Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
1959. Limosa lapponica lapponica (L.).
Rostrote Uferschnepfe, Pfuhlschnepfe.
Scolopax lapponica Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 147 (1758— ,,Habitat in Lapponia“).
Scolopax Aegocephala id., 1. c. (1758— „Habitat in Europa australi“).
Scolopax testacea Pallas, Vroeg’s Cat. Verz. Vog., Adumbratiuncula No. 301 (1764— Insel Blankenburg in Holland).
Scolopax leucophaea Latham, Index Orn. II, p. 719 (1790— „Habitat in Europa, frequens in Anglia“).
Tringa gregaria Otto, Übers. Buffon, XXVI, p. 242 (1797— Nach Dresser u. a., von mir nicht gesehen).
Totanus ferrugineus Meyer, Meyer & Wolfs Taschenb. d. deutsch. Vögelk. II, p. 374 (1810— Neuer Name).
Limosa Meyeri Leisler, Nachtr. zu Bechst. Naturg. Deutschi. II, p. 172 (1813— Deutschland auf dem Zuge).
[Limosa Noveboracensis Leach, Syst. Cat. Mamm. & B., p. 32 (1816— Kent. Name für „The Red-breasted Godwit“; descr. nulla! Ex y auf p. 376 Cat. B. Brit. Mus. XXIV ist wahrscheinlich der „Typus“ dieses Namens, dessen Publikationsdatum аber erst 1882 ist! S. Anmerk, unter L. limosa!).]
Limosa rufa Temminck, Man. d’Orn., 2. Ed., II, p. 668 (1820— Neuer Name, ex Brisson).
Fedoa pectoralis Stephens, Shaw’s Gen. Zool. XII, 1, p. 79 (1824— England).
Limosa Barge Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. II, p. 180 (1827— Partim! „Per omnem passim Rossiam et Sibiriam“ usw.).
Limosa rufa vera A. E. Brehm, Verz. Sammt, p. 12 (1866— Nomen nudum!}
Engl.: Bar-tailed Godwit. — Franz.: Barge rousse. — Ital.: Pittima minore.— Schwed.: Roströd Långsnäbba, Myrspofv.
Abb.: Dresser, B. Europe, Taf. 573, 574; „Neuer Naumann“ IX, Taf. 10, 11.
♂♀ ad. im Hochzeitskleide: Oberseite bräunlichschwarz mit blaß rostroten Federsäumen, die auf dem Halse so breit werden, daß die Federn daselbst rostrot sind mit schwarzen Schaftstreifen, Hinterrücken und Bürzel weiß, mehr oder minder, meist аber sehr sparsam mit schwarzbraunen Keilflecken versehen. Oberschwanzdecken weiß, die vorderen mit braunen Keilflecken, die hinteren mit ebensolchen Querbinden. Handschwingen schwarzbraun mit weißen, аn den inneren bräunlichweißen Schäften, Innenfahnen nach der Wurzel zu mit breitem weißen, braun gesprenkelten Innensaum. Armschwingen ringsum weiß gesäumt, die inneren verlängerten mit rostroten Zackensäumen, dem Vorderrücken und der übrigen Oberseite ähnlich. Steuerfedern weiß mit braunen Querbinden, die mittleren und mitunter alle mit breiteren graubraunen Binden, die nur schmale weiße Bänder übriglassen, dаs Weiß аn den mittelsten mit rötlichem Anflug. Ganze Unterseite rostrot, am Bauche meist, oder doch oft, mit einzelnen weißen Federn, die Unterschwanzdecken mit sparsamen braunen Zeichnungen. Oberflügeldecken dunkelbraun mit weißlichen Säumen. Unterflügeldecken und Axillaren weiß, erstere mit braunschwarzen Schaftstrichen, letztere mit ebensolchen Querbinden. Im Sommer nutzen sich die rostroten Federsäume stark ab und verbleichen auch. Iris braun. Füße schwarz. Schnabel schwarz, Basis fleischfarben. Flügel 212—220, Schwanz 72—77, Lauf 49—55, Schnabel 75 bis 100, bei einzelnen ♀, die meist bedeutend längere Schnäbel haben, bis 104 mm. Zwerghafte Stücke mitunter kleiner. — Winterkleid: Oberseite braun, die Federn längs des Schaftes am dunkelsten und mit breiten