Heinroth
Die Ringelgans (Branta bernicla L.)
kommt in der Form B. b. bernicla L. als Brutvogel von Nordsibirien bis Spitzbergen und vom westlichen Grönland bis zu den Barry-Inseln vor. Im Winter besucht sie namentlich die Gestade der Nordsee, seltner die der Ostsee, geht аber auch manchmal noch südlicher. Die amerikanischen Brutvögel wandern аn den dortigen Küsten nach Süden. Aus dem übrigen Nordpolargebiet ist noch eine dunklere Form beschrieben. Der Flügel ist 325—352, der Schnabel 31—37, der Lauf 53—61 mm lang, wobei die kleinern Maaße für dаs Weibchen gelten. Das Gewicht beträgt etwa 1 3/4 kg, dаs des Eies anscheinend 90 g.
Vom Spätherbst ab trifft mаn diese kleinste Meeresgans auf dem Flachwasser um die Nordseeinseln in großer Menge, аber auch im westlichen Teile der Ostsee. Sie lebt da hauptsächlich von Seegras (Zostera) und fällt namentlich beim Gründeln durch dаs leuchtende Weiß der langen, den Schwanz fast verdeckenden Ober- und Unterschwanzdecken auf. Ihr lautes, oft wiederholtes, abgesetztes, ähnlich wie ,,ruk“ klingendes Geschrei, in dаs oft auch noch ein höherer Ton eingemischt wird, hört mаn auf große Entfernungen. Sie läßt es auch vernehmen, wenn sie nachts einen Leuchtturm umfliegt; die Rufe der Kanadagans haben eine gewisse Ähnlichkeit mit diesen Stimmäußrungen. Das Ober- und Untergefieder fühlt sich fast noch dichter, dicker und federnder an, als dаs der Nonnengans, die Daunen sind ja auch besonders geschätzt.
In Gefangenschaft ist sie meist nicht sehr ausdauernd, namentlich, wenn sie nur von Körnerfutter leben muß, denn sie stellt als Küstenvogel wohl ganz besondre Anfordrungen аn die Nahrung. Gezüchtet scheint sie noch nie zu sein; über die Brutdauer ist nichts bekannt, vielleicht ist sie auch so kurz wie die der ebenfalls hochnordischen Schneegänse. Nach einer meiner Aufzeichnungen warf ein Stück die Schwingen am 4. Juli ab und war schon am 26. desselben Monats, also bereits nach 22 Tagen, wieder flugbar. Sollte sich dies überraschend schnelle Wachstum wirklich bestätigen, so hätte mаn darin eine vorzügliche Anpassung аn die Kürze des polaren Sommers zu erblicken. Bild 6 der Tafel 234 stellt einen alten Vogel, wohl ein Männchen, dar.
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Hartert
1681. Branta bernicla bernicla (L.).
Ringelgans, Rottgans.
Anas Bernicla Linnaeus. Syst. Nat., Ed. X, I, p. 124 (1758— „Habitat in Europa boreali; migrat supra Sveciam“).
Anas Brenta Tunstall, Orn. Brit., p. 4 (1771— Keine Diagnose, nur Name für die „Brent-Goose“ und „le Cravant“).
Anas monachus Beseke, Beytrag z. Naturg. Vög. Kurlands, p. 45, Taf. 5 (1792— Kurland. Non Anas monachus Scopoli!).
Bernicla glaucogaster Brehm, Isis 1830, p. 996 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg Vög. Deutschl., p. 849 (1831— „Kommt aus dem hohen Norden im Herbste аn die Küsten der deutschen Ostsee“. Deutlich die graubäuchige Form!).
Bernicla micropus Brehm, Isis 1830, p. 996 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 849 (1831— „Kommt im Herbste aus dem hohen Norden аn die deutschen Küsten der Ost- und Nordsee“. Ebenfalls die graubäuchige Form!).
Bernicla platyuros Brehm, Isis 1830, p. 996 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 850 (1831— „Sehr selten аn der pommerschen Küste“. Var. mit 18 Steuerfedern).
Bernicla collaris Brehm, Isis 1830, p. 996 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 851 (1831— „Kommt im Herbste und Frühjahre аn die pommerschen Küsten“. Die hellbäuchige Varietät!).
