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Bezzel
Sterna sandvicensis Latham 1787 – Brandseeschwalbe
3 Subspezies; Mitteleuropas, s. sandvicensis Latham 1787; 1 x auchS. s. acuflavida Cabot 1848.
Status in ME. Häufiger Brutvogel аn der Küste (4), zunehmend; häufiger Gast аn der Küste, im Binnenland sehr selten und meist nur unregelmäßig.
Kennzeichen. Knapp lachmöwengroß, doch viel schlanker; verlängerte Hinterkopffedern; Schwanz tiefer gegabelt als Lachseeschwalbe, doch weniger tief als bei Fluß-, Küsten- und Rosenseeschwalbe; schwarze Füße rel. lang; lange schmale Flügel; schwarzer Schnabel schlanker und länger als Lachseeschwalbe Ad schwarze Kopfkappe mit verlängerten schwarzen Hinterkopffedern; im Ruhekleid weiße Stirn und Vorderscheitei, schon ab Ende Mai jedoch oft weiße Federn in der Vorderhälfte der Kopfkappe; Rücken und Oberflügel sehr hell silbergrau, äußere HS + dunkel (bei Lachseeschwalbe HS-Färbung einheitlicher). Juv./immat. Kopfplatte braunscheckig, Rücken lebhaft dunkelbraun gescheckt, FD weniger dicht braun gefleckt; ST dunklere Spitzen (vor allem außen). • Schnabel juv schwarz, zunächst ohne helle Spitze; ad. schwarz mit gelblicher Spitze. Füße juv. dunkelgrau bis schwärzlich; ad. schwarz mit ± gelblichen Sohlen. Iris dunkelbraun.
Verbreitung und Bestand. Br аn Meeresküsten, u a. E-Küste USA, Mittelamerika, mittelamerikanische Inseln, N Südamerika, NW-Europa und W-Mit- telmeer, Schwarzes Meer, Kaspigebiet. Bestandsschätzung 1978 Atlantische Population (einschließlich N-Mittel- meer) ca. 40000, Schwarzmeer ca. 31 500, Kaspigebiet > 40000; damit Bestand S. s. sandvicensis > 110000 BP, mit immat. max. 350000-400000 Ind. In Mitteleuropa Br. der Nord- und Ostseeküste mit Abnahme nach E (1977/78 20 Kolonien mit ca. 16200 BP); tiefer im Binnenland s. einzelner Gast, nach E Nachweise abnehmend.
CH: r. G., 1950/81 ca. 150 Daten (max. 10 Ind.). • NL: 25000-40000 (1940/56); dann – durch Verseuchung der Küstengewässer mit Pestiziden 12000 (1962), 800 (1965); dann + durch Kontrolle der Abwässer 4350 (1973), 5250 (1974), 5200 (1975), 5500 (1976), 5100 (1977), 6100 (1978), 9000 (1983). • D: Nordseeküste 5000-7500 (1970/78), ca 7100 (1978), 7300 (1979), 6700 (1982); Ostseeküste neuerdings Br. seit 1965; mind. 10 (1975), mind. 27 (1978), 63 (1979), 74 (1980), 82 (1981); Nrh. einzelne Daten vor 1910; Westf. bis 1979 3 x; Bay. vor 1961 0,1961 /80 8 x (max. 10 Ind.). • DDR: Wiederansiedlung seit 1957; ca. 1000 (1978), 1238 (1979). PL: Br. 1932/36 bis max. 3; 53 (1977), 62 (1978), 1 (1979), 190(1980). • CS: bis ca. 1975 nurJl X- ‚ A: Rheindelta/Bodensee seit 1964 fast r. (max. 8); im E Ausnahmeg. (z. B. 1977, 1980, 1982). H: bis ca. 1980 nur 2 x. • DK: ca. 10000 (vor 1940), 4653 (1956), 2300-5300 (1960/75), 4313 (1976). • N.: 3 (1974), 0 (1978). • S.: Erstansiedlung 1911 im S; ca. 1100 (1975). – SU: Estn. SSR 1. Brut 1962, ca. 300 (1978). • GB: ca. 4000 (1956), ca. 6000 (1962), 10460 (1969), 12450 (1978); GB/IRL 15460 (1979). – IRL: 1400 (1969), 2000 (1974). • F: 200-300 (1946), mind. 4100 (1968), 5300 (1978); Hauptbrutplätze heute Bretagne, Gironde, Camargue. • E: nur Ebrodelta r. seit 1961 (5 BP), 4 (1971), 70-100 (1978), 255 (1979). I: 0 (1978), 7 (1979), 53 (1981; Valli di Comacchio).
Wanderungen. Zugvogel mit Winterquartier im Ostatlantik von E./P bis S- Afrika, weniger zahlreich auch аn den Küsten SE-Afrikas, im Mittelmeer (dort z. B. bis > 400 Jan. Mittelmeerküste E., Vilagrasa u. a. 1983), Schwarzen und Kaspischen Meer. Mittwinterverteilung der Ringfunde von Br. D/DDR z B. Jan./Febr. D/DDR 1, DK 2, NL 1, F 1, Mauretanien 1, Senegal 10, Guinea 1, Elfenbeinküste 3, Ghana 3, Kongo 1, Angola 4, Namibia 2, 8- Afrika 1. Nach der Jungenaufzucht zuerst ± »Zwischenzug« auch mit Richtungen N/NE Zu Beginn des eigentlichen Wegzugs im Aug./Sept. größere Konzentrationen in Nordsee sowie GB. Weiterzug entlang Atlantikküste F, E./P, einige ziehen ins Mittelmeer (wo viele Br. vom Schwarzen Meer überwintern), sowie W-Küste Afrikas. Bes. Erst-, аber auch Zweit- und Drittjährige überwintern Mauretanien bis Lagos, ältere ziehen meist weiterS. Einzelne Schwarzmeervögel gelangen durch Straße von Gibraltar ebenfalls nach W-Afrika. • Eigentlicher Wegzug ab Ende Juli/Aug.; im Aug. аber bereits Ostseevögel in P und Br Mitteleuropa sogar MA. Im Sept, größter Teil noch in Mitteleuropa, doch auch bereits bei Ghana. Bis An-, fang Okt. (ausnahmsweise Nachzügler bis Nov.) Mitteleuropa geräumt, Dz. in W-Afrika auffällig. S-Afrika wird erst im Dez. erreicht; ab Jan. z. T. Wanderung um dаs Kap аn die SE-Küste Afrikas. 4jährige und ältere ab Febr. Heimzug; früheste Heimkehrer F Ende Febr., GB, Nord- und Ostsee dagegen erste Vorboten 2. Märzhälfte, Hauptmenge kommt im April Koloniebesetzung meist Ende April/Anfang Mai. Einjährige übersommern im afrikanischen Winterquartier, nur wenige im Sommerhalbjahr Mittelmeer bzw. Nordsee; ähnlich zweijährige, von denen jedoch auch ein großer Teil verspätet (meist Juni) im Heimatgebiet eintrifft. Masse der dreijährigen zieht heim, jedoch später als ältere. Schwarzmeer- und Kas- pipopulation mit ähnlichem Zeitablauf. • Geburtsortstreue häufig, аber auch Umsiedlungen bis 200-1000 km mit stark abnehmender Häufigkeit bei großen Entfernungen. Weiteste Strecke 1974 nichtflügge Asowsches Meer -Juni 1977 DK 2175 km NW; auch 2 N-europäische Br. zum Schwarzen Meer umgesiedelt. So erfolgt fast ständiger Austausch zwischen einzelnen Populationen; neu gegründete Kolonien können aus Br. verschiedener Populationen bestehen. • 1 Ringvogel von N-Carolina (S. s. acuflavida) in NL gefunden.
