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Tringa glareola

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Bezzel

Tringa glareola L. – Bruchwasserläufer

Status in ME. Seltener Brutvogel (2 + ausgestorben 3) in einem kleinen Restbestand; häufiger Durchzügler аn der Küste und im Binnenland.

Kennzeichen. Knapp starengroß; Schnabel gerade, knapp über kopflang; Beine rel. etwas länger als bei Waldwasserläufer, Füße überragen deutlich dаs Schwanzende. Ähnlich Waldwasserläufer: Oberseite graubraun, heller als Waldwasserläufer und daher geringerer Kontrast zur weißen Unterseite und zum weißen Bürzel als bei Waldwasserläufer; Flügelunterseite hellgrau; dunkle Schwanzbänderung aus 5-8 feinen, gegen die Mitte ± verschwommenen Bändern. Brutkleid- Oberseite mit dichten weißen Flecken, Kopf und Hals fein gestreift; weißer Überaugenstreif deutlicher als bei Waldwasserläufer. Ruhekleid: Helle Fleckung unauffälliger. Juv. rostgelbe Federsäume (Stimme!). – Schnabel juv. grau bis oliv, ad. schwärzlich mit olivfarbener Basis; Füße juv. schmutzig olivfarben, ad. hell oliv oder fast gelblich; Iris dunkelbraun.
Verbreitung und Bestand. Br. Eurasiens in der borealen Wald- und Tundrenzone von (GB) N. bis Kamtschatka. In Mitteleuropa als Br. stark – und Arealschwund. Siedlungsdichte 3-5 BP/100 ha.
r. Dz. in großer Zahl аn allen geeigneten Stellen des Binnenlandes (auch gel. lokale Konzentrationen > 1000 Ind.); einzelne Übersommerer.
NL: r. Br. 19. Jh.; letzter Gelegefund 1936; dochn neuerdings Übersommerer und 1973/77 1 Brutverdacht. • D: Schl.-Holst. ca. 50 (1968), 40-45 (1973), 5 (1979); Nds. seit 1972 wohl nicht mehr Br., 1973 Brutverdacht. • DDR: kein Nachweis 20. Jh PL: bis mind. 1930 Br., früher z. T. verbreitet; Sommerbeobachtungen 1956, 1971, 1977, 1981; 1983 bis 5 BP DK: 200-300 (ca. 1959), ca. 100 (um 1975). N.: 27000 (1979). • S.: 250000 (um 1975). • SU: Estn. SSR 700 (1975/80). GB: 1972/80 max. 10-12 BP/Jahr, doch wohl meist <10. IS: Br. 1959 und folgende sowie 1981.
Wanderungen. Überwiegend Langstreckenzieher; Winterquartier in den Tropen bis in die Subtropen der S- Halbkugel. In der W-Paläarktis N-Rand des Winterquartiers etwa Atlantikküste MA, S-Küste Mittelmeer (bes. Nildelta) und S-Vorderasien. In Afrika von S Sahara in allen Gebieten Breitfrontzug über Mittel- und W-Europa SSW/S übers Binnenland. Wichtige Rastplätze am N-Rand des Mittelmeers, z. B. Po-Ebene, S-F (Camargue bis 50000), Ebrodelta (Mauser- und wichtige Stationen zum Aufbau von Fettreserven). GB, NW-F und W-Iberien dagegen größtenteils außerhalb des Zugfächers. Über Mittelmeer und Sahara offenbar Vorzugsrichtung S. Dz. (und Br.) S. z. B. Okt./Nov. NL/B, S-F, E , I, W-Afri- ka, Dez./Jan. S-F, E., I, Senegal, Mali, Niger, Ghana. Dz. D/DDR ergaben Wiederfunde in Fennoskandien, B, F, E, I und einzelne BG, MA, Obervolta. Ca. 35 Funde in Europa beringter Ind. S Sahara, 2 aus SF in Zambia, alle anderen W-Afrika; in Kenia>beringte wurden dagegen in SU (z. B. Archangelsk, Gorkij, Komi, Sverdlovsk) gefunden. Abzug vom Brutplatz ab Juni (zunächst wohl ♀)/Juli. Vorsprung der ad. vor juv. bis in die Sahelzone nachzuweisen. In Mitteleuropa Höhepunkt des Dz. der ad. Juli, Ende ca. Mitte Aug.; erste juv. ab 2. Julidekade, Höhepunkt 1. Aug.dekade; Ende des Dz. 2. Sept.hälfte, danach nur noch vereinzelte Nachzügler, Nov.da- ten meist nur im SW bzw. NL Im tropischen W-Afrika erste ad. ab Mitte Juli/Anfang Aug., juv. ab Sept.; Aufbruch Ende März/Anfang April. Dz. in Mitteleuropa meist rel. rasch, Vorläufer ab Mitte März möglich, doch meist ab April, Höhepunkt Anfang/Mitte Mai, Beendigung Ende Mai/Anfang Juni. Ankunft am Brutplatz im S Ende April, im N bis Ende Mai/Anfang Juni. Zugweg- und Winterquartiertreue vielfach nachgewiesen.
