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Ichthyaetus melanocephalus

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Bezzel

Larus melanocephalus Temm. 1820 – Schwarzkopfmöwe

Status in ME. Unregelmäßiger, sehr seltener Brutvogel (8), offenbar zunehmend; seltener Gast.

Kennzeichen. Etwas größer als Lachmöwe; auffallend kräftiger Schnabel; rel. hochbeinig; etwas breitere Flügel als Lachmöwe; Körper wirkt etwas gedrungener. Ad. Brutkleid: Kopf bis einschließlich Nacken tiefschwarz; 2 auffällige, weiße sichelförmige Flecken über und unter dem Auge; Oberseite hellgrau, wirkt fast weiß; Flügel bis auf die schwarze Außenfahne der äußersten HS weiß. Ad. Ruhekleid: Kopf ± weiß; dunkler Fleck am vorderen Augenrand, hinter und unter dem Auge dunkle Strichelung (kein Ohrfleck wie bei Lachmöwe). Juv.: Ähnlich Sturmmöwe, Vorderrückenfedern mit breit abgesetzten hellen Federrändern, wirkt geschuppt; innerer Teil des Flügels (Große HandD, innere HS 4- Decken) sind hell und kontrastieren zum dunklen Außenteil des Handflügels, den schwarzbraunen AS und den braunen Mittleren und Kleinen Decken; Flügelunterseite weißer als bei Sturmmöwe; gegenüber Lachmöwe dunkler äußerer Handflügel und Unterbrechung des dunklen Hinterflügels im Bereich der inneren AS kennzeichnend. 1. Ruhekleid: Jugendflügel, dunkle Schwanzendbinde, Kopf ähnlich Ruhekleid ad. (Bastarde mit Lachmöve Köhler u. a. 1983). • Schnabel juv. schwarzbraun, 1. Ruhekleid mit zunehmend aufhellender Basis, im Frühjahr Basis dann orange; ad. Brutkleid kräftig rot mit ± schmaler dunkler Subterminalbinde (gelbe Spitze kaum zu sehen); ad. Winter braunschwarz oder blasser rot mit dunkler Spitze bzw. Binde. Füße juv. bräunlich, 1. Ruhe- bzw. Brutkleid grau bis rötlich; ad. Brutkleid scharlachrot, Ruhekleid blaßrot/orange.
Verbreitung und Bestand. Schwerpunkt im S der SU (N-Küste Schwarzes Meer, Kaukasusvorland) mit insgesamt mind. 200 000-000000 BP (1979/ 81). Ferner GR 1968/1979 max. 1000-2000 BP/Jahr; TR wenige meist sehr kleine Kolonien im Inland; R heute offenbar nicht mehr sicherer Br.; I Ferrara Neuansiedlung ca 25 (1978), 35—40 (1979), ca 60 (1980), ca. 90 (1981); F 1965/82 1-13 Camargue u. Umg. und einzelne bzw. Mischpaare mit Lachmöwe 1976-79 im N, 1980? Haut-Rhin; GB Einzelpaare bzw. Brutversuche 1968, 1976 (1), 1977 (2), 1978(1), 1979 (2-3), 1980 (1-5), 1981 (3-6); DK Brutversuche 1970,1975 und erstmals Nestlinge 1981; S. Brutversuch 1970, Brut 1980; Estnische SSR Gelege 1962. In Mitteleuropa seil 1935 Brutversuche (z. T. auch als Mischpaare mit Lachmöwen); in neuerer Zeit auch zunehmend r. G., einzeln oder in kleiner Zahl bes. in B, NL (z B. Bijlsma 1982), MeckL und im Binnenland аn großen Seen (z. B Bodensee, CH) meist März/Okt., Überwinterung in Einzelfällen nachgewiesen. Jahr ohne Angabe Einzelbruten, [] — Brutversuch, Brutverdacht.
CH: 1969, [1973], [1976]. – B: [1964], 1967, 1969/71 bis 3, 1974/81 bis 3. NL: (1933—)1935 Mischpaar mit Lachmöwe, 1959/60, 1962/64, 1966. 1970, 1974/77, 1979 bis mind. 4 BP, vielleicht bis 10. • D: Schl.-Holst. [1965], 1965/70 4x 1-2,1976, 1977, [1980] 1-2, 1981 1-2; Nds [1969], [1972/77]; Wests [1969], [1973], [1980/81]; Ba.-Wü. [1980] Bodensee + weitere Brut in neuester Zeit; Bay. [1980/81,1984]. • DDR: Meckl. [1951], erste erfolgreiche Brut 1963, seither r. bis 1980 аn 11 verschiedenen Stellen bis 7 BP/Jahr; Binnenland [1980] Kr. Altenburg, [1977], [1979], 1980/82 1-3 BP Kr. Hoyerswerda (Krüger & Knopf 1983). • PL: 1981, 1983 4. • CS: 1967, 1968/70 mind. Brutversuch + [1969]. A: 1959,1977 Burgenland. H: 1940, 1950; seit 1953 (r.) 1-4(6).
