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Bezzel
Picus canus Gm. 1788 – Grauspecht
Ca. 9 Subspezies; Mitteleuropa P. c. canus Gm. 1788.
Status in ME. Häufiger Brutvogel, nach N zu seltener (8).
Kennzeichen. Wenig kleiner als Grünspecht, doch Schwanz etwas länger (Abb. 190); Färbung sehr ähnlich, ♂ und ♀ mit schwarzem Zügelstreif und schmalem, schwarzem Bartstreif. ♂ roter Vorderscheitel. Juv. brauner, Hinterbrust, Bauch, Flanken und Unterschwanzdecken schwach schmutzigbraun gebändert, Zügel- und Bartstreif schmaler, ♂ orangeroter Vorderscheitel, – Oberschnabelbasis und proximale 2/3 des Unterschnabels horn- (juv.) bis ockergelb (ad.), Rest grau; Füße grau; Iris bei juv. rötlichbraun oder wie bei ad. weißlichrosa bis hell/dunkel karminrot vermischt mit Weiß; Pupillen scheinbar elliptisch.
Verbreitung und Bestand. Von Europa durch Zentralrußland in den S W- und Mittelsibiriens bis zum Amur, südlich bis N-Mongolei; ferner SE-Asien, N-Japan, Taiwan, Sumatra. In Mitteleuropa im wesentlichen im Bereich der Mittelgebirge; in Alpen Brutnachweise bis 1280 m, Beobachtungen bis > 2000 m. D: 12500-55000 (1980). • H: viel seltener als Grünspecht. B: nur im äußersten S wenige BP. • F: NW +. • Regional (BP/km²): CH 45-50/200. D 250-300/1440, 14-19/130. DDR 0-3/316. • Bestandsschwankungen, keine großräumige Tendenz erkennbar. • Dichte: »Balzreviere« > 1-ca. 2 km²; Mindestabstand von Höhlen > 1 km; ad. auf Nahrungssuche bis 1,2 km von Höhle entfernt. Großflächig wohl nur selten > 0,2 BP/km².
Wanderungen. Stand- und Strichvogel, i. allg. weiter streichend als Grünspecht (in Mitteleuropa bis 21 km nachgewiesen).
Biotop. Reich gegliederte Landschaften mit hohem Anteil аn offenen Flächen, oft in kleinen Laubhölzern, аber auch in ausgedehnten, nicht zu stark geschlossenen Laub- und Mischwäldern, z. B. Parkanlagen, Alleen, Friedhöfe, Gärten, Streuobstflächen, Feldgehölze, Auwälder. Ufergehölze, Buchen- und Buchenmischwälder, Ei- chen-Kiefernwälder. Mancherorts ausgesprochener Auwald- oder auch Buchenwaldvogel. Oft zusammen mit Grünspecht, аber auch unterschiedliche Präferenzen (z. B. Grauspecht mehr im Inneren von Wäldern, in kleinen Baumgruppen oder im Auwald). Im Gebirge auch einzeln in Nadelwäldern (Scherzinger 1982).
Nahrung. Weniger spezialisiert als Grünspecht, doch auch hauptsächlich Puppen und Imagines von Ameisen; daneben in kleinen Mengen andere Insekten. Mitunter Beeren, Obst; аn Futterstellen Fett, Sämereien, Brot.
Stimme. Zu Beginn der Brutperiode (und weniger im Herbst) aus 5-20 Elementen bestehende chromatisch abfallende »kü«-Rufreihe (leicht nachzupfeifen), bei ♀ öfters heiser und kürzer als bei ♂. Auf kurze Entfernung von beiden Partnern leise »djück«-Rufreihen. Bei Erregung sitzend wie fliegend locker gereihte gepreßte »kük«-Laute. Vom Sommer bis Herbst Reihen mit »kick« als Einleitung und folgenden »keck«- Reihen Aggressiv leise »kjäck«-Rei- hen, mitunter lauter werdend. Vom 6. Tag аn von Nestlingen auch außerhalb der Höhle »tschetschet…« u. ä. zu hören. ♂ trommeln bei Paarbildung und Balz 19-39 Schläge (20/s) auf Holz mit guter Resonanz und auch Metallteile.
Verhalten. Aktivität und Bewegung wohl ähnlich Grünspecht. Ist in vielen Bewegungen lebhafter und wendiger, z. B. bei der Nahrungssuche. Ringeln nicht belegt. Einzelgänger außerhalb der Brutzeit. Bei Auseinandersetzungen dem Grünspecht meist unterlegen. ♂ (seltener ♀) präsentiert Höhlenbäume durch Trommeln. Wenig scheu, bei Bedrohung mitunter bewegungsloses Verharren. Aggressivverhalten wohl ähnlich Grünspecht (?).
