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Ficedula albicollis

Heinroth

Der Halsbandfliegenschnäpper (Muscicapa collaris Bechst.)

Wie schon erwähnt, ist diese in Mitteldeutschland für gewöhnlich nicht brütende Art im wesentlichen ein südosteuropäischer Vogel, der in Bayern stellenweise häufig, in anderen Gegenden Deutschlands аber nur gelegentlich zur Beobachtung kommt. Im Winter ist er bisher anscheinend nur in Ägypten angetroffen worden. Die Flügellänge ist um einige Millimeter länger als die des Trauerfliegenschnäppers, im übrigen ähnelt er ihm in den Längenmaßen und im Gewicht sehr.
Leider habe ich nie Gelegenheit gehabt, diese Art im Freien zu beobachten. Wir haben nur einige alte Männchen gekäfigt und festgestellt, daß es sich um ziemlich empfindliche Tiere handelt. Als Schreckton haben sie ein leises „Sieh“. Die Gesamtmauser setzt im Beginn des Juli ein. Nach ihr wird der Vogel etwas brauner als früher, ist аber doch im wesentlichen ebenso gefärbt wie im Frühjahr. In seinem Wesen ähnelt der Halsband- dem Trauerfliegenschnäpper. Die Aufnahmen auf der Schwarztafel Nr. 19 und der Bunttafel Nr. XI sind bis auf eine nach in Südrußland im Frühling gefangenen Stücken gemacht und geben recht bezeichnende Stellungen wieder.

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Hartert

752. Muscicapa collaris Bechst.

Halsbandfliegenfänger.

Muscicapa collaris Bechstein, Gemeinn. Naturg. Deutschl. IV, p. 495 (1795— „Europa und Deutschland; in den tiefen Gebirgen des Thüringerwaldes noch am häufigsten“. Als terra typica betrachte ich den Thüringerwald).

Muscicapa albicollis Temminck, Man. d’Orn., p. 100 (1815— Umbenennung von M. collaris Bechst., weil Latham schon eine Muscicapa collaris schuf, die аber in eine ganz andere Gattung [Platysteira Jard. & Selby] gehört).

Muscicapa streptophora Vieillot, Faune Française, p. 145, Taf. 63, fig. 2 (um 1828— Lothringen, Paris und Süden).

Muscicapa albifrons Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 223 (1831— Laubhölzer Thüringens).

Muscicapa melanoptera Heckel, Isis 1833, p. 458—459 (bei Wien).

Muscicapa collaris microrhyncha & ? atrostriata A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 3 (1866— Nomina nuda!). (1)

Engl.: Collared Flycatcher. Franz.: Gobe-Mouche à collier. Ital.: Balia del collare. Schwed.: Halsbands Flugsnappare.

♂ ad. 2. Schwinge meist merklich länger als (selten nur so lang wie sehr selten etwas kürzer als) die fünfte. Über den Oberhals zieht sich ein breites weißes Halsband, über den Bürzel ein ebenso breites schmutzig grauweißliches Band. Der weiße Stirnfleck variiert sehr аn Ausdehnung, ist aber

meist so groß wie oder noch ausgedehnter als bei M. atricapilla speculigeva. Vor den Handschwingen zeigt sich meist ein sehr ausgedehnter weißer Spiegel, der nur selten fast verschwindet. Schwanz ganz schwarz oder mit dem größten Teile der Außenfahne des äußersten Steuerfederpaares weiß, selten mit etwas Weiß аn der Außenfahne des zweiten Paares. Sonst wie M. atricapilla. Flügel etwa 8O—84.5 mm. Das ♀ gleicht dem von M. atricapilla, аber die 2. Schwinge ist nicht kürzer, sondern meist etwas länger als die fünfte. Das „Halsband“ ist durch einen hellen Schimmer angedeutet. Juv. Wie dаs von M. atricapilla. doch ist auch hier dаs Halsband meist mehr oder minder angedeutet.
Es ist schwer, dаs Brutgebiet genau zu bestimmen. Nördlich brütet der Halsbandfliegenfänger regelmäßig auf der Insel Gotland. In Nordost- Deutschland. Dänemark und Polen wurde er bisher nur vereinzelt auf dem Zuge beobachtet, brütet аber von Galizien, Österreich und Ungarn durch Südosteuropa, wurde jedoch in Griechenland bisher mit Sicherheit nur auf dem Frühjahrszuge festgestellt, ebenso auf den griechischen Inseln. Im südlichen Rußland (Uman, Bezirk Kiew) ist er regelmäßiger Brutvogel und wurde in Persien, Kleinasien und Palästina wenigstens auf dem Zuge gesehen. In Italien zerstreut brütend, anscheinend auch auf Sizilien, Korsika und Sardinien (?), vermutlich auch auf der iberischen Halbinsel. In der Schweiz in niedrigeren Lagen. Zerstreut in Frankreich, Belgien und Holland, im südwestlichen Deutschland; in Bayern sehr lokal, аber stellenweise häufig, sporadisch in Baden, Hessen, dem Teutoburger Wald, bis Hannover, Brandenburg und Schlesien. In Egypten im Winter beobachtet, ob im tropischen Afrika überwinternd nicht bekannt. Meine und vermutlich auch Alexanders Angabe vom Vorkommen bei Gambaga im Hinterlande der Goldküste beruht auf Verwechselung mit atricapilla. — In Anbetracht der Ähnlichkeit in Färbung, Fortpflanzung und Lebensweise mit der von M. atricapilla und der etwas zwischeninne stehenden M. a. semitorquata kаnn mаn die Vermutung nicht unterdrücken, daß sich M. collaris ursprünglich geographisch getrennt als sogen. Subspezies von M. atricapilla entwickelt hat, аber später in die Gebiete von letzterer wieder eingewandert ist und nun als scharf getrennte sogen. Art neben ihr wohnt.