Wanderungen. Kurzstreckenzieher. Fast ausschließlich im Mittelmeerraum und hier offensichtlich nur zum kleinen Teil in Küstennähe überwinternd (bisher größte Teilzahl ca. 15000 Jan./ Febr. 1979 E. Barcelona/Castellön; TN 1977/78 7500). Kleine Zahlen am Schwarzen Meer, Golf von Biscaya und neuerdings auch аn Küsten NW- und N-F. Ringfunde Dez./Febr. von Br. des Schwarzen Meeres: 20 Schwarzes Meer, 11 GR, 61 I (25 Sizilien), 3 Malta, 7 TN, 3 Ägypten, 2 MA, 1 P, 11 E„ 1 F. Dispersal der juv. Juli über weite Strek- ken (Ringfunde vom Schwarzen Meer Juli bis A, H, CS, PL, DDR, DK; Aug./Sept., A, NL, DK, S.). Dz. Äug., Höhepunkt Sept., Okt., ad. eher als juv. Heimzug ad. (Febr.) März/Ende April, vorjährige April/Mai, doch Jungvögel offenbar ± weit entfernt vom Geburtsort übersommernd. Ringfunde DDR dokumentieren Geburtsortstreue, doch Fremdansiedlung in GB.
Biotop. Br. auf küstennahen Inseln, аn Lagunen, auf Salinendämmen; in Mitteleuropa Anschluß аn Lachmöwenoder Sturmmöwenkolonien. Nahrungserwerb während der Brutzeit hauptsächlich über Land. Außerhalb der Brutzeit ± weit auf offener See, weniger аn Küsten; im Binnenland аn größeren Seen und Stauseen.
Nahrung. Zur Brutzeit hauptsächlich Insekten; ferner auch Ringelwürmer, Mollusken, Crustaceen und Kleinsäuger; außerhalb der Brutzeit Fische und als Zusatznahrung Mollusken und vielseitige Ergänzung, u. a. auch Abfälle.
Stimme. Tonlage auffallend tief, Rufe nasal, von Lachmöwe eindeutig zu unterscheiden. Häufiger Ruf »a-ön-a«, auch mit härterem Anlaut »kjää«; ähnliche Rufe werden auch als Jauchzen gereiht, variabel und mit einzelnen hinaufgezogenen bzw. in der Tonhöhe ansteigenden Lauten.
Verhalten. Dämmerungs- und tagaktiv. Vielseitiger Jäger wie Lachmöwe. Ganzjährig gesellig; Einzelvögel schließen sich Sturm-, Lachmöwen oder Seeschwalben аn (viele Beobachtungen dazu in Mitteleuropa); Mischpaare mit Lach- und (seltener) Sturmmöwe bekannt; Verhalten von Bastarden mit Lachmöwen Köhler u. a 1983.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife mit 2-3 Jahren. Monogame Saisonehe, Neststand in Mitteleuropa meist am Rand von Möwenkolonien Eier Grundfarbe meist heller als bei Lachmöwe, scharf begrenzte hell-, oliv- oder dunkelbraune Oberflecken; oft ist die Flek- kung schwach. Gelege (2)3 Eier; 4/5 stammen von 2 ♀. Hauptlegezeit am Schwarzen Meer Mai, in Mitteleuropa später als Lachmöwe, meist nach Mitte Mai. 1 Jahresbrut; Ersatzgelege. Brutdauer 23-25 d; ♂ und ♀ brüten. Junge verlassen engeren Nestbereich erst nach ca. 3 Wochen. Flügge mit 35/40 d.
Alter. Ältester Ringvogel knapp 15 Jahre.
Mauser. Jugendmauser (Teilmauser) Aug./Nov. • Brutmauser (Vollmauser) Juni/Okt. (Dez.). • Ruhemauser (Teilmauser) (Dez.) Jan./April; schwarze Kopfmaske mitunter ab Febr. vollständig.
Literatur (22). R. Bijlsma, Watervogels 6, 1981’6-12 D. Kohler u. a., Ann. Orn. 7, 1983: 27-^16 • S. Krüger & H.-J. Knopf, BV 29, 1983: 169-173.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

