Hartert
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
1688. Casarca ferruginea (Pall.).
Rostgans, Rostente.
Anas ferruginea Pallas, Vroeg’s Cat., Adumbratiuncula, p. 5 (1764— Tartarei).
Anas Casarca Linnaeus, Syst. Nat., Ed. XII, III, App. Anim., p. 224 (1768— Astrachan).
Anas rutila Pallas, Nov. Comm. Petropol. XIV, I, p. 579, Taf. 22, Fig. 1 (1770— Kaspische, tatarische und mongolische Wüsten).
Tadorna rubra Brehm, Isis 1830, p. 997 (Nomen nudum!).
Engl.: Ruddy Sheldrake, Ruddy Sheld-duck. — Ital.: Casarca.
Abbild.: Naumann, Vög. Deutschl. IX, Taf. 299; Dresser, B. Europe VI, Taf. 421.
♂ ad. Kopf und Hals röstlich-rahmfarben, Scheitel und Kopfseiten blasser, weißlich rahmfarben, am Halse gegen den Kropf und Rücken hin ins Rostfarbene übergehend, am untern Teil des Halses ein schmaler, aus den schwarzen Federspitzen bestehender schwarzer Halsring. Bürzel und Oberschwanzdecken, Handschwingen und Steuerfedern schwarz mit schwachem, metallisch grünem Glanze, Hinterrücken fein schwärzlich und rostgelb quergewellt. Oberflügeldecken weiß, mehr oder minder rostgelb überflogen, die größten аn den Innenfahnen ganz oder teilweise schiefergrau. Innerste Armschwingen rostfarben, Innenfahnen heller und teilweise grau, übrige Armschwingen аn den Außenfahnen bronzegrün, аn den Innenfahnen schwarzbraun, wurzelwärts weiß. Unterflügeldecken und Axillaren weiß. Alles übrige Gefieder, also Unterseite von dem schwarzen Halsring bis zu den Unterschwanzdecken, Vorderrücken, Schulterfittiche rostfarben, Mitte des Unterkörpers und Bauch mehr rostrot, fast kastanienrotbraun. Iris braun. Schnabel, Füße und Beine schwarz. Flügel 365—383, Schwanz 140—150, Schnabel 44—47, Lauf 60—65 mm. — ♀ ad. Kleiner, ohne schwarzen Halsring (nur ausnahmsweise mit Andeutung eines solchen), Gesicht oft, аber nicht immer weiß. Flügel etwa 345—357 mm. — Junge Vögel sind аn Kopf und Hals graugelblich, Schulterfedern und innere Armschwingen braun mit fahl bräunlichgelben Säumen, Oberflügeldecken mit grauen Spitzen und Säumen, Federn des Unterkörpers mit ganz feinen weißlichen Säumen. — Dunenjunges: Stirn weiß, Oberkopf, Streif längs des Hinterhalses und übrige Oberseite dunkelbraun, Flügelstummel nach vorn zu braun, nach hinten zu weiß, аn der äußersten Spitze аber wieder braun; hinter den Flügeln und zu jeder Seite des Bürzels je ein weißer Fleck; Brustseiten grauweißlich, Bauchseiten dunkelbraun; übrige Unterseite weiß, am Kropfe mit restlichem Anfluge, Oberschenkel außen dunkelbraun. — Im Winter scheint dem ♂ der schwarze Halsring zu fehlen.
Zentralasien, westlich bis Armenien und Südosteuropa (Untere Donau und Donaudelta, also Rumänien, Bulgarien und Mazedonien), аber auch wieder im Westen früher am Guadalquivir in Südspanien, Nordmarokko, wenigstens früher in Algerien, in Persien, nördlich und östlich bis zum Baikal-See, Amur, Mandschurei und China, südlich bis auf dаs tibetanische Hochplateau, wo sie in Höhen von 12—16 000 engl. Fuß nistet. — Im Winter südlich bis auf die Hochplateaus Algeriens und in die nördliche Sahara (vielleicht Tunesien auch nistend), Ägypten (angeblich auch Abessinien) und Aden in Südarabien, Indien bis Ceylon und Manipur, China bis Formosa, einmal in Japan erbeutet. Vereinzelt in Ungarn, Deutschland, Dänemark, Skandinavien, Großbritannien und Irland, Island und Grönland, einmal Westküste Amerikas.
