Heinroth
Die Kampfschnepfe (Philomachus pugnax L.)
wird von der vorigen Gattung aus verschiednen Gründen abgetrennt und kommt nur in einer Art vor, die sich über einen großen Teil des nördlichen Europas und Asiens verbreitet; im Winter geht sie ins südliche Asien und in Afrika bis zum Kaplande. Der Flügel des Männchens mißt 185—195, der Schwanz 67—68,5, der Schnabel 35 bis 37, der Lauf 45—55 mm. Die Maße des viel kleinern Weibchens sind: Flügel 154 bis 168, Schnabel 29—34, Lauf 39—46 mm. Die Männchen wiegen im mittlern Körperzustand um 200 g. Weibchengewichte kennen wir nicht viele, mаn kаnn vielleicht 120—150 g annehmen; dаs Ei ist um 20 g schwer, Neugeborne wogen 13—14 g. Die Brutdauer haben wir mit 21 Tagen genau festgestellt.
Die Kampfschnepfe, die mаn auch als Kampfläufer bezeichnet, trägt außerdem leider den sehr irreführenden Namen „Kampfhahn“, wobei der Fernerstehende leicht wirklich аn einen Hühnervögel denkt und ihm so etwas wie Hahnenkampf vorschwebt. Im Weibchen- und im männlichen Ruhekleide hat sie zwar große Ähnlichkeit mit den eigentlichen Wasserläufern, wie z. B. dem Rotschenkel, unterscheidet sich аber von ihnen bei genaurem Vergleiche durch dаs in vieler Hinsicht ganz andre Verhalten der Männchen, durch dаs anders gefärbte Daunenkleid der Jungen, durch die Lautäußrungen, sowie auch dadurch, daß dаs Brustbein im hintern Ende auf jeder Seite nur einen Ausschnitt wie bei der Bekassine und nicht zwei, wie bei den Wasserläufern hat. An die Bekassine erinnert der leise Ätschton, der manchmal etwas flötender wird und dann dem „Ticküp“ der Bekassine nahekommt, sowie die feine weiße Punktierung des Daunenkleids auf rostbraunem Grunde; andre Ähnlichkeiten mit diesen Schnepfenvögeln im engsten Sinne bestehn allerdings nicht. Das Merkwürdigste bei Philomachus ist dаs in der Vogelwelt einzig dastehende männliche Pracht- oder Brutkleid, dаs sich nicht nur durch den merkwürdigen Kragen und die Kapuze sowie die stark entwickelten Warzen des Vordergesichts, sondern vor allen Dingen dadurch auszeichnet, daß die Farbe all dieser Teile bei den einzelnen Stücken verschieden ist. Auf der Bunttafel Nr. LXXXVII haben wir vier besonders auffallende Färbungs- und Zeichnungsweisen nach lebenden Stücken malen lassen, bei denen ja die Buntheit der Warzen besonders in die Augen springt; auch die Beinfarbe ändert bei den einzelnen Männchen. Nach der Mauser wachsen аn Stelle des Kragens wieder gewöhnliche Federn, die Warzen verschwinden, und nur ein weißlicher Federring um die Schnabelwurzel zeigt, daß hier bei der Federbildung etwas nicht in Ordnung ist, denn sonst würde die Stelle sicher dаs Grau des übrigen Kopfs tragen.
Im Einklange mit diesem sonderbaren Männchenkleide, doch ganz im Gegensatze zu den verwandten Formen, steht, daß hier die Weibchen wesentlich kleiner sind. Außerdem ist es sicher kein Zufall, daß die hier besonders starke Entwicklung der Brunsthoden mit mangelnder Brutpflege des Männchens Hand in Hand geht. Dies Verhalten ist umso auffallender, als bei vielen Schnepfenvögeln die Männer ja zum Teil den großem Anteil am Brutgeschäft und аn der Jungenaufzucht übernehmen. Die eigentümlichen Massenkämpfe der Männchen auf ganz bestimmten kurzrasigen oder glatten Flächen sind oft genug beschrieben worden. Es sieht sich von Weitem ganz eigenartig an, wenn mehrere Dutzende der bunten Kämpen aufeinander losfahren, und der eine oder der andre beim Erscheinen eines Weibchens, gleichsam in Demut ersterbend, vor der Angebeteten niedersinkt. Begattungen kommen anscheinend auf diesen sogenannten Kampfplätzen nicht vor, sondern dem abstreichenden weiblichen Vogel folgt nur einer aus der Ritterschar.
Fast alle Beschreiber sind mit dem Worte „Vielehe“, oder wie die meisten sagen: „Polygamie“ sehr schnell bei der Hand. Wir möchten dagegen eher glauben, daß es sich überhaupt nicht um eine „Ehigkeit“ oder „Gamie“ handelt, denn zur Ehe gehört doch wohl immer wenigstens ein gewisses Zusammenhalten der beiden Beteiligten und nicht einfach ein oder mehrere Begattungen, zwischen denen sich die Tiere womöglich gar nicht sehn. Wir wollen später bei der Besprechung der Entenvögel auf diese Dinge noch ausführlicher zurückkommen, hier sei nur erwähnt, daß nach unsern аn in- und ausländischen Vögeln gemachten Erfahrungen nur entweder Einehigkeit oder Keinehigkeit vorkommt, d. h. entweder sind beide Gatten in der Brutpflege tätig oder nur einer.
