Print This Beitrag

Xema sabini

*****

Bezzel

Larus sabini Sabine 1819 – Schwalbenmöwe

Status in ME. Regelmäßiger, sehr seltener Gast аn der Küste; im Binnenland ausnahmsweise.

Kennzeichen. Kleiner und zierlicher als Lachmöwe; Schwanz gabelig ausgeschnitten, gespreizt jedoch ± gerade abgeschnitten; Flug leicht und seeschwalbenartig. In allen Kleidern bilden äußere HS und HandD einen vom Flügelbug bis zur Flügelspitze laufenden schwarzen Saum, der sich nach Hinten zu einem sehr spitzen Dreieck verbreitert; innere HS und AS weiß, so daß ein breites vom Flügelansatz bis zum schwarzen Saum reichendes weißes Dreieck entsteht. Ad. Brutkleid: Kopf schiefergrau, mit schmalem schwarzen Ring gegen den weißen Hals abgesetzt (aus Entfernung jedoch nicht oder kaum zu erkennen); Rücken und FD hellgrau; weiße Flecken аn der schwarzen Flügelspitze, Schwanz weiß. Ad. Ruhekleid: Kopf weiß, Nacken schwärzlich grau, oft bis Ohrgegend und Oberseite des Vorderhalses. Juv. (bis März) von Scheitelmitte bis Schulter- bzw. Ellbogenfedern und ArmD bis zum Flügelbug graubraun; im Herbst durch helle Spitzensäume Schuppenmuster; schwarzbraune Schwanzendbinde; ab Febr. Rücken, Schultern, FD hellgrau. 1. Brutkleid ähnlich ad., doch Kopfmaske unvollständig; weiße Flügelspitzen kleiner; mitunter noch braune Flecken am Schwanzende (Verwechslung bei flüchtiger Beobachtung mit immat. Dreizehenmöwe bzw. Zwergmöwe möglich). – Schnabel juv. schwärzlich; 1. Brutkleid gelbe Spitze (weniger als bei ad.), ad. schwarz mit gelbem Spitzendrittel. Füße juv. gräulich fleischfarben, ad. dunkelgrau bis schwärzlich. Iris dunkelbraun, Lidring juv. grau, ad. zinnoberrot.
Verbreitung. Br. der arktischen Tundra Amerikas und einzelne ± isolierte Vorkommen in Sibirien Auf Spitzbergen nur wenige Brutnachweise.
GB: 1958/67 203 Ind (7 März/Juni, sonst Juli/Dez., max. Sept. (Okt.), r. G. • IRL: ca. 100 Nachweise bis ca. 1980. DK: vor 1963 2x, 1963/ca. 1978 mind. 36 anerkannte Nachweise. • 8.: 1963/80 31 Nachweise. – Einzelnachweise SB аn der Ostsee, SF. • I: 1959, 1971. • Mallorca: 1970.
Mitteleuropa: B: bis 1979 13x. • NL: bis 1981 mind. 152 Nachweise, heute r. аn der Küste. • D: Helgoland 1832/1981 mind. 22 Ind. in 12 Jahren; ferner weitere mind. 54 Ind. bis 1981 in der Deutschen Bucht und im nordfriesischen Wattenmeer; Ostseeküste Schl.-Holst, bis 1981 nur 3x; Binnenland Nds. 1978; Nrh.-Westf. 19. Jh. 3x, 1977; He. 19. Jh.; Bay. 1952, unsicher 1982. • DDR: Meckl. 1976, 1977,1978; Thür. 1975; Sa. 1963. – PL: 1930,1931,1960,1980 Küste und 1981 Binnenland. CS: 0. A: 19. Jh. • H: 1941. CH:3×19.Jh.,1910,1972, 1981 (4x), 1982. Eine Stichprobe von 97 Nachweisen (nicht Ind.) verteilt sich: Jan. (2 , Febr. (1), April (3), Mai (2), Juni (1), Juli
