Print This Beitrag

Anthus richardi

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

*****

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

*****

Hartert

430. Anthus ricliardi richardi Vieill. (Fig. 47.)

Spornpieper.

Anthus Richardi Vieillot, Nouv. Dict. d’Hist. Nat. XXVI, p. 491 (1818— Frankreich).

Anthus macronyx Gloger, Vollst. Handb. Naturg. Vög. Europ., p. 269 (1834— eine Umbenennung von A. richardi!).

Anthus longipes Holandre, Faune de la Moselle, p. 84 (1836).

Corydalla sinensis Bonaparte, Consp. Av. I, p. 247 (1850— Süd-China).

Anthus maximus Blyth, in Blyth’ Ausgabe von White’s Nat. Hist. Selborne, p. 262 (1858).

Abbild.: Naumann, Vög. Deutschl., Taf. 371, Fig. 3, 4; Dresser, B. Europe III, Taf. 138.

Kralle der Hinterzehe 15—22.5 mm lang, selten so lang wie, meist merklich länger, als die Hinterzehe. 2. (ausgebildete) bis 4. Handschwinge mit verschmälertem Enddrittel der Außenfahne. Herbstkleid: Oberseite dunkelbraun mit breiten rostgelben Federrändern, Bürzel nahezu einfarbig braun. Superciliarstreif hell gelblichbraun. Ohrdecken braun, streifig. Unterm Auge und аn den Seiten der oberen Kehle je ein schmaler schwarzbrauner Streif. Schwingen dunkel schieferbraun mit schmalen, аn den letzten Armschwingen breiten Säumen. Kleine Oberflügeldecken wie der Rücken, mittlere und große dunkelbraun, mit breiten gelbbräunlichen Säumen. Steuerfedern dunkelbraun mit sehr schmalen hellen Säumen, dаs mittelste Paar wie die letzten Armschwingen, dаs äußerste Paar weiß mit weißem Schaft, Innensaum mit breitem graubraunen Saum, vorletztes Paar weiß mit dunkelbraunem Schaft und noch viel breiterem graubraunen Innensaum. Unterseite weiß mit bräunlichem Anflug, Halsseiten mit dunkelbrauner Fleckenreihe, Kropfgegend mit dunkelbraunen Tropfen flecken, Seiten mehr bräunlich. Unterflügeldecken bräunlich rahmfarben. Iris dunkelbraun, Oberschnabel tiefbraun, Unterschnabel hellbraun, аn der Spitze dunkler. Beine und Füße hellgelblichbraun. Das Frühlingskleid ist wie dаs Herbstkleid, аber nach der Mauser verbleichen die Farben und die Federränder nutzen sich ab, sodaß die Oberseite viel heller, weniger rostfarben, die Unterseite weißlicher erscheint. Das erste Jugendkleid ist oben schwarzbraun mit schmalen rahmfarbenen Federsäumen, die Kropfgegend noch stärker gefleckt, Säume der Flügeldecken weißlich, Seiten und Weichen mit deutlichen dunklen Streifen. ♂ ad.: Flügel 94—100, Schwanz etwa 74—79, Schnabel etwa 14, Lauf 30—33 mm. ♀ wie ♂, nur etwas kleiner, Flügel etwa 88—91 mm.
Brutvogel in Sibirien (Jenissei, Oberlauf der Lena) bis zum Altai, Tian-Schan, Chami, Ssa-tcheu, Nan-Schan, Kukunor, am oberen Chuan-che und in Kansu. — Gewaltiger Wanderer, der seine Winterquartiere in den Tropen: Indien, Ceylon, Burma, Süd-China, Hainan aufschlägt, аber auch oft nach Westen hin streift, wo er beinahe 70 mal in England, sehr häufig auf Helgoland, auf Borkum, selten in Deutschland, in Persien, Kleinasien, Skandinavien, Rußland, Galizien, Österreich-Ungarn, Alpengebiet, Frankreich, Belgien, Holland, Italien (nicht selten), Spanien, Nord-Afrika beobachtet und erlegt wurde.

Die Spornpieper bewohnten wohlbewässerte Ebenen, Wiesen und dergleichen. Der Zug findet schon früh statt, denn auf Helgoland treffen sie meist schon im August ein. Lockton lauter und tiefer als der andrer Pieper, wie rrrüp klingend, manchmal auch hört mаn einen doppelten schilpenden Ton. Der Gesang soll unbedeutend sein. Das Nest steht in einer Vertiefung am Erdboden und enthält in Daurien in der ersten Hälfte des Juni 4—6 Eier. Dybowski behauptet, daß in der zweiten Hälfte des Juli eine zweite Brut folge(?)- Die Eier sind blaß olivenfarbig, grünlichgrau oder blaß schmutzig rosa. Die meist etwas strichförmige Fleckung ist dunkel olivenbraun, braun oder violettgrau. Sie messen nach Dybowski 22.3 x 16, 22.8 x 17, 23 x 16.2, 23 x 16.2, 23 x 17.2, 20.8 x 15.8, 20.8 x 15.4, 20.8 x 15.8, 20.6 x 16.4 mm. Ein Ei in Nehrkorns Sammlung wiegt 167 mg.

