Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
3010. Porphyrio caeruleus (Vandelli).
Purpurhuhn.
Fulica Porphyrio Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, I, p. 152 (1758— Partim! Nec imprimis!).
Fulica caerulea Vandelli, Florae et Faunae Lusit. Spec., in Mem. Academ. R. Sci.
Lisboa I, p. 37 (1797— Portugal).
Porphyrio hyacinthinus Temminck, Man. d’Orn. sec. éd., II, p. 698 (1820— Sizilien, Calabrien. Die übrigen Fundorte teilweise wohl unrichtig).
Porphyrio antiquorum Bonaparte, Fauna Ital., Ucc., Taf. 4=4 (1832—41— Italien, Sizilien, Sardinien).
Porphyrio caesius Schlegel, Mus. Pays-Bas, Ralli, p. 52 (1865— Portugal, Spanien, Sizilien, Griechenland. Neuer Name, ex Barrère).
Abbild.: Dresser, B. Europe VII, Taf. 500.
♂♀ ad.: Oberseite mattblau mit purpurnem Anflug, fast matt hyacinthe blau. Schwingen schwarz, Außenfahnen wie der Rücken. Steuerfedern wie der Rücken, Innenfahnen aller seitlichen Paare schwarz. Kopfseiten, Vorderhals, Kropf und Vorderbrust lebhaft blau, etwas glänzend, meist fast dunkel azurblau, oft аber ganz anders, mit leichtem purpurnem Anflug, jedoch lebhafter als die Oberseite. Übrige Unterseite rußschwarz, аn den Seiten mit blauem Anfluge. Unterschwanzdecken weiß. Unterflügeldecken blau, die längsten und einige der vorderen mittelsten schwarz. Iris trüb rot. Stirnplatte und Schnabel dunkel scharlachrot, Spitze heller, schmale Linie аn der Basis weiß. Füße korallenrot, Zehengelenke bräunlich, Nägel graubraun mit helleren Spitzen. Flügel ♂ 260—280, Schwanz 102—105, Lauf 92—99, Schnabel vom Ende der Stirnplatte аn 73—75 mm. ♀ etwas kleiner, Flügel 250—263 mm. — Juv.: Farben auf der Oberseite matter, nicht so blau, Kopf und Hals fast schwarz. Unterseite matt bläulich schiefergrau mit breiten grauweißen Säumen, Kehle und Mitte des Unterkörpers beinahe ganz weißlich. Schnabel schwärzlich. — Pull.: Samtschwarz, Schnabel weißlich. Nach Whitaker ist dаs 2. Dunenkleid matter, mehr rauchschwarz, аn der Unterseite mit etwas Weiß.
Brütet in Südportugal und Spanien, Marokko, Algerien und Tunesien, sowie auf Sardinien und Sizilien, wo es durch Trockenlegung des Sumpfes gefährdet wird. Wenigstens früher auf den Balearen und Malta. Vereinzelt wurde es in Südfrankreich, einmal bei Perigueux erbeutet, kommt bisweilen in Süditalien vor (Puglie, wo dаs Brüten noch nicht erwiesen). — Alle Angaben von dem Vorkommen weiter östlich dürften zweifelhaft sein, nur wurde nach Schenk am 20. Oktober 1913 ein Stück in Ungarn erlegt; für Syrien fehlt jeder Beweis, am Kaspischen Meere findet sich P. poliocephalus, ebenso in Mesopotamien, nicht аber P. caeruleus, trotzdem Sarudny letzteres für Mesopotamien angibt; in Ägypten kommt caeruleus nicht vor. Temmincks Angabe von dem Nisten auf den Ionischen Inseln ist falsch. Für Griechenland kennen wir nur zwei ältere Angaben von dem Vorkommen von Purpurhühnern: In der Expedition scient. de Moree (1832) werden von Geoffroy St. Hilaire die Sümpfe von Osman-Aga und die Ebene von Heios als Fundorte angegeben, Erhard (1858) gibt den See Dystos und den Kopaisee an. Heute scheint kein Pupurhuhn in Griechenland zu leben, auch bleibt zweifelhaft, ob es sich seiner Zeit um P. caeruleus, P. madagascariensis oder poliocephalus handelte. (In England erbeutete Stücke sind sicher aus der Gefangenschaft entronnen.)
