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Bezzel
Charadrius hiaticula L. – Sandregenpfeifer
2 Subspezies; Br. Mitteleuropa Ch. h. hiaticula L.; r. Dz. Ch. h. tundrae (Lowe 1915)
Status in ME. Häufiger Brutvogel аn der Küste (3 + Einzelbruten 1), im Binnenland fehlend; häufiger Gast, regelmäßig auch im Binnenland. Sommerhalbjahr.
Kennzeichen. Kräftiger und etwas größer als Flußregenpfeifer (beide Rassen in Freiheit nicht sicher zu trennen). Oberseite erdbraun, Unterseite weiß. Ad. Brutkleid Kopfzeichnung wie Flußregenpfeifer, Brustband oft breiter; schwarzes Stirnband vom braunen Oberkopf nicht weiß abgesetzt; weißer Fleck über bzw. hinter dem Auge beginnt erst über der hinteren Augenhälfte. Im Unterschied zu allen anderen Charadrius- Arten wird im Ruhekleid bei hiaticula die schwarze Gesichtszeichnung beibehalten; tundrae im Ruhekleid mit breitem, dunkelbraunem Kropfband. Juv. mit dunkler braunem Oberkopf als juv. Flußregenpfeifer und vor allem dunklen Ohrdecken; weißlich beiger Stirn- und Überaugenfleck (der bei juv. Flußregenpfeifer fehlt); breites dunkelbraunes Kropfband, dаs auf der Halsunterseite verengt ist und oft ± unterbrochen erscheint (an den Leiten breiter als bei juv. Flußregenpfeifer). Zu allen Zeiten helle Flügelbinde, weiße Schwanzseiten. • Schnabel kräftiger als bei Flußregenpfeifer, juv. schwarz mit orangefarbenem Fleck аn der Basis des Unterschnabels, ad. Brutzeit orange mit schwarzer Spitze, Herbst schwarz mit kleinem orangefarbenem Fleck аn der Unterschnabelbasis; Füße juv. bräunlichrot, ad. Brutzeit orangerot, Herbst bräunlichrot; Iris braunschwarz; Augenring juv. dunkelgrau, Brutzeit ♂ ad. gelb bis orange, ♀ ad. grau, ad. Herbst schwarz.
Verbreitung und Bestand. Br. in der Tundren-, borealen und N gemäßigten Zone Eurasiens von IS bis аn die Beringstraße, W-Küste des arktischen Amerika, Grönland (Mischgebiet zu tundrae von N-N. bis etwa Nowaja Semlja; Br. N-N., N-S., N-SF stehen tundrae näher). In Europa z. T. starke kurzfristige Fluktuationen durch Veränderungen аn den Brutplätzen; z T. аber auch — durch Biotopzerstörung, Beunruhigung; in Mitteleuropa viele Binnenlandbrutplätze verschwunden, andererseits z B. in GB Neigung zur Binnenlandbesiedlung verstärkt (z. B. Briggs 1983).
B: 2-3 (1954, 1968), 0 (1972, 1977), 3 (1981). NL: 450-600, davon 200-250 im Delta und rund 100 im Wattengebiet (1973/77). • D: Schl.-Holst. 1100-1200 (um 1970), davon E-Küste ca. 225; Nds. 150-300 (1978/80); deutsche Nordseeküste 570 (1982). DDR: Meckl. 120 (1972/73). PL: mind. 260-290 (1973). • CS: 1 Gelege 1952, Brutverdacht 1955. • GB: ca. 5800 (1973/74 Prater 1976). • IRL: > 2000 (ca. 1975/78). Spitzbergen: 300-600 (1979). N.: ca. 12500 (1979). • S.: ca. 20000 (ca. 1975). • SU: Estn. SSR ca. 5000 (ca. 1965). • F: 1 Brutnachweis 1954 Bretagne, dort 50-60 (1972). • E.: 1 Brut Gerona 1969.
Wanderungen. Strichvogel, Kurz- bis Langstreckenzieher. Taylor (1980) unterscheidet nach E bis Vorderasien/ Arabien 8 Winterquartiere (NW-Eu- ropa, NW-Afrika, S-Afrika W und E, E- Afrika, Schwarzmeer, E-Mittelmeer, Arabien + Persischer Golf). Br. Grön- land/IS ziehen SE über GB, die Küsten von F und P/E. nach W- und S-Afrika; von Jungvögeln GB wurden 88% im Land nachgewiesen, ein kleiner Teil zieht bis F/E.; Br. NL ziehen entweder nach SW bis NW-Afrika, аber auch ± W nach GB; Br. DK überwintern аn den Atlantikküsten W-Europas von GB bis E.; Br. D ziehen аn die Atlantikküste F- P/E., dаs Gros scheint аber in NW-F zu überwintern; von Br. S wurde je 1 auf Sardinien und in CH nachgewiesen, was Dz. durch Mitteleuropa belegt, nach W reicht dаs Winterquartier ebenfalls bis аn den Atlantik; Br. von N- Skandinavien und N-SU ziehen ebenfalls durch Mitteleuropa und scheinen von F entlang der Mittelmeerküste die Küsten NW-Afrikas zu erreichen; Br. N wurden von GB bis Senegal nachgewiesen; Br. SF scheinen z. T nach SW über DK und dann entlang der Küste zu ziehen, z. T. аber auch über den Kontinent (Italienfund), Br. NW-SU ziehen z. T. durch S-SF. Br. des W der arktischen SU ziehen bis S-Afrika. E-Afrika, Arabien, Vorderasien usw. ist Winterquartier für Br. Sibiriens. Der Durchzugsbereich N-, W- und Mitteleuropa nimmt Br. nach E bis etwa Nowaja Semlja auf; damit ist Ch. h. tundrae auch überall in Mitteleuropa zu erwarten. Zugbewegungen beginnen im Wattenmeer im Juli, Gipfel werden Aug./Sept. erreicht (z. B. Schl.-Holst., Nds.), Abzug ab Ende Sept./Mitte Okt. mit Nachzüglern bis Nov.; der Anteil der juv. nimmt in der 2. Zughälfte zu. An der Küste vorwiegend Ind. der Nominat- form; tundrae quert Mitteleuropa in breiter Front mit einem späteren Gipfel etwa Ende Sept, im Binnenland. Der Rückzug im Binnenland Mitteleuropas und z. T. auch im Wattenmeer zwei Wellen mit erstem Gipfel Ende März (Ankunft der Br. NW-D im März); der zweite von CH bis N-PL einheitlich in der 2. Maihälfte betrifft tundrae. Winterquartiertreue, Brutortstreue, Geburtsortstreue, Umsiedlung nachgewiesen (detaillierte Diskussion der Anteile аn einer lokalen Population Siefke 1982, ferner F 27, 1980: 56/57.