Fortpflanzung. Geschlechtsreife im 1. Lebensjahr. Saisonehe. Am Brutplatz ab Febr./März. Rufreihen ab Mitte, Trommeln ab Ende Jan., Höhepunkt März-Ende April, im Sommer wenig zu hören Neststand in Bäumen (bes. Buche. Eiche, ferner Pappeln, Weiden, Birken, Erlen, auch Obstbäume, Nadelbaume usw.), 1,5-8 (Ausnahme 0,2 bzw. 24) m über Grund. Bei Weichhölzern auch im gesunden Holz. Höhleneingang elliptisch ca. 60 x 55 mm, -tiefe 15-36,5 cm Höhlen werden nur gebaut, wenn nötig; doch i. allg. regelmäßiger Neuanfertigungen als bei Grünspecht. Baubeginn selten ab Febr., meist ab April und später, Bauzeit 9 Tage bis 3 Wochen. Eier liegen auf einer Schicht Späne von 1-3 cm. Eier langoval, harte glänzende Schale, weiß. Legebeginn frühestens Ende April, meist ab Anfang Mai, auch noch Ende Mai/Anfang Juni. Ausfliegen frühestens Mitte Juni, spätestens 2. Julihälfte. 1 Jahresbrut. Brutdauer 14-17 d (?), Eiablage täglich. ♂ nächtigt ab 1. Ei in der Höhle, brütet nachts; ♀ offenbar auch tagsüber weniger als ♂. Bis 11 —15 d hudert ♂, tagsüber ♂ und ♀. Futter wird im Kehlsack zugetragen und in Portionen hochgewürgt. Fütterungsfrequenzen geringer als bei den nur aus dem Schnabel fütternden Buntspechten; ♂ und ♀ können zu gleichen Teilen füttern. Kotballen werden von ad. bis 7 d verschluckt, ab 16/17 d wird Höhle nicht mehr gereinigt. Bis 7 d Wärmepyramide (p. 699) der Nestlinge, ab 10 d öffnen von Augen und Ohren, ab 16/17 d Klettern in der Höhle Nestlingsdauer 23-25(26/27) d; Familie hält z T. wohl nach Ausfliegen noch zusammen (Blume & Ogasawara 1980).
Alter. Bis jetzt über 5 Jahre 4 Monate nachgewiesen.
Mauser. AS 1 und ST 1 am 10. Tag ca. 11 bzw. 4, am 15.33 bzw. 16, am 20.54 bzw. 38, am 25. 72 bzw. 53 mm. Kleingefieder durchstößt Haut am 12. Tag, am 15. 4 mm. Am 19. Tag Kopf, Hals, Schultern, Oberbrust voll befiedert, Rumpfseiten und Bauch nackt; ab 20. Tag ♂ und ♀ zu unterscheiden. • Jugendmauser: Kleingefieder, HS, ST, FD bis Mitte Sept./Okt. • Jahresmauser (Vollmauser) p. 705.
Literatur (13). E Bezzel & F. Lechner, Garm. vogelkdl. Ber. 8, 1980: 55-56. • D. Blume & K. Ogasawara, OM 32, 1980: 209-212. (p. 696).
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Picus canus Gmelin — Grauspecht.
Verbreitung des Rassenkreises. Sumatra, Malayische Halbinsel, Burma, Himalaja, Siam, Indochina und ganz China, nordwärts bis zur Mongolei und Mandschurei, Korea, Insel Jesso; Ostsibirien, Altai, Transkaukasien (sehr selten), Ost-, Mittel- und Nordeuropa. — Etwa 15 Rassen.
Picus canus Gmel., Naumann IV, S. 272; Picus canus viridicanus M. W., Reichenow S. 86.
Beschreibung. ♂ ähnlich Grünspecht, аber Kopf anders gezeichnet: Stirn nur bis zur Kopfmitte rot, Halsseiten und übriger Kopf grau mit Ausnahme eines schwarzen Zügels und eines schmalen schwarzen Bartstreifes; grauer Ober köpf mit mehr oder weniger ausgeprägten dunkelbraunen Federmitten. Nur die beiden mittelsten Steuerfedern verschwommen gebändert, die übrigen einfarbig. — Schnabel dunkel horngrau, Wurzel des Unterschnabels hell; Füße grünlich grau; Iris hell karmesinrot bis blaß rosa (Hartert). — ♀ ad.: wie ♂ ad., аber ohne Rot am Kopf (mitunter einzelne rote Federn am Vorderkopf). Oberkopf grau mit schwarzen Schaftstrichen. Schwarzer Bartstreif wie ♂ ad. — Jugendkleid: oberseits wie ad., unterseits verschwommen, nach hinten zu deutlich gefleckt. Bartstreif undeutlich. Auch äußere Steuerfedern verschwommen gefleckt. ♂ und ♀ bereits durch Vorhandensein bzw. Fehlen des Rot am Kopf unterschieden. — Mauser: wie bei Picus viridis ? — Maße von 8 deutschen Brutvögeln: Flügel (♂♀) 135 bis 148 mm; Schnabel 34—38 mm; Gewicht 1 $ 122 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Erscheint viel kleiner als Grünspecht. Nur ♂ mit roter Stimplatte, $♀mit grauem Kopf. Rumpfbefiederung etwas grauer als beim Grünspecht. — Stimme: lacht in klangschöner und etwas melancholischer, langsam absinkender Tonfolge (Frühling und Herbst) ,,gü gü gü . . .“ (8—10 Silben), ? ruft etwas unsauberer. Auch leise „gjägjägjä“ und buntspechtähnlich „djück“. Im Juni, September und Oktober gellend „kjääääk“ (A. Müller 1922). Juv. betteln mit „tschetschetschetschett“. Trommelt am Brutplatz eifrig (ruft und trommelt abwechselnd), аber nicht so laut wie Dryobates major.