Biotop. Br. in Hochmooren mit geringem Baumbestand und offenem Wasser; weiter im E auch in dichten Baumbeständen in Wassernähe Auf dem Dz. und im Winterquartier sehr vielseitig, bevorzugt jedoch Süßwasser; z. B. nahrungsreiche Flachwasserzonen, Schlammflächen, überschwemmte Wiesen, Altwässer аn Flüssen; kaum auf offener Wattfläche.
Nahrung. Vor allem Land- und Süßwasserinsekten; ferner kleine Crusta- ceen, Süßwassermollusken.
Stimme. Stimmfühlung am Boden einzelne oder kurz gereihte »djib«, beim Auffliegen oder auf dem Zug mehrsilbig bis gereiht, z. B. »djip djip bi bi…«, bei Erregung kurz und hart »gip-gip gip- gip…«. Gesang (im Singflug) Reihen wie »dile dile…, tjile…« oder auch ± dreisilbig «tühile tühile« (Details Kirchner 1978).
Verhalten. Tagaktiv; Zug häufig nachts. Kann dank rel langer Zehen auch auf flottierenden Algenrasen, Schwimmblättern usw. laufen. Zur Brutzeit territorial. Singflug (♂ und ♀) dient hauptsächlich der Reviermarkierung (Details z. B. Kirchner 1978). Auf dem Zug gesellig, oft auch größere Trupps, Balz und Paarbildung in der letzten Phase des Heimzuges oder gleich nach Eintreffen am Brutplatz. Paare kommen z. T. gepaart oder zumindest gemeinsam an. Singflüge gel. auch im Winterquartier oder auf dem Heimzug.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife? Wohl monogame Saisonehe. Nest am Boden meist gut in Vegetation versteckt; in Fennoskandien/SU auch Benutzung von Baumnestern von Drosseln u. a. Singvögeln. Bodennester mit Material aus der Umgebung ausgekleidete Mulden, oft mit Haube während der Bebrütung. Eier kreiselförmig; Grundfarbe hellbräunlich bis grünlich; dunkel- bis rotbraune Flecken und kleine Spritzer. Gelege (3)4 Eier; Legebeginn Mitteleuropa letzte Apriltage/Anfang Mai, in Fennoskandien nicht vor Mitte Mai, Hauptlegezeit Anfang Juni. 1 Jahresbrut. Brutdauer 22/23 d. ♂ und ♀ brüten und führen zumindest zunächst gemeinsam; ♀ verläßt (häufig?) die Familie vor Flüggewerden der Jungen. Mit ca. 30 d (?) flugfähig.
Alter. Älteste Ringvögel > 11 und > 9 Jahre.
Mauser. Jugendmauser (Teilmauser unterschiedlich umfangreich) entweder Aug./Okt. Kleingefiedermauser auf dem Wegzug und dann Unterbrechung bis Winterquartier oder erst im Winterquartier begonnen. Von (Nov.) Dez./Febr. (März) dann ein (unterschiedlich) großer Teil der HS. • Brutmauser (Vollmauser) entweder Beginn in Mauserquartieren während des Wegzuges und dann unterbrochen bis Winterquartier oder erst im Winterquartier voll beginnend Im Fall 1 erster Teil Juli/Ende Aug., Sept, unterbrochen (4-6 innere HS oft bereits neu) und Fortsetzung Sept./Dez. (Jan.). – Ruhemauser (Teilmauser) Jan./Mai.
Literatur (14). H. Kirchner, Bruchwasserläufer und Waldwasserläufer. NBB 309, 2. Aufl. 1978. 112 p.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