Auf Strömen und andern Gewässern, nährt sich vorzugsweise von den jungen Schössen der Gräser und anderer Pflanzen, аber auch von Würmern, Schnecken, Muscheln, angeblich auch Fischen. Die starke, weittönende Stimme ist gänseartig, etwa wie ein rollendes Chor, Brehm nennt den Lockruf ein vielfach abwechselndes, klangvolles Ang oder Ung, dem andere Laute vorausgehen und angehängt werden, so daß ein Balzgesang wie „tur turr turra goang goang goak gak gik“ entsteht. Das Nest wird in Felslöchern, Erdhöhlen, аn Steilufern, auch in Baumhöhlen oder alten Horsten angelegt und enthält (in der Dobrudscha Ende Mai) 8—11 oder selbst mehr Eier. Diese gleichen denen von Tadorna tadorna. 71 Eier (43 Göbel, 15 Jourdain, 13 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 67.02 x 47.06, Maximum 72 x 49 und 68.8 x 49.5, Minimum 61.5 x 45.6 und 65 x 45 mm. Gewicht nach Rey 6.45 bis 8.10, im Mittel (13 Eier) 7.332 g.
In Südafrika durch C. cana vertreten, die sich eigentlich nur durch die ganz andere Kopf- und Halsfärbung unterscheidet und wohl als Subspezies aufgefaßt werden könnte. Dagegen sind C. tadornoides aus Australien und variegata aus Neuseeland wesentlich anders gefärbt.
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Brehm
Als Merkmale der Rostgans, Zimt- oder Zitrongans, Braminengans der Inder, Kasark a oder Turpan der Russen, Casarca casarca Linn., die trotz ihrer deutschen Namen eine echte Schwimmente ist, werden angesehen die geringe Größe der kleine Schnabelzahn, die Hornbedeckung der Füße und die Faltenbildung des Schnabels. Das Gefieder der Rostgans ist vorherrschend hoch rostrot, die Wangengegend gelbweiß, der Hals rostgelb, ein schmales, jedoch nur im Hochzeitskleide bemerkliches Band am Unterhalse grünschwarz; die oberen und unteren Flügeldeckfedern sind weiß, die Spiegelfedern stahlgrün, die Bürzelgegend, die oberen Schwanzdeckfedern, die Schwung- und Steuerfedern glänzend schwarz. Das Weibchen unterscheidet sich durch geringere Größe, minder lebhafte Färbung und weißeres Gesicht von dem Männchen; auch fehlt ihm gewöhnlich dаs schwarze Halsband. Die Iris ist hellbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß bleigrau. Die Länge beträgt 62, die Breite 116, die Flügellänge 36, die Schwanzlänge 14 em.
Mittelasien ist der Brennpunkt des Verbreitungskreises der Rostgans. Nach Osten hin dehnt sich ihre Heimat bis zum obern Amur, nach Westen hin bis Marokko. Besonders häufig tritt sie in Türkistan, Südrußland, in der Dobrudscha und Bulgarien, Transkaukasien und Kleinasien auf. Radde fand sie im Sommer bei Erzemm in einer Höhe von über 2000 m und Henderson in Tibet bei über 7500 m. Am Goktschaisee, in Kaukasien, ist sie im Sommer gemein, brütet hier аber nur sehr vereinzelt. Gelegentlich ihres Zuges besucht sie sehr regelmäßig Griechenland, Süditalien und einzeln Spanien, verbringt hier auch wohl den Winter, wandert аber gewöhnlich weiter. In ganz Indien ist sie wohl bekannt, da sie als Wintergast in allen Teilen der Halbinsel vorkommt; in Ägypten gehört sie auf den Seen wenigstens nicht zu den Seltenheiten; in Tunis, Algerien und Marokko soll sie in manchen Jahren ebenso häufig auftreten wie in Indien. Nach Norden und Nordwesten hin verfliegt sie sich zuweilen, und so gelangt sie denn auch nach Mitteldeutschland; doch gehört ihr Erscheinen hier immer zu den seltneren Ausnahmen. Sie wandert spät weg und erscheint schon zeitig im Frühjahre wieder in ihrer Heimat, der Steppe. Hier findet sie sich geeigneten Ortes überall, in der Ebene wie im Hochgebirge, bis zu 3000 m Höhe oder bis zur Schneegrenze, аn Seen, Flüssen, Strömen ebenso wie am kleinsten Bächlein.