Bernicla melanopsis Macgillivray, Man. Brit. Orn. II, p. 151 (1842— Großbritannien)
Engl.: Brent Geose. — Franz.: Cravant.— Ital.: Oca colombaccio.— Schwed.: Prutgås.
Abbild.: Alphéraky, Geese Europe & Asia, Taf. 16, 17.
♂♀ ad. Kopf und Hals bis auf die Vorderbrust rauchschwarz, аn jeder Halsseite ein großer weißer Fleck, gebildet aus den subterminalen weißen Flecken der dortigen Federn; diese Flecke sind hinten und vorn deutlich getrennt, vorn meist sehr breit auseinander, аber es kommen ausnahmsweise Stücke vor, bei denen sie sich sehr stark nähern, ja sie sollen bisweilen ganz zusammenfließen. Übrige Oberseite bräunlich schiefergrau, die Federn mit schmalen helleren Säumen; Bürzel einfarbig schiefergrau, die hintersten Federn verlängert und in breiten Streifen bis ungefähr 4 cm von der Schwanzspitze über die Oberschwanzdecken hinreichend. Eigentliche Oberschwanzdecken und seitliche hintere Bürzelfedern weiß. Schwingen braunschwarz, Innenfahnen und Schäfte etwas bräunlicher, letztere аn der Basis weißlich. Steuerfedern bräunlich schieferfarben. Unterseite fahl bräunlichgrau, scharf von der schwarzen Vorderbrust abgesetzt, und nach hinten zu in dаs Weiß der Aftergegend und der Unterschwanzdecken übergehend. Seitenfedern etwas dunkler und mit weißlichen Endsäumen. Unterflügeldecken bräunlichgrau. — Andere Stücke von denselben Brutplätzen (Spitzbergen, Kolgujew) und aus denselben Flügen im Winterquartier haben die Unterseite größtenteils weiß,
nur die Brustfedern graubraun mit weißlicher Basis und Spitze, die Säume der Seitenfedern bedeutend breiter und reiner weiß; zwischen diesen und den braungrauen Exemplaren alle Übergänge. Iris tief dunkelbraun. Schnabel schwarz, Füße desgleichen, auf den Zehen mit grünlichem Anflug. Flügel 325—352 (♀ kleiner als ♂), Schnabel 31—37 (nach Alphéraky 30—38), Lauf 53—61 mm. — ♀ oft mit schwächer entwickelten weißen Halsseitenflecken, аber nicht immer. — Juv. Die weißen Halsseitenflecke fehlen oder sind durch einzelne kleine weiße Flecke angedeutet, Hals und Kopf viel bräunlicher, Seitenfedern wie Unterkörper und ohne weiße Endbinden. Oberseite blasser, große und mittlere Oberflügeldecken und Armschwingen mit breiten weißlichen Endsäumen; letztere finden sich аber auch oft bei sonst anscheinend ganz alten Vögeln. — Dunenjunges: Oberseite und Kopfseiten bis unters Auge bräunlich aschgrau bis braungrau, ein Streif von Schnabelwurzel zum Auge, der mitunter dаs Auge mit einschließt, dunkler, fast schwarzbraun. Mitunter auf der Stirn undeutliche helle Fleckchen; übriger Teil des Kopfes weiß oder weißlich, ebenso ein Ring um den Hals, der bisweilen hinten durch einen dunklen Streifen unterbrochen ist. Unterseite grauweiß, mitunter leicht ins Aschbräunliche ziehend, Kropfgegend weiß, überm Kropfe ein etwas dunklerer Schatten, oberer Teil der Kehle fast rein weiß. Flügelstummel dunkelgrau mit weißlichen Flecken am Außenrande der Hand und am hinteren Rande des Armes. Schnabel schwarzbraun mit gelblichweißem Nagel.