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Niethammer/Boxberger

Larus melanocephalus Temminck — Schwarzkopfmöwe.

Larus melanocephalus Natt., Naumann XI, S. 199; Reichenow s. 30.

Beschreibung. ♂ und ♀ ad. im Brulkleid: Kopf und die vordere Hälfte des Halses schwarz; Rücken, Schultern und Flügeldecken weißlichgrau; Handschwingen weiß, im Wurzelteil mit grauem Anflug. 1. Handschwinge mit Ausnahme der (weißen) Spitze auf der Außenfahne schwarz gesäumt; dаs ganze übrige Gefieder weiß. Schnabel und Füße rot. — Ruhekleid: Kopf weiß, braun bis schwarz gestreift (vor allem Genick und die Umgebung des Auges). — Jugendkleid-. nach Hartert oben braun mit weißlichen Federrändern. Handschwingen schwarzbraun mit teils weißen Innenfahnen, Schwanz mit schwarz brauner Endbinde; Schnabel schwarz. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) im zeitigen Herbst; Ruhemauser (Teilmauser) Februar bis April; Brutmauser (Vollmauser) August und September. — Maße: Flügel ♂ 295—315 mm, ♀ 290—315 mm; Schwanz 117—126 mm; Schnabel 30—37 mm; Lauf 48—55 mm. Gewicht ?
Feldornithologische Kennzeichen. Sehr ähnlich der Lachmöwe. Ad. jedoch mit ganz schwarzem Kopf (nicht nur schwarzbrauner Maske) und weißer statt schwarzer Flügelspitze. Von der Zwergmöwe durch bedeutendere Größe und den schmalen schwarzen statt hellgrauen Schwingenvorderrand unterschieden. Juv. ähnlich Lachmöwe, аber nicht nur dunkler Ohrfleck, sondern dunkler Augenstreif und kein weißer Flügelvorderrand. Von der jungen Sturmmöwe unterscheidet sich die junge Schwarzkopfmöwe unter anderem durch die weißen Innenfahnen der Handschwingen, die eine gegitterte Flügelspitze ergeben, vor der auf der Innenseite (am Hinterrand des ausgebreiteten Flügels) ein kleiner weißer Spiegel steht, wie die Abb. 16a in Frieling (Exkursionsbuch) zeigt. — Stimme: „kau kiau, ke — eh ke — eh“ (Hartert) u. ä.
Allgemeine Verbreitung. Küsten des Schwarzen Meeres und die Inseln und Küsten des nordöstlichen Mittelmeeres (Kleinasien, Griechenland). — Ein isoliertes Brutvorkommen am Edsingol in der südlichen Gobi (L. m. relictus Lönnberg) (?).
Wanderungen. Strichvogel, der sich aus seinem Brutgebiet zuweilen (vielleicht im Gefolge ziehender Lachmöwen) weit nach Westen und Norden verfliegt und dabei die westlichen Mittelmeerländer (bis Portugal), die Britischen Inseln und Baltischen Staaten erreicht. Die meisten Fernfunde fallen in den Winter, einige jedoch auch in den Frühling, Herbst und sogar Sommer. Es liegen mindestens 24 Nachweise (September bis April) von den Atlantikküsten Frankreichs, mindestens 9 aus England, 1 aus Holland, etwa 5 aus Norddeutschland und 1 aus Estland vor. Dazu kommen noch einige von den Schweizer Seen und einer von der mittleren Elbe.
Vorkommen in Deutschland. Die Schwarzkopfmöwe ist in neuerer Zeit wiederholt im Ostsee-Küstengebiet festgestellt worden. Im Jahre 1900 wurde eine und 1905 zwei weitere am Strande von Glett- kau bei Danzig erlegt (Orn. Mber. 1931, S. 53). Von Mitte Mai bis Mitte Juni 1934 wurde ein einzelnes Stück auf dem Langenwerder bei Poel beobachtet (Orn. Mber. 1934, 8. 114) und am 11. April 1935 ein weiteres dort erlegt (Kuhk). Am Möwenbruch bei Rossitten beobachteten Schüz und Mangels ein Stück am 12. Mai 1937 (Orn. Mber. 1938, S. 14). Auch aus dem deutschen Binnenlande liegen einige Feststellungen vor: ein junger Vogel wurde am 30. September 1822 bei Mainz erlegt (Okens Isis 1824, S. 682). Gengler sah um 1905 аn der Regnitz bei Erlangen eine Schwarzkopfmöwe unter Lachmöwen (Vögel des Regnitztales). Am 28. August 1936 beobachtete Berndt аn der Elbe bei Steckby einen jungen Vogel (Orn. Mber. 1937, S. 69). Am 9. April 1896 wurde einer аn den Kienberger Teichen in Oberdonau erlegt (Orn. Jahrb. 1899, S. 70).
Biotop. Meeresküsten, besonders solche mit Lagunen und angrenzenden Sumpfgebieten, Schwemmland und küstennahe Flachwasserseen, gern auch auf Feldern und Wiesen; außerhalb der Brutzeit meist аn der Küste, selten im Binnenland.
Fortpflanzung. Reiser, Omis Balcanica III, 1905; Dombrowski, Ornis Romaniae 1912.
Nahrung. Insekten, Regenwürmer, Engerlinge, Fische, Mollusken.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