(3), Aug. (12), Sept. (37), Okt. (37), Nov. (11), Dez. (10).
Wanderungen. Langstreckenzieher; Winterquartier im Atlantik und Pazifik. Schwerpunkte: Benguelastrom vor S-/ SW-Afrika (25° S bis 35° S) mit Randzonen S und N, kaum in Küstennahe; Winterbeobachtungen einzeln jedoch bis IRL/GB und W-Nordsee Hum- boldtstrom vor der W-Küste S-Ameri- kas (5° S bis 20° S); hier Br. aus Sibirien, Alaska und wohl NW-Kanada. Br. NE-Kanada und Grönland (Details Furness 1982) ziehen ab Ende Juli/Aug. ab und überqueren Atlantik Richtung SW-Europa. Ad. bereits ab Mitte Juli zwischen N-F und P, ab Mitte Sept, hier auch juv. Ab Mitte Aug. MA bis S-Senegal, ab Anfang Sept wird Winterquartier erreicht, diesj. ab Ende Sept.; sie erreichen аber meist erst Jan./Febr. die südlichsten Teile. Ad. beginnen im März/April den Heimzug, nur wenige bleiben bis Mai. Im N Afrikas Hauptdz. erste beiden Maidekaden. Da nur sehr wenige April/Mai vor W-Eu- ropa erscheinen, wird Atlantik wohl weiter im S nach NW überquert als im Herbst nach SE. Einzelne erreichen аber auch den Nordatlantik. Ende Mai Ankunft аn der amerikanischen Küste, Zug im NW-Atlantik аber bis Mitte Juni. Auch immat. verlassen dаs Wintergebiet, sind аber аn den eigentlichen Brutgebieten s. Während des Wegzuges durch starke W-Winde und Stürme Verdriftungen, daher dann auch verstärkte Einflüge in den Nordseeraum (z. B. 1963).
Biotop. Br. küstennah in der arktischen Tundra, in Asien auch weiter im Binnenland vorzugsweise аn Flußläufen. Meist enge Bindungen аn Küstenseeschwalbe. Auf dem Dz. und im Winterquartier auf offener See, meist fernab von Küsten, doch meist noch in der Schelfzone.
Nahrung. Zur Brutzeit Insekten, Cru- staceen, Fischbrut; außerhalb der Brutplätze marine Organismen, wie Fische, Crustaceen und im Winterquartier Fischreste von Schiffen.
Stimme. Jauchzen besteht aus lauten »kijär«-Rufen. Alarmruf »kickickick«. Im Winterquartier von fliegenden leise »wihihi« oder ein-zweisilbig »chrier« o. ä.
Verhalten. Tagaktiv. Wirkt im Fliegen etwas seeschwalbenartig, da Körper bei jedem Flügelschlag etwas angehoben wird. Nahrungserwerb im niedrigen Suchflug über die Wasseroberfläche, auch mitunter Stoßtauchen. Am Strand Nahrungssuche im Laufen und auf dem Meer im Schwimmen. Ganzjährig sozial.
Mauser. Jugendmauser nicht vor Erreichen des Winterquartiers; Febr./Mai eine Vollmauser (Jugend- oder 1. Ruhemauser?). – Ad. Brutmauser (Vollmauser) Beginn mit Kleingefieder Aug./Sept., Schwingen ab Ende Nov./Dez. wohl bis März/April. • Ad. Ruhemauser (Teilmauser) März/April (Mai). • Details im einzelnen noch nicht genau bekannt.
Literatur. S. L. & R. W. Furness, Cormorant 10, 1982: 31-34.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