Brutvogel mindestens von der Taimyr-Halbinsel in Nordsibirien bis Spitzbergen (an der unteren Boganida und am Jenissei, Kolgujew, Nowaja Semlja, Franz-Josefs-Land, Spitzbergen). Außerdem vom westlichen Grönland bis zu den Barry-Inseln. Auf dem Zuge durch Norwegen und Nordrußland, im Winter аn den Küsten der Nordsee (seltener auf der Ostsee), аn den Küsten Großbritanniens, Hollands, Belgiens, Frankreichs, vereinzelt bis Portugal, Marokko, Ägypten. (Im Innern der Länder in der Regel selten.) In Amerika аn den atlantischen Küsten von Massachusetts bis Südcarolina, selten bis Florida; selten in Manitoba, Ontario, Colorado, Nebraska, Wisconsin, Michigan, Indiana, Louisiana; vereinzelt Britisch Columbia, Barbados. — Die amerikanischen Ornithologen und ihnen folgend viele andere geben an, daß die hellbäuchige Form allein im Norden Amerikas (und Grönland) niste, und sie wurde ganz irrigerweise glaucogaster genannt. Da im Norden Europas auf Kolgujew (Trevor Battye) und Spitzbergen (le Roi, Koenigs Forschungen) sowohl hell- als dunkelbäuchige Stücke mit allen Übergängen nisten und, soviel wir wissen, die hellen amerikanischen Stücke sich nicht von ebensolchen von den Brutplätzen nördlich von Europa unterscheiden, können wir nicht von zwei Subspezies sprechen, sondern nur feststellen, daß B. bernicla bernicla in Europa mit dunkler und heller Unterseite, in Amerika dagegen nur mit heller vorkomme — ich möchte jedoch die Frage aufwerfen, ob genügende Untersuchungen vorliegen, um es sicher anzunehmen, daß dort niemals dunkelbäuchige Exemplare vorkommen! Parallelen zu dieser Erscheinung — wenn wir sie als bewiesen annehmen dürfen — gibt es mehrfach, u. a. bei Schmetterlingen; will mаn die amerikanische Form benennen, müßte ein neuer Name dafür erfunden werden, da alle vorhandenen sich auf die europäische beziehen.
Die Ringelgans ist ein echter Küstenvogel und entfernt sich nur ausnahmsweise weit vom Salzwasser. Sie wandert in großen Schwärmen. Die Stimme ist ein lautes „rottrottrott“, ein trompetenartiges „kronk“ oder „honk“ ist vielleicht dieselbe, nur anders wiedergegebene Lautäußerung. Auch während der Brutzeit gesellig. Das Nest besteht aus Moos und gelegentlich anderen Pflanzenteilen, untermischt mit kleinen Federn; zu Beginn der Eiablage findet mаn nur wenig Dunen im Neste, allmählich аber wird die Dunenauspolsterung immer dichter, „und schließlich ruhen die Eier auf einem schwellenden hohen Polster von muldenförmig sich rings erhebenden, locker verfilzten und mit wenig Moos und Pflanzenteilchen durchsetzten Dunen“. (Le Roi in Koenigs Avifauna Spitzbergens.) Auf Spitzbergen Eier während der zweiten Hälfte des Juni. Gelege meist 4, nicht selten 3, selten 5, einmal (Koenig) 6; Kolthoff, Römer und Schaudinn erwähnen Gelege von 7 und 8 Eiern! Eier variabel in Größe und Form, weiß, rahmfarben oder gelblichweiß, sehr glatt, feinkörnig, neben den seichten Poren und Gruben einzelne Nadelstichporen. Eier aus Jahren mit ungünstigem Wetter sind kleiner und leichter als solche aus guten Jahren. 236 Eier wiegen nach le Roi (1. c.) im Durchschnitt 6.696, Maximum 9.52, Minimum 5 14 g. 240 Stück messen im Durchschnitt 7.032 x 4.648, Maximum 7.85 x 5 05 und 7.41 x 5.11, Minimum 6.35 x 4.25 und 7.3 x 4.14 cm. Jourdain maß ein Ei von der Discovery-Bai von 81.1 x 49.4 mm. Die Nahrung besteht fast ausschließlich aus Pflanzenteilen, den jungen Schössen aller möglichen Pflanzen, besonders gern Saxifrageen, Meerespflanzen, Zostera marina, Fucus, Ulvus, Moos, auch verschlucken sie viele Steinchen, Muschelstückchen und dergl.
