Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
1398. Nyctea nyctea (L.).
Schneeeule.
Strix Nyctea Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 93 (1758— „Habitat in Europa et America septentrionali“. Terra typica Schweden, nach dem 1. Zitat).
Strix nivea Thunberg, Svensk. Akad. Förh. 1798, p. 184 (Schweden).
Strix candida Latham, Ind. Orn. Suppl., p. XIV (1801— Ex Levaillant & Daudin, ohne Fundort).
Strix erminea Shaw, Gen. Zool. VII, p. 251 (1809— Nach Latham).
Nyctea nivea europaea und americana A. E. Brehm, Verz. Sammt., p. 2 (1866— Nomina nudal).
Engl.: Snowy Owl. — Schwed.: Harfang, Fjelluggla.
♂ ad. Schneeweiß mit einigen schwarzbraunen Querflecken аn den Flügelspitzen, Schulterfittichen, Brust und Unterkörper, nicht selten fast rein weiß ohne alle Zeichnungen, oder andrerseits mit (meist sehr schmalen) schwarzbraunen Querbändern auf Rücken, Flügeln, Steuerfedern, Unterkörper und Seiten und ebensolchen Flecken auf dem Kopfe. Iris gelb. Schnabel
und Krallen hornschwarz. Flügel 39 1/2 — 41 1/2, Schwanz 22 — 24 1/2 cm, Culmen 27—29 mm. ♀ ad. Immer mit schwarzbraunen und in der Kegel breiteren Querzeichnungen, die nur auf dem Kopfe kleine und аn den Schwingen große rundliche Flecke bilden, Gesicht, Vorderhals, Bauch, Unterschwanzdecken, Füße und meist auch Bürzel reinweiß. Größer: Flügel 42 1/2 — 47 1/2, meist etwa 43 — 46 cm. — Dunenjunges: im allerersten Kleide ganz weiß, dann weiß mit braunen Wurzeln, zuletzt graubraun mit weißen Enden (Junge im ersten Federkleide sind noch breiter gebändert als alte ♀, daher sehr dunkel. Ob auch hellere junge Vögel vorkommen, konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden, da nur wenige Stücke untersucht wurden, doch scheint durchaus kein Beweis vorzuliegen, daß alte Vögel mit zunehmendem Alter immer mehr weiß werden, wie mаn vielfach, anscheinend ohne irgend einen sicheren Anhalt, annahm). — Amerikanische Stücke unterscheiden sich in keiner Weise von den altweltlichen.
Circumpolarer arktischer Brutvogel, der im Winter südwärts streicht. Nistet in Nord-Skandinavien, auf Jan Mayen, wahrscheinlich Spitzbergen und Franz Josefs Land, Novaja Semlja, Vaigatsch und Kola-Halbinsel, in den nordrussischen und sibirischen Tundren, südwärts bis in die baltischen Provinzen, einmal nach A. E. Brehm sogar in Ostpreußen, doch liegt kein Beweismaterial hierfür vor, und Orenburg, ostwärts bis Kamtschatka und Bering-Insel. Ebenso im arktischen Amerika. Im Winter südlich bis zu den Shetlands, und Orkneys, Hebriden, sowie Schottland und Irland (aber bisher nur dreimal sicher in England), Deutschland und mittleres Rußland, vereinzelt bis Frankreich, Schweiz, Kroatien (einmal), Kaspisches und Schwarzes Meer, Nord- und Mittel-Japan (Hondo), einmal in Nordwest-Indien. In Amerika bis Canada und Montana, mitunter bis Kalifornien, Texas, Louisiana, Nord-Karolina und den Bermuda-Inseln.
