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Mergus serrator

Heinroth

Der Mittelsäger (Mergus serrator L.)

nistet im Norden der Alten und der Neuen Welt, anscheinend ohne Unterarten zu bilden; nach Süden dehnt er sein Brutgebiet bis zu den Küsten Norddeutschlands aus. Den Winter verbringt er im südlichen Teile der gemäßigten Zone und hält sich viel auf dem Meer auf. Der Flügel des Männchens mißt 245—258, der Schwanz 83—88, der dünne, feine Schnabel 56—59, der Lauf 45—47 mm. Sein Gewicht beträgt ungefähr1 1/4, dаs des kleinern Weibchens um 1 kg, jedoch können die Tiere, ebenso wie viele Verwandte, wenn sie sehr fett sind, natürlich auch beträchtlich schwerer werden. Das Ei wiegt etwa 75, Neugeborne 44—49 g, die Brutdauer währt 31 bis 32 Tage.
Da wir durch die Liebenswürdigkeit von Gylling aus Malmö Eier geschickt bekommen hatten, die wir hier sowohl von Glucken, wie von Türkenenten ausbrüten ließen, so konnten wir wenigstens die kleinen Jungen photographieren und auch ein Bild davon nach dem Leben malen lassen: die Tafeln 254 und CXVI geben diese Pfleglinge wieder. Im Daunenkleide hatten die Männchen eine etwas deutlichere Kopf Zeichnung als die Weibchen. Da sie leider bald аn Schimmelpilzen eingingen, nachdem sie schon ganz nett fraßen und gut zugenommen hatten, so konnten wir wenigstens die sich entwickelnden Stimmwerkzeuge zwei Wochen alter Küken in der Zeichnung 4; 4 a und 4 b auf Seite 227 zur Darstellung bringen; Luftröhre und Knochentrommel des alten Männchens sind auf den Bildern 8 und 8 a der Tafel 248 a von vorn und von hinten wiedergegeben. Je einen Flügel des alten Paars findet mаn auf Tafel 254 a in den Bildern 9 und 9 a, sodaß mаn dort die Verteilung von Schwarz und Weiß bei den drei Sägerarten in beiden Geschlechtern vergleichen kаnn, Bild 7 von 254 b zeigt die Daunenfarbe des Weibchens.

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Hartert

1737. Mergus serrator L.

Mittlerer oder Langschnäbliger Säger.

Mergus Serrator Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, 1, p. 129 (1758— Europa. Beschränkte terra typica: Schweden).

Mergus Serratus Brünnich, Orn. Bor., p. 23 (1764— Christiansöe).

Mergus serrator y niger, d leucomelas Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 546 (1789— Nordeuropa und Nordasien).

[Merganser cristatus Leach, Syst. Cat. Indig. Mamm & Birds Brit. Mus., p. 36 (1816— Gloucestershire Leser, nulla. Als MS. gedruckt).]

Mergus serrator longirostris A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 14 (1866— Nomen nudum!).

Engl.: Red-breasted Merganser. — Franz.: Harle huppé. — Ital.: Smergo minore. — Schwed.: Småskrake, Pracka. — Holländ.: Middelste Zaagbek.

Abbild.: Dresser, B. Europe VI, Taf. 453; „Neuer Naumann“ X, Taf. 27, 28, 29.