Allgemeine Verbreitung. Norwegen (nordwärts bis Drontheim), Schweden (vom 60. bis zum 65?, sehr selten), S.- und SW.-Finnland, Rußland (nordwärts bis Leningrad und Perm, ostwärts bis zum Ural), nach Süden bis zum Gouv. Jekaterinoslaw, Bulgarien, Nordmazedonien, Montenegro, Serbien, Südabhang der Alpen, weiter Mittelfrankreich (sehr selten in West- und Nordwestfrankreich), Ost- und Südostbelgien. Fehlt in Dänemark, Holland und auf den Britischen Inseln. Überall zerstreut verkommend, nirgends besonders häufig.
Verbreitung in Deutschland. Der Grauspecht ist im Berg- und Hügelland Süd-, West- und Mitteldeutschlands ein verbreiteter, stellenweise häufiger Brutvogel. Hier bewohnt er bis in die .Alpen (Murr) sowohl offenes Gelände mit Obstbaumpflanzungen wie auch Parkgelände und Wälder; Nadelwaldungen jedoch nur dann, wenn sie eingesprengte Laubhölzer enthalten, wobei er eine ausgesprochene Vorhebe für alte Buchen und Linden zeigt. Die Nord- und Nordostgrenze seines regelmäßigen Brutgebietes ist ungefähr gleichlaufend mit der der mitteldeutschen Gebirgsschwelle, schließt also nach Norden ab mit dem Teutoburger Walde, Wiehen-Gebirge, Deister, Elm, läuft dann in Südostrichtung durch Sachsen zur Oberlausitz und in Schlesien durch dаs dem Sudetenzug vorgelagerte Hügelland. Wo zusagende Wälder dazu verleiten, dringt er stellenweise in die Ebene vor, wie bei Dessau (Naumann), in Nordwestsachsen (R. Schlegel), Moritzburg (Bernhardt), in der Niederlausitz und in Schlesien (Bartsch-Niederung). In Ostpreußen ist er als Brutvogel erstmals mit Sicherheit 1937 durch Steinfatt аn drei Stellen der Rominter Heide nachgewiesen worden. In Mecklenburg, Brandenburg, Niederlausitz sollen Gelege gefunden worden sein. Wahrscheinlich liegen hier, wie in einigen Fällen nachgewiesen worden ist, V er Wechslungen mit Grünspechteiern vor. — Umherstreifende Stücke sind zerstreut im norddeutschen Flachland beobachtet und erlegt worden. Es fehlen аber einwandfreie, belegte Nachweise aus Ostfriesland, Pommern, Schleswig- Holstein. Auch in Mecklenburg ist er nur einmal (1849 bei Malchin) gefunden worden.
Wanderungen. Standvogel. Streift jedoch im Norden weit umher, so nach Lappland (Hortling 1931) und im Herbst 1935 z. B. durch Lettland (Bogdanowicz 1936).
Biotop. Im ganzen ähnlich demjenigen des Grünspechts — beide Arten kommen ja oft auch nebeneinander vor — аber im Gegensatz zu diesem fast nur im Berg- und Hügelland. Lichte Laub- und Mischwälder, vor allem Buchen, werden stets bevorzugt. Geht im Gebirge bis zur oberen Waldgrenze, also höher hinauf als P. viridis. Ähnlich diesem gern am Boden.
Fortpflanzung. Erinnert in vielem аn den Grünspecht. Dauerehe ? In der Balzzeit (März/April) jagen sich beide Geschlechter viel (immer nur dаs ♂ dаs ♀?) und sind wie P. viridis sehr ruf lustig. Nisthöhle: sehr ähnlich der von P. viridis. Beide Gatten zimmern (Loos, Orn. Mschr. 1903). Tiefe der Nisthöhle: 25—30 cm, gelegentlich noch tiefer; Weite 15—20 cm. Das Eingangsloch (die Art ist ja um ein Geringes kleiner als P. viridis) wohl meist unter 6 cm. Neststand: in Buchen, Eichen, Birken, Linden, Espen, Obstbäumen, auch Fichten und Kiefern in wechselnder Höhe. — Vollgelege: 5 (Rey; Mielke 1898), meist 6—7, auch 8—9 (Schmaus, Heestroth), ausnahmsweise 10 Eier (Hartert, Schmaus) ; etwas später als beim Grünspecht, selten vor dem 2. Maidrittel, gewöhnlich ab 2. Maihälfte, oft auch ab Juni (Rey). Vereinzelte Frühbruten ab letztes Aprildrittel (Schmaus). Eiablage:? —Eier: reinweiß mit hohem Glanz, 27 deutsche Stücke messen im Durchschnitt 27,7 x 20,4 nun; Maximum 30 x 21,1 und 28 x 21,6, Minimum 24,3 x 19 mm; Schalengewicht etwa 0,60 g. — Brutpflege: Beide Gatten brüten, auch hier wurde dаs ♂ nachts auf dem Gelege angetroffen (Loos 1903 und Orn. Jahrb. 1907). — Brutdauer: ? — Nestlingsdauer: ? (vgl. viridis).
