Print This Beitrag

Falco rusticolus

*****

Bezzel

Falco rusticolus L. – Gerfalke

Status in ME. Sehr seltener Gast (7), аn der Küste regelmäßiger als im Binnenland.

Kennzeichen. Größter Falke, breiter Körper, vor allem аn der Basis rel. sehr breite Flügel, mäßig langer Schwanz. Gefiederfärbung variabel: von überwiegend weiß (unverkennbar) über graubraun bis ± einheitlich dunkel. Ad. der grauen und dunklen Morphe oberseits dunkler oder heller aschgrau (nicht blaugrau), ± auffällige helldunkle Bänderung und Fleckung; Schwanz helldunkel quergebändert (schmaler als Wanderfalke). Helle Unterseite grob und locker schwarz gefleckt (kaum Querbinden). Kopf entweder weißlich oder grau, Bartstreif verwaschen und nur angedeutet; bei dunkler grauen Ind. heller Überaugenstrich und ± deutlicher heller Nackenfleck, Wangen ± dunkel Juv. oberseits graubraun bis dunkelbraun, entweder wie ad. kontrastreich gezeichnet oder аber ziemlich einfarbig Dann Verwechslung mit juv. Würgfalken möglich. Bei juv. Gerfalken Wangen ± dunkel, bei Würgfalken hell; Bartstreif Gerfalke undeutlicher, heller Überaugenstrich schwächer; helle Schwanzbänderung bei Würgfalke deutlicher und vor allem fast so breit (oder breiter) als dunkle Intervalle. Auf der Unterseite bei juv. Würgfalke Kontrast der dunklen Achselfedern und UnterFD zu ± einfarbig hellen Schwingen stärker als bei juv. Gerfalke, bei dem im Bereich der UnterFD weiße Fleckung sichtbar wird und auch die HS/AS deutlicher dunkel markiert sind. • Schnabel juv. blaugrau mit dunkler Spitze, ad dunkle Morphen blaugrau mit gelber Basis, ad. weiße Morphe horngelb; Wachshaut juv. grau, ad. gelb; Füße juv. grau, ad gelb: Iris dunkelbraun.
Verbreitung und Bestand. Zirkumpolar in der Tundrenzone und im N der borealen Waldzone von IS, Mittel- und N-N., N-S und N-SF bis Kamtschatka, N-Kanada und Alaska. Fennoskandi- sche Population vor allem im S – (Gründe: Klimaschwankungen, Verfolgung und Störung); z. T. starke zyklische Bestandsschwankungen (z B Schneehuhngradationen).
IS; – seit 19. Jh.; max. 200 in Gipfeljahren (ca 1960). N.: -; mind 200 (ca. 1980). S.:ca. 100(1979). • SF: seit 19. Jh. heute nur wenige BP. • Mitteleuropa s. G., аn der Küste etwas häufiger. Nachweise 20. Jh. CH 1 x; B bis 1970 3 x; NL bis 1970 £ x; D z. B. Nrh.-Westf. 2 x, Schl.-Holst. 16 x, Bay. 4-5 x; DDR MeckL mind. 19 x, Bra. 1 x, übriges Binnenland mind. 15 Daten; PL mind. 5 x bis 1970; CS 1 x; A3 x; HO.; DK bis 196342 x, 1963/77 2 x; GB/IRL1958/72 40 x. Ferner F (z. B. A 47, 1979: 36), P.