Kleiner und bedeutend feinschnäbliger als M. merganser. Steuerfedern 18. — ♂5 ad. Kopf und vorderer Teil des Halses schwarz mit grünem und purpurnem Schimmer; Federn des Oberkopfes und Genicks sehr stark verlängert und sehr schmal, eine undeutlich zweigeteilte Haube bildend; übriger Teil des Halses weiß mit einem schmalen, bisweilen unterbrochenen schwarzen Streifen entlang der Mitte der Rückseite. Vorderrücken und Schulterfittiche schwarz, die äußersten weiß, Hinterrücken und Bürzel graubraun mit gräulichweißpr Querkritzelung; Oberschwanzdecken graubraun, teilweise mit weißlichen Kritzeln. Schwingen bräunlichschwarz, die Innenfahnen bräunlicher; mittlere Armschwingen weiß, Basalteil fast zur Hälfte schwarz, die verlängerten inneren weiß mit schmalem schwarzen Außensaum, die allerletzten wieder schwarz. Oberflügeldecken ringsherum am Flügelrande schwarzbraun, die übrigen weiß, die längste Reihe weiß, Wurzelhälfte schwarz. An den Seiten der Vorderbrust, hart vorm Flügelbug ein auffallendes Büschel Federn, аn der äußersten Basis gräulich, dann schneeweiß mit breiter tiefschwarzer Umrandung. Kropf und Kropfseiten blaß rostfarben mit schwarzen Flecken, mitunter auch mit Weiß gemischt. Seiten grauweiß mit schmaler wellenförmiger schwarzer Querstrichelung. Übrige Unterseite nebst den Unterschwanzdecken weiß. Axillaren weiß. Unterflügeldecken weiß, einige längs des Außenrandes sowie die Unterhanddecken braun, die längste Reihe hell bräunlich silbergrau. Iris rotgelb bis lebhaft rot. Schnabel hoch zinnoberrot, längs der Firste schwarzbraun, Nagel schwärzlich. Füße lebhaft rot. Flügel 245 — 258, Schwanz 83—88, Lauf 45—47, Schnabel 56—59 mm. — ♀ ad. Viel kleiner. Oberkopf und Mitte des Hinterhalses gräulich zimtbraun, Haube kleiner als beim alten ♂. Übrige Oberseite tief braungrau oder graubraun (nicht aschgrau wie bei M. merganser merganser), die Federsäume lichter, die Schäfte dunkler, Bürzel ganz einfarbig. Handschwingen schwarz, аn den Innenfahnen braun; die äußersten Armschwingen braunschwarz, nur аn der Spitze und Innenfahne mit etwas Weiß, die mittleren schneeweiß, am Basaldrittel schwarz, die innersten, verlängerten, wieder bräunlichschwarz. Kopf- und Halsseiten matt rostbraun, Kinn weißlich, Vorderseite des Halses und Kehle röstlich rahmfarben. Kropfgegend braun gewölkt, denn die Federn sind daselbst braun mit weißen Säumen, Seiten braun mit helleren Federsäumen, ganze übrige Unterseite weiß. Iris braun bis gelbbraun, äußerer Ring blasser. Füße und Schnabel blasser und bräunlicher als beim alten ♂. — Juv. Wie dаs alte ♀, аber Haube kürzer, Iris braun, Füße blaß orangerot, Schwimmhäute blaßbraun. ♂ größer als junge und alte ♀. —Pullus: Wie dаs von M. merganser. — Das alte ♂ soll nach Millais die Mauser in dаs Sommerkleid schon zeitig im Frühjahr beginnen, doch ist es zu vermuten, daß dаs nur eine Ausnahme ist, und daß sie wie gewöhnlich nach der Brutzeit anfängt. Das Eklipskleid ähnelt dem des ♀, nur ist der Rücken dunkler, und die Flügel sind schön schwarz und weiß, wie beim alten ♂; es ist wie bei vielen Anatiden schwer, dies Kleid voll und rein zu erhalten, da die Vögel es nur so kurze Zeit tragen.
Nistet im Norden der Alten und Neuen Welt. Auf Island häufig, in geringer Anzahl auf den Färöer, den Orkney- und Shetlands-Inseln, in Schottland und Irland. In Skandinavien und Nordrußland, südwärts bis Dänemark und Nordostdeutschland, von Schleswig-Holstein bis Ostpreußen, den russischen Ostseeprovinzen und Ufa, angeblich auch im Kaukasus. In Nordasien vom Ural bis Kamtschatka und Bering-Insel, Nordamerika von Grönland und Labrador bis Alaska, Aleuten und Kurilen und etwa bis zum 45.° nördl. Breite nach Süden. — Im Winter аn den Küsten und auf den Strömen Europas bis zum Mittelmeere, den Küsten Nordafrikas, den Azoren und Madeira, in Asien bis Syrien, der Sinai-Halbinsel, dem Persischen Meerbusen, Baluchistan, vereinzelt bis Indien, in China, Formosa und Japan. In Amerika bis Niederkalifornien, Cuba und den Bermudas. In Hawaii vereinzelt erlegt.