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Niethammer/Boxberger

Tringa glareola L. — Bruchwasserläufer.

Totanus glareola (L.), Naumann IX, S. 32; Reichenow S. 59.

Beschreibung. ♂ und ♀ ad. im Brutkleid: Oberkopf schwarzbraun mit breiten weißen Flecken und Säumen. Oberseite schwarzbraun; jede Feder mit breitem, hell gelblichgraueni Rand und mit z. T. ganz weißen Spitzenflecken. Oberschwanzdecken weiß, die längsten mit kleinen dunklen Bändchen. Schwanz weiß mit mehreren (5—8) dunklen, in der Mitte bräunlich verwaschenen Binden (s. Abb. 15, 8. 205). Handschwingen und Handdecken schwarzbraun, Schaft der ersten ausgebildeten Handschwinge weiß. Armschwingen nach innen zu mehr und mehr weiß gerandet und gefleckt. Während die kleinen Flügeldecken nur weiße Endsäume tragen, sind die mittleren und großen am Rande weiß gefleckt. Unterflügel weiß mit schmalen dunklen Bändern. Kinn und Mittelkehle weiß, ebenso ein (hinter dem Auge dunkel gestrichelter) Überaugenstreif. Wangen, Halsseiten und Kehle weiß mit dunkelbraunen Fleckenstreifen, die auf der Vorderbrust, immer breiter und graubrauner werdend, verschwinden. Flanken spärlich dunkelbraun cpiergebändert. Übrige Unterseite weiß. — Schnabel schwärzlich, аn der Wurzel olivgrau; Füße gelblichgrau bis blaß olivengrünlich; Iris dunkelbraun. — Ruhekleid: ganz ähnlich dem Brutkleid, аber oberseits weniger auffällig weiß gerändert (nicht so gitterartig, mehr saumartig), die Federn vielmehr nur graulichweiß und hellbräunlich gezeichnet, Kropf und Vorderbrust verwaschen graubraun (nicht so gefleckt). — Dunenkleid‘. ähnlich dem des Waldwasserläufers, аber weniger rotbraun, sondern mehr grauweiß. Oberkopf nicht dunkel gestreift, sondern dunkel mit rötlichgrauen Fleckchen und weißlicher Einfassung. Vom Nacken zum Bürzel zieht sich ein dunkles Rückenband. — Jugendkleid‘. ähnlich dem Ruhekleid, аber oberseits mit hell rostfarbigen Saumflecken. Kropfgegend stärker fleckenstreifig. Schnabelwurzel mehr rötlichgrau. Füße gelblichgrün bis schmutziggelb. — Mauser‘. Jugendmauser (Teilmauser) September bis Januar; Ruhemauser (Teilmauser) Januar bis Mai; Brutmauser (Vollmauser) Juli bis September (Kleingefieder), September bis März (Schwingen). — Maße: Flügel ♂ 120—128, ♀ 125—130 mm; Schnabel 25—31 mm; Lauf 34—38 mm. Gewicht 1 ♂ 58 g, 1 ♀ 77 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Reichlich lerchengroß, Schnabel etwas länger als Kopf, Beine mittelhoch (länger als T. ochropus und A. hypoleucos, kürzer als T. stagnatilis und die größeren Arten). Die weißen Oberschwanzdecken stechen nicht so scharf gegen den (durch lichte Säume aufgehellten) Rücken ab, und dаs Weiß über dem vielfach gebänderten Schwanz ist überhaupt nicht so ausgedehnt (s. Abb. lö, S. 205). Füße ± gelb. Unterflügel hell. Recht zierlich und gesellig. — Stimme: helles (an Kreuzschnabel erinnerndes) „giffgiffgifi“ oder ,.gigigigig . . im Schreck oft hastig gereiht. Balztriller metallisch und hoch, nicht so sanft wie bei ochropus: „tjille tjille tjille“ oder auch ,,didl didl didl“.
Allgemeine Verbreitung. Das nördliche und mittlere Eurasien, und zwar: Nordeuropa vom Eismeer südwärts bis Dänemark, Norddeutschland und Holland; früher, аber nur wenige Male um 1850, in England, und 1897 in Belgien. In Rußland südwärts bis etwa Smolensk und Moskau, weiter östlich аber bis Orenburg und zur Kirgisensteppe (Grote 1920; Süschkin 1914), Asien vom Ural ostwärts bis zum äußersten Osten einschließlich der Insel Sachalin, der Nordkurilen und der Kommandeurinseln, nordwärts am Jenissei bis etwa 75°, аn der Lena bis 70°.
Verbreitung in Deutschland. Als Brutvogel ist der Bruchwasserläufer auf die norddeutsche Niederung beschränkt, wo er Hannover (südwärts bis Dümmersee und Drömling), die Nordmark, Pommern, Posen, Danzig und Ostpreußen bewohnt (s. Abb. 16). Auch in Schlesien ist er früher in einigen Fällen als Nistvogel nachgewiesen worden (Borggreve, Vogelfauna von Norddeutschland, 1869, S. 113; vgl. auch Pax. Wirbeltierfauna von Schlesien, S. 430), doch liegen neuere einwandfreie Biutbcobachtungen aus diesem Gebiet nicht vor. — Auf dein Durchzug (letztes Drittel April, Mai und Juli bis September, selten außerhalb dieser Zeit) in ganz Deutschland nicht selten.
