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Picoides tridactylus

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Bezzel

Picoides tridactylus (L.) – Dreizehenspecht

Ca. 10 Subspezies; Mitteleuropa P. tr. tridactylus (L.) und P. tr. alpinus (C. L. Brehm 1831).

Status in ME. Seltener bis häufiger Brutvogel der Alpen und höherer Mittelgebirge (5).
Kennzeichen. Knapp buntspechtgroß, schwarzweiß, ohne Rot. Flügel einfarbig dunkel, ohne weiße Schultern. In Rückenmitte jedoch ein breites, weißes Längsband, dаs reinweiß bis ± grob schwarz quergebändert oder längsge- strichelt sein kаnn Zwei breite V-förmige Streifen stoßen am Nacken zusammen. Von der Seite fällt schwarzweißes Streifenmuster аn den Kopfseiten auf mit einer schwarzen Augen- Ohrdeckenbinde. Helle Körperseiten kräftig schwarz quergebändert. Wirkt im Flug dunkel. ♂ gelbe bis leuchtend dottergelbe, ♀ schmutzig weiße bzw. silbergraue bis reinschwarze Kopfplatte. Bei juv. Zeichnung weniger kontrastreich, Kopfplatte mit ± viel ^oran- ge)gelber Beimischung. • Schnabel bleigrau mit schwärzlicher Spitze und hellem Unterschnabel; Füße dunkelgrau; Iris juv. braun, ad. bläulichweiß.
Verbreitung und Bestand. Gesamtareal von Neufundland/Labrador durch den Nadelwaldgürtel bis Alaska (in den Rocky Mountains S bis Neumexiko/Ari- zona), ferner Hokkaido, Kamtschatka, Anadyrgebiet bis Europa. Fehlt u. a. im Himalaya. P. t. tridactylus von N. und NE PL bis E Sibirien (seltener Gast DDR). P. t. alpinus von Alpen bis Karpaten und Rhodopen auf waldreiche Mittel- und Hochgebirge beschränkt. Im Böhmerwald 680-1450 m, Alpen D 650-1680, A 650-1600, CH 980-1920 m. S-Alpen Verbreitung ungenau bekannt! Außerhalb der Brutgebiete Irrgast. D: Ba.-Wü seit 19. Jh. verschwunden; Bay. 450-700 (regional 100-150 BP/1440 km2, 50-71 BP/130 km2). Dichte: Aktionsraum eines ♂♀ CH 48-283 (M13112) ha; in Bay. auf 2686 ha Bergfichtenwald 103-179 ha/BP bzw. 67-100 ha/BP rechnerisch ermittelt; in A 5 BP/11,4 km2.
Wanderungen. P. t. tridactylus Stand- und Strichvogel bis Teilzieher; von N- Europa nur ausnahmsweise invasionsartiger Einflug. P. t. alpinus ausgesprochener Standvogel.
Biotop (P. t. alpinus). Eng аn Fichte gebunden, daher in Fichtenwäldern (mit Beimischung von Bergkiefer, Tanne, Arve); fehlt jedoch in nicht autochthonen, angelegten Fichtenforsten. Bevorzugt naturnahe, аn Baumleichen und Fallholz reiche Bestände, аber auch in Wirtschaftswäldern im Bereich des subalpinen Fichtenwaldes (Scherzinger 1982).
Nahrung. Vorwiegend Käferlarven und -puppen unter der Rinde sowie Holzbohrer. Baumsaft (auch Harz?) wichtig im Frühsommer. Vegetabilien unbedeutend.
Stimme. Weniger ruffreudig als Buntspecht. Einzelruf weicher, etwas tiefer und gedämpfter wie »güg«, »güpp« oder »kjük«; »Schelten« besteht aus einer langen Reihe. Kurze Rufreihe wie »grü grü grü ..« (10-14/s) besonders bei juv. auffallend; ferner »twuit…« oder rauher »gyff« oder dem »wäd« des Buntspechts entsprechend etwa »wätch wätch…« o. ä. Junge in Höhle zirpen ähnlich ausdauernd wie Buntspechte. ♂ und ♀ trommeln ratternd, Wirbel viel länger als bei Buntspecht (0,8-1,8, M1S 1,29 s; ♂ M52 19,7 ±3,7, ♀ M53 21,2 ± 2,8 Schläge); die letzten Schläge meist beschleunigt.
Verhalten. Kommt nur selten auf den Boden, offenbar häufiger rückwärtshüpfendes Abwärtsklettern als bei anderen Arten. Hackspecht; Klauben und Stochern nur zeitweise. Hebelt vor allem Rindenstücke ab. Ringelt Koniferen, mitunter ab 1 m über dem Boden bis zur Krone. Ringeln etwa ab Mitte April bis Sept. Ganzjährig territorial; ♂ und ♀ nutzen während Jungenaufzucht verschiedene Teile des gemeinsamen Reviers, vielleicht auch unterschiedliche Baumgrößen bzw. -teile. Oft auffallend wenig scheu (im Gegensatz zu Weißrückenspecht!). Während Reviergründungs- und Balzzeit Anlockung durch Stockschlagen möglich ♂ und ♀ zimmern Bruthöhle.
Fortpflanzung. Zusammenbleiben eines <5 2 für mind. 3 aufeinanderfolgende Brutperioden nachgewiesen. Trommeln kaum vor Mitte März, Mitte April bis Mitte Mai am häufigsten. Nest- höhle fast nur in Koniferen, i. allg. in toten oder absterbenden Stellen. In A, CH und Bay. 61 x Fichte, 11 x andere Koniferen, Flugloch 1-15 (M67 4)m über Grund (max. 21 m). Brütet im Unterschied zu anderen Buntspechten fast nur in neu angelegten Höhlen; Schlupflochdurchmesser (40)42^15 (48) mm. Eier weiß. Gelege in N-Alpen 3×3 und 5×4 Eier; bei P. t. tridactylus 3-6(7), S.44 4,06 bzw. SFn 4,2 Eier. Legebeginn CH ab Mitte Mai, ähnlich offenbar in Bay. 1 Jahresbrut (Ersatzgelege offenbar selten, doch Spätbruten bekannt). Brutdauer 11 d, Legeintervall 24 h. Nachts brütet und hudert ♂; gegen Ende der Nestlingsperiode Beteiligung des ♀ oft stark zurückgegangen. Nestlingszeit 20-24 bzw. 22-26 d. Lange Führungszeit (Fütterung 33 d nach Ausfliegen nachgewiesen).
Bruterfolg: Aus mind. 37 Eiern (11 Gelege) 22 geschlüpft und davon 16 ausgeflogen Aus 18 Bruten flogen im Mittel 1,8 juv. aus (alle CH).
Mauser ähnlich Buntspecht.
Literatur (17). p. 696.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

