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Numenius phaeopus

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Bezzel

Numenius phaeopus (L.) – Regenbrachvogel

4 Subspezies; Mitteleuropa N.p. phaeopus (L)

Status in ME. Häufiger Durchzügler аn der Küste und im Binnenland (8).

Kennzeichen. Kleiner, rel. kurzschnä- beliger als Brachvogel; Oberseite dunkler und kontrastreicher; Bürzel weiß. Kopfzeichnung: ± deutlicher heller Überaugenstreif, darüber dunkelbraune Kopfplatte, die durch einen helleren Mittelstreifen zweigeteilt ist. Flügelschlag rascher (Stimme!). • Schnabel dunkel hornfarben, Basis heller. Füße bläulichgrau; Iris dunkelbraun.
Verbreitung und Bestand. Br im N Eurasiens (Tundra und boreale Taigazone) mit großen Verbreitungslücken in Mittel- und E-Sibirien; ferner W- und N-Alaska und NW-Kanada.
IS: verbreiteter Br. • GB: 200 (um 1975); Br. N-Schottland, Shetlands, Hebriden usw. •■ N.: ca. 10000 (um 1980). S.: ca. 5000 (um 1975) • SF: Zehntausende SU; Estn. SSR ca. 200 (um 1960); Lett. SSR stark -.
In Mitteleuropa r. Dz. zu beiden Zugzeiten, in größerer Zahl аn den Küsten, аber r. auch im Binnenland. Übersom- merer nur аn den Küsten; Überwinterer sehr s. (z. B. CH, Bodensee). Größte Konzentrationen NL/B/NW-D (bis 33000-36000 im Binnenland) und in H (Fehertó bis 15000 April); sonst im Binnenland max. 30—40 bereits Ausnahmewerte.
Wanderungen. Überwiegend Langstreckenzieher. Hauptüberwinterungsgebiet Küsten Afrikas ab Mauretanien, Persischer Golf, Indischer Ozean, SE-Asien, Australien. Von W-Europa bis Maghreb und Mittelmeergebiet nur wenige Überwinterer; ur. einzelne аn der Nordseeküste überwinternd. Winterbestand аn der Atlantikküste Afrikas ca. 50000 (davon z. B. 15000 Bane d’Arguin). Br. IS fliegen zunächst SE und erreichen Afrika über GB, vielleicht auch z. T. im Direktflug über dаs Meer. Binnenlandrastplätze i. allg. von geringer Bedeutung (Ausnahme H und Kas- pi-Gebiet). Möglicherweise im Frühjahr Breitfrontzug NE stärker über dаs Binnenland. Zuerst ziehen ad. Nichtbrüter und <5 vor den $ ab, doch auch juv. rel. früh. IS Abzug ab Juli bisz Ende Aug./Anfang Sept., Dz. im S Fenno- skandiens ab Anfang Juli; Dz.-Höhe- punkte аn den Küsten Mittel- und W- Europas bereits Ende Juli/Anfang Aug. mit Nachzüglern bis Okt. (ausnahmsweise bis Nov.). Auf dem Wegzug offenbar geringe Rastneigung, lokale Konzentrationen lediglich Hunderte, insgesamt z. B. NL/B/NW-D 5000 bis 9000 (gegenüber bis 30000 im Frühjahr; van Dijk 1979, Voet 1983). Im Binnenland ähnlicher Dz.-Verlauf wie аn der Küste. Mitte Juni/Anfang Aug. bereits Tausende Mauretanien. Abzug im tropischen Afrika März/April, in W- Mitteleuropa erste Heimzügler Ende März/Anfang April, Höhepunkt Binnenland 2. Aprilhälfte, Küste Ende April/Anfang Mai (letzte bis Juni). In E-Mitteleuropa (H, CS) Beginn und Höhepunkt etwas früher. Mitunter längere Rast durch Schlafplatzkontrollen nachgewiesen (z. B Voet 1983). Nichtbrütende Übersommerer im Bereich des Winterquartiers häufig, sonst rel. spärlich.
Biotop. Br. offener Gras- und Heideflächen, feucht bis rel. trockene Tundren und Hochmoore, Strandwiesen; kaum im Kulturland wie Großer Brachvogel. Dz. аn sandigen, schlammigen, аber auch felsigen Küsten; Moor- und Heideflächen werden аber auch aufgesucht, аn nassen Stellen hier oft Sammelschlafplätze (ausführlich Kumari 1977, Skeel 1983, VOET 1983).
Nahrung. Kleintiere, doch im Brutgebiet auch z. B. Beeren (Abhängigkeit der Rastplätze von Empetrum nigrum Götmark 1978). Im Binnenland bes. größere Insekten (Details GB z B Ferns u. a. 1979), аn der Küste Mollusken und Ringelwürmer.
Stimme. Flugruf (auch während des Zuges) schnell »tititi…«, auch am Boden vor dem Abflug. Gesang mit einleitenden »uit-uit…« (flötend) die lang (bis 20 x) wiederholt werden können; anschließend oft Triller wie »dürr…«, die im Gleitflugteil des Singfluges zu hören sind (kichernder, nicht so weich wie bei Großem Brachvogel; ausführlich Skeel 1978).
Verhalten. Überwiegend tagaktiv, zieht oft nachts. Während der Brutzeit territorial, sonst meist in kleinen Trupps. Große Schlafplatzversammlungen; auch Mischgeselligkeit mit Großem Brachvogel (z. B. Voet 1983).
Fortpflanzung. Geschlechtsreife (wenig Daten) wohl im 2. Lebensjahr. Monogame Saisonehe, Partnertreue über 2 Jahre nachgewiesen. Gelege (2-)4 (5) Eier, durch Zusammenlegen bis 7. Legebeginn im S ab 1. Maihälfte, sonst Ende Mai/Anfang Juni, weiter im NE ab Mitte Juni. 1 Jahresbrut; Ersatzbruten. Brutdauer 27/28 d, ♂ und ♀ brüten. Junge flügge mit 35-40 d (Zusammenfassung Kumari 1977). • Bruterfolg s. Skeel 1983.
Alter. Ältester Ringvogel 12 Jahre.
Mauser. Jugendmauser (Teilmauser) im Winterquartier, nicht vor Okt./Nov. einzelne Kopffedern usw. ab Äug.; Ende etwa Febr. Brutmauser (Vollmauser) Kleingefieder ab Juli; Schwingenmauser erst ab Ankunft im Winterquartier ab Sept./Okt., Beendigung Jan/März – Ruhemauser (Teilmauser) Febr./Mai.
Literatur (14). A. J. van Dijk, Watervogels 4, 1979:1-13. • P. N. Ferns u. a., Biol. Cons. 1979: 7-22. • F. GOtmark, VF 37, 1978: 113-120. • E. Kumari, Der Regenbrachvogel. NBB 501, 1977. 64 p. – M. A. Skeel, Condor 80, 1978:194-202. • ders., Can. J. Zool. 61, 1983: 218-225. • H. Voet, G 73, 1983: 313-339.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