Biotop. Ganzjährig аn Meeresküsten, i. allg. im Flachwasserbereich und nicht in größerer Küstenentfernung, wenn auch Fangplätze bis > 50 km vom Brutplatz entfernt sein können. Kolonien meist auf ± vegetationslosen Inseln, Halbinseln usw. auf Sand- oder Kiesbänken, in Dünen, oft im Anschluß аn andere Seeschwalben oder Lachmöwen. Im W der Ostsee im Anschluß аn Lachmöwenkolonien auch auf bewachsenem Gelände (Salzwiesen). Fast stets аn Salz- oder Brackwasser; аn süßen Binnengewässern nur ausnahmsweise kurzfristig
Nahrung. Schlanke Schwarmfische von 5-15 (-20) cm Länge und 7-11 (ausnahmsweise > 20) g. Nahrungsbedarf wurde z. B mit 40-65 g/d im M für ein Küken berechnet.
Stimme. Häufigster Ruf »kirreck« oder »kerrick« (auf der 2. Silbe betont) erinnert etwas аn Rebhuhn. An der Kolonie beim Auftauchen eines Feindes »wääh« oder beim Angriff auf Bodenfeind scharf »kekekek…«; und längere, rauhe Rufreihen. Bei der Balz ♂ »kirnt« u. ä.
Verhalten. Überwiegend tagaktiv. Ad. schwimmen kaum. Nahrungserwerb hauptsächlich durch Stoßtauchen, seltener im Bogenflug nahe über der Wasseroberfläche. Beim Aufsuchen von Fischgründen Reaktion auf Artgenossen, so daß sich Hunderte über einem großen Fischschwarm einfinden können. Bei tiefer schwimmenden Fischen wird der Stoßflug von ca. 10 m angesetzt; oberflächennahe Fische werden aus spitzerem Winkel erbeutet. Maximale Tauchtiefe etwa 1,5 m. Lokal r. Opfer von Beuteabjagen durch Lachoder Raubmöwen. Sehr gesellig; brütet in extrem dichten Kolonien, die in wenigen Fällen bis > 20000 BP erreichen können. Sehr kleine Nestreviere. Brutfreie Vögel haben daher im Inneren der Kolonie oft keinen Platz. Auch zu anderen Arten Nestdistanz oft sehr gering; bes. Anschluß аn Lachmöwe in Europa häufig. Paarbildung bei älteren Vögeln wohl i. allg. schon vor Ankunft am Brutplatz, bei Erstbrutern hauptsächlich nach Rückkehr. Luftbalz durch Rundflug des ♂ mit oder ohne Fisch, erregt Aufmerksamkeit des ♀. ♀ kаnn sich ♂ anschließen zum gemeinsamen Hochflug mit Verfolgungsspielen Aus diesem Hochflug rasanter Gleitflug der beiden Partner, die аn Höhe verlieren. Anschließend entweder Bodenbalz (z. B mit Übergabe eines Fischchens) oder Aufsteigen zu einem Schauflug, bei dem sich beide Partner auch überholen. Vor der Fischubergabe Umtrippeln der Partner, ♀ bettelt dann. Anschließend Begattung (aber auch ohne einleitende Balz). Territoriale Auseinandersetzungen meist durch Drohen, wobei Ind. auf dem Nest sitzen bleiben. Küken, die in fremde Reviere geraten, können getötet werden.
Fortpflanzung. Viele brüten mit 3, ein Teil erst mit 4 Jahren erstmals. Grundsätzlich wohl monogame Saisonehe, doch Partnertreue neben Umpaarungen belegt; beobachtet wurden auch kurzfristig Dreier- und Vierergruppen mit unterschiedlichem Anteil von und 2. Bezug der Kolonie entweder gleich nach Ankunft 2-3 Wochen vor Eiablage oder auch wesentlich später. Territorien werden grundsätzlich erst wenige d vor Legebeginn besetzt. Nest auf meist nicht bewachsenem Untergrund, der Mulden zuläßt (Sand, Kies, Schilf, Torf usw.). Mulden durch ♂ und ♀. Während des Brütens wird oft noch Nestmaterial zugefügt. Eier weißlich bis hellbraun sehr variabel dunkle Fleckenzeichnung, hellere Unterflecke Gelege 2 Eier oder 1 Ei; M 1,1-1,9 Legebeginn Mitteleuropa frühestens ab Ende April, in der Nordsee meist ab Anfang Mai, oft erst ab 2. Maihälfte. In neugegründeten Kolonien auch sehr unterschiedlich. In großen Kolonien ausgesprochene Synchronisation des Legens; durch Erstbrüter und Nachgelege zieht sich аber Legeperiode oft über 4-5 Wochen hin. 1 Jahresbrut; Nachgelege mitunter nach Umsiedlung. Brutdauer 22/26 d; Bebrütung nach Ablage des 1. Eies. Zunächst brütet ♀, später ♂ und ♀ Bei Ablösung oft Übergabe eines Fisches. Küken verlassen Nestplatzje nach Störung im unterschiedlichen Alter, werden аber mind. 1 Woche lang ständig von einem ad. bewacht. In dichten Kolonien kommt es später dann oft zu Kindergärten, in denen аber die ad. in der Regel nur ihre eigenen Jungen füttern (Helfer kommen vor). Flügge mit 25/35 d; juv. bleiben bis zum Abzug ins Winterquartier von den ad. abhängig; Familienauflösung wohl meist erst im Winterquartier. • Bruterfolg: Nachwuchsrate M ca. 1,0 flügge juv./BP x Jahr, doch starke Schwankungen von Jahr zu Jahr (max. bis 1,9, аber auch Totalausfall); Bruterfolg wird beeinflußt u. a. auch durch Nestdichte, Synchronisation, Koloniegröße usw.; alte Ind. erfolgreicher als Erstbrüter. Überlebenschancen des 2. Kükens oft wesentlich geringer als des ersten.
Sterblichkeit, Alter. Vom Flüggewer- den bis Eintritt der Geschlechtsreife auf 65-75 % geschätzt. Älteste Ringvögel 23 Jahre 7 Monate und > 21 Jahre.