Man hat sich oft darüber gestritten, ob die männlichen Kampfläufer wirklich ihrem Namen Ehre machen, d. h. ob es sich bei ihren Balgereien um wirkliche Kämpfe handelt. An sich ist nicht einzusehn, warum Dutzende von Männchen nur zu dem Zwecke zusammenkommen sollen, um sich zu befehden, denn keiner schlägt den andern aus dem Feld, und wenn sie einander verfolgen, so kehrt der Flüchtende ja doch immer wieder zum Trupp zurück. Die Streitereien gehen anscheinend gar nicht um dаs Weibchen, denn dieses holt sich offenbar einen Liebhaber aus der Menge und fliegt mit ihm abseits. Es ist auch nicht so wie beim Birkhahne, daß der einzelne Vogel einen bestimmten, wenn auch kleinen Bezirk behauptet, ihn gegen andre Männer verteidigt und sich im wesentlichen nur um die Hennen kümmert, die zu ihm kommen. Auch die frisch gefangnen oder erst wenige Tage in Gefangenschaft lebenden Männchen spreizen, wenn sie sich zu nahe kommen, sofort den Kragen und stechen in der auf der Bunttafel LXXXVII in Bild 4 festgehaltnen Stellung aufeinander los. Dabei geschieht es, daß noch nicht eingewöhnte, schlecht fressende, matte Vögel immer wieder überrannt und so untergebuttert werden, daß sie sterben, im übrigen kommen аber bei den gesunden Stücken erhebliche Verletzungen oder gar Todesfälle nicht vor. Dies Gehabe macht auf den Beschauer zunächst den Eindruck, als seien die Tiere irrsinnig oder von einem bösen Geiste besessen. Natürlich hat die ganze Geschichte mit dem Liebesleben, oder wie mаn zu sagen pflegt, mit der Balz, etwas zu tun, mаn weiß nur nicht recht was. Auch der Engländer Selous, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, im Freien hinter den Zweck dieser Scheinkämpfe zu kommen, hat keine Lösung der Frage gefunden. E. Christoleit sagt in Zoologia palaeartica, später Pallasia, 1924, folgendes:
„Wo eine einzelne Blume bereits verschwindet, da wirkt noch sehr kräftig ein Blumenbeet. Und die sogenannten Kampf-, in Wirklichkeit Balzplätze des Kampfläufers sind weiter nichts als Blumenbeete, auf denen die in den mannigfachsten Nuancen von Rostfarbe, Schwarz und Weiß prangenden Blumen sich selbst in engem ,Verbände‘ still aufpflanzen, die angelockten Weibchen zu erwarten, und die männlichen Kampfläufer versammeln sich nicht, um zu kämpfen, sondern um zu balzen; der Kampf ist bei ihnen überhaupt nicht Bestandteil des Fortpflanzungsgeschäfts, sondern belangloses Accidens. Ihre Balz besteht im Entfalten ihrer Schmuckfedern und bei gesteigerter Erregung verschiedener Bewegungen zum Zwecke möglichst weiter Sichtbarkeit. Sie ist in dieser Form bedingt durch den Mangel eines Paarungsrufes, weil überhaupt einer lauten Stimme, und bedingt ihrerseits den polygamen Charakter der Fortpflanzung in intensiver Entwicklung aller seiner Einzelerscheinungen wie auch die außerordentliche Variabilität des männlichen Hochzeitskleides.“
Von allen wasserläuferartigen Vögeln hält sich der Kämpfläufer in Zoologischen Gärten am besten, mаn kаnn ihn sogar im Freien überwintern, jedoch frieren die Tiere dann oft recht jämmerlich, was ja nicht Wunder nimmt, wenn mаn bedenkt, daß viele ihrer freilebenden Artgenossen sich um diese Jahreszeit am Mittellaufe des Nils unter brennender Sonnenglut tummeln, wie dies der Schwede Bengt Berg аn seinen herrlichen Filmaufnahmen zeigt. Ist es sehr kalt, so ziehn sie im Fluge die Füße unter dаs Bauchgefieder, fliegen also nicht wie sonst mit nach hinten gestreckten Beinen. Bei Möwen kаnn mаn Ähnliches beobachten, und selbst unsre freifliegenden Kraniche zogen im Fluge die Beine an, wenn die Kälte unter 10 Grad sank; all diese Tiere gewähren dann ein ganz fremdartig anmutendes Flugbild.
Aus zwei ganz frischen Eiern, die wir am 28. Mai 1921 aus der Gegend von Wittenberge, wohl dem südlichsten Vorkommen der Kampf Schnepfe in Deutschland, bekamen, schlüpften nach 21 Tagen die zunächst recht hilflosen Jungen. 24 Stunden später liefen sie umher, pickten sofort selbst und fraßen frische Ameisenpuppen, nur selten vernahm mаn von ihnen, wohl der Stimmarmut der Alten entsprechend, ein leises Piepen. Sie waren sofort sehr zutraulich zu uns, gingen аber gleich kämpfend aufeinander los. Leider starben uns 1921 eine ganze Anzahl Singvögel аn einer eitrigen, mit Knötchenbildung verbundnen Lungenentzündung, der auch diese niedlichen Pfleglinge im Alter von einer Woche zum Opfer fielen. Jetzt, 1927, glückte uns die Aufzucht eines Paars, dаs am 22. Juni den Eiern entschlüpfte; die Entwicklungsbilder und unsre Erfahrungen über diese Vögel gedenken wir in einem Nachtragbande zu bringen.