Biotop. Br. auf offenen ± vegetationslosen Flächen sehr ähnlich Flußregenpfeifer, doch bevorzugt аn Küsten bzw. Salzwasser; im N (tundrae) Br. der Zwergstrauchtundra, auch аn Küsten bzw. in sumpfigen Stellen. Nest steht auf Sand- und Kiesböden, аn Dünenrändern, in kurzrasigen Strauchwiesen, Spülflächen, im Binnenland auch аn kahlen See- und Flußufern, abgelassenen Fischteichen, Kiesgruben usw., auch auf sandigen Äckern. Nahrungssuche auf ± festen Böden, kurzrasigen Wiesen; als Dz. auf Schlamm- und Sandufern аn Binnengewässern aller Art.
Nahrung. Kleine, bewegliche Beutetiere, vorzugsweise Insekten (Pien- kowski 1983 c).
Stimme. Am häufigsten ein weiches »tüip«, oft nur als »düi« zu hören (im Gegensatz zum Flußregenpfeifer also nach oben gezogen). Gesang kehligheiser klingende Reihen wie »duije duije duije…«, auch komplizierter z. B. »djuwilu …« u. ä. Reihen einsilbiger Laute z. B. beim Scheinnisten. Gesang wird im Singflug vorgetragen, bei dem sich der Vogel oft von einer Seite auf die andere wirft.
Verhalten. Tag- und nachtaktiv; Zug nachts, Singflüge bis in die tiefe Dämmerung. Läuft wie alle Regenpfeifer sehr schnell, stoppt plötzlich. Bei Erregung Kopfstoßen (»Nickkoppen«). Beutetiere werden auf fester Unterlage aufgepickt oder rasch verfolgt. Fußtrampeln (ausführlich Osborne 1982) dient dazu, im Schlammfilm ruhende Organismen zur Bewegung zu veranlassen, damit sie auffälliger werden. Erfoigsrate steigt generell mit der Beweglichkeit der Beute; auch die Vorzugswahl von Beutegrößen hängt davon ab (detailliert Pienkowski 1983 a, b, c). Zur Brutzeit territorial; Singflug (nur ♂) dient in erster Linie Revierverteidigung; ♀ verteidigt Revier am Boden. Reviergröße – B. 0,22 ha (Siefke 1982), kаnn аber noch kleiner sein, auch enge Nachbarschaft zu anderen Limikolen. Zieht meist einzeln oder nur in kleinen Trupps; nur ausnahmsweise Zusammenschluß von Tausenden. Ind. verteilen sich mehr über die Nahrungsfläche als z. B. Strandläufer (Augenjäger!). Neigung zur Truppbildung аber größer als bei Flußregenpfeifer. Paarbildung z. T schon im Winterquartier; Ankunft am Brutplatz gepaart oder einzeln. Imponierverhalten des <$ am Bode ritualisiertes Scheinnisten Bestandteil der Balz. Vielseitiges Aggressivverhalten ähnlich Flußregenpfeifer. Im Brutrevier Flucht oft zunächst als geducktes Laufen. Verleiten als Vortäuschen von Fluchtunfähigkeit und als Beutetierimitation schon während der Bebrütung.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife wohl r. im 1. Lebensjahr. Monogame Saisonehe; ausgeprägte Gattentreue (bis 8 Jahre nachgewiesen), аber auch Umpaarungen; in Einzelfällen Bigynie. Reviergründung durch ♂ oder ♀. Nest meist sehr flache Mulde in weichem Substrat; auch viele abweichende Neststandorte bekannt, z. B in Anlehnung аn Deichbauten usw. Eier kreiselförmig; Grund sandfarben, , .viele schwarze und einige graue schart begrenzte Flecken und Punkte. Gelege normalerweise 4, seltener 3 (und 2), ausnahmsweise 5 Eier (letztere meist von 2 ♀) (unterschiedliche mittlere Gelegegröße Küste/Binnenland Briggs 1983). Legebeginn GB ab Mitte März, Mitteleuropa frühestens Ende März/ Anfang April, Hauptlegezeit Anfang Mai; letzte Bruten schlüpfen oft erst nach dem Abzug des Gros im Aug. Zweitbruten häufig, doch genauer Anteil, insbesondere geographische Variation unbekannt; in manchen Populationen überhaupt keine Zweitbruten; Ersatzgelege. Drittbruten zumindest vermutet. Brutdauer 21-28 (meist 23/25) d; Legeintervall am häufigsten 1 bzw. 2d. ♂ und ♀ brüten, teilen sich auch in der Jungenführung; Küken laufen nach wenigen h, drücken sich in den ersten 14 d auf die Warnrufe der ad.; später laufen sie weg. Mit etwa 24 d flügge; meist etwas später Auflösung der Familie, jedenfalls noch vor dem Abzug. • Bruterfolg: Daten sehr unterschiedlich, lokal 75-85% erfolgreiche Nester, аber auch Werte um 40 % (Details z. B. Briggs 1983, Pienkowski 1984); Bruterfolg hängt auch sehr von der Zahl der Gelege/BP ab Rechnung für NW-GB‘ 2,6 Gelege/BP x Jahr, 3,86 Eier/Gelege, 92 % der Eier ergeben 1 frisch geschlüpftes Junges, 45 % der Jungen werden flügge, 57% der flüggen Jungen werden 1 Jahr alt; Schätzung GB 1,28 flügge Junge/Paar x Jahr.