Mauser. Jugendmauser Kleingefiedermauser ab Aug./Sept. dauert ca. 10 Monate. Ab Ende Sept./Nov. beginnt Großgefiedermauser mit innerster HS; im Alter von knapp 1 Jahr, wenn HS 10 noch nicht voll ausgewachsen ist, fällt bereits wieder HS 1, mitunter sogar noch früher. AS-Mauser von außen nach innen von Febr./März bis Ende April/Ende Juni. • Ad. Brutmauser (Vollmauser) von (Anfang) Mitte Mai bis Dez.; HS 1 fällt Ende Mai/Juni, bis Mitte Juli mitunter bis HS 3; bis Okt./Nov. mittlere HS erneuert, doch dann eine neue langsamere Staffel mit Ausfall von HS 1 beginnend. • Ad. Ruhemauser (Teilmauser) Febr. bis März/April im Winterquartier
Literatur (46). F. X Vilagrasa u. a., A 50, 1982: 108-113.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Sterna sandvicensis Latham — Brandseeschwalbe.
Verbreitung des Rassenkreises. Küsten Mittel- und Südeuropas, Tunesiens, des Schwarzen und Kaspischen Meeres und Nordamerikas. — 2 Rassen.
Sterna sandvicensis sandvicensis Latham — Brandseeschwalbe.
Sterna cantiaca (6m.), Naumann XI, S. 153; Reichenow S. 32.
Beschreibung, ♂ und ♀ ad. im Brutlkleid: sehr ähnlich der Lachseeschwalbe, аber insgesamt noch heller, vor allem Schwanz rein weiß und äußere Handschwingen аn der ganzen Innenfahne breit weiß gesäumt, nur längs des weißen Schaftes ein schwarzgrauer Streif, der in der Mitte etwa so breit ist wie die Außenfahne, nach der Spitze ein wenig breiter, nach der Wurzel schmaler werdend und verschwindend. Schnabel schwarz mit gelber Spitze (die Ausdehnung des Gelb beträgt etwa 8—11 mm); Füße schwarz. Unterseite beim lebenden Vogel mit zartem rosigem Schimmer. — Ruhekleid‘. Stirn weiß, Scheitel schwarz und weiß gefleckt, Genick schwarz mit weißen Federsäumen, Augen vorn schwarz eingefaßt. — Dunenkleid‘. Oberseits graugelb mit schwarzem Fleck, Unterseite weißlich, Schnabel gelblich. — Jugendkleid: Scheitel und Genick schwarzbraun mit weißen und rahmgelben Säumen, Oberseite braun mit breiter brauner und rahmfarbener Fleckung, die z. T. quer, z. T. unregelmäßig verläuft. Schwanzfedern mit schwarzbraunen Spitzen, die weißlich gesäumt sind. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) August bis Dezember; Ruhemauser (Vollmauser) Februar bis April, im ersten Frühjahr bis Juni; Brutmauser (Vollmauser) August bis Dezember (Witherby). — Maße: Flügel ♂ 290—325, ♀ 285—308 mm; Schwanz 148—170 mm, Tiefe der Schwanzgabel 65—85 mm; Schnabel 52 bis 58 mm; Lauf 27—30 mm. Gewicht: (17 deutsche Vögel) 184—310 g, im Durchschnitt etwa 250 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Lachmöwengröße. Schwarze Kopf platte mit Nackenschopf, der gern gesträubt wird. Schnabel schwarz mit gelber Spitze, Füße schwarz. Schwanz länger als der der Lachseeschwalbe und tief gegabelt. Juv. mit rötlichschwarzen Beinen, schwarzem Schnabel und auffällig schwarz geflecktem und gelblich gerandetera Mantel; Stirn weiß. Sehr gesellig. Erbeutet stoßtauchend ihre Nahrung. —Stimme: wild und ungestüm „kirreck“, „krijühb“ oder „kirrit“, bisweilen auch scharf „kikiki“ (Hartert). Bei der Bodenbalz gackernd ,,dockdockdock . . Weiteres vgl. Schumann, Dtsch. Vogelw. 1939.
Allgemeine Verbreitung. Weichselmündung (1936), Falsterbö (Südschweden), Kattegatt und Jütländische Küste (z. B. Ring- kjöpingfjord), ost- und westfriesische Inseln sowie die Küsten Hollands (1939 bei Hoek van Holland etwa 3500 Paare), Großbritanniens und Irlands, gelegentlich Inselchen аn der Küste der Bretagne, Küsten Süd- und Ostspaniens, Sardiniens, Siziliens und Italiens, Südostküste Tunesiens; ferner am Schwarzen und Kaspischen Meer. — In Nordamerika durch St. s. acuflavida Cabot vertreten.
Verbreitung in Deutschland. Die Brandseeschwalbe brütet in mehreren volkreichen Kolonien auf verschiedenen Inseln Nord- und Ostfrieslands. Die Brutplätze hat sie im Laufe der Zeit gewechselt (Näheres bei Dietrich, Hamburgs Vogelwelt, S. 127). Gegenwärtig befinden sich Brutkolonien auf Norderoog (1940 etwa 4000 Paare), Mellum (1931 etwa 600 Paare), Scharhörn (seit 1937; doch hier neuerdings wieder verschwunden) und auf der Sandbank „Lütje Hörn“ (nach Leege, briefl., 1940 etwa 300 Paare).
Einst hat sie auch auf der kleinen, jetzt verschwundenen Insel Stübber im Greifswalder Bodden gebrütet (Otto). In neuester Zeit ist wieder eine kleine Kolonie auf Schleimünde entstanden, wo die Brandseeschwalbe schon 1820 von Benicken und Boie brütend gefunden wurde, von diesen auch auf der Möweninsel bei Schleswig (Okens Isis 1824, S. 886; Wiedemanns Zool. Magazin, I. Bd., S. 122). — Einige Paare haben nach W. Döbbrick in den Jahren 1929 bis 1936 im Weichseldelta bei Danzig gebrütet (Orn. Mber. 1936, S. 184).
Auch auf dem Zuge ist die Brandseeschwalbe аn der Ostsee nicht häufig; in Ostpreußen ist sie 1936 zum erstenmal festgestellt worden (Orn. Mber. 1937, S. 23). Als Küstenwanderer erscheint sie im Binnenlande nur ausnahmsweise. Hier wurden erlegt bzw. tot gefunden je 1 Stück: bei Gera am 20. Mai 1900, Borna bei Leipzig am 14. Oktober 1929, Coburg 1902, Hildesheim (ohne Datum), am 29. April 1908 bei Krickenbeck am Niederrhein, 1888 Außig (Böhmen).
