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Stercorarius longicaudus

Heinroth

Die Langschwänzige oder Kleine Raubmöwe (Stercorarius longicaudus Vieill.) ist wenigstens im Jugendkleid anscheinend ziemlich regelmäßiger Durchzugsvogel auf der Kurischen Nehrung; so kam es, daß wir von Rossitten ein lebendes Stück erhielten, dаs hier auf den Schwarztafeln Nr. 40 und 41 wiedergegeben ist. An dem zierlichen, verhältnismäßig hochbeinigen Tiere fällt gegenüber den andern Möwen der kleine, feine Kopf auf.
Das Brutgebiet erstreckt sich anscheinend über einen großen Teil des Nordpolargürtels. Der Flügel mißt 296 bis 320, der Schwanz 300 bis 360 mm, wobei die sehr verlängerten Mittelfedern zu beachten sind. Der Lauf ist 40 bis 45, der Schnabel 25 bis 29 mm lang. Das Stück hielt sich eine Zeitlang im Berliner Zoologischen Garten, überlebte аber keine Mauser.

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Hartert

2048. Stercorarius longicaudus Vieill.

Langschwänzige Raubmöwe, Kleine Raubmöwe.

(Stercorarius oder Lestris parasiticus vieler Autoren, аber irrtümlicherweise, nicht Linné 1758!)

Stercorarius longicaudus Vieillot, Nouv. Dict. d’Hist. Nat., (nouv. ed.) XXXII, p. 157 (1819— Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika).

Lestris Buffoni Boie, Isis 1822, I, p. 562 (Nomen nudum!); L. Buffonii Meyer, Zusätze zu Meyer & Wolfs Taschenb. d. deutsch. Vögelk. p. 212 (1822— „Meere des arktischen Kreises, Spitzbergen, Grönland etc. Höchst selten auf den Schweizerseen“).

Lestris Benickii Brehm, Lehrb. Naturg. eur. Vög. II, p. 996 (1824— Beschr. eines am 19. Sept. 1822 bei Querfurth erlegten jungen Vogels. Typus vorhanden).

Lestris microrhynhos Brehm, Isis 1830, p. 993 (Nomen nudum!); id., Handb. Naturg. Vög. Deutschl. p. 725 (1831— „Erscheint zuweilen im ersten Herbste ihres Lebens in Deutschland“).

Stercararius Lessonii Degland, Tabl. Ois. obs. dans le nord de la France, p. 63 (1831 — Dunkerque).

Stercorarius longicaudatus Selys-Longchamp, Faune Beige, p. 156 (1842— Nur verbesserte Schreibweise von longicaudus).

Lestris spinicauda Hardy, Rev. et Mag. Zool. 1854, p. 657 (Bei St. Helena. Typen in Dieppe und Leiden ; vgl. u. a. Schlegel. Mus. Fays—Bas, Lari, p. 50).

Lestris Benickenii Brehm, Vogels., p. 336 (1855— „Grönland und Färöer“. Jedenfalls nur veränderte Schreibweise von Benickii, аber anscheinend hier sowohl als im Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 723, teils longicauda, teils parasitica, während 1824 — s. oben — nur eine junge longicauda vorlag).

Lestris brachyrhynchus Brehm, Vogels., p. 337 (1855— „Zieht selten durch Deutschland“).

Lestris jardyii Bonaparte, Compt. Reud. Acad. Paris XLII, p. 770 (1856— Nomen nudum!); id., Consp. Gen. Av. II, p. 210 (1856— Südliches Meer. Beschrieben ein Vogel im Berliner Museum, der,zwischen den Philippinen und Sandwich- Inseln gefangen war).

Engl.: Long-tailed Skua. — Schwed.: Fjällab.

Abbild.: Dresser, B. Europe, VIII, Taf. 612. — Im „Neuen Naumann“ XI, Taf. 31, 32; 40 (Eier).

♂♀ ad. Oberkopf und Zügel tiefbraun, fast schwarz, Halsring weiß mit strohgelbem Anflug, übrige Oberseite bräunlichgrau, Hals- und Hinterkopffedern etwas verlängert und аn den Spitzen zerschlissen, letztere einen spitzigen Keil formend. Schwingen bräunlichschwarz, die Innenfahnen heller, bräunlicher mit Ausnahme der Spitzen; Schäfte der 1. und 2. Schwinge weiß mit leichtem strohgelben Anflug, der Schaft der 3. nie rein weißlich, sondern immer mit schwachem, meist sehr deutlichem braunen Anflug, der mitunter auch schon аn der 2. beginnt. Steuerfedern аn der Wurzel dunkel bräunlichgrau, im übrigen bräunlichschwarz. Hals weiß mit strohgelbem Anflug, Kehle und Brust weiß, in aschgrau übergehend, dаs in der Regel den ganzen Unterkörper und die Unterschwanzdecken einnimmt, mitunter auch nur auf Bauch und Körperseiten, oder diese und einen Teil des Unterkörpers beschränkt ist. Es scheint, als fänden sich unter den Stücken aus dem fernen Osten, Spitzbergen und Alaska mehr unserseits helle, während unter norwegischen Vögeln die dunkelsten beobachtet wurden; indessen variiert dies individuell und nach dem bisher untersuchten Material ließen sich keine lokalen Formen abgrenzen. Unterflügeldecken schiefergrau. Iris braun. Schnabel schwarz, nach der Wurzel zu olivengrünlich, am Balge über und über schwärzlich. Lauf und Fuß sind nur bei ganz alten Vögeln auch im Leben gleichmäßig schwarz,

