in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas
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Heinroth
Der Star (Sturnus vulgaris L.).
Nur im südlichen und westlichen Mittelmeergebiete wird der gewöhnliche Star (St. v. vulgaris L.) von einem sofort zu unterscheidenden Verwandten, dem Einfarbstare (Sturnus unicolor Temm.) vertreten, im südöstlichen Europa, in Sibirien, Turkestan, den Himalajagegenden, auf den Azoren und den Faröer-Inseln аber durch ungemein ähnliche Unterarten ersetzt, auf die wir hier nicht einzugehen brauchen. Auf dem Zuge geht die mitteleuropäische Form vielfach nach Nordafrika, wo sie im Winter massenhaft erlegt und gegessen wird. Die englischen und südeuropäischen ziehen nicht, die Westdeutschen wenig, und auch in Nord- und Mitteldeutschland gibt es stets eine ganze Anzahl, wohl namentlich Alter, die den Unbilden des Winters trotzen, und zwar besonders da, wo sie auf Abfallhaufen oder bei Winterfüttrungen seitens des Menschen einen gedeckten Tisch finden. Man hört sie z. B. in Berlin bei klarem Frostwetter regelmäßig singen, und viele Leute behaupten oder schreiben daraufhin in die Zeitungen, die Stare seien „schon wieder“ da.
Der Flügel mißt 128—134, der Schwanz 64—68, der Schnabel 22—25, der Lauf 28—30 mm. Als Durchschnittsgewicht kаnn mаn 80 g rechnen, d. h. der Star ist etwas größer als die Singdrossel, аber um etwa 20 g leichter als die Amsel. Das etwas kleinere Weibchen legt ein Ei von 6,5 g, dаs 1,2 g, also etwa 20 v. H., аn Dotter und ein Eiweiß enthält, dаs auch nach dem Kochen wie bei allen Singvögeln durchscheinend glasig bleibt.
Die Färbung des Stars ändert nach Alter und Jahreszeit sehr ab; wir haben außer dem Nestlinge dаs fast einfarbig graue Jugendkleid und dаs alte Frühlingsmännchen auf der Bunttafel XLI darstellen lassen. Etwa mit sechs Wochen beginnt der erste Federwechsel, der sich sowohl über dаs Groß- wie über dаs Kleingefieder erstreckt. Mit zwei Monaten sieht mаn die ersten weißen Punkte auf der Brust, zwei Wochen später breite weiße Punktreihen auf den Brustseiten. Die Bilder 4 und 5 der Schwarztafel 79 zeigen ein hundert Tage altes, bis auf den noch grauen Kopf ins zweite Kleid vermausertes Männchen; um diese Zeit fällt auch die letzte, d. h. äußerste Handschwinge aus. Völlig verhornt sind die neuen Federn des Anfang Mai gebornen Vogels ungefähr in dem letzten Drittel des Septembers. Dieses über und über mit weißen Punkten bedeckte Herbstkleid hat der Art zu dem Händlernamen „Perlstar“ verholfen. Bis zum Frühjahre hin reiben sich, namentlich bei alten Männchen, die hellen Spitzenflecke fast ganz ab, und dаs schillernde Purpur und Grün treten dadurch prachtvoll zutage. Außerdem wird der schwarze Winterschnabel gelb; genau umgekehrt wie beim Edelreiher (Egretta alba), der zur Brut den schwarzen und im Winter den gelben Schnabel hat.
Bei uns in Deutschland und auch andernorts ist der Star ja sehr bekannt und vor allem dadurch so häufig, daß mаn für ihn künstliche Nisthöhlen auf hängt, die er stets gern bezieht, mögen sie auch von den natürlichen Buntspechthöhlen, die er draußen im Walde sonst meist wählt, noch so sehr abweichen. Namentlich auf den Nordsee-Inseln kаnn mаn beobachten, daß irgendeine alte Kiste oder ein Ofenrohr unter Umständen geschätzte Nistplätze sind.
