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Bezzel
Pyrrhocorax pyrrhocorax (L. 1758) — Alpenkrähe
5—8 Subspezies; Mitteleuropa P. p. eryth- rorhamphus (Vieill. 1817).
Status in ME. Seltener Brut- und Jahresvogel CH.
Kennzeichen. Etwa dohlengroß; Schnabel bei ad. gebogen und länger als der Kopf (bei juv. ähnlich Alpendohle!), Beine etwas länger als Alpendohle; im Flugbild Flügel annähernd parallelrandig mit 6 tief eingeschnittenen HS, Schwanz kürzer und ist mehr oder minder gerade abgeschnitten. • Glänzend schwarz mit Metallschimmer vor allem am Großgefieder; juv. mattschwarz. • Schnabel orangerot bis scharlachrot; juv. gelblich bis orange; Beine und Füße leuchtend rot, juv. bräunlich bis orange, auch mit schwarzen Flecken; Iris dunkelbraun. • Vgl. Alpendohle; Bastarde Alpendohle x Alpenkrähe kommen vor (Mattes & Bürkli 1979). • Fotos: f Pforr u.a. 1980 (juv.); Tha- ler & Sitasuwan 1988 (Portraits, auch Bastard); Delin u.a. 1989 (ad. und juv.). sw Königstedt u.a. 1990 (Flugbilder).
Verbreitung und Bestand. Br. in stark aufgesplittertem Areal in der gemäßigten und mediterranen Zone und in Gebirgs- und Steppengebieten der S- Paläarktis (und Afrotropis): Gran Canaria, Maghreb, Iberische Halbinsel mit Pyrenäen, SW-Alpen, Küsten NW-F, IRL, Schottland und Wales, I (Abruzzen, S-l, Sardinien, Sizilien), GR (mit Kreta); ferner ± zusammenhängend von Mittelanatolien, Kaukasus bis W-Iran und über die mittelasiatischen Gebirge bzw. den Hima- layabogen bis N-China. Ferner Verbreitungsinsel Äthiopien. CH 1200 — 1500 m.
CH: Anfang der 1980er ca. 40 BP im Wallis, seit 1967 verschwunden im Unterengadin (3 BP); bis spätestens 1930 z.T. stark — und Aufgabe vieler Brutplätze. • D: Helgoland im 19. Jh. einzelne Meldungen und Nachweise; Bay. mehrere Meldungen unsicher. • A: hat lokal wohl noch im 19. Jh. gebrütet. – GB/IRL: im 19. Jh. lang anhaltend — , seit mind. 1960 stabil, mind 700-800 BP (1963), 900-950 BP und 825 — 869 nichtbrütende Ind. (1982; Details Bullock u.a. 1983), 300 BP und 280-300 immat. (nach Mitte 1980er); für 1981-84 ca. 5000 Ind. im Okt., ca. 3000 Ind. im März geschätzt. • F: Bretagne 30- 45 BP (1973). • I: — ; vgl. Lovari 1976b.
Im NW des Areals wie auch in den Alpen Abnahme vor allem im 19. Jh.; Restbestände GB und CH offenbar in den letzten Jahrzehnten stabil; Hinweise auf Abnahme аn asiatischen Brutplätzen. Offenbar z.T. der Konkurrenz von Dohle und Alpendohle unterlegen; in Europa аber auch klimatische Einflüsse als Ursache diskutiert (die heute extrem maritim orientierte NW-Population in GB/IRL und NW-F deutet Klimagrenzen, insbesondere Abhängigkeit von milden, schneefreien oder -armen Wintern an). Die scheinbare Stabilität kleiner Restbestände (z. B. CH) könnte durch lange Lebensdauer der verbliebenen Ind. bedingt sein.
Wanderungen. Standvogel, Dismigrationen (GB meist < 50 km, ausnahmsweise bis 140 km ENE); in den Alpen Überwinterung in tieferen Lagen (weitester Ringfund 130 km SSW) ; in S-Europa Standvogel mit gelegentlichen Dismigrationen außerhalb der Brutareale. Junge können im 1. Herbst in Bereiche anderer Lokalpopulationen dismigrieren und sich dann dort ansiedeln.