aschgrauen Rändern. Unterseite weiß, Vorderhals, Kropf und Brustseiten hell aschgrau, erstere mit dunkelbraunen Schaftstrichen, Kropf mit ebensolchen, аber undeutlichen Flecken, Weichen mit einigen dunkelbraunen, mit pfeilspitzenförmigen Schaftflecken und mitunter mehreren ebensolchen Querstreifen, Unterschwanzdecken mit schiefstehenden braunen Querzeichnungen. Im Laufe des Winters wird dаs Grau der Oberseite etwas bräunlicher. Die Frühlingsmauser findet im allgemeinen sehr spät statt. — Juv. Oberseite tief schwärzlichbraun mit ziemlich breiten hell rostgelben Federsäumen, die inneren verlängerten Armschwingen mit ebensolchen tief einschneidenden Zackensäumen. Bürzel wie bei alten Vögeln, Steuerfedern rostgelblich weiß mit schwarzbraunen Querbinden. Unterseite hell schmutzig isabellfarben, Vorderhals, Kropf und Weichen mit schmalen dunkelbraunen Schaftlinien, obere Kehle, Mitte des Unterkörpers und Bauch weiß, Unterschwanzdecken fast weiß und mit einigen dunklen Schaftlinien. — Dunenjunges: Dem von L. limosa ähnlich, аber oberseits, аn Kopf, Kehle und Hals nicht so röstlich, sondern blasser und gräulicher, Kropfgegend graubräunlicher, Unterkörper etwas schmutziger; vom Schnabel über die Mitte der Stirn hin ein deutlicher ziemlich breiter schwarzbrauner Streif.
Brütet in Nordskandinavien, in Tornea-Lappmark bei Muonioniska, Enontekis und Kyrrö, in Nordfinnland bei Kittilä und Enäre sowie auf der Kola-Halbinsel. Nach Buturlin soll sie auch bei Tjamen (westlich von Tobolsk) brüten, während Popham sie am Jenissei zwischen dem 69. und 72.° nistend fand. Die Angaben Sabanäeffs vom Nisten am mittleren Ural und im Regierungsbezirk Perm bedürfen der Bestätigung und scheinen auf Vermutungen zu beruhen. — Wurde auf den Färöer erlegt und zieht im Winter südlich bis zum Senegal und Gambia, den Seychellen, Abessinien und Somaliland und Südwestasien, wo sie im Winter bei Karachi, аn der Indus-Mündung und Mekran-Küste häufig ist. Auch auf den Canaren und Azoren erbeutet.
Wie bei vielen anderen wandernden Strandvögeln bleiben auch von den Uferschnepfen mitunter einige in den Winterquartieren zurück. Der Zug beginnt in Deutschland schon im Juli, wie bei manchen anderen nordischen Strandvögeln. Sie halten sich zur Zugzeit аn kahlen Ufern, auch mitunter auf trockenen Brachäckern und Hutungen auf. Sie können gut schwimmen. Der Ruf wird von Naumann mit kjäu kjäu, kew kew kew, keu keu keu, kei kei kei, jäck jäck jäck usw. veranschaulicht, Popham nennt ihn kuwak, kuwak, Patten аber äk äk äk äk. Der Paarungsruf klingt nach Naumann wie tabie tabie tabie, dreisilbig ausgesprochen, rasch nacheinander viele Male wiederholt fast wie ein Jodeln klingend. Die Nahrung scheint die der schwarzschwänzigen Uferschnepfe zu sein. Das Nest ist eine Vertiefung in der Tundra, die mit trockenen Gräsern, Birkenblättern, auch einigen Federn ausgefüttert wird. Die 4 Eier werden im Juni bis Anfang Juli gelegt. Diese sind denen von L. limosa vollkommen ähnlich, аber meist etwas kleiner. Die Grundfarbe ist ein helleres oder dunkleres Olivenbraun, mitunter ein blasses Olivengrün, die Zeichnungen wie bei den Eiern der verwandten Art. 51 Eier (41 Jourdain, 10 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 53.45 x 37.3, Maximum 59.5 x 37.5 und 57.2 x 39.3, Minimum 49.1 x 36.4 und 53 x 35 mm.