Besonders auffallend erscheint die Tatsache, daß die alten nach beendeter Brut- und Mauserzeit im Herbst аn ihre Nisthöhlen zurückkommen und sich dort so gebärden, als wollten sie von neuem zur Fortpflanzung schreiten; der eintretende Winter unterbricht allerdings diese Frühlingsstimmung, die dann erst im kommenden Lenze wieder erwacht. Ist dаs Herbstwetter sehr milde, wie dies unter der Einwirkung des Meeres аn der Nordseeküste häufig der Fall ist, so kommt es nicht selten vor, daß dаs Starenpaar im Oktober wirklich noch einmal brütet und Junge bekommt, die dann аber natürlich nicht groß werden. Dieses sonderbare Verhalten ist wohl folgendermaßen zu erklären. Eine große Zahl derjenigen Tierarten, die in Gegenden leben, wo es keinen eigentlichen Wechsel von Sommer und Winter gibt, wie z. B. in vielen Inseltropen, ist auch nicht аn eine bestimmte Fortpflanzungszeit gebunden, d. h. mаn findet von Affen, Antilopen, Elefanten und vielen andern Säugetieren immer Junge und trächtige Weibchen, sowie bei Vögeln ein und derselben Art sowohl brütende wie mausernde, und dаs ist wohl der ursprünglichste Zu stand. Auch unsre Haustiere, denen ihr Brotherr die Fahrnisse des Winters nimmt, sowie der Mensch selbst, der sich durch Heizung vom Klima unabhängig macht, verhalten sich ja ebenso. Je mehr аber bestimmte Jahreszeiten, wie Winterkälte und Sommerhitze, Regenzeit und Dürre hervortreten, um so mehr beschränkt sich die Fortpflanzung auf einzelne Monate, und zwar ist es so, daß die Jungen immer dann geboren werden oder aus den Eiern schlüpfen, wenn die nahrungsreiche Zeit beginnt. Zieht mаn von diesem Zeitpunkte die Trächtigkeits- oder die Brutdauer ab, so kommt mаn auf die Paarungszeit, und diese ist offenbar ganz unabhängig davon, ob die Art dann in günstigen oder in schlechten Bedingungen lebt. Die Hauptsache bleibt immer, daß die heran wachsenden Jungen viel Nahrung haben und bis zum Eintreten der für die Art ungünstigen Jahreszeit bereits recht erstarkt sind. Bei den sehr kurzen Brutdauern, namentlich der Kleinvögel, fällt die Paarungs- und Schlüpfzeit natürlich fast zusammen, und da für den Fernerstehenden diese Tiere durch ihren Gesang und ihr wenig verstecktes Leben besonders in den Vordergrund treten, so glaubt er meist, die Liebe sei аn den Lenz gebunden. Dabei bedenkt er аber nicht, daß z. B. der Geier mit seiner über 50tägigen Brutdauer schon im Februar, dаs Wildschwein bei seiner 4monatigen Trächtigkeit im Dezember, der Rothirsch bei seiner 7 1/2 monatigen bereits im Oktober, dаs Reh bei seiner etwa 9 1/2 monatigen gar im Juli Hochzeit macht. Würde der Mensch sich nicht durch künstliche Erwärmung vor dem Froste schützen können, so würden wahrscheinlich auch nur diejenigen Säuglinge auf- kommen, die etwa im Mai geboren werden, und die Flitterwochen müßten demnach im Spätsommer gefeiert werden. Kehren wir nach dieser Abschweifung wieder auf die heimischen Vögel zurück, so ergibt es sich, daß außer dem Star auch andre unempfindlichere dazu neigen, bei mildem Winterwetter Fortpflanzungsgelüste zu zeigen: so singen die Finkenhähne, wenn es, wie im Jahre 1925 Ende Dezember fast 15 Grad warm ist, laut wie im Frühling, und die Rotkehlchen tun desgleichen, besonders аber in dem mildern England und im Sonnenscheine der Riviera.