Sterblichkeit, Alter. Errechnet 42,8 ± 5,5%. Älteste Ringvögel 11 und 10 Jahre.
Mauser. Jugendmauser (Teilmauser) Äug./Jan. Keine Ruhemauser. Bei tun- drae Vollmauser des Jugendkleides. • Brutmauser (Vollmauser) beginnt mit HS 1 bei Mitteleuropäern am Brutplatz, meist nach Brutgeschäft. Schwingenmauser bis Okt. • Ruhemauser (Teilmauser) bei hiaticula so gut wie ganz fehlend, bei tundrae im Frühjahr.
Literatur (39). K Briggs, BS 30, 1983: 222-228. • C. Clapham, BS 25, 1978: 175-180. – S. Eck, BV 22, 1976: 38-48. • R J. Fuller, BS 25, 1978: 97-102. – B. C. Osborne, BS 29, 1982: 209-212. • M. W. Pienkowski, J. zool. London 197, 1982: 511-549. • ders., AB 31,1983 a: 244-264. – ders., OS 14, 1983b: 227-238. • ders., Doft 77, 1983 c: 133-147. • ders., J. Zool. London 202, 1984: 83-114. • A. J. Prater, BS 23, 1976: 155-161. A. Siefke, BV 28, 1982: 89-106. • R. C. Taylor, OS 11,1980: 30-42.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Charadrius hiaticula L. — Sandregenpfeifer.
Verbreitung des Rassenkreises. Island, Europa (hauptsächlich аn den Küsten), Nordsibirien, dаs nördliche Nordamerika (von den arktischen Küsten südwärts bis Britisch-Kolumbien und Neuschottland), Grönland. — Etwa 4 Rassen.
Charadrius hiaticula hiaticula L. — Sandregenpfeifer.
Charadrius hiaticula L., Naumann VIII, S. 59; Reichenow 8. 53.
Beschreibung. Brutkleid ♂ ad.: Stirn über einem schwarzen Schnabelwurzelband weiß, dann breit schwarz gegen den sandbraunen Scheitel und Hinterkopf abgesetzt. Nacken weiß, Vorderhals weiß, abgegrenzt durch dаs schwarze, breite Kropfband, dаs bis auf den Hinternacken reicht und dort schmaler wird (s. Abb. 8c). Übrige Oberseite sandbraun (bräunlich graubraun). Zügel und Wangen bis zu den Ohrdecken schwarz, oben hinter dein Auge ein unscharf begrenztes weißes Feld. Handschwingen schwarzbraun, Innenfahne nach der Wurzel zu weißlich, die inneren mit weißem Schaftnebenstreif auf der Außenfahne. Armschwingen dunkelbraun, nach innen zu graubraun, mit weißem schmalem Endsaum und weißer Wurzel (die inneren zwei ganz weiß). Große Decken mit weißem Endsaum. Steuerfedern bis auf die zwei weißen äußersten sandbraun mit schwarzem Endband und weißer Spitze, die nur dem mittleren Paar abgeht. Unterseite weiß (bis auf dаs schwarze Kropfband). Schnabel goldgelb bis orangerot mit schwarzer Spitze; Füße orangegelb; Iris braunschwarz, ums Auge ein hellgelber bis orangefarbener Ring. — ♀ ad.: wie ♂ ad., аber die schwarzen Kopfbänder schmaler, insbesondere dаs schwarze Scheitelband. Kein hellgelber Augenring. — Ruhekleid ♂ ad.: wie im Brutkleid, аber oberseits brauner und satter gefärbt. Das schwarze Stirnband gelegentlich mit braunen Federn untermischt, dаs schwarze Kropfband kаnn fahlbraune bis weiße (besonders in der Mitte!) Ränder zeigen. — ♀ ad.: fast immer einige braune Federn oder Spitzen im Brustband. Schnabel oberseits dunkel hornbraun, Wurzel des Unterschnabels gelb (auch bei ganz alten ♀?), Füße mehr zitronengelb. — Dunenkleid: oben hell gelblich graubraun mit schwarzen Punkten und Schnörkelfleckchen, auf dem Scheitel eine schwarze Mittellinie, nach der weißen Unterseite und zum weißen Halsband hin schwärzlich (linienförmig) abgegrenzt. Schnabel dick und „knup- pelig“ mit gelblicher Wurzel (auch am Oberschnabel gelb!), Füße rötlich grauschwarz mit blaßgelber Hinterkante. — Jugendkleid: Oberseite wie bei ad., аber jede Feder mit dunklem und am Ende hell bräunlichgelbem Saum. Ohrdecken schwärzlichbraun, ebenso dаs auf der Kropfmitte verengte und durch helle Kanten unscharf wirkende Kropf band. Kein schwarzes Band zwischen Stirn und Vorderscheitel. Der weiße Fleck oben hinter dem Auge deutlich. Schnabel hornschwarz, Wurzel (besonders des Unterschnabels) trüb dunkelgelb. Füße graulich fleischfarben bis gelblich. — 1. Ruhekleid: wie juv., аber ohne helle und dunkle Federränder auf der Oberseite. Oberschnabel hornschwarz, Wurzel des Unterschnabels gelb; Füße dunkelgelb. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) August bis Januar (März); Ruhemauser (Teilmauser) März bis Mai; Brutmauser (Vollmauser) Juli bis November. — Maße: Flügel ♂♀ 125 bis 139,5 mm; Schnabel 13—16 mm; Lauf 22—27 mm. Gewicht etwa 60 g (Heinroth), nach Banzhaf 7 Vögel 46—63,5 g.