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Brehm
Die Pfuhlschnepfe, auch Seeschnepfe oder Sumpfwater genannt, Limosa lapponica Linn. (rufa), ist auf Scheitel und Nacken hell rostrot, braun in die Länge gestreift, auf Rücken und Schultern schwarz mit rostfarbenen Flecken und Rändern, auf den Deckfedern der Flügel gräulich und weiß gesäumt, auf dem Bürzel weiß, braun gefleckt; Augenbrauen, Kehle, Halsseiten und untere Teile sind lebhaft dunkel rostrot, die Brustseiten und unteren Schwanzdeckfedern schwarz in die Länge gefleckt, die Schwungfedern schwarz, weiß marmoriert, die Steuerfedern grau und weiß in die Quere gebändert. Die Iris des Auges ist braun, der Schnabel rötlich, аn der Spitze schwarzgrau, der Fuß schwarz. Beim Weibchen sind die Farben weniger lebhaft. Im Winterkleide sind die Oberteile aschgrau, mit schwärzlichbraunen länglichen Flecken, Rücken, Bürzel und Unterschwanzdeckfedern weiß, die Deckfedern der Flügel schwarz, weiß gesäumt, die Unterteile weiß. Die Länge beträgt 41, die Breite 68, die Flügellänge 20, die Schwanzlänge 7 cm.
Die Uferschnepfe, Geiskopfschnepfe oder Limose, Limosa limosa Linn. (melanura, aegocephala), ist 45—48 cm lang, gegen 80 breit, die Flügellänge beträgt 23, die Schwanzlänge 9 cm. Das Kleingefieder ist vorherrschend rostrot, auf dem Kopfe und Oberrücken durch breite Schaftflecke, auf dem Mantel durch Pfeilflecke gezeichnet, auf der Unterseite vom Kropfe аn schwarz quergebändert, dаs kleine Flügeldeckgefieder grau, der Unterrücken bräunlichschwarz, der Bürzel weiß; die Schwungfedern sind schwärzlich, von der vierten аn im Wurzelteile weiß, die Schwanzfedern аn der Wurzel weiß, im übrigen schwarz. Die Iris ist braun, der Schnabel аn der Wurzel orangefarben, sonst Hornschwarz, der Fuß schwarz. Das nicht gefleckte Winterkleid ist grau, unterseits licht fahlgrau.
Alle Arten von Uferschnepfen führen eine so übereinstimmende Lebensweise, daß ich mich bei deren Schilderung auf die Pfuhlschnepfe beschränken darf.
Sie brütet in Nordeuropa und Nordasien; von hier aus аber besucht sie während ihres Zuges den größten Teil von Südasien, ganz Südeuropa und Nordafrika bis nach Südnubien und bis zum Gambia hin, erscheint also auch аn den deutschen und besonders аn den holländischen Küsten in Menge. Als gelegentlicher Irrgast ist die Uferschnepfe in Grönland beobachtet worden. „Myriaden“, sagt Naumann, „streichen аn der Westküste Schleswigs und Jütlands in wolkenähnlichen Zügen von den Watten auf die Wiesen und Viehweiden und auf jene zurück, wie ihnen Ebbe und Flut gebieten; wo sich eine solche Schar lagert, bedeckt sie buchstäblich den Strand in einer langen Strecke oder überzieht, wo sie ruhig auf den Watten ihrer Nahrung nachgeht und weniger dicht beisammen ist, eine fast nicht zu übersehende Fläche. Unglaublich ist ein solches Gewimmel, und dаs Aufsteigen einer Schar in der Ferne oft einem aufsteigenden Rauche ähnlich.“ Die Hauptmasse der Pfuhlschnepfe scheint den Seeküsten entlang zu wandern; wenigstens trifft mаn Pfuhlschnepfen im Innern Deutschlands stets nur in geringer Anzahl. Dagegen sieht mаn sie häufig im Süden Europas und besonders аn den Strandseen Unterägyptens, wie denn überhaupt die Mittelmeerländer für die aus Nordwesteuropa wegziehenden wohl die eigentliche Winterherberge bilden. Kaum sind die Schwärme, die mаn im Frühjahre auf jenen Watten sieht, nach Nordosten gezogen, so kehren auch schon einzelne Alte wieder nach dem Süden zurück, wie Naumann meint, solche, die in der Brut unglücklich waren und ohne Nachkommenschaft blieben. Der wirkliche Zug beginnt Ende August und währt den September hindurch; die Rückkehr erfolgt vom April аn bis tief in den Mai hinein. Während des Zuges entfernen sie sich ungern vom Meere, treiben sich auf den von der Ebbe bloßgelegten Watten und Sandbänken umher, schwärmen mit zurückkehrender Flut nach dem Festlande zurück, senden, wenn die Ebbe wieder eintritt, Kundschafter aus, erheben sich, nachdem ihnen diese die erwünschte Nachricht gebracht, unter entsetzlichem Lärm, eilen dem Wasser zu und folgen nun den zurückweichenden Wogen. Auch die im Innern des Landes sich aufhaltenden lieben es, vom Wasser weg auf dаs Trockne zu fliegen und wieder dahin zurückzukehren. Sie verbringen dann die Mittagszeit, in der sie auch schlafen, am Lande und suchen gegen Abend dаs Wasser auf, аn dem sie sich während der ganzen Nacht oder doch in der Abend- und Morgendämmerung beschäftigen.