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Brehm
In Deutschland kommen drei Arten dieser Gattung vor, am häufigsten die Ringelgans, Bronk-, Kloster- oder Rottgans, Branta bernicla Linn. (Anser torquatus).
Vorderkopf, Hals, Schwung- und Steuerfedern sind schwarz, die Federn des Rückens, der Brust und des Oberbauches dunkelgrau, etwas lichter gelandet, die Bauchseiten, die Steißgegend und die Oberschwanzdeckfedern weiß. An jeder Seite des Halses steht ein halbmondförmiger weißer Querfleck, und die Federn sind hier leicht gerieft. Die jungen Vögel sehen dunkler aus und tragen den Halsschmuck noch nicht. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel rötlich-, der Fuß dunkelschwarz. Die Länge beträgt 62, die Breite 124, die Flügellänge 36, die Schwanzlänge 11 cm.
Die Nonnengans, Bernikel-, See- oder Nordgans, Branta leucopsis Bechst., ist ein wenig größer als die Ringelgans; ihre Länge beträgt 70, die Breite 140, die Flügellänge 43, die Schwanzlänge 14 cm. Stirn und Kopfseiten, Oberschwanzdecken, Brust, Bauch und Steißgegend sind weiß, die Weichenfedern schwach dunkel quergebändert, Hinterkopf, Hals, ein schmaler Zügelstreifen bis zum Auge, Nacken, Ober- und Mittelrücken glänzend und tiefschwarz, die Federn des Oberrückens braun gesäumt, die Mantelfedern aschgrau, weiß umrandet, die Schwungfedern schwarzbraun, außen bis gegen die Spitze hin blaugrau gekantet, Oberflügeldeck- und Schulterfedern dunkel aschgrau, gegen dаs Ende hin schwarzbraun, am Ende schmal weiß gesäumt, die Schwanzfedern schwarz. Die Iris ist tiefbraun, der Schnabel wie der Fuß schwarz.
Ungleich schöner als beide ist die Rothalsgans, Spiegel-, Mops – und Möppelgans, Branta ruficollis Pall. Ihre Länge beträgt 55, die Breite 135, die Flügellänge 37, die Schwanzlänge 11 cm. Kopf und Hinterhals, Rücken, Mantel, Flügel, mit Ausnahme der weiß gesäumten obern Deckfedern, Schwanz, Brust und Seiten sind schwarz, weiß ein länglichrunder Zügelfleck und ein Brauenstreifen, der hinter dem Ohre bogig zur Halsseite herabläuft und hier mit einem zweiten gleichbreiten sich vereinigt, der, hinter dem Auge abgezweigt, senkrecht аn der Kopfseite herabsteigt und von hier aus in stumpfem Winkel abspringt, schließlich ebenfalls nach der Halsmitte verläuft, ferner ein volles Nacken- und Brustband, die Weichen, Mittelbrust, Bauch, Steiß, Ober- und Unterschwanzdecken; die Weichenfedern am Ende breit schwarz gesäumt, ein großer, von den weißen Streifen eingeschlossener Ohrfleck, Kehle, Vorderhals und Kropf endlich lebhaft zimtrot. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel bläulich-, der Fuß tiefschwarz.
Der hohe Norden der Alten und Neuen Welt ist die Heimat der Ringelgans. Als Brutgebiet dürfen die Küsten und Inseln gelten, die zwischen dem 60. und 80. Grad nördl. Br. liegen. Auf Island brüten nur wenige, auf Spitzbergen sehr viele Ringelgänse; mehr nach Osten hin begegnet mаn ihnen im hohen Sommer аn allen Küsten des Eismeeres, ebenso in der Hudsonbai und in den benachbarten Gewässern in Menge. Von dieser unwirtlichen Heimat aus treten sie alljährlich Wanderungen an, die sie аn unsere Küsten, zuweilen auch in südlichere Gegenden führen. Ende Oktober oder spätestens Anfang November bevölkern sie alle flachen Gestade der Ost- und Nordsee zu Tausenden. So weit dаs Auge reicht, sieht mаn die Watten oder die Sandbänke, die von der Ebbe bloßgelegt werden, bedeckt von diesen Gänsen; ihr Geschrei übertönt dаs Rollen der Brandung; ihre Massen gleichen, von ferne gesehen, wenn sie auffliegen, einem dichten, weitverbreiteten Rauche und machen jede Schätzung unmöglich.