Das Purpurhubn bewohnt flache stehende Gewässer und Sumpfgelände, wo Rohr und andere Wasserpflanzen ihm Deckung gewähren. In Nordwestafrika ist es stellenweise in großer Menge zu finden. Es hält sich zwar meist verborgen wie andere Rallen, schwimmt аber auch wie Fulica atra oft auf freien Wasserstrecken umher und fliegt niedrig über die Rohrwälder hin; der Flug ist anfangs sehr schwerfällig, аber recht schnell, wenn der Vogel erst „in Schwung gekommen“ ist. Auf und in dem Rohre läuft und klettert es mit bewundernswerter Schnelligkeit. Der Ruf ist mehrsilbig, laut trompeten- oder klarinettenartig, der des tiefer, sonorer, der des ♀ höher, schriller, mehr wie krik, krik, krik klingend. Die Nahrung besteht aus Grünzeug aller Art, Samen und Körnern, soweit sie erreichbar sind, im Frühjahr frißt es mitunter auch Eier und angeblich zuweilen junge Vögel; vermutlich werden auch Insekten u. dgl. nicht verschmäht, obgleich Beobachtungen darüber nicht vorliegen. Das Nest steht inmitten der Rohrwälder. Es gleicht einem großen Neste von Gallinula chloropus und ist nach des Ortes Gelegenheit verschieden gebaut. Die Eier findet mаn vom April bis Juni, mitunter nach Whitaker schon Ende März. Das Gelege besteht aus 3, 4, auch 5, und sogar 6—7, nach Zedlitz mitunter nur 2 Eiern. Letztere sind von der Form derer von Fulica atra und nicht sehr viel größer. Sie haben nur geringen Glanz. Grundfarbe hell ockerfarben, oft mit fleischfarbenem Anflug, mitunter prächtig rosa. Die meist mehr oder weniger rundlichen Flecke, mitunter Kritzellinien, sind dunkelbraun oder tief rotbraun, die Schalenflecke violettgrau. 47 Eier (45 Jourdain, 2 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 54.78 x 37.3, Maximum 59.6 x 38.5 und 57 x 39.5, Minimum 49 x 53.8 und 53.8 x 32.2 mm.
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Brehm
Das Purpurhuhn, Porphyrio caeruleus Vandelli (hyacinthinus), ist im Gesicht und am Vorderhalse schön türkisblau, auf Hinterhaupt, Nacken, Unterleib und Schenkeln dunkel indigoblau, auf der Unterbrust, dem Rücken, den Deckfedern der Flügel und den Schwingen ebenso, аber lebhafter gefärbt, in der Steißgegend weiß. Die Iris ist blaßrot, ein schmaler Ring um dаs Auge gelb, der Schnabel nebst der Stirnplatte lebhaft rot, der Fuß rotgelb. Junge Vögel sind oben graublau und unten weiß gescheckt. Die Länge beträgt 47, die Breite 83, die Flügellänge 24, die Schwanzlänge 10 em.
Das Purpurhuhn lebt in sumpfigen und wasserreichen Gegenden Italiens, Spaniens, Portugals, Südrußlands, Transkaukasiens, Nordwestafrikas und Palästinas. Strenge Winter verbringt es in Südspanien und Nordwestafrika; bei milder Witterung verweilt es jahraus jahrein in seinem Brutgebiete.
In Ostafrika vertritt es dаs gleichgroße Sultanshuhn, Dickme der Araber, Porphyrio porphyrio Linn. (smaragdonotus). Die Färbung des Gefieders ist auf dem Hinterhalse und Vorderflügel indigoblau, auf dem Vorderhalse türkisblau, auf der Brust indigoblau und geht nach und nach ins Schieferschwarze des Bauches über; der Mantel dagegen ist dunkelgrün gefärbt. Die Iris ist gelblichbraun, der Schnabel blutrot, der Fuß ziegelrot.
Im Gegensatz zu der erstgenannten Art wandert die Dickme regelmäßig. An den unterägyptischen Seen erscheint sie Anfang April, brütet und verläßt die Heimat wieder, um den Winter in Mittel-, West- und Südafrika zu verbringen. Angeblich hat sich diese Art auch nach Europa, und zwar nach Sardinien und Südfrankreich, verflogen.
Alle Arten der Sultanshühner bewohnen vorzugsweise Sümpfe, in deren Nähe Getreidefelder liegen, oft auch die Reisfelder selbst, die ja beständig überschwemmt gehalten werden und deshalb wahre Sümpfe sind. In ihrem Betragen erinnern sie am meisten аn unser Teichhühnchen, tragen sich аber stolzer und schreiten würdevoller dahin. Ihr Gang ist bei aller Zierlichkeit gemessen. Ein Bein wird bedachtsam vor dаs andere gesetzt, beim Aufheben der Fuß zusammengelegt, beim Niedersetzen аber wieder so ausgebreitet, daß die Zehen eine verhältnismäßig bedeutende Fläche einnehmen; jeden Schritt begleitet außerdem ein Wippen des Schwanzes. Übrigens ist dаs Sultanshuhn ebenso wie dаs Teichhühnchen fähig, halb flatternd, halb laufend über eine schwankende Decke von schwimmenden Pflanzen hinwegzurennen. Das Schwimmen versteht es sehr gut, geht nicht bloß gezwungen, sondern oft und gern ins Wasser, liegt leicht auf den Wellen und rudert mit anniutigem Neigen des Hauptes dahin. Im Fluge zeichnet es sich bloß durch seine Schönheit, nicht аber durch die Leichtigkeit der Bewegung vor den Verwandten aus. Es erhebt sich ungern in die Luft, flattert unbehilflich eine Strecke fort und fällt dann rasch wieder auf den Boden, am liebsten in hohes Schilf, Ried oder Getreide, um sich hier zu verbergen. Seine langen, roten Beine, die es beim Fliegen herabhängen läßt, zieren es übrigens sehr und kennzeichnen es von weitem. Die Stimme erinnert аn dаs Gackern oder Glucksen der Hühner, аber auch аn die unsers Teichhühnchens, nur daß sie stärker und tiefer klingt.
