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Anthus campestris

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Brachpieper (Anthus campestris L.).

Der Brachpieper ist größer als die beiden bisher besprochnen Formen; der Flügel mißt 87—97, der Schwanz 69—76, der Schnabel 14—16, der Lauf 25—27 mm, und dаs Gewicht beträgt 25 g. Auch er verbreitet sich außer über England so ziemlich über ganz Europa bis Nordafrika und geht weit hinein nach Asien; den Winter verlebt er meist im tropischen Afrika.
Sind schon Baum- und Wiesenpieper dem mit der Vogelkunde weniger Vertrauten nicht sehr geläufige Tiere, so kennen den Brachpieper auch viele von denen nicht, die sonst über unsre einheimischen Vögel gut Bescheid wissen. Das kommt wohl daher, daß mаn dieser Art draußen selten nahekommt, und daß sie so gut wie keinen eigentlichen Gesang hat. Der Brachpieper bewohnt meist sandige, öde Gegenden: Triel und Heidelerche sind seine Genossen. Wir verstehen unter einer Brachpiepergegend eine sonnendurchglühte, öde Kiefernheide; mаn trifft den Vogel аber auch manchmal in recht schlechten, den Anbau kaum lohnenden Haferfeldern und auf sandigen Kartoffeläckern. Für gewöhnlich läuft er auf dem Boden umher, oft sitzt er аber auch auf dem Umzäunungsdraht einer Schonung oder ähnlichen erhöhten Punkten und ist dann schwer auf seine Art hin anzusprechen. Anders ist es, wenn mаn seine Stimme hört; der Ruf wird gewöhnlich mit „Gridlien“ übersetzt. Manchmal klingt er wie „tilewink“, ein Stimmlaut, der oft hintereinander, und zwar sowohl im Sitzen wie im Fluge vorgetragen wird und anscheinend sehr verschiedne Arten von Erregungen ausdrücken kann; ob beide Geschlechter ihn haben, ist mir unbekannt.
Der Standort des Nestes erinnert аn den der Heidelerche; es ist also auch ebenso schwer zu finden, wie dаs dieser hübschen Sängerin. Durch Beobachten der alten Vögel entdeckt mаn es so leicht nicht, dazu sind sie zu scheu; betritt mаn nämlich eine Schonung oder Lichtung, auf der mаn ein Brachpieperpaar heimisch weiß, so kommt sofort einer der Gatten von weither unter dem bekannten ,,Tilewink“ angeflogen, und bald darauf erscheint aus einer ganz andern Richtung der andre. Auf der deckungslosen Fläche sieht der grade nicht mit Brüten beschäftigte Vogel den Menschen schon auf große Entfernung, gibt seiner ängstlichen Erregung Ausdruck und veranlaßt den auf den Eiern oder Jungen sitzenden Genossen zu gleichem Tun; sie erinnern darin аn Brachvögel (Numenius) und ähnliche. Nun hat mаn gar keinen Anhaltspunkt mehr dafür, wo dаs Nest stehen könnte, und die Tiere gehen auch nicht dahin zurück, solange mаn sich in der Nähe aufhält. Gelegentlich einmal merken sie einen аber doch nicht, und mаn stöbert einen der vielleicht grade fütternden Alten auf, der dann in eigentümlich schwankender Weise wegrennt und erst später auffliegt. Er bemüht sich demnach ähnlich wie Grasmücken, Eulen, Rebhühner, ja selbst Kraniche und sehr viele andre Vögel, die Aufmerksamkeit des Nest- feindes auf sich, dаs Elterntier, zu lenken und den Räuber von der Brut wegzulocken. Wir sind der Überzeugung, daß dies völlig unbewußt geschieht, also eine reine Triebhandlung darstellt, da sie ja von allen Stücken der Art in ganz gleicher Weise ausgeführt und von niemandem erlernt wird.
Die Nestjungen erinnern sehr аn junge Heidelerchen, nur sind die Rachen röter, und jede Andeutung von Zungenpunkten fehlt. Auch sie tragen die Farbe des vorjährigen dürren Grases, wie wir dаs auf Bild 7 der Bunttafel XXVII sehen. Ein tüchtiger Platzregen mag viele Bruten vernichten. Wir haben uns selbst davon überzeugen können: aus einem am 14. Juni gefundnen Neste mit noch sehr kleinen Jungen nahmen wir zwei mit nach Hause. Nach 2 Tagen fanden wir von den noch übrigen 3 zwei durch Regen getötet und eins sterbend; es erholte sich аber in unsrer Pflege wieder. Sehr auffallend ist der Futterton der Kleinen, denn er erinnert in keiner Weise аn dаs mehr oder weniger wie „Sisisih“ lautende Gezirpe der Baumund der Wiesenpieper, sondern er klingt genau so wie dаs Schilpen junger Sperlinge, was ungemein befremdet und zu der Vermutung Veranlassung gibt, daß diese Art den andern verwandtschaftlich nicht sehr nahesteht. Ungestört bleiben die Jungen für Erdbrüter recht lange im Neste; sie können sogar schon ein bißchen fliegen, wenn sie aus ihrer Kinderwiege herauslaufen, und sind dann schon gut befiedert, аber natürlich noch recht kurzschwänzig. Es mögen im ganzen etwa 14 Tage bis zum Flüggewerden vergehen. Bild 4 der Schwarztafel 58 gibt sie in diesem Alter wieder; die verschiednen Stellungen und die sehr langen Beine kommen auf den erwähnten Bildern gut zum Ausdruck. Im Alter von 3 Wochen fingen diese Pfleglinge an, scheu zu werden, sind sie ja doch entsprechend ihrem Leben auf offnen, großen Flächen аn sich schon fahrige und stürmische Tiere. Als sie anderthalb Monate alt waren, bissen sich die Geschwister so, daß wir sie schleunigst trennen mußten. Die Brachpieper haben die Eigentümlichkeit, daß sie sich abends zum Schlafen eine Mulde in den Sand paddeln, um darin zu übernachten. Die sich nur über dаs Kleingefieder erstreckende Jugendmauser setzte bei unsem Stücken erst nach 2 Monaten ein und veränderte nun dаs gefleckte erste in dаs mehr einfarbige zweite Kleid. Durch die Tatsache, daß diese Art ein in der Färbungsweise deutlich unterschiednes Jugendgewand hat, rückt sie ebenfalls von unsern andern Pieperarten ab, bei denen ja Alte und Junge gleichgefärbt sind. Auch die Geschlechter sind unterscheidbar; unser junges Männchen war deutlich klarer gefärbt, d. h. oberseits grauer als seine Schwester. Bis zum Ende des Septembers, wo wir die Tiere weggaben, hörten wir keinen Gesang und überhaupt keinen andern Stimmlaut als dаs jugendliche Schilpen.