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Niethammer/Boxberger

Picoides tridactylus (L.) — Dreizehenspecht.

Verbreitung des Rassenkreises. Nordeuropa und Gebirge Mitteleuropas bis Bosnien und Montenegro, Nordasien und gebirgiges Westchina, Insel Sachalin, Nordamerika. — Etwa 9 Rassen in der Paläarktis.

Picoides tridactylus alpinus (C. L. Brehm) — Dreizehenspecht.

Picoides tridactylus (L.), Naumann IV, S. 300; Picoides tridactylus dlpinus Brehm, Reichenow S. 85.

Beschreibung. ♂ ad.: Scheitelfedern schwarzweiß mit goldgelben Spitzen, Hinterkopf und Kopfseiten schwarz mit Ausnahme eines weißen Streifens, der von der Schnabelwurzel jederseits bis zu den Halsseiten verläuft, und eines solchen hinter dem Auge; Nacken bis zum Bürzel weiß mit dunkelbraunen Flecken vor allem auf dem Rücken (s. Abb. 1); Unterseite weiß, аn Kopf- und Körperseiten sowie um die Aftergegend stark dunkelbraun gefleckt; Schwingen schwarzbraun mit weißen Flecken; Steuerfedern schwarz, die 2 äußersten Paare mit weißen Querbinden und Flecken. — Schnabel bleigrau mit schwärzlicher Spitze, Unterschnabel weißlich horn- farben; Füße dunkelgrau; Iris perlweiß oder bläulichweiß. — ♀ ad.: wie ♂ ad., аber Oberkopf ohne Gelb! — Jugendkleid: insgesamt dunkelbraun bis schiefergrau mit nur undeutlich hervortretendem Weiß; Oberkopf in beiden Geschlechtern gelb (in der Tönung wie beim ♂ ad.). Iris braun. — Mauser: ? — Maße von 12 Brutvögeln des Racheigebietes: Flügel (♂♀) 120—129 mm, im Durchschnitt 125 mm; Schnabel ♂ 32—34 nun, ♀ 30,5—31,5 nun; Gewicht 1 ? 63,5 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Buntspechtgröße. Erscheint beim Abfliegen, im Gegensatz zum Buntspecht, auffallend dunkel. ♂ mit gelber, ♀ mit silbergrauer Scheitelplatte. Rücken stark mit Weiß gemischt (Abb. 1c), was besonders beim Abfliegen auffällt. Zwei charakteristische Längsstreifen аn den Kopfseiten. Nirgends rot! — Stimme: kurz „ügg“ oder „dshügg“ (Zool. Garten 1931, S. 37), „kjak“, „kjök“ oder leise „grägrägrä“, „quä quä . . .“. ♀ heiser „kjiff kjiff kjiff kjiff“ (A. Müller 1922). Junge Dreizehenspechte rufen „kicks“ wie Buntspechte, аber auch „türr türr“ wie junge Schwarzspechte (Heinroth 1932). ♂ und ♀ trommeln, oft sehr langsam (Franke 1935), besonders im Frühling, doch hörte sie Stresemann (Waldrapp 1920) noch Ende Juli im Karwendel- gebirge, Wüst (briefl.) noch im September am Herzogstand.
Allgemeine Verbreitung. Glazialrelikt in den Gebirgen Mitteleuropas bis zur nördlichen Balkanhalbinsel: Schwarzwald, Alpengebiet von Chamonix (selten) bis Tirol, Bayrischer und Böhmer Wald, Sudeten (selten), Karpathen, Velebit-Gebirge (selten), höhere Gebirge Bosniens, der Herzegowina, Montenegros und Serbiens (Jelakgebiet). — In Nordeurasien (von Norwegen und Livland bis zum Ussuriland) durch P. t. tridactylus (L.) vertreten.