*****

Niethammer/Boxberger

Xenia sabinii (Sabine) — Schwalbenmöwe.

Verbreitung des Rassenkreises. Spitzbergen, von der Taimyrhalbinsel bis Anadyr, Neusibirische Inseln, Westküste von Alaska (vom Norton Sound bis zum Flusse Kuskokwim), Nord-Mackenzie, V ictoria- und Ellesmere-Island, Baffinland und dаs nördliche Grönland. — 4 Rassen.

Xenia sabinii palaearctica Stegmann — Schwalbenmöwe.

Xema Sabinii Sab., Naumann XI, S. 295; Xema sabinei Sab., Reichenow S. 31.

Beschreibung. ♂ und ♀ ad. im Brutkleid: Kopf taubengrau, von dem weißen Hals durch einen schmalen schwarzen Halsring abgesetzt; ganze übrige Unterseite, Oberschwanzdecken und Schwanz weiß, Rücken, Schultern, kleine und mittlere Oberflügeldecken bläulichgrau; dagegen ergeben die großen Oberflügeldecken ein weißes Flügelfeld; Handschwingen schwarz mit breiten weißen Spitzen und weißem Innensaum. Schnabel schwarz mit gelber Spitze; Füße schwarzgrau; Augenlidrand rot, Iris dunkelbraun. — Ruhekleid: wie Brutkleid, аber Kopf und Hals weiß, nur auf dem Oberkopf und аn den Ohrdecken mit schieferfarbenen Flecken. — Jugendkleid: Oberseite bräunlichgrau mit gelblichweißen (frisch vermausert) oder fast rein weißen Säumen, vor diesen mit bräunlichschwarzer Zeichnung; Schwanz mit schwarzbrauner Endbinde; Flügel ähnlich ad., аber ohne deutliche weiße Spitzen der Handschwingen. Schnabel braunschwarz; Füße hellbraun. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) wann?; Ruhemauser (Vollmauser) April und Mai (und Juni); Brutmauser (Vollmauser) August bis Dezember (Witherby). — Maße: Flügel ♂ 274 bis 295, ♀ 267—293 mm (Portenko 1939); Schnabel 23—27,5 mm; Schwanz, äußerste Steuerfedern 113—123, mittlere 90—100 mm; Lauf 32—30 mm. Gewicht ?.
Feldornithologische Kennzeichen. Etwas kleiner als Lachmöwe. Schwanz gabelig ausgeschnitten. Füße im Alter schwarzgrau, in der Jugend gelbbräunlich. Schnabel immer schwärzlich, niemals rot. Flügel von unten weiß, im Gegensatz zu Larus minutus. Die Alten im Brutkleid mit dunkelgrauem Kopf, der gegen den weißen Hals mit einem schwarzen Ring abgesetzt ist. Sonst „möwenfarbig“ (weiß mit blaugrauem Mantel), Flügelspitzen schwarz-weiß. Im Ruhekleid Kopf nur mit dunklen Flecken. Juv. wie Ruhekleid, аber schwarzer Flügelrand und dunkle Schwanzendbinde. Rücken noch mehr oder weniger bräunlichgrau. — Stimme: manchmal ähnlich der Küstenseeschwalbe, oder „rat-tat-tat, tuk-a-tuk-tuk-atuk“, auch einfach „kek“, oftmals wiederholt, oder „ker-wee, ker-wee, ker-wee“ u. ä. (Sutton 1932).