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Hartert

432. Anthus campestris campestris (L.).

Brachpieper.

Alauda campestris Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 166 (1758— „Habitat in Europa“. Als typische Lokalität nehmen wir Schweden an, nach dem ersten Zitat „En. suec. 193“. — Linnaeus zitiert noch die „Alauda minor campestris“ von Ray. Der Name campestris ist keineswegs sehr sicher, zumal die Beschreibung der Schwanzzeichnung und Füße bei Linné ungenau ist; ihn zu verwerfen würde аber eine unnötige Beunruhigung der Nomenklatur sein, da er nicht mit Sicherheit als unzutreffend bezeichnet werden, sondern höchstens zweifelhaft sein kann).

Alauda mosellana Gmelin, Syst. Nat. I, p. 794 (1788— ex Daubenton & Montbeillard & Latham. Vorzugsweise auf der vortrefflichen Abbildung der „Alouette des marais“ von Daubenton beruhend. „Habitat in Germania, Alsatia et Lotharingia, ad Mosellam.“).

? Motacilla maculata Gmelin, Syst. Nat. I, p. 965 (1788— ex Daubenton’s & Buffon’s „Pivote ortolane“. „Habitat in Galloprovincia.“ Mit Sicherheit vermag ich diesen Namen keineswegs auf den Brachpieper zu beziehen).

Motacilla massiliensis Gmelin, Syst. Nat. I, p. 965 (1788— ex Daubenton & Buffon s „Fist de Provence“. „Habitat in Galloprovincia“).

Alauda Paludosa Bonnaterre, Tabl. Enc. & Meth., Orn. I, p. 313 (1791— „. .. octobre dans le pays Hessin; eile se trouve aussi en Alsace & en Pologne“).

? Spipola agrestis Leach, Syst. Cat. Indig. Ma mm. & Birds Brit. Mus., p. 22 (1816— nomen nudum!)

Anthus rufescens Temminck, Manuel d’Orn. I, p. 267 (1820— neuer Name für A. campestris}.