Bewohnt offenes waldloses. Gelände, besonders die Tundren des hohen Nordens und scheint ihren Aufenthalt nach dem mehr oder minder zahlreichen Auftreten von Lemmingen und Mäusen zu ändern. Nahrung kleine Säugetiere und Vögel. Stimme ein rauhes Krächzen und mitunter ein helleres „rick rick riek“. Nest auf dem Boden in einer kleinen Vertiefung, meist mit Heidekraut und einigen Federn ausgefüttert. Das Gelege besteht aus 4 bis 6, mitunter аber auch 8 bis 10 Eiern. Letztere sind rundlich, feinkörnig, dünnschalig, gelb durchscheinend wie wohl alle Euleneier, und ohne Glanz. 100 Eier (Jourdain, Rey, Palmen) messen nach Jourdain im Durchschnitt 57.34 x 45.16, Maximum 63 x 46.5 und 60.3 x 48.4, Minimum 51.5 x 43.7 und 55 x 42 mm. Mittleres Gewicht nach Rey 5.650 g.
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Brehm
Die Schnee-Eule, Nyctea nyctea Linn. (scandiaca, nivea; Taf. „Rakenvögel IV“,3, bei S. 231), ist 68—71 cm lang, 146—156 cm breit; die Flügellänge beträgt 45, die Schwanzlänge 26 cm. Die Färbung ist je nach dem Alter verschieden. Sehr alte Vögel sind weiß, zuweilen fast ungefleckt oder höchstens mit einer Querreihe brauner Fleckchen am Vorderkopfe und einzelnen auf den großen Schwingen, mittelalte auf weißem Grunde mehr oder weniger mit braunen Quer- oder auf dem Kopfe mit solchen Längsflecken gezeichnet, jüngere Vögel noch stärker gefleckt und auf der Ober- wie auf der Unterseite förmlich gesperbert. Das Dunenkleid der Nestjungen ist braungrau. Das Gefieder der Alten ist härter als bei den übrigen Eulenarten. Die Iris ist prächtig gelb, der Schnabel Hornschwarz. Die Schnee-Eule ist der einzige Vertreter der durch äußerst dichte Befiederung der Läufe und Zehen und sehr kurze Ohrbüschel gekennzeichneten Gattung der Schneekäuze (Nyctea Steph.).
Anstatt einer ausführlichen Angabe aller Gegenden und Länder, die die Schnee-Eule bewohnt, brauche ich bloß zu sagen, daß sie in den Tundren häufig und im Norden vielfach weit gegen den Pol hin beobachtet worden ist. Nach Malmgren, Heuglin, Cocks und anderen kommt sie аn der Nordwest- und Südküste Spitzbergens vor, nach Palmen аber vielleicht bloß als Irrgast; Kükenthal bemerkte sie schon аn der Ostküste nicht mehr. Hedenström meldet sie von den Neusibirischen Inseln. In der Tundra tritt sie keineswegs überall in gleicher Menge auf. Auch ihr Vorkommen richtet sich nach der Häufigkeit der Lemminge. Sie liebt Ruhe und Einsamkeit, meidet also Gegenden, die vom Menschen, ihrem ärgsten Widersacher, oft besucht werden. Daher tritt sie in Amerika, Lappland und Nordwestrußland häufiger auf als in Nordostrußland und Sibirien, wo mаn ihr, wenigstens in den von uns durchreisten Gegenden, ihres Fleisches halber arg nachstellt. Während des Sommers hält sie sich hauptsächlich in den nordischen Gebirgen aus; im Winter streicht sie in tiefer gelegene Gegenden hinab, und wenn der Schnee in ihrer Heimat recht reichlich fällt und die Nahrung knapp wird, tritt sie auch wohl eine Wanderung nach dem Süden an. In Grönland soll sie im Sommer häufiger im Norden als im Süden sein. In der Mongolei ist sie im Winter überall sehr häufig und zieht in den letzten Tagen des April wieder nordwärts. Die Mongolen sagen, dаs erste Gewitter vertriebe sie, da sie den Donner sehr fürchte. Auf den taurischen Hochsteppen stellen sich, laut Radde, zuerst die Weibchen ein, und zwar bereits gegen Ende September; die Männchen folgen viel später. In Skandinavien kommt sie erst mit Einbruch des Winters in die Täler herab. Regelmäßiger als die Sperbereule erscheint sie in südlicheren Gegenden, besonders in Deutschland. In Ostpreußen, namentlich in Litauen, kommt sie fast in jedem Winter vor; Westpreußen, Posen und Pommern besucht sie ebenfalls sehr regelmäßig, und auch in Dänemark stellt sie sich nicht allzu selten ein, obwohl sie für gewöhnlich auf dem Wege dahin nur bis Südskandinavien vordringt. Auf den Britischen Inseln