Allgemeine Verbreitung. Von der Taimyrhalbinsel bis zum Delta der Lena sowie Neusibirische Inseln. — Die Nominatform brütet in Grönland; Brutvögel aus Spitzbergen wurden noch nicht auf ihre Rassenzugehörigkeit hin untersucht. Nach briefl. Mitt, von Baron Geyr gehören die beiden im Rheinland erbeuteten Schwalbenmöwen zu palaeardica, nicht zu sabinii.
Wanderungen. Vorzugsweise Strichvogel, der gelegentlich im Herbst und Winter (selten im Frühling und Sommer) аn der englischen Ostküste, im Kanal und аn der französischen Atlantikküste (Ende Juli bis November), selten in Schottland und Irland, аn den Küsten Hollands, Norddeutschlands und Dänemarks anzutreffen ist. Ausnahmsweise in Belgien (2), Norwegen (2), Lettland (1), Finnland (1). Nach Stürmen verschlagene im Binnenland, z. B. Schleswig, Rheinland, Schweiz. Meist erscheinen junge Vögel, alte dagegen nur sehr selten.
Vorkommen in Deutschland. 17 Funde. Die Schwalbenmöwe wurde auf Helgoland in der Zeit von 1847 bis 1940 6mal erlegt: 1847, 1883, 1906, 1908, 1916 und 1929. Im übrigen Reich wurde sie festgestellt in Schleswig-Holstein: 1881 auf dem Köhlbrand bei Hamburg und 1890 bei Flensburg; Westfalen: um 1850 bei Osterwick und zu Anfang des vorigen Jahrhunderts im Münsterland (Beleg Mus. Zool. Inst. Universität Münster); Hessen: vor 1835 bei Mainz; Rheinland: 1893 bei Düren und 1900 bei Malmedy; Danzig: einmal 1930 und zweimal 1931 bei Rothebude аn der Weichsel; Ostpreußen: 1936 auf der Kurischen Nehrung. — Von 13 Fällen, in denen die Daten bekannt sind, entfallen 2 auf August, 4 auf September, 5 auf Oktober und 2 auf November.
Beobachtungen auf Sylt, bei Husum, Hallig Hooge und in Baden sind unsicher.
Biotop. Zur Brutzeit Sümpfe der Tundra.
Fortpflanzung. Bent, Life Histories of North American Gulls and Terns, Order Longipennes (1921), S. 192; Sutton, Mein. Carnegie Mus., Vol. XII, Part II (1932), S. 186.
Nahrung. Kleine Fische, Würmer, Insekten und deren Larven, kleine Crustaceen. Die Nahrung ward meist von der Wasseroberfläche aufgenommen, аber nicht durch Tauchen erbeutet.
Parasiten. Federlinge: Koeniginirmus omatus, Saemundssonia gonothorax. — Flöhe: Ceratophyllus gallinae, Mioctenopsylla arctica. — Milben: Giebelia puffini. — Bandwürmer: Tetrabotlmus cylindraceus.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