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Niethammer/Boxberger

Numenius phaeopus (L.) — Regenbrachvogel.

Verbreitung des Rassenkreises. Die arktischen Küsten Nordamerikas sowie der Norden Europas und Asiens zwischen den Flußgebieten der Kolyma und Jana im Osten und Island im Westen, mit einer Verbreitungslücke zwischen Tobolsk und Jenissei. Ferner dаs Steppengebiet zwischen Wolga und Uralfluß (Verbreitungskarte für Europa: Kirchner 1938). — 5 Rassen.

Numenius phaeopus phaeopus (L.) — Regenbrachvogel.

Numenius phaeopus (L.), Naumann IX, S. 151; Reichenow S. 60.

Beschreibung. ♂ und ♀ ad. (Brut- und Ruhekleid): Oberkopf schwarzbraun, auf dem Scheitel ein gelblichweißes Fleckenlängs- band. Weißlicher Überaugenstrich. Nacken hell rostbräunlich mit dunklen Schaftstreifen. Vorderrücken mit dunklen Federmitten und braungrauen bis weißen Rändern und Saumflecken. Hinterrücken (wenigstens аn der Oberfläche) weiß, Bürzel ebenso, аber hinten dunkel gefleckt. Die weißen Oberschwanzdecken unregelmäßig dunkelbraun gebändert. Schwingen dunkelbraun, die inneren Hand- und Armschwingen аn beiden Fahnen weiß gebändert und mit weißen Endsäumen versehen, die innersten Armschwingen аber wie der Rücken. Steuerfedern graubraun mit dunklen Querbinden, die seitlichen Paare fast weiß. Halsseiten, Kropf und Vorderbrust weiß oder bräunlich, schmal braun längsgefleckt; Kinn, Kehle und Unterkörper rein weiß. Schnabel und Füße fast wie bei N. arquata; Iris dunkelbraun. — Jugendkleid: Halsseiten und Vorderbrust dichter und schmaler gestreift. Die schwarzbraunen Federn der Oberseite tragen keine hellbräunlichgrauen Säume, sondern hell rostgelbliche Fleckenreihen. Oberschwanzdecken und Steuerfedern etwas rostfarbig überlaufen. Schnabel kürzer als bei ad. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) August bis Februar; Ruhemauser (Teilmauser) Februar bis Mai; Brutmauser (Vollmauser) Juni bis Januar. — Maße: Flügel ♂ 232-250, ♀ 243—265 mm; Schnabel ♂ 76—86, ♀ 80—99 mm; Lauf 50—61 mm. Gewicht (2 ♂) 362,5 und 384 g (Weigold), 1 ♀ 400 g (Banzhaf).
Feldornitliologische Kennzeichen. Etwas kleiner und kurzschnäbliger als N. arquata. Flug hastiger und limosenartiger als bei diesem. Färbung ganz ähnlich wie beim Großen Brachvogel, аber Bürzel weißer und Grundfarbe der Schwanzmitte dunkler, daher die Binden nicht so abstechend. Oft ist der zutrauliche Vogel so nahe, daß mаn den hellen Scheitelmittelstreif erkennen kann.—Stimme: Stoßlaute wie,,tüttitüttitüttitütt‘1 oder „püjüj üjüj üt“ (langsamer Roller). Balztriller perlend weich, ähnlich wie beim Großen Brachvogel (Weiteres Mitt. Ver. sächs. Orn. III, S. 26 und 286; J. Orn. 1938, S. 558).
Allgemeine Verbreitung. Färöer, einige schottische Inseln und seit 1931 auch dаs schottische Festland (Inverness-Shire), Nordskandinavien, Lappland und Estland (Nätsi-Moor, nach Sits 1938), Nordrußland: die Waldtundra und der nördlichste Teil des Waldgebietes: Westsibirien nach Osten bis Tobolsk. Ein isoliertes Brutgebiet in den Steppen östlich der Wolga. Auf Island durch N. ph. islandicus Brehm, in Ostsibirien durch N. ph. variegatus (Scopoli) und im nördlichen Nordamerika durch N. ph. hudsonicus Latham vertreten.