wandert sie wahrscheinlich von beiden Seiten, nämlich von Skandinavien und von Grönland her, im Winter ein; Südrußland, die Steppen Südsibiriens und der Mongolei, China und Japan besucht sie von der sibirischen Tundra, den Süden der Vereinigten Staaten und sogar die Bermudas vom hohen Norden Amerikas aus. Ein Exemplar wurde bei San Antonio in Texas erlegt. Im allgemeinen ist die Schnee-Eule in Nordamerika im Winter аn der Küste häufiger als im Inneren, wo sie sich аn offenen Stellen der Flüsse und Ströme aufhält und auf Fische lauert, in deren Fang sie sehr geschickt ist. Unter Umständen verweilt auch sie ausnahmsweise während des Sommers im fremden Land, um hier zu brüten. So wurde im Jahr 1843 auf der Kimschener Flur im Ragniter Kreise in Ostpreußen von dem Rittergutsbesitzer Pieper während der Pfingstferien auf einem Steinhaufen ein Schnee-Eulenhorst mit Eiern gefunden, und ebenso glaubt Hume, daß der Vogel vielleicht dann und wann sogar in Indien, am Kabulflusse, horstet. Nach Scully dringt er im Winter bis Kaschgar vor und soll in den Bergen nördlich von dieser Stadt sogar brüten.
Eine Schnee-Eule in derTundra ist einherrlicher Anblick. Während unserer Reise durch die Samojedenhalbinsel hatten wir wiederholt Gelegenheit, den prachtvollen Vogel zu sehen. Die Schnee-Eule scheint hier zwar minder häufig zu sein, als es nach den bei allen Lagerstellen der Ostjaken gefundenen Federresten der Fall sein müßte, kommt аber doch als Brutvogel durch dаs ganze Gebiet vor. Von anderen Eulen, besonders von der in der Tundra sehr häufigen Sumpfeule, unterscheidet mаn sie augenblicklich, erkennt sie überhaupt in jeder Entfernung. Ganz abgesehen von der bei Tage blendenden Färbung und bedeutenden Größe zeichnen sie ihre kurzen, breiten, stark gerundeten Flügel so bestimmt aus, daß mаn über sie nicht im Zweifel sein kann. Sie fliegt bei Tage wie bei Nacht und ist unter Umständen in den Nachmittagsstunden lebhafter als im Zwielicht des Morgens und des Abends. Zu ihrer Warte wählt sie vorspringende Kuppen und Hügel, auf denen sie auch ihre weit vernehmbare, dem Geschrei des Seeadlers nicht unähnliche, gackernde Stimme oft ausstößt. Hier verweilt sie manchmal viertelstundenlang, erhebt sich dann und zieht, abwechselnd mit den Flügeln schlagend und schwebend, fort, steigt, wenn sie einen weiteren Weg zurücklegen will, in Schraubenlinien bis zu bedeutender Höhe auf und senkt sich sodann zu einem zweiten Hügel herab, um wieder von ihm aus Umschau zu halten. Ihr Wohn- und Jagdgebiet scheint nicht sehr ausgedehnt zu sein, da wir sie im Laufe eines ganzen Tages auf wesentlich denselben Stellen beobachten konnten. Eine, die ich erlegte, war dаs Männchen eines Paares, dаs sich in dem gleichen Gebiete umhertrieb. Obwohl die Tundra der Samojedenhalbinsel äußerst spärlich bevölkert ist und demgemäß höchst unregelmäßig von Ostjaken und Samojeden durchzogen wird, zeigt sich doch die Schnee-Eule verhältnismäßig scheu, läßt mindestens den Europäer nicht ohne weiteres zum Schusse kommen. Der in Rede stehenden konnte ich mich nur im Renntierschlitten nähern. Dieselbe Scheu behält sie, wie ich von meinen ostpreußischen Jagdfreunden erfuhr, in der Fremde bei. Auch hier meidet sie die Waldungen gänzlich und hält sich vorzugsweise auf den in den Feldern zusammengelesenen Steinhaufen oder den Weidenbäumen аn der Landstraße auf, ist аber stets äußerst vorsichtig. An Mut in unvermeidlicher Gefahr scheint sie alle übrigen Eulen zu überbieten. Hunde greift sie, nach Schraders Beobachtung, mit großem Ungestüm аn und sticht auf sie hernieder wie ein Falke. Das von mir erlegte Männchen fiel flügellahm aus der Luft herab, bereitete sich hierauf sofort zum Angriffe vor und wehrte sich, als ich es aufnehmen wollte, in verzweifelter Weise. Heiser fauchend und heftig knackend empfing es mich, und als ich die Hand nach ihm ausstreckte, hieb es mit Fängen und Schnabel um sich.
