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Dendrocopos leucotos

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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[Weißrückenspecht]

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

1340. Dryobates leucotos leucotos (Bechst.).

Picus leucotos (so im Text und Index, nur unter der Tafel steht leucotus) Bechstein, Orn. Taschenb. 1, p. 66 und Abb. des $ (1803— Schlesien, im Winter).

Picus Cirris Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. 1, p. 410 (1831— Partim! „Per omnem Rossiam et Sibiriam“).

Picus polonicus Brehm, Vogelfang, p. 69 (1855— Galizien und Kärnthen).

Picus cirris roseiventris A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 10 (1866—- Nomen nudum!).

Dendrocopus leuconotus carpathicus Buturlin, Mitteil. Kauk. Mus. III, 1, p. 62 (1907 —
Nach einem (!) Exemplar aus der Bukowina. Angebliche Unterschiede individueller Natur). (Der Name leucotos wurde von den meisten Autoren in leuconotus verbessert.)

♂ ad. Stirn schmutzigweiß, meist mit gelbbraunem Anflug, der ganze übrige Oberkopf rot, die Federwurzeln dunkelgrau; über dem Auge ein schwarzer Streif, Kopfseiten weiß, Ohrdecken mit bräunlichem Anflug; von der Schnabelwurzel zieht sich ein schwarzer Streif unter den Ohrdecken entlang, entsendet einen kurzen, schmalen Streifen nach dem Nacken zu und vereinigt sich mit einem breiten schwarzen Streifen, der аn den Halsseiteu entlang zu den Seiten der Vorderbrust zieht und sich dort in Striche auflöst; übrige Teile des Halses weiß, nur vom Hinterkopfe zu dem ebenfalls schwarzen Rücken ein schwarzer Streif; Bürzel weiß, der obere Teil mit schwarzen Querbändern, der untere nur mit Andeutungen solcher oder ganz ohne dieselben, Oberschwanzdecken schwarz. Schwingen schwarz mit getrennten weißen Querflecken auf beiden Fahnen, die sich auf den inneren Armschwingen zu durchlaufenden Querbinden vereinigen; Oberflügeldecken schwarz, die größte Serie mit ausgedehnten weißen Spitzen. Unterseite weiß, Seiten mit schwarzen Schaftstreifen, Unterkörper und Unterschwauzdecken rot (meist ziemlich hell). Mittlere Steuerfedern schwarz, äußere weiß mit schwarzen Querbinden, die auch am letzten Paare fast stets noch drei deutliche Binden bilden, Wurzel schwarz. Unterflügeldecken und Achselfedern weiß mit schwarzen Flecken. Iris rotbraun, Schnabel bleigrau, Füße dunkelbleigrau. Flügel etwa 140—148, Schwanz etwa 89—98, Culmen 36—39 mm. — ♀ wie dаs ♂, аber Oberkopf schwarz mit Ausnahme der weißen oder bräunlichweißen Stirn. — Juv. (erstes Gefieder): Wie die alten Vögel, аber beim ♂ dаs Rot des Oberkopfes nur аn den äußersten Federspitzen vorhanden und mehr trübrot, dаs Rosa am Unterkörper etwas beschränkter, die Grundfarbe der Seiten mit gräulichem Anflug und die Streifung breiter.
Nord-Europa: Skandinavien (mehr in Norwegen und Nord-Schweden, im allgemeinen nicht häufig), Rußland zwischen dem 65.° und 49.° nördl. Br., östlich bis ins Wolgatal, Ungarn (Nadelwälder der Karpathen) bis Rumänien, Polen, östliche Alpenländer und Ostdeutschland: wahrscheinlich regelmäßig in Schlesien und Ostpreußen brütend, doch fehlt es noch аn bestimmten Beobachtungen, vereinzeltes Brüten ist angeblich noch in Baden beobachtet, wählend es bei Eberswalde mehrfach festgestellt wurde und in den östlichen Alpenländern und Bayern (siehe Jäckel, Vögel Bayerns, p. 84) regelmäßig stattfindet. 1869 wurde ein Stück bei Seehausen in Sachsen erlegt. Es ist eigentümlich, daß die Art in der Schweiz nicht bekannt ist, zumal sie noch in Tirol und mehrfach in Italien vorgekommen ist (vgl. Arrigoni, Manuale Orn. Ital., p. 112).

Soll mehr Laubwälder bewohnen, аber auch reine Nadelwaldungen nicht verschmähen. Nahrung und Fortpflanzung wie bei den anderen Buntspechten. 18 Eier aus Europa messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 28.07 x 20.41, Maximum 30.2 x 21.4, Minimum 26.3 x 21 und 27 x 19 mm.