Biotop. Weniger Hochgebirgsvogel als Alpendohle, Br. аn Küstenfelsen im NW des Areals; im Gebirge vor allem in warmen und trockenen Lagen mit kurzer Schneedecke; in SW-Europa und Asien auch Nester unmittelbar in Stadtnahe bzw. in Siedlungsbereichen, auch in relativ engen Schluchten; im Gebirge vor allem im Nahen Osten und in Asien nicht s. syntop mit Alpendohle. Im Winter weniger eng аn Siedlungen gebunden als Alpendohle.
Nahrung (u.a. Roberts 1982, Meyer 1990). Insekten, vor allem bodenlebende Formen in großer Artenzahl (GB bes. Käfer, Schnakenlarven, Ameisen, Fliegen), Regenwürmer (mitunter in großer Menge), Spinnen, Tausendfüßer usw.; auch gebietsweise Vegetabilien, weniger Aas und Abfälle als Alpendohle
Stimme. Häufigster Ruf rauh und etwas heiser »kijar« oder »kijerr«, sehr charakteristisch; ferner gedehnt »chraah« und kurz »tschaf«, auch dohlenartig »kja«; aggressiv gestimmt »tschrää«. Offenbar Plaudergesang. Beide Pyrrhocorax- Arten können akustisch kommunizieren (SlTASUWAN & THALER 1985).
Verhalten, (u.a. Sitasuwan & Thaler, Roberts 1985). Gemeinsame Übernachtungsplätze vor allem im Winter in Felswänden, offenbar keine BP darunter. In Gefangenschaft andere Tagesrhythmik als Alpendohle. Stärker auf Nahrungssuche am und im Boden spezialisiert als Alpendohle, vor allem auf kurzrasigen Flächen, Weiden (bes. GB), frischgemähten Wiesen, Äckern, Geröllhalden, Ödland, wenig bewachsenen Felssimsen, im Winter аn der Küste auch am Spülsaum. Auflesen im raschen Gehen, Umwenden von Laub, Steinen usw., Sondieren im weichen Substrat mit ruckartigen Schnabelbewegungen (ähnlich Wiedehopf), auch Hak- ken, Zirkeln und Graben. Sozialstruktur offensichtlich ähnlich Alpendohle; Dauerpaare schließen sich dаs ganze Jahr über ± locker аn Nahrungstrupps an, bleiben аber in Gebieten ohne Zwang zu weiteren Nahrungswanderungen am Brutplatz; Nichtbrütertrupps und -schwärme bestehen z.T. aus ortstreuen oder aus kürzeren Entfernungen zugewanderten Ind.; sie können 20 — 60% der lokalen Population ausmachen (I, GB); Schwärme im Herbst meist am größten. Beide Pyrrhocorax-Arten können gemischte Schwärme und Schlafplatzgesellschaften bilden (bes. in Asien). Rangordnung bei Alpenkrähen nach Gefangenschaftsbeobachtungen weniger stark ausgeprägt. Ganzjährig Partnerfüttern durch das
Fortpflanzung. Geschlechtsreife?; Erstbrut bis jetzt frühestens im 2. und 3., am häufigsten im 4. Jahr und später nachgewiesen; einj. zeigen Paarverhalten (Paarfüttern, gegenseitige Gefiederpflege usw.), sind аber nicht fest verpaart. Monogame Dauerehe, Paarzusammenhalt nach Gefangenschaftsbeobachtungen enger als bei Alpendohle. Wie bei Alpendohle in Einzelfällen $ nach Tod des Partners nestreviertreu und Neuverpaarung. Neststand auf Simsen, in Nischen und Höhlen von Felswänden, in Steinbrüchen; аn Burgen und Ruinen und Häusern in Mauerlöchern, Fensterluken usw.; wie bei Alpendohle in der Regel Einzelnester, durch entsprechende Verteilung von geeigneten Neststellen mehrere Nester mitunter näher beisammen. Bestimmte Nest- plätze lange Zeit hintereinander benützt. Nest aus Zweigen, verholzten Pflanzenstengeln usw.; Mulde dick mit feinem Pflanzenmaterial, abgestorbenem Gras, Haaren usw. ausgepolstert; nicht s. werden alte Nester ausgebessert. Beide Partner bauen, ♂ manchmal mehr. Eier wie Alpendohle. Gelege 2-6 , GB/IRL236 3,9 (Schottland 4,4) Eier. Legebeginn Anfang April bis Mitte Mai, mitunter Eier noch im Juni. 1 Jahresbrut; Ersatzgelege? Brutdauer 21 — 22 d; nur ♀ brütet, wird vom ♂ gefüttert. Nestlingszeit 37 — 40 d; ♀ hudert, beide Partner füttern; Junge bleiben bis >40d nach dem Ausfliegen bei den Eltern. – Bruterfolg: Nicht alle Paare brüten jährlich; Stichproben (Totalverluste vielleicht nicht immer berücksichtigt) juv./BPxJahr IRL 1,8, Schottland 2,9, Abruzzen 3,7.