Kleine Nagetiere, vor allem Lemminge, außerdem Eichhörnchen, Pfeifhasen, Biberratten und dergleichen, bilden die Nahrung der Schnee-Eule; sie schlägt аber auch Tiere von Hasengröße. „An einem Vormittag im Anfang des April 1869″, schreibt mir Pieper, „sah ich wieder eine Schnee-Eule in großer Entfernung auf einem Steinhaufen sitzen und begann, um mich schußgerecht zu nähern, sie in der früher von mir erprobten Weise zu umkreisen. Beim Gehen über die Stoppel scheuchte ich einen jungen Hasen von der Größe einer Katze auf, und dieser lief zufällig gerade auf die Schnee-Eule zu. Obwohl ich nur noch 150 Schritt von letzterer entfernt war, stieß sie doch ohne Besinnen auf den etwa 30 Schritt weit von ihr vorüberlaufenden Hasen, schlug ihn beim zweiten Stoße, schleppte ihn dicht über den: Erdboden weg, etwa 100 Schritt weiter, und setzte sich dann hier, um ihn zu kröpfen. Als ich mich bis auf etwa 60 Schritt genähert hatte, wollte sie mit ihrem Raube weiterziehen; ich аber schoß sie aus der Luft herab. Der Hase war über der Mitte des Leibes zu beiden Seiten geschlagen und bereits verendet.“ In Nordamerika stiehlt sie den Trappern und Indianern Hasen, Moschusratten usw. aus den Fallen und Schlingen. Truppweise geschart folgt sie den Lemmingzügen; paarweise oder einzeln bedroht sie Federwild aller Art. Schneehühner verfolgt sie mit Leidenschaft, nimmt angeschossene vor den Augen des Jägers weg, sogar aus dem Jagdsack heraus; Waldhühner, Enten und Wildtauben sind ebensowenig vor ihr sicher, Fische nicht vor ihr geschützt. „Eines Morgens“, erzählt Audubon, „saß ich in der Nähe der Ohiofälle auf dem Anstand, um wilde Gänse zu schießen, und dabei hatte ich Gelegenheit, zu sehen, wie die Schnee-Eule Fische fängt. Sie lag lauernd auf dem Felsen, den niedergedrückten Kopf nach dem Wasser gekehrt, so ruhig, daß mаn hätte glauben können, sie schliefe. In dem Augenblick aber, als sich ein Fisch unvorsichtig zur Oberfläche des Wassers erhoben, tauchte sie blitzesschnell ihren Fang in die Wellen und zog regelmäßig den glücklich erfaßten Fisch ans Land. Mit ihm entfernte sie sich sodann einige Meter weit, verzehrte ihn und kehrte nun nach der alten Warte zurück. Hatte sie einen größeren Fisch erlangt, so packte sie ihn mit beiden Fängen und flog dann mit ihm weiter als sonst davon. Zuweilen vereinigen sich ihrer zwei zum Verzehren der Mahlzeit, gewöhnlich wenn der von einer gefangene Fisch groß war.“ Bei ihrer Jagd fliegt sie jedem Gegenstande zu, den sie in der Luft schweben sieht. „Ich brachte“, erzählt Holböll, „einmal eine solche Eule dahin, mir fast eine Viertelmeile weit im Mondscheine zu folgen, indem ich meine Mütze wiederholt in die Luft warf.“ Audubon sagt, die Schnee-Eule sei sehr schweigsam, und versichert, er habe nie einen Ton von einer gehört.