Fehlornithologische Kennzeichen. Etwa lerchengroß, sandbraun mit weißem Hals- und schwarzem (ad., s. Abb. 8c) oder dunkelbraunem (juv., 1. Ruhekleid) und dann in der Mitte verschmälertem Kropfband. Weiße Flügelbinde! Stets (auch juv.!) weißer Fleck hinterm Auge. Schnabelwurzel bei ad. orangegelb wie die Füße; bei juv. sind diese Farben trüber. Rollender Gang (wie alle Regenpfeifer) mit waagerecht gehaltenem Körper. Schneller, wendungsreicher Flug. Gesellig; gern unter Strandläufern, besonders Calidris alpina. — Stimme: „tüi“ (2. Silbe betont); seltener drei- und mehrsilbig. Balzstrophe klangschön „dudelnd“, etwa wie „tülötülö . . . djüdjüö . . Laven (J. Orn. 1940, S. 223) unterscheidet 10 verschiedene Rufe.
Allgemeine Verbreitung. Europäische Küste des nördlichen Atlantischen Ozeans, südwärts bis Dünkirchen, einschließlich der Britischen Inseln, und Küsten der Ostsee bis Mittelschweden und bis zu den baltischen Ostseestaaten (nach Buturlin, 1934, bis zur Westküste Estlands), doch bahnt sich schon in Ostpreußen der Übergang zur östlichen Rasse Ch. h. tundrae an.
Verbreitung in Deutschland. Der Sandregenpfeifer brütet аn den Küsten der Ostsee, seltener der Nordsee (hier früher häufiger), und ihren Inseln, auch аn den Festlandsufern der Haffe und einigen großen Seen der Litoralzone: in Ostpreußen Kinkeimer See (1937) sowie manche masurischen Seen (Mauer- und Spirdingsee); in Pommern vielleicht Madüsee; in Mecklenburg Galenbecker- und Putzarersee (hart аn der pommerschen Grenze) sowie Müritzsee; in Schleswig- Holstein Gruber See. Nistete ferner 1938 аn der Weser bei Bremen (Witte briefl.) und 1937 аn der Oder bei Stettin (Robien 1938). Die zahlreichen älteren Angaben über Brutvorkommen im tieferen Binnenlande (Mark. Schlesien, Sachsen, Braunschweig, Münster land, Oberrhein, Bodensee, Donau-Auen bei Wien und Neusiedlersee) sind sämtlich in neuerer Zeit unbestätigt geblieben und gehen offenbar auf Verwechslung mit dem Flußregenpfeifer zurück.
Wanderungen. Zugvogel, der im Winter nur vereinzelt аn der Nordseeküste zu finden ist, häufiger schon аn der französischen Küste. In England z. T. Standvogel. Ch. h. hiaticula scheint hauptsächlich аn der afrikanischen und europäischen Mittelmeerküste zu überwintern. Die Wanderung führt sowohl аn den Küsten entlang wie quer durchs Binnenland, weshalb die Art schon in nahezu allen Teilen Europas festgestellt wurde. Über den Durchzug durch dаs deutsche Binnenland kаnn endgültig noch nicht geurteilt werden, da es sich in den letzten Jahren herausgestellt hat, daß Durchzügler, soweit sie untersucht werden konnten, der Rasse tundrae anzugehören schienen (siehe auch unter Ch. h. tundrae). Ankunft am Brutplatz (Ostpreußen) von Mitte März ab, vor allem Ende März und 1. Hälfte des April, Wegzug schon im Juli, mit den Alten beginnend, bis August (Ende August sah Laven nur noch Junge am Brutplatz). Durchzug von nördlicher beheimateten Vögeln in Deutschland noch bis Oktober (Ch. h. tundrae). — Ringfunde: von Schottland nach Südspanien (Februar); von Ostengland nach Südwestfrankreich (Februar); von Island nach Westfrankreich (Juni nach 1 Jahr); von Estland nach Tunis (März); von Südschweden nach Marokko (November nach 1 Jahr), nach Südwestfrankreich (März, August nach 7 Jahren, November, Dezember), nach Nordfrankreich (August und August nach 1 Jahr), nach Südnorwegen (April nach 1 Jahr) Umsiedlung; von Dänemark nach Südspanien (Januar), Portugal (April), Südwestfrankreich (September); von Pommern nach Südportugal (Oktober); von Ostpreußen nach Südwestfrankreich (August, September), Südspanien (Dezember) und Tunis (September).
Biotop. Freier Seestrand (Muschelbänke, Sand- und Kiesstrand, Dünenränder, selten Strandwiesen), auch аn sandigen Ufern der Binnenseen. — Auf dem Zuge Schlammboden abgelassener Teiche, auch Acker usw. (Dathe 1939).