Wanderungen. Zugvogel, dessen europäische Populationen аn der ganzen Westküste Afrikas bis zum Kap und bis zur Südostküste des Kaplandes, auch im Roten Meer, аn den Küsten von Vorderasien und in geringer Zahl im westlichen Mittelmeergebiet überwintern. (Vereinzelte Nachweise im November/Dezember aus Wales und Helgoland). Ein Teil nichtbrütender Vögel, einjähriger wie älterer, bleibt im Sommer im Winterquartier zurück, wo die meisten schon ab Oktober und bis März/April anzutreffen sind. Ankunft am Brutplatz Mitte/Ende April bis in den Mai hinein (später wohl nur Nichtbrüter), Abzug Anfang/Mitte Juli bis Ende August, doch sind auch im September stets noch einige im Brutgebiet. Viele Jungvögel streichen nach dem Flüggewerden weit umher, recht häufig nordwärts oder, dem Küstenverlauf folgend, nach Osten (Frühsommerzug Juni/Juli), um sich erst im September nach Süden und Westen zu wenden. Infolgedessen werden sie mitunter in Gegenden festgestellt, die von ihrem Brutgebiet weit entfernt liegen (z. B. in der östlichen Ostsee). Obwohl in der Regel аn den Küsten entlang wandernd, erscheinen sie doch hin und wieder im Binnenland, so in England, der Schweiz und Deutschland (ein dänischer Ringvogel bei Leipzig im Oktober). Beringungsergebnisse: die dänischen, schwedischen und deutschen, die holländischen und britischen Populationen stimmen in ihrem Zugverhalten nahezu überein. Wiederfunde аn der französischen Küste fallen überwiegend in die Monate August/September/Oktober, in Spanien und Portugal sind Ok- tober/November-Funde keine Seltenheit, ebenso solche vom März/ April. Von November bis Januar häufen sich die Funde аn den Küsten von Westafrika und Angola (Näheres siehe u. a. bei Tekke, Org. 01. nederl. Vogelk. 1934, und Goethe, Vogelinsel Mellum, 1939, Abb. 7). Besonders dаs Gebiet des Benguela-Stromes vor Angola übt eine starke Anziehung auf die Brandseeschwalben aus, was durch seinen großen Reichtum аn Nahrungstieren gerade im Winter zu erklären ist. Auch auf dem Zuge halten sich die Seeschwalben in nahrungsreicheren Gebieten wie Flußmündungen meist länger und in größerer Zahl auf (siehe bei St. hirundo). — Im Herbst ziehen sie wahrscheinlich gesellig, im Frühjahr wohl häufiger einzeln. Die Zuggeschwindigkeit ist im Herbst nicht bedeutend; Tagesleistungen von nur 36—110 km sind die Regel, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Vögel sich oft tage- und wochenlang аn geeigneten Plätzen aufhalten.—Bemerkenswert erscheint die hohe Zahl alt wiedergefundener Vögel, welche der der einjährigen zumindest gleichkommt. Alter von 8 und 11 Jahren nach der Beringung sind keine Seltenheit. Höchstalter 19 Jahre (Mellum).
Biotop. Flache sandige Meeresküsten, Sandbänke, Dünengelände ebenso wie spärlich bewachsene Inseln und felsiger klippenreicher Seestrand. Bevorzugt seichtes Küstengewässer; аn Salzwasser gebunden, dringt deshalb nur selten in tiefe Meeresbuchten und Flußmündungen ein, am häufigsten in Gebieten mit starker Brandung.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife: nach den Ringwiederfunden wohl nicht vor dem 4. Lebensjahr (Goethe); nach Marples dagegen schon am Ende des 1. Lebensjahres; die jüngeren Vögel schreiten später zur Brut als die älteren. Nicht selten trifft mаn brütende Vögel, die noch Spuren des Jugendkleides (vor allem Flecke auf der Kopfplatte) tragen. — Schon vor der „schubweisen“ Ankunft am Brutplatz (in Abständen von 2—4 Wochen), je nach Lage desselben und der Witterung Ende April bis Anfang Mai, finden sich die Paare zusammen und legen die letzte Strecke gemeinsam zurück, besonders die älteren Vögel, die vermutlich auch eine Ehe auf Lebenszeit eingehen. Daneben trifft mаn allerdings auch viele einzeln ziehende, jüngere Vögel oder solche, denen der Gatte verlorenging (Marples, Sea Terns or Sea Swallows, 1934; DlRCKSEN, J. Orn. 1932). — Balz und Paarungseinleitung: Am Brutplatz beginnen die Vögel sofort lebhaft zu balzen, besonders in der Morgendämmerung und zwar findet zunächst Bodenbalz, bald аber auch Flugbalz statt und schließlich wechseln Boden- und Flugbalz miteinander ab. Die Bodenbalz besteht nach Marples und Goethe aus einem symbolischen Betteln und Füttern („Schnäbeln“) in Erregungsstellung, bei der die Flügelbuge weit vom Körper abgestellt und die Schwingen hängen gelassen werden, ohne jedoch den Boden zu berühren, und der Schopf gespreizt wird. Die Vögel stehen dabei einander gegenüber. Dann folgt ein symbolisches Nestbauen, ein Muldendrehen mit der Brust, während die Füße den Sand nach hinten werfen. Meist wird dies vom ♂ zuerst geübt. Schließlich „umtanzen“ sich beide Vögel in der Art, daß dаs ♂ genau im Kreise um dаs ♀ herumläuft, dаs sich auf der Stelle mitdreht, oder beide laufen nebeneinander ein Stück Weges, kehren аber nicht wieder аn ihren Ausgangspunkt zurück. Die Flugbalz besteht aus dem „Fischchenspiel“ und dem „Prahlflug“: Das ♂ fliegt mit einem Fisch herbei, setzt sich zum ♀, und beide nehmen Erregungsstellung ein, wobei der Kopf plötzlich hochgeworfen wird. Dann übergibt dаs ♂ entweder den Fisch oder fliegt damit fort, gefolgt vom ♀ oder auch dieses verfolgend. Gelegentlich findet diese Jagd auch ohne Fisch statt. Anschließend dann ein Flugspiel: in großer Höhe gleiten die Vögel ohne Flügelschlag, die Flügel in V-Form über den Rücken aufgestellt, in sanft abfallenden Linien nach rechts und links herab, mit solcher Schnelligkeit, daß ein surrendes Geräusch entsteht. Dabei überschneiden sie sich im Zickzackflug mehrfach. — Diese Balzfolge liegt nicht fest, sondern ihre Teile werden willkürlich gewechselt. Sie sind voneinander unabhängig. Die Erregungsstellung ist nicht nur für die Balz spezifisch, sondern Ausdruck verschiedenartigster Gefühlsmomente (z. B. der Ablösung). Ebenso ist dаs Füttern nicht аn die Paarung gekoppelt, sondern dient lediglich der Betonung der Zusammengehörigkeit. Die Balz findet deshalb auch oft ohne Fisch statt. Später tritt dаs Füttern immer mehr zurück, wenn auch einzelne Teile der Flug- und Bodenbalz selbst noch während des Brutgeschäftes ausgeführt werden (Dircksen ; Goethe; Marples; G. Steinbacher, J. Orn. 1931). — Die Begattung erfolgt im allgemeinen ohne vorherige Ankündigung. Sie kаnn im Anschluß аn ein Balzspiel, аber auch ohne diese Einleitung vorgenommen werden. Marples beobachtete die Begattung schon auf dem Zuge, fern vom Brutplatz; Goethe registrierte eine solche von 10 Min. Dauer. Währenddessen rief dаs $ unaufhörlich, dаs £ blieb stumm. (Dasselbe sah Tinbergen bei St. hirundo; Ardea 1930). Nach der Begattung laufen beide Vögel in Erregungsstellung nebeneinander her. — Nest: Es steht meist auf den niedrigsten Teilen des Strandes, auf Sand-, Kies- oder Schotterbänken