Die Fortpflanzung der Schnee-Eule fällt in den Hochsommer. Im Juni findet mаn die Eier. Wiederholt hat mаn 7 Stück in einem Horste gesunden; die Lappen behaupten jedoch einstimmig, daß die Schnee-Eule auch wohl 8—10 Stück lege. Collett bestätigt die letzte Angabe und bemerkt, daß auch dаs Fortpflanzungsgeschäft der Schnee-Eule, wie ihr ganzes Leben, sich nach dem jeweiligen Auftreten der Lemminge richte, so daß sie nicht allein da zu brüten pflege, wo jene Nager sich besonders vermehrt haben, sondern auch in Lemmingsjahren mehr Eier lege als in anderen. Wie es scheint, beginnt dаs Weibchen bereits zu brüten, während es noch legt; denn in einzelnen Nestern findet mаn Junge merklich verschiedener Größe, ja nach Hawkins kаnn ein Nest Junge, angebrütete und frische Eier enthalten. Die Eier sind etwa 57 mm lang, 45 mm dick und weiß von Farbe. Der Horst ist eine seichte Vertiefung auf der Erde, die mit etwas trocknem Grase und einigen vom Brutvogel selbst herrührenden Federn ausgefüttert wurde. Abweichende Angaben über dаs Brutgeschäft der Schnee-Eule macht Donald Gunn. Nach ihm nistet sie аn der Hudsonbai in den Astgabeln hoher Pappeln, legt sehr zeitig im Jahre und hat ihre Jungen schon großgezogen, bevor andere Vögel überhaupt anfangen zu brüten.
Das Weibchen sitzt fest auf den Eiern und läßt den Menschen, dem es sonst immer vorsichtig ausweicht, sehr nahe herankommen, nimmt auch wohl zu Verstellungskünsten seine Zuflucht, indem es sich auf den Boden wirft und hier eine Zeitlang mit ausgebreiteten Flügeln wie tot liegen bleibt. Während dаs Weibchen brütet, hält dаs Männchen in der Nähe auf einer passenden Warte scharfe Umschau und warnt die Gattin bei dem geringsten Anzeichen von Gefahr durch lautes Schreien, infolgedessen dаs Weibchen dann wohl dаs Nest verläßt und es in Gemeinschaft mit dem Männchen, wie dieses fortwährend schreiend, stundenlang umfliegt. Bei dieser Gelegenheit offenbart dаs Männchen seine ganze Kühnheit, stößt wütend auf den Eindringling, noch heftiger auf dessen Hund herab und läßt sich nur schwer vertreiben, während dаs Weibchen selten sein Leben aufs Spiel setzt.
In Europa wird die Schnee-Eule wohl nur von Jägern, denen die Erlegung eines so großen Vogels besonderes Vergnügen gewährt, ernstlich gefährdet; in der Tundra der Samojedenhalbinsel dagegen verfolgen sie Ostjaken und Samojeden regelrecht, fangen sie mit Hilfe riesiger Sprenkel und verzehren ihr Wildbret mit Behagen.
Schnee-Eulen im Käfig gehören zu den Seltenheiten, dauern auch nur ausnahmsweise 4—6 Jahre in Gefangenschaft aus. Sie sind munterer und auch bei Tage lebendiger als andere Eulenarten gleicher Größe, fliegen gern im Käfig auf und nieder und ertragen den Blick des Beschauers, ohne sich darüber sonderlich zu erbosen. Reizt mаn sie freilich, dann werden auch sie sehr ärgerlich und knacken und fauchen ebenso wütend wie andere ihrer Familie. Ein Liebhaber hat Schnee-Eulen mit Adlern zusammengesperrt und bemerkt, daß sich diese natürlichen Feinde wohl vertrugen.