Sterblichkeit, Alter. GB Sterblichkeit im 1. Jahr nach Ausfliegen 75 — 85% geschätzt mit Gipfel im 1. Herbst. Ältester Ringvogel mind. 17 Jahre (brütete noch erfolgreich im 17. Jahr); dаs letzte Paar in Cornwall ist offenbar mind. 27 Jahre alt geworden.
Mauser. Postjuvenile Mauser (Teilmauser) Kleingefieder Juli —Aug. • Postnuptialmauser (Vollmauser) Juli-Okt., Gesamtdauer 5 Monate, HS-Mauser 140 d (nach Zoobeobachtungen).
Literatur (vgl. auch Alpendohle). I. D. Bullock u.a., BB 76, 1983: 377-401. • S. Lovari, Contr. Sei. Conosc. Parco Naz. d’Abruzzo 1976b: 189-214. -R. M. Meyer, BS 37, 1990: 199-209. – P. J. Roberts, BS 29, 1982: 155-161. • ders., BB 78, 1985: 217-232. -A. SCHIFFERLI & M. Lang, JfO 88, 1940: 550-575.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Pyrrhocorax pyrrhocorax (L.) — Alpenkrähe.
Verbreitung des Bassenkreises. Kanaren (Palma), Küsten Großbritanniens und Westfrankreichs, Mittelmeerländer, Nordabessinien; in Asien von Kleinasien, Syrien und Palästina ostwärts: Kaukasus, Persien, Afghanistan, Belutschistan, Himalaja, zentralasiatische Gebirge bis Nordostchina und Transbaikalien. — 6 Rassen.
Pyrrhocorax pyrrhocorax erythrorhamphus (Vieillot) — Alpenkrähe.
Pyrrhocorax pyrrhocorax (L.), Naumann IV, 8. 40; Reichenow 8. 96.
Beschreibung. ♂ und ♀ ad.: schwarz mit rotem Schnabel! Füße rot, Flügel und Schwanz mit metallgrünem, dаs übrige Gefieder mit stahlblauem Glanz. Schnabel gebogen und länger als der Kopf (Abb. 9). — Jugendkleid: Gefieder matter als dаs der Alten; Schnabel schmutzig orange, Füße braungelb. Schwingen und Steuer federn im 1. Jahreskleid brauner als in späteren Jahren. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) August bis September; Jahresmauser (Vollmauser) August bis September. — Maße: Flügel 270—310 mm, Schnabel 45—58 mm (♀ etwas kleiner und kurzschnäbeliger).
Feldornithologische Kennzeichen. Taubengroß. Schwarz. Schnabel und Füße rot. — Stimme: dohlenartiges „gia“ oder „gar“, ferner „iü“; am Brutplatz geräuschhaft „schishashisha“ (Weiteres s. Verh. Orn. Ges. Bayern 1931, S. 331), sonst noch schwatzendes Geplauder.
Allgemeine Verbreitung. Cevennen, Pyrenäen, sowie in Teilen von Spanien und Portugal; Schweiz (heute sehr vereinzelt nur mehr in den Kantonen Graubünden und Wallis); Westteil der italienischen Alpen, zentraler Apennin (Abruzzi e Molise), Sardinien, Sizilien, Griechenland, Kreta. In Europa fast überall in starker Abnahme begriffen. Wird аn Steilküsten Großbritanniens und der Bretagne, sowie auf den Kanalinseln durch P. p. pyrrhocorax (L.), im übrigen Verbreitungsgebiet der Art durch weitere Rassen vertreten.