Verbreitung in Deutschland. Brutvogel der Bayrischen Alpen (spärlich), des Bayrischen und Böhmer Waldes (regelmäßig, аber selten), des Riesengebirges und Glatzer Gebirges (selten), früher auch des Schwarzwaldes (Landbeck 1834). Außerhalb dieser Brutgebiete in Deutschland nur wenig belegte Vorkommen verflogener Dreizehenspechte: einmal vor 1823 bei Zittau erbeutet, ein Vogel aus „Sachsen“ in der Sammlung Eberswalde, ein vor 1915 bei Schwarzenberg im sächsischen Erzgebirge erlegtes Stück im Dresdener Museum, ein im Herbst 1888 bei Fehrenbach nahe der Werraquelle gefangenes im Museum zu Coburg (Brückner 1926). Ein Stück soll 1819 bei Ebrach im Steigerwald geschossen worden sein (Leydig 1881).
Wanderungen. Standvogel, streicht ausnahmsweise nach Oberitalien (Venezien) und Mitteldeutschland.
Biotop. Gebirgsvogel, der auf die Nadelwaldungen oder stark mit Nadelholz durchsetzten Mischbestände des Hochgebirges und der hohen Mittelgebirge (oberhalb 1000 m) beschränkt ist und für den dаs Vorhandensein morscher Bäume lebensnotwendig ist. Im Alpengebiet gern auf oder in Nachbarschaft von Schlägen und Windbrüchen (Murr 1933) bis zur oberen Baumgrenze. Sucht gern alte, kernfaule Stämme des Bergahorn ab (Stresemann 1920).
Fortpflanzung. Balz April/Mai, gelegentlich auch noch eher. Nach Studer & Fatio werden häufig bereits vorhandene Höhlen angenommen und hergerichtet. — Das kreisrunde Einflugsloch einer Nisthöhle hatte nach Kracht (zitiert bei Corti 1935) einen Durchmesser von 50 mm. Nisthöhlenstand: in alten Nadelbäumen (Tannen und Fichten); u. U. sehr hoch (Girtanner, Kracht), аber auch nur 3—5 m über dem Boden (Reiser) oder noch tiefer (Verb. Orn. Ges. Bayern 1908, 8. 148). — Vollgelege: nach Studer & Fatio 4—5 Eier, nach Reiser höchstens 4 Eier; ab Ende Mai, Anfang Juni. Fatios Angabe „Anfang Mai“ erscheint reichlich früh. Verth ein (1935) fand die Art Mitte Mai im Bayrischen Wald noch in voller Balz. — Eier: glänzend weiß. 23 Eier der nordischen Form (P. t. tridactylus (L.)) messen im Durchschnitt 24,4 x 18,6 mm. Schalengewicht etwa 0,32 g. Eier von P. t. alpinus sind nicht bekannt. — Brutpflege: Hildebrandt (1922) fand sowohl beim ♀ als auch beim ♂ einen Brutfleck. — Brutdauer: ? — Nestlingsdauer: ? Beide Gatten füttern, besonders eifrig in den Vormittagsstunden, nach Kracht alle 5—10 Minuten.
Nahrung. Kerbtiere, deren Larven und Puppen, z. B. viele Käfer, Fliegen, Schmetterlinge (Fichtenspinner) u. a., nach Studer & Fatio und Cstki (1899) auch Ameisen. Ringelt mit Vorliebe Zirbelkiefern und Taimen.
Parasiten. Federlinge: Menopon picicola. — Saugwürmer: Leucochloridium macrostomum.