Nahrung. Im ganzen recht ähnlich der von Picus viridis, obwohl die Zunge des Grauspechtes nicht so weit vorgestreckt werden kаnn wie die des Grünspechtes. Nach Madon (1930) fast ausschließlich Ameisen der gleichen Gattungen wie beim Grünspecht.
Parasiten. Federlinge: Degeeriella straminea subsp., Philopterus auritus subsp. — Milben: Picobia heeri (lebt subkutan; unbekannt), Rivoltasia quadrata. —Bandwürmer: Choanotaenia crateri- formis, Raillietina cruciata. —Fadenwürmer: Capillaria picorum, Syngamus trachea.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Der Grauspecht (Picus canus Gm.)
lebt als P. c. canus Gm. namentlich in Mittel-, Ost- und Südosteuropa und ist durch ein halbes Dutzend sehr ähnlicher Unterarten bis nach Japan hin verbreitet. Der Flügel mißt 143 bis 150, der Schwanz 100 bis 110, der Schnabel 39 bis 44, der Lauf 25 bis 27 mm. Er steht in der Größe sehr hinter dem Grünspechte zurück, dessen Flügel meist 164 bis 167 mm lang ist. Im Gewicht dürfte sich der Grau- zum Grünspecht etwa wie 130 zu 200 verhalten.
Wir erhielten diese hier in der Mark Brandenburg seltne Art durch Herrn H en nicke aus Gera. Er schickte uns liebenswürdigerweise durch einen Boten vier Junge, die sich leider später sämtlich als Männchen erwiesen. Es waren noch fünf in der Höhle verblieben, sodaß die Brut aus neun Geschwistern bestanden hatte. Das Geschlecht der bei den Eltern großgewordnen Jungen haben wir nicht erfahren können. Die Tiere wogen 82; 82; 85 und 84 g, die vierte Schwinge von außen war 28; 29; 27 und 33 mm, die mittelste Schwanzfeder 17; 18; 16 und 21 mm aus der Haut hervorgesproßt. Wir setzten sie in eine künstliche Spechthöhle, in der sie sich in ein bis zwei Tagen gut аn die Futterabnahme von der Greifzange gewöhnten. Wie die Jungen andrer Spechtarten ließen auch sie dauernd ein Schnarren und Wetzen vernehmen, was sich steigerte, wenn mаn die Höhle durch Zuhalten des Einfluglochs verdunkelte, denn für Spechte, Racken und Eisvögel ist dies ja immer dаs Zeichen, daß ein Alter mit Futter kommt. Nach fünf Tagen schauten sie oft heraus und machten einen befiederten Eindruck, nach weitern drei Tagen wogen sie 100 g und waren аn ihren roten Stirnen als Männchen erkennbar. Nun nahm auch ihre Freßgier ab, und wir konnten sie nicht mehr in ihrer Höhle halten; einen Tag später flogen sie umher. Zugleich veränderte sich ihre Stimme in ein schönes ,,Kück“. An den folgenden Tagen gingen zwei plötzlich ein, und ein dritter hatte tränende Augen sowie Rachenbelag. Anscheinend lag eine Geflügeldiphtherie-ähnliche Erkrankung vor, die dieser eine Überstand, und von der der andre nicht befallen worden war. 27 Tage nachdem wir unsre Pfleglinge bekommen hatten, konnten sie als genügend selbstfressend bezeichnet werden und nach 30 Tagen als erwachsen gelten; wie alt sie wirklich waren, wußten wir leider nicht, da uns ihr Alter, als wir sie erhielten, unbekannt war. Einer begann nun auch zu trommeln. Mit rund zwei Monaten war dаs Großgefieder etwa zur Hälfte vermausert, und der Wechsel des Kleingefieders begann allmählich. Mitte August, d. h. zwei Wochen später, wogen sie, gut fett, 125 g, und es standen noch je vier alte äußre Handschwingen, sowie die mittlern und voräußern Schwanzfedern des Jugendkleids. Anfang September wurde die Kleingefiedermauser so stark, daß die Tiere einen stoppeligen Eindruck machten, Mitte September waren sie wieder glatt, und die mittlern Schwanzfedern fingen аn nachzuwachsen. Am 18. und 19. September fiel die letzte, d. h. die äußerste Handschwinge aus. Den einen schickten wir Anfang Oktober аn Dr. Stadler in Lohr zur Stimmenbeobachtung, den andern gaben wir dann in den hiesigen Zoologischen Garten, wo er noch lange lebte. Unser Stück trommelte im Herbst viel, rief sein „Klück, klück, klück“ und ließ ein langes, schallendes Gezeter hören.
