in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas
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Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
1555. Buteo ferox ferox (Gm.).
Adlerbussard.
Accipiter ferox 8. G. Gmelin, Novi Commentar. Acad. Petropol. XV, pro 1770, p. 442, Taf. X (1771— Astrachan im Winter häufig).
Falco Astracanus Shaw, Gen. Zool. VII, I, p. 85 (1809— Ex 8. G. Gmelin, supra. Astrachan. Unbegründete Neubenennung von Accipiter ferox!).
Circuspectoralis Vieillot, Nouv. Dict. d’Hist. Nat., Nouv. Ed. IV, p. 477 (1816— Indien. „Circus“ jedenfalls lapsus calami für Buteo!).
Falco rufinus Cretzschmar, Ruppells Atlas, p. 40, Taf. 27 (1826 — „Häufig in angebauten Gegenden“. Typus im Senckenbergischen Museum).
Buteo canescens Hodgson, Bengal Sport. Mag. VIII, p. 180 (1836— Indien).
Buteo longipes Jerdon, Madras Journ. Eit. & Sc. X, p. 75 (1839— Jaulna in der indischen Halbinsel).
Buteo leucurus Naumann, Naumannia 1853, p. 256 und kol. Taf. (Sarepta).
Buteo eximius A. Brehm, Naumannia 1855, p. 4 (Rosseires am Blauen Nil. Dunkelbraune Varietät. Typus im Berliner Museum; Abbild. Journ. f. Orn. 1910, Taf. VII).
Limnosalus africanus Paul von Württemberg, Naumannia 1857, p. 432 (Nomen nudum, in der Synonymie von Buteo longipes erwähnt).
Buteo ferox var. canescens, rufina, obscura Pelzeln, Verh. zool. bot. Ges. Wien XIE p. 147 (1862— Var. obscura aus Sennaar und Kaschmir).
Buteo fuliginosus (non Sclater 1858!) Hume, Ibis 1869, p. 356 („Punjaub“).
Buteo nigricans Sewertzoff, Türkest. Jevotn., p. 63, 112 (1873— Turkestan; nur als Varietät von B. leucurus beschrieben. Russisch!); Übers, in Zeitschr. ges. Orn. IV, p. 31.
Buteo ferox raddei Loudon, Verh. V. Orn. Kongress. Berlin, p. 355 und Tafel („1911“, аber erst Januar 1912 erschienen. — Name für die „rötlichen“, bzw. „dunkleren“ kaukasischen Stücke. Typus ein am 2. II. bei Talysch-Kumbaschinsk erlegten Wintervogel. Als terra typica für „B. ferox“ wird willkürlich Trans- kaspien angenommen. Stücke mit der „raddei-Färbung“ sind durchaus nicht auf den Kaukasus beschränkt).
Abbild.: Dresser, B. Europe V, Taf. 333; Ei: Reiser, Orn. Balcan. III, Taf. III, Fig. 14.
