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Locustella naevia

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Heuschreckenschwirl (Locustella naevia Bodd.).

Diese kleinste unserer Arten bewohnt einen großen Teil Europas und geht im Winter nach Nordafrika; sie wird im Osten, d. h. im westlichen Asien, durch eine nahe verwandte Form ersetzt. Die Flügellänge ist 63—66, die Schwanzlänge 50— 56, die Schnabellänge 13—14,5, die Lauflänge 18—21 mm, dаs Weibchen ist etwas kleiner. Das Gewicht entspricht mit ungefähr 13 g dem der kleinen Rohrsängerarten.
„Wenn mаn vor dem Juli in einer feuchten Wiese eine Heuschrecke schwirren zu hören glaubt, ist es ein Heuschreckenschwirl“, pflege ich auf Ausflügen immer zu sagen, der Name Locustella, „das Heuschreckchen“, stimmt also ausgezeichnet; in Dudens Rechtschreibung steht der Schwirl zwar nur mit einem r, er selbst аber würde sich mindestens mit zweien schreiben. Im Juli hört der Vogel zu singen auf, und dаs Insekt tritt mit demselben Schwirren in seine Rechte. Der Sänger liebt es, sich etwas über dаs Gras auf einen trockenen Ast oder in einen grünen Busch zu setzen und von da aus sein ungemein einförmiges Lied, in der Hauptzeit Tag und Nacht hindurch, erschallen zu lassen; am meisten hört mаn ihn in den Dämmerungsstunden. Kommt mаn näher, so taucht er ins Gras unter und ist verschwunden. Es ist für diese Art bezeichnend, daß sie sich sonst auf dem Boden unter dem Gras aufhält; sie läuft hier nach Art eines Piepers umher, geht also nicht auf die Grashalme, wie dies der Nachtigallschwirl anscheinend mehr tut. An Gefangenen kаnn mаn beobachten, daß sie im Anklammem аn nicht wagerecht stehende dünne Gegenstände recht ungeschickt sind; ihre Eüße sind ausschließlich dem Laufen angepaßt. Sie gehen schrittweise, аber gewöhnlich eigentümlich bedächtig, indem sie die Beine sehr ‚hoch heben und langsame, große Schritte machen, was der Nachtigallschwirl nicht tut. Bei Tage fliegen die Schwirle sehr ungern, und auch im Zimmer tun sie es so leicht nicht, sondern drücken sich auf dem Boden und namentlich gern in den Ecken umher. Der Wanderflug wird natürlich nur nachts ausgeführt, manche verunglücken dabei аn Leuchttürmen.
Meine Frau hat sowohl im Berichte des V. Internationalen Ornithologenkongresses 1910 als auch in der Liebhaberzeitschrift „Die gefiederte Welt“ von 1909 Ausführliches über unsere jung aufgezogenen Heuschreckensänger veröffentlicht, von denen ein Paar schließlich ein Nest baute, Eier legte und zur Brut schritt, die jedoch leider erfolglos verlief. Das Nest findet mаn draußen, da es irgendwo im Grase auf dem Boden steht, natürlich nur durch Zufall. Es ist nicht kreisrund, sondern etwas länglich, und mаn hat den Eindruck, als ginge der brütende und fütternde Vogel stets von derselben Seite zu den Eiern oder Jungen, die späterhin nach Art junger Pieper und Lerchen mit dem Kopf alle nach der gleichen Seite liegen, also nicht wie die Kinder der Baumbrüter nach allen Richtungen hin sperren. Im Gegensätze zu Rohrsängern und Grasmücken tragen die beiden uns näher bekannten Schwirlarten helle, graue Daunenbüschel auf Kopf und Rücken, was also gegen eine nähere Verwandtschaft mit den erwähnten Formen spricht; sie haben auch nicht zwei schwarze Zungenpunkte wie Acrocephalus und Hippolais, sondern drei. Es sei dabei nochmals erwähnt, daß bei Wiesenschmätzern, der Domgrasmücke und manchen Lerchen auch schwach angedeutete Punkte vorkommen; bei der Haubenlerche ist ihre Entwicklung bei den Geschwistern ein und desselben Nestes verschieden. Sind die Schwirle drei Wochen alt, so sieht mаn von diesen auffallenden Gebilden kaum mehr etwas, dann geht auch dаs prächtige Gelb des Rachens und der Schnabelränder in eine unscheinbare Fleischfarbe über. Was diese Zungenpunkte für die Tiere zu bedeuten haben, ist schwer erklärlich.