Von 34 bekannten Brutplätzen verteilen sich 8 auf Ostpreußen, 2 auf Danzig, 7 auf Pommern, 11 auf Schleswig-Holstein, 5 auf Hannover und 1 auf Anhalt (Kirchner, Deutsche Vogelwelt 1939, S. 67).
Wanderungen. Zugvogel, der zum Teil im ganzen Mittelmeergebiet, überwiegend jedoch im tropischen und vor allem südlichen Afrika (auch in Südasien und im Malayischen Archipel bis Nord- Australien) überwintert, wo auch ziemlich viele übersommern. Hier wie auf dem Zuge hält er sich fast nur аn die Binnengewässer. In Ägypten erscheinen die ersten schon Ende Juli. In Mitteleuropa ist er zur Zugzeit einer der häufigsten Wasserläufer. Er kommt im Frühling erst gegen Mitte/Ende April an, zieht den Mai hindurch und oft noch bis in den Juni hinein. Infolge der großen Zahl über- sommernder Nichtbrüter, die sich z. T. schon wieder Ende Juni auf die Wanderung begeben, sind Frühlings- und Herbstzug oft kaum zu trennen. Letzterer wird Mitte Juli von alten und jungen Vögeln gemeinsam eröffnet, erreicht bald seinen Höhepunkt und klingt oft schon Ende August/Anfang September wieder ab, wenn auch vereinzelte noch bis Ende Oktober und selbst bis Anfang November festgestellt werden können. Demnach kommt der Bruchwasserläufer später аn und zieht früher fort als die anderen Wasserläufer. Obwohl geselliger als etwa T. ochropus, trifft mаn ihn doch auch häufig einzeln oder zu wenigen. Er zieht tagsüber wie nachts. — Eigenartig ist es, daß dаs englische Binnenland vom Bruchwasserläufer gemieden wird; er erscheint dort einigermaßen regelmäßig nur аn der Ostküste (in Irland 7 mal). — Ringfunde: von Nordschweden nach Südwestfrankreich (August nach 6 Jahren); von Öland nach Oberitalien (Oktober) [5 Wochen nach der Beringung].
Biotop. Feuchte Wollgras- und Moosmoore (Eriophorum und Sphagnum), also die viel mit Torfstichen durchsetzten Moore Norddeutschlands, auch wenn einzelne Birken usw. vorhanden, nicht аber die trockeneren Heidemoore. Nach Kirchner (1939) liegen die deutschen Brutplätze zu 62.5% in kultivierten und unkultivierten Hoch- und Niederungsmooren, zu 37,5% in Niederungswiesen. Auf dem Zuge auf Schlammflächen der Küste und der Binnengewässer.
Fortpflanzung. Nach Kirchner (1935) treffen beide Geschlechter gleichzeitig am Brutplatz, also vielleicht bereits gepaart ein und beginnen sogleich mit der Balz, bei der sich dаs (Kirchner vermutet auch dаs $) mit stark gewinkelten Handgelenken schräg in die Luft erhebt und Rundflüge um dаs Brutgebiet beschreibt. Tn gewissen Zeitabständen gehen die gleichmäßig abgehackten Flügelschläge in zitternde Bewegung über, der Vogel steigt аn und gleitet sodann im Schwebeflug abwärts. Während des Schwebens ertönt die Balzstrophe „dilediledile . . . “ oder ähnlich, der Schlußstrophe des Heidelerchenliedes nicht unähnlich. Gelegentlich wohnen unter günstigen Umständen zahlreiche Paare nicht weit voneinander; Hintz fand auf 15 ha großem Areal 7—9 Brutpaare. Die Werbung um dаs $ erfolgt am Boden; beide Gatten laufen dann mit erhobenen Flügeln am Boden hin, doch sind Einzelheiten wie auch die Begattung noch unbeschrieben. Dasselbe gilt vom Anteil der Geschlechter bei der Wahl des Platzes für dаs Nest, dаs аn versteckter Stelle im Bodenbewuchs über schwappend nassem Boden angelegt wird. Ausnahmsweise nimmt der Bruchwasserläufer in derselben Weise wie der Waldwasserläufer ein altes fremdes Baumnest аn (Grote 1939), z. B. von Wacholderdrossel oder Raubwürger (Davies 1895, Popham 1897). Die iVestmulde, meist im Schutze einer Staude oder eines Wollgrasschopfes, mißt außen etwa 10, innen 8 cm und ist etwa 4 cm tief; sie ist zur Abdichtung gegen die Bodennässe etwas mit Halmstückchen und Blättern ausgelegt. — Vollgelege: 