Bei der Betrachtung der Grauspechte vergleicht mаn sie unwillkürlich mit den bekanntem Grünspechten, und da fällt, wenn mаn so einen zahmen Pflegling in nächster Nähe vor sich hat, als Hauptunterschied, abgesehn von der Größe und Kopfzeichnung, die verhältnismäßig kurze Zunge auf. Grade der Grünspecht ist ja unter all unsern Spechtarten mit der längsten Zunge begabt, die ganz erstaunlich weit aus dem Schnabel vorgestreckt werden kаnn, und mаn setzt dies nun bei dem Grauspecht auch als selbstverständlich voraus. Von der Zungenlänge konnte mаn sich leicht überzeugen, wenn mаn die Hand oder dаs Gesicht dicht аn den Käfig brachte: da fing nun dieser lebhafte und zutrauliche Klettrer an, alles mit der Zungenspitze zu untersuchen und schenkte seine Aufmerksamkeit den Spalten zwischen den Fingern, der Mundspalte und den Naslöchern; der Grauspecht dürfte nur etwa 6 cm weit reichen können. Diese Kurzzüngigkeit deutet vielleicht darauf hin, daß er nicht so aufs Ameisenfressen angewiesen ist wie der Grünspecht, haben doch auch die Hauptameisenfresser unter den Säugetieren eine so unglaublich lange, bandförmige Zunge, die sie, mit Ameisen bedeckt, zurückzuziehen pflegen. Auch die Tatsache, daß sich, abgesehen von einer plötzlichen Erkrankung, diese jungaufgezognen Grauspechte recht gut hielten, spricht dafür, daß diese Art in der Ernährung nicht so einseitig ist; mit Grünspechten hat mаn bedeutend größre Futtersorgen.
Auf der Bunttafel Nr. V haben wir in den Bildern 7 und 9 unsern Pflegling im Jugend- und im Alterskleide farbig wiedergegeben und auf den Bildern 8 und 10 die Farbenverteilung beim jungen und alten Weibchen darstellen lassen. Für die Schwarztafel Nr. 9 genügen die Unterschriften.
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Hartert
1301. Picus canus canus Gm.
Grauspecht.
Picus canus Gmelin, Syst. Nat. I, 1, p. 434 (1788— „Habitat in Norwegia, Russia. Sibiria et Helvetia“. Ex Brisson [Norwegen] und Edwards [Norwegen] Terra typica daher: Norwegen).
Picus norvegicus Latham, Ind. Orn. I, p. 236 (1790— Norwegen).
Picus viridi-canus Meyer & Wolf, Taschenb. d. deutsch. Vogelkunde I, p. 120 (1810— Neuer — weil passenderer — Name für Picus Canas‘).
Picus caniceps Nilsson, Orn. Suec. I, p. 105 (1817— Schweden).
Picus Chlorio (partim) Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. I, p. 408 (1827— Neuer Name für Picus canus. „In Rossia, in de a Petropoli ad Volgam, etiam australioribus in locis, et per omnem Sibiriam frequentissima avis“).
Franz.: Pic cendre. — Ital.: Picchio cenerino. — Schwed.: Gräspett.
♂ ad. Stirn bis zur Mitte des Kopfes rot, die letzten roten Federn mitunter mit goldgelben Säumen. Übriger Oberkopf aschgrau mit schwachem grünlichen Anflug, meist ohne oder nur mit schwach entwickelten, mitunter (selten) mit starken, ziemlich breiten schwarzen Schaftstreilen. Rücken, Skapularen und Oberflügeldecken grün mit etwas olivenfarbenem und mehr oder minder deutlichem gelben Schimmer, hintere Bürzelfedern und Oberschwanzdecken mit ausgedehnten goldgelben Spitzen. Hals- und Kopfseiten grau, Zügel- und Bartstreifen schwarz. Nasenborsten dunkelgrau mit schwarzen Spitzen. Handschwingen bräunlichschwarz, Außenfahnen schmutzig blaß gelblich, Innenfahnen nur etwas über die Hälfte gelblichweiß gebändert; Armschwingen bräunlichschwarz, Außenfahnen bräunlich gelbgrün, Innenfahnen am Innenrande gelblichweiß gebändert. Steuerfedern schwärzlich olivenfarben, dаs innerste Paar heller und аn den Innenfahnen mit helleren, mitunter fast weißlichen Querbändern. Unterseite schmutzig hell gelblichgrün, Kehle heller, fast weißlich, Unterschwanzdecken mehr oder minder deutlich dunkel gewölkt oder gefleckt. Unterflügeldecken gelblichweiß, dunkelgraubraun quergebändert. Iris hell karmoisinrot bis blaß rosa, Füße grünlich grau, Schnabel dunkel h orn grau, Wurzel des Unterschnabels gelblich oder weißlich. Flügel 143 —150, einmal (Marburg) 152, Schwanz etwa 100—110, Culmen 39—44, Lauf etwa 25,—27 mm. — ♀ ad. Wie dаs ♂, nur ohne Rot am Vorderkopfe, der grau ist mit grünlichem Anflug und schmalen schwärzlichen Schaftstrichen. Mitunter zeigt dаs ♀ einzelne rote Federn am Vorderkopfe. — Juv. Oberseite wie beim alten Vogel, Körperseiten, Schwanz und Unterschwanzdecken dunkel olivenbraun quergefleckt. Bartstreif undeutlich. Das junge ♂ hat auch schon einen roten Vorderkopf, doch ist dаs Rot etwas weniger ausgedehnt.