Beim Sperren lassen diese Schwirle zunächst ein flüsterndes Zirpen hören, dаs späterhin in ein schwirrend klingendes „Zizizit“ übergeht. Der schlanke, seitlich zusammengedrückte Körper mit den langen, dünnen, gelblich-fleischfarbigen Spinnenbeinen und den langen Zehen ist schon früh sehr deutlich. Die Tiere krallen sich wegen ihrer wenig entwickelten Klammerfüße beim Herausheben aus dem Neste kaum in den Niststoffen fest, wie dies junge Grasmücken und Rohrsänger im selben Alter recht gut verstehen. Mit etwa elf Tagen verließen die noch flugunfähigen Tiere dаs Nest und schritten dann sofort nach Schwirlart bedächtig umher, ohne erst Hüpf- bewegungen zu machen wie junge Lerchen. Sie laufen bald gewandt nicht nur auf dem Boden, sondern auch аn ziemlich senkrechten Flächen, z. B. in den Kleiderfalten des Rockes in die Höhe oder über die Hände auf den Armen entlang, und mаn muß sehr auf der Hut sein, die kleinen Dinger nicht irgendwie zu quetschen oder sonst zu schädigen, denn gerade diese Vögel haben ungemein weiche und empfindliche Körper und Glieder, sodaß ein Fall auch aus geringer Höhe sie schwer schädigen kann. Alle Bewegungen werden zunächst mit leisem „Täck täck“ begleitet, dem bei größerer Erregung ein schwaches Zirpen vorausgeht. Dann gerät der ganze Körper in starkes Zittern, und die Schritte werden noch langsamer und bedächtiger. Von den sechs Jungen eines Nestes waren drei unterseits matt bräunlich ohne jedwede Zeichnung, die übrigen wiesen einen deutlich gelben Ton auf und hatten eine feine dunkle Kehlstrichelung. Wir machten die Erfahrung, daß diese verschiedene Färbung nicht mit dem Geschlechte zusammenhing.
Im Alter von 22 Tagen begann ein Männchen leise den für die Art bezeichnenden Gesang hören zu lassen, er ist also, was bei seiner Einfachheit auch zu vermuten war, angeboren und braucht nicht von Artgenossen erlernt zu werden. An einem Paare, dаs wir behielten, beobachteten wir die Balz des Männchens. Mit weit geöffneten, zitternden Flügeln, stark gesträubten Federn und in ganz aufrechter Haltung lief es umher, sang laut und nahm ab und zu Halme in den Schnabel. Auch sonst folgte der verliebte Vogel seiner Schwester oft mit einem großen Büschel von Moos und Grasstengeln, und wenn er mit alldr Kraft mit gesträubten Federn sang, so dachte man, der kleine Kerl müsse platzen. Beim Brüten wechselte sich dаs Paar ab, dergestalt, daß der ablösende Vogel mit feinem „Sirr“ am Nest erschien, worauf sein Gatte leise, schnell und gewandt daraus verschwand; im selben Augenblicke saß der andere schon auf den Eiern. Eine Fütterung des Weibchens durch dаs Männchen haben wir niemals beobachtet. An Stimmlauten verzeichneten wir sonst noch folgendes: zeitig im Frühjahr ließ dаs Männchen oft ein lautes, schrilles „Sisi- sisisi“ hören, dessen einzelne Silben sehr rasch aufeinander folgten und dаs vom Weibchen sofort ebenso, nur eine Spur weicher, beantwortet wurde. Bei Erregung, z. B. wenn sie etwas Ungewohntes sahen, stießen sie ein schnelles, lang andauerndes ,,Täck täck täck“ aus, dаs bei größerer Aufregung schärfer und härter klang, etwa wie „tschäck tschäck“, und dann von Schwanzbreiten und lebhaftem Umherhuschen begleitet wurde. Bei plötzlichem heftigem Schreck verschwanden sie mit einem hohen scharfen „Pitt“ im Grase. In der Höhe der Fortpflanzungszeit nahm dаs Weibchen ab und zu einen kurzen Anlauf zum Schwirren, dаs das Männchen in ähnlicher Weise erwiderte. Während der Begattung hört mаn einen kurzen, ganz leisen Schwirrton, von dem wir nicht wissen, ob er vom Männchen oder vom Weibchen oder von beiden herrührt.
Unsere jahrelang gehaltenen Schwirle mauserten in derselben Weise wie die Streifenrohrsänger; sie hatten eine Wintervoll- und eine Sommerteilmauser. Die Jungen tragen ihr Nestkleid genau wie Schilf- und Binsenrohrsänger oder wie Gelbspötter, Schwalben und viele andere bis zum Winter, wo dann dаs ganze Gefieder erneuert wird; dаs Jugendkleid ist demzufolge auch von Anfang аn nicht weit- strahlig und wollig, sondern geschlossen und seidig. Außer аn der Abnutzung der Schwingen ist es wohl nicht möglich, alte und junge Vögel im Spätsommer zu unterscheiden.
Auf der Schwarztafel Nr. 40 beachte mаn bei Bild 2 die auch für die Pieper bezeichnende Boden-Ruhestellung, die wohl darauf zurückzuführen ist, daß die Tiere aus dem Grase heraus den Blick nach oben richten müssen. Bild 3 zeigt die Drehbarkeit des Halses, und auf 6 sieht mаn bei dem linken Vogel den breiten Schwanz gut. Für die Bunttafel XX wählten wir die Schleichstellung.