*****

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

*****

Hartert

2012. Xema sabini (Sabine).

Larus Sabini Sabine, Trans. Linn. Soc. London XII, p. 520, Taf. 29 (1818— Bei Disko, Westgrönland). Der Name wurde vielfach in sabinii und sabinei verbessert.

Abbild.: Naumann, Vög. Deutschi. XIII, Taf. 388; Dresser, B. Europe VIII, Taf. 393. — Eier: Koenigs Avifauna Spitzberg. Taf. XXV, Fig. 5.

♂♀ ad. im Sommerkleide: Kopf und oberer Teil des Halses dunkel aschgrau, gegen dаs Weiß des Halses von einem schmalen schwarzen Ring begrenzt. Unterm Auge ein schmaler weißer Streif. Hals ringsum, größte Reihe der Oberflügeldecken, Schwanz und Schwanzdecken, sowie übrige Unterseite nebst Unterflügeldecken und Axillaren weiß. Rücken, kleine und mittlere Oberflügeldecken und Schulterfittiche bläulichgrau, von den letzteren die mittleren mit weißen Spitzen. Flügelrand und Handdecken schwarz. Handschwingen schwarz mit weißen Spitzen und breitem weißen, nicht ganz bis zur Spitze reichenden Innensaum, die innersten kurzen Hand- und äußeren Armschwingen weiß, innere verlängerte Armschwingen bläulichgrau mit weißen Spitzen. Schnabel schwarz, Spitze vom Eck am Unterschnabel аn chromgelb. Iris dunkelbraun; ums Auge ein schmaler roter Augenlidrand. Füße schwarzgrau. Flügel von 10 dg 270—289 (nach Ridgway ♂ 265—286, ♀ 260 bis 276, Bureau, Omis XI, p. 298 gibt für ♂ 265—285, ♀ 255—268 mm an, die kleinen Maße аber dürften zu klein genommen sein), Schwanz ♂ 117 bis 130, ♀ 112—115, Gabel ungefähr 25, Lauf 30—35, Schnabel vom Ende der Stirnbefiederung 22—28 mm, die ♀ in allen Teilen die kleineren. — Winterkleid: Wie Sommerkleid, аber Kopf und Hals weiß, nur am Hinterkopfe ein großer schieferfarbener, auf dem Scheitel und аn den Ohrdecken einige kleinere ebensolche Flecke. — Juv.: Stirn, Kehle, ganze Unterseite nebst Unterflügeldecken weiß; vorm Auge ein schwärzlicher Schattenfleck. Oberseite bräunlichgrau mit hellen, in frischem Gefieder gelblichweißen oder rahmfarbenen, später fast rein weißen Säumen, vor denen eine besonders auf den Schulterfittichen und Oberflügeldecken deutliche bräunlichschwarze anteapikale Binde bemerkbar ist; kleine Oberflügeldecken schwärzlichbraun mit schmalen bräunlich rahmfarbenen Säumen. Flügel fast wie beim alten Vogel, аber die äußeren Handschwingen ohne deutliche weiße Spitzen. Schwanz weiß mit breiter schwarzer, schmal weiß gespitzter Endbinde. Iris braun. Schnabel bräunlichschwarz. Füße hellbraun. — Dunenjunges: Oberseite und Hals fahl gelblichbraun, Oberkopf und Rücken unregelmäßig mit Schwarz gefleckt; Brust und Unterkörper blaß rostgelblich bis fast gräulichweiß.
Nistet im hohen Norden, sowohl in Anadyr, im Lena-Delta und auf der Taimyr-Halbinsel, als auf Spitzbergen und im Norden Amerikas von Grönland bis Alaska. — Im Winter vereinzelt аn den Küsten der Nordsee (Norwegen, Dänemark, Schleswig, Helgoland, Holland, Nordfrankreich), verflogen in der Eifel, Rheinland, in Österreich-Ungarn und der Schweiz, аber schon nicht mehr selten аn den Britischen Inseln und anscheinend alljährlich аn der Nordküste Frankreichs. In Amerika südlich bis Texas, аn der Westküste sogar bis Peru, wo sie wenigstens im Winter 1881 sehr häufig war, einmal auf den Bermudas.

Infolge der geringen Größe, der schlanken Gestalt und des gabelförmigen Schwanzes mehr аn eine Seeschwalbe als аn eine Möwe erinnernd und hier und da mit Sterna paradisaea zusammen nistend. Die Nahrung besteht aus Käfern und anderen Insekten, Crustaceen, Anneliden und kleinen Fischen. Das Nest ist nichts als eine flache Mulde auf dem Erdboden oder im Moose und ist mitunter spärlich mit Halmen und dgl. ausgelegt. Es enthält im Juni oder Juli 2—3 Eier. Dieselben sind schlank bis stumpf oval, erinnern аn Raubmöweneier und sehen denen von Rhodostethia rosea sehr ähnlich, sind аber teilweise schlanker und etwas glänzender. Sie sind olivenbräunlich, mitunter ziemlich stark grünlich, die Zeichnung besteht aus braunen, unscharf umgrenzten Flecken. 2 Eier von Spitzbergen wiegen nach le Roi 1.29 und 1.34, ein von Rey gewogenes 1.380 g. 50 Eier (46 Jourdain, 2 le Roi, 2 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 44.43 x 32.24, Maximum 49.2 x 33 und 43.2 x 33.9, Minimum 41 x 31.5 und 43.6 x 29.8 mm.