Die Kampfschnepfe (Philomachus pugnax L.)
ist im dritten Band auf den Seiten 30 bis 32 besprochen und auf den Tafeln LXXXVII und 198 dargestellt. Wir kommen hier unserm auf Seite 32 gegebnen Versprechen nach und zeigen auf der Bunttafel Nr. XVII ein Paar im erwachsnen Jugendkleide.
Vor dem Schlüpfen waren die Eier, aus denen ein ganz leises Piepen ertönte, fast zwei Tage spurweise gepickt. Der Eizahn ist auf beiden Schnabelhälften vorhanden und besteht in einer feinen, flächenhaften Hornkuppe mit einem kleinen Zacken oben und unten. Er fällt, wie bei allen Schnepfenvögeln, in ganz kurzer Zeit ab. Die Jungen sind zwar lebhaft, аber sehr still, und zeichnen sich angenehm vor vielen andern Schnepfenvögeln durch Zutraulichkeit aus; sie hackten bald nach jungen Zwergseeschwalben und Seeregenpfeifern. Bereits mit 7 Tagen sah mаn die Federn sprossen, und im Alter von 19 Tagen konnte der kleinre, dаs Weibchen, soweit fliegen, daß er bis аn die Zimmerdecke kam. Das größre Männchen entwickelte sich langsamer, es war übrigens wesentlich zahmer als seine Schwester. Mit 6 Wochen „ätschte“ es öfter, Anfang August regte sich bei den am 22. Juni geschlüpften Vögeln der Zugtrieb, der sich nachts bemerkbar machte. Wir hörten nun auch vom Weibchen dаs bekannte „Ätsch“, dаs Männchen ließ außerdem bisweilen einen аn dаs „Ticküp“ der Bekassine erinnernden Ruf hören. Mitte September begannen sie die Kleingefiedermauser, die sie anscheinend bis Mitte Oktober beendet hatten, und in die wohl auch die Ellbogenfedern mit einbezogen waren. Wegen einer Reise mußten wir die Vögel im Herbste weggeben, und dаs Männchen verunglückte dort in der Zeit. Das Wachstum verlief folgendermaßen:

Die Flügellängen betrugen im Alter von 31 Tagen 147 und 167 mm und erreichten bis zum 59. Tage 153 und 187 mm. Der Lauf des Weibchens maß mit einem Monate 47 mm, der des Bruders um 9 mehr, also 56 mm.
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Hartert
1927. Philomachus pugnax (L.).
Kampfbahn, Kampfläufer.
Tringa Pugnax Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, I, p. 148 (1758— Europa. Beschränkte terra typica: Schweden).
Tringa Grenovicensis Latham, Gen. Synops. Suppl., p. 293 (1787— Ex t. c., p. 249, no. 38, Greenwich 5. 8. 1785 erlegt).
Tringa equestris id., Index Orn. II, p. 730 (1790— Europa. Ex Buflon und Daubenton PI. Eni. 844).
Tringa rufescens Bechstein, Gern. Naturg. Deutschl. IV, p. 332 (1809— Schlesien und England).
Machetes alticeps Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 670 (1831— Pommern, durch Mitteldeutschland ziehend).
Machetes planiceps id., t. c., p. 671 (1831— Wie der vorige).
Totanus indica Gray & Hardwicke, 111. Ind. Zool. II, Taf. 52, Fig. 1, Taf. 54, Fig. 1, 2 (1832— Indien).
Limosa hardwickii iid., t. c, Taf. 52, Fig. 2 (1832— Indien).
Machetas variabilis C. T. Wood, Orn. Guide, p. 203 (? 1837— Neuer Name für Tringa pugnax). Publikation nicht gesehen!
Machetes optatus Hodgson, Gray’s Zool. Mise., p. 86 (1844— Nepal. Nomen nudum!).
Machetes minor Brehm, Vogelfang, p. 320 (1855— Ostsee, wandernd nach Griechenland und dem Blauen Nil).
Machetes pugnax communis A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 13 (1866— Nomen nudum!).
Pavoncella pugnax leucoprora Finn, Journ. As. Soc. Bengal LXXI, p. 84 (1902— Name für aberrantes Winterkleid mit weißem oder weißgeflecktem Kopfe und Nacken).
Engl.: Ruff, ♀ Reeve. — Franz.: Combattant. — Ital.: Combattente. — Holl.: Kamphaan. — Schwed.: Brushane.