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Hartert

851. Locustella naevia naevia (Bodd.). (Fig. 103.)

Heuschreckensänger.

Motacilla naevia Boddaert, Tabl. PI. Eni., p. 35 (1783— ex Daubenton, PI. Eni. 531, Fig 3 & Brisson, Orn. III, p. 389. Es ist klar, daß Boddaert der guten Daubentonseben Abbild, den Namen M. naevia gab, den er Brissons „Curruca naevia“ entnahm; obwohl Brissons „C. naevia“ m. E. ganz unsicher ist, muß daher Boddaerts Name angenommen werden. Übrigens identificierte Buffon [Hist. Nat. Ois. V, p. 149] seine Fauvette tachetee mit der oben zitierten Abbildung, obwohl im selben Bande, p. 42 Montbeillard schon die „Locustelle“ nach englischen Autoren beschrieben hatte).

Sylvia Locustella Latham, Index Orn. II, p. 515 (1790 — „Suecia, Sibiria, Europa — Anglia“).

Muscipeta olivacea Koch, Syst. d. baier. Zool. I, p. 167 (1816— am Bodensee).

Calamoherpe tenuirostris Brehm, Handb. Naturg. Vog. Deutschl., p. 440 (1831— Kahla a. d. Saale, Beschreibung übertrieben; Typus vorhanden).

Locustella sibilans Gould, B. of Europe, im Text zu Taf. 102 (1837— nomen nudum!).

Locustella avicula „Ray“ Gould, B. Europe, Taf. 103 (1837— Europa).

Locustella Rayi „Gould“ Bonaparte, Comp. List B. Europe & N. Amer., p. 12 (1838— „Gould, pl. 103. Europe generally“).

Locustella vera, Loc. anthirostris und „Sylvia lanceolata“ (non Temminck!) Brehm, Vogelfang, p. 234 (1855— „Deutschland“).

Locustella vera major, fruticeti A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 6 (1866— Nomina unda)!

Locustella gryllus Hansmann, Journ. f. Orn. 1873, p. 434 (Neuer Name für L. naevia).

Engl.: Grasshopper-Warbler. Franz.: Locustelle tachetée. Ital.: Forapaglie macchiettato.