Die sogenannten „Adlerbussarde“ unterscheiden sich von den in weiten Gebieten mit ihnen zusammenlebenden Formen der „Mäusebussarde“ im allgemeinen durch verhältnismäßig stärkeren Schnabel und kräftigere Füße mit längerem Lauf. Der Schwanz ist häufig hell zimtrot, in der Mitte und аn den Innenfahnen der Steuerfedern weiß, während er bei B. buteo anceps in der Regel merklich dunkler bleibt und niemals jede Spur von dunklerer Zeichnung verliert. — Die Oberseite von B. f. ferox ist in der Regel dunkelbraun mit breiten rostfarbenen Federsäumen, die auf Nacken und Kopf meist heller sind, und auf dem Nacken treten auch die weißen Federwurzeln mehr hervor; der Kopf ist mitunter fast weißlich, nur die Stirn wieder dunkler; die rostfarbenen Federsäume verbleichen mit der Zeit sehr; Bürzel dunkler braun, Oberschwanzdecken meist rostrot mit etwas brauner Querzeichnung. Schwingen dunkelbraun, Spitzen fast schwarz, Wurzelteil bis zu der Verengung der Innenfahne weiß, mitunter mit einigen schwärzlichen Flecken. Steuerfedern sehr verschiedenartig gefärbt: Hell rötlich zimtfarben, mittleres Paar und Innenfahnen aller Federn großenteils weiß; ebenso аber mit Spuren von dunkelbrauner Bänderung nahe den Spitzen; ebenso аber mit durchgehender brauner Querbänderung; graubraun mit unregelmäßiger oder regelmäßiger dunkelbrauner Bänderung, Endbinde meist breiter, äußerste Spitze roströtlich. Die Steuerfederschäfte immer weiß. Kehle und Vorderbrust rahmfarben bis weiß, Seiten und die Mitte der Kropfgegend in der Regel mit breiten braunen Längsstreifen, Unterkörper ebenso oder größtenteils braun, Bauch wieder heller, Unterschwanzdecken einfarbig rahmfarben, Beinbefiederung braun oder rostrot mit rostfarbenen oder hell rostgelben Federsäumen und Querzeichnungen. Unterflügeldecken rahmfarben mit braunen Längsstreifen, die nahe dem Flügelbug gelegenen dunkelbraun. Außer dieser am häufigsten vorkommenden Färbung gibt es oft solche, bei denen die Unterseite fast ganz oder gänzlich rostbraun oder rostrot ist, und nicht ganz selten sind Brust und Unterkörper heller und dunkler quergebändert. Die rostfarbenen Säume der Oberseite nehmen mitunter аn Breite zu, so daß die Oberseite fast rostrot aussieht. Durchaus nicht selten ist eine von oben bis unten staubig schokoladenfarbene bis dunkel schokoladenbraune Varietät, meist mit quergebändertem Schwänze und mit der Basis der Innenfahnen der Schwingen weiß mit dunkelgrauer Marmorierung. Zwischen diesem inelanistischen Extrem und den rotbraunen Stücken wie überhaupt zwischen den verschiedenen Färbungen kommen alle möglichen Übergänge vor. Die dunkelste Form findet mаn nicht nur im Himalaya, im nördlichen Punjab und Sind, sondern auch, wenn auch mehr vereinzelt, am Issik Kul und am Arys (Syr Dar ja) und Tschimkent in Turkestan, bei Wladikawkas am Nordrande des Kaukasus, in den Ebenen des südlichen Rußlands (August), bei Kugalinsk (August), am Blauen Nil und in Abessinien; in allen diesen Gegenden kommen andere Färbungen viel häufiger vor, doch ist im Himalaya die dunkle häufiger als in anderen Gegenden. Wir waren mit Gurney sen. u. a. der Meinung, daß der ungebänderte Schwanz ein sicheres Alterszeichen sei, doch ist dies noch zu beweisen; ein ostpersischer teilweise noch im ersten Kleide befindlicher Vogel аber mit schon vermauserten Steuerfedern hat nur Spuren von Bänderung аn den letzteren; auf keinen Fall repräsentieren die inelanistischen Stücke dаs Alterskleid. Junge Stücke gleichen den alten Vögeln, scheinen аber nie Querzeichnung auf der Unterseite zu haben, und bei den bisher untersuchten Stücken ist der Schwanz stets gebändert. Iris braun bis braungelb, Wachshaut und Füße gelb, Schnabel schwärzlich hornfarben. Die Größe variiert ziemlich stark, die Flügel von 20 ♂5 messen 42.5 (einmal 42, in Kleinschmidts Sammlung sogar nur 40.4. 41.5 und 41.6) bis 44.5, die von 20 ♀ 44—49 cm, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß die kleinsten als ♀ bezeichneten Stücke falsch seziert sind; Menzbier gibt die Maße der ♂ mit 43.4—45.1, die der ♀ mit 47.6—48.3 cm an. Schwanz etwa 23—27 cm, Lauf 8—9.5 cm (1). — Die untersuchten Dunenjungen sind von einem schmutzigen Rahmweiß.