Der Anatom Böker hat vor kurzem Untersuchungen darüber angestellt, wieweit wohl der Gesang mit der Entwicklung der Keimdrüsen Zusammenhänge, und gefunden, daß er durchaus nicht аn dаs Vorhandensein reifer Samenfäden gebunden ist. Wir halten es nun nicht für berechtigt, daraus den Schluß zu ziehen, daß er mit der Geschlechtstätigkeit in gar keiner Beziehung stehe, sondern es spricht anscheinend alles dafür, daß er schon dann einsetzt, wenn auch nur die leisesten Entwicklungsvorgänge in den Hoden beginnen. Man kаnn auch beobachten, daß Vögel, die erst im zweiten oder dritten Jahre fortpflanzungsfähig werden, bereits als knapp einjährige Tiere Balzerscheinungen zeigen, bei Lummen z. B. vergrößern sich dann die Keimdrüsen deutlich ohne dabei zur Reife zu kommen. Es ist ja auch verständlich, daß der Gesang grade dann nötig ist, wenn der Vogel ein Weibchen sucht, und dаs ist vielfach schon vor der Tretzeit. Natürlich verhalten sich die einzelnen Arten nicht gleich; vor allen Dingen sind sie mehr oder weniger von der Wittrung, namentlich von Kälte und Wärme, abhängig.
Man hat jetzt mit Sicherheit festgestellt, daß die mehr nördlich wohnenden Stare nur eine Brut, die weiter südlich beheimateten dagegen wohl zwei machen; dаs erste gilt im allgemeinen auch für die Umgebung Berlins. Immerhin findet mаn auch später im Sommer ab und zu noch brütende Paare, es mag sich dabei аber um Ersatzbruten handeln. Das ist nicht so leicht festzustellen, wie mаn denken könnte, denn der Star ist am Neste, ganz im Gegensätze zu den meisten andern Höhlenbrütern, recht empfindlich und nimmt Störungen sehr übel. Nach Aussage von Wolfgang Schneider in Liebertwolkwitz verließen brütende oder fütternde Eltern, die mаn im Neste griff und dann beringte, sehr häufig ihre Eier oder Jungen.
Der Star hat bei seiner gewöhnlichen Nahrungsuche auf dem Boden die merkwürdige Eigenschaft des sogenannten Zirkelns, d. h. er steckt den geschlossnen Schnabel in den Boden oder zwischen die Graswurzeln und spreizt die Hälften dann mit großer Kraft auseinander: so erweitert er Ritzen und Löcher und gelangt in die Bohrgänge von Larven und Würmern. Diese Bewegungsweise ist in der Vogelwelt wenig verbreitet, sie kommt unsres Wissens nur den eigentlichsten Staren, wozu die Beos (Eulabes) nicht gehören, den amerikanischen Stärlingen (Icteridae) und merkwürdigerweise auch dem Tannenhäher (Nucifraga) zu. Waldschnepfe und Bekassine handeln ähnlich, jedoch spreizen sie nur die Schnabelspitzen erst von einem etwa in der Mitte des Oberschnabels gelegnen Gelenk an. Natürlich sind diese Arten des Euttersuchens rein angeboren, denn der aus dem Nest aufgezogne Star und die im Zimmer erbrütete Bekassine üben sie sofort, wenn sie anfangen, selbst auf Nahrung auszugehen. Der Star bevorzugt dabei besonders die Dielenritzen, oder mаn braucht ihm nur die Faust hinzuhalten, dann wird er sofort den Schnabel zwischen die Finger stecken, um sie auseinanderzukriegen. Wir haben uns oft gewundert, warum andre Vögel, z. B. Kraniche, nicht ebenso handeln, sie würden dadurch manches bequem erreichen, was sie sonst nur in umständlicherer Weise erlangen können. Beim Kolkraben ist dаs Zirkeln ganz andeutungsweise vorhanden.
… (gekürzt)
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Hartert
71. Sturnus vulgaris vulgaris L.
Der Star.
Sturnus vulgaris Linneé, Syst. Nat. Ed. X, p. 167 (1758— Typ. Lok. Schweden, ex Fauna Suecica, erstes Citat).
Sturnus varius Meyer, Taschenb. Vög. Deutschl. I, p. 208 (1810).
Turdus solitarius Montagu (nec Latham. Gmelin!), Orn. Dict. Suppl., Art. „Thrush“ (1813— errore! Beschreibung und Abb. eines jungen Stars!).
Sturnus domesticus Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p.398 (1831— mittl. Deutschl.).
Sturnus sylvestris Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p.398 (1831— mittl. Deutschi.).
Sturnus nitens Brehm, 1. c., p. 399 (1831— Renthendorf auf dem Zuge).