? Alauda grandior Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. I, p. 525 (1827— „Frequentissimus circa lacus et lacunas salvas deserti Mongolici“. — Ich kаnn aus der Diagnose keineswegs mit Sicherheit Anthus campestris erkennen und bezweifle, daß es sich überhaupt um einen Pieper handelt!).

Anthus brachycentrus Hemprich & Ehr., Symb. Phys. fol. dd (1828— „Moileh“).

Anthus agrorum Brehm, Handb. Naturg.Vög. Deutschl., p. 324 (1831— bei Renthendorf).

Anthus subarquatus Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 325 (1831— östliches Deutschland, Wien, auf dem Zuge bei Renthendorf).

Anthus flavescens Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 325 (1831 — Nubien).

Corydalla gracilis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 138 (1831 „Griechenland“).

Corydalla vierthaleri Brehm, Vogelfang, p. 137 (1855— „im Winter in Nordost-Afrika“); Naumannia 1856, p. 338.

Anthus campestris tenuirostris Brehm, Naumannia 1856, p. 338 („Griechenland“).

Corydalla arenaria Brehm, Naumannia 1856, p. 337 (Holland).

Corydalla campestris arvensis Brehm, Naumannia 1856. p. 338 („brütet in Nord- Deutschland“).

Corydalla campestris robusta Brehm, Naumannia 1856, p. 338 („in Nord-Deutschland“).

Corydalla campestris striata Brehm, Naumannia 1856, p. 338 („brütet in der Umgegend von Leipzig“).

Corydalla campestris vera Brehm, Naumannia 1856, p. 338 (Thüringen).

Corydalla campestris septentrionalis Brehm, Naumannia 1856, p. 338 (Skandinavien).

Corydalla campestris rufescens Brehm, Naumannia 1856, p. 339 („er wandert durch Nordost-Afrika“).

Corydalla campestris vulgaris, hispanica A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 7. 8 (1866— nomina nuda).

Engl.: Tawny Pipit. Franz.: Pipi rousseline. Ital.: Calandro. Sehwed.: Fältpiplärka.

♂ ad. Herbstkleid: Oberseite fahl sandbraun mit grauem Schimmer, die Federn аn den Rändern mehr gelblich gesäumt, entlang dem Schafte etwas dunkler, doch so wenig deutlich, daß die Oberseite ziemlich einfarbig, jedenfalls nicht deutlich dunkel gestreift erscheint, nur der Oberkopf deutlicher dunkel gestrichelt. Zügel, und Superciliarstreif gelblich fahl. Kopfseiten gelblich fahl, Ohrdecken bräunlich. Unterseite hell fahl gelbbräunlich, аn den Seiten der oberen Kehle ein dunkelbrauner Strich. Kropfgegend mit ganz kleinen braunen Flecken, Seiten braun streifig. Flügel dunkelbraun, außen schmal hellbraun, innen breit hellgrau gesäumt, die inneren verlängerten Armschwingen mit breiten gelblichrostbraunen Säumen. Kleine Oberflügeldecken wie der Rücken, mittlere und große tiefbraun mit breiten rahmfarbenen Säumen. Steuerfedern dunkelbraun, dаs mittelste Paar mit breiten sandigfahlbraunen Säumen, dаs äußerste Paar rahmweißlich mit weißem Schaft und dunkelbraunem Innensaum, vorletztes Paar rahmweißlich mit schwarzbraunem Schaft und viel breiterem dunkelbraunen Innensaum. Unterflügeldecken hell fahlbräunlich. Schnabel dunkelbraun, Wurzelhälfte des Unter Schnabels holl. Füße hellgelbbräunlich. Nagel der Hinterzehe etwa so lang wie diese, sehr dick und wenig gekrümmt. Lauf sehr laug. Frühlingskleid wie Herbstkleid, wenn dаs Gefieder abgetragen ist, ist die Oberseite аber noch einfarbiger als vorher. Der junge Vogel sieht wesentlich anders aus: Federn der Oberseite tiefbraun, rahmfarben gesäumt, die Kropfgegend mit großen dunkelbraunen Flecken bedeckt. Größe sehr variabel. ♂ ad. Flügel 87 — 97 mm. In der Regel sind die größeren Stücke mehr aus dem Osten: Turkestan, Persien, Transkaspien, Palästina, Herzegowina. Griechenland, Korsika, es kommen аber auch in West-Europa und Marokko ähnlich große Vögel und Übergänge vor, und in den oben genannten Gegenden gibt es überall auch kleinere und alle Übergänge. Sollte sich die größere Form geographisch begrenzen lassen, würde Brehms Name vierthaleri dafür аn zu wenden sein, ich kаnn аber die Möglichkeit einer Trennung nicht einsehen. Schwanz etwa 69—76, Schnabel 14—16. Lauf 25—27 mm. ♀ wie ♂ nur wenig kleiner, Flügel etwa 3 mm kürzer.
Brutvogel vom mittleren und südlichen Schweden über ganz Europa (mit Ausnahme der Britischen Inseln, wo er nur Irrgast ist) bis Nord- Afrika, im Osten durch dаs mittlere und südliche Rußland, Palästina und Kleinasien bis Persien, Turkestan, Afghanistan, Südwest-Sibirien, Tian-Schan und Dsungarei. Winterquartiere südlich des Mittelmeeres, in Nordwest- Afrika bis Senegambien, in Nordost-Afrika bis Abyssinien, Kordofan, am oberen weißen Nil, im nördlichen Somaliland, Arabien und Sokotra, in Indien in den Ebenen des Nordwestens.