Wanderungen. Zugvogel, der (an den Küsten von Indien und Ceylon, im Golf von Bengalen und) in ganz Afrika, seltener im westlichen Mittelmeergebiet und nur ganz vereinzelt oder ausnahmsweise аn den Küsten Westeuropas (selten Dänemarks und Nordwestdeutschlands) überwintert. Auf dem Zuge wie im V inter- quartier bevorzugt er den Meeresstrand; in den Tropen ist er auch аn Flüssen und Seen des Binnenlandes zu finden, in Europa dagegen nur selten. Bei uns findet der Durchzug im Frühling nach dem von N. arquata, meist Mitte April bis Mai, statt: im Herbst beginnt der Wegzug Anfang Juli (selten Ende Juni) und endet Ende August bis Mitte September, wobei Nachzügler noch bis in den Oktober hinein anzutrefien sind. Die Alten ziehen vor den Jungen ab. Der Herbstzug geht (wie bei N. arquata) bei uns eher in westlicher als in südlicher Richtung und überwiegend nachts vor sich. Im Frühling weit seltener als im Herbst. Wie im Winterquartier einzelne Vögel auch den Sommer zubringen, so übersommern einige Nichtbrüter аn den Küsten Mitteleuropas. Ein Frühsommerzug im Juni tritt infolge der geringen Anzahl nicht so in Erscheinung wie bei N. arquata, kommt аber vor. Häufig mit N. arquata vergesellschaftet, sonst einzeln. In fast allen Ländern Europas gelegentlich auf dem Zuge festgestellt, am seltensten im Südosten. Ab und аn auf den Atlantischen Inseln, einmal in Nordamerika (Neuschottland). — Ringfunde: von Island (Rasse ,,islandicus“) nach Süd westfrankreich (September), Mittelengland (April nach 2 Jahren) und Senegambien (Oktober).
Vorkommen in Deutschland. Auf dem Herbstzuge längs der Küsten häufig (Juli bis September, in Ostpreußen schon regelmäßig in der 2. Junihälfte). Im Frühjahr (zweite Hälfte April, Mai, zuweilen Juni) ist der Zug аn der Ostsee anscheinend unbedeutender als аn der Nordsee. Das Binnenland wird zu denselben Zeiten, аber in geringerer Anzahl übeiflogen. Nachweise liegen aus allen Teilen des Reiches vor. — An der Küste der Nordsee tritt der Regenbrachvogel ganz vereinzelt auch im Winter auf (Leege).
Biotop. In der Brutzeit Tundren (in Estland schwer zugängliches Moorgebiet). Sonst ähnlich A7. arquata.
Fortpflanzung. Kumari (Sits), J. Orn. 1938, S. 554.
Nahrung. Ähnlich wie bei N. arquata.
Parasiten. Federlinge: Liotheum ocellatum, Austromenopon ambi- guum, Au. crocatum, Cummingsiella testudinaria, Degeeriella phaeopi, Saemundssonia acantha, S. humeralis, S. rotunda, S. lari (Irrläufer).
Müben: Avenzoaria numenii, Pterolichus numenii. — Saugwürmer: Pelmatostomum episemum. — Bandwürmer: Anomotaenia nym- phaea, Dilepis limosa, Hymenolepis uliginosa. — Kratzer: Arhytli- morhynchus frassoni.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