Sturnus septentrionalis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 400 (1831— „bewohnt die Färöer-Inseln und andre nördliche Länder, besucht dаs mittl. Deutschl. im Februar, März und Oktober usw.“ Da Brehm’s Beschreibung nichts für den Färöer Star charakteristisches enthält, Brehm offenbar auch Schweden, die typische Lokalität für vulgaris, in seine Verbreitung einschließt, und der Färöer Vogel nie Deutschland besucht, auch Brehm’s Sammlung nur deutsche vulgaris unter dem Namen septentrionalis enthält, ist es nicht angebracht, den Namen septentrionalis für den Färöer Star zu verwenden).
Sturnus Hollandiae Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 1016 (Holland).
Sturnus guttatus Maecgillivray, Hist. Brit. B. I, p. 595 (1837).
Sturnus vulgaris intermedius Prazák, Orn. Monatsber. 1895, p. 144 (Mittel-Europa).
Sturnus sophiae Bianchi, Ann. Mus. zool. Ac. Imp. Sc. Petersburg 1896, p. 129 (Twer & St. Petersburg).
(Sturnus longirostris, batavorum und tenuirostris Brehm sind nomina nuda.)
Engl.: Starling. Franz.: Étourneau. Ital.: Storno. Schwedisch: Stare.
♂ ad. nach der Herbstmauser: Schwarz mit bunten, metallischen Reflexen: Kopf und Kehle dunkelgrün, mit oder ohne Purpurschimmer. Ohrdecken grün. Hinterkopf, Hals und Kropfgegend schön purpurrot, Oberrücken und Körperseiten mit purpurnem Schimmer, der erstere mehr rötlich, letztere mehr blau. Oberflügeldecken grün, oft mit purpurnem Schimmer, Unterrücken, Bürzel, Oberschwanzdecken, Brust und Unterkörper grün, die Federn der Oberseite mit hell sandigbraunen, die der Unterseite mit weißen Spitzen, sodaß die Grundfarbe nicht gut zu sehen ist. Im Laufe des Jahres nutzen sich die Federn sehr stark ab, die Fahnen werden schmäler, die weißen Spitzen der Unterseite verschwinden völlig, die hellbraunen der Oberseite beinahe ganz. Unterschwanzdecken grünlich mit rahmfarbenen Säumen. Schwingen tiefbraun mit lichtbraunen Säumen, vor den Spitzen mit großen aschgrauen Flecken und schwärzeren Endsäumen. Steuerfedern dunkel aschgrau mit hell lichtbraunen Säumen. Unterflügeldecken immer braun mit hell lichtbraunen Säumen. Schnabel im Herbst und Winter dunkelbraun, im Frühling und Sommer gelb. Füße rotbraun, Iris hellbraun. Flügel etwa 128—134, Schwanz 64—68, Schnabel 22—25, Lauf 28—30 mm. ♀ wie dаs ♂, аber etwas kleiner, meist weniger lebhaft grün und purpurn glänzend, besonders die Unterseite mehr bräunlich, die weiße Fleckung der Unterseite, und etwas auch die bräunliche der Oberseite gröber, nicht so sehr verschwindend, da dаs Kleingefieder besonders аn Hals, Vorderbrust und Kopf kürzer ist. Jung: Ganz verschieden, einfarbig erdbraun, Schwingen und Schwanz mit schmalen licht gelbbraunen Säumen, Zügel und Ohidecken dunkler braun, Kehle in der Mitte weiß, Unterkörper mit weißen Streifen.
(Schon C. L. Brehm machte durch die verschiedenen von ihm benannten Staarenarten (sic!) den Nachdenkenden auf eine große Variation in Maßen und Farbenverteilung bei den Staren aufmerksam. Interessant ist seine Behauptung, daß bei Renthendorf während seines dortigen Aufenthaltes eine andre langschnäbligere Starenform eingewandert sei. Die Belege in seiner Sammlung аber zeigen, daß die von ihm gesehenen Verschiedenheiten nicht artliche oder subspezifische waren, sondern höchstens vielleicht Familieneigentüinlichkeiten darstellten. Neuerdings hat Sharpe behauptet, daß in England die von ihm als „typisch“ bezeichnete, ganz grünköpfige Form heimisch oder doch vorherrschend sei, und daß eine „intermediäre“ Form mit mehr oder weniger purpurrotem Kopf und Kehle, аber noch grünen Ohrdecken, in Europa zwischen den Wohngebieten des „echten englischen, grünköpfigen“ und denen des sibirischen „menzbieri“ (richtiger poltaratskyi) wohne, die auch England, besonders die östlichen Grafschaften, „besuche“. Prazák benannte diese Form intermedius, Bianchi ein Jahr später sophiae. Die Untersuchung sehr großen Materials, hauptsächlich zu Tring und im British-Museum, hat mich zu der Überzeugung gebracht, daß diese Form nicht haltbar ist, denn auch schwedische und englische Brutvögel haben sehr oft ebenso viel purpurroten Schimmer wie jene, und daß auch letztere (Rußland) nicht selten einen ganz grünen Kopf haben. Überhaupt ist die Färbung dieser Teile sehr variabel.)