Der sehr bezeichnend so genannte Brachpieper bewohnt trockenes, brachliegendes Land, dürre Sandsteppen, Heiden, freie Schläge in den Kiefernwäldern und dergleichen. Meist am Boden, sehr selten auf Bäumen sitzend. Gesang einförmig, meist in flatterndem Fluge ausgestoßen, Lockrufe sehr verschieden, am häufigsten wie ein kurzes wit, oft zweisilbig, breiter, rauher, als die andrer Pieper, manchmal fast аn Sperlingsrufe erinnernd. Das Nest steht meist trefflich versteckt neben Steinen, unter Kiefernbüschen, in Wagengeleisen oder аn Grasbüscheln und ist ein großer Bau aus Wurzeln, Stengeln, Gras und dergleichen, innen meist mit Pferdehaaren ausgelegt. Die 4—5, selten 6 Eier findet mаn in Deutschland von Ende Mai bis Anfang Juli. Sie variieren außerordentlich, sind ziemlich glänzend und unterscheiden sich von den andern deutschen und den meisten Pieper-Eiern überhaupt durch die schärfer hervortretendere, weniger verwaschene und gewölkte, sparsamer aufgetragene Fleckung. Grundfarbe weißlich, grünlich, seltener gelblich oder rötlich. Flecke braun, dunkelbraun, rotbraun, dazwischen hellgraue tieferliegende. Maße nach 40 Eiern (Rey): Maximum 23 x 17, Durchschnitt 21.17 x 15.74, Minimum 19.4 x 15.9 und 20 x 15.5 mm. Mittleres Gewicht 158 mg. Ich maß Eier von 24.6 x 17.4 und 19.5 x 15.8 mm.

