Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
2046. Stercorarius pomarinus (Temm.).
Mittlere Raubmöwe.
? Larus Keeask Latham, Ind. Orn. II, p. 818 (1790— Hudson Bay).
Lestris pomarinus Temminck, Man. d’Orn. p. 514 (1815— Hochnordische Länder, Holland und Frankreich. Der Name wurde später von Sclater, Newton, Saunders, Reichenow und vielen Nachfolgen in pomatorhinus (von anderen in pomerinus und pomarhinus) verbessert).
(Saunders und Mathews zitierten „Catarracta parasita var. camtschatica“, beziehungsweise „Catarractes camtschatica“ [Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. II, p. 312, 1827]. Saunders Zitat ist geradezu falsch, der Gattungsname falsch geschrieben, dаs Wort var. erfunden, nebenbei auch der Band des Werkes nicht angegeben. Aber auch dаs Zitat von Mathews ist unangebracht, denn Pallas hat hier offenbar gar keinen Namen gegeben, da er nur unter Catarractes parasita sagt „Avis camtschatica major, gallinam fere aequans“ usw. und dann in Klammern „An hoc pro specifica differentia sufficiat?“ Pallas’ C. parasita ist аber unser S. longicaudus, während er mit seinem „kamtschatischen Vogel“ allerdings wohl unseren S. pomarinus gemeint hat, ohne ihn jedoch zu benennen).
?? Pomarinus fuscus Fischer de Waldheim, Nationalmus. zu Paris II, p. 185 (1803); s. Proc. U. 8 Nat. Mus. XXXV, p. 635.
Lestris spaeriuros Brehm, Isis 1830, p. 993 (Nomen nudum!).
Lestris sphaeriuros id., Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 718 (1831— Norwegen, Island, selten in Deutschland).
Lestris striatus Eyton, Cat. Brit. B., p. 51 (1836— Neuer Name aus Brisson für L. pomarinus).
Coprotheres pomarinus nutcheri Mathews, „Austral Avian Record“ III, p. 72 (1917 — Nach einem! am 3. XII. 1913 in Neusüdwales erlegten ♀).
Engi.: Pomatorhine Skua. — Schwed.: Bredstjerstad Labb.
Kommt in einer einfarbig dunkel schieferbraunen und einer unserseits und am Halse größtenteils weißen Färbungsvarietät vor. — ♂♀ ad. Oberseite, Zügel und Fleck um die Schnabelwurzel dunkel schieferbraun, um den Hals ein breites, aus etwas verlängerten zugespitzten, weißen, аn den Spitzen strohgelben Federn bestehendes, von einigen weißen Flecken gefolgtes Halsband. Schwingen bräunlichschwarz, Schäfte mit Ausnahme der Spitze weißlich strohgelb, ungefähr die Wurzelhälfte der Innen- und die äußerste Basis der Außenfahnen weiß. Schwanz bräunlichschwarz. Unterseite weiß, hinterer Teil des Unterkörpers, Unterschwanz- und Unterflügeldecken nebst Axillaren dunkelbraun, hintere Kopf- und Halsseiten weiß mit strohgelben Federspitzen, auch der untere Teil der Kehle mit strohgelben Federspitzen, um den Kopf ein аn Breite wechselndes, mitunter breites, häufiger schmales, selten fehlendes Band. Seiten nach dem Rücken zu braun gefleckt. Iris dunkelbraun. Schnabel hellbläulich bleifarben, аn Bälgen meist rötlichbraun, Spitze schwarz. Füße schwarz. Bei der dunklen Varietät ist dаs ganze Gefieder dunkel schieferbraun, der Kopf und die zugespitzten Halsfedern etwas dunkler, die letzteren glänzend, hintere Kopf- und Halsseiten mitunter gelbbräunlich glänzend, Flügel wie bei der hellen Varietät. Bei letzterer sind mitunter auch der hintere Teil des Unterkörpers, Bauch- und Unterschwanzdecken teilweise oder größtenteils weiß, bei anderen Stücken rückt die dunkelbraune Seitenfleckung vor, so daß nur Mitte von Brust und Unterkörper ungefleckt weiß bleiben, die Kehle ist schwarzbraun gestreift, dаs weiße Halsband schmal und gefleckt. Flügel 349—373, Schwanz 224—237, die mittelsten beiden Steuerfedern etwa 70—88 mm über die übrigen hinausragend und vor der Spitze am Schafte mit einer schraubenartigen Dritteldrehung; Lauf 48—58, Schnabel 37—39 mm. Das Winterkleid wie dаs Sommerkleid. — Juv.: Oberseite dunkelbraun mit rostfarbenen, in frischem Gefieder rötlicheren, später bleicheren, fahleren Federsäumen, die auf Kopf und Hals schmäler und heller, auf Bürzel und Oberschwanzdecken am breitesten sind. Schwingen und Steuerfedern dunkelbraun, аn der Basis weiß, und mit weißen, nur аn den Spitzen braunen Schäften. Unterseite braun, fahlbraun, bis blaß bräunlichgrau mit rostfarbenen bis weißlichen Querbinden. Unterflügeldecken und Axillaren dunkelbraun mit weißen bis bräunlichweißen Querbinden. Unterschwanzdecken dunkelbraun mit breiten, roströtlich-weißen Querbinden. Es kommen auch dunkle, fast einfarbig dunkelbraune Stücke vor. Schwanz geformt wie bei S. skua, ohne stark verlängerte mittelste Steuerfedern, die nur 1—2 cm über die anderen hinausragen! Lauf hellblau, Hinterzehe und äußerste Basis der Innen- und Mittelzehe bläulichweiß, der Rest des Fußes schwarz! — Das Dunenjunge ist gräulich rußbraun mit rötlichem Anfluge.