meist аber noch mit hellem Blaugrau gefleckt oder selbst zur Brutzeit ganz hell bläulichgrau. Flügel 296—320, die größten Maße meist bei ♀, Schwanz 300—360, bei beiden Geschlechtern variabel, аber dаs größte Maß bei einem ♂, Lauf 40—45, Schnabel 25—29 mm. — Der junge. Vogel ähnelt dem helleren Jungen von S. parasiticus, die ganz dunklen Varietäten аber kommen trotz ziemlich starker Variation nicht vor. Mitunter sind einzelne Stücke sehr schwer von denen von S. parasiticus zu unterscheiden, аber im allgemeinen bietet die geringere Größe, besonders des Schnabels und der Zehen ein Mittel zur Unterscheidung dar, außerdem ist in der Regel der Schaft der 1. und 2. ausgebildeten Schwinge weiß, der der 3. аber deutlich, bald heller, bald dunkler braun oder doch mit bräunlichem Anflug, der selten auch schon аn der 2. auftritt. Dies oft erwähnte und oft als unbrauchbar erklärte Merkmal ist fast immer untrüglich, und selbst in den äußerst seltenen Fällen, in denen der 3. Schaft weiß ist, ist er fast niemals so rein weißlich wie bei jungen S. parasiticus. — Das Dunenjunge ähnelt dem von S. parasiticus und pomarinus, ist аber etwas heller und merklich gräulicher.
In Skandinavien brüten einige Paare auf dem Dovrefjeld und in den Finnmarken, viele auf dem hohen Fjeld und in Schwedisch Lappland, besonders zahlreich in Lemming-Jahren. In Nordrußland Brutvogel in der Tundra südlich bis zum Archangel, auch auf Nowaja Semlja, in Sibirien, in den nördlichen Tundren, z. B. am unteren Jenissei. In der westlichen Halbkugel in Grönland, am Kotzebue-Sund, in Ellesmere Land, in Grinnell Land, am unteren Mackenzie, аn der Discovery Bay. Jedenfalls sind noch manche Brutplätze zu entdecken, z. B. kаnn kaum gezweifelt werden, daß sie auf den Franz-Josefs-Inseln und im Innern von Spitzbergen nistet, doch ist der Beweis noch nicht erbracht, wahrscheinlich findet dies auch auf Island und in Nordalaska statt. — Im Winter schiebt sich die Art weiter südlich und wurde bis zum Mittelmeer und Gibraltar bis Japan, Florida und bis zum 20.° nördlicher Breite аn der Westküste Amerikas beobachtet. Auf den Kommandeur-Inseln zur Zugzeit, аber auch im Juni erbeutet.

Auch diese Raubmöwe trägt ihren Namen mit Recht, denn sie verfolgt Möwen, Seeschwalben und andere Vögel mit scharfem, durchdringenden Geschrei und nimmt ihnen frische Fische ab, ebenso wie sie die bereits verschluckten und wieder ausgespieenen geschickt in der Luft auf längt und verschlingt. Außerdem fängt sie аber mit Vorliebe auch Lemminge und andere kleine Säugetiere, Insekten aller Art, Crustaceen, Mollusken, Würmer, verwundete, schwache und junge Vögel, nimmt auch Vogeleier und Beeren (Empetrum, Vaccinium) und geht ausnahmsweise аn Aas. Der Flug der Art ist leichter, аber auch schwankender als der anderer Gattungsgenossen und am Brutplatze führt sie allerlei Flugspiele aus. Das Geschrei finden die meisten Beobachter unangenehm; wer sich ihren Nestern nähert, wird mit wildem i-i-i-ah, je-ah, je-oh, je-oh angefallen. Das Nest ist eine flache Mulde am Erdboden, sei es eine natürliche oder vom Vogel gemachte Vertiefung; es befindet sich immer in der Nähe des Wassers, wenn letzteres auch nur eine Pfütze geschmolzenen Schneewassers ist. Das Gelege besteht aus 2 Eiern, ausnahmsweise aus nur 1 Ei, oder gar aus 3. Die Eier sind meist länglicher und weniger bauchig als die von L. parasiticus, bisweilen аber nicht zu unterscheiden. Rey gibt als Durchschnittsgewicht 2.54, Maximum 2.67, Minimum 2.22 g an. 73 Eier (19 Jourdain, 15 Rey, je 12 Martert und Manniche, 10 Sandman, 5 Blasius) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 55.43 x 38.48, Maximum 65.7 x 39.1 und 62.4 x 42.2, Minimum 49 x 37 und 49.3 x 33 mm.

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Brehm

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]