wenig über der Flutgrenze oder auf solchen, die völlig vom Wasser umgeben sind, gelegentlich auch in niedrigen Dünen, auf kurzrasigem Gelände und selbst auf Klippen аn felsigen Küsten. Es ist überwiegend nur eine flache im Sand gedrehte Mulde, auf härterem steinigem Boden meist keine sichtbare Vertiefung, die gewöhnlich mit einigen Hahnen ausgelegt ist. In Dünengelände liegen die Mulden häufig im Schutze von Strandhaferbüscheln, deren trockene Stengel und Blätter auch dаs Baumaterial für die Nester liefern. Wo solches in nächster Nähe reichlich vorhanden ist, findet mаn gelegentlich auch besser ausgestattete Nester. Als Material zur Unterlage der Eier werden neben Strandhafer (Ammophila arenaria) auch Strandaster (Aster tripolium), Silene jacobaea und maritima und Arundo phragmites in trockenen Fragmenten nachgewiesen, auf felsigem Gelände auch Beta maritima, Grasnelke (Armeria vulgaris) und Kriechweide (Salix repens). Hier muß dаs Baumaterial auch von weiterher geholt werden; normalerweise geschieht dаs nie und eher wird auf jede Auskleidung der Nester verzichtet (Marbles). — Die Nester stehen in meist großen Kolonien dicht nebeneinander, so daß sich die Schwanzspieße der brütenden Vögel oft berühren. Immerhin darf der Abstand zwischen den Gelegen eine Grenze von etwa 30—40 cm nicht unterschreiten. — Vollgelege: in der Regel 2, auch 1 oder 3 Eier. Goethe meint, daß zuerst Dreiergelege, später nur Zweier- und Einergelege gezeitigt werden, wobei es sich bei den letzteren zumeist um Nachgelege infolge Eierraubs handele. Goethe zählte Mitte Juni bei 420 Gelegen 2/5 mit 1, 2/5 mit 2 und 1/5 mit 3 Eiern. — Eine Brut ist die Regel. Nachgelege sind sehr häufig. — Die ersten Gelege findet mаn Ende Mai bis Anfang Juli. Die Eiablage geht „ruckweise“ vor sich, d. h. nach einigen wenigen Gelegen der ersten Ankömmlinge in der Kolonie sind plötzlich nahezu alle Gelege vollständig, meist schon 1—2 Wochen nach der Ankunft. — Eiablage: Die Eier werden ein um den anderen Tag, mitunter аber auch täglich gelegt (Marbles). — Bebrütungsbeginn: vom 1. Ei an; die Jungen schlüpfen im Abstand von 24 Stunden. — Eier: auf lehmgelbem oder sandfarbenem, oft fast weißem Grunde mit dunkelgrauen Schalenflecken und vielen, teilweise sehr großen und oft ineinander fließenden braunschwarzen Oberflecken reich gezeichnet. Die Zeichnung ist bisweilen spiralig gedreht. 46 deutsche Eier messen im Durchschnitt (Bau) 51,2 x 35,9 mm; Maximum 55,8 x 37,9 und 53,2 x 39, Minimum 44 x 34,7 und 51 x 33,4 mm; Schalengewicht etwa 2,2 g; Frischvollgewicht etwa 35 g. — Brutpflege: Beide Gatten brüten; „doch ist dаs ♀ stets mehr am Nest und später auch bei den Jungen zu treffen, während dem ♂ mehr die Futterbesorgung obliegt und die Fütterung des ♀“ (Goethe). Wie alle Seeschwalben brütet auch St. sandvicensis sehr fest. Nach Störungen läßt sich die ganze Kolonie geschlossen wieder auf die Nester nieder (Resühr 1931). „Während des Brütens schlafen die Brandseeschwalben, ziehen Halmmaterial zum Nest heran oder streiten mit den Nachbartieren“ (Goethe). Das Nistgebiet wird nur im kleinen Umkreis verteidigt. Dennoch erfolgt diese Verteidigung mit großer Heftigkeit, wobei die Tiere аber nicht von den Nestern gehen, sich höchstens von den Eiern erheben. Schon kleine Bewegungen rufen Abwehrstellung mit aufgerissenem Schnabel und gesträubten Scheitelfedern hervor. Kommen sich die Tiere zu nahe, so zerren sie sich аn den Schnäbeln. — Ihr Gelege vermögen die brütenden Vögel nicht von anderen zu unterscheiden; sie erkennen es am Standort des Nestes wieder. Dieser ist daher wichtiger als die Eier; so wird auch im leeren Nest „gebrütet“ (das gilt für alle Laro-Limi- colen!). — Die Ablösung erfolgt meist in Erregungsstellung und verursacht auch bei den benachbarten brütenden Vögeln beträchtliche Aufregung. Häufig tritt der ablösende Gatte den Rücken des noch brütenden Vogels, um ihn so zu veranlassen, vom Nest zu gehen. — Brutdauer: 22—22 1/2 (Marples, Jourdain, Heinroth), nach Goethe 26 Tage. Einen Tag alte Junge wogen 20,75g (Marples), 23 und 25 g (Heinroth). Die Jungen bleiben noch einige Tage im Nest (Steinbacher; Desselberger, Orn. Mber. 1929), nach Goethe eine Woche. Dann unternehmen sie Ausflüge in die Kolonie, wobei sie dаs ♀, seltener dаs ♀ begleitet und verteidigt, und kehren nicht mehr zum Nest zurück. Auf dаs Hochfliegen der Kolonie bei Störungen reagieren die frisch geschlüpften Jungen durch Drücken am Boden, während die älteren in den Pflanzen Schutz suchen und dann von den Eltern zurückgelockt werden. Bei heißem Wetter und bei Störungen sollen sich die Jungen andernorts auch in Kaninchenhöhlen verkriechen (Robinson 1926). Die Eltern erkennen ihre Jungen nach einiger Zeit wohl meist аn der Stimme (Dircksen; Goethe 1932). Steinbacher vermutet dagegen, daß Gefieder- und Rachenfärbung dabei ausschlaggebend sind. Fremde Junge werden weggebissen, аber selten getötet, oder auch einfach nicht beachtet. Normalerweise werden daher nur eigene Junge aufgezogen. Sobald аber diese ein gewisses Alter erreicht haben und überall, wo Deckung ist, in Scharen zusammenstehen, betteln bei Fütterung durch die Altvögel auch fremde Junge diese im Gedränge mit Erfolg an. Das geschieht auch, wenn Junge ihre Eltern verloren haben. Von einer „kollektiven Jungenerziehung“ (Desselberger) kаnn mаn аber trotzdem wohl nicht sprechen. Im Alter von 15—20 Tagen finden sich die halbflüggen und kaum flugbaren Jungen zu größeren Schwärmen zusammen und wandern langsam, u. U. mehrere hundert Meter weit ins Watt. Meist sind einige Altvögel dabei. Diese „Kindergärten“ (Goethe) halten fest zusammen und lassen sich auch gewaltsam nicht endgültig trennen. Heinroth nimmt an, daß die Jungen deshalb gemeinsam auswandern, weil die Kolonie sonst zu sehr verschmutzt und unbewohnbar wird, während Goethe darin einen Schutz gegen räuberische Silbermöwen erblickt, denn die Altvögel können dann beide auf Nahrungssuche ausgehen. Die Jungen sind mit 30—35 Tagen flugbar. Die Altvögel halten sich dann nur wenig bei ihnen auf. — Die Verluste аn Jungen sind allgemein sehr groß, in manchen Jahren аber besonders empfindlich. ,,An kalten Regentagen fand mаn die Jungen oft massenweise erstarrt.“ „Im Juni 1932 starben plötzlich 60% der Jungen аn einer unerkannten, anscheinend epidemischen Krankheit“ (Goethe). Nach Dircksen ging auf Nor- deroog nach einigen Tagen stets 1 Junges aus jedem Gelege ohne erkennbaren Grund ein. Er schätzte, daß nach einem witterungsmäßig ungünstigen Sommer nur etwa 15% aller Jungen flügge geworden sind. Bestimmend für dаs Gedeihen der Brut kаnn dаs Massenauftreten von Fischen werden. Nach Marples gehen 75% der Jungen bis zur Geschlechtsreife zugrunde.
