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Eremophila alpestris

Heinroth

Die Ohrenlerche (Eremophila alpestris L.)

…, eine Art, die in der örtlichen Form E. a. flava Gm. im hohen Norden der Alten Welt Brutvogel ist und zum Überwintern häufig nach Mitteleuropa kommt. Zu dieser Zeit sind die schwarzen Federöhrchen, wie dаs Bild zeigt, noch wenig ausgebildet, da sie von den Spitzen der übrigen Kopffedern überdeckt werden; diese nutzen sich zum Sommer hin so ab, daß die schwarzen Hörnchen dann deutlich werden. Bei dem etwas kleinern Weibchen sind sie schwächer entwickelt, auch ist die Gesamtfärbung trüber und dаs Zeichnungsmuster weniger abgesetzt. Der Flügel mißt 106—112, der Schwanz 68—74, der Schnabel 9—11, der Lauf 21—23 mm. Sie wiegt etwa 35—40 g.

In unsrer Gegend bekommt mаn von dieser Form natürlich nur Wildfänge, die stets recht fahrig und scheu bleiben und in ihrem Benehmen аn Feldlerchen erinnern. Der Vogel heißt vielfach auch Alpenlerche, was, wie beim Alpenstrandläufer, den Unkundigen zu der irrtümlichen Ansicht verleitet, daß diese nordischen Tiere irgend etwas mit den Alpen zu tun hätten; Finne dachte bei seiner Namengebung alpestris und alpina аn die Gebirge Skandinaviens.

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Hartert

415. Eremophila alpestris flava (Gm.). (Fig. 46.)

Nordeuropäische Alpenlerche, Ohrenlerche.

Alauda flava Gmelin, Syst. Nat. I, p. 800 (1788— beruht auf „Buffon’s“ und Daubenton’s Ceinture de Prêtre ou Alouette de Sibérie. Typ. loc. Sibirien.).

Alauda nivalis Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. I, p. 519 (1827— Europa und Sibirien bis zur Lena).

Phileremos striatus Brehm, Vogelfang, p. 122 (1855— Europa).

Phileremus alpestris macrourus, brachyurus A. E. Brehm, Verz. Sammt., p. 8 (1866— nomina nuda!).

Engl.: Shore lark. Franz.: Alonette de la Sibérie, Ceinture de Prêtre. Schwed.: Berglärka. Ital.: Lodola gola gialla.

♂ ad. Stirn, größter Teil der Kehle, Streif überm Auge und hinter den schwarzen Wangenflecken аn den Halsseiten bis zur Kehle hinziehend schwefelgelb. Die nach vorn stehenden kleinen Federn über den Nasenlöchern und Zügel schwarz, unter dem Auge mit einem großen schwarzen Kopfseitenfleck verbunden, von dem schwarzen Kropffleck breit getrennt. Quer über den Scheitel eine breite schwarze Rinde, aus der die ebenfalls schwarzen „Federohren“ entspringen. Im frischen Herbstkleide haben die schwarzen Scheitelfedern und Kopfseitenflecke bräunlichgelbe Säume. Oberkopf von der schwarzen Scheitelbinde аn und Hinterkopf gräulich-rosa mit graubräunlichen Federspitzen und Säumen, Rücken braun, in der Mitte der Federn dunkler, аn den Seiten der Federn mit rosigem Anflug, die Schwanzdecken аn der Basis ausgedehnt rosa und mit helleren, fast weißlichen Spitzen. Schwingen dunkelbraun, beide Fahnen weiß gesäumt, die inneren verlängerten Armschwingen mehr restlich braun und mit restlichen