Die Rostgans lebt paarweise und wahrt die eheliche Treue. Sie hält sich weniger am Wasser auf, meidet Sümpfe und Moräste entschieden und sucht dafür Matten, mit saftigem Grase bestandne Wiesen, mit sprossendem Getreide bedeckte Felder auf, um hier nach Art der Gänse zu weiden. Tierische Nahrung verschmäht sie zwar nicht, zieht ihr аber pflanzliche entschieden vor. Sie trägt sich aufgerichtet, hält den Kopf hoch, geht gut, mit langsamen, gemessenen Schritten, die zu sehr förderndem Laufe beschleunigt werden können, niemals аber watschelnd wie andre Enten, schwimmt mit vorn tiefer als hinten eingetauchtem Körper und fliegt mit langsamen, nicht mit schwirrenden Flügelschlägen; vor dem Niedersetzen schwebt sie und beschreibt anmutige Wendungen. Prachtvoll sieht es aus, wenn sich ein Paar dieser ebenso schönen wie stattlichen Vögel aus hoher Luft in die Tiefe eines Tales hinabstürzt: es geschieht dies immer schwebend, ohne Flügelschlag, аber unter wahrhaft großartigen Schwenkungen, die nicht allein dаs Weiß der Flügel und damit die volle Schönheit zur Geltung bringen, sondern auch die Rostgans selbst als einen Flugkünstler zeigen, wie solchen die Unterfamilie der Schwimmenten sonst nicht aufzuweisen hat. Die Stimme, die der russische Name „Turpan“ klangbildlich zu bezeichnen sucht, ist sehr stark und weittönend. Ein vielfach abwechselndes, immer аber klangvolles „Ang“ oder „Ung“ ist der Lockton, dem jedoch gewöhnlich noch mehrere andre, ungefähr wie „turr turr turra goang goang goak gak gik“ klingende Laute angehängt werden. Die Stimme des Männchens bewegt sich in höhern Lagen als die des Weibchens. Die Nahrung der Rostgans ist gemischter Natur und besteht aus Wasserpflanzen, Grassprossen, Getreide, Gewürm, Weichtieren, Fischen und Fröschen.
Hinsichtlich der Schärfe ihrer Instinkte kаnn es nur eine Stimme geben: nirgends und niemals legt sie während ihres Freilebens ihre Vorsicht ab; sie ist in der Nähe ihres Brutplatzes ebenso scheu wie in der Winterherberge und traut dem Eingebornen ebensowenig wie dem Fremden.
Bis gegen die Brutzeit hin lebt die Rostgans mit andern ihrer Art oder mit andern Schwimmvögeln überhaupt wenigstens in Frieden; der Fortpflanzungstrieb аber erregt die Männchen in hohem Grade und weckt insbesondere ihre Rauf- und Kampflust. Die Ehe wird bereits in den ersten Tagen des Frühlings geschlossen, während des Freilebens also gewiß in der Winterherberge. Beide Gatten leben nur einander, überhäufen sich gegenseitig mit Liebkosungen, verlassen einander nie, opfern ihrer Gattentreue selbst dаs Leben.
Anfang oder Mitte Mai beginnt dаs Paar sich nach einem geeigneten Nistplatze umzusehen. Die Rostgans brütet fast nur in Höhlen und muß deshalb oft lange suchen, bevor sie einen passenden Nistplatz findet, sich auch bequemen, mit sehr fremdartigen Vögeln Gemeinschaft zu halten. Salvin fand in Nordwestafrika ein Nest in der Kluft einer senkrechten Felsenwand, die außerdem von Milanen, Geiern und Raben zum Brutplatze benutzt wurde. In Sibirien bevorzugt die Rostgans ebenfalls Felsenklüfte, soll аber auch in Baumhöhlen, Raubvogelhorsten oder verlassenen Bauen des Steppenmurmeltieres brüten. „Ich kenne“, sagt Radde, „Brutplätze аn hohen, vertikalen Lehmwänden, wo die Vögel Nester hatten und aus den geräumigen Öffnungen hervorflogen. Hier konnten sie die Vorarbeiten irgendeines Raub- oder Nagetiers nicht benutzen, vielleicht аber die Stollen kleinerer Brutvögel аn solchen Plätzen erweitern.“ Nach Prschewalskij nistet sie in der Mongolei gelegentlich auf den Herdstätten vor kurzem zerstörter Ortschaften, und die Weibchen sind dann in der Brütezeit ganz schwarz vor Ruß. Einer passenden Höhlung halber muß die Rostgans unter Umständen von und nach ihrem Weidegebiete viele Kilometer weit fliegen und sich selbst in die Wüste oder pflanzenlose Einöde begeben. Das Nest selbst wird mit dürren Grasblättern hergerichtet und oben mit einem Kranze von Dunen ausgelegt; dаs Gelege zählt 6—8 feinschalige, glänzende, rein- oder gelblichweiße Eier von durchschnittlich etwa 66 mm Längs- und 46 mm Querdurchmesser. Nachdem die Jungen ausgeschlüpft und trocken geworden sind, verlassen sie dаs Nest, indem sie einfach in die Tiefe hinabspringen, um nunmehr, manchmal meilenweit, dem Wasser zugeführt zu werden. Anfänglich tragen sie ein von dem der Entenküchlein sehr abweichendes Dunenkleid, dаs auf Oberkopf, Hinterhals und Schultern, der Rückenmitte und аn den Flügelstummeln schwarzbraun, im übrigen schmutzig weiß aussieht und erst nach und nach in die dem Kleide der Mutter ähnliche Jugendtracht übergeht.
Gefangne Rostgänse halten sich sehr gut, werden höchst zahm und schreiten, entsprechend gepflegt, regelmäßig zur Fortpflanzung.