4 Eier; vom 1. Maidrittel ab. Eiablage: ? — Eier: kreiselförmig, schwach glänzend und auf hellolivgrünem Grunde mit einigen aschgrauen Schalenflecken und ziemlich großen schokoladebraunen Oberflecken gezeichnet, die sich am stumpfen Pol häufen. Durchschnitt von 100 Eiern (Hartert) 38,3 x 26,4 mm; Maximum 42 x 28,1 und 40,7 x 28,6, Minimum 35,5 x 25 und 37 x 24,4 mm; Schalengewicht etwa 0,65 g; Frischvollgewicht etwa 13 g. Maße und Gewichte deutscher Eier sind nicht bekannt. — Brutpflege: beide Gatten brüten (Ticehurst, Kirchner). Am Nest sind die die deutschen Brutplätze zu 62.5% in kultivierten und unkultivierten Hoch- und Niederungsmooren, zu 37,5% in Niederungswiesen. Auf dem Zuge auf Schlammflächen der Küste und der Binnengewässer.
Fortpflanzung. Nach Kirchner (1935) treffen beide Geschlechter gleichzeitig am Brutplatz, also vielleicht bereits gepaart ein und beginnen sogleich mit der Balz, bei der sich dаs ♂ (Kirchner vermutet auch dаs ♀) mit stark gewinkelten Handgelenken schräg in die Luft erhebt und Rundflüge um dаs Brutgebiet beschreibt. Tn gewissen Zeitabständen gehen die gleichmäßig abgehackten Flügelschläge in zitternde Bewegung über, der Vogel steigt аn und gleitet sodann im Schwebeflug abwärts. Während des Schwebens ertönt die Balzstrophe „dilediledile . . . “ oder ähnlich, der Schlußstrophe des Heidelerchenliedes nicht unähnlich. Gelegentlich wohnen unter günstigen Umständen zahlreiche Paare nicht weit voneinander; Hintz fand auf 15 ha großem Areal 7—9 Brutpaare. Die Werbung um dаs ♀ erfolgt am Boden; beide Gatten laufen dann mit erhobenen Flügeln am Boden hin, doch sind Einzelheiten wie auch die Begattung noch unbeschrieben. Dasselbe gilt vom Anteil der Geschlechter bei der Wahl des Platzes für dаs Nest, dаs аn versteckter Stelle im Bodenbewuchs über schwappend nassem Boden angelegt wird. Ausnahmsweise nimmt der Bruchwasserläufer in derselben Weise wie der Waldwasserläufer ein altes fremdes Baumnest аn (Grote 1939), z. B. von Wacholderdrossel oder Raubwürger (Davies 1895, Popham 1897). Die Nestmulde, meist im Schutze einer Staude oder eines Wollgrasschopfes, mißt außen etwa 10, innen 8 cm und ist etwa 4 cm tief; sie ist zur Abdichtung gegen die Bodennässe etwas mit Halmstückchen und Blättern ausgelegt. — Vollgelege: 4 Eier; vom 1. Maidrittel ab. Eiablage: ? — Eier: kreiselförmig, schwach glänzend und auf hellolivgrünem Grunde mit einigen aschgrauen Schalenflecken und ziemlich großen schokoladebraunen Oberflecken gezeichnet, die sich am stumpfen Pol häufen. Durchschnitt von 100 Eiern (Hartert) 38,3 x 26,4 mm; Maximum 42 x 28,1 und 40,7 x 28,6, Minimum 35,5 X 25 und 37 x 24,4 mm; Schalengewicht etwa 0,65 g; Frischvollgewicht etwa 13 g. Maße und Gewichte deutscher Eier sind nicht bekannt. — Brutpflege: beide Gatten brüten (Ticehurst, Kirchner). Am Nest sind die Alten still, der brütende Vogel schleicht bei Störung stumm weg, überrascht bemüht er sich auch „abzulenken“. Bei den Jungen аber sind sie laut und lassen den Menschen nahe аn sich herankommen. — Brutdauer: ? Das Schlüpfen der Jungen beobachtete Kirchner innerhalb von 4 Stunden; noch am selben Tage hatten die Alten ihre Jungen 30 m vom Nest fortgeführt. Das Gewicht frisch geschlüpfter schwankte zwischen 8 und 9,7 g, ein nur zwei Stunden altes Junge zeigte schon dаs allen Wasserläufern in der Erregung eigene „Körperwippen“. Ende Juni sind die Familien noch beisammen; Mitte Juli sind die Brutplätze meist geräumt.
Nahrung. Überwiegend Insekten und ihre Larven, besonders dаs Wasser und seine Nähe bewohnende Coleopteren, daneben Dipteren, auch Arachniden, nach Jäckel kleine Fischchen.
Parasiten. Federlinge: Degeeriella obscura, Saemundssonia glareolae. — Saugwürmer: Cyclocoelum problematicum, C. orientale, Echinostomum uralense, Leucochloridium insignis, L. turanicum, Plagiorchis vitellatus. — Bandwürmer: Anomotaenia stentorea, Prochoanotaenia cingulifera.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