Der Adlerbussard bewohnt vorzugsweise die von Schluchten durchzogenen Steppen zwischen dem Ural und Tian-Schan, sein Brutgebiet аber erstreckt sich von Ägypten (als Brutvogel selten), Palästina, Griechenland, Kleinasien und Südrußland, bis in die Kirgisensteppen, Turkestan und die westlichste Mongolei, nördlich bis Irkutsk, südlich bis in den westlichen Himalaya und vereinzelt bis zum nördlichen Punjab. — Die Wanderungen erstrecken sich durch Rumänien und die Türkei, sowie Kleinasien nach Ägypten, Arabien und Nordostafrika überhaupt, wo er vom Niltal bis Abessinien am Weißen und Blauen Nil überwintert. Vereinzelt und unregelmäßig trifft mаn ihn weiter westlich, etwas häufiger in Ungarn, selten in Österreich und Böhmen, am Utowo Blato, zweimal in Deutschland (2), in der Schweiz, in Italien (neunmal), in Südfrankreich, hin und wieder in Tunesien und in der algerischen Sahara (Fromholz 1913). Viele überwintern im nordwestlichen Indien, den Nordwestprovinzen, Oudh, Rajputana, dem Punjab und Sind, аber nur ausnahmsweise geschieht dies weiter südlich und östlich (Raipur, Dekkan).
Die Lebensweise ist die anderer Bussarde, die Art ist kräftiger und stärker als der Mauser, und der Aufenthalt sind nicht waldreiche Gelände, sondern Steppen, Schluchten, kahle Bergzüge, zur Zugzeit und im Winter besonders gern Flußufer. Die Nahrung besteht aus kleinen und mittleren Säugetieren, wie Zieseln, Mäusen, Dipus, Meriones, Gerbillus, sowie Schlangen, Eidechsen, Fröschen, Kröten und mitunter großen Insekten. Nach Heuglin soll er auch Hausgeflügel fangen. Die Nester stehen аn Felsen, Uferwänden, oder auf dem Erdboden. Tristram will аber in Palästina auch Nester auf Bäumen gefunden haben. Sie bestehen aus Gras, Zweigen, Wolle und Lumpen und enthalten von März und Anfang April аn 3—4, selten 2 Eier. Diese ähneln allen anderen Bussardeiern, sind аber größer als die von B. buteo und haben dasselbe Korn, die Poren sind jedoch größer und sichtbarer, bis ca. 0.06 groß, 10—14 Stück nach Szielaskos Methode gezählt. 17 Eier haben nach letzterem Autor einen Umfang 175.2 bei einer Länge von 35.0 -+ 29.0 — 64.0 und Breite 48.2 bei Gewicht 6.94 oder Umfang 166.8 bei Länge 30.5 + 28.2 — 58.7, Breite 47.1 und Gewicht 7.27 g. Gestalt a: b — 1.20, L : B = 1.32 oder a : b — 1.08, L : B = 1.24. Die Substanzfarbe ist dunkelgrün, Oberflächenfärbung ein etwas schmutziges Weiß, Zeichnung selten fehlend, meist wohl entwickelt. 100 Eier (52 Jourdain, 38 Rey, 10 Reiser) messen im Durchschnitt (nach Jourdains Berechnung) 59.65 x 46.94, Maximum 63.4 x 49 und 58.3 x 50.1, Minimum 55.6x 46.6 und 57 x 44.4 mm. Die Mauser alter Vögel beginnt, bald nachdem ihre Jungen dаs Nest verlassen haben, also etwa im Juni, und wird im August beendet.
1) Die Flügel aller Bussarde sind mit dem Lineal gemessen!
2) 1893 bei Hackenbroich im Kreise Neuß, 1895 in Ostpreußen.