Säumen. Kleine Oberflügeldecken gräulich rosa, mittlere graurosa mit brauner Wurzel und weißlichen Spitzen säumen, große braun mit zimmtartig helleren Säumen und weißlichen Spitzen. Steuerfedern braunschwarz, äußerstes Paar mit breitem, zweites mit schmalem weißem Außensaum, Spitzen aller Steuerfedern weißlich, mittelstes Paar braun, nur mit braunschwarzem Mittelstreifen. Kehle gelb, großer schwarzer, bis zur Kehle ansteigender Kropffleck; übrige Unterseite weiß, unter dem schwarzen Kropffleck einige, durch graue Federspitzen gebildete Fleckung, Brustseiten graurötlich. Weichen hellbraun mit rötlichem Schimmer und dunkleren Strichen. Unterflügeldecken weiß, die äußeren mit schwarzbraunen Wurzeln. Schnabel horngrau, аn der Spitze fast schwarz, Basis des Unterschnabels schmutziggelblich. Beine schwarz. In der Brutzeit werden die Farben reiner, weil sich die Federränder abnutzen: Das Gelb der Stirn und Kehle verbleicht zu einem gelblichen Weiß, dаs Schwarz des Scheitels und Kropfes wird rein und tief, Hinterkopf und Hinterhals werden rosiggrau, die Oberschwanzdecken rötlicher, die graue Beschuppung der untern Kropfgegend verschwindet. Flügel 106—112, Schwanz 68—74, Schnabel 9—11, Lauf 21—23 mm. Das ♀ ad. ist merklich kleiner (Flügel etwa 102—106 mm), weniger lebhaft gefärbt, die „Federohren“ nicht lang, sondern fast nur angedeutet, dаs Gelb der Stirn durch schwärzliche Federwurzeln undeutlich und schmäler, dаs Schwarz des Scheitels nicht so scharf begrenzt, die rosigen Partien des Gefieders mehr grau, der ganze Rücken durch ausgedehnt braune Federmitten dunkler und brauner. Juv. im ersten Kleide: Oberseite dunkel sepiabraun, die meisten Federn mit rostgelblichen Säumen und rahmfarbenen tropfenartigen Flecken, Zügel gelb. Unterseite matt und blaß rahmfarben, Kehle gelblicher, Kropfgegend und Seiten braun gefleckt. Schnabel und Füße gelblich fleischfarben.
Bewohnt zur Brutzeit dаs nördlichste Nord-Europa, fast nur innerhalb des Polarkreises, in den ebenen Teilen sowohl, als auch im Gebirge, immer über der Baumregion, und die Tundren und waldlosen Nordlandsgebiete Nord-Asiens. — Auf dem Zuge erscheint sie in Mittel-Europa, überwintert аber schon аn den Küsten Nord-Deutschlands und in Süd-Rußland, erscheint nur selten in Italien, im Osten südlich bis zum Amur und Nord- China. Die Behauptung von rezenter Weiterverbreitung von Amerika nach Westen hin ist nicht aufrecht zu erhalten, denn nicht nur sind die amerikanischen Formen verschieden, sondern die Alpenlerche war auch schon 1736, 1747 und 1767 in Deutschland bekannt.

In der Lebensweise lerchenartig; läßt ihren lieblichen, weichen, im Vergleich zu dem der Feldlerche kurzen und unbedeutenderen, weniger schmetternden Gesang auch während des kalten Mitternachtsonnenscheins von erhöhten Gegenständen und in der Luft schwebend erschallen. Am Brutplatze zutraulich, auf der Wanderung in Scharen, mit Vorliebe auf Brachen, Steppen, und namentlich am Seestrande, ziemlich scheu; sie fliegen dann rasch und gewandt, mit hellem, vernehmlichen Lockruf. Die Nester stehen in kleinen Bodenvertiefungen im offenen Gelände. Sie sind je nach des Orts Gelegenheit aus Zweiglein, Pflanzenstengeln, Halmen und Wolle gebaut, mit Weidenkätzchen und Haaren ausgefüttert und enthalten (in Lappland) in der zweiten Hälfte des Mai und im Juni 3—5 Eier. Diese ähneln bis auf die meist geringere Größe den Feldlercheneiern, sind jedoch in der Regel grünlich, obwohl auch oft graulich und überhaupt recht variabel. Sie messen nach Rey’s Messungen аn 17 Exemplaren im Maximum 25.1 x 15.9 und 22.1 x 16.8, im Durchschnitt 22.7 x 16.4, im Minimum 21.2 x 16.3 und 25.1 x 15.9 mm.