Wurde zur Brutzeit von der Murman-Küste bis Waigatsch beobachtet und brütet auf Nowaja Semlja, anscheinend аber weder auf Spitzbergen noch Franz-Josefs-Land, obwohl vereinzelt daselbst gesehen, auch auf Jan Mayen gesichtet. Brütet аn der sibirischen Küste: Yalmal beobachtet, Ob beobachtet, Jenissei (Eier gesammelt), Taimyr-Halbinsel (Eier), Ljachow-Inseln, anscheinend auch аn der Westküste Grönlands, Wrangel-Land, Grinnell-Bay, Exeter-Sund, vermutlich auch Disco-Insel, Herald-Insel. Point Barrow in Alaska häutig nistend. — Im Winter vereinzelt südlich bis zum Schwarzen und Mittelländischen Meere, Madeira, Westafrika (Walvisch-Bai!), auf den Kommandeurinseln (im Sommer erlegt), Japan, Birmah, vielleicht öfter аber sicher einmal in Australien, Kalifornien, Galápagos-Inseln und Peru.
Jagt nach anderer Raubmöwenart den kleineren Möwenarten, Schmarotzerraubmöwen und Seeschwalben ihre Beute ab; auch wenn jene die Fische schon verschluckt haben, werden sie so lange verfolgt, angeschrien und gebissen, bis sie ihren Fraß wieder aufwürgen und hergeben. Indessen fängt sie mitunter auch selbst Fische, auf hoher See auch Crustaceen, Weichtiere, Insekten u. a. und geht аn Aas jeglicher Art, sowie аn Exkremente von Robben u. a.; wahrscheinlich plündert sie auch Nester, in den Mägen fand mаn auch allerlei Vögel und kleine Säugetiere. Wenn sie Nahrung erjagen, stoßen sie nach Nelson einen „tiefen, rauhen, schwätzenden Schrei“ aus, in der Aufregung rufen sie hoch toby toby toby, wie Punch in einem englischen Puppentheater den Hund ruft. Nach Naumann rufen sie iäh, iäh (zweisilbig) und lassen beim Neste ein dem Kläffen eines kleinen Hundes ähnliches wew wew hören. Sie bauen kein Nest, sondern legen ihre zwei Eier im Moose, Grase, Sumpfe, oft auf kleinen Erhöhungen, rings von Wasser umgeben, ab. Dieselben gleichen denen anderer Raubmöwen. Sie sind in der Regel merklich größer als die von S. parasiticus (und longicaudus), namentlich breiter, werden аber bisweilen von großen Stücken der ersteren erreicht oder gar übertroffen. 19 sichere Eier messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 64.06 x 44.80, Maximum 72.6 x 44.9 und 71 x 47, Minimum 57.2 x 43.6 und 66.1 x 41.5 mm.
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Brehm
Die Spatelraubmöwe, Stercorarius pomatorhinus Temm. (Lestris, pomarinus), unterscheidet sich zunächst dadurch von der Riesenraubmöwe, daß ihre merklich verlängerten mittleren Schwanzfedern am Ende sich spatelförmig abrunden. Oberkopf und Kopfseiten, Mantel, Flügel und Schwanz sind tief schwarzbraun, Kinn, Kehle sowie die Unterteile und die Halsseiten weiß, deutlich lehmgelb überflogen, die Kropfgegend bräunlich quergezeichnet, wodurch ein Halsband entsteht, ebenso die Seiten, die weißschaftigen Schwungfedern der Hand аn der Wurzel weiß. Die Iris ist braun, der Schnabel аn der Wurzel blaugrau, аn der Spitze schwärzlich Hornfarben, der Fuß schwarz. Bei jungen Vögeln sind die Halsseiten auf lichtem Grunde dunkel längsgestreift, die Oberteile quergestreift und die Spießfedern noch nicht entwickelt. Die Länge beträgt, einschließlich der um etwa 8 cm vorragenden mittleren Schwanzfedern, 55, die Breite 135, die Flügellänge 35, die Schwanzlänge 23 cm.
Brutvogel der Tundren aller drei nördlichen Erdteile, besucht die Spatelraubmöwe zuweilen alle Meere der Erde und demgemäß auch die Küsten Afrikas und Australiens.