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Brehm
Das Urbild der gegen 20 Arten umfassenden, mit Ausnahme der indomalaiischen und ozeanischen Inselwelt und Australiens auf der ganzen Erde vertretnen Gattung der Bussarde (Buteo Cuv.) kennzeichnet sich durch kleinen, schmalen, stark gekrümmten Schnabel, ungefiederte Fußwurzeln, verhältnismäßig kurze Fänge, breite Flügel, unter deren Schwingen die dritte bis fünfte, die unter sich gleich lang sind, die andern überragen, und kurzen, höchstens rnittellangen, gerade abgeschnittnen Schwanz, der von den zusannnengelegten Flügeln bedeckt wird. Unser Mäusebussard oder Mauser, sonst auch Bußhard und Busaar, Mäusehabicht, Mäusesalke, Mäuseaar, Mäusegeier, Rüttelweihe, Wasservogel, Unkenfresser und Waldgeier genannt, Buteo buteo Linn. (vulgaris), erreicht eine Länge von 50—56 bei einer Breite von 120—125 cm; die Länge der Flügel betrügt 38—40, die des Schwanzes 26 cm. Über die Färbung ist schwer etwas allgemein Gültiges zu sagen; denn der Bussard ändert in außergewöhnlichem Maße ab, so daß mau feiten zwei vollkommen gleich gefärbte Stücke sieht. Einzelne sind gleichmäßig schwarzbraun, ans dem Schwänze gebändert, andre braun auf Oberseite, Brust und Schenkeln, sonst аber auch auf licht braungrauem Grunde quer gefleckt, andre lichtbraun, bis auf den Schwanz längsgestreift, andre gelblichweiß mit dunkleren Schwingen und Schwanzfedern, auf der Brust gefleckt, auf den Steuerfedern gebändert usw. Die Iris ist in der Jugend graubraun, später rötlichbraun, im hohen Alter grau, die Wachshaut wachsgelb, der Fuß hellgelb, der Schnabel am Grunde bläulich, аn der Spitze schwärzlich.
Das Verbreitungsgebiet des Mäusebussards reicht nicht weit über Europa hinaus. Schon in den Steppen Südrußlands ersetzt ihn der merklich größere, stärkere und hochläufigere, zwar vielfach abändernde, аn seinem meist lichten, fast weißen Schwänze zu erkennende Raub- oder Adlerbussard, Buteo ferox Gmel., der, nach Alfred Walter, „im gesamten Transkaspien die gemeinste Art aus seinem Geschlechte ist“ und von König in Tunis beobachtet wurde. In Sibirien, Kleinasien, Nordostafrika, nach dem eben genannten König auch in Tunis und Algerien, wird er durch den auf dem Zuge auch Deutschland durchwandernden Steppenbussard, Buteo desertorum Daud., vertreten, der sich im Vergleich zu jenem durch merklich geringere Größe und vorwaltend rötliches Gefieder, mindestens deutlich rötlichen Schwanz kennzeichnet, unserm Bussard jedoch so nahe steht, daß er leicht mit ihm verwechselt werden kann.
Außerhalb Europas hat mаn den Mäusebussard in Türkistan und während des Winters in Nordafrika beobachtet. Er ist in Großbritannien fast ausgerottet worden, im südlichen Skandinavien, Nord- und Mittelrußland, Dänemark, Deutschland, Osterreich-Ungarn dagegen einer der häufigsten Raubvögel, in Holland hauptsächlich auf die östlichen Teile beschränkt, in Belgien und Frankreich seltner Stand-, аber häufiger Wandervogel, auf den drei südlichen Halbinseln regelmäßiger Wintergast. Im südlichen Deutschland verweilt er gewöhnlich auch den Winter über. Kältere Gegenden verläßt der Bussard jedes Jahr im Herbst, und zwar im September und Oktober, um im März oder April zurückzukehren. Gelegentlich des Zuges bildet er Gesellschaften von 20 bis mehr als 100 Stück, die zwar miteinander in gleicher Richtung dahinfliegen, аber durchaus keine Schwärme bilden, son- dem sich über Flächen von mehreren Geviertkilometern verteilen, langsam und meist in ziemlicher Höhe dahinfliegen, auch stets noch Zeit finden, halbe Stunden lang sich in weiten Kreisen emporzuschrauben. Auf dem Rückzüge verweilen sie gern einige Tage аn Nahrung versprechenden Orten und wandern erst dann weiter. Zum Standorte wählt dаs Paar Waldungen aller Art, am liebsten, wenn sie mit Feld und Wiesen abwechseln, fehlt jedoch auch in ausgedehnten Forsten nicht und steigt hoch im Gebirge empor.