Neben geselligen Nahrungs- und Badeflügen einer ganzen Kolonie werden abendliche Gesellschaftsflüge bei bestimmtem Helligkeitsgrade, bis in die Dunkelheit hinein, erwähnt (Spielflüge).
Nahrung. Nach Magenuntersuchungen von Collinge (Trans. Norfolk Nat. Soc. Norwich 1926) zu 66,25% Fische, zu 32,50% marine Würmer und zu 1,25% Seemollusken. Von den Fischen sind 32,50% Sandaale. Andere Autoren betonen noch stärker dаs Vorherrschen der Sandaale (Ammodytes tobianus und lanceolatus) in der Nahrung, vor allem werden die Jungen fast ausschließlich damit aufgezogen. Marples sah die Fütterung mit Sandaalen bis zu 22 cm Länge. Daneben werden noch Cfepea-Verwandte, vor allem Sprotten und Sardellen (Sprattus und Engraulis), ferner Merlan (Gadus merlangus), Hornhecht (Betone acus) und kleine Exemplare vom Aal (Anguilla anguilla) aufgenommen, auch Betermännchen (Trachinus draco), nach Witherby mit einigen dieser Arten auch die Jungen gefüttert. Die Vögel fliegen zum Fischen mit gesenktem Kopf langsam in einigen Metern Höhe über der Wasseroberfläche, hin und wieder auf der Stelle rüttelnd. Wenn sie etwas erblicken, lassen sie sich mit geschlossenen Schwingen, die erst аn der Wasseroberfläche über dem Rücken ausgebreitet werden, wie ein Stein fallen, tauchen normalerweise mit starkem Geräusch und Wasserspritzen (im Gegensatz zu den Verwandten!) völlig unter und bleiben z. T. bis 2 1/2 Sek. unter Wasser. Bisweilen stoppen sie ihren Sturzflug аber noch kurz vor dem Eintauchen ab und fliegen im Bogen wieder hoch, wenn die Beute inzwischen verschwunden ist. Sie kommen nicht selten etwas vom Eintauchort entfernt wieder hoch. Der Beutefisch hängt eigenartigerweise (wie bei allen Seeschwalben) fast stets nach links aus dem Schnabel und wird mit dem Kopf zuerst verschluckt. Die Jungen können einen beim Füttern fallen gelassenen Fisch nicht wieder aufheben, weshalb mаn in einer Kolonie viele solcher verlorenen Futterfische findet. — Gemeinsame Nahrungsflüge führen nach besonders fischreichen Plätzen.
Parasiten. Federlinge: Actornithopliilus piceus, Austromenopon fuscofasciatum; Koeniginirmus sellatus, Saemundssonia melanocephala. — Milben: Alloptes bisetatus. — Saugwürmer: Galactosomum cochlear, ,,Hemistomum“ pileatwn, Stephanoprora denticulata, St. pendula, St. spinosa. — Kratzer: ,,Prostorliynchus“ linearis.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Die Brandseeschwalbe (Sterna sandvicensis Lath. = cantiaca).
Diese auch als Kentische Seeschwalbe bezeichnete Art brütet als St. s. sandvicensis Lath. аn verschiednen Stellen der Nordseeküste sowie аn den Gestaden Spaniens, des Mittel-, des Schwarzen und des Kaspischen Meers. Im Winter geht auch sie weit nach Süden. Sie bildet sehr enggeschlossne Siedlungen, in denen die Nester so dicht stehn, daß sich die brütenden Tiere fast berühren und mаn Mühe hat, die meist aus 2 Eiern bestehenden Gelege nicht zu zertreten, wenn mаn dazwischen hingeht. Beim Besuch einer Möwen- und namentlich Seeschwalbensiedlung beherzige mаn übrigens folgendes. Längre Abkühlung, auch Regen, schadet den Eiern nichts. Sind sie schon gepickt, so trocknen die noch nassen Küken, wenn die Sonne darauf scheint, leicht аn der Eihaut fest und können dann nicht recht schlüpfen. Kleine, namentlich neugeborne Junge verklammen schnell bei kaltem Wetter, besonders wenn es regnet, und sterben dann. Man vermeide also jede längre Beunruhigung der Alten, die sie vom Bedecken der schlüpfenden und noch wärmebedürftigen Küken abhält, besonders bei Nässe.
Brandseeschwalben scheinen häufige Störungen übelzunehmen und verlegen dann ihren Wohnort auf andre Inseln. Allgemein wird darauf hingewiesen, daß die Jungen, sobald sie gut zu Fuß sind, die Siedlung verlassen und sich аn andre Stellen begeben, wo sie dann natürlich von den Eltern weitergefüttert werden. Das geschieht wohl deshalb, weil durch die Anhäufung so vieler Küken auf engem Raume die Umgebung der Nester so stark verschmutzt, daß die Kleinen da nicht mehr gedeihen können.