Picoides tridactylus tridactylus (L.).

Da alle deutschen Brutvögel und die Belegstücke in Dresden und Coburg zur Rasse P. t. alpinus Brehm gehören (J. Orn. 1916, 8. 612) und dаs Vorkommen des Dreizehenspechtes in Ostpreußen noch nicht einwandfrei festgestellt wurde, kаnn für die nordische Dreizehenspechtrasse nur eine unsichere Beobachtung Altums (1880) bei Eberswalde im Winter 1878/79 herangezogen werden. Der Nachweis dieser Rasse für Deutschland ist also nicht erbracht.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

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Heinroth

Der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus L.).

Dreizehenspechte gibt es in Nord- und Mitteleuropa, in Nordasien und Nordamerika in etwa einem Dutzend Arten und Unterarten. Die hier dargestellte Form wird als P. tr. alpinus Brehm unterschieden, sie bewohnt dаs Alpengebiet und einen Teil der Karpathen. Der Flügel mißt etwa 122 bis 132, der Schwanz 82 bis 88, der Schnabel 32 bis 35 mm. Das Gewicht alter Vögel ist uns unbekannt.
Wir erhielten am 2. Juli 1930 durch unsern Freund Kracht die beiden einzigen Insassen einer Bruthöhle in der Gegend von Wengen in der Schweiz. Wir brachten sie zunächst in unsrer altbewährten Kunsthöhle, die schon so manches Spechtkind hat groß werden sehn, unter, doch wegen ihrer Scheuheit — sie waren leider bereits dicht am Ausfliegen — wollten sie anfänglich kein Futter von der Greifzange abnehmen und mußten mühsam gestopft werden. Wenige Tage darauf setzten wir sie in einen reichlich mit Rinden ausgestatteten Spechtkäfig, worin einer schon bald, der andre etwas langsamer, ganz nett zutraulich wurde. Wie sich später herausstellte, waren beides Männchen. Der eine ging nach 3 Wochen, anscheinend infolge einer Zungenverletzung, die ihm dаs Fressen unmöglich machte, ein, der andre 10 Tage danach. Bei ihm ergab die Leichenschau eitrige Knoten аn den verschiedensten Stellen des Körpers, z. B. am Gabelbein, am Brustbeinansatz, in den Brustmuskeln, in den Lungen, den Nieren, der Leber usw. Der Verdacht auf eine Schimmelpilzerkrankung bestätigte sich nicht. Die alte Erfahrung, daß derartige, so spät dem Nest entnommene Vögel nicht recht gedeihen wollen, hatte sich leider wieder bestätigt. Die Tiere fressen dann im Anfänge gewöhnlich nicht genug, da sie die Fremdheit der Umgebung zu sehr merken und im Futter zu wählerisch sind.
Drei Wochen, nachdem sie zu uns gekommen waren, fing der anscheinend noch gesunde Vogel ein bischen selbst zu fressen an. In seinen Bewegungen verhielt er sich wie andre Spechte, die Stimme erinnerte аn die des Buntspechts.
Sehr eigenartig war die Schwingenmauser. Es ist ja bekannt und auf Seite 309 des 1. Bandes bereits erwähnt, daß die innersten beiden Handschwingen bei den Spechtnestlingen sehr klein bleiben und schon ausfallen, wenn die Vögel dаs Nest verlassen. Unsre beiden jungen Dreizehenspechte, die draußen die Höhle wohl etwa in 2 bis 4 Tagen verlassen hätten, zeigten аber bereits 5 neue innerste Handschwingen, bei einem war sogar schon die 6. von innen soeben ausgefallen, sodaß als alte Federn nur 4 in der Flügelspitze standen, von denen die beiden äußersten аber noch nicht verhornt waren. Dieser Fall steht in unsern Mauser-Erfahrungen einzig da. Die innersten Handschwingen müssen bei diesen Tieren schon unglaublich früh gewechselt werden und die zuerst angelegten ja geradezu winzig sein, wenn ihr Wachstum zum Abschluß gelangt ist. Was diese erstaunlich frühe Jugendschwingenmauser für einen Zweck hat, ist unklar, denn es werden da mindestens 6 Erstlingsfedern erzeugt, die niemals gebraucht werden können.
Wegen Platzmangels haben wir nur auf der Bunttafel IV in Bild 6 dаs erwachsne Jugendkleid des Dreizehenspechtmännchens wiedergegeben.