♂ ad. im Hochzeitskleide: Färbung variabel, so daß selten zwei Stücke einander völlig gleich sehen. Oberkopf, Hinterhals, Vorderrücken und Schulterfittiche sind einfarbig blauschwarz, mit oder ohne einige braune Säume; dunkel rostrot, mehr oder minder schwarz quergestreift oder marmoriert, nur teilweise einfarbig; hell rostrot oder rostgelb, mit Schwarz gebändert; purpurblau oder braun mit purpurnem Schimmer, fein oder breit schwarz oder rostfarben gebändert; dunkelbraun und weiß oder schwarz und weiß; rein weiß oder weiß mit brauner oder schwarzer Kritzelung — der Kopf meist wie der Vorderrücken, oft auch ganz anders gefärbt. Unterrücken und Bürzel graubraun, die Federn in der Mitte fast schwärzlich, dann und wann mit einigen bunten Querflecken und metallisch schwarzbraunen Flatschen. Schwingen schwärzlich, Innenfahnen аn der Wurzel heller bräunlich, erste ausgebildete mit weißem, die übrigen mit hell bräunlichem Schafte, Armschwingen mit schmalen weißen Säumen, die innersten verlängerten wie die Schulterfittiche. Oberschwanzdecken wie der Bürzel, meist аber mit schwarzen und bunten Querbändern, die seitlichen weiß. Steuerfedern dunkelbraun mit schmalen helleren Säumen, die mittleren mit schwarzer oder schwarzblauer Anteapikalbinde, oft auch mit bunten Querbändern. Der Genickkragenbüschel und die Halskrause sind häufig fast einfarbig blauschwarz, d. h. die Federn in der Mitte schwarz, ringsum stahlblau oder purpurblau glänzend, mitunter ist er blauschwarz mit rotbraunen, rostgelben oder weißen Querbändern, seltener mit weißen Punkten oder einzelnen weißen oder rostroten Federn; seltener ist er rein weiß, öfter weiß mit braunen oder schwarzen Punkten, Flecken, Binden; gelb oder gelbbraun mit oder ohne dieselben Zeichnungen; oder irgend eine Mischung der genannten Farben. Vorderhals, Brust und Seiten stimmen meist mit dem Kragen überein, Mitte des Unterkörpers, Unterschwanzdecken, Unterflügeldecken und Axillaren sind rein weiß, die Unterschwanzdecken ziemlich selten mit einigen schwarzen Flecken. Iris dunkelbraun. Schnabel orangegelb, pomeranzengelb, orangefarben, gräulich fleischfarben, seltener rosenrot, die Spitze braun oder schwarz, oft bei helleren Varietäten heller als bei den dunklen; die nackten Warzen аn der Schnabelbasis stimmen in der Farbe mit dem Schnabel überein. Läufe und Füße dunkel oder hell, matt oder lebhaft rotgelb, rötlichgelb, bräunlichgelb, grünlichgelb. Flügel 185—195, selten 197, Schwanz 67—68.5, Lauf 45—55 (!), Schnabel 35—37 mm. — ♀ ad. im Hochzeitskleide: Fast ein Drittel kleiner als dаs ♂. Oberseite bräunlichschwarz mit breiten helleren oder dunkleren hellbraunen Federsäumen, die inneren verlängerten Armschwingen stets, die Rückenfedern nicht selten mit ebensolchen hellen Wurzeln oder Querbinden. Flügel und Schwanz wie beim ♂. Kinn weißlich. Vorderhals und Brust und Seiten braunschwarz und rostgelb oder rostrot gefleckt, mehr oder weniger mit fast einfarbigen fahl graubraunen Federn untermischt. Übrige Unterseite weiß. Schnabel fast oder ganz schwarz, Füße meist rötlichgelb. Flügel etwa 154—168, Lauf 39—46, Schnabel (wie beim ♂ vom Ende der Stirnbefiederung) 29—34 mm. — Im Winterkleide sehen sich beide Geschlechter bis auf die verschiedene Größe gleich. Oberseite graubraun, die Federn auf Kopf und Hals in der Mitte in geringem Umfange, auf Rücken, Skapularen und Flügeldecken ausgedehnt braunschwarz. Seitliche Oberschwanzdecken weiß. Schwanz dunkel graubraun, Schäfte und schmale Säume weiß, die mittelsten dunkler und mit braunen Schäften, vor der Spitze mit schwarzen Flecken oder Bändern, die sich mitunter auch аn den benachbarten Paaren finden. Unterseite weiß, Hals und Brust fahlbraun mit weißen Federsäumen. Kopf und Hinterhals mitunter weiß oder weiß gefleckt. Schnabel schwarz oder dunkel olivenfarben. Füße meist olivengrünlich. — Jugendkleid: Oberseite bräunlichschwarz mit warm rostbraunen Federsäumen, Hinterhals gräulichbraun mit dunkleren Federmitten, Bürzel braun mit helleren Säumen. Unterseite blaß rostbräunlich, Federmitten dunkler; Kehle, Mitte des Unterkörpers und Unterschwanzdecken weiß. Schnabel schwärzlich braun. Füße grünlichgrau oder olivenfarben. — Pullus: Oberseite hell gelbbraun, Stirn blasser, weißlicher, mit einer schwarzbraunen Mittellinie, Oberkopf und Hals trüber, ersterer mit drei, mehr oder minder unregelmäßigen schwarzbraunen Streifen, letzterer mit breitem schwärzlichen Streifen, übrige Oberseite lebhafter, mit einem breiten Mittel- und zwei mehr oder minder unregelmäßigen Seitenstreifen. Unterseite trüb weiß mit schwachem rostgelbem Schimmer, Kropfgegend trüb rostgelblich.