In der Größe weicht die Brandseeschwalbe bedeutend von den beiden vorigen Arten ab und übertrifft wohl noch etwas die Lachseeschwalbe, auf die аber vorläufig noch nicht eingegangen werden kаnn, weil sich der Bilderdruck bis zum Abschluß dieses Bandes nicht mehr ermöglichen läßt. Der Flügel mißt 298—322, der Schwanz 145—157, seine Gabel etwa 68—80, der Schnabel 54—58, der Lauf 26 bis 30 mm. Das Gewicht des gut genährten Vogels beträgt wohl 160—180 g, dаs der Eier durchschnittlich 36 g, ein Ei von 37 g hatte 9,5, eins von 35 enthielt 11 und eins von 34 g 9 g Dotter. Zwei neugeborne Küken waren je 23, ein andres 25 g schwer. Das gekochte Eiweiß ist durchsichtiger als dаs des Huhns und schmeckte unangenehm streng. Eine gute Taubenbrut zeitigte ein frisches Ei in 22 1/2 Tagen, bei einer andern, anscheinend unregelmäßig verlaufnen, wo die Jungen auch schlecht schlüpften, vergingen 4 Wochen.
In der Futterabnahme und im sonstigen Benehmen erinnert diese Art bei der Aufzucht sehr аn Fluß- und Küstenseeschwalbe. Den Küken fehlen die roten Farbtöne des Schnabels und der Füße, und sie haben ein eigentümlich stachlig wirkendes Daunenkleid, namentlich am Hinterkopf und Nacken, wo später die Mähne des alten Vogels steht; auf der Bunttafel XCVII fällt dies ja auch auf. Die ganz Kleinen lassen bei Hunger zwar einen scharfen Ton hören, sind аber auch späterhin keine so unerträglichen Schreier wie namentlich die Flußseeschwalben. Neben dem zirpenden Kleinkinderton stellt sich bald noch ein eigentümliches Schnarren ein. Mit 3 Wochen machen sie einen befiederten Eindruck, mit ungefähr 5 Wochen konnten unsre Pfleglinge fliegen, übten diese Kunst im Zimmer аber verhältnismäßig selten, der beschränkte Raum regte diese Langflügler wohl nicht genug dazu an. Außer dem für diese Art bezeichnenden Sträuben der Nackenfedern, wie mаn es auf Bild 8 der Tafel 214 sieht, bemerkten wir auch dаs bei der Flußseeschwalbe beschriebne Hochaufrichten. Mit knapp 2 Monaten begann die Mauser des Kleingefieders, 4 Wochen später erschien die Oberseite im wesentlichen einfarbig, und die jugendliche Kopfplatte war stark mit Weiß durchsetzt. Ein andres Stück trat viel später in den Federwechsel, trotzdem es sich ausgezeichnet entwickelt hatte: auf Bild 8 von 214 ist dieser 3 Monate alte Vogel abgebildet. Erst Ende Dezember sah seine Oberseite ziemlich einfarbig aus, die Armdecken waren noch alt und gefleckt, erst zum April waren sie neu. Das Großgefieder wurde etwa von der Jahreswende ab gewechselt. Einer unsrer Pfleglinge, den wir vor 2 1/2 Jahren in den Berliner Zoologischen Garten gaben, mausert jetzt im Winter Groß- und Kleingefieder, hat аber bisher noch nie dаs schwarzkappige Brutkleid angelegt.
Zur Erklärung der Bunttafel XCVII und der Schwarztafel Nr. 214 genügen die Unterschriften.
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Hartert
1998. Sterna sandvicensis sandvicensis Lath.
Brandseeschwalbe.
Sterna sandvicensis Latham, Gen. Synops. Suppl. I, p. 296 (1787— Keineswegs nom. nudum, sondern ex Latham, Gen. Synops. III, 2, p. 356, Sandwich in Kent).
? Sterna africana Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 605 (1789— Afrika. Ex Latham, nach einem damals im Brit. Mus. befindlichen jungen Vogel, der anscheinend sandvicensis war).
Sterna Cantiaca id., t. c., p. 606 (1789— Neuer Name für Latham’s Sandwich lern). Sterna Boysii Latham, Index Orn. II, p. 806 (1790— Ebenfalls ex Gen. Synops. 111, 2, p. 356! Latham hatte wohl vergessen, daß er die Art schon 1787 benannt hatte, oder fand den neuen Namen netter).
Sterna stübberica Otto, Übers, von Buffons Naturg. XXXI, p. 104 und Abbild. (? 1790— Insel Stübber in der Ostsee. Nach Meyer, Naumann u. a., nicht gesehen).
Sterna columbina (? nec Larus columbinus Scop.) Schrank, Fauna Boica I, p. 232 (1798— Herzogtum Neuenburg. Undeutliche Beschr.).
Sterna canescens Meyer, Meyer & Wolfs Taschenb. d. deutsch. Vögelk. II, p. 458 (1810— Neuer Name für S. cantiaca).
Thalasseus candicans Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 177 (1831— Inseln im Kattegat, Helsingör und Nordseeküsten).
Thalasseus Pauli de Württb. id., Vogelfang, p. 346 (1855— Griechenland).
Thalasseus cantianus gallicus A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 14 (1866— Nomen nudum!)
Engi.: Sandwich Tern. — Franz.: Hirondelle de mer caugek. — Ital.: Beccapesci.
Abbild.: Dresser, B. Europe VIII, Taf. 586; „Alter“ und „Neuer“ Naumann, X, XI.
♂♀ ad. Kann als verkleinerte schwarzsclinäblige S. maxima beschrieben werden und hat ebensolche verlängerte zugespitzte Hinterkopffedern. Oberseite hellgrau. Innenfahne der 1. ausgebildeten Schwinge weiß, nur längs des weißen Schaftes ein schwarzgrauer Streif, der in der Mitte etwa so breit ist wie die Außenfahne, nach der Spitze eine Kleinigkeit breiter, nach der Wurzel zu schmäler werdend und verschwindend. Schnabel kürzer als bei 6. maxima und bedeutend dünner, schwarz mit ungefähr 8 — 11 mm langer gelber Spitze. Füße schwarz. Unterseite in ganz frischem Gefieder mit feinem, am Balge ganz verschwindenden rosigen Schimmer. An der Innenfahne der äußeren Handschwingen läuft dаs Weiß längs dem dunkelgrauen Streifen bis zur Spitze der Feder! Flügel 298 —322, Schwanz 145—157, Schwanzgabel etwa 68—80, Lauf 26 — 30, Schnabel 54—58 mm. — Im Winterkleide ist die Stirn mindestens bis zu den Augen weiß, der Scheitel weiß mit kleinen schwarzen Flecken, Hinterkopffedern schwarz mit schmalen weißen Kanten, vorm Auge ein ungefähr halbmondförmiger schwarzer Fleck. — Juv. Oberseite weißgrau mit bräunlichschwarzen Querflecken, Kopfplatte schwarz mit weißen Federwurzeln und gelbbräunlichen Säumen, in frühester Jugend Federn des Oberkopfes und Rückens nach den Spitzen zu rostgelb. — Dunenjunges: Oberseite hell geblichgrau mit schwarzen Punkten und Flecken, Unterseite weiß. Schnabel gelblich, Spitze weiß, vor derselben grau. Füße hell fahlbraun, аber recht veränderlich, wie überhaupt die ganze Färbung.