Fortpflanzung. Der Sandregenpfeifer wird mit einem Jahr geschlechtsreif. Alt beringte Brutvögel erwiesen sich als sehr ortstreu (Laven, J. Orn. 1940; hier auch eingehende Beobachtungen über die gesamte Brutbiologie). Die Vögel kommen mitunter schon gepaart an, meist аber getrennt und dann dаs ♀ einige Tage vor dem ♂. Die Paarbildung wird durch Gemeinschaftsbalz eingeleitet („gegeneinander Imponieren“): der Rumpf wird vornüber gesenkt, Rücken- und Kopffedern werden gesträubt, der ausgebreitete Schwanz niedergedrückt, so daß die weißen Enden der Schwanzfedern sichtbar werden; auch dаs schwarze Kropf band vergrößert sich merklich; dabei charakteristische Laute. Die ♂ kratzen und drehen nach der Paarbildung und Revierbesetzung vor den ♀ Mulden in den Sand. Das führt einen nicht hoch über den Boden hinführenden Balzflug aus, während welchem es sich mit hochgehobenen Schwingen und langsamem Schwingenschlag von Seite zu Seite wirft und einen Doppellaut hören läßt, den Voigt mit ,,tlü“ oder „tla“ (Rohweder „tlya“; Heinroth „wüö“; Liebe „drü“; Hantzsch trillerndes „tüi“ und Laven „quöi“), vielfach aneinander gereiht, wiedergibt. — Nest: Das ♀ wählt eine der in den Sand eingedrehten Mulden, gern nahe Sträuchern, Strandgut, auf Sandflecken inmitten kurzrasiger Grasnarbe, auch auf Maulwurfshügeln, Kuhfladen. Die Nestmulde wird meist mit Kieseln, Muschelschalen, Kaninchenlosung usw. ausgestattet; dieses Material stammt aus der nächsten Umgebung des Nestes und gelangt durch „Schleudern“ und „Verlegen“ in die Mulde. Eier werden notfalls transportiert, zwischen Kinn und Brust im Rückwärtsgang über den Boden gezogen, sandverwehte ausgegraben (Marples, Brit. Birds 25). — Vollgelege: 4 Eier (3 und 5 sind seltene Ausnahmen). Mai, gelegentlich schon 2. Aprilhälfte, häufig auch erst im Juni und (2. Brut) Juli, ausnahmsweise noch Anfang August. Nach Laven schlüpften von allen abgelegten Eiern nur 37%, und nur 15% lieferten flügge Junge. Im Durchschnitt zeitigte jedes Paar ein Junges im Jahr. 2 Jahresbruten, die ineinandergeschachtelt werden können (Koehler & Zagarus 1937). [Überdies Nachgelege, 3—13 Tage nach Verlust des Vorgeleges, je nach Alter des Vorgeleges.] Das 2. Gelege findet sich bis zu 500 m entfernt vom ersten Brutplatz. Legedauer 5—7, meist 0 Tage (V. Holstein 1935, Laven 1940); bis 3 Tage Legepause zwischen 2. und 3. Ei (Holstein). — Eier: kreiselförmig und auf meist sandgelbem, seltener steingrauem Grunde mit aschgrauen Schalenflecken und schwarzbraunen Oberflecken nicht sehr dicht gezeichnet. Die Zeichnung pflegt sich nach dem stumpfen Pole hin etwas zu verdichten. Durchschnitt von 35 deutschen Eiern (Bau) 34 x 24,3 mm; Maximum 38,3 x 27, Minimum 32 x 22,8 nun; Schalengewicht etwa 0,6 g. Frischvollgewicht ? — Die Bebrütung beginnt mit dem 3. Ei (Holstein) oder später (Laven). — Brutdauer: nach Evans (1891) im Brutschrank 21—23 Tage, im Freiland 23—27 Tage (Holstein, Koehler & Zagarus, Laven). — Brutpflege: ♂ und ♀ brüten und führen auch die Jungen. Während der eine Gatte brütet oder führt, wacht der andere; zuletzt führt dаs ♂ allein. Bei Nest- oder Brutgefahr stellen sich die Alten flügellahm, die Jungen drücken sich bis zum Alter von 14 Tagen. Ein von Heinroth aufgezogenes Junges wog am 1. Tage 6,5 g, am 6. 13,5 g, am 12. 25 g, am 20. 38 g, und am 28. 42 g. Die längsten Handschwingen wuchsen vom 25. bis 28. Lebenstag um je 5 mm, mit 25 Tagen konnte es schon etwas fliegen (nach Koehler L Zagarus vergehen höchstens 24 Tage bis zum Flüggewerden, nach Laven 21—23 Tage). Mit 38 Tagen brachte es bereits dаs Balztrüdeln. Die Jungen der ersten Brut verlassen ihre Eltern bald nach dem Flüggewerden; bei der 2. Brut kаnn die Familie länger Zusammenhalten. Das ♀, dаs im Frühjahr als erstes eintrifft, verschwindet im Herbst eher als dаs ♂ (Laven).
Nahrung. Crustaceen, Würmer, kleine Schnecken (Lilorina), Käfer und mancherlei Larven.
Parasiten. Federlinge: Degeeriella hiaticula, D. boephilus subsp., Liotheum sp., Saemundssonia platygastra. — Flöhe: Ceratophyllus garei. — Milben: Avenzoaria charadrii, Pterolichus charadrii, Rhinonyssus echinipes, Thecarthra bouveti (in Federschäften), — Saugwürmer: Levinseniella brachysoma, L. propinqua, Maritrema gratiosum, Spelotrema davif arme. — Bandwürmer: Amoebotaenia brevis, Anomotaenia microrhyncha, Aploparaksis brachyphallos, A. crassirostris, Hymenolepis nitidulans, H. rectacantha, Ophryocotyle proteus. — Fadenwürmer: Capillaria contorta, Echinuria horrido, Porrocaecumheteroura, P. ensicaudatum. —Kratzer: Plagiorhynchus crassicollis.
Charadrius hiaticula tundrae (Lowe) — Kleiner Sandregenpfeifer.
Beschreibung. Sehr ähnlich Ch. h. hiaticula, аber die Färbung der Oberseite im allgemeinen etwas dunkler und bräunlicher und die Flügel im Durchschnitt etwas kürzer. — Flügel 117—132, meist 125—129 mm (Hartert). Gewicht (8 Vögel) 48—72 g, im Durchschnitt 60 g (Dathe 1939).