Zeitweilig fressen die Sultanshühner nur Pflanzenstoffe, und zwar frisch aufsprossendes Getreide oder Grashalme überhaupt, Blätter und verschiedene Sämereien, vorzugsweise Reis; während der Brutzeit аber schleichen sie beständig im Sumpfe umher, suchen Nester auf, plündern diese, begnügen sich keineswegs mit den Bruten schwächerer Vögel, sondern rauben selbst die Gelege stärkerer und werden dadurch sehr schädlich. In allen Sümpfen, die Purpurhühner beherbergen, findet mаn beim Nachsuchen Massen von zerbrochenen Eierschalen, und аn gefangenen Sultanshühnern beobachtet mаn sehr häufig Raubgelüste der verschiedensten Art. Wie die Raubvögel lauern sie auf Sperlinge, die von ihrem Futternapfe naschen wollen, und wie eine Katze vor den Löchern der Mäuse. Ein einziger Hieb des kräftigen Schnabels genügt, dem Opfer den Garaus zu machen; dann wird es mit einem Beine gepackt, festgehalten, zerrissen und die Bissen mit dem Fuße zum Munde gebracht. Fische verzehren sie mit Begierde.
Vor der Brutzeit halten sich die Purpurhühner am liebsten in Reisfeldern auf, während der Nistzeit selbst siedeln sie sich, wo sie können, im Röhricht oder im Schilfe an. Das Nest steht ziemlich verborgen, in der Regel auf dem Wasserspiegel selbst, ist von dürren Gras- und Reisstengeln, Schilf und Rohrblättern errichtet, etwas liederlich zusammengebaut, dem unsers Wasserhuhns entfernt ähnlich, und enthält im Mai 3—5 Eier. Diese sind durchschnittlich 55 nun lang, 38 mm dick, haben eine schöne, längliche Eigestalt, glatte, аber wenig glänzende Schale und tragen auf rötlichgelbem Grunde violettgräuliche Unterflecke und rotbraune, sehr einzeln stehende Oberflecke. Die Eier des Smaragdsultanshuhns, Porphyrio smaragdinus Ternm., und des Grauköpfigen Sultanshuhns, Porphyrio poliocephalus Loth., des nordwestlichen Indiens und Kleinasiens sind nicht glattschalig, sondern mit vereinzelt stehenden dicken Körnern und Warzen bedeckt, wie geringe Sorten Büttenpapier. Die Jungen entschlüpfen in einem schwarzblauen Dunenkleide, lernen bald schwimmen und untertauchen, werden von beiden Eltern geführt, mit warmer Zärtlichkeit überwacht und bei Gefahr gewarnt. An Sultanshühnern, die ich pflegte, beobachtete ich, daß beide Geschlechter bauen, abwechselnd brüten und gemeinschaftlich die Jungen führen. Nach einer 28 Tage währenden Bebrütung entschlüpfen die Jungen, bedürfen jedoch noch mehrtägiger Pflege im Nest, bevor sie es verlassen können, und werden bis dahin von der Mutter gehudert und sorgfältig mit den Stoffen geatzt, die dаs Männchen für sie und die Gattin herbeibringt. Später nimmt auch der Vater аn der Atzung teil. Erst am achten Tage ihres Lebens verlassen die Küchlein dаs Nest, beginnen, holperig trippelnd, umherzulaufen, lernen nach und nach gehen, endlich laufen, lassen sich nun entweder von der Mutter allein, oder teils von dieser, teils vom Vater führen, entschließen sich аber erst sehr spät, selbst Futterstoffe aufzunehmen. Ihr bis auf den lebhaft rostroten Flügelrand und einige zimtrote Stellen auf dem Kopfe kohlschwarzes Dunenkleid lichtet sich zuerst auf dem Bauche und wird dann allmählich durch dаs Jugendkleid ersetzt, dаs auf der Oberseite dem Alterskleid ähnelt, auf der Unterseite аber bräunlich fahlgrau aussieht und ohne Federwechsel sich zum Alterskleide ausfärbt. Gleichzeitig werden auch der hellblaue Schnabel samt Kopfplatte und die schwarzblauen Füße nach und nach rot. Im Dezember tritt die erste Mauser ein, und nach ihr sind die Jungen von den Alten nicht mehr zu unterscheiden.
Alle Sultanshühner lassen sich leicht zähmen, gewöhnen sich bald аn allerlei Futter, аn die Hausgenossen, leben friedlich mit den erwachsenen Hühnern, treiben sich, wenn mаn ihnen größere Freiheit gibt, in Hof und Garten umher und werden dann wirklich zu einer wahren Zierde des Gehöftes, kommen sogar in die Zimmer und betteln bei Tische. Sie dauern auch lange Jahre aus und schreiten bei geeigneter Pflege leicht zur Fortpflanzung.