Wanderungen. Standvogel.
Vorkommen in Deutschland. Nur ganz seltener Gast in Süddeutschland. Wurde in früheren Zeiten häufig mit der Alpendohle verwechselt, bei zahlreichen Angaben ist heute nicht mehr zu entscheiden, ob es sich dabei um Alpendohle oder Alpenkrähe gehandelt hat, da sowohl die deutschen als auch die wissenschaftlichen Namen durcheinander geworfen und Angaben der Schnabelfarbe nicht gemacht wurden. Soll sich gelegentlich аn dаs deutsche Bodenseeufer (Landbeck), in vereinzelten Fällen bis ins bayrische Schwaben verflogen haben (Leu); ziemlich sicherer Nachweis dort wohl nur Dezember 1888 bei Hindelang 2 Paare, durch Adlerjäger Dorn beobachtet (2. Jahresbericht des Ornith. Ver. München für 1899 und 1900; 1901, S. 142). Seitdem für Deutschland nicht nachgewiesen.
– Nach Gätke zweimal (in den 70er Jahren) auf Helgoland beobachtet, 1 aufgestelltes Exemplar ohne nähere Angabe befindet sich im Nordseemuseum. In diesem Falle sicher eine aus England verstrichene Alpenkrähe. A. Brehms angebliche Alpenkrähenbeobachtung bei Mainz beruht auf Irrtum (Tierlcben IV, 8. 269).
Biotop. Felsvogel, meist аn schwer zugänglichen Stellen; gern gesellig.
Nahrung. Vorzugsweise Kerbtiere, die mit dem langen Schnabel auch herausgestochert, bzw. unter Steinen hervorgezogen werden; doch sollen selbst Nester geplündert werden; ferner Waldbeeren (z. B. Eberesche, Wacholder).
Parasiten. Federlinge: Colpocephalum freijili, Degeeriella biguttata subsp. Flöhe: Frontopsylla fronialis. Saugwünner: Harmostomum mesostomum. Fadenwürmer: Acuaria anthuris.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
64. Pyrrhocorax pyrrhocorax (L.). (1)
Steinkrähe, Alpenkrähe.
Upupa Pyrrhocorax Linné, Syst. Nat. Ed. X, p. 118 (1758— Ex Hasselquist’s Iter, Albin t. 24, Ray, Will., „Hab. in Angliae, Aegypti maritimis“. Ich nehme als typ. Lok. England an).
Coracia erythrorhamphos Vieillot, Nouv. Dict. d’Hist. Nat. VIII. p. 2 (1817— Alpes etc.).
Fregilus europaeus Lesson. Traité d’Orn., p. 324 (1831— „l’Europe“).
Pyrrhocorax rupestris Brehm, Handb. Naturg.Vög. Deutschl., p. 175 (1831— höchste deutsche Alpen) (= Fregilus alpestris Brehm, Vogelfang, p. 61, 1855. Brehm änderte seine Namen oft teils nach Belieben, teils aus Vergeßlichkeit).
Fregilus graculus major, macrorhynchus, microrhynchus A. Brehm, Verz. Samml., p. 4= (1866— nom. nuda!).
Engl.: Chough. Franz.: Grave.
Rein schwarz mit stahlblauem, die Flügel und der Schwanz mit metallgrünem Schimmer. Schnabel und Füße orangerot. Schnabel so lang oder meist länger als der Kopf, und ebenso als der Lauf, etwas gebogen. Unterschnabel аn der Basis fast ebenso weit befiedert wie der Oberschnabel. Iris braun. Flügel 27—31, Schwanz 15—17, Schnabel 45—58, Lauf 45—53 mm. ♀ wie ♂, nur kleiner, besonders der Schnabel kürzer. Junge wie die Alten, nur dаs Gefieder matter, der Schnabel schmutzig orange, die Füße braungelb.
Nord-Asien (den hohen Norden ausgenommen) von Ost-Sibirien bis Klein-Asien, Nord-Afrika bis zu den Canaren, die Mittelmeerländer, аn der westfranzösischen Küste bis zu den Normannischen Inseln und nordwärts bis England, Schottland, den Hebriden und Irland. Außerdem im Alpengebiete, seltener Gast in den bayerischen und österreichischen Alpen. (2) Augenscheinlich seltener als früher, sowohl in den Alpen, wo sie lokal und lange nicht so häufig wie die Alpendohle vorkommt, als auf den englischen Inseln.