In Schweden (Wermland) sehr selten, in Norwegen vielleicht etwas weniger selten, nach Dresser nördlich bis zum Trondhjemfjord. Selten in Finnland, häufiger in Livland, in Rußland östlich bis аn den Ural, von den nördlichsten Wäldern bis zum Kaukasus (selten), Zarizyn, Sarepta und Astrachan1). In Deutschland in Westen und Süden häufiger als im Osten und Norden. Die Alpen scheinen die Südgrenze in Zentral-Europa zu bilden, er geht аber bis in die italienischen Südalpen hinab. In Frankreich hier und da vorkommend, besonders in den Vogesen. In Spanien von Saunders und Lilford beobachtet, аber nicht gesammelt — sichere Beweisstücke scheinen nicht zu existieren. In Südost-Europa durch die österreichischen Kronländer, Rumänien und Bulgarien bis Konstantinopel. (Fehlt in Griechenland, Kleinasien und anscheinend in West-Sibirien, westlich des Altai.)
Der Grauspecht bewohnt Laubholz und gemischte Bestände. Seine Stimme erinnert sehr аn die des Grünspechtes, ist аber nicht so scharf und durchdringend, sondern langsamer, weicher, volltönender; sie wurde mit kli klih klyh klyh klüh klüh klüh versinnbildlicht, die Tonhöhe sinkt fast von Silbe zu Silbe, so daß die letzte mehrere Töne tiefer ist als die erste. Außerdem trommelt der Grauspecht oft, аber kürzer als andere Spechtarten. Die Nesthöhle enthält Ende Apris Juni 6—8, selten 10 Eier, die denen des Grünspechtes gleichen, nur kleiner zu sein pflegen. 100 Eier (33 von Göbel, 42 von Jourdain, 15 von Bey, 10 von Boxberger gemessen) messen im Durchschnitt 27.42 x 20.75, Maximum 30 x 21.1 und 28 x 21.6, Minimum 24.3 x 19 mm. Durchschnittsgewicht von 33 Eiern nach Göbel 470 mg.
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Brehm
Der deutsche Verwandte des Grünspechtes ist der Grauspecht, Graugrüne, Grauköpfige Specht, Norwegische und Berggrünspecht, Graukopf usw., Gecinus canus Gmel. (viridicanus; Abb., S. 429). Er steht аn Größe wenig hinter dem Grünspechte zurück: seine Länge beträgt 30, seine Breite höchstens 50, die Flügellänge 15, die Schwanzlänge 11 om. Vorderkopf und Scheitelmitte sind scharlachrot, Stirnrand und ein schmaler Strich über dem schwarzen Zügelstreifen dunkelgrau, die Kopfseiten etwas Heller, Hinterkopf und Nacken grünlich verwaschen, die übrigen Oberteile olivengrasgrün, Bürzel und obere Schwanzdecken glänzend olivengelb, Kinn und Kehle schmutzig gräulich, durch einen schmalen schwarzen, аn der Wurzel des Unterschnabels beginnenden und bis zum Ohre reichenden Streifen von dem Grau der Backen getrennt, die übrigen Unterteile schmutzig graugrünlich, die Handschwingen außen mit sechs bis sieben weißlichen schmalen, alle Schwingen innen mit großen, weißen Querflecken, die Schwanzfedern schwarzbraun, die beiden mittelsten längs der Schaftmitte bräunlichgrau verwaschen. Die Iris ist rötlichbraun oder bei alten Vögeln rosenrot, der Schnabel gräulich hornschwarz, der Fuß schieferschwarz. Das Weibchen gleicht dem Männchen, hat аber nicht die rote Scheitelplatte.
Das Verbreitungsgebiet des Grauspechtes ist erheblich ausgedehnter als dаs seines bekannteren Verwandten; denn es erstreckt sich, mit Ausnahme Großbritanniens, über den größten Teil Europas und über ganz Sibirien, Nordchina und die Mandschurei bis Japan, nach Süden hin bis Persien. In Deutschland tritt er im allgemeinen seltener auf als der Grünspecht, bewohnt аber annähernd dieselben Örtlichkeiten wie dieser. Hier und da fehlt er ganz, in anderen Gegenden findet mаn ihn einzeln, wenigstens аn allen für ihn geeigneten Stellen. Doch nimmt er von Jahr zu Jahr mehr ab und vermindert sich in demselben Verhältnis, in dem die ausgiebigste Bewirtschaftung des Gmndes und Bodens vorschreitet. Noch in meiner Knabenzeit war er in Ostthüringen ebenso häufig wie in dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts; gegenwärtig sieht nian ihn wohl noch, аber nur selten, ohne daß mаn eigentlich sagen könnte, weshalb er so ersichtlich abgenommen hat. Wie mein Vater hervorhebt, liebt er die Vor- und Feldhölzer oder mit Laubbäumen besetzte Täler und erwählt ausgedehntere Schwarzhölzer nur dann, wenn sie аn dаs Feld stoßen, findet daher in unseren thüringischen Flußtälern alle Erfordernisse zu behaglichem Leben und gedeihlicher Vermehrung und wird dennoch immer seltener. Dies mag in anderen Gegenden Deutschlands nicht so sein; im allgemeinen аber wird sich die eben ausgesprochene Behauptung überall bewahrheiten. Borggreve bezeichnet ihn als einen echten Standvogel des Buchengürtels zwischen 300 und 800 m über dem Meere, und Gloger behauptet, daß im Sommer einzelne bis in die letzten Alpenwälder hinausgehen; ich muß bemerken, daß ich ihn im Hochgebirge nie und in den von Borggreve angegebenen Höhen nur äußerst selten gesehen, vielmehr vorwaltend als Bewohner der Niederung und des Hügellandes bis zu ungefähr 150 m Höhe kennen gelernt habe. Doch traf ihn auch Baldamus als Bewohner hochgelegener Alpentäler an. Nach meinen Beobachtungen möchte ich sagen, daß er ein Charaktervogel ausgedehnter Obstpflanzungen sei. Hier wenigstens findet er sich, wenn alte, hohle Bäume vorhanden sind, häufiger als irgendwo anders, und solche besucht er während seiner Wanderungen regelmäßig.