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Brehm

Der seltenste unter unseren Spechten ist der Weißspecht oder Elsterspecht, Weißrückiger und Größter Buntspecht, Dendrocopus leuconotus Bechst. Er übertrifft den Großen Buntspecht erheblich аn Größe; denn seine Länge beträgt zwischen 26 und 28, seine Breite zwischen 47 und 50, die Flügellänge 16, die Schwanzlänge 10 cm. Stirn und Vorderkopf sind weiß, rostfahl verwaschen, Scheitel und Hinterkopf scharlachrot, wobei jedoch die grauen Federwurzeln durchscheinen, Nacken, Hinterhals und Oberseite sowie ein am Mundwinkel beginnender Streifen, der seitlich am Halse herab verläuft und hier mit einem von der Ohrgegend bis zur Kropfseite herabreichenden breiteren in Verbindung tritt, schwarz, hintere Mantel- und Schultergegend weiß, mit einzelnen schmalen schwarzen Querlinien, Zügel, Schläfen, Kopf- und Halsseiten sowie die Unterteile weiß, Schenkelseiten, Bauch und Aftergegend schwarz, untere Schwanzdecken lebhaft scharlachrot, die Seiten der Brust und des Bauches durch schmale Schaftstriche, die Handschwingen außen mit vier, die Armschwingen mit zwei breiteren Querbändern, die Arm- und größten oberen Flügeldecken аber mit breiten, weißen Endrändern gezeichnet, so daß sich bei zusammengelegtem Flügel sechs breite weiße Querbinden darstellen, die beiden äußersten Schwanzfedern аn der Wurzel schwarz, im übrigen weiß und durch zwei dunkle Querbänder geschmückt, die auf der zweiten nur auf der Jnnenfahne sich bemerklich machen und auf der dritten, am Ende weißen Steuerfeder auf eine sich verringern. Die Iris ist gelbrot bis braun, der Schnabel dunkel hornblau, аn der Spitze schwarz, der Fuß bleigrau. Das Weibchen unterscheidet sich durch einen schwarzen Scheitel von dem Männchen, der junge Vogel, laut Altum, durch noch nicht ausgeprägte Färbung. Die schwarzen Scheitelfedern zeigen hier bis etwas über die Scheitelmitte trübrote Spitzen, so daß der Vorderteil des Oberkopfes schwarz mit trübroten Punkten besetzt erscheint. Die Unterseite ist trübweiß, und nur die allerletzten Bauch- und die unteren Schwanzdeckfedern sind scharlachrötlich überflogen, die Unterteile übrigens wie bei den Men mit kurzen, nach dem Schwänze zu allmählich verschwindenden Schaftflecken gezeichnet.

Auf der Balkanhalbinsel von Dalmatien аn südwärts, auf den Jonischen Inseln und in Kleinasien wird der Vogel durch einen ihm sehr nahestehenden, jetzt аber als Art unterschiedenen Verwandten, Dendrocopus lilfordi Sharpe et Dresser, vertreten, den wir Hellenenspecht nennen wollen. Er unterscheidet sich vom Weißspecht durch dunkel scharlachrote Färbung des Scheitels und Hinterkopfes und die breit schwarz und weiß in die Quere gebänderte Schulter und Mantelteile sowie die etwas lebhafter gefärbte Unterseite.