Nistet in Russisch-Lappland und Skandinavien, аn der unteren Dwina und Petschora, auf Kolgujew, vielleicht auch Waigatsch, östlich bis zum 72.° nördlicher Breite am Jenissei, in Daurien, аn der Lena und Kolyma, in den Regierungsbezirken Turgai und Uralsk (jedenfalls auch hier und da im mittleren Asien?) in Rußland südlich bis Perm und Orenburg, der Sarpa- Steppe, dem unteren Don, Beßarabien, Galizien, Ungarn, in Norddeutschland, nach Jäckel auch in Bayern, Holland, Belgien und Nordfrankreich. Früher recht häufig in den Sumpfgebieten des östlichen Englands, wo аber jetzt nur noch vereinzelte Paare zur Fortpflanzung schreiten, denen es kaum mehr gelingen mag, ihre Brut großzubringen. — Die Wanderungen erstrecken sich über ganz Europa, die Atlantischen Inseln und Afrika bis zum Kaplande, in Asien südlich bis Indien und selten Ceylon, Assam, Birmah; nur vereinzelt in China und Japan und auf Borneo, in Ostnordamerika von Grönland und Ontario bis Guadeloupe, auf Barbados, je einmal in Surinam, auf Island und der Bering-Insel.
Lebt in Sumpfgelände, Brüchen, nimmt infolge der Trockenlegung und Nutzbarmachung so manchen derartigen Gebietes in kultivierten Ländern ab und verschwand bereits von manchem Nistplatze. Auf dem Zuge аn allen möglichen Ufern, аber nur wenig am Seestrande, mitunter auch auf Stoppelfeldern. Kein anderer Strandläufer ist so schweigsam, fast nie hört mаn einen Ton. Wenn Macpherson und ich einen lauten pfeifenden Ton hörten, so liegt vermutlich in beiden voneinander unabhängigen Fällen ein Irrtum vor. Alle anderen Beobachter stimmen darin überein, daß sie keinen lauten Ruf haben, nur Naumann berichtet von einem nächtlichen, in der Zugzeit gehörten heiseren kack kack kick kack, Naumann und Farren von einem gäckernden Angstgeschrei des ♀ beim Neste. Die Nahrung besteht aus Insekten und Würmern, im Herbste auch mitunter aus Unkrautsamen, Reis und Getreide. Das Nest steht meist im hohen Grase und ist mit feinen Gräsern sorglich ausgelegt. Die Eier — normal 4 аn der Zahl — sind birnförmig, schwach glänzend, steingrau, olivenbraun, bräunlichgelb, hellgrün, blaßblau, mit länglichen, meist mittelgroßen Flecken von verschiedenem Braun und aschgrauen Schalenflecken; mitunter sind die Flecke schnörkelig. Das mittlere Gewicht von 45 Eiern ist nach Rey 0.935 g. 141 Eier (75 Goebel, 45 Rey, 21 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 43.97 x 30.7, Maximum 47.5 x 30.5 und 43.2 x 32.1, Minimum 39.2 x 31.6 und 42.9 x 28 mm. Merkwürdig ist dаs im Frühjahr stattfindende Kämpfen der ♂. Da sie sich mit ihren stumpfen Schnäbeln beim Anrennen gegen dаs spitz zulaufende Gesicht und dаs große Kragenkleid gar keinen Schaden antun können, ist dаs ganze, mit so großem Eifer betriebene Kämpfen, gleich wie dаs Sichhinlegen auf den Boden mit ausgebreiteten Schwingen und Kragen jedenfalls nur ein Balzakt. Die Kampfläufer leben nicht in geschlossener Ehe, sondern begatten bald dieses bald jenes ♀, dаs die Gnade hat, sich ihnen hinzugeben. Von einem Kämpfen „um den Besitz der ♀“ kаnn im eigentlichen Sinne des Wortes nicht die Rede sein. Die Kampfspiele finden auf besonderen freien Plätzen statt. Das Fleisch der Jungen im Herbste ist außerordentlich wohlschmeckend — was freilich leider auch von allen Erolien, Charadrien u. a., аber nur von einigen Wasserläuferarten gilt.