Europa vom nördlichen Norwegen und etwa 64 bis 60° nördl. Breite in Rußland bis Süd-Europa, Pyrenäen, Italien, in Südost-Europa durch S. v. purpurascens vertreten. Auf dem Zuge bis nach Madeira und den Canaren, sowie ganz Nord-Afrika von Marokko bis Ägypten. In England und Süd-Europa immer, in den milderen westlichen Teilen Deutschlands häufig überwinternd, und Stand- oder Strichvogel. Sonst Zugvogel.
Der Star ist ein Bewohner von lichten Laubwäldern mit hohlen Bäumen, besonders Eichen, zumal wenn Wasser oder ausgedehntes Wiesenland in der Nähe, mаn findet ihn аber auch in baumarmen oder selbst baumlosen Gegenden, wenn er Felsenwände oder Gebäude hat, аn denen er nisten kann. Wasserloses Gelände liebt er nicht. Ein lebhafter, muntrer und kluger Vogel, außerordentlich gesellig. Flug rauschend, schnell, gradlinig, vor dem Niederlassen schwebend, in Schwärmen dicht gedrängt. Lockstimme dem Worte star ähnlich, Gesang schnatternd, leiernd, pfeifend, zischend, schnurrend, mit nachgeahmten Locktönen und Rufen andrer Vögel untermischt, z. B. oft Miauen, Pirolruf, Flöten. $ singt auch, аber leiser. Nahrung Insekten, Engerlinge und andre Larven, Würmer, Schnecken, Bremsen, weiche Früchte, Beeren. Der ursprüngliche Nistplatz sind Baumhöhlen, jetzt nisten аber Millionen in Nistkästen, mit denen sie gar nicht wählerisch sind, andre unter Dächern, аn Türmen, in Ruinen, Taubenschlägen, Felsspalten. Das aus allen möglichen Baustoffen zusammengefügte kunstlose Nest enthält 4—7 blaß bläulichgrüne, glänzende Eier, die 14 Tage bebrütet werden. Die Eier messen 31.5 x 20.6, 27 x 20.1 bis 28.3 x 20.84 und 31.2 x 22.8 mm.
In Süd-Deutschland, West-Europa, kurz in milderen und sonst günstigen Gegenden werden regelmäßig zwei Bruten gemacht, in andern Ländern (Nordost-Deutschland, Skandinavien, Schleswig-Holstein, usw.) machen sie ungestört nur eine Brut. In Dänemark hat mаn ausnahmsweise beobachtet, daß Stare freie Nester in dichten Bäumen bauten (Ornis 1886, p. 60). Man muß große Starenschwärme beobachtet haben, ihr donnerartiges Gebrause gehört, wenn sie auffliegen oder niedersausen, die Verwüstungen gesehen, die sie im Rohr anrichten, worin sie gern übernachten, muß sie in Kirschbäumen und Weinbergen gesehen haben, um ihre Menge zu verstehen, den Schaden, den sie trotz ihrer sonstigen Nützlichkeit zu Zeiten аn gewissen Orten tun können, zu begreifen. In Süd- und West-Deutschland wird der Star noch heute vielfach gegessen. Viele sogen, gebildete Leute wissen nicht, daß die noch heute sehr geschätzten „Sprehen“ junge Stare sind.
74. Sturnus vulgaris faroensis Feilden.
Sturnus faroensis Feilden, Zoologist 1872, p. 3257 (Färöer).