Der geübte Beobachter erkennt den Mäusebussard auf den ersten Blick, mag er sitzen oder fliegen. Gewöhnlich sitzt er zusammengedrückt, mit wenig anliegenden Federn, gern auf einem Fuße, den andern zusammengebogen zwischen den Federn versteckt. Der Stein, der Erdhügel oder der Baum, den er zum Ruhesitze erwählt hat, dient ihm als Warte, von der aus er sein Gebiet überschaut. Der Flug ist langsam, аber leicht, fast geräuschlos und auf weite Strecken hin schwebend. Jagend erhält sich der Mäusebussard rüttelnd oft längere Zeit über einer Stelle, um diese auf dаs genaueste abzusuchen oder ein von ihm bemerktes Tier genauer ins Auge zu fassen. Angreifend fällt er mit eng angezognen Schwingen auf den Boden hinab, breitet dicht darüber die Flügel wieder aus, fliegt wohl auch noch eine kurze Strecke über dem Boden dahin und greift dann mit weit ausgestreckten Fängen nach seiner Beute. Bei gewöhnlicher Jagd erhebt er sich seltner in große Höhe; im Frühjahr aber, und namentlich zur Zeit seiner Liebe, steigt er ungemein hoch empor und entfaltet dabei Künste, die mаn ihm kaum zutrauen möchte. „Da, wo er horstet“, sagt Altum sehr richtig, „ist er eine wahre Zierde der Gegend. Es gewährt einen prachtvollen Anblick, wenn die beiden Alten аn heiteren Frühlingstagen und auch später noch sich in den schönsten Kreisen über dem Walde wiegen. Ihr lautes und schallendes ,Hiäh‘ erhöht noch die angenehme Belebung. Haben sie ihre Künste im Fliegen lange genug ausgeführt, so zieht einer die beiden Flügel аn und wirft sich in laut sausendem Sturze hinab in den Wald, und sofort folgt auch der andre nach.“ Seine Stimme ähnelt dem Miauen einer Katze.
Ende April oder Anfang Mai bezieht der Mäusebussard seinen alten Horst wieder oder erbaut einen neuen. Er wählt hierzu einen ihm passenden Baum in Laub- oder Nadelwäldern und errichtet hier, bald höher, bald niedriger über dem Boden, in der Regel möglichst nahe am Stamm, entweder in Zwieseln oder in passenden Astgabeln, den fast immer großen, mit den Jahren аn Umfang zunehmenden Bau, falls er nicht vorzieht, ein ihm geeignet erscheinendes Kolkraben- oder Krähennest zu benutzen. In den meisten Fällen jedoch ist er nicht allein Baumeister für sich, sondern auch für viele andre Raubvögel unsers Vaterlandes. Der Horst hat ungefähr 60, höchstens 80 cm im Durchmesser und besteht aus stärkeren Zweigen, die nach obenhin immer dünner und zuletzt mit großer Sorgfalt ausgewählt zu werden pflegen, so daß die flache Vertiefung mit zarten, grünen Reisern ausgeschmückt erscheint. Zuweilen füttert der Bussard die Mulde auch mit Moos, Tierhaaren und andern weichen Stoffen aus. Das Gelege bilden 3—4 Eier, die auf grünlichweißem Grunde hellbraun gefleckt sind (s. Abbildung 15 der Eiertafel I). Das Weibchen scheint allein zu brüten; die Jungen аber werden von beiden Eltern gemeinschaftlich ernährt.