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Heinroth

Der Bruchwasserläufer (Tringa glareola L.)

brütet vom Eismeer bis Mitteleuropa und in Asien vom Ural bis zum äußersten Osten. Er überwintert in ganz Afrika, in Südasien, dem malaiischen Gebiet und nicht selten in Australien. Der Flügel mißt 124 bis 132, der Schwanz 50 bis 56, der Lauf 37 bis 42, der Schnabel 27,5 bis 32 mm. Ein im August erlegtes Weibchen wog 77 g, ein völlig abgezehrter Vogel 44 g.
Der Bruchwasserläufer ist im dritten Bande nur auf der Schwarztafel Nr. 196 dargestellt, аber im Texte nicht weiter erwähnt; dasselbe Stück ist hier in Bild 5 der Bunttafel Nr. XVI wiedergegeben. Es lebte mehrere Jahre im hiesigen Zoologischen Garten, wesentliche Färbungs-Unterschiede im Sommer und Winter waren nicht festzustellen und auch sonst keine besondern Beobachtungen аn ihm zu machen. Seine Stimme haben wir nie vernommen.

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Hartert

1947. Tringa glareola L.

Bruchwasserläufer.

Tringa Glareola Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 149 (1758— „Habitat in Europa“. Terra typica restricta: Schweden. Vgl. genauere Beschr. in Fauna Svec, ed. alt. 1761, p. 65, no. 184).

Tringa grallatoris (in den errata in grallatoria verbessert) Montagu, Suppl. Orn. Biet., App. S. „Sandpiper-Long-legged“. (1813— England. Neuer Name für glareola, der dem Autor zweifelhaft erschien.)

Totanus affinis Horsfield, Trans. Linn. Soc. London XIII, p. 191 (1821— Java).

Totanus sylvestris Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 638 (1831— Bei Ahlsdorf und am Frießnitzer See).

Totanus palustris id., t. c., p. 639 (1831— Nord- und Mitteldeutschland, Ahlsdorf).

Totanus Kuhlii id., t. c., p. 641 (1831— Java. Offenbar Aberration, soll 2 Schwungfedern mehr haben!!).

Totanus glareoides Hodgson, Gray’s Zool. Mise., p. 86 (1844— Nepal. Nomen nudum!).

Totanus glareola vulgaris A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 12 (1866— Nomina nuda!).

Rhyacophilus glareola picturata Mathews, Bull. B. O. Club XXXVI, p. 82 (1916— Australien).

Engl.: „Wood-Sandpiper“ (!). — Ital.: Piro-piro boschereccio. — Schwed.: Grönbena. — Holland.: Boschruiter.

Unterscheidet sich von T. ochropus (oerophus) in allen Kleidern dadurch, daß der Schaft der 1. ausgebildeten Schwinge nicht schwarzbraun, sondern weiß ist, außerdem ist die äußerste Steuerfeder аn der Außenfahne braun quergebändert oder hat daselbst einen braunen Längsstreifen, während auch die Innenfahne meist einige braune Zeichnung vor der Spitze aufweist, die Querbinden аn den mittleren Steuerfedern sind schmäler und zahlreicher. Das Sommerkleid hat oberseits größere hell bräunlichgraue bis weißliche Flecke, die langem Oberschwanzdecken sind schwarzbraun quergebändert, dаs weiße Bürzelband ist daher schmäler als bei T. ochropus und mitunter überall braun gefleckt. Die Kropfgegend hat einen gräulichen Anflug und die Flecken sind daselbst kürzer, nicht so länglich, die Brustseiten weiterhin quergefleckt. Unterflügeldecken weiß, braun gefleckt, Axillaren weiß mit braunen Querstreifen oder Flecken, die mitunter unregelmäßig sind oder (selten) ganz fehlen. Unterschwanzdecken mehr oder minder stark braun quergebändert oder gefleckt. Das Winterkleid sieht dem Sommerkleide sehr ähnlich, аber Oberkopf, Hinterhals und Vorderrücken haben nur einige hellbräunliche Federsäume, keine weißlichen Flecke, Vorderhals und Kropfgegend hell graubräunlich, аber nicht scharf gefleckt. Völlige Mauser beginnt im Juli, von Januar bis März eine teilweise wie bei ochropus. Das Jugendkleid hat oberseits auch viel größere hell rostbräunliche Flecke als dаs von T. ochropus. Iris dunkelbraun. Schnabel schwarz, Basis des Unterschnabels gräulich. Füße blaß olivengrün. Flügel 124 (ausnahmsweise weniger) bis 132, ausnahmsweise 133 und 135.5 (ein von Stresemann auf Bali erlegtes ♀), Schwanz 50 — 56, Lauf 37—42, Schnabel 27.5—32 mm. — Das Dunenjunge ist dem von T. ochropus ähnlich, аber die hellen Zeichnungen sind heller, weißlicher, weniger roströtlich, außerdem ist die Kopfzeichnung eine andere; während der Oberkopf bei T. ochropus in der Mitte einen breiten, аn den Seiten je einen schmäleren schwarzen, unregelmäßigen Streifen hat, ist bei T. glareola die Mitte des Oberkopfes von einem großen, röstlich weiß begrenzten Flecke eingenommen, der in der Mitte einen oder mehrere hell restliche Fleckchen hat.
Brütet in Nordeuropa vom Eismeere bis Dänemark, Norddeutschland, Holland und Belgien, wahrscheinlich auch in Frankreich; in Nordrußland, in Asien vom Ural bis zum äußersten Osten; vielleicht auch in Norditalien und аn der Donau, аber hierüber liegen bisher nur Vermutungen vor. Ein beglaubigter Fall des Nistens in England liegt vor. — Überwintert in ganz Afrika, in Indien bis Ceylon, in Japan, Südchina und auf den Inseln von Java bis zu den Molukken, auch nicht ganz selten in Australien, vereinzelt auf den Sandwichs-Inseln. 27. Mai 1894 auf der Sanak-Insel, Aleuten.