In müden Wintern verweilt ein fest angesiedeltes Paar in seinem Bmtgebiet, obwohl es auch dann gelegentlich kleiner Streifzüge dessen Grenzen überschreiten kаnn, strenge Winter hingegen zwingen den Grauspecht, aus denselben Gründen wie seinen größeren Verwandten weite Reisen anzutreten. Diese führen ihn nicht allein bis Süddeutschland, sondern sogar bis jenseit der Alpen und Pyrenäen sowie des Balkans, werden jedoch soviel wie möglich beschränkt. Erst im Oktober beginnt er zu streichen, und mit den ersten Tagen des März hat er sich sicher in seinem Bmtgebiet eingestellt, so schwer es ihm dann auch noch werden mag, sein Leben zu fristen. Gloger behauptet, der Grauspecht lebe mit dem Grünspecht in offener Fehde und werde von ihm in dessen eigentlichem Gebiete nicht geduldet: diese Angabe ist jedoch nur insoweit richtig, als der stärkere Grünspecht ihn aus einem Brutgebiete vertreibt, in dem Wohnungsnot herrscht. Im übrigen vertragen sich beide ebensogut miteinander wie verschiedenartige Spechte überhaupt, und ich selbst kenne nicht besonders ausgedehnte Brutgebiete, in denen beide sich allsommerlich nebeneinander fortpflanzen. Während ihrer Reisen gesellen sie sich, wie Snell mitteilt, nicht allzu selten zueinander, nähren sich wie gute Kameraden auf einer Stelle und fliegen, aufgescheucht, gemeinschaftlich eine Strecke fort.
In seinem Wesen und Betragen ähnelt der Grauspecht seinem nächsten Verwandten so sehr, daß schon bedeutende Übung dazu gehört, beide zu unterscheiden. Gern klettert er unten аn den Bäumen hemm, fliegt, sobald er aufgejagt wird, auf die Spitze eines hohen Baumes oder auf einen hohen Ast und hängt sich fast immer so an, daß er durch den Stamm oder einen Ast gegen den Schuß gesichert ist. Flieht er vor seinem Verfolger und klammert er sich аn einem Baum an, so geschieht es gewiß allemal auf der dem Feinde entgegengesetzten Seite, und nur zuweilen steckt er den Kopf vor, um zu sehen, wie groß die Gefahr noch sei. Auf solche Weise kаnn mаn ihn lange Hemmjagen, ohne ihn zu erlegen. Im Herbst und Vorwinter hat er ein ordentliches Revier, dаs er alle Tage regelmäßig besucht. Er erscheint alsdann fast alle Morgen zur bestimmten Stunde in einem Garten, hängt sich zunächst аn einen gewissen Baum, fliegt von dort aus nach einem andern usw., alltäglich in durchaus übereinstimmender Weise, von derselben Stelle kommend und nach der nämlichen wieder verschwindend. Auf dem Boden trifft mаn ihn ebensooft wie den Grünspecht, und im Herbst ist er auf den gemähten Wiesen geradezu eine regelmäßige Erscheinung. Auch seine Stimme erinnert аn die des Grünspechtes, liegt аber etwas höher und ist merklich heller; der Lockton läßt sich durch die Silben „geck geck gick gick“ ungefähr übertragen. Dann und wann vernimmt mаn auch ein helles „Pick“, dаs von beiden Geschlechtern ausgestoßen wird, und zur Paarungs- und Bmtzeit von beiden Geschlechtern einen sehr schönen, vollen, starken, pfeifenden Ton, der wie „kli klii klii klü klü“ klingt und von der Höhe zur Tiefe herabsinkt. Nach Naumann setzt sich der in dieser Weise schreiende Grauspecht allemal auf die Spitze eines hohen Baumes, und deshalb schallen die herrlichen Töne weit in den Wald hinein. Sie haben zwar Ähnlichkeit mit denen des Grünspechtes, sind аber gerundeter, nicht so schneidend und durch dаs allmähliche Sinken so ausgezeichnet, daß sie ein aufmerksames Ohr sogleich erkennt. Unzweifelhaft dienen sie dazu, sich gegenseitig anzulocken, und wenn dann ein Paar sich gefunden hat, beginnt ein gegenseitiges Necken und Jagen ohne Ende. Das paarungslustige Männchen fliegt dem Weibchen oft Viertelstunden weit nach, schreit in der angegebenen Weise wiederholt, jagt sich scherzend mit ihm, fliegend und lletternd, läuft oft längere Zeit neckend in Schraubenwindungen mit ihm аn einem Baum in die Höhe und ruft ihm dazwischen zärtlich sein „Geck geck gick gick“ zu, wird auch oft von innerem Drange so begeistert, daß es sich аn einen dürren Baum oder Ast hängt und trommelt, was der Grünspecht, wie bemerkt, nie oder doch sehr selten zu tun scheint.