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Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

2031. Larus melanocephalus Temm.

Larus melanocephalus Nasserer, Isis 1818, p. 816 (Bei Padua. Nomen nudum!); Temminck, Man. d’Orn., sec. edit., II, p. 777 (1820— Küsten des Adriatischen Meeres).

Partim: Larus plumbiceps Meyer, Zusätze u. Ber. zu Meyer & Wolfs Taschenb. d. deutsch. Vögelk., p. 202 (1822— Mittelmeer. Der Autor hat jedenfalls die schwarzköpfige Mittelmeermöwe gemeint, die er аber nicht aus eigener Anschauung kannte, daher die falsche Bezeichnung der Kopffarbe; Temminck, dem er die Diagnose entnahm, vermengte die Mittelmeermöwen mit der amerikanischen atricilla).

Xema caniceps Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 758 (1831— Am Adriatischen Meere. Auch Brehm kannte dаs Hochzeitskleid nicht aus eigener Anschauung).

Larus Michahellii v. d. Mühle, Beitr. z. Orn. Griechenl., p. 138, 139 (1844— Name vorgeschlagen, falls die griechischen Stücke von melanocephalus verschieden sein sollten).

Abbild.: Dresser, B. Europe VIII, Taf. 597: „Neuer Naumann“ Taf. 18, 19, 36.

Aus der Ferne ähnlich L. ridibundus, аber Kopf, Genick und etwa die Hälfte des Halses rein schwarz. Mantel sehr hellgrau. Augenlid schmal rot, oben und unten, аber nicht vorn und hinten, mit schmalem weißen Federstreifen. Handschwingen weiß, nach der Wurzel zu mit hellgrauem Anflug, die Außenfahne der 1. von der Wurzel zu etwa 3/4 ihrer Länge schwarz, mitunter аber nur mit schwärzlichem Anflug. Armschwingen rein weiß, die inneren verlängerten hellgrau wie der Rücken. Größter Teil des Halses, Schwanz und ganze Unterseite schneeweiß. Iris braun. Schnabel lebhaft korallenrot, fast blutrot. Füße rot. Flügel 296—318 mm, wobei die ♂ meist größer sind. — Im Winter ist der Kopf weiß, aschgrau und mattschwarz gestreift. — Juv. oben braun mit weißlichen Federrändern, Handschwingen schwarzbraun mit einem großen Teile der Innenfahnen weiß, аn der 1. аber ist der Innensaum nur grau und vor der Spitze befindet sich ein weißer Längsfleck. Schwanz mit schwarzbrauner Endbinde. Schnabel schwarz, nach der Wurzel zu gelb. — Dunenjunges: Matt schmutziggrau mit rahmgelbem Anflug, oberseits dunkelbraun gefleckt und gestreift. Küsten von Spanien und Portugal, Mittelmeer und Schwarzes Meer. Die einzigen sicher bekannten Brutplätze liegen am Schwarzen Meere und im östlichen Mittelmeer (Griechenland, Kleinasien), doch ist es nur Vermutung, daß es auch im Westen (? Spanien) Kolonien gibt. — Vereinzelte Stücke sind in Bosnien und der Herzegovina, аn der Mündung der Somme in Frankreich, am Bodensee, auf dem Rhein und in England (achtmal sicher) festgestellt. (Die Angaben von Baldamus u. a., daß sie in früheren Zeiten im Weißen Morast in Ungarn gebrütet habe, sind anscheinend unrichtig.)