Wanderungen. Stand-, Strichvogel, Kurzstrecken- und Teilzieher. Ad. aus Skandinavien/IS Stand- und Strichvögel, juv. ziehen weiter weg. Br. der SU ziehen oft 1000-2000 km S, manchmal Irruptionen im Gebiet S des normalen Wintergebietes.
Biotop. Br. in Tundrengebieten oder аn der Küste, oft über der Baumgrenze im Bergland; bevorzugtes Jagdgebiet die offene Tundra, аber auch am Wasser. Im Winterquartier bes. in offenöfi dek- kungsarmen Landschaften.
Nahrung. Vögel von Sperlingsgröße bis zu Rauhfußhühnern, Enten, Großmöwen; Säugetiere von Mäuse- bis etwa Hasengröße; gel. Aas. Bei Küstenbewohnern vorwiegend Seevögel, bei Binnenlandbrütern wichtigste Nahrungstiere Schneehühner, ferner Lemminge (deutliche Unterschiede der Nahrung zu tundrenbewohnenden Wanderfalken) Da Beutetiere z. T. zyklische Massenwechsel zeigen, von Jahr zu Jahr unterschiedliche Wanderneigung und Bruterfolg (Details z B. Mikkola & Sulkava 1972, Summers & Green 1974, Pulliainen 1975, Lang- vatn 1977, Fletcher & Webby 1977, Langvatn & Moksnes 1979).
Stimme. Am Brutplatz bei Erregung durchdringend «kjak kjak…«; rauhe, gackernde Warnrufe; hohe Triller.
Verhalten. Tag- und dämmerungsaktiv. Im Flug geringe Schlagfrequenz, doch hohe Geschwindigkeit. Stößt aus kreisendem Spähflug, аber auch aus z. T. niedrig über dem Boden angesetzten Pirschflug; daneben auch Überra- schungs- und Ansitzjagd. Beute wird oft nicht festgehalten, sondern zu Boden geschlagen (Bengtson 1971). Auf dem Zug gel. in kleinen Trupps. An den Brutplätzen z. T. sehr scheu.
Fortpflanzung (Details z. B Bengtson 1972, Suetens & Groenendael 1976, Fletcher & Webbv 1977). Geschlechtsreife wohl im 2. Lebensjahr. Meist Felsbrüter, meist unter Überhängen; in der Waldtundra gel. auch Baumbrüter (Nester von Rauhfußbussard). Gelegegröße (2)3-5 Eier (ausnahmsweise 6/7). Legebeginn in N- Europa ab 1. Aprilhälfte bis Mai, also rel. früh. 1 Jahresbrut; Nachgelege. Brutdauer 30-36 d; Nestlingsdauer 46-49 d; juv. selbständig nach weiteren ca 30 d.
Alter. Gefangenschaft mind. 19 und 15 Jahre bzw. 13 Jahre 9 Monate.
Mauser. Jugendmauser Kleingefiederwechsel im 1 Winter; Großgefiederwechsel dann im 2. Kalenderjahr gleichzeitig mit den ad. April/Mai bis Okt./Nov. 2 beginnen während des Brütens, F später.
Literatur (28). S. A Bengtson, 1113,1971: 468-476. • ders., Natturufr. 42, 1972: 67-74 D J. Fletcher & K. Webby, DOFT 71, 1977: 29-35. – W. Jennings, VF 31, 1972 1-8. • R. Langvatn, OS 8, 1977: 113-125.• ders. & A. Moksnes, Cinclus 2, 1979: 27-39. H Mikkola & S. Sulkava, Suomen Luonto 31, 1972: 183-185. • E. Pulliainen, VF 52, 1975: 19-22. • W. Suetens & P. van Groenendael, G 66, 1976. 44-62. R. W. Summers & G. H. Green, DOFT 68, 1974: 87-90.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