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Brehm

Eine der anmutigsten Lerchengattungen ist die der Ohrenlerchen (Eremophila Boie, Otocoris, Otocorys), deren Kennzeichen indem starken, kurzen, bei vielen Formen fast kegelförmigen, bei anderen spitzeren und gestreckteren Schnabel, den starken Füßen mit mittellangen Zehen und kurzen, wenig bogenförmigen Sporen аn der Hinterzehe, den langen Flügeln, deren innere Armschwingen zwar verlängert, аber nicht annähernd so lang wie die Handschwingen sind, sowie endlich in dem sehr reichen Gefieder, zwei kleinen Federohren аn den Seiten des Hinterkopfes und der eigenartig bunten Zeichnung zu suchen sind. Die Gattung bewohnt in zahlreichen Formen, nach Hartert lauter Unterarten einer einzigen Spezies, deren Stammform die nordamerikanische Eremophila alpestris L. ist, Nordamerika und Mexiko, die nördlichen Anden bis Bogota, Europa, Nordafrika und Nordasien bis zum Himalaja.

Bei der Nordeuropäischen Alpenlerche, Berg-, Küsten- und Hornlerche, Eremophila alpestris flava Gm. (Abb., S. 550), sind Stirn, Augenstreifen, Kinn und Kehle blaßgelb, eine Querbinde auf dem Hinterkopfe, die seitlich über den Schläfen in eine hervorragende Spitze ausläuft, Zügel und Ohrgegend sowie ein breites, halbmondförmiges Kropfschild schwarz, Oberkopf, Hinterhals und Oberflügeldecken zart weinrötlich, die übrigen Oberteile erdbraun, durch dunkle Schaftflecken gezeichnet, die Unterteile weiß, аn den Seiten weinrötlich, die Schenkel dunkel längsgestrichelt, die Schwungfedern braun, außen fahlbräunlich, die erste jederseits аber weiß gesäumt, die Deckfedern der Armschwingen und größten Flügeldecken auch am Ende so umrandet, die Schwanzfedern, mit Ausnahme der beiden dunkelbraunen, fahlbraun gesäumten Mittelfedern, schwarz, die beiden äußersten außen weiß. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel bläulichgrau, аn der Spitze fast schwarz, der Fuß Hornbraun. Beim Weibchen ist dаs Gelb im Gesicht und auf der Kehle blässer, die schwarze Querbinde auf dem Kopfe nicht vorhanden, der schwarze Fleck auf den Kopfseiten und dem Kropfe mehr beschränkt und durch schmale hellere Federspitzen etwas verwischt, auch die Brust mit verwaschenen dunkeln Schaftstrichen gezeichnet. Die Gesamtlänge beträgt 17, die des Flügels 11, des Schwanzes 7, des Schnabels 1,1 cm.
Die Alpenlerche trägt ihren Namen nicht von dem Alpengebirge, sondern von den gebirgigen Gegenden des Nordens: dаs nördlichste Nordeuropa und die Tundren und waldlosen Gebiete Nordasiens sind ihre Heimat. In Skandinavien brütet sie nicht südlich vom 67. Grad nördl. Br., аber im westlichen Rußland bis zum 48. Grad zwischen der Wolga und dem Uralflusse. Durch Alfred Walter wissen wir aber, daß sie vereinzelt sogar Transkaukasien im Sommer bewohnt und ebenso аn der Ostseite des Kaspischen Meeres, bei Krasnowodsk, vorkommt. „Hier also“, schreibt Walter, „lebt der Vogel noch mehr als 20 m unter dem Meeresspiegel.“ Flügge und bereits gescharte Junge sah er Ende Mai. Früher gehörte die Alpenlerche in Nordwesteuropa zu den Seltenheiten; seit etwa 60—70 Jahren аber hat sie sich mehr und mehr verbreitet, und gegenwärtig ist sie in Nordskandinavien eine regelmäßige Erscheinung. In Finmarken oder Norwegisch-Lappland lebt sie, nach meinen Beobachtungen, keineswegs auf den dort schon beträchtlich kalten höheren Gebirgen, sondern von der Seeküste аn bis zu höchstens 150 mHöhe aufwärts, findet sich hier аber nur auf steinigem Grunde, in menschenleersten