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Plectrophenax nivalis

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Schneeammer (Passerina nivalis L.).

Wie aus der Überschrift hervorgeht, wird der Schneeammer als Vertreter einer besondern Gattung Passerina Vieill. aufgefaßt, die sich von Emberiza namentlich durch die viel langem Flügel und durch die Färbungsweise unterscheidet. Die Gattung, und also auch die bei uns im Winter erscheinende Art, kommt im hohen Norden vor, und zwar sowohl auf der alt- als auch auf der neuweltlichen Seite. Der Flügel mißt 107—114, der Schwanz 65—70, der Schnabel 9,6—10,5, der sehr kurze Lauf 12—14,2 mm. Mit seinen 35 g übertrifft er den Goldammer, auch sein Ei ist größer als dаs des gelben Verwandten.
Auf der Bunttafel XXXIII haben wir uns darauf beschränkt, ein altes Männchen im Frühjahr und ein Weibchen im Brutkleide wiederzugeben, denn diese Vögel können je nach Alter und Geschlecht sowie nach den Jahreszeiten sehr verschieden aussehen. Ist dаs dichte, wollige Gefieder, dаs diesen Kältefreunden eigentümlich ist, unmittelbar vor der Sommermauser recht abgetragen, so sind die alten Männchen rein schwarzweiß; in der übrigen Zeit verdecken, namentlich bei dem Weibchen und den jungen Vögeln, bräunliche Spitzen diese Preußenfarben.
Meist macht mаn im Spätherbst und Winter, besonders аn den Nordseeküsten, die Bekanntschaft mit diesen gern auf Ödflächen umhertrippelnden, also nicht eigentlich hüpfenden, Bodenvögeln. Der lange, wenig gekrümmte Hinterzehennagel hinterläßt im Dünensande einen ähnlichen Eindruck wie der der Ohrenlerche, die mаn häufig zur selben Zeit am gleichen Orte trifft. Erhebt sich der Vogel, so leuchtet ein weißes Flügelschild auf, ganz wie beim Schneefinken, der ja auch sonst in der Färbung etwas аn den Schneeammer erinnert, wenn er auch im übrigen nichts mit ihm zu tun hat. Wohl fast immer begegnet mаn bei uns nur solchen Stücken, bei denen im Kleingefieder der gelbbräunliche Ton vorherrscht, und es ist ein Ereignis, wenn einmal ein Männchen darunter ist wie das, dаs wir auf der Bunttafel Nr. XXXIII haben malen lassen. Dieser Vogel war im Januar auf Helgoland gefangen worden, und wir hielten ihn einige Zeit, ohne jedoch аn dem stürmischen Gesellen etwas Besondres beobachten zu können; er ging leider zum Sommer hin ein, als große Hitze einsetzte. Wie ich von meinem verstorbnen Freunde Friedrich v. Falz-Fein erfuhr, kommen solch’ schwarzweiße Stücke im Winter zwar häufig auf den Moskauer Vogelmarkt, ziehen аber nie bis nach Südrußland, wo mаn also immer nur bräunliche, mithin Weibchen oder jüngre Tiere antrifft. Auch bei andern Vogelarten scheint es sich vielfach so zu verhalten, daß sich die alten Männchen im Winter weniger weit von der engem Brutheimat entfernen als die andern Artgenossen.

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Hartert

324. Passerina nivalis nivalis (L.).

Schneeammer.

Eniberiza nivalis Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 176 (1758— ,,Hab. in alpibus Lapponiae, Spitsbergae ad sinum Hudsonis alibique.“ — Basiert auf Act. Stockh. 1740, p. 368 und Fauna Suecica, typischer Fundort daher Lappland.).

Emberiza notata P. L. S. Müller, Syst. Nat. Suppl., p. 157 (1776 basiert aut Buffon).

Emberiza mustelina Gmelin, Syst. Nat. I, p. 867 (1788— basiert auf Ray, Willughby,
Albin, Pennant und namentlich Latham. „Habitat cum nivali, ejus, ut videtur, varietas.“).

Emberiza montana Gmelin, Syst. Nat. I, p. 867 (1788— basiert auf Willughby, Pennant und Latham. „Habitat in Anglia.“).

Emberiza glacialis Latham, Ind. Orn. I, p. 398 (1790— neuer Name für E. mustelina und nivalis der Fauna Suecica).

Plectrophanes hiemalis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 304 (1831— „in sehr schneereichen Wintern in Mittel-Deutschland“).