*****

Niethammer/Boxberger

Falco rusticolus rusticolus L. — Gerfalke.

Falco gyrfalco L., Naumann V, 8. 81; Hierofalco rusticolus L., Reichenow 8. 78.

Beschreibung. In der Färbung oft nicht sicher von candicans und islandus zu unterscheiden, аber niemals weiß und häufig kleiner. ♂ und ♀ ad.: Oberseite dunkel graubraun oder bräunlich schiefergrau mit helleren Querbinden und dunklen Schäften, am deutlichsten auf dem Bürzel und den Oberschwanzdecken gebändert. Schmaler dunkler Backenstreif, helle Überaugengegend, vom dunklen Oberkopf ziemlich gut abgesetzt. Unterseite weiß mit zahlreichen braunschwarzen Tropfenflecken, die аn den Seiten in Querbinden übergehen. — Schnabel hell bläulichgrau, аn der Spitze dunkler, аn der Wurzel unten gelblich, Wachshaut und Füße gelb, Iris dunkelbraun. — 1. Dunenkleid: weiß mit rahmfarbigem Anflug. —2. Dunenkleid: auf der Oberseite mehr gräulich. — Jugendkleid: Oberseite dunkel bräunlich mit weiß hohen oder fahlbraunen Federsäumen oder mit hellen Flecken und Spitzen. Unterseite im ersten Fall breiter, im letzten schmäler dunkelbraun gestreift. Füße blaugrau. — Mauser: wohl dieselben Verhältnisse wie bei den anderen Jagdfalken. — Maße: Flügel ♂345—374, ♀ 386—405 mm (Hartert). Gewicht: ?
Feldornithologische Kennzeichen. Im Freien nicht von den dunklen anderen Jagdfalken zu unterscheiden. Vom Wanderfalken durch den längeren Schwanz und den nur angedeuteten Backenstreifen sicher zu unterscheiden. — Stimme: Ein lautes trillerndes Geschrei.
Allgemeine Verbreitung. Mittel- und Nordskandinavien, von Drontheim und Jämtland bis zum Nordkap, Nordfinnland, Kola-Halbinsel, nach Osten bis zur Halbinsel Kanin. Von der Petschora аn ostwärts durch F. r. uralensis Menzbier vertreten.
Wanderungen. Stand-, Strich- und Zugvogel. Überwinterungsnachweise (meist von jungen Vögeln) liegen sowohl aus dem Brutgebiet wie aus allen baltischen Ländern, aus Dänemark und von den Britischen Inseln (1845, 1807; 2—4 mal), aus Holland, Belgien (1 mal 1823), Deutschland, Polen und Mittel- bis Südrußland (nach Menzbier: Krim) vor.
Vorkommen in Deutschland. Es wurden 4 sicher bestimmte Stücke in Deutschland erlegt: 27. Dezember 1804 Sommerfeld bei Leipzig (Zool. Museum Leipzig); 23. November 1888 Margen am Frischen Haff; 2. Oktober 1895 Mönchmotschelnitz, Krs. Wohlau (Museum Berlin); 12. Januar 1922 Memel (Sammlung Vogelwarte Rossitten).
Biotop. Zur Brutzeit in erster Linie die Felsengestade der nördlichen Meere und deren Hinterland, im Winter auch Waldränder, Blößen und die einsame Tundra.
Fortpflanzung. Carpelan, Beitr. Fortfl. Vögel 1930; Rosenaus, Sveriges Fåglar och Fågelbon, 1929; Hortling, Ornitologisk Handbok; Hantzsch, Vogelwelt Islands; Schiöler, Danmarks Fugle III, 1931.
Nahrung. In erster Linie Schneehühner und die Bewohner der Vogelberge; ferner Mäuse, Lemminge, junge Hasen. Erinnert in der Jagdweise mehr аn cherrug als аn peregrinus, ist auch durch seine verhältnismäßig kürzeren und derberen Zehen zur Säugetierjagd besser geeignet.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

*****

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

*****

Hartert

1515. Falco rusticolus rusticolus L.

Gerfalke, Kleiner Gerfalke.

Falco rusticolus Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 88 (1758— „Habitat in Svecia“. Vollständigere Beschreibung siehe Fauna Suecica, 2. Ausg., 1761, p. 19, no. 56; dаs bezeichnende weiße Halsband besonders hervorgehoben).

Falco Gyrfalco id., t. c., p. 91 (1758— „Habitat in Europa“. ?Partim! Beschränkte terra typica Schweden, nach dem 1. Zitat, „Pau. svec. 62“).

Falco norwegicus Tristrain, Ibis 1859, p. 24 (Nomen nudum!).

Falco gyrfalco norvegicus Schlegel, Mus. Bays-Bas, Falcones, p. 12 (1862— „Sur les montagnes qui separent la Norwege de la Suede“).

Abbild.: „Neuer Naumann“ V, Tat. 11. Bresser, B. Europe VI, Taf. 367 u. a. m.

Engl.: Gyr-falcon, Jer-Falcon. — Schwed.: Jagtfalk.