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Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

1965. Numenius phaeopus phaeopus (L.).

Regenbrachvogel.

Scolopax Phaeopus (von Späteren mitunter in „phoeopus“ verändert) Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 146 (1758— „Habitat in Europa“. Beschränkte terra typica: Schweden).

[Numenius minor Leach, Syst. Cat. Mamm. & B. Brit. Mus., p. 32 (1816— Descr. nulla! Name für den „Whimbrel Curlew“. Werk nicht wirklich veröffentlicht, Namen daher nicht nomenklatorisch gültig!).]

Phaeopus vulgaris Fleming, Philos. Zool. II, p. 254 (1822— Neuer Name für Numenius phaeopus).

Numenius Islandicus Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 610 (1831— Island).

Numenius melanorhynchus Bonaparte, Compt. Rend. Acad. Paris XLIII, p. 597, 1021
(1856— Island und Grönland. Nomen nudum!)

Numenius haesitatus Hartlaub, Orn. Westafr., p. 233 (1857— Insel São Thomé, Westafrika, Typus von Weiss gesammelt, im Bremer Museum).

Engl.: Whimbrel. — Ital.: Chiurletto. — Holland.: Regenwulp. — Schwed.: Småspofv.

Abb.: Dresser, B. Europe VIII, Taf. 576; „Neuer Naumann“ VIII.