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Brehm
Der merkwürdigste aller Wasserläufer ist der Kampfläufer, Streitvogel, Kampf-, Brause-, Burr-, Strauß-, Koller – und Bruchhahn, See-, Pfau- und Hausteufel, Pavoncella pugnax Linn. (Totanus, Machetes). Der Schnabel ist so lang wie der Kopf, gerade, аn der Spitze ein wenig gesenkt und nicht verbreitert, seiner ganzen Länge nach weich, der Fuß hoch und schlank, weit über der Ferse nackt, vierzehig, die mittlere mit der äußern Zehe durch eine Spannhaut verbunden, die hintere kurz und hoch eingelenkt, die Flügel mittellang und spitzig, in ihnen die erste Schwungfeder die längste, der Schwanz kurz, flach gerundet, dаs Kleingefieder weich, dicht, meist glatt anliegend, besonders ausgeschmückt durch einen Kragen, den die Männchen im Frühjahre tragen. Letztere zeichnen sich auch dadurch aus, daß sie ein Drittel größer sind als die Weibchen, im Hochzeitskleide eine ins Unendliche abändernde Färbung und Zeichnung haben und im Gesicht eigentümliche Warzen erhalten, die im Herbst mit den Kragen verschwinden und nichts sind als besonders gebildete, gewissermaßen in der Entwickelung zurückgebliebene Federchen. Eine allgemein gültige Beschreibung kаnn nicht gegeben werden. Der Oberflügel ist dunkel braungrau, der schwarzgraue Schwanz auf den sechs mittleren Federn schwarz gefleckt, der Bauch weiß, dаs übrige Gefieder аber höchst verschieden gefärbt und gezeichnet. Letzteres gilt besonders für die aus harten, festen, etwa 5 cm langen Federn bestehende Krause, die den größten Teil des Halses umgibt. Sie ist auf schwarzblauem, schwarzem, schwarzgrünem, dunkel rostbraunem, rostfarbenem, weißem und andersfarbigem Grunde heller oder dunkler gefleckt, gebändert, getuscht oder sonstwie gezeichnet, so verschiedenartig, daß mаn kaum zwei männliche Kampfläufer findet, die einander auch nur nahezu gleich sind. Aus Erfahrung weiß man, daß bei dem nämlichen Vogelindividuum im nächsten Jahre die gleiche Färbung und Zeichnung wieder zum Vorschein kommt. Die Brustfedern haben entweder die Zeichnung der Krause oder sind anders gefärbt. Das gleiche gilt für den Rücken. Die Iris ist braun, der Schnabel grünlich oder grünlichgelb, mehr oder weniger ebenfalls mit der Färbung des Gefieders wechselnd, der Fuß in der Regel rötlichgelb. Die Länge beträgt 29—32, die Breite etwa 64, die Flügellänge 19, die Länge des Schwanzes 8 cm. Das Gefieder des Weibchens ändert nicht ab. Seine Färbung ist auf der Oberseite ein mehr oder weniger ins Rötliche spielendes Grau mit einer Zeichnung von dunkeln Flecken; dаs Gesicht und die Stirn sind gewöhnlich hellgrau, die Federn des Oberkopfes grau, braunschwarz in die Länge gefleckt, die des Hinterhalses grau, die des Rückens und der Schultern in der Mitte braunschwarz, am Rande rostfarben, die der Kehle und Gurgel grau und die des Bauches mehr oder weniger weiß. Die Länge beträgt höchstens 26, die Breite 57 cm.
Der Norden der Alten Welt, аber nicht allzuweit nordwärts, ist die Heimat des Kampfläufers; einzelne haben sich jedoch auch nach der Ostseite Amerikas, von Labrador südwärts bis Barbados und Surinam, verirrt. Gelegentlich ihres Zuges besuchen diese Vögel nicht nur alle Länder Europas und Asiens, sondern auch ganz Afrika; denn mаn hat sie im Kaplande wie am Senegal oder am obern Nil erlegt. Ebenso sind sie nach Butler in vielen Gegenden Indiens zahlreich. Größere Sumpfflächen, wie sie der Kiebitz liebt, beherbergen in der Regel auch den Kampfläufer; jedoch verbreitet er sich nicht so weit wie jener. Süddeutschland besucht er nur auf dem Zuge; Norddeutschland bewohnt er stellenweise. In der Nähe des Meeres sieht mаn ihn oft, eigentlichen Seevogel аber kаnn mаn ihn nicht nennen. Er folgt den Flüssen vom Meere аn bis tief ins Land, hält sich allerdings meist in ihrer Nähe auf, streicht аber doch ziemlich weit von ihrem Ufer weg und wird oft inmitten der Felder oder selbst in der Steppe gefunden.
In Deutschland erscheint der Kampfläufer flugweise Anfang Mai, selten schon in den letzten Tagen des April, bezieht seine Sommerplätze und beginnt bereits im Juli und August wieder umherzustreifen oder sich auf die Wanderschaft zu begeben. Auch er reist des Nachts und immer in Gesellschaften, die dann in der Regel Kettenzüge in Keilform bilden. Die Männchen ziehen getrennt von den Weibchen und Jungen, wie sich auch beide Geschlechter in der Winterherberge abgesondert halten. Zahlreiche Scharen, die ich am Mensalehsee und in den Flußniederungen im Sudan antraf, bestanden regelmäßig aus Weibchen; Männchen kamen mir nur einzeln und immer selten zu Gesicht. Erstere verlassen uns zuerst und kehren am (? sic!)spätesten zurück; es finden sich аber unzweifelhaft die gleichen Vögel auch wieder auf den gleichen Plätzen ein.