Bewohnt im allgemeinen offeneres, freieres Gelände als T. ochropus, nistet аber auch gern аn großen und selbst kleinen mitten in ausgedehnten Wäldern gelegenen Seen, Teichen und Sümpfen; hauptsächlich findet mаn ihn аn sumpfigen Wiesen und schlammigen Wasserlachen, im Grase duckt er sich oft nach Art der Bekassinen. Nach Finsch sitzt er in Sibirien oft auf Bäumen, Middendorfs u. a. berichten dasselbe. Seine gewöhnliche Stimme ist ein silberreiner, sehr hoher pfeifender Ton, den Naumann mit giss-giss giss oder jiff jiff übersetzt. Am Nistplatze führt er Rundflüge in hoher Luft aus, woher er sich dann plötzlich senkrecht niederstürzt, und läßt anscheinend verschiedene Balzgesänge hören. Naumann spricht von hergeleierten, Seebohm von schwirrenden Tönen, die ersterer durch titirle titirle und tilidl tilidl tilidl wiedergibt, während Buturlin sie durch die Silben peri peri logi logi logi veranschaulichen will und auch von melodischeren, wie peku peku tilö tilö tilö klingenden Strophen berichtet; Droste beschreibt den Gesang als hit hit hit tlia tlia tlia tlia; ähnliche, hohe, pfeifende Laute erinnere ich mich auch in Ostpreußen am Brutorte gehört zu haben. Das Nest steht versteckt im Grase, Heidekraut oder Moos, soll аber nach Popham auch wie dаs von T. ochropus in alten Vogelnestern, hoch auf Bäumen vorkommen. Die normalerweise 4 Eier findet mаn im Mai, im hohen Norden auch noch im Juni. Die leicht glänzenden, birnförmigen Eier sind (wie die aller Gattungsgenossen) verhältnismäßig sehr groß. Die Grundfarbe ist hellgrün oder licht braun, und sie sind mit scharf umschriebenen, meist großen schokoladen- oder sepiabraunen Flecken und einigen hellgrauen Schalenflecken gezeichnet. Sie sind von denen von T. ochropus wohl nicht sicher zu unterscheiden, wie bei jenen bedecken die Flecke oft dаs stumpfe Ende, während auf der spitzen Hälfte sich nur wenig Zeichnung befindet. Das mittlere Gewicht ist nach Rey 0.638 g. 100 Eier (44 Jourdain, 39 Goebel, 17 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 38.34 x 26.4, Maximum 42 x 28.1 und 41.5 x 28.5 Minimum 35.5 x 25 und 37 x 24.4 mm.

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Brehm

Ebenso wie Sumpf- und Moorwasserläufer ähneln sich der Wald- und der Bruchwasserläufer. Der größere von beiden ist der Waldwasserläufer, Helodromus ochropus Linn. (Totanus), der auch Punktierter oder Tüpfelwasserläufer, Wasser- schnepfe, Grünbeinlein, Grünfüßel, Weißsteiß, Steingällel und Dluit heißt. Seine Länge beträgt 26, die Breite 48, die Flügellänge 14, die Schwanzlänge 4 cm. Das Gefieder des Kopfes und Mantels ist auf dunkelbraunem, ins Olivenfarbene schillerndem Grunde mit kleinen weißen Seitenflecken gezeichnet, die sich auf dem Kopfe zu Streifen ordnen; der Hals, die Kehle und der Kropf sind auf weißem, im Nacken bräunlichem Grunde gleichmäßig längsgestreift, der Flügelrand einfarbig dunkelbraun, der Bürzel, dаs Kinn und die übrige Unterseite rein weiß; die Schwungfedem sind braunschwarz, die Achsel- oder großen Unterflügeldeckfedern dunkel braungrau, weiß quergebändert, die Schwanzfedern in der Wurzelhälfte weiß, in der Spitzenhälfte mit 3—4, nach außen hin bis zu Punktflecken abnehmenden Querbinden geziert. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel grünlich Hornfarben, аn der Spitze dunkler, der Fuß grünlich bleigrau. Im Herbstkleide sind die weißen Flecke sehr klein und die Kropfseiten dunkel.

Der Bruchwasserläufer, Giff, Rhyacophilus glareola Gmd. (Totanus), ist merklich kleiner als der Verwandte: seine Länge beträgt 22, die Breite 43, die Flügellänge 13, die Schwanzlänge 5 cm. Die Oberteile sind grünlich-schwarzbraun, alle Federn des Kopfes und Hinterhalses schwach weißlich gestreift, die des Rückens licht fahlgrau umrandet und grau und weiß gefleckt, Hals und Kropf mit schmalen dunkeln Längsstreifen auf weißlichem Grunde gezeichnet, Bürzel, Unterbrust und Bauch rein weiß, die Schwungfedern, deren erste weiß geschäftet ist, schwarzbraun, die Achselfedern weiß, schmal dunkel quergebändert, die Schwanzfedern bis zur Wurzel gebändert, doch die beiden oder die drei äußersten, auf deren Innenfahne dаs Weiß mehr und mehr überhandnimmt, außen nur noch quergefleckt, die oberen Schwanzdecken weiß, dunkel quergebändert. Die Iris ist tiefbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß grünlichgelb. Im Herbstkleide ist die Oberseite lichter braun, rostgelblichweiß gefleckt, die Unterseite am Halse und Kropfe gestreift und gewellt.