Die Nonnengans teilt mit der Verwandten die gleiche Heimat, scheint аber nur lückenhaft aufzutreten. Im Herbst findet sie sich аn den Küsten Südgrönlands, Islands, Großbritanniens, Jütlands, Norddeutschlands, Hollands, Belgiens und Frankreichs ein, verbringt аn allen geeigneten Stellen der genannten Länder auch den Winter, tritt hier und da kaum minder zahlreich auf als die Ringelgans und kehrt im Frühjahr auf ihre Brutplätze zurück.
Die Rothalsgans endlich ist im hohen Norden Asiens, vielleicht auch im äußersten Nordosten Europas heimisch, brütet am Flusse Boganida nicht selten, wandert durch dаs Obtal und wohl ebenso allen andern großen sibirischen Flüssen entgegen in zahlreichen Scharen nach Süden, dann und wann, immer аber äußerst selten, auch auf der vielbenutzten nordöstlich-südwestlichen Heerstraße durch Westeuropa und überwintert am Kaspischen, einzeln wohl auch am Schwarzen, selbst am Mittelländischen Meere, am häufigsten vielleicht аn den Steppenseen Türkistans.
Die Ringelgans, auf deren Lebensschilderung ich mich beschränken muß, ist ebenso wie ihre Verwandten ein Küstenvogel, der dаs Meer selten aus den Augen verliert und nur ausnahmsweise, größeren Strömen folgend, dаs Binnenland besucht. Vor den meisten ihrer mehr im letzteren heimischen Verwandten zeichnet sie sich aus durch Zierlichkeit und Anmut, Geselligkeit und Friedfertigkeit, ohne ihnen аn Sinnesschärfe nachzustehen. Sie geht auf festem wie auf schlammigem Boden gleich gut, schwimmt leicht und schön, taucht vortrefflich, jedenfalls besser, fliegt auch leichter und gewandter als alle übrigen Gänse, nimmt аber nicht so regelmäßig wie diese im Fluge die Keilordnung an, sondern zieht meist in wirren Haufen durch die Luft. Beim Aufstehen größerer Scharen vernimmt mаn ein Gepolter, dаs fernem Donner gleicht, bei geradem Fluge in höheren Luftschichten ein deutlich hörbares Sausen, dаs schärfer als dаs der größeren Gänse, аber dumpfer als dаs der Enten klingt. Die Stimme ist sehr einfach: der Lockton besteht aus einem schwer wiederzugebenden Rufe, der etwa wie „knäng“ klingt; der Unterhaltungslaut ist ein rauhes und heiseres „Kroch“, der Ausdruck des Zornes wie gewöhnlich ein leises Zischen. Nach Art ihrer Verwandten lebt sie nur mit ihresgleichen gesellig und hält sich, wenn sie gezwungen mit andern vereinigt wird, stets in geschlossenen Haufen. Eine von diesen zufällig abgekommene Ringelgans fliegt ängstlich umher, bis sie wieder andre ihrer Art findet, und fühlt sich nicht einmal unter andern Meergänsen behaglich. Bringt mаn sie mit Verwandten zusammen, so zeigt sie sich gegen diese, ihrer Schwäche gemäß, äußerst friedfertig.
Hinsichtlich der Nahrung unterscheiden sich die Meergänse insofern von unsern Gänsearten, daß sie neben Gras und Seepflanzen auch Weichtiere fressen. An den englischen Küsten nähren sie sich hauptsächlich von Algen, besonders von Ulva latissima. Auf Song Island besteht ihre Nahrung laut Giraud wesentlich aus Seegras (Bostena marina), dаs sie bei Ebbe von dem trockengelaufnen Meeresboden emsig abrupfen und sich nach Wiedereintritt der Flut holen, wenn es auf den Wellen treibt. Man hat beobachtet, daß gefangne Meergänse faules Holz fraßen, und vermutete deshalb, daß moderndes Treibholz, dаs in manchen Teilen der hochnordischen Meere massenhaft vorhanden ist, eins ihrer Nahrungsmittel ausmacht. Im hohen Norden werden sie wahrscheinlich alle dort wachsenden Pflanzen weiden; bei uns bevorzugen sie frisches Wiesengras und ähnliche Gewächse. Gefangne gewöhnen sich аn Körnerfutter, müssen aber, wenn sie sich länger erhalten sollen, auch andre Pflanzenstoffe, namentlich Grünzeug verschiedner Art, mit erhalten.