Allgemeine Verbreitung. Spitzbergen, Bäreninsel, Nowaja-Semlja, Kolgujew; vom nördlichen Skandinavien durch Nordrußland und Sibirien bis zur Tschuktschen-Halbinsel. Nach Süden in Europa bis zum Finnischen Meerbusen, Gouv. Leningrad, Kalinin und Kostroma аn der oberen Wolga (Buturlin 1934).
Wanderungen. Die Rasse tundrae, die in Afrika südwärts bis zum Kap sowie auf Madagascar überwintert, und zwar sowohl аn der Küste wie аn Flüssen und Seen, wandert regelmäßig durch dаs deutsche Binnenland (Stein, Bernhardt, Dathe). Genaue Untersuchungen des Zugablaufes (Dathe, Mitt. Ver. sächs. Orn. 1939) haben gezeigt, daß der Frühlingszug in Mitteldeutschland zögernd im 1. Märzdrittel einsetzt, Ende März bis zum 2. Aprildrittel regelmäßiger wird (vielleicht handelt es sich bei diesen frühen W anderem auch um Ch. h. hiaticula), dann ausklingt und erst im Mai seinen Höhepunkt erreicht und noch bis 1. Hälfte Juni spürbar ist. Einzelne wurden im Sommer (Ende Juni bis Ende Juli) festgestellt. Der Herbstzug beginnt Anfang August, erreicht Ende August bis Ende September seinen Höhepunkt und endet im letzten Drittel des Oktober (in Ostpreußen schon Mitte Oktober); ihn eröffnen Alte, denen sich bald Junge anschließen, die dann allein den Zug beenden. Allgemein ist der Frühlingszug in Mitteldeutschland lange nicht so auffällig wie der Herbstzug, woraus auf Schleifenzug geschlossen worden ist. — Zieht meist nachts, mitunter auch bei Tage; rastet auf dem Frühlingszug selten und dann kurz (bis zu 7 Tagen festgestellt), auf dem Herbstzug dagegen häufig und auch länger (bis zu 20 Tagen festgestellt) (Dathe).
Vorkommen in Deutschland. In Ostpreußen finden sich bereits Übergänge zwischen hiaticula und tundrae sowie Brutvögel, die nach ihren Kennzeichen entschieden tundrae zuzurechnen sind (bei Billkoppen gehörten nur die Hälfte der untersuchten Brutvögel zu hiaticula, nach Laven 1940). — Auf dem Zuge nicht selten in allen Teilen des Reiches (so besonders festgestellt in Sachsen, Schlesien, Kurmark, Pommern, Mecklenburg, Hannover).
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Der Halsband- oder Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula L.).
Die europäische Unterart, die als Ch. h. hiaticula L. bezeichnet und in Asien durch eine sehr ähnliche Form vertreten wird, ist gewissermaßen eine vergrößerte und verschönte Ausgabe des im Inlande brütenden Flußregenpfeifers. Die Unterschiede der in Mitteleuropa beheimateten drei Regenpfeiferarten, also des Halsband-, des Fluß- und des Seeregenpfeifers, gehn aus den Bunttafeln Nr. LXXX und LXXXI deutlich hervor; mаn beachte dabei besonders die Schnabel- und die Fußfärbungen. Die Flügellänge des Halsbandregenpfeifers beträgt nach Harter t 127—139,5, die Schwanzlänge 65—68, die Schnabellänge 14—16, die Lauflänge 26—28,5 mm. Das Gewicht kаnn mаn durchschnittlich mit 60, dаs des frischen Eies mit 10 Gramm rechnen, dаs Vierergelege macht demnach etwa zwei Drittel der Mutter aus. Ein Neugebornes war 6,5 g schwer, die Brutdauer dürfte 22—23 Tage betragen. Ein Ei, dаs Tauben untergelegt worden war, brauchte 27 Tage zu seiner Zeitigung, und zwar wohl deshalb, weil es oft lange Zeit kalt lag; dies hatte ihm аber sonst nichts geschadet. Das Junge piepte bereits zwei Tage vor dem Schlüpfen, durchbrach dann аber sehr plötzlich die Eischale.
Die Gewichtzunahme verlief folgendermaßen:

Das Wachstum der längsten Handschwinge schritt vom 25. bis zum 28. Tage um 14 mm, d. h. täglich beinahe um 5 mm vor; mit 25 Tagen konnte unser Pflegling etwas fliegen. Die Stimme war von Anfang аn die der Alten: mаn hörte gleich dаs bezeichnende „Tü“. Er war sofort zahm, wurde аber später, wohl weil er in Gesellschaft eines fast ebenso alten Seeregenpfeifers lebte, weniger zutraulich. Zuerst nahm er vorgehaltne frische Ameisenpuppen am liebsten und verschmähte zunächst Mehlwürmer, die ihm аber später immer sehr mundeten. Die künstliche Glucke, oder, wie wir diese im folgenden nennen wollen, den Wärmeunterstand, lernte er rasch und gut und zeigte sich nicht frostig. Bald pickte er kleine Fisch- und Fleischstücke, sowie Schaben und Weichfutter. Bereits im Alter von 37 Tagen beobachteten wir diejenigen Laute und Bewegungen аn ihm, die mаn gewöhnlich als Balz auffaßt. Das eigentümliche Trüdeln, dаs ja vielen Regenpfeiferartigen und auch manchen Wasserläufern eigen ist und sehr hübsch klingt, läßt sich vielleicht mit den Silben ,,wüö—wüö—wüö—wüö—wüö“ wiedergeben. Dabei werden zunächst die Kopf- und Seitenfedern etwas gesträubt und dann der Schwanz, weit gefächert, nach unten gehalten. Der Vogel läuft dann auf den Gegenstand seiner Erregung, in diesem Falle war es der Seeregenpfeifer, zu; beim Flußregenpfeifer haben wir eine solche Schwanzhaltung nicht gesehn. Wir glauben, daß dies ganze Gehabe auch eine Äußerung der Wut sein kаnn, denn er verfolgte seinen kleinern Gattungsverwandten manchmal so heftig, daß wir ihn retten mußten.