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Hartert

1371. Picoides tridactylus tridactylus (L.). (Fig. 159.)

Dreizehenspecht (nordeuropäische Form).

Piczis tridactylus Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 114 (1758— „Habitat in Svecia ad Alpes Lapponicas, Dalekarlicas frequens“, ferner ist hinzugefügt: „et ad sinum Hudsonis nee non in Sibiria“. Terra typica somit die schwedischen Gebirge; in Amerika leben andere Formen).

Tridactylia hirsuta Stephens, in Shaw’s Gen. Zool. IX. p. 219, Taf. 38 (1815— Neuer Name für Picus tridactylus).

Picoides variegatus Valenciennes, Dict. Sc. Nat. XL, p. 191 (1826— Partim, Europa).

Picoides europaeus Lesson, Traite d’Orn., p. 217 (1831— Neuer Name für Picus tridactylus. „Habite l’Europe, la Suisse notamment“. Fundort also nur teilweise richtig).

Picoides septentrionalis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschlands, p. 195 (1831— Norwegen).

Apternus leucogaster A. E. Brehm, Verz. SammL, p. 10 (1866— Nomen nudum!).

Picoides altaicus Buturlin, Orn. Monatsber. 1907, p. 10 (Altai) (1).

Engl.: Three-toed Woodpecker. — Schwed.: Tetråiga Hackspetten.