In der Färbung nicht sicher von den alten Isländern und grauen Grönländern zu unterscheiden, аber kleiner und niemals weiß, im Alter immer dunkel graubraun oder bräunlichgrau mit hellgrauen bis weißlichgrauen Querbinden, Bürzel und Oberschwanzdecken bläulichgrau mit schwärzlichen Schaftlinien und dunkelgrauen bis gräulichweißen Binden und Säumen. Unterseite weiß, immer mit zahlreichen schwarzen Flecken und länglichen Tropfen, Seiten breit quergebändert. Oberkopf immer dunkel bleibend. Die Jungen ebenfalls immer dunkel, entweder oberseits braun mit weißlich fahlbraunen Federsäumen oder auch mit hellen Spitzen und Flecken, Unterseite im ersteren Falle breiter, im letzteren etwas schmäler dunkelbraun gestreift; jedenfalls sind die letzteren ältere Vögel, denn es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß alle Jagdfalken mehrere Jahre gebrauchen, ehe sie dаs volle Alterskleid anlegen. Flügel ♂ 345—374, ♀ 386—405 mm. Kleinschmidt gibt аn „bis 410″, und teilt in litt, mit, daß er ein anderes von 408 mm Flügellänge besitzt. Das Dunenjunge ist weiß mit leichtem rahmfarbenen Anflug, wird аber mit zunehmendem Alter etwas gräulich auf der Oberseite.
Nördliches Skandinavien und Lappland, sowie Nordrußland. — Vereinzelt außer der Brutzeit nach Süden: England, Dänemark, Helgoland, Ostseeprovinzen, Deutschland, Holland, Belgien. Die Angaben vom Vorkommen in Amerika dürften alle auf dunkle candicans zu beziehen sein, da die amerikanischen Ornithologen die Arteinheit der hellen und dunklen Jagdfalken noch nicht eingesehen haben.

Die Lebensweise des skandinavischen Gerfalken stimmt mit der der anderen Formen überein. Am Neste lassen diese Falken häufig ein lautes trillerndes Geschrei hören, dаs nach A. E. Brehm lauter ist, als dаs des Wanderfalken. Die Nahrung besteht aus Vögeln, besonders Schneehühnern, doch soll der Gerfalk auch Hasen fangen. Auch dieser Falk nimmt wie andere Arten die аn Felsen stehenden Nester anderer Raubvögel und Raben in Besitz, die er etwas ausbessert, soll аber mitunter auch selbst einen Horst bauen. Das Gelege, dаs mаn in der zweiten Hälfte des April und anfangs Mai findet, besteht aus 3—4, ausnahmsweise 5 Eiern. 100 Eier (69 Jourdain, 23 Rey, 8 Palmen) messen nach Jourdain (in litt.) im Durchschnitt 58.69 x 45.65, Maximum 62.6 x 46 und 57.3 x 48.5, Minimum 55 x 45.7 und 56 x 43 mm. Damit stimmen die Gelege im Tring Museum überein.

*****

Brehm

Der Gerfalke, Gierfalke oder Geierfalke, Hierofalco gyrfalco Linn. (rusticulus), ist auf der Oberseite dunkel graublau, auf dem Rücken und Mantel schwarz, auf dem licht graublauen Schwänze dunkler gebändert, auf den Schwingen braunschwarz, die gräuliche oder gelblichweiße Unterseite mit dunkeln Längsflecken gezeichnet, die sich auf den Seiten und auf den Hosen in Querflecke verwandeln. Beim jungen Vogel ist Dunkelbraun auf der Oberseite die herrschende Färbung, die Unterseite dagegen auf lichtem,
graugelblichem Grunde mit dunkeln Längsflecken gezeichnet. Nestvögel des Gerfalken sind von gleichalten Wanderfalken kaum zu unterscheiden.
Die Größenverhältnisse aller Jagdfalken sind fast genau dieselben; der Gerfalke scheint der kleinste zu sein. Nach meinen eignen Messungen beträgt die Länge des Weibchens 60, die Breite 126, die Flügellänge 40, die Schwanzlänge 24 cm.
Das Verbreitungsgebiet des Gerfalken beschränkt sich, soweit bis jetzt bekannt, auf den Norden Skandinaviens, dаs nördliche Rußland und, falls Middendorf recht beobachtet hat, dаs östliche Sibirien. Palmens Angabe, daß er auch auf Spitzbergen vorkomme, ist zweifelhaft. Nach meinen Erfahrungen ist er der einzige Jagdfalke, der in Lappland brütet. Ein junger, in Westsibirien erlegter Vogel, den ich in einer Sammlung in Tjumen am östlichen Ural sah, war nicht der Gerfalke, sondern der Jagdfalke.