*****

Brehm

Als Vertreter einer besondem Gattung darf mаn auch die reizende Schwalbenmöwe, Xema sabinei Sabine (Abb., S. 330), betrachten, da sie sich von ihren Verwandten durch den seicht gegabelten Schwanz und die außerordentlich langen Flügel unterscheidet. Kopf und Oberhals sind dunkel bleigrau, unten durch ein mäßig breites, schwarzes Halsringband begrenzt, Nacken, ganze Unterseite und Schwanz weiß, Mantel und Rücken möwenblau, Flügelbug und Flügelrand schwarz, die ersten fünf Handschwungfedern schwarz, innen bis gegen die Spitze hin und аn dieser weiß, die übrigen wie die Arm- und Oberarmschwungfedern möwenblau, am Ende breit weiß gerandet. Im Kleide der noch nicht völlig Erwachsenen ist die Kappe nur durch einen dunkel aschgrauen Fleck hinter dem Auge angedeutet, der Nacken und die kleinen Flügeldeckfedern sind mattschwarz, Mantel und Rücken möwenblau, die Steuerfedem im Enddrittel mattschwarz, alle übrigen Teile weiß. Im Jugendkleide sind alle Federn der ganzen fahl rauchbraunen Oberseite lichter gerandet, nämlich fahlgelb, bis weiß, die Schwanzfedern am Ende mattschwarz und alle Unterteile weiß. Die Iris ist lichtbraun, der Schnabel rötlichschwarz, аn der Spitze orangegelb, der Fuß schwarz. Die Länge beträgt etwa 35, die Flügellänge 28, die Schwanzlänge 12 cm.
Der höchste Norden der Erde, die amerikanischen und sibirischen Küsten sowie verschiedene Inseln des Eismeeres bilden dаs Wohngebiet der Schwalbenmöwe. Ihre Brutplätze liegen erst jenseit des 73. Grades nördl. Br. Von ihnen aus streifen die Alten höchstens bis Spitzbergen und Südgrönland hinab, während die jungen Vögel in ihrem ersten und zweiten Lebensjahre zuweilen südlicher reisen und dann auch Großbritannien, Dänemark, Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, selbst Ungarn besuchen. In Deutschland wurden mehrere, in Großbritannien viele erlegt oder beobachtet. Mit alleiniger Ausnahme der Brutzeit scheinen die kraft ihrer langen Schwingen besonders flugbegabten Vögel auf hohem Meere zu leben. In der Davisstraße und der Baffinbai, westlich von Grönland, treten sie sehr häufig auf. Edward Sabine fand sie hier, v. Middendorfs am Taimyrflusse in Nordsibirien zwischen dem 73. und 74. Grade brütend. Beiden danken wir dаs wenige, dаs wir von ihrer Lebensweise wissen.
Am Taimyrflusse erschienen die von Middendorfs beobachteten Schwalbenmöwen am 5. Juni, verschwanden bald darauf gänzlich, weil sie sich wahrscheinlich ihren Brutplätzen zugewendet hatten. Diese lagen nördlich des 74. Grades auf kleinen Schwemmlandinseln des genannten Flusses und in der Nähe gewisser Wasserbecken der Tundra, die von Sabine besuchten Brutplätze auf kleinen Felseninseln unter dem 75. Breitengrade, etwa 20 Seemeilen von Grönland entfernt. Hier wie dort brüteten die Schwalbenmöwen in innigster Gemeinschaft mit Küstenseeschwalben, denen sie auch in ihrem Fluge mehr als alle übrigen Möwen ähneln. Beide Beobachter fanden im Juli je 2 Eier in den Nestern, am Taimyrflusse in Vertiefungen im Moose, die mit vorjährigen Grashalmen ausgelegt waren, während sie auf den Felsenbergen auf dem nackten Boden lagen. Die Eier haben einen Längsdurchmesser von durchschnittlich 45, einen Querdurchmesser von 31 mm und sind auf schmutzig gelbgrünem Gmnde bräunlich gefleckt. Am 10. Juli waren die von Middendorfs untersuchten Eier schon stark bebrütet; am 15. Juli krochen die meisten Jungen aus. Ihr Dunenkleid ist oberseits auf rostgelbem Grunde über und über schwarz gefleckt, unterseits weißlichgrau. Sie wachsen rasch heran, werden von ihren Eltern in der Tundra mit den Larven eines Zweiflüglers, auf den Inseln mit kleinen Krebstieren geatzt und laufen, schwimmen und tauchen schon bald ganz vorzüglich. Die Anhänglichkeit der Alten аn ihre Brut ist eine große. Die besorgten Eltern stürzen sich unter lautem Gegacker, dаs аn dаs Schackern der Wacholderdrossel erinnert, auf jeden Eindringling, greifen ihn todesmutig аn und verlassen den Brutplatz auch dann nicht, wenn einer der Gatten vor den Augen des andern dem Blei des Schützen erlegen ist.