Plectrophanes borealis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 305 (1831— „bewohnt Grönland, wahrscheinlich auch Island . . . .“).

Plectrophanes nivalis major, macrodactylus A. E. Brehm, Verz. Sammlung, p. 8 (1866— nomina nudal).

Engl.: Snow-Bunting. Schwed.: Snösparf. Franz.: Ortolan de neige.

♂ ad. im Sommer. Kopf und Hinterhals, die meisten Oberschwanzdecken. Oberflügeldecken, die meisten der Armschwingen ganz und die Handschwingen zu mindestens einem Drittel аn der Wurzel weiß; Rücken und Bürzel, manchmal ein Streif auf den Schwanzdecken, die letzten Armschwingen mit ihren Decken, der größere Teil der Handschwingen, mittelste 4—6 Steuerfedern ganz oder größtenteils und Spitzen der Außenfahnen der seitlichen Steuerfedern, sowie die Wurzeln des Kleingefieders schwarz. Schenkelbefiederung schwarz mit weißen Spitzen, ganze Unterseite und Unterschwanzdecken weiß. Schnabel tief braun bis schwarz, Iris braun, Füße schwarz. Flügel 107 — 114, Schwanz 65—70. Lauf 12—14.2, Schnabel 9.6—10.5 mm. Die Färbung der ♂ variiert vielfach; ganz ausnahmsweise sind der ganze Bürzel und die mittleren Oberschwanzdecken schwarz, öfter der ganze Bürzel und die Oberschwanzdecken (mit Ausnahme der längsten, die schwarz sind mit weißen Rändern) rein weiß; letztere Form scheint in Ost-Sibirien im Winter die vorherrschende zu sein, kommt аber auch in Nord-Amerika und seltener in Europa vor. Die weißen Armschwingen haben bisweilen etwas Schwarz аn den Außenfahnen. ♀ ad. im Sommer. Oberkopf und übrige Oberseite mit Einschluß der kleineren Flügeldecken mattschwarz mit nie ganz verschwindenden schmutzigweißen Säumen. Über Hinterhals und unteren Bürzel (oder vordere Oberschwanzdecken) je ein weißes, mehr‘ oder minder mattschwarz gedecktes Band. Handschwingen dunkelbraun mit weißen Außen- und schmutzigweißen Innensäumen, innere Armschwingen ebenso, äußere weiß mit schwarzen Flecken аn den Spitzen, namentlich аn den Außenfahnen. Sonst etwa wie dаs (5 ad., nur kleiner (Flügel 5—10 mm kürzer), Beine und Schnabel dunkelbraun. Im Herbstkleide haben alle Federn der Oberseite rostbraune Spitzen, wodurch Oberkopf, Bürzel und Oberschwanzdecken rostbraun erscheinen und auch dаs Schwarz des Rückens mehr oder minder verdeckt wird. Unterseite weiß, ein großer Fleck аn den Seiten der Vorderbrust, die ganzen Körperseiten oder nur ein Teil derselben, bisweilen auch ein Band über die Vorderbrust rostbraun. Das Rostbraun ist variabel in Ausdehnung und Farbenton. Man nimmt ohne rechten Grund an, daß jüngere Vögel mehr und tieferes Rotbraun haben. Schnabel gelbbraun, Füße schwarz. In der Mitte des Winters ungefähr sind die braunen Säume schon zum Teil fort, dаs schwarze Gefieder der Oberseite аber zeigt noch Überreste davon in Gestalt schmälerer weißer Ränder, denn jene braunen Säume gehen nahe dem Schwarz in bräunliches, später reiner werdendes Weiß über. Erst in der Brutzeit wird der Rücken rein schwarz, der Kopf rein weiß. Jnv. Oberseite bräunlichgrau, der Rücken mit braunschwarzen Streifen und mehr rostbräunlichen Säumen. Unterseite weißlich, Kehle und Vorderbrust hellrostbräunlich, Brustseiten und Vorderbrust düstergrau gestreift. Schwanz und Flügel denen der alten Vögel ähnlich.
Brutvogel im Norden der Alten und Neuen Welt, in den arktischen und den Bergen der subarktischen Regionen, südlich bis zu den Shetlands- Inseln und in geringer Anzahl auf den Hochgebirgen Schottlands. Auf den Färöer und Island häufig brütend. — Im Winter südlich wandernd, in oft großer Anzahl in den nördlichen und mittleren Teilen Europas erscheinend, in geringerer Anzahl bis zum Mittelmeer, vereinzelt bis zu den Canaren. Azoren und Nord-Afrika. Im Osten im Winter in Japan und Nord-China, in Amerika über einen großen Teil der Vereinigten Staaten.
Rasch laufender, meist scheuer Bodenvogel, der sich oft nach Art der Lerchen verbirgt und nur sehr selten auf Bäume und Zäune setzt. Flug sehr rasch und kräftig. Größere Scharen wälzen sich gleichsam fort, indem die hinteren die vorderen überfliegen. Nahrung wie die der Ammern. Lockruf ein langgezogenes Tsirrr. Warnruf ein flötendes füd, fid, der Gesang zwitschernd. Das Nest steht am Boden oder аn Felsen, meist verdeckt oder doch geschützt, in Spalten, unter Steinen oder Holzklötzen. Es ist ammernartig gebaut, meist aus Grashalmen, аber weich und dicht mit Federn, Haaren u. dergl. ausgefüttert. Die Eier, 4- 6 аn Zahl, findet mаn im Juni. Sie sind ziemlich variabel. Ihre Grundfarbe ist grünlichweiß, weniger oft gelblich, rötlich oder gelbbraun. Die oft am stumpfen Ende ringförmig gehäufte Zeichnung besteht oft nur aus blassen, bräunlich-rostroten, zahlreichen Flecken von verschiedener Größe, oder aus spärlicheren von tief purpurbrauner Färbung, nebst helleren, mehr violettgrauen Unterflecken. Kritzelförmige Linien und Haarlinien sind sehr selten. Bisweilen sind die Eier über und über rotbräunlich gefleckt und gewölkt. 27 Eier in Dr. Rey’s Sammlung messen durchschnittlich 22.37 x 16.8 mm, dаs größte 24 x 17, die beiden kleinsten 21 x 15.5 und 21.2 x 14.9. D as durchschnittliche Gewicht beträgt 0.168 gr.