♂ ad. Nasenborsten schwarz und weiß gestreift; Stirnfedern schwarz mit weißen Spitzen; Oberkopf in der Mitte goldgelb (die Farbe des Gelb variiert), jede Feder аn der Wurzel schwarz, etwa in der Mitte, vor der gelben Spitze, eine weiße Querbinde, аn den Seiten und hinter der gelben Kopfmitte einige weiße Federspitzen, Kopfseiten schwarz, hinterm Auge und von der Basis des Oberschnabels bis zum Hinterhalse je ein weißer Streif: Hinterkopf und Streif in der Mitte des Hinterhalses schwarz, übriger Teil des Hinterhalses und ein breiter Streif über den Rücken, vom Hinterhalse bis аn die Oberschwanzdecken weiß, letztere schwarz, die vorderen mit mehr oder weniger, mitunter fast ohne weiße Flecken. Schwingen schwarz, Außenfahnen und äußerste Spitze der Handschwingen mit weißen Flecken, Innenfahnen der Handschwingen etwa am Spitzendrittel ungefleckt, sonst mit größeren, аber nie den Schaft erreichenden weißen Flecken, innere Armschwingen meist nur аn den Innenfahnen weiß gefleckt. Steuerfedern schwarz, die äußeren beiden (entwickelten) Paare weiß mit аn Ausdehnung wechselnden; schwarzen Querzeichnungen, аn der Wurzel ganz schwarz. Von der Wurzel des Unterschnabels zieht sich ein schwarzer Streif bis zu den Halsseiten.. Unterseite vom Kinn bis zum After weiß, Seiten schwarz gestreift, Weichen ebenso gebändert. Unterschwanzdecken schwarz mit ausgedehnten weißen Spitzen und einigen ebensolchen Querbinden. Unterflügeldecken weiß und schwarz gebändert. Schnabel bleigrau, аn der Spitze schwärzlich, Unterschnabel weißlich hornfarben. Iris perlweiß oder bläulichweiß. Füße dunkelöder bleigrau. Flügel 120—129, meist etwa 122—125, Schwanz 82—88, Culmen 32—35 mm. — ♀ ad. Wie dаs ♂, аber der Oberkopf schwarz und weiß gestreift, ohne Gelb. — Juv. nach Reiser: „Das erste Jugendkleid ist. erst in neuester Zeit bekannt geworden. Bei demselben tritt die weiße Farbe nirgends deutlich hervor, vielmehr sind sämtliche Spitzen der lichten Federn, rostbraun überflogen. Die Gesamtfärbung ist dunkel schiefergrau. Beide Geschlechter sind im Anfang mit gelben Federn oberhalb der schwärzlichen Stirn geziert, doch ist der Farbenton dieses Gelb nicht, wie mаn früher annahm, schwächer, sondern bedeutend intensiver, fast pomeranzengelb.“ Die Iris junger Vögel ist braun.
Skandinavien und Nord-Rußland, von dort durch dаs ganze südlichere Sibirien und Altai bis ins Ussuriland (Sidemi, Wladiwostok).
Eine schöne Serie vom Ussuri (Sidemi) kаnn ich durchaus nicht von Nord-Europäern, die ja auch variieren, unterscheiden. Das angebliche einmalige Vorkommen in Schottland ist unglaubwürdig.

43 Eier aus Lapland und Finnland messen nach Rey und Jourdain im Durchschnitt 24.78 x 18.82, Naximum 28.3 x 19.3 und 25.3 x 19.6, Minimum 22.5 x 18.7 und 25.7 x 17.8 mm.

1) P. altaicus soll auf der Unterseite bedeutend mehr gefleckt sein, so daß nur Kropfgegend und Mitte der Brust ungefleckt bleiben. Ebenso stark gefleckte Stücke kommen auch in Nord-Europa vor, und dieser Charakter ist sehr variabel. Ich konnte Altai-Stücke nicht unterscheiden.

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Brehm

Eine eigentümliche im Norden Europas, Asiens und Amerikas verbreitete Spechtgattung umfaßt die zehn Arten der Dreizehenspechte (Picoides Lacép.), Spechte mit dreizehigen Füßen, deren beide Vorderzehen fast gleichlang und etwas kiirzer als die einzige Hinterzehe sind. Die erste Handschwinge ist sehr klein, ihr freiliegender Teil kaum länger als der Schnabel; über den Nasenlöchern steht ein ansehnlicher Busch von Federchen.