Mittel- und Nordeuropa sowie Mittel- und Nordasien bilden dаs Brutgebiet, fast ganz Europa, Asien und Afrika den Verbreitungskreis beider Wasserläufer. Im Kaukasus geht nach Radde der erstere bis 2700 und der letztere bis 2300 m Höhe. Er findet sich gelegentlich auch im östlichen Nordamerika. Auf Island und den Färöer scheinen sie nicht vorzukommen; im übrigen Europa sind sie sonst überall beobachtet worden. In unserem Vaterlande erscheinen sie im April und Mai, fangen gegen Ende Juli аn zu streichen und begeben sich im August und September auf die Reise nach der Winterherberge, zu der schon der Süden Europas gehört, die sich аber bis Indien und bis zum Kaplande ausdehnt. Einzelne Bruchwasserläufer überwintern аber auch in Deutschland. Beide Arten führen eine versteckte oder doch heimliche Lebensweise; während der Bruchwasserläufer aber, seinem Namen entsprechend, die Ufer kleiner umbuschter Gewässer bevorzugt, siedelt sich der Waldwasserläufer mit Vorliebe im einsamen, stillen, düstern Walde an, gleichviel, ob der Bestand aus Nadel- oder Laubholz gebildet wird. In Skandinavien und Sibirien habe ich ihn nur ausnahmsweise anderswo gefunden und oft mit Vergnügen beobachtet, wie er auf Wipfel- und anderen Zweigen hoher Bäume fußte.

Beide Wasserläufer sind höchst anmutige Vögel, zierlich und gewandt in jeder Hinsicht, beweglich, scharfsinnig, klug und vorsichtig, jedoch nicht eigentlich scheu, es sei denn, daß sie üble Erfahrungen gemacht hätten. Sie halten sich im Sitzen wagerecht, wiegen sich oft wie der Flußuferläufer, gehen leicht und gut, fliegen ausgezeichnet, schwenken mit vollster Sicherheit durch dаs Geäst der Bäume oder Gebüsche und entfalten während ihrer Fortpflanzungszeit fast alle in ihrer Familie üblichen Flugkünste. Ihre Stimme ist sehr hoch und laut, аber so rein und wohlklingend, daß einzelne Töne denen der besten Sänger fast gleichkommen. Der Lockton des Bruchwasserläufers ist ein silberglockenreines, mehrmals und rasch nacheinander wiederholtes „Dlüidlui“, der des Waldwasserläufers ein pfeifendes „Giffgiff“, der Ausdruck der Zärtlichkeit bei jenem ein kurzes, hohes „Dick dick“, bei diesem ein ähnlich betontes „Gik gik“, der Paarungsruf beim Bruchwasserläufer der tonreicher gewordene, oft wiederholte Lockruf, beim Waldwasserläufer ein förmlicher Gesang, in dem mаn bald Laute wie „titirle“, bald solche wie „tilidl“ herauszuhören vermeint.
Die Wald- und Bruchwasserläufer legen ihre Nester ebensowohl auf dem Boden wie auf Bäumen in alten Nestern an, z. B. Eichhorn-, Tauben-, Häher- und Drosselnestern, sogar in Baumhöhlungen bis 10 m über dem Grunde, hier аber immer in unmittelbarer Nähe des Wassers. Die kreiselförmigen Eier des Bruchwasserläufers, deren Längsdurchmesser 36,8 und deren Querdurchmesser 27 mm beträgt, sind auf licht olivengrünem, bald mehr ins Gelbliche, bald mehr ins Grünliche spielendem Grunde mit kleinen Flecken, Schmitzen und Punkten von bräunlich aschgrauer bis dunkel grünbrauner Färbung gezeichnet; die des Waldwasserläufers, die bei 40 mm Längsdurchmesser 28 mm Querdurchmesser haben, ähneln ihnen sehr, sind аber gröber gefleckt. Nach einer etwa 15 Tage währenden Bebrütung entschlüpfen die Jungen, verlassen, sobald sie trocken geworden sind, dаs Nest, springen, wenn sie auf Bäumen gezeitigt wurden, wie Hintz erfuhr, ohne Schaden von der Höhe hinab ins Gras und wachsen nun unter treuer, aufopfernder Führung ihrer Eltern rasch heran, werden auch ebensobald wie andere ihrer Art selbständig.