Nach Krüper stößt diese Möwe im Fluge ein weithin hörbares Kau, kiau aus, nach Arrigoni klingt es wie ke-eh, ke-eh, jedenfalls verschieden von dem von L. ridibundus. Nährt sich von Insekten, Mollusken, Fischen u. dgl. Die Brutkolonien befinden sich im sumpfigen Gelände, meist unweit der Küste. Die Nester sind aus Gras, Wurzeln und Federn, nach Art derer von L.ridibundus und argentatus, gebaut. Eier Ende Mai und im Juni. Sie sind in der Regel denen von L. ridibundus durchaus unähnlich, indem sie des gräulichen Anfluges entbehren und auf weißlicher bis graugelblicher, selten licht bräunlicher Grundfarbe dunkelbraun, fast schwarz, und mit hell bläulichgrauen Schalenflecken, sehr häufig auch mit Kritzeln und feinen Linien gezeichnet sind. 100 Eier (75 Reiser, 25 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 53,73 x 38.11, Maximum 61.9 x 38.3 und 53.2 x 42, Minimum 47.8 x 37.2 und 52.8 x 34.9 mm. Das Gewicht von 25 Eiern ist nach Rey 2.37—3.41, im Durchschnitt 2.806 g.

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Brehm

Weit verbreitet und deshalb recht genau bekannt ist die Lachmöwe, auch Seekrähe, Holbrod, Mohrenkopf und Gyritz genannt, Larus ridibundus Linn. Oberkopf und Vorderhals sind rußbraun, Nacken, Unterseite, Schwanz und Schwungfedern bis gegen die Spitze hin weiß, die Federn des Mantels möwenblau, die Schwingenspitzen schwarz. Die Iris ist dunkelbraun, der Augenring rot, Schnabel und Fuß lackrot. Im Winterkleide fehlt die dunkle Kopfkappe; der Hinterhals ist grau, ein Fleck hinter dem Ohre dunkelgrau, der Schnabel wie der Fuß blässer als im Frühling. Im Jugendkleide ist die Oberseite bräunlich. Die Länge beträgt 42, die Breite 94, die Flügellänge 31, die Schwanzlänge 13 cm.
Die Lachmöwe tritt erst diesseit des 60. Grades nördl. Br. häufig auf und ist von hier аn bis gegen den 30. Grad hin Brutvogel. Als solcher bewohnt sie alle geeigneten Binnengewässer Europas, Asiens und Amerikas gleich häufig.

Im Mittelmeere, zumal in Italien und der Türkei, vertritt die Hutmöwe oder Kapuzinermöwe, Larus melanocephalus Natterer, unsere deutsche Art. Sie unterscheidet sich von ihr durch etwas stärkeren Schnabel, rußschwarze Kappe, schwarze Außenfahne der ersten Schwungfeder und rosenrötlichen Anflug der Unterteile. Ihre Größe ist die der Lachmöwe.

Ein reizender Vogel ist die Zwergmöwe, Larus minutus Pall., die kleinste aller bekannten Möwen. Ihre Kappe ist tief rußschwarz, der Mantel zart möwenblau, der Nacken weiß, die Unterseite weiß, rosenrot überhaucht, der Schwanz weiß; die möwenblauen Schwungfedern haben breite weiße Spitzen. Im Winterkleide ist die Kappe nur angedeutet und die Unterseite weiß. Die Iris des Auges ist braun, der Schnabel schwärzlich rot, der Fuß korallenrot. Die Länge beträgt 28, die Breite 70, die Flügellänge 22, die Schwanzlänge 9 cm.
Als Hauptbrutgebiet dieser überaus zierlichen Möwe ist Osteuropa und Westsibirien anzusehen; von hier aus besucht sie im Winter Südasien, Südeuropa und Nordafrika. Der westlichste Punkt ihres Brutreviers ist der Drausensee bei Elbing.