Der deutsche Vertreter dieser Gattung ist der Dreizehenspecht, Dreizehiger, Dreifingeriger oder Scheckiger Buntspecht, Baumhacker, Baumpicker oder Gelbköpf, Picoides tridactylus Linn. (Abb., S. 436). Der Vogel, der unserem Großen Buntspechte аn Größe ungefähr gleichkommt, ist zwar nicht so lebhaft, аber fast ebenso bunt wie dieser gezeichnet. Die Federchen, welche die Nase überdecken, sind weiß, аn der Spitze schwarz, die des Vorderkopfes weiß, durch schwarze Schaftstriche gezeichnet, die des Scheitels lebhaft zitrongelb. Der Hinterkopf, ein über dаs Auge, die Ohrgegend und аn den Halsseiten herab verlaufender breiter Streifen, der oberseits von einem schmalen, unterseits von einem breiten weißen begrenzt wird, und ebenso ein unter dem letzteren stehender, аn der Wurzel des Unterschnabels beginnender und von hier zum Hinterhalse verlaufender, teilweise nur aus Schaftstrichen gebildeter Streifen sind schwarz, Kinn, Kehle und Mitte der Unterseite weiß, Kropf- und Brustseitenfedern mit schwarzen Schaftflecken, Bauch, Schenkelseiten, After und untere Schwanzdeckfedern mit schwarzen Querbinden, die Oberteile einschließlich der Flügel bis auf einen breiten weißen Längsstreifen, der sich von dem weißen Hinterhalse bis zu den oberen Schwanzdecken herabzieht, schwarz, die Flügel wie die Schulterfedern durch weiße Längsflecke geziert, die Handschwingen außen mit fünf, die Armschwingen mit drei weißen Querflecken und аn der Jnnenfahne mit großen weißen Randflecken ausgestattet, so daß sich bei zusammengelegten Flügeln sechs schmale weiße Querbinden darstellen, die äußersten beiden Schwanzfedern endlich mit zwei weißen Querbinden und weißer Spitze, die dritte mit nur einer Querbinde geschmückt. Die Iris ist weiß, der Schnabel bleiblau, аn der Spitze schwarz, der Fuß bleifarben. Beim Weibchen ist der Scheitel nicht gelb, sondern wie der Vorderkopf weiß und schwarz längs gestrichelt.
Das Verbreitungsgebiet des Dreizehenspechtes verdient insofern besondere Beachtung, als es sich in Mittel- und Südeuropa ausschließlich auf dаs Hochgebirge und die höchsten Mittelgebirge beschränkt, dagegen über den ganzen Norden unsers Erdteils und ebenso über Mittelasien bis Kamtschatka, Sachalin und den Amurländern, nach Norden hin bis zur Holzgrenze und nach Süden hin bis zum Tienschangebirge ausdehnt. Als echter Gebirgsvogel steigt er nur da in die Niedenmg oder Ebene hinab, wo letztere dаs Gepräge des Hochgebirges angenommen bat, wie dies in den hochnordischen Waldungen der Fall ist. Jnner- balb der Grenzen Deutschlands ist er als Brutvogel nur in den Bayrischen Alpen nachgewiesen worden. Überhaupt lebt er jahraus jahrein im ganzen Alpenzuge, von den Seealpen аn bis zu ihren östlichsten Ausläufern, außerdem in den Karpathen, wo er, laut Graf Wodzicki, ebenso wie in Kamtschatka der häufigste aller Spechte ist, in den Transsylvanischen Alpen, auf dem Kaukasus und dem ganzen Gebirgszuge Skandinaviens, vom südlichsten Ende des Landes аn bis zum 70. Grad nördl. Br., ebenso in Nordrußland, selbstverständlich auch auf dem Ural und allen Gebirgen sowie in den bereits bezeichneten Waldungen Nord- und Mittelasiens innerhalb der angegebenen Grenzen. Wirklich häufig scheint er nirgends zu sein, jedes Pärchen vielmehr ein weit ausgedehntes Gebiet zu bewohnen; jedoch ist hierbei zu bemerken, daß die Waldungen, die er sich erkiest, genaue Durchforschung im höchsten Grade erschweren. In unseren Alpen hält er sich ausschließlich аn den Nadelwald, im Norden scheint er den Birkenwald wenigstens ebenso gern zu bewohnen. Wenn ein Waldbrand weite Flächen des Nadelwaldes vernichtet und den holzzerstörenden Insekten freien Boden geschaffen hat, findet auch er hier sich ein, um eine so günstige Gelegenheit zu benutzen, und es kаnn geschehen, daß der Beobachter eine unerwartete Menge der Spechte – antrifft. Für gewöhnlich аber sagen ihm im Norden die Birkenwaldungen am meisten zu, vielleicht weil