Das nördliche und nordöstliche Europa, auch ganz Südsibirien bis ins Amurland, die Mandschurei, Mongolei und Korea bilden dаs Verbreitungsgebiet des Weißspechtes. In unserm Vaterlande tritt er immer nur sehr vereinzelt auf, und es erscheint mir richtiger, ihn als Strichvogel, der dann und wann auch einmal zum Brutvogel wird, denn als Standvogel anzusehen. In Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark und England ist er, soviel mir bekannt ist, bis jetzt noch nicht beobachtet worden, in Südskandinavien dagegen kommt er nicht selten vor. Nach Collett brütet er in den Niederungen der Provinzen Christiania und Hamar аn einzelnen Stellen zahlreich, wird jedoch nach Norden hin noch häufiger und ist namentlich in Orkedal und Surendal der gemeinste aller dort vorkommenden Spechte. In Schweden bemerkt mаn ihn, laut Nilsson, vereinzelt hier und da, im Norden ebenfalls öfter als im Süden; doch scheint sich sein Verbreitringsgebiet nicht bis in die nördlichsten Telle Skandinaviens zu erstrecken. Finnland verbindet sein Verbreitungsgebiet mit Rußland, einschließlich der Ostseeprovinzen und Polen, welche Länder mаn für Europa vielleicht als sein eigentliches Vaterland betrachten darf. In Sibirien bewohnt er, nach Radde, ohne Zweifel alle bewaldeten Gebiete des südlichen Teiles. Ich glaube nun, daß alle Weißspechte, die mаn in Deutschland, und zwar in Ost- und Westpreußen, Schlesien, der Mark und Mecklenburg, und ebenso in Bayern, Böhmen, Oberösterreich und den Pyrenäen gefunden hat, nur als solche Wanderer angesehen werden dürfen, die einmal die Grenzen ihres eigentlichen Verbreitungsgebietes überschritten, unter Umständen sogar sich seßhaft gemacht und gebrütet haben.
Über dаs Freileben des Weißspechtes berichtet ausführlicher wohl nur Taczanowski. „Der Weißspecht findet sich in Polen überall, аber nicht zahlreich, im Gegenteil stets seltener als beispielsweise der Mittelspecht. Er bewohnt die Laubwälder, besonders wenn sie aus Eichen, Birken und Ulmen bestehen; in Nadelwaldungen hingegen trifft mаn ihn nicht. Von den übrigen Spechten unterscheidet er sich durch sein ruhiges Wesen. Er ist weniger laut, bedächtiger in seinen Bewegungen, und auch sein Ruf wird seltener als von anderen vernommen. Manchmal verweilt er stundenlang auf einem Baume, beklettert ihn dann und wann auch ziemlich rasch von allen Seiten und sucht still nach seiner Nahrung. Ungeachtet seines stärkeren Schnabels verursacht er viel weniger Lärm durch Klopfen als andere Buntspechte, arbeitet im Gegenteil ruhig und erwählt dazu soviel wie möglich sehr vermorschte Bäume, schält аber auch von ihnen nur die Rinde ab. Während des Winters begegnet mаn ihm nicht selten in Gärten und Ortschaften. Hier verweilt er unter Umständen den ganzen Tag über und begnügt sich, unbekümmert um den Menschen, wenige Bäume oder Hecken abzusuchen. Während der Bmtzeit trommelt er nach Art anderer Buntspechte; dаs hierdurch verursachte Geräusch ist jedoch ebenfalls nicht laut und wird nicht auf fernhin gehört. Seine Nahrung besteht ausschließlich in Insekten. Um einige Tage früher als der Schwarzspecht, meist schon Anfang April, schreitet er zum Nisten, und Mitte Mai verlassen die Jungen dаs Nest. Letzteres legt er in einem sehr vermorschten Baume an, mit Vorliebe in Birken, Eschen, Ulmen, selten in Eichen, weitaus in den meisten Fällen im Stamm, ungefähr 4 bis 6 m über dem Boden. Seine Vorliebe für verrottete Bäume ist so groß, daß er auch solche erwählt, welche nur noch durch die Rinde zusammengehalten werden. Mir selbst begegnete es, daß einer von ihnen, der ein Nest mit Jungen enthielt und schon einige Jahre zum Nisten benutzt worden war, buchstäblich in Stücke zerbrach, als ich daran schüttelte. Die Bruthöhle ist geräumiger als die des Großen Buntspechtes, zuweilen so weit und tief wie die des Grünspechtes. Die gewöhnliche Anzahl des Geleges bilden 3 Eier; ich kenne nur ein einziges Beispiel, daß auch 4 in einem Neste gefunden wurden. Die Eier sind denen des Buntspechtes zum Verwechseln ähnlich, ändern аber hinsichtlich der Form vielfach ab, indem einzelne eine sehr verlängerte, andere sehr rundliche Gestalt haben.“ Nach Reh sind 4—5 Eier auch bei diesem Specht die gewöhnliche Anzahl im Gelege.
Unter den übrigen Beobachtungen, die über den Weißspecht veröffentlicht worden sind, mögen noch folgende erwähnt sein. Msson, der mit Taczanowski darin übereinstimmt, daß unser Vogel Wälder mit sehr vermorschten Bäumen anderen bevorzuge, stellt dаs Vorkommen des Weißspechtes auch in Nadelwaldungen fest, bemerkt, daß er nicht besonders scheu sei und аn den Bäumen regelmäßig die oberen Teile absuche, im Sommer wie üblich paarweise gefunden, im Winter dagegen auch wohl in Familien beobachtet werde. Collett berichtet, daß mаn ihn in jedem Herbste in Dohnenstiegen fange, womit bewiesen wird, daß er auch Pflanzennahrung nicht gänzlich verschmäht. Altum endlich gibt höchst beachtenswerte Mitteilungen über sein Brüten in Deutschland. Man kannte bis dahin zwei Fälle, daß sich der Weißspecht in unserm Vaterlande, und zwar in der Gegend von München und in Schlesien, fortgepflanzt habe, erfuhr аber trotzdem mit einiger Überraschung, daß derartige Fälle, nach Altums Meinung wenigstens, nicht ganz so selten sein dürften. Wie der letztgenannte Forscher glaubt, brütet er in der Mark vielleicht schon seit einer langen Reihe von Jahren. Ein Weibchen aus der Sammlung der Forstschule von Eberswalde wurde während der Brutzeit im Lieper Forste erlegt, ein Männchen 1847 im Juni geschossen. Einen sicheren Beweis des Brütens erhielt Altum jedoch erst am 29. Mai 1872, und zwar dadurch, daß ihm Forstkandidat Hesse ein altes Männchen in abgetragenem Kleide brachte, dаs er tags zuvor im Lieper Reviere erlegt hatte, während es mit dem Füttern seines Jungen beschäftigt war. Auf dringendes Ersuchen um Erlegung des Jungen wurde dieses am 1. Juni erlegt. Das deutsche Bürgerrecht des Weißspechtes kаnn also nach diesem nicht mehr bestritten werden.