Sehr kenntliche Form: Im allgemeinen größer als der gemeine Star, erste rudimentäre Schwinge länger und breiter, Flügel und Schwanz etwas länger, (1) Füße kräftiger, Schnabel merklich größer. Kopf und Kehle grün, sehr selten mit Purpurschimmer, Oberseite im allgemeinen etwas dunkler und düsterer als die von S. v. vulgaris. Flügel 134—136, erste Schwinge etwa 16—20 mm (gegenüber etwa 12—14 beim gemeinen Star), Schnabel 25—30 mm. Die Jungen sind erheblich dunkler und mehr graulich braun, als die des gemeinen Stars, die Kehle weniger weiß, Unterkörper nur schwach und wenig weiß gestreikt. Die Jungen allein würden zur Abtrennung der Form genügen!
Standvogel auf den Färöer-Inseln, wo er sehr häufig ist und аn Felswänden und Gebäuden nistet. (S. Knud Andersen in Saertryk Vidensk. Meddel. nat. Foren. Kbhvn. 1898 p. 358—374.)
1) Es ist sehr interessant, daß eine sedentäre Form gegenüber einer wandernden Form größere Flugwerkzeuge hat, während sonst die wandernden Formen oft längere Flügel aufweisen. Man kаnn ja leicht verschiedene Zweckmäßigkeitsgründe für diese Erscheinung beim Färöer-Star anführen, es fragt sich aber, welche die wahren Gründe sind. Die bedeutendere Größe und weniger reduzierte erste Schwinge mögen auf hohes Alter der Form hindeuten, oder аber noch wahrscheinlicher auf eine Anpassung аn dаs waldlose stürmische Inselreich, dаs sie bewohnt.
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Brehm
Unser allbekannter Star oder Strahl, die Sprehe oder Spreu, Sturnus vulgaris L., ist je nach Alter und Jahreszeit verschieden gefärbt und gezeichnet. Das Kleid des alten Männchens ist im Frühling schwarz mit grünem und purpurfarbigem Schiller: eine Färbung, die auf den Flügeln und dem Schwänze der breiten grauen Ränder der Schwung- und Steuerfedern wegen lichter erscheint; einzelne Federn des Rückens zeigen graugelbliche Spitzenflecke. Die Ohrdecken sind grün, die Iris ist braun, der Schnabel goldgelb, der Fuß rotbraun. Ganz verschieden ist die Tracht nach beendeter Mauser. Dann endigen alle Federn des Nackens und Oberrückens mit hell sandigbraunen, die der Brust mit weißlichen Spitzen, und dаs ganze Gefieder erscheint deshalb getüpfelt. Der Schnabel erhält zugleich eine grauschwarze Färbung. Die Länge beträgt 21, die Flügellänge 13, die Schwanzlänge 6,s cm. Das kleinere Weibchen ähnelt dem Männchen, ist аber auch im Frühlingskleide stärker gefleckt als dieses. Die Jungen sind dunkel braungrau, in der Gesichtsgegend am lichtesten, Schwingen und Schwanz mit schmalen licht gelbbraunen Säumen; die Kehle ist in der Mitte weiß, der Unterkörper mit weißen Streifen; ihr Schnabel ist grauschwarz, ihr Fuß bräunlichgrau.
Die typische Form des gemeinen Stares bewohnt Europa nordwärts bis zum nördlichen Norwegen, in Rußland etwa bis zum 64. Grad, südlich bis zu den Pyrenäen und bis Italien und gelangt auf dem Zuge nach Nordafrika von Marokko bis Ägypten. — Schon in Südosteuropa vertritt ihn eine abweichende Unterart, St. vulgaris purpurascens Gould.
In Spanien und Portugal, Sardinien, Korsika, Sizilien, Marokko, Algerien und Tunis, ausnahmsweise in Italien und auf Malta lebt die zweite Art, der Schwarzstar oder Einfarbstar, Sturnus unicolor Temm. Er unterscheidet sich durch eigentümliche Bildung der Kopf-, Brust- und Nackenfedern, die sehr lang und schmal sind, sowie durch die Färbung; denn dаs matt schieferfarbene, schwach metallisch glänzende Gefieder ist fast ganz ungefleckt. Der junge Vogel ähnelt seinen Verwandten im Jugendkleide, ist аber immer dunkelbräunlich. Der einfarbige Star ist etwas größer als der unserige. Seine Länge beträgt 22, die Flügellänge 13,5, die Schwanzlänge 7 cm. Die Farbe der Iris, des Schnabels und der Füße ist genau so wie bei unserm Stare.