*****

Brehm

Auf dem Wege nach seiner Winterherberge durchwandert den Nordrand unsers Vaterlandes ein dem Brachpieper verwandter Vogel, der Sporenpieper, Anthus richardi Vieill. (Abb., S. 526). Er ist der größte aller in Deutschland vorkommenden Pieper und аn dem sehr langen, fast geraden Nagel der Hinterzehe leicht vom Brachpieper zu unterscheiden. Die Länge beträgt 20, die Flügellänge 10, die Schwanzlänge 8 em. Die Oberteile sind dunkelbraun, alle Federn, die Mantel- und Schulterfedern am breitesten, rostgelbbräunlich gerundet, Bürzel und obere Schwanzdecken einfarbig gelbbraun, Zügel, breiter Augen- und Schläfenstrich rostgelblichweiß, die Ohrgegend, ein vom Mundwinkel herablaufender Bartstreifen braun gefleckt, Kropf und Hals mit dunkeln Schaftflecken, die Schenkelseiten mit einzelnen schmalen, dunkeln Schaftstrichen gezeichnet, die Schwungfedern dunkel olivenbraun, die Handschwingen außen sehr schmal, die Armschwingen breit rostgelbbräunlich gerundet, ebenso die Decken der Armschwingen, die am Ende, wie die größten oberen Flügeldecken, weißliche Ränder tragen und dadurch zwei helle Querbinden über dem Flügel bilden, die Schwanzfedern dunkel olivenbraun, außen schmal rostfahl gesäumt, die äußerste Feder in der Wurzelhälfte der Jnnenfahne dunkel getrübt, die zweite Feder ebenso аn der Spitze gefärbt. Die Iris ist tiefbraun, der Oberschnabel hornbraun, der untere hellbraun, der Fuß fleischfarben. Junge Vögel unterscheiden sich durch die schärfer hervortretenden helleren Federränder der Oberseite und die ausgeprägtere Fleckung des Kropfes.
Die Heimat des Sporenpiepers ist dаs Steppengebiet Mittel- und Ostasiens, einschließlich Nordchinas. Von hier aus wandert der Vogel allwinterlich nach Süden und erscheint dann in Südchina und in ganz Indien bis Ceylon und auf den Molukken, namentlich аber im untern Bengalen, wo er in den bei uns kalten Monaten außerordentlich häufig auftritt, auch massenhaft gefangen und unter dem Namen Ortolan auf dem Markte von Kalkutta verkauft wird. Große Mengen аber ziehen auch westlich bis zum Atlantischen Ozean hin, und solche sind es auch, die im Norden Deutschlands gesehen werden. Gätkes sorgfältige Beaufsichtigung der kleinen Insel Helgoland hat uns belehrt, daß die Reisen dieses Piepers viel regelmäßiger geschehen, als bisher angenommen wurde.
Hinsichtlich der Lebensweise dürfte sich der Sporenpieper wenig von seinen deutschen Verwandten unterscheiden. Nach Dybowskis Beobachtungen erscheint er in Ostsibirien Anfang Mai oder etwas später, bezieht weite wiesenähnliche Flächen der Steppe, Hochebenen von 1500 in Höhe ebenso häufig wie tiefere Lagen, tritt überhaupt da, wo er vorkommt, in erheblicher Anzahl auf, so daß er zu den gewöhnlichen Vögeln des Landes zählt. Das Nest steht meist in einer von dem weidenden Vieh ausgetretenen Vertiefung und enthält in der ersten Hälfte des Juni 4—6 Eier von 21 mm Länge und 16 mm Dicke, die denen der Bachstelze entfernt ähnlich, auf blaß rosenrotem oder blaß olivenfarbigem Gmnde mit einer Menge kleiner, verschieden gestalteter und verschieden langer, mannigfach untereinander vermengter und durchkreuzter Striche gezeichnet sind. Während dаs Weibchen brütet, hält dаs Männchen in einiger Entfernung treue Wacht und warnt bei Gefahr, woraufhin dаs Weibchen zuerst laufend sich entfernt, dann sich erhebt und gemeinschaftlich mit jenem davonfliegt. Hatten beide sich bis auf eine gewisse Strecke entfernt, so kehren sie plötzlich wieder um; dаs Weibchen fliegt zum Boden herab und kehrt zu Fuße zu seinem Neste zurück, weshalb dieses auch nicht leicht gefunden wird. In der letzten Hälfte des Juli brütet, nach Dybowski, dаs Pärchen zum zweiten Male.