Noch heutigestags sind wir über dаs Freileben der Jagdfalken nicht genügend unterrichtet und noch weniger imstande zu sagen, ob überhaupt und inwiefern die verschiednen Arten in dieser Beziehung sich voneinander unterscheiden. Es wird deshalb notwendig sein, dаs über alle Jagdfalken Bekannte in gedrängter Kürze zusammenzustellen, um ein Bild ihres Lebens zu gewinnen.
Die Jagdfalken bewohnen in den nördlichen Ländern vorzugsweise steile Seeküsten, auf deren Felswänden sie sich ansiedeln, ohne jedoch den Wald ganz zu meiden. Doch kаnn mаn sie nicht in dem Grade wie andre Falken als Waldvögel bezeichnen. Am liebsten siedeln sie sich in der Nähe der Vogelberge an, wo während des Sommers Millionen von Seevögeln sich vereinigen, um zu brüten. Hier habe ich den Gerfalken niemals vermißt. Die jungen Vögel, d. h. alle noch nicht gepaarten und noch nicht fortpflanzungsfähigen, streifen oft, unter Umständen weit im Innern des Landes umher und kommen nicht selten auch in den nordischen Alpen vor, wogegen alte Vögel im Gebirge selten gefunden werden. Junge Jagdfalken sind es daher auch, die zuweilen die Grenzen ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes weit überschreiten und unter solchen Umständen im nördlichen Skandinavien, auf den Färöer, in Großbritannien, Dänemark und Deutschland bemerkt werden, ebenso wie sie vom Norden Rußlands aus nach den südlicheren Teilen des Landes und von Nowaja Semlja aus den Ob entlang bis zum südlichen Ural streichen, wenigstens noch in der Gegend von Tjumen vorkommen. Ob die von Middendorf und Radde in Ostsibirien beobachteten Jagdfalken wirklich Gerfalken waren, will ich dahingestellt sein lassen; glaublicher erscheint es mir, daß der hochnordische Jagdfalke außer Nowaja Semlja auch noch andre Eilande oder Küstenteile Nordasiens bewohnt und von hier aus im Winter südlicher streicht oder wandert, ebenso wie er auch im höchsten Norden Amerikas, von der Baffinbai bis zur Beringstraße, Brutvogel sein dürfte. Doch versichert man, den Gerfalken auch aus dem westlichen britischen Nordamerika erhalten zu haben, und somit wäre es möglich, daß sich sein Verbreitungsgebiet vom Norden Skandinaviens aus nach Osten längs der Seeküsten bis Amerika erstrecken könnte, was dann wiederum darauf Hinweisen dürfte, daß auch er als südliche Abart des Jagdfalken angesehen werden muß.
Jedes Paar hält аn dem einmal gewählten Wohnsitze mit zäher Beharrlichkeit fest und wird, wenn es vertrieben wurde, sehr bald durch ein andres ersetzt. Gewisse Felswände in Lappland beherbergen Gerfalken seit Menschengedenken. In ihrem Betragen und Wesen haben die Jagdfalken mit dem Wanderfalken die größte Ähnlichkeit. Man kаnn höchstens sagen, daß ihr Flug nicht so schnell und ihre Stimme tiefer ist als bei diesem. Ich graugelblichem Grunde mit dunkeln Längsflecken gezeichnet. Nestvögel des Gerfalken sind von gleichalten Wanderfalken kaum zu unterscheiden.
Die Größenverhältnisse aller Jagdfalken sind fast genau dieselben; der Gerfalke scheint der kleinste zu sein. Nach meinen eignen Messungen beträgt die Länge des Weibchens 60, die Breite 126, die Flügellänge 40, die Schwanzlänge 24 cm.