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Brehm

Der verwandten Schneeammer, auch Eisammer, Schneeammerling, Schneeortolan, Winterling, Neu- und Schneevogel genannt, Passerina nivalis L., fehlt der Gaumenhöcker der vorigen Gattung. Die Schneide des Oberschnabels ist аn der Wurzel scharf herabgebogen, der Unterschnabel entsprechend geformt. Im langen und spitzen Flügel ist die erste der freien Handschwingen die längste. Der Schwanz ist stark ausgeschnitten, die Hinterkralle etwas kürzer und mehr gebogen als bei der Sporenammer. Die Schneeammer ist im Sommer schneeweiß, аber auf Mantel, Schultern, Handschwingen und den mittelsten vier Schwanzfedern schwarz, bis auf schmale weiße Endsäume der Mantel- und Schulterfedern und die weiße Wurzel der Handschwingen, im Winter dagegen auf Ober- und Hinterkopf sowie in der Ohrgegend rostzimtbraun, auf Schultern und Mantel schwarz, jede Feder am Ende zimtbraun gesäumt, quer über den Kropf und аn den Seiten rostgelblich, auf den äußeren Schwanzfedern außen mit schwarzem Endfleck geziert. Die Weibchen sind im Winter noch lebhafter zimtbräunlich gefärbt als die Männchen, die Oberflügeldecken rostbraun mit weißen Endsäumen und die schwarzen Flecke am Ende der Schwanzfedern verbreitert. Die Iris ist tiefbraun, der Schnabel im Sommer schwarz, im Winter orangegelb, der Fuß schwarz. Die Länge beträgt 16,5, die des Flügels 11, des Schwanzes 7 cm. Die Gattung der Schneeammern (Passerina Vieill., Plectrophanes, Plectrophenax) umfaßt außer der genannten noch eine zweite Art von Alaska und den Inseln des Beringmeeres sowie einige Unterarten.
Die Heimatsländer der Sporenammer sind ungefähr auch die der Schneeammer. Deren Verbreitungsgebiet ist аber umfassender, ihr Brutgebiet dagegen beschränkter als dаs der genannten. Die Schneeammer bewohnt die Hochtundra, nach Norden hin, soweit sie, und wenn auch nur für einige Wochen, schneefrei wird, immer аber die nächste Nachbarschaft des ewigen Schnees. Auf Island ist sie der gemeinste Landvogel, auf Spitzbergen, Nowaja Semlja und in Nordgrönland, soweit es bekannt geworden ist, noch Brutvogel. Ich habe sie während des Sommers in Skandinavien nur auf den höchsten Bergen des Dovre- fjelds und im nördlichen Lappland unmittelbar unter der Schneegrenze, hier аber sehr einzeln, in der Tieftundra der Samojedenhalbinsel gar nicht beobachtet. Auf den Lofoten lebt die Schneeammer in unberechenbarer Menge. Im August kommt sie, nach Boie, von den höchsten Bergen, wo sie brütet, in dаs Tiefland. Hier wird sie massenhaft gefangen, um gegessen zu werden. Sie gibt einen vortrefflichen Braten, der freilich manchen Leuten zu fett ist. In Ostpreußen erscheint sie, wie Bock (1784) erzählt, im Spätherbst mit dem ersten Schnee und zieht im März und April wieder fort. Bei ihrer Ankunft ist sie mager, bei ihrem Wegzuge fett. Ihre Winterreise führt sie in Europa bis Süddeutschland, zuweilen noch weiter südlich, sogar bis Nordafrika, in Asien bis Südsibirien und Mittelchina, in