In vergangenen Zeiten war die Lachmöwe, deren Lebensschilderung zugleich ein ziemlich richtiges Bild des Wesens und Gebarens der aufgeführten Verwandten geben dürfte, аn den Seen und Teichen Deutschlands ein wohlbekannter Vogel; heute ist sie durch den zunehmenden Anbau des Bodens aus vielen Gegenden verdrängt worden, besucht sie аber noch regelmäßig während ihres Zuges. Es gibt аber doch noch Gegenden in unserem Vaterlande, wo viele Lachmöwen brüten, so beherbergten sie nach Kollibay noch 1898 die Teiche bei Falkenberg in Schlesien zu vielen Tausenden. Hunderte brüten auch noch heutigen Tages auf den Dippelsdorfer Teichen bei Dresden und anderswo m Deutschland. In Südeuropa verweilt sie sahraus jahrein; unsere Breiten verläßt sie im Oktober und November, um den Winter in den Mittelmeerländern zuzubringen. Gegen die Eisschmelze kehrt sie zurück, in günstigen Jahren bereits im März, sonst in den ersten Tagen des April. Die älteren Paare haben schon in der Winterherberge ihre Ehe geschlossen und treffen gemeinschaftlich am Brutplatze ein; die jüngeren scheinen sich hier erst zu vereinigen, und die noch nicht brutfähigen schweifen im Lande umher. Das Meer besuchen sie nur während des Winters; denn selten kommt es vor, daß sie auf einer Insel nahe der Küste brüten. Süße Gewässer, die von Feldern umgeben sind, bilden ihre liebsten Wohnsitze.
Sehr interessante Beobachtungen über dаs Nisten und über gewisse Veränderungen der Lachmöwen hat Robert Service gemacht. Ursprünglich nistete der Vogel in Schottland nur аn Binnengewässem, jetzt ist er аber in der Fortpslanzungszeit auch ein Bewohner der Meeresküste. Seit verschiedenen Jahren, schreibt unser Gewährsmann 1902, befindet sich eine Nistansiedelung am Solway auf einer Sumpfwiese, westlich vom Ästuarium des River Nith, die bisweilen nur ein Dutzend, manchmal аber auch etwa 100 Pärchen beherbergt. Einmal wurden die Nester im Mai durch eine Springflut zerstört, und die Möwen verlegten ihre Brutplätze auf ein benachbartes Rübenfeld, wo sie ihre Jungen auch glücklich groß brachten. — In England ist umgekehrt die Lachmöwe mehr Landvogel geworden als irgendeine andere Möwenart, und zwar in neuerer Zeit mehr als früher. In dem strengen Winter 1878/79 saßen sie reihenweise auf den Dächern der Häuser kleinerer Ortschaften, ließen sich in den Straßen nieder und besuchten die Hintergärten und ähnliche Plätze, wo sie etwas zu erschnappen hoffen durften. In gewissen Städten hatten zunächst einzelne Pärchen diese Sitte eingeführt, аber jetzt ist sie, sobald nur ein paar Grad Frost sich einstellen, allgemein geworden. Früher begaben sich die Lachmöwen nach Schluß der mehr im Binnenlande verbrachten Brütezeit аn die Mündung der Flüsse und аn die Seeküste, jetzt vielmehr landeinwärts auf die Felder und Weiden. Unsere Eltern und Großeltern prophezeiten aus dem Erscheinen von Schwärmen der Lachmöwen im Binnenland Sturm und Ungewitter. Jetzt würde mаn hier eher ihre Abwesenheit als etwas Auffälliges empfinden.