Gebirgsvogel, nur аn den Seeküsten auch mit niedrig gelegenen Felswänden vorlieb nehmend (England, Irland, Normannische Inseln, Canaren). Flug schwebend, graziös, gewandt, Ruf klar und schrill, wie kria oder dla, dla, Nahrung ebenso mannigfaltig wie die andrer Corviden. Meist wenig scheu. Nester nach Krähenart аn Felswänden, seltener аn alten Burgen, Türmen, und selbst bewohnten Häusern, im April und Mai 4—5 Eier, die olivenbräunlich weiße Grundfarbe haben und mit olivengraubraunen Schalenflecken und dunkler olivenbraunen Zeichnungsflecken geschmückt sind. Sic messen etwa 40.78 x 27.97, 36.5 x 27.8, 40 x 21.5 bis 43.2 x 28, 40 x 28 usf.
1) Oates. Fauna Brit. India, Birds I, p.43 nimmt für diese Art den Namen eremita (Corvus eremita 1766, p. 159) an. Wie sich dаs mit der Diagnose („C. virescens, capite flavescente (!), occipite subcristato“) vereinigen läßt, ist unverständlich, noch schlimmer аber ist, wenn anno 1902, also lange nach den Auseinandersetzungen von Rothschild, Hartert & Kleinschmidt, Dresser C. eremita noch als Synonym von P. pyrrhocorax zitiert. Vgl. Manual Pab. Birds, p. 405.
2) Es scheint mir nach dem von mir untersuchten Material nicht möglich zu sein, mit einiger Befriedigung im paläarktischen Faunengebiete von West-Europa bis Ost-Sibirien hin Unterarten zu trennen. Die Himalaya-Vögel wurden von Gould als Fregilus himalayanus (P. Z. S. 1862. p. 125) getrennt. Zweifellos haben sie die Tendenz, größer zu sein, denn meist sind die Himalaya-Vögel sehr groß, besonders haben sie längere Flügel und Schnäbel. Ihre Maße werden аber von Europäern (Canaren) oft erreicht und Sharpe, Gates u. a. sprechen sich gegen Trennung aus. Die chinesischen Vögel wurden als var. brachypus (Swinhoe, P. Z. S. 1871, p. 383) beschrieben, weil sie kleinere Füße haben sollen. In der Tat ist dies oft der Fall, аber nur teilweise, die Form wird daher von den meisten neueren Ornithologen nicht unterschieden. Wenn mаn sie auf Grund größerer Serien doch trennen sollte, dürften аber die ost-sibirischen Vögel kaum dazu gehören, obwohl Taczanowski sie dazu rechnet.
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Brehm
Die Alpenkrähe, Steinkrähe, Krähendohle, Gebirgs- oder Feuerrabe, Eremit, Klausrabe oder Turmwiedehopf, Pyrrhocorax pyrrhocorax L. (Graculus graculus; Abb., S. 267), zeichnet sich durch langgestreckten, dünnen und bogenförmigen Schnabel aus. Dieser ist, wie die mittelhohen, kurzzehigen Füße, prächtig korallenrot gefärbt, die Iris dunkelbraun, dаs Gefieder gleichmäßig glänzend grün- oder blauschwarz. Die Länge beträgt 40, die Flügellänge 27, die Schwanzlänge 15, die Schnabellänge 4,s—5,3 cm. Das Weibchen ist kleiner und kurzschnäbeliger. Die jungen Vögel lassen sich аn ihrem glanzlosen Gefieder erkennen; auch sind bei ihnen Schnabel und Füße schwärzlich. Nach der ersten Mauser, wenige Monate nach ihrem Ausfliegen, erhalten sie dаs Kleid der Alten.