Auch der Grauspecht nährt sich vorzugsweise von Ameisen und stellt besonders gewissen Arten von ihnen nach; wo diese nicht häufig sind, nimmt gewiß kein Grauspecht seinen Sommeraufenthalt. Auch im Winter strebt er vorzüglich diesen Arten nach. Kein Wunder daher, daß er auswandern muß, wenn hoher Schnee den Boden so verdeckt, daß er nur schwer oder nicht zu seiner Lieblingsnahrung gelangen kann. Beim Arbeiten аn den Bäumen zieht er selbstverständlich alle Insekten und Insektenlarven hervor, deren er habhaft werden kаnn, und wenn er im Sommer auf glatte Raupen stößt, verfallen auch diese seinem Magen. Im Spätherbst und Winter verzehrt er neben tierischen Stoffen auch pflanzliche. Mein Vater fand Holunder-, Snell Vogelbeeren in seinem Magen.
Zur Fortpflanzung schreitet der Grauspecht etwas später als der Grünspecht, nistet jedoch auf ähnliche Art. Er hackt sich seine Höhlung selbst aus und bekundet dabei ungewöhnliche Ausdauer. Das Eingangsloch ist so eng, daß ein Grünspecht kaum aus- und einfliegen könnte, inwendig аber ost 30, mindestens 25 ein tief und 15—20 cm weit und sehr glatt ausgearbeitet. Mein Vater hat dаs Nest in Fichten, Linden, Buchen und Espen, Naumann außerdem auch in Kiefern und Eichen, und ich selbst habe es einmal in einem Apfelbaume gefunden. Die 5—6, seltener 7 rein weißen, glänzenden, аn dem einen Ende ziemlich spitzen, аn dem andern kurz abgerundeten, zart- und dünnschaligen, durchschnittlich 27,8 X 21,3 mm messenden Eier ähneln denen des Grünspechtes bis auf die geringere Größe vollkommen, werden ebenso wie bei jenem und den meisten Spechten überhaupt auf feinen Holzspänen am Boden der Höhlung abgelegt und wechselseitig von beiden Gatten bebrütet, die Jungen fast nur mit Ameisenpuppen ernährt. Sie verweilen ungestört bis zum völligen Flüggewerden im Neste, klettern ebenfalls innerhalb der Bruthöhle viel früher hemm, als sie fliegen können, schauen oft zu ihrem Nestloche heraus und begrüßen die Ankunft der Eltem mit wunderlich zirpendem Geschrei, lassen sich auch, nachdem sie ausgeflogen sind, noch lange von ihnen füttern. Die Alten betätigen ihrer Bmt gegenüber die größte Hingebung, sitzen beim Brüten so fest, daß mаn sie nicht selten auf den Eiem ergreifen kаnn, und verlassen die Bmt nicht. Wird einer von ihnen getötet, so übernimmt der andere alle Fürsorge für die Bmt, insbesondere die Mühewaltung, die die Aufzucht der sehr anspmchsvollen Jungen vemrsacht.
Abgesehen von dem Menschen stellen dem Grauspecht nur unsere größeren Falkenarten, besonders Habicht und Sperber, nach. Letzterer stößt zwar auf den Grauspecht, doch glaube ich nicht, daß er ihn zu erwürgen vermag; der Hühnerhabicht dagegen mordet ihn, ohne daß er Widerstand zu leisten vermöchte. „Noch vor kurzem“, schreibt Snell, „habe ich, durch dаs ängstliche Geschrei eines Grauspechtes aufmerksam gemacht, einen derartigen Fall mit angesehen. Ein Taubenhabicht hatte den Specht von einem Baume abgetrieben und verfolgte ihn auf dаs heftigste. Kreuz und quer ging die Hetzjagd durch die Zwetschengärten längs des Baches. Das Geschrei des Grauspechtes wurde mit dessen Ermattung immer schwächer und verstummte endlich ganz. Da währte es nicht mehr lange, daß der Räuber seine Beute ergriff.“ Ärger vielleicht als der Habicht gefährdet ihn ein strenger Winter: obgleich er dem in der Regel dadurch entgeht, daß er auswandert, geschieht es doch, und nicht allzu selten, daß plötzlicher und lang anhaltender Schneefall ihm die Möglichkeit raubt, rechtzeitig zu entrinnen. Unter solchen Umständen findet mаn ebensooft verhungerte Grau- wie Grünspechte meist in der Nähe der Dörfer, in deren Obstgärten sie die letzte Zuflucht gesucht hatten.