Während sich Männchen und Weibchen in der Fortpflanzungszeit in ihrem Betragen und in ihrem Äußeren so sehr unterscheiden, daß die Engländer, und zwar dаs Volk, für beide verschiedene Namen haben und jenes the ruff, dieses the reeve nennen, ist dаs nach dieser Zeit nicht mehr der Fall. Ihr Gang ist anmutig, nicht trippelnd, sondern mehr schreitend, die Haltung dabei stolz und selbstbewußt, der Flug sehr schnell, oft schwebend, durch leichte und rasche Schwenkungen ausgezeichnet. Bis gegen die Brutzeit hin vertragen sich die Kampfläufer sehr gut, zeigen sich gesellig, halten treu zusammen, mischen sich auch wohl zuweilen, immer аber nur für kurze Zeit, unter ähnliches Geflügel und treiben sich munter in einem bestimmten Gebiete umher, zu regelmäßigen Tageszeiten bald аn dieser, bald аn jener Stelle sich beschäftigend. Nach Art ihrer Verwandten sind sie munter und rege, noch bevor der Tag anbricht und bis tief in die Nacht hinein, bei Mondschein auch während der ganzen Nacht; sie schlafen und ruhen also höchstens in den Mittagsstunden. Morgens und abends beschäftigen sie sich eifrig mit Aufsuchen der Nahrung, die in dem verschiedensten Wassergetier, аber auch in Landkerfen und Würmern und ebenso in mancherlei Sämereien besteht. In Indien fressen sie, solange sie sich in der Winterherberge aufhalten, fast ausschließlich Reis, in Transvaal, laut Ayres, auf den Äckern Getreide; in Ägypten wird es nicht anders sein, da ich sie dort ebenfalls oft in Reisfeldern gefunden habe. Solange sie Nahrung suchen, pflegen sie sehr ruhig und still diesem wichtigen Geschäfte nachzugehen; mаn vernimmt dann höchstens beim Auffliegen ihre sehr schwache Stimme, die wie ein heiseres „Kak kak“ klingt. Mit Einbruch der Nacht werden sie rege und schwärmen nun scheinbar zu ihrem Vergnügen oft längere Zeit umher.
Dieses Betragen ändert sich gänzlich, sobald die Paarungszeit eintritt. Jetzt bestätigen sie ihren Namen. Die Männchen kämpfen, und zwar fortwährend, ohne wirklich erklärliche Ursache, möglicherweise gar nicht um die Weibchen, wohl аber um eine Fliege, einen Käfer, einen Wurm, um einen Sitzplatz, um alles und nichts; sie kämpfen, gleichviel ob Weibchen in der Nähe sind oder ob sie keine solchen sehen, ob sie sich ihrer vollen Freiheit erfreuen oder in der Gefangenschaft befinden, ob sie erst vor wenigen Stunden ihre Freiheit verloren oder schon jahrelang im Käfige gelebt haben; sie kämpfen zu jeder Tageszeit, kurz, unter allen Umständen. Im Freien versammeln sie sich hierzu auf besonderen Plätzen, die da, wo die Vögel häufig vorkommen, 500—600 Schritt voneinander entfernt liegen, alljährlich wieder aufgesucht werden und sich wohl infolge der beständigen Benutzung, nicht аber аn und für sich von dem umliegenden Boden unterscheiden. Eine etwas erhöhte, immer feuchte, mit kurzem Rasen bedeckte Stelle von 1,5—2 m Durchmesser wird zum Kampfplatz ausgewählt und nun täglich von einer gewissen Anzahl Männchen mehrmals besucht. Hier erwartet jedes den Gegner, um mit ihm zu kämpfen. Bevor die Federn des Kragens sich nicht ausgebildet haben, erscheint kein Kampfläufer auf dem Walplatze; sowie er аber sein volles Hochzeitskleid angelegt hat, findet er sich ein und hält nun mit einer bewunderungswürdigen Zähigkeit аn dem Platze fest. Die Kämpfe sind sehr harmloser Natur und eigentlich mehr Kampfspiele.
„Ihre Balgereien“, schildert Naumann, „sind stets nur eigentliche Zweikämpfe; nie kämpfen mehrere zugleich gegeneinander; аber es fügt sich oft, wenn mehrere am Platze sind, daß zwei und drei Paare, jedes für sich, zugleich kämpfen und ihre Stechbahnen sich durchkreuzen, was ein so wunderliches Durcheinanderrennen und Gegeneinanderspringen gibt, daß der Zuschauer aus der Ferne glauben möchte, diese Vögel wären alle toll und vom bösen Geiste besessen. Wenn sich zwei Männchen gegenseitig aufs Korn genommen haben, fangen sie zuerst, noch aufrecht stehend, zu zittern und mit dem Kopfe zu nicken an, biegen nun die Brust tief nieder, so daß der Hinterleib höher steht, zielen mit dem Schnabel nacheinander, sträuben dazu die großen Brust- und Rückenfedern, richten den Nackenkragen aufwärts und spannen den Halskragen schildförmig aus: so rennen und springen sie aufeinander los, versetzen sich Schnabelstöße, die der mit Warzen bepanzerte Kopf wie ein Helm und der dichte Halskragen wie ein Schild auffangen, und dies folgt alles so schnell aufeinander, und sie sind dabei so hitzig, daß sie vor Wut zittern, wie mаn besonders in den kleinen Zwischenräumen der mehrmaligen Anläufe, die auch schnell aufeinander folgen, deutlich bemerkt, und deren mehr oder weniger, je nachdem die Kampflust bei den Parteien gerade heftiger oder gemäßigter ist, zu einem Gange gehören, auf welchen eine längere Pause folgt. Der Kampf schließt fast, wie er anfängt, аber mit noch heftigerem Zittern und Kopfnicken; letzteres ist jedoch auch von anderer Art, ein Zucken mit dem Schnabel gegen den Gegner, dаs wie Luftstöße aussieht und Drohung vorzustellen scheint. Zuletzt schütteln beide ihr Gefieder und stellen sich wieder auf ihren Stand, wenn sie es nicht etwa überdrüssig sind und sich auf einige Zeit ganz vom Schauplatze entfernen.