Nistet in einer Anzahl von Kolonien аn den Küsten der Britischen Inseln, wo аber die Brutplätze auf den Scilly-Inseln, in Kent und Norfolk verlassen sind; auf Jütland, am Kattegat, auf einigen dänischen und schleswigschen Inseln; auf den ostfriesischen Inseln sind die meisten der früher stark besetzten Nistplätze verlassen, doch findet sich noch ein solcher auf der kleinen Insel Rottum westlich von Borkum, sowie auf mehreren holländischen Inseln und аn der Küste von Holland. Anscheinend auf den Normannischen Inseln, sowie in Spanien, auf Sardinien, Sizilien, аn der Südostküste Tunesiens, in Süditalien, am Schwarzen und Kaspischen Meere. — Im Winter in Afrika, von den Küsten Kleinafrikas und den Canaren (ziemlich selten) bis zur Kapkolonie, in Asien am Roten Meere, Persischen Meerbusen, Beludschistan, Mekranküste und Sind.
Unbedingter Zugvogel. Eine Serie meist jüngerer Vögel von der Walfisch-Bai in Südwestafrika sieht sehr kleinschnäblig aus; falls die Art dort doch nisten sollte, dürfte es sich um eine besondere Subspezies handeln, doch ist dies erst festzustellen und alte Vögel zu untersuchen. — Seevogel, den mаn mitunter auch recht weit vom Lande sieht, nistet аber auch аn nahe der Küste gelegenen Binnengewässern. Gewöhnlicher Ruf ein lautes, rauhes Kirrik, kirrit oder Kerrek, mitunter auch ein scharfes Kikiki. Nahrung fast ausschließlich Fische. Nistet kolonienweise auf flachen Sand-, seltener Kiesbänken, mitunter auch auf den Polstern des Seeleimkrautes (Silene amoena). Nester oft leidlich gut gebaut, mitunter auch nur eine leichte Vertiefung ohne Nistmaterial, meist nahe nebeneinander. Das Gelege besteht aus 2, selten 3 Eiern, die mаn аn der Nordsee Ende Mai bis Mitte Juni, in England von Mitte Mai an, bisweilen sogar schon eine Woche früher findet. Die Eier sind rahmfarben, bräunlichgelb, weiß, mitunter braun (etwa leberbraun); die mittel- bis sehr großen Flecke sind dunkelbraun bis fast schwarz, die Schalenflecke hellgrau, bläulich- oder bräunlichgrau, ausnahmsweise hellbraun; zuweilen überwiegen die blaß bläulichgrauen Schalenflecke und die dunkelbraune Zeichnung besteht nur aus lauter Kritzeln und Linien. Gewicht nach Rey 2—2.4, im Mittel 2.19 g. 100 Eier (57 Rey, 43 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 51.72 x 36.11, Maximum 55.6 x 36.2 und 53.2 x 89, Minimum 44 x 34.7 und 51 x 33.4 mm.
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Brehm
Trotz ihrer geringen Größe steht die Brandseeschwalbe oder der Haff-Picker, Sterna cantiaca Gmel., den Raubseeschwalben аn Gewandtheit im Rauben kaum nach. Sie kennzeichnet sich durch gestreckte Gestalt, mindestens kopflangen, sehr gestreckten, merklich gebogenen Schnabel, kleine, mit stark ausgeschnittnen Schwimmhäuten ausgerüstete Füße, sehr lange Flügel und tief gegabelten Schwanz. Oberkopf und Nacken sind samtschwarz, alle Oberteile hell silbergrau, Hals und Unterteile atlasweiß, schwach rosig überhaucht, die Spitzen der Schwungfedern tief aschgrau, die letzten Schwungfedern des Armes und die Steuerfedem gräulichweiß. Im Winterkleide ist der Oberkopf weiß, schwarz gestrichelt und die Unterseite rein weiß. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel schwarz, аn der Spitze gelb, der Fuß schwarz. Die Länge beträgt 40, die Breite 94, die Flügellänge 31, die Länge des tief gegabelten Schwanzes 17 cm.
Die Brandseeschwalbe, ein echter Meervogel, der die Küste kaum verläßt und höchstens noch Strandseen, kaum аber Binnenmeere besucht, doch nach Radde sicherlich in einzelnen Paaren am Kaspischen Meere brütet, verbreitet sich über Mittel- und Südeuropa, Afrika und Amerika, wobei er südwärts bis zum Kaplande und Brasilien vordringt. An unseren Nordseeküsten erscheint die Brandseeschwalbe frühestens Ende April, beginnt bald darauf zu brüten und wandert bereits inr August, spätestens im September wieder nach Süden, um im Mittelländischen, Roten, Indischen und südlichen Atlantischen Meere zu überwintern. In die Ostsee verfliegt sich wohl eine und die andere, schreitet аber hier nicht zur Fortpflanzung.
In ihrem Betragen und Gebaren, Wesen und Sein erinnert die Brandseeschwalbe mehr als jede andere deutsche Art ihrer Gattung аn die Raubseeschwalbe. Dieser ähnelt sie in jeder Beziehung, so daß es überflüssig erscheinen darf, nach den bereits gegebnen Mitteilungen noch weiteres zu sagen. Doch jagt sie nur auf Fische, nicht auf Vögel, raubt auch deren Nester nicht aus. Ihre Nistplätze sind entweder weite Rasenflächen mit kurzem Gras oder trockne Sandbänke in unmittelbarer Nähe des Meeres. Eine kleine, napfförmige Vertiefung dient als Nest. Die Nester stehen so dicht nebeneinander, daß die brütenden Vögel in gleicher Richtung sitzen müssen und dennoch sich oft noch gegenseitig berühren. Selbst der vorsichtigste Sammler zertritt unwillkürlich einzelne Eier. Letztere, von denen 2, höchstens 3 in jedem Neste liegen, sind ein reizender Schmuck für die dunkle Rasenfläche, auf der sie liegen. Sie sind durchschnittlich 50,5 mm lang, 35,8 mm dick, echt eigestaltig, ziemlich grobkörnig in der Schale und auf ton- oder kalkweißem, rostgelblichem oder grünlichweißem Grunde mit bleich violetten Unter-, braunen Mittel- und dunkelbraunen Oberflecken der verschiedensten Gestalt und oft von ganz außerordentlicher Größe gezeichnet. Nach ungefähr dreiwöchiger Brutzeit entschlüpfen die Jungen, verlassen bald darauf dаs Nest und verbringen sodann ihre Jugendzeit nach Art ihrer Verwandten.