Brüten sowohl аn den Seeküsten als аn Binnengewässern und halten sich im Winter besonders auf dem Meere und аn den Flußmündungen auf. Sie sind dann auch sehr gesellig, ja mаn findet oft auch mehrere Nester nahe beieinander. Die Nahrung besteht größtenteils aus Fischen, Aale scheinen sie wie so manche Fischfresser besonders zu lieben; mitunter, besonders in der Brutzeit auf Binnengewässern, fressen sie auch Krebse und andere Crustaceen, Käfer, Raupen, Schnecken, Frösche (selten). Die Stimme ist ein schnarrendes, lautes Körrr oder Gerrr, die Dunenjungen piepen. Das Nest, dаs kaum diesen Namen verdient, steht in der Regel nahe am Wasser auf dem Erdboden, gewöhnlich im Schutze von allerlei Buschwerk, Heidekraut, Brennesseln, Anemonen und anderen Pflanzen, und die ♀ begeben sich meist laufend zum und vom Neste, so daß ein deutlich sichtbarer Pfad durch dаs Pflanzengewirr entsteht. An einigen Orten (Schottland) findet mаn Gelege in Kaninchenbauen, in Löchern аn Felsen oder Gebäuden, in Island in Lavahöhlen, Fels- und Erdspalten oder am Boden, mitunter ganz frei, meist аber unter schützenden Büschen. Die Gelege findet mаn in Deutschland meist in der 2. Hälfte des Juni, in Lappland Juni bis Juli, Schottland Ende Mai bis Juni, Irland Juni — selten Ende Mai —, Island Juni bis Juli. Die Eierzahl ist 7—10, auch 12, wo 14—16 und mehr gefunden wurden, dürfte es sich um von zwei ♀ herrührende Gelege handeln. Die Eier sind im Gegensatze zu denen von M. merganser graubraun bis olivenbraun, mitunter grünlicher. Das Gewicht ist nach Rey 4.04—6.80, im Mittel 5.964 g. 100 Eier (66 Jourdain, 34 Rey) messen nach Jourdain, in litt., 65.25 x 44.66, Maximum 70.7 x 44.7 und 64.5 x 47.3, Minimum 60.4 x 42.5 und 65 x 40.3 mm.

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Brehm

Beim Mittelsäger, der auch Sägeschnäbler, Taucherkiebitz, Schlich- oder Schluchente, Fischtreiber, Nörks und Seekatze heißt, Merganser serrator Linn. (Mergus, s. die beigeheftete Tafel „Gänsevögel I“, 2), sind Kopf und Oberhals, deren verlängerte Federn einen Schopf bilden, samtschwarz, metallischgrün glänzend und schimmernd, Mittelhals und Steiß sowie die mittleren und großen, am Ende schwarzen Oberdecfsedern der Flügel weiß, die kleinen Flügeldeckfedern gräulichbraun, ein schmaler Mittellängsstreifen am Hinterhalse, der Rücken, die Schwungfedern der Schulter und die letzten Federn des Armes schwarz, Unterrücken, Bürzel, Oberschwanzdeckgefieder und Seiten auf weißem Grunde fein schwarz gewellt, Kropf- und Halsseitenfedern graubraun, fein schwarz gewellt, dunkelbraun geschäftet und weiß umrandet, die seitlichen Oberbrustfedern weiß, breit grünlichschwarz gekantet, die Unterteile weiß, zart rötlich überhaucht, die Schwungfedern der Hand dunkel braungrau, innen lichter, die des Armes weiß, außen am Ende schwarz gelandet, die Schwanzfedern düster gräulichbraun, lichter gesäumt. Die Iris ist rotbraun, innen karminrot umrandet, der Schnabel hat dunkel-, der Fuß lackrote Färbung. Im Sommerkleide sind Kopf und Oberhals braun, die Oberteile, einschließlich der kleinen Flügeldeckfedern, trübgrau, Kropf und Seitenhals auf lichtem Grunde gräulich quergezeichnet. Diesem Kleide ähnelt dаs düsterere des Weibchens. Die Länge beträgt 60, die Breite 85, die Flügellänge 25, die Schwanzlänge 11 cm.
Der hohe Norden der östlichen und westlichen Erdhälfte bildet die Heimat, ganz Europa, Mittelasien bis zur Breite Südchinas und die südlichen Vereinigten Staaten umfassen dаs Wandergebiet dieser Sägerart. Den deutschen Ostseeküsten entlang, und dann weiter bis Estland ist er ein regelmäßiger Brutvogel, ebenso in Irland, Schottland, auf den Hebriden, den Shetland- und Orknehinseln sowie auf den Färöer. An der westlichen Küste Grönlands beobachtete ihn Kumelien brütend bis zum 78. Grad nördl. Br. Nach Radde brütet der Vogel im Kaukasus bei etwa 1000 in Höhe.