Jeder Übergriff des Mäusebussards wird mit mißgünstigen Blicken bemerkt, seine uns Nutzen bringende Tätigkeit dagegen häufig unterschätzt. Was die Übergriffe dieser Raubvögel anlangt, so gestehe ich sie ohne weiteres zu, ebenso wie ich sie auch früher nicht verschwiegen habe, muß аber erklären, daß ich trotz alledem in keiner Weise von der überwiegenden Schädlichkeit des Bussards überzeugt worden bin. Ich will sogar noch weitere Belege für die zeitweilige Schädlichkeit des Mäusebussards beibringen, teils nach eignen Beobachtungen, teils nach fremden Mitteilungen. Wahr ist es, daß er ebensogut wie Mäuse, Ratten und Hamster, Schlangen, Frösche, Kerbtiere und Regenwürmer auch junge Hasen fängt oder alten, kranken, namentlich verwundeten den Garaus macht und von ihrem Wildbret kröpft, möglich sogar, daß er gewandt genug ist, um selbst im Sommer und Herbste gesunde Feldhühner oder Fasanen zu schlagen, erwiesen ferner, daß er seinen Jungen außer den eben genannten Wildarten Maulwürfe, Finken, Lerchen, Amseln und andre junge Vögel, deren er sich bemächtigen kаnn, zuträgt. Aber seine Hauptnahrung besteht trotzdem in allen Arten von Mäusen, in Ratten, Hamstern, Zieseln, Tau- oder Grasfröschen, Heuschrecken und andern Insekten und deren Larven, also in Tieren, die uns entweder auf dаs empfindlichste schädigen, oder in so zahlreicher Menge vorhanden sind, daß die Vernichtung einzelner von ihnen nicht in Betracht kommt. Blasius hat 30 Mäuse dem Magen eines einzigen Mäusebussards entnommen, Martin Hunderte dieser ihm zum Ausstopfen überlieferter Raubvögel geöffnet und in aller Kröpfe nur Mäuse gefunden. Snell sah ihn im Winter bei grimmigem Hunger Schlehen, Hagebutten und Blaukohl fressen.
Um den Mäusebussarden, die ich auf unfern Fluren nicht missen möchte, noch einige Freunde zu werben, will ich noch ausdrücklich hervorheben, daß der oft so falsch beurteilte und viel geschmähte Vogel einer der wirksamsten Vertilger der Kreuzotter ist. Lenz hat die umfassendsten Versuche angestellt, um sich hierüber zu vergewissern, und rühmt unfern Vogel in außerordentlicher Weise. Um die Gefährlichkeit der Kämpfe des Mäusebussards mit Vipern zu würdigen, muß mаn wissen, daß er nicht gefeit ist gegen dаs Gift der Kreuzotter, sondern den Bissen des tückischen Kriechtieres erliegt, wenn diese einen blutreichen Teil des Leibes getroffen haben. Es mag allerdings selten vorkommen, daß der Raubvogel nicht als Sieger aus dem Kampfe hervorgeht; einzelne аber finden gewiß ihren Tod durch Kreuzottern.
William Bär teilt mit, daß аn dieser günstigen Beurteilung des Mäusebussards auch die seitdem verflossenen Jahre eifriger und kritischer Forschung nichts zu ändern vermochten, daß im Gegenteil die zahlreichen und sorgfältigen Untersuchungen des Mageninhalts auch nicht einmal die ihm oben zur Last gelegten Übergriffe bestätigten. Es ist deshalb mit Freuden zu begrüßen, zumal angesichts des ästhetischen Wertes des kreisenden Bussards, daß nunmehr der Mäusebussard im Deutschen Reiche durch dаs Reichsvogelschutzgesetz vom Jahre 1908 einen Schutz erhalten hat, durch den er die gleiche Schonung genießt, wie z. B. die Nachtigall.
Auf Teneriffa ist er, laut König, aus Mangel аn Ratten und Mäusen ein völliger Aasfresser geworden. Nach Pogge betreibt eine Art von Bussard, Buteo leucocephalus Hodgs., im östlichen China während des Winters eifrig die Hasenjagd.