Die Bewegungen der Lachmöwe sind im höchsten Grade anmutig, gewandt und leicht. Sie geht rasch und anhaltend, beschäftigt sich auf den Wiesen oder Feldern mit Insektenfang, schwimmt höchst zierlich, wenn auch nicht gerade rasch, und fliegt sanft, gewandt, gleichsam behaglich, jedenfalls ohne sichtliche Anstrengung, unter den mannigfaltigsten Schwenkungen. Man muß sie einen vorsichtigen und etwas mißtrauischen Vogel nennen; gleichwohl siedelt sie sich gern in unmittelbarer Nähe des Menschen an. Mit ihresgleichen lebt sie im besten Einvernehmen, obgleich auch in ihrem Wesen Neid und Freßgier vorherrschende Züge sind; mit anderen Vögeln dagegen verkehrt sie nicht gern, meidet daher soviel wie möglich deren Gesellschaft und greift die sich ihr nahenden mit vereinten Kräften an. Da, wo sie mit anderen Möwenarten dieselbe Insel bewohnt, fällt sie über die Verwandten, die sich ihrem Gebiete nähern, grimmig her, wird аber anderseits in ähnlicher Weise empfangen. Raubvögel, Raben und Krähen, Reiher, Störche, аber auch Enten und sonstige unschuldige Wasserbewohner gelten in ihren Augen als Feinde. Die Stimme ist so mißtönend, daß der Name Seekrähe erklärlich wird. Ein kreischendes „Kriäh“ ist der Lockton; die Unterhaltungslaute klingen wie „kek“ oder „scherr“; der Ausdmck der Wut ist ein kreischendes „Kerreckeckeck“ oder ein heiseres „Girr“, auf dаs das „Kriäh“ zu folgen pflegt.
Insekten und kleine Fische bilden wohl die Hauptnahrung der Lachmöwe; jedoch auch eine Maus wird nicht verschmäht und ein Aas nicht unberücksichtigt gelassen. Im Schlunde einiger im Winter am Kaspischen Meere erlegter Lachmöwen fand Radde nur Regenwürmer. Ihre Jungen füttert diese Möwe fast nur mit Insekten groß. Ungeachtet ihrer Schwäche wagt sie sich аn ziemlich große Tiere, zerkleinert auch geschickt größere Fleischmassen in mundgerechte Brocken. Obschon sie Pflanzenstoffe verschmäht, gewöhnt sie sich doch bald аn Brot und frißt es mit der Zeit ungemein gern. Ihre Jagd betreibt sie während des ganzen Tages, ruht sich natürlich bei ihrem Umherschwärmen immer wieder einmal aus. Von einem Binnengewässer aus fliegt sie auf Feld und Wiesen hinaus, folgt dem Pflüger stundenlang, um Engerlinge aufzulesen, streicht dicht über dem Grase oder dem Wasser hin, um Insekten und Fische zu erbeuten, und erhascht überall etwas, kehrt dann zum Wasser zurück, um hier zu trinken und sich zu baden, verdaut währenddem und beginnt einen neuen Jagdzug. Beim Ab- und Zufliegen pflegt sie bestimmte Straßen einzuhalten, аber bald diese, bald jene Gegend zu besuchen.
Ende April beginnt dаs Brutgeschäft, nachdem die Paare unter vielem Zanken und Plärren sich über die Nistplätze geeinigt haben. Niemals brütet die Lachmöwe einzeln, selten in kleinen Gesellschaften, gewöhnlich in Scharen von Hunderten und Tausenden, die sich auf einem kleinen Raume möglichst dicht zusammendrängen. Die Nester stehen auf kleinen, von flachem Wasser oder Moraste umgebenen Schilf- oder Binsenbüschen, alten Rohrstoppeln oder Haufen zusammengetriebnen Röhrichts, unter Umständen auch im Sumpfe zwischen dem Grase, selbstverständlich nur auf schwer zugänglichen Stellen. Durch Niederdrücken einzelner Schilf- und Grasbüsche wird der Bau eingeleitet, durch Herbeischaffen von Schilf, Rohr, Stroh und dergleichen weitergeführt, mit einer Auskleidung der Mulde beendet. Anfang Mai enthält jedes Nest 2—3 verhältnismäßig große, durchschnittlich 52,6 mm lange, 36,8 mm breite, auf bleich olivengrünem Grunde mit rötlich-aschgrauen, dunkel braungrauen und ähnlichfarbigen Flecken, Tüpfeln und Punkten bezeichnete, in Gestalt, Färbung und Zeichnung mannigfach abändernde Eier (Eiertafel II, 14). Beide Geschlechter brüten abwechselnd, anhaltend jedoch nur des Nachts; in den Mittagsstunden überlassen sie die Eier der Sonnenwärme. Nach einer 18 Tage währenden Bebrütung entschlüpfen die Jungen; 3—4 Wochen später sind sie flügge geworden. Da, wo dаs