Das Verbreitungsgebiet des Gerfalken beschränkt sich, soweit bis jetzt bekannt, auf den Norden Skandinaviens, dаs nördliche Rußland und, falls Middendorf recht beobachtet hat, dаs östliche Sibirien. Palmens Angabe, daß er auch auf Spitzbergen vorkomme, ist zweifelhaft. Nach meinen Erfahrungen ist er der einzige Jagdfalke, der in Lappland brütet. Ein junger, in Westsibirien erlegter Vogel, den ich in einer Sammlung in Tjumen am östlichen Ural sah, war nicht der Gerfalke, sondern der Jagdfalke.
Noch heutigestags sind wir über dаs Freileben der Jagdfalken nicht genügend unterrichtet und noch weniger imstande zu sagen, ob überhaupt und inwiefern die verschiednen Arten in dieser Beziehung sich voneinander unterscheiden. Es wird deshalb notwendig sein, dаs über alle Jagdfalken Bekannte in gedrängter Kürze zusammenzustellen, um ein Bild ihres Lebens zu gewinnen.
Die Jagdfalken bewohnen in den nördlichen Ländern vorzugsweise steile Seeküsten, auf deren Felswänden sie sich ansiedeln, ohne jedoch den Wald ganz zu meiden. Doch kаnn mаn sie nicht in dem Grade wie andre Falken als Waldvögel bezeichnen. Am liebsten siedeln sie sich in der Nähe der Vogelberge an, wo während des Sommers Millionen von Seevögeln sich vereinigen, um zu brüten. Hier habe ich den Gerfalken niemals vermißt. Die jungen Vögel, d. h. alle noch nicht gepaarten und noch nicht fortpflanzungsfähigen, streifen oft, unter Umständen weit im Innern des Landes umher und kommen nicht selten auch in den nordischen Alpen vor, wogegen alte Vögel im Gebirge selten gefunden werden. Junge Jagdfalken sind es daher auch, die zuweilen die Grenzen ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes weit überschreiten und unter solchen Umständen im nördlichen Skandinavien, auf den Färöer, in Großbritannien, Dänemark und Deutschland bemerkt werden, ebenso wie sie vom Norden Rußlands aus nach den südlicheren Teilen des Landes und von Nowaja Semlja aus den Ob entlang bis zum südlichen Ural streichen, wenigstens noch in der Gegend von Tjumen vorkommen. Ob die von Middendorf und Radde in Ostsibirien beobachteten Jagdfalken wirklich Gerfalken waren, will ich dahingestellt sein lassen; glaublicher erscheint es mir, daß der hochnordische Jagdfalke außer Nowaja Semlja auch noch andre Eilande oder Küstenteile Nordasiens bewohnt und von hier aus im Winter südlicher streicht oder wandert, ebenso wie er auch im höchsten Norden Amerikas, von der Baffinbai bis zur Beringstraße, Brutvogel sein dürfte. Doch versichert man, den Gerfalken auch aus dem westlichen britischen Nordamerika erhalten zu haben, und somit wäre es möglich, daß sich sein Verbreitungsgebiet vom Norden Skandinaviens aus nach Osten längs der Seeküsten bis Amerika erstrecken könnte, was dann wiederum darauf Hinweisen dürfte, daß auch er als südliche Abart des Jagdfalken angesehen werden muß.
Jedes Paar hält аn dem einmal gewählten Wohnsitze mit zäher Beharrlichkeit fest und wird, wenn es vertrieben wurde, sehr bald durch ein andres ersetzt. Gewisse Felswände in Lappland beherbergen Gerfalken seit Menschengedenken. In ihrem Betragen und Wesen haben die Jagdfalken mit dem Wanderfalken die größte Ähnlichkeit. Man kаnn höchstens sagen, daß ihr Flug nicht so schnell und ihre Stimme tiefer ist als bei diesem. Ich