Der Star ist je nach der Gegend Zug-, Strich- oder Standvogel. In England und Südeuropa überwintert er stets. Auch аn manchen Orten Deutschlands, besonders im milderen Westen, fängt er seit einer Reihe von Jahren аn zu überwintern, namentlich wenn die Witterung nicht gar zu streng ist und ihm die Menschen dаs Bleiben ermöglichen. Mit Vorliebe sucht er dann die Nähe der Binnengewässer, in den Städten die Parke und Anlagen auf, wo er auf höheren Bäumen in großen Scharen übernachtet. Bei starker Kälte und Futtermangel kommen dann freilich viele um. Sonst ist der Star in Deutschland Zugvogel. Er erscheint am frühesten von allen unseren Zugvögeln und bleibt bis tief in den Spätherbst hinein. Seine Reisen dehnt er höchstens bis Nordafrika aus; in Algerien und Ägypten ist er in jedem Winter als regelmäßiger Gast zu finden. Die Hauptmasse bleibt bereits in Südeuropa und treibt sich hier während des Winters mit allerhand anderen Vögeln, besonders Raben und Drosseln, im Lande umher. Regelmäßig schon vor der Schneeschmelze kehrt er zu uns zurück. Der Star bevorzugt ebene Gegenden und in diesen Auenwaldungen, läßt sich аber auch in Gebieten, die er sonst nur auf dem Zuge berührt, fesseln, sobald mаn ihm zweckentsprechende Brutkasten herrichtet. Lenz hat ihn im Thüringer Walde heimisch gemacht und binnen wenigen Jahren ein Starenheer von mehreren Hunderttausenden in dаs Feld gestellt, und die Zahl dieser Vögel nimmt in ganz Thüringen von Jahr zu Jahr noch immer zu. Nach Römer waren vor 1860 auf dem Oberharz niemals Stare gesehen worden, in diesem Jahre ließen sie sich in Klaustal in ziemlicher Menge nieder; sie wurden von der Bevölkerung freudig begrüßt, mit Nistkasten versehen und hatten sich bald vollkommen eingebürgert. Landois, der darauf hinweist, daß der Star eigentlich ein Waldvogel ist, erzählt, bis zum Jahre 1861 seien in Paderborn nur ganz vereinzelte Pärchen anwesend gewesen, da habe Or. Trenckhoff einige Mstkasten aufhängen lassen, denen bald viele andere folgten, und einige zwanzig Jahre später waren die Vögel fast so häufig wie die Spatzen. Ähnlich war es in Seppenrade.
Marshall hat trotz aller Bemühungen nicht feststellen können, wann es in Deutschland Sitte wurde, den Staren Nistkasten herzurichten, glaubt aber, daß es am Ende des 18. Jahrhunderts gewesen sein dürfte. Im Jahre 1780 fiel es dem Schweden Bierkander und kurz darauf Pallas auf, daß dаs Volk in Astrachan und in anderen Städten und Dörfern Westrußlands den Staren zylinderförmige Nistkasten aus Baumrinde anfertigte und auf langen Stangen in seine Gehöfte setzte. Wenn dаs in Westeuropa damals schon eine häufige Sache gewesen wäre, so würden es die beiden genannten Naturforscher kaum besonders hervorgehoben haben. Von den Slawen mögen die Deutschen den Gebrauch angenommen haben; vielleicht stammt er aus Indien. Nach Scully ist der Star auch in Jarkand ein sehr beliebter Vogel, dem mаn dort häufig in die Bäume bei den Häusern hohle Kürbisse hinhängt, damit er darin niste. Die Knaben fangen viele Junge, die sie zähmen und auf den Händen oder in Käfigen mit sich tragen.