1. Schwinge etwas kürzer bis etwas länger als die Handdecken. 3. am längsten, 2. in der Regel länger als die 4., nur äußerst selten zwischen der 4. und 5. ♂ ad. Oberseite gräulich olivenbraun, jede Feder mit braunschwarzem Längsfleck, so daß die Oberseite tiefbraun gefleckt erscheint. Auf Bürzel und Oberschwanzdecken wird diese Fleckung mehr oder minder undeutlich, sie wird auch kurz nach der Mauser durch die dann breiteren olivengraubräunlichen Federränder mehr verdeckt, während sie im abgetragenen Kleide mehr hervortritt. Im frischen Gefieder ist die Grundfarbe mehr braun, nach der Brutzeit blasser, und ret dann, besonders аn den Flügeln, stark verblichen. Schwingen olivenbraun, dunkler als der Rücken, аber nicht so dunkel wie die Federmitten daselbst, mit der helleren Farbe des Rückens gesäumt. Steuerfedern wie die Schwingen, mit undeutlichen helleren Säumen, bei gutem Lichte meist mit angedeuteten dunklen Querbinden. Durch die Zügel zieht ein weißlichgrauer Superciliarstreif, der hinter dem Auge nur undeutlich fortgesetzt ist. Unterseite schmutzig weiß, über die Kropfgegend ein lichtbraunes Band, darüber meist eine Reihe kleiner dunkelbrauner Flecken. Unterschwanzdecken bräunlich rahmfarben mit dunkelbrauner Federmitten. Iris dunkelbraun. Oberschnabel dunkelbraun, Unterschnabel hell grünlich hornfarben. Füße hell bräunlich fleischfarben. — Bei einzelnen frisch vermauserten Frühlingsvögeln (am schönsten аn einem alten, am 6. Mai von meiner Frau аn Bord eines Schiffes, mehrere 100 Seemeilen südwestlich der Scilly-Inseln erlegten ♀) ist die Unterseite schön schwefelgelb, die Flecke аn der unteren Kehle sind oft nur wenig ausgebildet oder fehlen ganz. Junge Vögel sehen den alten ähnlich, doch scheint die Kehle ausgedehnter und dichter gefleckt, die Unterseite bräunlicher oder gelblich, die Oberseite etwas mehr rotbraun zu sein. Flügel ♂ ad. etwa 63 — 66, ♀ 60—62, Schwanz etwa 50—56, Lauf 18—21, Schnabel etwa 13—14.5 mm.
Brutgebiet: Mittel- und Teile von Südeuropa: Großbritannien und Irland, Holland und Belgien, Dänemark, vereinzelt in Süd-Norwegen und Finland, Deutschland, Polen, den Ostseeprovinzen, Süd- und Mittel-Rußland, nordwärts bis St. Petersburg und zum Onega-See (nach Pleske stehen Stücke aus Zentral- Rußland, besonders Moskau, in Größe und Färbung zwischen L. n. naevia und L. n. strawinea), Österreich-Ungarn, Schweiz, Frankreich. Nord-Spanien, Nord- und Mittel-Italien (selten). — In Süd-Spanien vermutlich nur Durchzugsvogel und Wintergast, in der Regel аber in Nordafrika (Marokko und Algier) überwinternd.

Bewohnt feuchte mit Buschwerk bestandene Wiesen, Weidengebüsche, lichte, dicht mit Unterholz durchwachsene Laubwälder, Buschdickichte аn Sümpfen, Seen, Flußläufen, Teichen, mitunter auch dichten Jungwald, (selbst von Nadelholz), Getreide- und Kleefelder, ist аber eigentlich nirgends häufig. Am Tage sehr ruhig und versteckt, in früher Morgenstunde und Abends аber munterer und dann regelmäßig singend. Der Gesang ist ein eintöniges, wie Sirrrrr . . . . klingendes Schwirren. Das Nest steht am Boden oder sehr nahe über demselben und enthält 5—6 (selten 7) Eier. Diese sind matt rosa, über und über mit feinen rostroten bis rotbraunen Punkten und Flecken bedeckt, und es messen 37 von Rey gemessene Stücke im Maximum 18.2 x 13.4 und 17.5 x 13.8, Durchschnitt 17.1 x 13.3, Minimum 16.1 x 12.5 mm. Durchschnittliches Gewicht nach Rey 94.5 mg.

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Brehm

Als Urbild der Gattung darf der Feldschwirl, Schwirl, Busch-und Heuschreckenrohrsänger, Heuschreckensänger, Buschgrille usw., Locustella naevia Bodd. (rayi; Mb., S. 76), gelten. Seine Länge beträgt 13,5, die Breite 19, die Flügellänge 6,3, die Schwanzlänge 4,8 cm. Das Gefieder ist auf der Oberseite olivenbraun, auf dem Kopfe durch kleine mndliche, aus Mantel und Schultern durch breite pfeilförmige braunschwarze Flecke gezeichnet; die Unterteile sind fahl rostgelb, Kinn, Kehle, Unterbrust und Bauchmitte lichter, ins Weißliche ziehend, auf dem Kropfe mit feinen dunkeln Schaftstrjchen, auf den Unterschwanzdecken mit breiten, verwaschenen Schaftflecken geziert, die Schwungfedern schwärzlichbraun mit schmalen, ölgrauen Seitenkanten, die nach hinten zu breiter werden, die Steuerfedern dunkel grünlichbraungrau, lichter gesäumt und gewöhnlich dunkler in die Quere gebändert. Die Iris ist graubraun, der Schnabel hornfarben, der Fuß licht rötlich. Im Herbstkleide ist die Unterseite gelblicher, im Jugendkleide die Brust gefleckt.