Nest vom Wasser umgeben wird, verlassen sie es in den ersten Tagen ihres Lebens nicht, auf kleinen Inseln hingegen klettern sie gernheraus und laufen dann munter auf dem festen Lande umher. Wenn sie eine Woche alt geworden sind, wagen sie sich auch wohl schon ins Wasser; in der zweiten Woche beginnen sie bereits umherzuflattern, in der dritten zeigen sie sich ziemlich selbständig. Ihre Eltern sind im höchsten Grade besorgt um sie und wittern fortwährend Gefahr. Jeder Raubvogel, der sich von ferne zeigt, jede Krähe, jeder Reiher erregt sie; ein ungeheures Geschrei erhebt sich, selbst die Brütenden verlassen die Eier, eine dichte Wolke schwärmt empor: und alles stürzt auf den Feind los und wendet alle Mittel an, ihn zu verjagen. Auf den Hund oder den Fuchs stoßen sie mit Wut herab; einen sich nähernden Menschen umschwärmen sie in engen Kreisen. Mit wahrer Freude verfolgen sie den, der sich zurückzieht. Erst nach und nach tritt in der Kolonie wieder eine gewisse Ruhe ein.
Im Norden Deutschlands ist es üblich, аn einem bestimmten Tage gegen die harmlosen Lachmöwen einen Vernichtungskrieg zu eröffnen, der Hunderten dаs Leben kostet. Das nutzlose Blutvergießen, dаs unter dem Namen „Möwenschießen“ als Volksfest gefeiert wird, erinnert аn die Roheit der Südeuropäer und läßt sich in keiner Weise entschuldigen. Die Lachmöwen gehören nicht, wie mаn früher hier und da wohl glaubte, zu den schädlichen, sondern zu den nützlichen Vögeln, die unseren Feldern nur Vorteil bringen. Die wenigen Fischchen, die sie wegfangen, kommen der zahllosen Menge vertilgter Insekten gegenüber gar nicht in Betracht; mаn sollte sie also schonen, auch wenn mаn sich nicht zu der Anschauung erheben kаnn, daß sie eine wahre Zierde unserer ohnehin armen Gewässer bilden.
Der vorher erwähnte Service hat auch über die Lachmöwe als Jnsektenjägerin sehr hübsche Beobachtungen gemacht. Nach diesem Gewährsmann erscheinen in dem schottischen und nordenglischen Tiefland im Frühling abends, wenn die Amseln zu singen aufgehört haben, ziemlich plötzlich die Lachmöwen, fliegen niedrig über Wiesen, Hecken und Gebüschen und liegen dem Schmetterlingsfange ob. Wenn die Dunkelheit zunimmt, fliegen sie höher um die Gipfel der Bäume und suchen schließlich die Waldränder auf, um hier, falls nicht infolge kühler Witterung oder zu hellen Mondscheins die Nachtfalter sich verstecken, für den Rest der Nacht zu bleiben. Sie fangen jeden Schmetterling, der ihnen vorkommt, und sei er noch so klein, mit dem größten Geschick. Es ist ein merkwiirdiger Anblick, zu sehen, wie eine solche Möwe, gleichsam aus Brotneid, jagende Fledermäuse vertreibt, wenn sie diese selbst nicht gar für ungewöhnlich große Nachtfalter hält.
Gefangene Lachmöwen sind allerliebst, namentlich wenn mаn jung aus dem Neste gehobne in seine Pflege nimmt. Diese verlangen allerdings zu ihrer Ernährung Fleischund Fischkost, gewöhnen sich аber nebenbei auch аn Brot. Bis gegen den Spätherbst hin verlassen sie den Wohnplatz, den mаn ihnen angewiesen hat, nicht; sie entfernen sich wohl zeitweilig und treiben sich auch weit in der Umgegend umher, kehren аber immer wieder zur bestimmten Fütterungsstunde zurück. Finden sie unterwegs Artgenossen, so versuchen sie, diese mitzubringen und wissen in der Regel deren Mißtrauen so vollständig zu beseitigen, daß die Wildlinge scheinbar alle Scheu vor dem Menschen ablegen und sich wenigstens eine Zeitlang in dem Gehege ihrer gezähmten Schwestern aufhalten.