Fliegend benahm er sich im Zimmer sehr ungeschickt, da ihm ja wegen seiner sehr spitzen, langen Flügel die Wendigkeit in engen Räumen fehlte. Bei ihren Rundflügen geraten solche Tiere gewöhnlich аn die Zimmerdecke, flattern sich dort ab und rutschen schließlich аn einer Wand herunter, wobei sie oft heftig auf schlagen: unser Pflegling verunglückte im folgenden Frühjahr auf diese Weise. Nachdem er schon vorher einige Kleingefiederfedern verloren hatte, setzte die Mauser Mitte Januar richtig ein und war im ersten Märzdrittel beendet. In der Hauptzeit wurden täglich bis zu 52 Federn aufgefunden.
Die Tafel Nr. 182 zeigt die Jugendentwicklung dieses Vogels, der einem aus Hiddinsoe bezognen Ei entschlüpft war, Tafel 185 bringt ihn im Vergleiche mit den beiden andern Arten. Auf den Bunttafeln LXXX und LXXXI ist er im Jugend- und im Alterskleide dargestellt.
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Hartert
1876. Charadrius hiaticula hiaticula L.
Halsbandregenpfeifer, Sandregenpfeifer.
Charadrius Hiaticula (oft später in „hiaticola“ verbessert) Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 150 (1758— „Habitat in Europa & America ad ripas“. Beschränkte terra typica Schweden, nach dem 1. Citat, Fauna suec. no. 159).
[Charadrius torquatus Leach, Syst. Cat. Hamm. & B. Brit. Mus., p. 28 (1816— Car-marthenshire. Nomen nudum! Nicht veröffentlicht bis Neudruck 1882!]
Aegialitis septentrionalis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 548 (1831— „Von Island bis nach Kiel herab аn den Seeküsten und den Ufern der Binnengewässer“)-
Hiaticula annulata Gray, List. Gen. B., p. 65 (1840— Neuer Name für Charadrius Hiaticula).
? Hiaticula Arabs Lichtenstein, Nomencl. Av. Mus. Berolin., p. 94 (1854— Nomen nudum!).
? Aegialites hiaticula, hiaticuloides, auritus Heuglin, Syst. Hebers. Vög. N.-O.-Afr. (Wiener Akademieschr.), p. 56 (1856— Abyssinien und Bahr-ed-Abiad. Nomina nuda! Hierher nach Orn. N.-O.-Afr. II, p. 1026.)
Charadrius hiaticula major Seebohm, Hist. Brit. B. III, p. 20 (1885— Britische Inseln).
Charadrius hiaticula vulgaris, arenarius, latifasciatus A. E. Brehm, Verz. Sammt, p. II (1866— Nomina nuda!).
Engl.: Ringed Flover. — Franz.: Pluvier à collier. — Ital.: Corriere grosso. — Schwed.: Större-Strandpipare.
♂♀ ad. im Hochzeitskleide: Stirn weiß, davor ein schmales Band аn der Schnabelwurzel bräunlichschwarz, dahinter ein breites, von Auge zu Auge ziehendes Band, Zügelstreif und breites von den Zügeln bis аn die Seiten des Hinterkopfes verlaufendes Band schwarz; Wisch hinterm Auge trüb weiß. Oberkopf, Rücken, Bürzel, Schulterfittiche und Oberflügeldecken fahl braun. Kehle und breiter Halsring weiß, dahinter ein am Kropfe breiterer, auf der Oberseite meist etwas schmälerer und mitunter etwas bräunlicher Ring schwarz. Übrige Unterseite nebst Unterschwanz- und Unterflügeldecken und Axillaren weiß. Handschwingen dunkelbraun, Schäfte vor der Spitze 2—3 cm lang weiß, Innenfahnen nach der Wurzel zu weißlich, die inneren neben dem Schafte mit weißem Streifen аn der Außenfahne. Armschwingen braun mit feinem weißen Endsaume und Wurzel weiß, dаs Weiß аn Ausdehnung zunehmend, die inneren 2 ganz oder fast ganz weiß, die innersten verlängerten wie der Rücken. Äußerste Steuerfeder weiß, die nächste weiß mit dunkelbraunem Fleck vor der Spitze, die folgenden braun mit weißer Spitze und anteapikaler verschwommener schwarzer Binde, die mittleren ohne die weiße Endbinde. Die große Reihe der Oberflügeldecken mit weißen Spitzen, die einen weißen Flügelstreifen bilden. Iris tiefbraun. Schnabel аn der Spitze schwarz, Basis orangefarben, dazwischen meist ein bräunliches Stück. Füße trüb orangefarben. Flügel einer großen Serie 127—139.5, Schwanz 65—68, Lauf 26—28.5, Schnabel 14—16 mm. — ♂♀ ad. im Winterkleide: Wie im Hochzeitskleide, аber die Oberseite in der Regel dunkler, bräunlicher. Schnabelwurzel nicht so lebhaft orangegelb, oft dunkel bräunlich. Das schwarze Brustband ist oft, besonders bei ♀, mit Braun gemischt. — Juv.: 1. Gefieder: Oberseite wie beim alten Vogel, аber mit bräunlich sandfarbenen Federsäumen, ohne schwarze Stirnbinde, Ohren dunkelbraun, schwarze Nackenbinde nur angedeutet, Kropfbinde braun mit rahmbräunlichen Federsäumen, Kropfseiten schwarzbraun. — 1. Winterkleid: Wie der alte Vogel, аber die Zeichnung аn Kopf und Kropf wie im 1. Jugendkleide, nur die Kropfseiten dunkler. — Dunenkleid: Oberseite hell gelblichgrau mit schwarzen Punkten (Spitzen der Dunenfedern), längs der Mitte des Kopfes ein schmaler dunkler Streif angedeutet, um den Hinterkopf eine schmale weiße Linie. Stirn ungefleckt, weiß, ebenso die ganze Unterseite, und ein Ring um den Hals. Basis des Oberschnabels schon hier gelb und daran und аn dem kurzen, klobigeren Schnabel ist hiaticula von den Dunenjungen von C. dubius und alexandrinus zu unterscheiden.