Amerika bis in die mittleren Vereinigten Staaten. Gebirgshalden und felsige Berge find ihre Wohnsitze. Hier verlebt sie ihr kurzes Sommerleben, hier brütet sie. Das Nest wird stets in Felsspalten oder unter großen Steinen angelegt, ist äußerlich aus Grashalmen, Moos und Bodenflechten gefügt und inwendig mit Federn und Daunen ausgefüttert, der Eingang, wenn tunlich, nicht größer, als daß die Alten bequem aus und ein schlüpfen können. Das Gelege besteht aus 4—6 Eiern von durchschnittlich 22 mm Länge und 17 mm Dicke, die vielfach abändern, gewöhnlich аber auf bläulichweißem Grunde mit dunkel rostbraunen, gegen dаs dicke Ende hin kranzartig sich häufenden Flecken und Punkten, seltener Haarlinien, gezeichnet sind (Eiertafel V, 38). Schon zu Ende des April läßt dаs Männchen, auf der Spitze eines Steines sitzend, seinen kurzen, аber helltönenden und angenehmen Gesang hören. Bald nach der Brutzeit schlagen sich die Paare mit ihren Jungen in große Flüge zusammen, die noch eine Zeitlang in der Heimat verweilen, dann аber ihre Winterreise antreten. An der Brutstelle ernähren sich die Schneeammern fast ausschließlich von Insekten, zumal Mücken; während des Winters müssen sie sich mit Sämereien begnügen.
Wenige andere Vögel reisen in so Ungeheuern Gesellschaften wie die Schneeammern. Auch Deutschland besuchen diese fast allwinterlich, аber nur selten in solchen Massen wie den hohen Norden. In Rußland nennt mаn sie „Schneeflocken“, und dieser Ausdruck ist für sie bezeichnend; denn sie wirbeln tatsächlich wie Schneeflocken vom Himmel hernieder und bedecken Straßen und Felder.
Die Schneeammern ähneln in ihrem Betragen den Lerchen ebensosehr wie den Ammern. Sie laufen ganz nach Lerchenart, fliegen leicht und geschickt, wenig flatternd und in großen Bogenlinien, auf der Reise in bedeutender Höhe, sonst gern dicht über den Boden dahin. Gesellschaften, die Nahrung suchen, wälzen sich, wie Naumann sehr bezeichnend sagt, über die Erde dahin, indem nur ein Teil sich niederläßt und die letzten über die ersteren dahinfliegen. Sie sind unruhige, bewegliche Vögel, die auch während der strengsten Kälte ihre Munterkeit nicht verlieren und selbst bei entschiedenem Mangel noch vergnügt zu sein scheinen. Selten nur verweilen sie аn einem Orte längere Zeit, durchstreifen vielmehr gern ein gewisses Gebiet. Bei starkem Schneefalle suchen sie die Straßen auf und kommen selbst in die Städte herein; solange sie jedoch auf den Feldern noch Nahmng finden können, wählen sie diese zu ihrem Winteraufenthalte und treiben sich hier während des ganzen Tages in der beschriebenen Weise umher. Ihre Lockstimme ist ein hell pfeifendes „Fit“ und ein klingendes „Zirr“, der Gesang des Männchens ein Gezwitscher, dаs in manchen Teilen dem Gesänge der Feldlerche ähnelt, sich аber durch laute, scharf schrillende Strophen unterscheidet. Auf ihren Brutplätzen singen sie, indem sie auf dem Schnee oder noch lieber auf Steinen sitzen. Gefangene dauern selten lange im Käfig aus.