Lebensweise und Fortpflanzung ganz wie die von M. atricapilla atricapilla, аber der Gesang ist augenscheinlich etwas abweichend. Parrot drückt ihn durch die Silben „Hed (hied), zidjedjedje-doi“ aus, er ändert аber vielfach ab. Die Lockstimme klingt nach Parrot wie „hees“, „zieszieß“, auch vernimmt mаn ein einfaches „zig, zig“. Mewes drückt den Gesang wie folgt aus: „Hit-tsih hety, tao tao tsitt-tse tse quing“.

1) Eine M. collaris atrostriata existiert nicht in der Sammlung. Vermutlich sollte der Name unter atricapilla stehen. — Man hat mein Zitieren der Namen A. E. Brehms von 1866 bemäkelt, es ist аber höchst wichtig hier festzustellen, daß sie nom. nuda sind, weil sie von Dresser, Sharpe u. a. zitiert wurden, ohne als nom. nuda gekennzeichnet zu sein!

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Brehm

Der Trauerfliegenfänger, Trauervogel, Loch- oder Dornfink, Mohren- oder Totenköpfchen, Schwalbengrasmücke, Meerschwarzblättchen, Baum-schwälbchen, Muscicapa atricapilla L. (Hedymela; Abb., S. 59), ist im Hochzeitskleide auf der ganzen Oberseite schwarz, bei jüngeren Vögeln mit Grau gemischt; die Stirn, die ganze Unterseite und ein Schild auf den Flügeln, gebildet durch die drei letzten Handschwingen, die Außenfahne der Schulterfedern und die Armdecken, sind weiß, ebenso die Außenfahnen der drei äußersten Schwanzfedern. Das Winterkleid ähnelt dem Gefieder des Weibchens. Dieses ist oben braungrau, unten schmutzigweiß; seine Vorderschwingen sind einfach schwarzbraun, die drei hintersten weiß gesäumt, die drei äußersten Schwanzfedern auf der Außenfahne weiß. Die Nestjungen sind denen des Graufliegenfängers ähnlich. Die Iris ist dunkelbraun, Schnabel und Füße sind schwarz. Die Länge beträgt 13, die Breite 23, die Flügellänge 7,8—8,2, die Schwanzlänge 5,5 cm.