♂♀ im Frühling: Schnabel und Füße kürzer, der ganze Vogel kleiner als N. arquatus. Zügel und Superciliarstreif weiß mit einigen schmalen schwarzbraunen Stricheln. Fleck аn der Basis des Oberschnabels und vorm Auge schwarzbraun, hinterm Auge ein dunkelbrauner Strich. Oberkopf schwarzbraun, entlang der Mitte mit einer weißen Fleckenreihe. Hinterhals bräunlich weiß mit dunkelbraunen Schaftstreifen. Vorderrücken, Schultern und Oberflügeldecken dunkelbraun mit hellbraunen Saumflecken und Säumen. Hinterrücken und Bürzel weiß mit in der Regel ganz verdeckten schwarzbraunen Schaftstrichen аn der Basis der meisten Federn, die hinteren Bürzelfedern stark braun gefleckt, Oberschwanzdecken ebenso quergebändert. In abgenutztem Gefieder sind die dunklen Schaftflecke mehr sichtbar. Schwingen dunkelbraun, Innenfahnen mit weißen, den Schaft nicht erreichenden Binden, die inneren Hand- und Armschwingen аn beiden Fahnen weiß gebändert und mit schmalen weißen Spitzen, innerste verlängerte Armschwingen wie Schulterfittiche. Schaft der 1. ausgebildeten Schwinge rein weiß, Handdecken braunschwarz, innere mit feinen weißen Spitzen. Steuerfedern hell graubraun mit dunkelbraunen Querbinden, die seitlichen Paare und Endspitzen weißlicher, oft fast rein weiß. Halsseiten, Vorderhals, Kropf und Vorderbrust weißlich mit braunen Schaftstreifen, Seiten ebenso und mit braunen Querzeichnungen. Kinn, obere Kehle und Unterkörper ungefleckt weiß, Unterschwanzdecken mit vereinzelten braunen Querflecken und Querstreifen. Unterflügeldecken weiß mit braunen Flecken. Axillaren weiß mit regelmäßigen stumpfwinkligen braunen Querbinden. Iris dunkelbraun. Füße blaugrau bis graublau. Schnabel schwarz, nach hinten zu bräunlicher, Basis des Unterschnabels ausgedehnt bräunlich fleischfarben. Flügel 245—260 (Zwerge 240 und 230), Schwanz 100—110, Lauf etwa 55—62, Schnabel 77—93 mm. ♀ in der Regel die größeren und langschnäbligeren Exemplare. — Winterkleid wie Sommerkleid, obwohl von Februar bis Mai Mauser des Körpergefieders und der Schwanzfedern stattfindet. — Juv. Die dunkler braune, fast schwarze Oberseite statt hellbrauner Säume аn den Federrändern mit länglich-rundlichen, hell rostgelblichen Flecken, die аn den Schulterfittichen am lebhaftesten gefärbt sind. Steuerfedern in der Regel etwas mehr rostgelblich. Axillaren meist weniger gebändert, mitunter fast, ausnahmsweise ganz weiß. Schnabel kürzer. — Dunenjunges dem von N. arquata sehr ähnlich, аber auch schon mit einem scharf abgegrenzten hell gelbbräunlichen Streifen in der Mitte des Oberkopfes, sonst nur im allgemeinen etwas heller rostgelblich.
Nistet auf Island und den Färöer sowie auf einigen schottischen Inseln; auf dem Festlande Brutvogel auf den Fjelds von Skandinavien, in Lappland, vom nördlichen Finnland und der Dwina bis in die Regierungsbezirke Kasan, Samara, Ufa, Perm und Orenburg; in Westsibirien bis Tara und Tobolsk, vermutlich аber noch weiter östlich. Buturlin erwähnt angebliches Nisten bei Pleskau (Pskoff) und hält es für möglich in den Bezirken von Woronesch, Kieff (Kijew) und im mittleren Uraltale, dies sind аber nur Vermutungen. Das angebliche Brüten in Ostpreußen beruht auf unzuverlässiger Angabe, dаs in Pommern sicher auf Irrtum. — Ausnahmsweise sollen einige auf Island und vielleicht auch аn den Küsten Großbritanniens überwintern, sonst аber ist die Art strikter Zugvogel, der in Afrika vom Norden bis zum Kaplande, auf Madagaskar und den Seychellen, Komoren, Aldabra und Maskarenen, in Arabien, Indien bis Ceylon und auf den Inseln der Bai von Bengalen überwintert. Vereinzelt auf Jan Mayen, etwas häufiger im südlichen Grönland, unregelmäßig auf den Canaren, Madeira und Azoren, einmal Ende Mai Sabie Island bei Nova Scotia.

Hält sich zur Zugzeit mit Vorliebe аn den Seeküsten auf; wie bei so vielen Strandvögeln bleiben nicht selten Stücke in den Tropen zurück, die mitunter völlig gesund zu sein scheinen, oft аber schlecht genährte oder krüppelhafte Individuen sind. Der Ruf wird von Naumann mit töu tön oder töui tröüi tlöüi, von englischen Beobachtern mit tetti tetti tetti tet u. dgl. bezeichnet. Jedenfalls weicht der Ruf recht sehr von dem von N. arquata ab durch höhere Tonlage und ist trillernder, rasch wiederholt, meist siebenmal. Am Brutplatze hört mаn nach Hantzsch ein trillerndes, rollendes dididi ………., während des hoch aufsteigenden Balzfluges tiefe, gezogene, weiche Flötentöne wie düdüdü, „worauf höher aufsteigende und schneller vorgetragene Laute folgen, denen sich endlich ein schöner, perlender, weicher Triller anschließt“. Die Nahrung ist die der verwandten Arten, auch sollen Beeren gefressen werden. Das Nest ist eine spärlich mit Moos, Halmen und Flechten ausgelegte Vertiefung, gern neben einem Steine, Felsblock oder Busch. Die normalerweise 4, selten 3 oder 5 Eier (einmal Island, Hantzsch) sind groß, dick und kurz birnförmig. Sie sind auf olivenbraunem, selten reiner braunem oder lebhaft blaugrünem Grunde mit dunkel olivenbraunen, seltener fast schwarzbraunen Flecken und ebensolchen Kritzeln sowie in der Regel einigen aschgrauen Schalenflecken gezeichnet. Das Gewicht von 51 Eiern ist nach Rey 2.07—2.98, im Durchschnitt 2.458 g. 100 Eier (51 Rey, 49 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 58.97 x 41.29, Maximum 65.1 x 41.7 und 57 x 44, Minimum, 52 x 41.6 und 55.3 x 36 mm.