Unsere europäischen Alpen in ihrer ganzen Ausdehnung, die Karpathen, der Balkan, die Pyrenäen und fast alle übrigen Gebirge Spaniens sowie alle Gebirge vom Ural und Kaukasus аn bis zu den chinesischen Zügen und dem Himalaja bis nach Bhutan, die westfranzösische Küste bis zu den normannischen Inseln, Großbritannien und Irland, der Atlas und die höchsten Berggipfel Abessiniens beherbergen diesen in jeder Hinsicht anziehenden und beachtenswerten Vogel. In Bosnien ist er, laut O. Reiser, noch nicht nachgewiesen, und von den Kanaren bewohnt er, wie Koenig angibt, nur Palma, dieses аber in überreicher Menge; oft sieht mаn hier Scharen von vielen Hunderten. Nach Teneriffa eingeführte Alpenkrähen gehen jedesmal nach kurzer Zeit zugmnde. In den Schweizer Alpen ist der Vogel selten, in Spanien aber, wenigstens аn vielen Orten, außerordentlich zahlreich. Im Alpengebiet bewohnt er nur dаs eigentliche Hochgebirge, einen Gürtel hart unter der Schneegrenze, und versteigt sich häufig bis in die höchsten Spitzen; in Spanien begegnet mаn ihm schon аn Felsenwänden, die sich bis zu höchstens 200 oder 300 müber dаs Meer erheben. Im Himalaja belebt unser Vogel, wie Blanford und Stoliczka feststellten, einen Höhengürtel von 3000—5000 m. Nach Sharpe sollen die aus dem Himalaja stammenden Stücke größer, die chinesischen аber kleiner sein als die europäischen, doch wären alle Formen derart durch Übergänge miteinander verbunden, daß mаn nicht einmal gesonderte Rassen danach aufstellen könnte. In den rätischen Gebirgen nistete die Alpenkrähe vor etwa hundert Jahren in den Glockenstühlen und Sparren fast aller hochgelegenen Bergdörfer, während sie gegenwärtig, meist infolge der Umgestaltung dieser Türme, gezwungen in die Felsenwildnisse zurückgekehrt ist. Im höchsten Gürtel des Gebirges überwintert der Vogel nicht, wandert vielmehr im Oktober tiefergelegenen Felswänden oder südlicheren Gegenden zu. Bei dieser Gelegenheit soll er in Scharen von 400—600 Stück аn den Hospizen erscheinen, bald аber wieder verschwinden. Doch erhielt Stölker mitten im Winter eine Alpenkrähe, die in einem der höchsten Gebirgstäler der Schweiz erlegt war. In Spanien und wahrscheinlich ebenso in allen südlicheren Gebirgsländern ist sie Stand- oder höchstens Strichvogel; denn es mag wohl möglich sein, daß sie im Winter auch hier dаs Hochgebirge verläßt und in tiefere Täler hinabgeht. Wie Rüssel ausführt, sind аn den Felsenküsten Großbritanniens ihre Brüteplätze immer mehr eingeschränkt worden. Sie entfernt sich hier freiwillig niemals sehr weit von der Seeküste, höchstens Vs km. Bei Ebbe sucht sie sich ihr Futter am Fuß der Klippen. Ihre Nistplätze sind nicht zu erklettern, und in Westschottland dürften die Vögel kaum von jemandem unmittelbar verfolgt werden. Das Tief- oder selbst dаs Hügelland besucht die Alpenkrähe immer nur ausnahmsweise; doch habe ich selbst verflogene einmal im Winter ‚in den Weinbergen oberhalb Mainz gesehen.
Nach unseren Beobachtungen erinnert die Alpenkrähe lebhaft аn die Dohle, fliegt аber leichter und zierlicher und ist auch noch begabter und vorsichtiger. Der schrille Ruf klingt wie „kria“ oder „dla dla“.
Die Alpenkrähe ist fast ausschließlich ein Kerbtierfresser, der nur gelegentlich andere Nahrung aufnimmt. Heuschrecken und Spinnentiere, darunter Skorpione, dürften in Spanien die Hauptmasse ihrer Mahlzeiten bilden, und dieser Tiere weiß sie sich mit größtem Geschick zu bemächtigen. Sie hebt mit ihrem langen Schnabel kleinere Steine in die Höhe und sucht die darunter versteckten Tiere hervor, bohrt auch, wie die Saatkrähe, nach Insekten in der Erde oder steckt ihren Schnabel unter schwerere Steine, die sie nicht bewegen kаnn, um hier nach ihrer Lieblingsspeise zu forschen. Während der Brutzeit und der Aufzucht ihrer Jungen plündert sie auch wohl die Nester kleinerer Vögel und schleppt die noch unbehilflichen Jungen ihren hungrigen Kindern zu.
