möglich verbirgt. Das Nest steht am Boden in oder аn stachligem Gestrüpp, gewöhnlich sehr versteckt, ist nachlässig gebaut, aus dürren Pflanzenstengeln und Blättern sperrig zusammengefügt, im Innern mit feinen Würzelchen, Hälmchen, Blattfasern und Pferdehaaren ausgelegt und enthält in der ersten Hälfte des Mai 5—6 Eier, die 23 nun lang, 16 mm dick, auf bleich bläulichgrünem Grunde mit deutlicheren oder verwaschenen aschgrauen, oder bräunlichgrauen Flecken gezeichnet sind und hellen Sperlingseiern ähnlicher sind als sonsügen Ammereiern (Eiertafel V, 41). In Persien sammeln sich nach der Brutzeit Tausende und аber Tausende von Kappenammern, streichen, gefürchtet ärger noch als die Heuschrecken, von Ort zu Ort und beginnen lange vor ihrem Wegzuge schon die Felder zu plündern.
Außer den vorstehend geschilderten Ammerarten haben noch mehrere andere Deutschland oder wenigstens Europa gelegentlich schon besucht.