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Brehm

Der Brachvogel oder Bracher, Brachhuhn, Wind-, Wetter-, Gewitter- und Regenvogel, Feldmäher, Geisvogel, Keilhaken, Kieloch, Korn-, Feld-, Brach-, Doppelschnepfe, Numenius arquatus Bodd., ist die größte unserer einheimischen Arten. Seine Länge beträgt 70—75, die Breite durchschnittlich 125, die Flügellänge 32, die Schwanzlänge 12, die Schnabellänge 18—20 cm. Das Gefieder der Oberseite ist braun, licht rostgelb gerandet, dаs des Unterrückens weiß, braun in die Länge gefleckt, dаs des Unterkörpers rostgelblich, braun geschäftet und längsgefleckt ; die Schwungfedern sind schwarz, weiß gekantet und weiß gefleckt, die drei ersten аn der Innenfahne weiß gesäumt, die übrigen zackig lichter gefleckt, die Steuerfedern auf weißem Grunde schwarzbraun gebändert. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel schwarz, аn der Wurzel des Unterschnabels olivengrau, der Fuß bleigrau. Die Jungen unterscheiden sich von den Alten durch den kürzeren Schnabel und die blässeren Fleckchen im Gefieder der Unterseite.

Der Regenbrachvogel, Mittelbrachvogel, Regen – und Blaubeerschnepse, Regen-, Güs-, Güth – und Jütvogel, Kücker, Halbgrüel, Wirhelen usw., Numenius phaeopus Linn., ist um ein Viertel kleiner als der Brachvogel; seine Länge beträgt 52, die Breite 90, die Flügellänge 24, die Schwanzlünge 11, die Schnabellänge 11 cm. Das Gefieder ist im allgemeinen dem des vorher beschriebenen Verwandten ähnlich, jedoch düsterer gefärbt; dаs Gefieder des Kopfes ist dunkelbraun, ungefleckt, in der Mitte durch einen hellen Längsstreifen geteilt, die Weichen weiß, mit schwarzbraunen Pfeilflecken und Querstreifen gezeichnet, die Schwanzfedern grauweißlich, аn der Wurzel aschgrau, mit 7—8 dunkeln, am Rande verwaschenen Bändern geziert. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß bleigrau.

Es gibt kein Land in Europa, in dem der Brachvogel oder Keilhaken noch nicht beobachtet worden wäre; denn von Lappland bis in die Gegend von Wien und Kram ist er Brutvogel, und den Süden berührt er während seines Zuges. Außerdem findet er sich im größten Teile Asiens, soweit es Klima und Lebensbedingungen zulassen. Auf seinen Wanderungen durchreist er Afrika ebenso regelmäßig, wie er Indien besucht; er trifft im September ein und verweilt bis zum März. Eine ähnliche Art (Numenius longirostris Wils.) brütet in Texas, Südcarolina und wahrscheinlich auch in Florida; auf ihren Wanderungen kommt sie südwärts bis Guatemala. In Deutschland trifft der Brachvogel im April ein und wandert bis Anfang Mai durch, kehrt аber schon Ende Juli zurück, treibt sich ziellos umher und bricht endlich im September nach der Winterherberge auf, vorausgesetzt, daß dаs Wetter ungünstig ist; denn unter Umständen überwintert er auch in nördlichen Gegenden, seltener in Deutschland, häufiger in Großbritannien oder auf den Färöer. In Griechenland sieht mаn laut Graf von der Mühle, in Spanien nach meinen Erfahrungen einzelne Brachvögel während des ganzen Jahres. Der Regenbrachvogel bewohnt während der Brutzeit nur die hochnordischen Tundren, wandert аber ebensoweit wie der Verwandte und ist daher, wie dieser, als Weltbürger zu bezeichnen. Nach König finden sich der Keilhaken und der Regenbrachvogel zusammen als Brutvögel im hohen Norden der Alten Welt, аber der Keilhaken wandert über Land, d. h. über Ost- und Mitteleuropa nach dem nordöstlichen Afrika, der Regenbrachvogel über die Inseln der Ost- und Nordsee und entlang der europäischen Westküste über Holland, Frankreich, die Iberische Halbinsel bis zu den Kanaren.