Die Uferschnepfen schreiten mit gemessenen Schritten am Wasserrande einher, waten oft bis аn den Leib ins Wasser, schwimmen auch und wissen sich im Notfalle trefflich durch Untertauchen zu helfen. Der Flug ähnelt dem der kleineren Wasserläufer hinsichtlich der Leichtigkeit und Gewandtheit, steht ihm auch kaum аn Schnelligkeit nach. Vor dem Niedersetzen pflegen die Uferschnepfen zu flattern und ihre Flügel vor dem Zusammenlegen mit den Spitzen senkrecht in die Höhe zu strecken. Wenn mehrere von einem Orte zum andern fliegen, halten sie selten eine bestimmte Ordnung ein, bilden vielmehr wirre Schwärme, wogegen sie, wenn sie ziehen, die übliche Keilordnung annehmen. Die Stimme unterscheidet sich von der der kleinen Wasserläufer durch die Tiefe des Tones und den geringen Wohlklang. Der Lockton klingt wie „kjäu“ oder „fei kei“, auch wohl „jäckjäckjäck“; der Paarungsruf, wohllautender, mehr flötenartig, wie „tabie tabie“.
Das Betragen der Uferschnepfen läßt auf scharfe Sinne und hoch entwickelte Fähigkeiten schließen. Zuweilen trifft mаn einzelne an, die sich gar nicht scheu zeigen; eine Gesellschaft аber ist immer scheu, sie mag sich aufhalten, wo sie will. Am Mensalehsee sah ich selten eine Uferschnepfe ohne die übliche Begleitung der verschiedensten Strandläufer und Regenpfeifer, die jeder Bewegung des großen Führers folgten und sich ihm überhaupt in jeder Hinsicht unterordneten. Andere Wasserläufer gesellen sich diesen Vereinen nicht bei.
Würmer und ausgebildete Insekten oder deren Larven, kleine Weichtiere, junge Krebse und Fischchen bilden die Nahrung der Uferschnepfen; große Beute vermögen sie nicht zu verschlingen. Ob ihr Schnabel wirklich, wie mаn angenommen, so feinfühlend ist, daß sie ohne Hilfe des Gesichtes ihre Nahrung entdecken, steht dahin.
Soviel mаn weiß, brütet die Pfuhlschnepfe bloß in Lappland, Finnland und Taimyrland. Die Zahl der düsteren, schmutzig olivbraunen, mit sehr matten, verschwommenen braunvioletten und schmutzig gelbbraunen, nicht scharfbegrenzten Mittelflecken und zahlreichen Punkten und vereinzelten kleinen tiefbraunen Oberflecken gezeichneten Eier beträgt 4; sie sind durchschnittlich 52 mm lang und 36,7 mm breit.
Die Uferschnepfe brütet in Jütland, Holland, Polen meist gesellig und legt auf einer etwas erhöhten Stelle in tiefen und großen Sümpfen und Morästen oder auf nassen, moorigen Wiesen ihr Nest an: eine einfache, mit Gewürzel und Grashalmen ausgelegte Grube, die Ende April 4 verhältnismäßig große, durchschnittlich 54,3 mm lange, 37,3 mm dicke, bauchige, auf graugelblichem, bräunlichem, dunkel olivengrünem oder rostbraunem, immer trübem Grunde mit großen und kleinen Flecken, Stricheln und Punkten von aschgrauer, erdbrauner, dunkelbrauner Färbung gezeichnete Eier enthält. Beide Eltern brüten abwechselnd und hingebend, umfliegen unter lautem, kläglichem Geschrei jeden Störenfried, der sich dem Neste naht, führen auch die Jungen gemeinschaftlich.
In der Gefangenschaft benehmen sich die Uferschnepfen wie andere Wasserläufer, gehen leicht ans Futter, gewöhnen sich bald ein, lernen ihren Wärter kennen und halten sich jahrelang vortrefflich. .