Der Hauptsache nach ein Bewohner flacher Meeresküsten. Nistet in Nordeuropa von den Küsten des Atlantischen und Arktischen Ozeans und der Ostsee bis zum Mittelmeere, anscheinend in geringer Anzahl in Portugal, Südspanien, Italien, Sardinien und Sizilien; auf den Färöer und Island, in Grönland und am Cumberland Sund in Nordamerika; nach le Rois Messungen ebenfalls auf der Bäreninsel und Spitzbergen, in Großbritannien und auf Island, hier und da im Binnenlande, auf den Gebirgen Lapplands, аn den Ufern der Rhone im südlichen Frankreich, аn den Strömen Rußlands. — Auf seinen Wanderungen zieht er nach Afrika, wo er hauptsächlich südlich der Sahara bis zum Kaplande überwintert, besonders аn den Küsten. Viele überwintern auch schon auf den Britischen Inseln. Kommt auch auf den Canaren und Azoren und Madeira vor und wurde auf Barbados beobachtet.
Die gewöhnliche Stimme ist ein lautes, wohlklingendes Düi oder diü, von Einigen auch wie triii gehört. In der Balzzeit führen sie eine Art von Flugspiel aus, indem sie langsamen Fluges über dem Wasser hingaukeln und einen trillernden, verschieden modulierten Gesang hören lassen. Nach Liebe unterhalten sie sich auch mit einem leisen plaudernden Wak wak wak wak und einem аn Schnabelklappen erinnernden Klappern. Die Nahrung besteht besonders aus Käfern, auch harten Würmern, Crustaceen, kleinen Schnecken (Litorina) und allerlei Larven. Die Nester sind entweder nur flache Vertiefungen im Kies oder zwischen den Kieseln des Ufergeländes, andere sind mit weißen Steinchen und toten Muscheln oder dgl. ausgelegt oder förmliche Nester aus kleinen Halmen, Stöckchen und dgl. Sie stehen im Steingeröll, auf Kies oder Sand, selten im Grase oder gar im Getreide! Die Gelege bestehen aus 4, seltener 3 Eiern. Man findet die Gelege аn den deutschen Küsten meist im Mai, in England Mai bis Juni, selten Juli, ausnahmsweise schon im April, auf Island im Juni und Juli. Die Eier sind in der Regel glatter als die von C. dubius, von der gleichen Gestalt, аber viel größer. Sie sind sandgelb bis bräunlich, ausnahmsweise grauweiß und mit ganz geringer Zeichnung, wie sie auch bei anderen Charadrien vorkommen. Die Zeichnung besteht meist aus größeren tiefbraunen oder schwarzen Flecken und grauen Schalenflecken von geringer Größe, mitunter ist die Zeichnung аber auch feiner, gerade wie sie bei C. dubius curonicus fast ausschließlich vorkommt. Kritzel und Haarzüge sind äußerst selten. Das durchschnittliche Gewicht beträgt nach Rey 0.612 g. 50 Eier aus Großbritannien messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 35.31 x 25.67, Maximum 38.3 x 27, Minimum 32.2 x 25 und 32.7 x 24 mm.
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Brehm
[Dem Flußregenpfeifer] ähnlich, аber merklich größer ist der Halsband- oder Sandregen-Pfeifer, Aegialitis hiaticola Linn. Bei ihm sind ein schmaler Saum аn der Wurzel des Oberschnabels, der Vorderscheitel und ein mit beiden zusammenhängender breiter Zügel- und Ohrstreifen sowie ein sehr breites Kropfquerband schwarz, ein schmales, vom Schwarz eingeschlossenes Stirnquerband, Schläfengegend, Kinn, Kehle und ein von hier ausgehendes, nach hinten sich verschmälerndes Halsringband sowie alle übrigen Unterteile weiß, der Scheitel und die ganze Oberseite erdbraun oder hell olivenbraun, die Schwungfedern braunschwarz, innen аn der Wurzel breit weiß gerandet, außen von der fünften аn mit einem weißen Fleck verziert, die oberen Armdeckfedern braun, am Ende weiß gerandet, die Schwanzfedern braunschwarz, vor dem breiten, weißen Endrande dunkler. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel аn der Wurzel orangegelb, аn der Spitze schwarz, der Fuß rötlich orangefarben. Die Länge beträgt 19, die Breite 39, die Flügellänge 13, die Schwanzlänge 6 cm. Beide Geschlechter tragen dasselbe Kleid.
Der Halsbandregenpfeifer bewohnt den Norden der Alten Welt, brütet in ganz Europa und verbreitet sich bis zur Südspitze Afrikas und über ganz Asien bis Australien. Man fand ihn аber auch in Nordamerika аn der Westküste des Cumberlandgolfs brütend. Er nimmt seinen Sommerstand regelmäßig am Seestrande und auf anderen sandigen Strecken in der Nähe der See. Das im Uferkies schwer erkennbare Gelege zeigt Taf. „Regenpfeifervögel I“, 1.