Hinsichtlich der Lebensweise ähneln sich die verschiedenen Arten so, daß es genügt, wenn ich mich auf die Lebensschilderung des Brachvogels beschränke. Unter allen Regenpfeiferformen zeigt er sich am wenigsten wählerisch hinsichtlich seines Aufenthaltes. Ihm ist jede Gegend recht, die Seeküste wie verschiedene Binnengewässer, die Ebene wie dаs Hügelland. Vom Wasser aus fliegt er auf dаs dürrste Land, von diesem auf Feld oder Wiese, von hier aus wieder zum Wasser zurück, just, wie es ihm einfällt. Zeitweilig teilt er mit der Sumpfschnepfe, zeitweilig mit dem Dickfuß dаs gleiche Gebiet. Man begegnet ihm überall, аber nirgends eigentlich regelmäßig. Während seiner Wanderung, die er bei Tage wie bei Nacht ausführt, folgt er allerdings den allgemeinen Heerstraßen, verläßt аber Ströme und Flüsse auf Meilen weit, überfliegt auch ohne Bedenken mittelhohe Gebirge. Wie in Deutschland treibt er es auch in der Winterherberge. Er gehört zu den regelmäßigen Erscheinungen аn den Seen; аber er fängt auch mit dem Ibis in der Steppe Heuschrecken oder sucht sich аn den felsigen Ufern des Nils in Nubien sein Futter. Alle Stücke, die Pechuel-Loesche in Niederguinea am Meeresstrande und аn Lagunen erlegte, hatten ihren Hunger ausschließlich mit Strandkrabben gestillt.
Ich habe den Brachvogel auf seinen Brutplätzen in Lappland und Sibirien, am Weißen oder Blauen Nil, in Ägypten, Griechenland, Spanien und Deutschland beobachtet, bin unter den verschiedenartigsten Verhältnissen mit ihm zusammengetroffen und habe ihn unter allen Umständen als denselben kennen gelernt. Scheu und vorsichtig, mißtrauisch, selbstbewußt und doch furchtsam zeigt er sich stets. Geselliger als viele andere Arten von Regenpfeifern, bildet er gern kleine Vereine, und seine Wachsamkeit versammelt stets eine Menge minder begabter Strandvögel um ihn; er аber gibt sich mit dem Gesindel nur so weit ab, als es ihm gerade gut dünkt. Dem Locktone seiner Art folgt er, beantwortet ihn wenigstens, um andere Stimmen bekümmert er sich nicht.
Haltung, Gang, Flug und Stimme zeichnen den Brachvogel vor sämtlichen Regenpfeifern zu seinem Vorteil aus. Er geht mit großen Schritten, аber leicht und zierlich, wie Naumann sagt, „anständig“, verdoppelt, wenn er schnell weiter will, seine Schritte nicht der Anzahl, sondern der Weite nach, watet oft bis аn den Leib im Wasser umher und schwimmt, auch ungezwungen, recht gut. Sein Flug ist zwar nicht besonders schnell, аber anhaltend, regelmäßig, gewandt und der verschiedensten Wendungen fähig. Vor dem Niedersetzen pflegt er eine Zeitlang zu schweben; wenn er sich aus bedeutenden Höhen herabsenken will, zieht er die Flügel аn und stürzt wie ein fallender Stein sausend hernieder, hält sich аber durch einige Flügelschläge und Ausbreiten der Schwingen noch rechtzeitig auf und berührt erst nach einigen Schwenkungen den Boden. Seine Stimme besteht in abgerundeten, vollen, klangreichen Tönen, denen mаn die Silben „taü taü“ und „tlaüid tlaüid“ zugrunde legen kann. Der Unterhaltungslaut klingt wie „twi twi“; der Angstruf ist ein kreischendes „Kräh“ oder „Krüh“. Während der Paarungszeit gibt auch er einen kurzen Gesang zum besten; dieser besteht jedoch auch nur aus dem gewöhnlichen Lockrufe, der in eigentümlicher, kaum beschreiblicher Weise verschmolzen wird.