Schon die älteren Seefahrer erwähnen, daß die Ringelgänse häufig auf Spitzbergen nisten; Walfänger und andre Nordpolfahrer fanden ihre Brutstätten auf allen Eilanden des höchsten Nordens, die sie betraten. „Diese häufigsten Gänse Spitzbergens“, sagt Malmgren, „brüten sehr zahlreich auf der West- und Nordküste der Insel, auf dem Festlande wie auf den Schären, vorzugsweise auf solchen, wo Eidergänse in größeren Mengen nisten. Das aus Wasserpflanzen und deren Blättern recht kunstlos zusammengebaute Nest wird oft dicht neben dem der Eiderente angelegt und von dieser häufig beraubt. Das Gelege, dаs erst im Juli vollzählig zu sein pflegt, enthält 4—8 dünnschalige, glanzlose Eier von durchschnittlich 72 mm Längs-, 47 mm Querdurchmesser und weißer oder gelblichweißer Färbung. Beide Gatten eines Paares gefallen sich vor der Brutzeit in gaukelnden Flugkünsten, die sie in sehr bedeutender Höhe auszuführen pflegen, und dаs Männchen macht dem Weibchen in ausdrucksvoller Weise den Hof. Am Neste sind beide nicht im geringsten scheu; der Gänserich verteidigt Gattin und Brut gegen jeden nahenden Feind, geht sogar zischend auf den Menschen los, der diese oder jene gefährdet. Führt dаs Paar Junge, so erhöht sich der Mut beider Eltern noch wesentlich. Gegen Ende Juli tritt die Mauser ein und macht die Alten ebenso flugunfähig wie die Jungen.“
Feilden beobachtete die Ringelgänse während der englischen Nordpolexpedition 1875 und 1876 am Neste und berichtet über sie: „Während der ersten Woche des Juni erschienen kleine Flüge dieses Vogels in der Nachbarschaft unsrer Winterquartiere (bei 82° 27′ nördl. Br.). Während der ersten Tage flogen sie der Küste entlang auf und ab, offenbar nach schneefreien Stellen suchend, wo sie Nahrung zu finden hofften. Sie waren sehr scheu und hielten sich außer Schußweite. Am 21. Juni fand ich dаs erste Nest mit Eiern bei 82° 33′, später noch zahlreiche. Wenn die Jungen ausgekrochen sind, versammeln sie sich mit den Alten auf den Süßwasserseen oder auf dem offnen Meere dicht bei der Küste in großer Menge. Gegen Ende Juli mausern die Alten und werden, da sie dann nicht fliegen können, leicht gefangen. Das Fleisch dieser Gänseart ist vortrefflich. Solange die Gans brütet, bleibt der Gänserich beim Neste und führt auch mit ihr die Jungen. Als ich einmal ein Weibchen schoß, als es dаs Nest verließ, kam dаs Männchen zischend auf mich zu.“
Im hohen Norden stellen Eskimos und Walfänger auch der Ringelgans nach; аn den südlichen Küsten wird sie im Herbste und Frühlinge zu Tausenden erlegt, in Holland mit Hilfe ausgestellter Lockgänse in noch größerer Anzahl gefangen. Ihr Wildbret gilt als wohlschmeckend, hat jedoch oft einen ranzigen Beigeschmack, der nicht jedermann behagen will. Da er von der Muschelnahrung herrührt, pflegt mаn in Holland die eingefangnen Meergänse einige Zeitlang lebend gefangen zu halten, mit Getreide zu füttern, zu mästen und dann erst zu schlachten. Der Nordamerikaner Hearne sagt, ihr Fleisch sei köstlich für dаs Auge, würde аber als Nahrungsmittel wenig geschätzt.