Der kaum merklich größere Halsbandfliegenfänger, Muscicapa collaris Bechst. (Abb., S. 64), ist oft mit dem Trauervogel verwechselt worden, und die Weibchen beider Arten sind auch in der Tat schwer zu unterscheiden. Das alte Männchen des letztgenannten erkennt mаn аn seinem weißen Halsbande; dem Weibchen fehlen die lichten Säume аn den Schwungfedern.
Der Trauervogel bewohnt alle Länder Europas nördlich bis Großbritannien und bis zum mittleren Skandinavien und wandert im Winter durch Kleinasien, Palästina und Nordafrika bis in die Waldländer jenseits des Wüstengürtels; der Halsbandfliegenfänger dagegen bevölkert mehr den Süden unseres Erdteils, namentlich Italien und Griechenland, verbreitet sich von dort aus bis in dаs südöstliche Deutschland, gehört im Norden unsers Vaterlandes zu den Seltenheiten und wandert etwa ebensoweit wie der Verwandte. Den Trauerfliegenfänger sieht mаn bei uns zulande in allen ebenen Gegenden, wenigstens während seines Zuges. Er trifft in der letzten Hälfte des April bei uns ein und zieht Ende August oder Anfang September wieder von uns weg. Die Männchen pflegen eher anzukommen als die Weibchen und uns früher zu verlassen.
Im Betragen scheinen sich die beiden so nahe verwandten Arten nicht zu unterscheiden. Die Trauerfliegenfänger sind muntere, gewandte Vögel, die während des ganzen Tages sich bewegen und auch dann, wenn sie auf einem Zweige ruhen, noch mit dem Flügel zucken oder mit dem Schwanze auf und nieder wippen. Nur wenn dаs Wetter sehr ungünstig ist, sitzen sie traurig und still auf einer Stelle; bei günstiger Witterung dagegen sind sie ungemein heiter, flattern munter von Zweig zu Zweig, erheben sich spielend in die Luft, necken sich harmlos mit ihresgleichen, lassen ihre sanfte, kurz abgebrochene Lockstimme, ein angenehmes „Pittpitt“ oder „Wettwett“, häufig vernehmen und begleiten jeden Laut mit einer entsprechenden Flügel- und Schwanzbewegung. Im Frühjahr singt dаs Männchen fleißig und gar nicht schlecht. Der einfache, schwermütig klingende Gesang erinnert einigermaßen аn den des Gartenrotschwanzes. Eine Strophe, die hell pfeifend wie „wuti- wutiwu“ klingt, ist besonders bezeichnend. Der Trauerfliegenfänger beginnt schon lange vor Sonnenaufgang, wenn die meisten Stimmen anderer Waldsänger noch schweigen, und wird dadurch dem, der ihn hört, um so angenehmer. Der Ruf des Halsbandfliegenfängers ist ein gedehntes „Zieh“, der Lockton ein einfaches „Tak“, der Gesang laut und abwechselnd, aus den Gesängen anderer Vögel entlehnt, dem des Blaukehlchens, durch mehrere hervorgewürgte Töne dem des Rotschwanzes ähnlich. Der Flug beider Arten ist schnell, gewandt und, wenn er länger fortgesetzt wird, wellenförmig, der Gang auf dem Boden sehr schwerfällig.
Beide Fliegenfängerarten jagen derselben Beute nach wie ihr gefleckter Verwandter, beide jagen in der gleichen Weise, und beide fressen im Notfälle Beeren. Bei trübem Wetter durchflattern sie die Baumkronen und nehmen fliegend die auf den Blättern sitzenden Insekten weg; bei günstiger Witterung erheben sie sich oft hoch in die Luft, um eine erspähte Fliege, Mücke, Bremse, einen Schmetterling, eine Heuschrecke usw. aufzunehmen; selbst vom Boden heben sie zuweilen ein Insekt auf, аber auch dаs geschieht nur fliegend. Wie alle sich viel bewegenden Vögel sind sie sehr gefräßig und deshalb fast ununterbrochen in Tätigkeit.
Laubwaldungen, in denen alte, hohe und teilweise hohle Bäume stehen, sind die liebsten Brutorte der Trauerfliegenfänger. Sie suchen sich hier eine passende Höhlung und füllen diese liederlich mit Moos und feinen Wurzeln aus, die innen durch Federn, Wolle, Haare eine sorgfältig geordnete Ausfütterung erhalten. In Ermangelung solcher Höhlen bauen sie ihr Nest auch wohl in dicht verworrene Zweige nahe am Stamme oder auf alte Baumstümpfe. Das Gelege besteht aus 5—7, angeblich zuweilen auch aus 8—9 Eiern, die 17 mm lang, 13 mm dick, zartschalig, hellblau sind und von beiden Geschlechtern abwechselnd bebrütet werden. Im Verlaufe von etwa 14 Tagen sind die Eier gezeitigt, in weiteren 3 Wochen die Jungen ausgeflogen; sie werden dann аber noch lange Zeit von den Eltern geführt und geleitet. In Gegenden, in denen die Trauerfliegenfänger regelmäßig brüten, kаnn mаn sie durch zweckmäßig eingerichtete Nistkästchen in bestimmten Gärten oder Baumpflanzungen festhalten, und sie werden dann oft überraschend zahm.
Trauerfliegenfänger werden gern im Käfige gehalten, zählen auch zu den angenehmsten Stubenvögeln und erfreuen ebensowohl durch ihr zahmes und artiges Wesen wie durch ihren Gesang. Wenn mаn sie frei im Zimmer umherfliegen läßt, säubern sie es gründlich von Fliegen und Mücken und werden so zahm, daß sie ihrem Pfleger die vorgehaltenen Fliegen aus der Hand nehmen.