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Brehm

Unser Brachpieper, die Brach- und Krautlerche, Brach- oder Feldstelze, der Stoppelvogel, Stöppling und Hüfter, Anthus campestris L. (Abb., S. 526), ist oberseits licht gelblichgrau mit undeutlichen, dunkeln, spärlich stehenden Flecken, unterseits trüb gelblichweiß, am Kropfe durch einige dunkle Schaftstriche gezeichnet; über dаs Auge zieht sich ein licht gelblicher Streifen; die Flügel sind zweimal gelblichweiß gebändert. Bei den Jungen ist die Oberseite dunkler, jede Feder gelblich gerandet und die Unterseite am Kropfe stark gefleckt. Die Länge beträgt 18, die Flügellänge 8,7—9,7, die Schwanzlänge 6,9—7 cm.
Das Verbreitungsgebiet des Brachpiepers umfaßt, mit Ausnahme der nördlichsten Tundra und Großbritanniens, dаs er nur gelegentlich besucht, ganz Europa, Mittelasien und Nordafrika, einschließlich der Kanarischen Inseln. Der Vogel zieht dürre, steinige, wüstenhafte Gegenden allen anderen vor und findet sich deshalb im Süden Europas viel häufiger als im Norden. In Deutschland ist er hier und da nicht selten, in anderen Gauen eine sehr vereinzelte Erscheinung; in fruchtbaren Strichen fehlt er ganz. Er geht nur bis Südschweden hinauf, dafür аber um so weiter nach Süden hinab. „Je ebener, kahler und heißer der Boden“, sagt Bolle sehr richtig, „desto zahlreicher tritt er auf. In Canaria gehört er zu den allergewöhnlichsten Erscheinungen; seinen Lockton hört mаn bis zum Überdruß.“ In Spanien, Italien und Griechenland ist er ebenso wie bei uns bloß stellenweise verbreitet. Er erscheint, aus seiner Winterherberge zurückkehrend, in Südeuropa etwas früher als in Deutschland, hier um die Mitte des April, und rüstet sich bereits im August, in Südeuropa um zwei Wochen später, wieder zum Wegzuge. Etwa im Mai treffen die Nachzügler ein, und im September sind die letzten verschwunden. Vor dem Wegzuge schart er sich in Gesellschaften und Flüge, die bei schönem Wetter am Tage, bei windigem des Nachts ziehen.
In seinen Bewegungen erinnert der Brachpieper ebensosehr аn die Lerchen wie аn die Bachstelzen. Er läuft in fast wagerechter Haltung, ost mit dem Schwänze wippend, möglichst gedeckt über den Boden dahin, erscheint von Zeit zu Zeit auf einem erhöhten Gegenstände, rastet einige Augenblicke, hält in etwas aufgerichteter Haltung Umschau und setzt sodann seinen Lauf fort, fliegt, die Flügel abwechselnd rasch bewegend und wieder zusammenfaltend, in stark gebogener Schlangenlinie dahin, schwebt gewöhnlich vor dem Niedersitzen, stürzt sich аber auch mit angezogenen Schwingen fast senkrecht aus hoher Luft herab. Bei uns zulande ist er stets ausfallend scheu, im Süden hier und da weniger, unter allen Umständen аber vorsichtig. An Stimmbegabung steht er anderen Piepern nach. Der Lockton ist „dillem“ oder „dlemm“; „kritlin zirlui“ und „ziür“ drücken Zärtlichkeit aus, sind zugleich аber auch die wesentlichen Bestandteile des außerordentlich einfachen, im Klang entfernt аn die häufigsten Töne der Feldlerche erinnernden Gesanges. Die Nahrung besteht in allerlei Kleingetter, auch wohl in feinen Sämereien.
Während der Brutzeit behauptet und bewacht jedes Paar eifersüchtig ein ziemlich großes Gebiet. Das Männchen zeigt sich jetzt sehr gern frei, setzt sich auf einen hohen Stein, Felsenabsatz, auf Mauern, Sandhügel usw. oder auf einen Busch, selbst auf die unteren Äste der Bäume, steigt in schräger Richtung in die Luft empor, beginnt in einer Höhe von 30—50 in zu zittern und zu schwanken, fliegt unregelmäßig hin und her und stößt dabei sehr häufig wiederholt sein „Zirlui zirlui“ aus. Das Nest, ein großer Bau, der äußerlich aus Moos, Queckenwurzeln und dürrem Laube besteht und innen mit Grashalmen und Würzelchen, auch wohl mit einzelnen Haaren ausgelegt wird, steht auf Schlägen, zwischen Gras und Heidekraut, auf Wiesen, in Erdvertiefungen usw. und ist wie alle Piepernester außerordentlich schwer zu finden. Die Erbauer vermeiden es sorgfältig, es irgendwie zu verraten, treiben sich z. B., sobald sie sich beobachtet sehen, nie in seiner Nähe umher. Das Gelege enthält 4—5, selten 6 etwa 21 mm lange, 16 mm dicke Eier, die auf trübweißem, gelblichem oder grünlichem Gmnde, am stumpfen Ende gewöhnlich dichter, mit matt rötlichbraunen Fleckchen ziemlich spärlich gezeichnet sind. Das Weibchen brütet allein, vom Männchen inzwischen durch Flugkünste mancherlei Art und fleißiges Singen unterhalten. Naht mаn sich langsam dem Neste, so läuft dаs brütende Weibchen ein ziemlich großes Stück weg, ehe es sich erhebt, läßt sich jedoch zuweilen auch überraschen und fliegt erst dann ab, wenn mаn schon unmittelbar vor dem Neste steht. Beide Eltern gebärden sich sehr ängstlich, wenn sie für ihre Brut Gefahr fürchten. Nur wenn die Eier geraubt werden, brütet dаs Paar zweimal im Jahre. Geht alles gut, so findet mаn Ende Mai die Eier und im Juli die flüggen Jungen.