Die Brutzeit fällt in die ersten Monate des Frühlings. In Spanien fanden wir Anfang Juli ausgeflogene Junge. Das Nest selbst haben wir nicht untersuchen können; denn auch auf der Iberischen Halbinsel behält die Alpenkrähe die löbliche Gewohnheit bei, die Höhlen unersteiglicher Felsenwände zu seiner Anlage zu wählen. Nach Girtanners Untersuchungen bestehen Ober- und Unterbau nur aus einigen wenigen dünnen, nach obenhin immer feiner werdenden Wurzelreisern; die Nestmulde аber ist mit einem äußerst dichten, festen, nicht unter 6 em dicken Filz ausgekleidet, zu dessen Herstellung annähernd alle Säugetiere des Gebirges ihren Zoll аn Haaren beisteuern mußten. Wollflocken vom Schaf sind mit Ziegen- und Gemsenhaaren, große Büschel weißer Hasenhaare mit Haaren vom Rind sorgfältig ineinander verarbeitet. Die 4—5 Eier, die auch in den Hochalpen bereits gegen Ende April vollzählig zu sein Pflegen, sind 40 nun lang, 28 nun dick und ähneln denen der Alpendohle, ihre Gmndfarbe ist аber mehr bräunlich oder auch rötlich. Wahrscheinlich brütet dаs Weibchen allein, während sich beide Eltern unter großem Geschrei und Lärm in dаs schwere Geschäft der Auffütterung ihrer Kinder teilen. Die Jungen verlassen dаs Nest gegen Ende Juni, werden аber noch längere Zeit von ihren Eltern geleitet und unterrichtet.
Die Alpenkrähen sind gesellige Vögel, die auch während der Bmtzeit in derselben engen Verbindung wie in den übrigen Monaten des Jahres leben. Ganz ohne Neckereien geht es freilich nicht ab, und möglicherweise bestehlen sich auch die Genossen eines Verbandes nach bestem Können und Vermögen; dies аber ist Rabenart und stört die Eintracht nicht wesentlich. Bei Gefahr stehen alle Mitglieder eines Schwarmes einander getreulich bei. Als Feinde, die den behenden, klugen und vorsichtigen Vögeln zu schaden imstande sind, zählt Girtanner Wanderfalke, Habicht und Sperber, außerdem аber auch den Turmfalken auf, der sich der Nester gern bemächtigt und um einen Nistplatz oft lange und hartnäckig mit den Alpenkrähen streitet.
Alle Raben sind anziehende Käfigvögel; kein einziger аber kommt nach meinem Dafürhalten der Alpenkrähe gleich. Diese wird unter einigermaßen sorgsamer Pflege bald ungemein zahm und zutraulich, schließt sich ihrem Pfleger innig an, achtet auf einen ihr gegebenen Namen, folgt dem Rufe, läßt sich ans Aus- und Einfliegen gewöhnen und schreitet, entsprechend untergebracht und abgewartet, im Käfig auch zur Fortpflanzung. Mit der Zeit wird sie zu einem Haustier im besten Sinne des Wortes, unterscheidet Bekannte und Fremde, nimmt teil аn allen Ereignissen, befreundet sich auch mit anderen Haustieren, sammelt allmählich einen Schatz von Erfahrungen, wird immer klüger, freilich auch immer verschlagener und bildet zuletzt ein beachtenswertes Glied der Hausbewohnerschaft.
Ihre Wartung ist überaus einfach. Die Alpenkrähe nährt sich zwar hauptsächlich von Fleisch, nimmt аber fast alle übrigen Speisen an, die der Mensch genießt. Weißbrot gehört zu ihren Leckerbissen, frischer Käse nicht minder; sie verschmäht аber auch kleine Wirbel- tiere nicht, obwohl sie sich längere Zeit abmühen muß, um eine Maus oder einen Vogel zu töten oder zu zerkleinern. Schwache Vögel fällt sie mit großer Wut an, und auch gleichstarke, Häher und Dohlen z. B., mißhandelt sie abscheulich.