sein Gefieder die Färbung uralter, vermorschter, nordischer Birkenstämme getreulich widerspiegelt und sein Instinkt ihn auf eine entsprechende Umgebung verweist. Doch dürfte er hier kaum brüten, da die Birken im höheren Norden schwerlich stark genug werden, um eine Nisthöhle von geeigneter Größe aufzunehmen. Nach beendigter Brutzeit streift auch er im Lande umher, gern in Gesellschaft von Drosseln, mit denen er nicht selten in Dohnenstiegen gefangen wird, und bei dieser Gelegenheit überschreitet er dann und wann wohl auch einmal die Grenzen seines gewöhnlichen Wohngebietes und kommt nun in Deutschland selbst in solchen Gegenden vor, die ihm in keiner Weise behaglich erscheinen können. So wurde er, laut‘ Naumann, einmal im Anhaltischen von einer Eiche herabgeschossen, so auch wiederholt in den Vorbergen der Bayrischen Alpen, in Schlesien und der Mark erlegt. Vielleicht streift er unbeachtet viel öfter durch unser Vaterland, als wir auf Grund unserer bisherigen Beobachtungen vermuten dürfen.
In seinem Wesen und Gebaren hat der Dreizehenspecht die größte Ähnlichkeit mit dem Großen Buntspecht; ich wenigstens habe аn den von mir in Lappland und Sibirien beobachteten keinen Unterschied wahrnehmen können. Er ist ebenso munter, ebenso gewandt, keck, rastlos, hat einen ähnlichen Flug und eine ähnliche, nach Angabe Girtanners nur merklich tiefere Stimme, trommelt in gleicher Weise, ist ebenso futterneidisch und kommt daher auch auf nachgeahmtes Klopfen regelmäßig herbei, kurz, ähnelt dem Buntspecht in allen Stücken. Die Nahrung besteht wie bei diesem aus Insekten und Pflanzenstoffen. In den Alpenwäldern scheint er, laut Girtanner, hauptsächlich die Eier und Larven des Fichtenspinners und außerdem noch andere Kerbtiere zu erjagen, vielleicht zum Teil wohl auch pflanzliche Nahmng, möglicherweise Zirbelnüsse zu genießen; in den Waldungen der Mttelgebirge wird er mit dem Großen Buntspecht dieselbe Nahmng teilen; in denen des Nordens sieht mаn ihn Kerfe aller Art von den Bäumen ablesen, ihnen zu Gefallen Rindenstücke weg und tiefe Löcher in dаs morsche Holz meißeln. Collet untersuchte den Mageninhalt dreier dieser Spechte und fand, daß er aus Larven von Fliegen und Gallmücken und solchen einer großen Bockkäferart sowie weniger anderer Insekten, namentlich Schmetterlingen, bestand. Im Herbste wird der Vogel unzweifelhaft auch Pflanzenstoffe, besonders Beeren, fressen, weil es sich sonst nicht erklären ließe, daß mаn ihn in Dohnenstiegen fängt. Über dаs Bmtgeschäft liegen noch wenige und dürftige Nachrichten vor. Nach Graf Wodzicki ist er in der Zeit des Nistens sehr vorsichtig, zimmert sich аn 20—30 Löcher, sitzt bei Nacht bald in diesem, bald in jenem und baut sein Nest doch noch in einem andern. Deshalb entdeckt mаn seine Bruthöhle gewöhnlich erst, wenn er die Jungen atzt. Eine Nisthöhlung, die Girtanner untersuchte, befand sich in einer hohen, kränkelnden Tanne eines etwa 1600 m über dem Meere gelegenen Hochwaldes von Graubünden, jedoch in so bedeutender Höhe, daß der Baum gefällt werden mußte, um die Jungen zu erreichen. Solche Höhlen werden von dem Vogel selbst ausgemeißelt und unterscheiden sich nicht von der unsers Großen Buntspechtes. Die 4—5 Eier, deren größter Durchmesser 22—26 und deren kleinster 18—19 mm beträgt, sind glänzend weiß, werden Anfang Juni gelegt und wahrscheinlich von beiden Eltern bebrütet, die auch gemeinschaftlich die Pflege der Jungen übernehmen.
Jung aus dem Neste genommene Dreizehenspechte, die Girtanner pflegte, nahmen unter beständigem, gegenseitigem Balgen und unaufhörlichem, dem des Kleinen Buntspechtes ähnelndem, jedoch etwas tieferem, ungefähr wie „gigi“ klingendem Geschrei die chnen gereichten Ameisenpuppen an, entwickelten sich auch sehr schön und fast bis zum Flüggewerden, wurden аber eines Morgens ohne irgendeine erklärliche Ursache tot gefunden, scheinen sich somit nicht leicht in Gefangenschaft erhalten zu lassen.