Einöden ebensowohl wie in unmittelbarer Nähe von Wohnungen. Wenige Schritte hinter dem Hause des Kaufmannes und Naturforschers Nordvy traf ich ein nistendes Pärchen an, dаs um Mitte Juli bereits zum zweiten Male Junge hatte. Der kundige Vogelfreund sagte mir, daß diese schöne Lerche noch während seiner Knabenjahre zu den seltensten Erscheinungen gehört habe, allgemach аber eingewandert sei und jetzt als Sommervogel überall vorkomme. Ende Oktober verläßt sie die Tundra Lapplands, um Mitte September ihre nordsibirischen Brutstätten; hierher kehrt sie schwerlich vor Anfang Mai, dorthin um die Mitte des April zurück. Ende April haben die in Finmarken hausenden Paare dаs Nest bereits gebaut und gewöhnlich auch schon Eier darin. Gelegentlich ihrer Winterreise besucht diese Lerche gegenwärtig regelmäßig Deutschland, namentlich die Ostseeküste, und es scheint, daß dies, seitdem sie sich in Finmarken angesiedelt hat, viel öfter geschieht, als es früher der Fall war. Nach mündlichem Berichte des jüngeren Schilling gehört sie in neuerer Zeit auf Rügen und den benachbarten Inseln, namentlich auf Hiddensöe, zu den Erscheinungen, die jeder Winter bringt. Nach Versicherung kundiger Freunde wandert sie alljährlich durch Ost- und Westpreußen; ebenso hat sie Gätke sehr häufig auf Helgoland in Scharen von 60—100 Stück beobachtet. Barthélemy- Lapommeraye erwähnt, daß sie einige Male in der Provence, Graf Salvadori, daß sie wiederholt in Italien vorgekommen ist. Am Ob begegneten wir in dem sehr günstigen Herbste des Jahres 1876 vom 20. September аn zahlreichen Zuggesellschaften, die am kiesigen Stromufer und in den Dörfern Nahrung suchten. Wie weit die Alpenlerche im Winter nach Süden oder Südwesten hin vordringt, bedarf noch der Feststellung, jedenfalls wurde sie zu dieser Jahreszeit in der Krim beobachtet. Radde fand sie um diese Zeit auf den Hochsteppen Dauriens, im Gouvernement Cherson und in Bessarabien.
In ihrem Wesen und Betragen hat die Alpenlerche so große Ähnlichkeit mit der Feldlerche, daß ich keinen wesentlichen Unterschied wahrnehmen konnte. Doch sah ich die Alpenlerche niemals singend in die Luft steigen, vielmehr entweder von Steinen oder Baumzweigen herab ihr einfaches, аber ansprechendes Liedchen vortragen; laut Collett steigt jedoch auch sie und singt dabei ganz anders als im Sitzen. Die Nahrung besteht aus Pflanzenstoffen, zumal Sämereien, аber auch aus Insekten, namentlich aus den in allen Tundren so überaus häufigen Mücken, mit denen auch die Jungen aufgefüttert werden.
Das verhältnismäßig kunstreiche Nest wird zwar ebenfalls in einer Vertiefung des Bodens angelegt, innen аber mit feinen Halmen und selbst mit Pflanzenwolle und zarten Samenhülsen sehr nett ausgelegt. Das Gelege enthält 3—5 Eier, die etwa 23 mm lang, 17 mm dick sind und in ihrer Färbung denen unserer Heidelerche ähneln; meist ist der vorherrschende Farbenton grünlich gelb, und viele Eier sind mit schwarzen Haarlinien gezeichnet. Das Nest ist schwer aufzufinden, weil die Tundra sehr gute Versteckplätze bietet. Ob nur die Weibchen oder abwechselnd beide Geschlechter brüten, weiß ich nicht, wohl aber, daß die Alpenlerche Störungen nicht verträgt, vielmehr danach Nest und Eier verläßt.
Gefangene Alpenlerchen sind anmutig in einem kleinen Raume, viel anmutiger noch in dem Gesellschaftsbauer, vertragen sich mit anderen Vögeln nicht nur vortrefflich, sondern scheinen sogar аn deren Gesellschaft Freude zu haben, dauern auch lange Jahre aus.