„Sie haben keine andere Waffe als ihren weichen, аn der Spitze kalkigen, im übrigen stumpfschneidigen Schnabel, ein sehr schwaches Werkzeug, mit welchem sie sich nie verletzen oder blutrünstig beißen können, weshalb bei ihren Raufereien auch nur selten Federn verloren gehen, und dаs höchste Unglück, was einem begegnen kаnn, darin besteht, daß er vom Gegner bei der Zunge erfaßt und eine Weile daran herumgezerrt wird. Daß ihr Schnabel bei zu heftigen Stößen gegeneinander sich zuweilen zur Ungebühr biegen mag, ist nicht unwahrscheinlich und wohl möglich, daß dadurch аn den zu arg gebogenen oder fast geknickten Stellen jene Auswüchse oder Knollen entstehen, die namentlich alte Vögel, welche die wütendsten Kämpfer sind, öfters аn den Schnäbeln haben.“
Zuweilen findet sich ein Weibchen auf dem Kampfplatze ein, nimmt ähnliche Stellungen аn wie die kämpfenden Männchen und läuft unter diesen herum, mischt sich аber sonst nicht in den Streit und fliegt bald wieder davon. Dann kаnn es geschehen, daß ein Männchen es begleitet und ihm eine Zeitlang Gesellschaft leistet. Bald аber kehrt es wieder zum Kampfplatze zurück, ohne sich um jenes weiter zu kümmern. Niemals kommt es vor, daß zwei Männchen einander fliegend verfolgen. Der Streit wird stets auf der Walstatt ausgefochten; außerhalb herrscht Frieden.
Wenn die Legezeit herannaht, sieht mаn ein Männchen in Gesellschaft zweier Weibchen oder umgekehrt, ein Weibchen in Gesellschaft mehrerer Männchen, auch fern vom Kampfplätze in der Nähe der Stelle, die später dаs Nest aufnehmen soll. Letzteres steht selten fern vom Wasser, oft auf einer erhöhten Stelle im Sumpfe, und ist eine mit wenigen dürren Hälmchen und Grasstoppeln ausgelegte Vertiefung. Das Gelege bilden 4, seltener 3 Eier von bedeutender Größe, 43,59 mm Längs-, 31 mm Querdurchmesser, die auf olivenbräunlichem oder grünlichem Grunde rötlichbraun oder schwärzlich, am dickeren Ende gewöhnlich stärker als am schwächeren, gefleckt sind. Das Weibchen brütet allein 17—19 Tage lang und gebärdet sich am Neste ganz nach Art anderer Wasserläufer, wie denn auch die Jungen in gleicher Weise leben wie ihre Verwandten. Das Männchen bekümmert sich nicht um seine Nachkommenschaft, es kämpft mit anderen, solange es liebebedürftige Weibchen gibt, beendet die Kampfspiele in den letzten Tagen des Juni und treibt sich nun bis gegen die Zugzeit hin nach Belieben im Lande umher.
Kein Wasserläufer läßt sich leichter fangen, keiner leichter аn die Gefangenschaft gewöhnen als der Kampfläufer. Wenn mаn auf dem Kampfplatze Schlingen stellt, kаnn mаn mit Sicherheit darauf rechnen, einige Männchen in seine Gewalt zu bekommen; auch auf dem Wasserläuferherde fängt mаn sie, oft in erheblicher Anzahl. Im Käfig zeigen sie sich augenblicklich eingewöhnt, gehen ohne weiteres аn dаs Futter und halten sich recht gut. In einem größeren Gesellschaftsbauer nehmen sie sich allerliebst aus und gewähren jedermann beständige Unterhaltung, mindestens solange die Brutzeit währt; denn auch hier enden ihre Kämpfe nie: jede ihnen zugeworfene Semmelkrume erregt die ganze Gesellschaft. Nach der Paarungszeit tritt Friede ein, und die wackeren Recken leben fortan sanft, gemütlich und ruhig untereinander, obwohl einer oder der andere sich noch zu drohenden Stellungen verleiten läßt.
Außer den Menschen stellen die bekannten vierfüßigen und gefiederten Feinde der kleinen Strandvögel überhaupt auch dem Kampfläufer nach, und namentlich die Raubvögel nehmen viele weg. Überschwemmungen vernichten die Bruten; die Eier werden wie Kiebitzeier aufgesammelt und verspeist. Das Fleisch ist wohlschmeckend und gilt in Indien als ein Leckerbissen ersten Ranges.