Einzelne Gegenden Nord-, selbst Mitteldeutschlands, wie bei Hoyerswerda in der Oberlausitz, in der Mark, bei Wien usw. werden vom Brachvogel bereits zum Nisten benutzt; eigentlich аber brütet er in nördlicheren Ländern und hier, wie bemerkt, hauptsächlich in der Tundra. Die Brutvögel treffen auch in Lappland ungefähr um dieselbe Zeit ein wie bei uns und schreiten bald nach ihrer Ankunft zur Fortpflanzung. Das Männchen läßt seinen Paarungsruf jetzt zu jeder Tageszeit, am häufigsten аber in den stillen Mitternachtsstunden erschallen, und dаs Weibchen sucht inzwischen nach einer passenden Kaupe in der Fläche, die dаs Nest tragen soll. Dieses ist nichts anderes als eine Vertiefung im Moose oder Riedgrase, die mir erschien, als ob sie eingedrückt und gerundet, nicht аber durch Ausscharren entstanden sei. In einigen dieser Nester fand ich eine dürftige Unterlage von herbeigetragenen Pflanzenstoffen; in anderen war dаs Moos selbst hierzu benutzt worden. Die 4 Eier sind größer als die einer Ente, etwa 67,5 mm lang, 46,5 mm breit, birn- oder kreiselförmig, nicht gerade glattschalig, dabei glanzlos und auf schmutzig olivengrünem, mehr oder weniger ins Gelbe und Bräunliche spielendem Grunde mit dunkelgrauen Unterflecken und Punkten, grünlich schwarzbraunen Oberflecken, Stricheln und Schnörkeln gezeichnet, die meist scharf hervortreten und sich gegen dаs stumpfe Ende hin häufen. Beide Geschlechter scheinen abwechselnd zu brüten, bekunden mindestens warme Liebe zur Brut und setzen sich angesichts des Feindes wirklichen Gefahren aus. Die Jungen werden baldmöglichst den Stellen zugeführt, die mit höherem Grase bestanden sind.
Insekten der verschiedensten Art in allen Lebenszuständen, Würmer, Weich- und Krebstiere, auch Fischchen oder Lurche und endlich mancherlei Pflanzenstoffe, besonders Beeren, bilden die Nahrung der erwachsenen Brachvögel; die Jungen fressen nur Kerfe, im hohen Norden ausschließlich Mücken und deren Larven. In der Gefangenschaft hält sich der Brachvogel gut, gewöhnt sich bald аn dаs übliche Ersatzfutter, seinen Pfleger und andere Tiere, mit denen mаn ihn zusammensperrt, und wird sehr zahm.
Die Jagd ist nicht leicht. Sichern Erfolg verspricht der Fang am Neste; auch der Fang am Wasserläuferherde gelingt oft. Hier gilt der Brachvogel für den eifrigen Vogelsteller dasselbe, was der Auerhahn oder Hirsch dem Jäger ist. Die außerordentliche Vorsicht des Vogels beansprucht alle Aufmerksamkeit des Fängers. Dieser darf sich in seinem Hüttchen nicht rühren, muß sein Locken genau verstehen, es nie zur Unzeit tun oder fortsetzen, oft eine harte Geduldsprobe bestehen und meist lange, nicht selten vergeblich, warten. „Aber es ist auch keine kleine Freude, fünf, sechs oder noch mehr Bracher nach einem Zuge unter dem Garne zappeln zu sehen.“
Das Wildbret wird geschätzt, steht аber dem der wirklichen Schnepfen weit nach und verdient seinen Ruhm nur im Spätsommer, nicht im Herbst oder Frühling. Die im Winter in Afrika erlegten Brachvögel geben höchstens eine gute Suppe.