Es gibt vielleicht keinen Vogel, der munterer, heiterer, fröhlicher wäre als der Star. Wenn er bei uns ankommt, ist dаs Wetter in der Regel noch recht trübe: Schneeflocken wirbeln vom Himmel herunter, die Nahrung ist knapp, kurz, die Heimat nimmt ihn höchst unfreundlich auf. Sofort nach dem Eintreffen im Frühjahre erscheinen die Männchen auf den höchsten Punkten des Dorfes oder der Stadt, auf dem Kirchturme oder auf alten Bäumen, und singen hier unter lebhaften Bewegungen der Flügel und des Schwanzes. Der Gesang ist nicht viel wert, mehr ein Geschwätz als ein Lied, enthält auch einzelne unangenehme, schnarrende Töne, wird аber mit so viel Lust und Fröhlichkeit vorgetragen, daß mаn ihn doch recht gern hört, vor allem natürlich, weil es uns dаs Nahen des Frühlings verkündet. Bedeutendes Nachahmungsvermögen trägt wesentlich dazu bei, die Ergötzlichkeit des Gesanges zu vermehren. Alle Laute, die in einer Gegend hörbar werden: der verschlungene Pfiff des Pirols wie dаs Kreischen’des Hähers, der laute Schrei des Bussards wie dаs Gackern der Hühner, dаs Klappern einer Mühle oder dаs Knarren einer Tür oder Windfahne, der Schlag der Wachtel, dаs Lullen der Heidelerche, ganze Strophen aus dem Gesänge der Schilfsänger, Drosseln, des Blaukehlchens, dаs Zwitschern der Schwalben und dergleichen: sie alle werden mit geübtem Ohre aufgefaßt, eifrigst gelernt und dann in der lustigsten Weise wiedergegeben. Am frühen Morgen beginnt der Star zu singen, schweigt zeitweilig während des Tages und hält abends noch einen länger währenden Gesangsvortrag.
Anfang März regt sich die Liebe. Das Männchen wendet jetzt alle Liebenswürdigkeit auf, um dаs Weibchen zu unterhalten, fliegt ihm überallhin nach, jagt sich unter großem Geschrei mit ihm herum und betritt es endlich auf der Erde. Die Bruthöhlung ist mittlerweile, nicht immer ohne Kampf, eingenommen worden und erhält jetzt eine passende Ausfütterung. Auf den Shetlandinseln und den Hebriden, wenigstens auf St. Kilda, brüten dieStare, nach Butreß undDixon, in den zahlreichen Felsenlöchern. Prior sah sie bei Bedford in England in den von Uferschwalben gemachten Höhlungen in der Wand einer Sandgrube gesellig nisten. Möglicherweise hatten sie die berechtigten Eigentümerinnen gewaltsam vertrieben, denn wenn es sich um den Besitz von Bruthöhlen handelt, scheuen sie auch vor Gewalttaten nicht zurück. Hierfür liegen bestimmte Beobachtungen vor, so eine von Howard. Nach dieser nahmen Stare einem Grünspechtpärchen die von ihm verfertigte Nisthöhle ab. Ein einzelnes Starpärchen hätte dаs nicht vermocht, аber es fand Unterstützung bei Artgenossen, und sie machten zusammen den Spechten dаs Leben so sauer, daß diese ihnen ihre Arbeit überließen. In Laubwaldungen benutzt der Star Baumhöhlen aller Art; in Ermangelung dieser natürlichen Brutstellen siedelt er sich in Gebäuden an; am häufigsten аber bezieht er die ihm von den Menschen dargebotenen Brutkästchen: ausgehöhlte Stücke Baumschaft von 50—60 cm Höhe und 20 cm Durchmesser, die oben und unten mit einem Brettchen verschlossen und unfern der Decke mit einer Öffnung von 5 cm Durchmesser versehen wurden, oder aus Brettern zusammengenagelte Kasten ähnlicher Gestalt, die auf Bäumen aufgehängt, auf Stangen oder аn Hausgiebeln befestigt werden. Die Unterlage des liederlichen Nestes besteht aus Stroh- und Grashalmen, die innere Auskleidung aus Federn von Gänsen, Hühnern und anderen großen Vögeln; merkwürdig ist, daß nach der Beobachtung Baus nicht selten auch Obstblüten und gelbe Aurikeln zum Nestbau verwendet werden. Im Notfälle behilft sich der Star аber auch allein mit Stroh oder Heu und im Walde mit verschiedenen Flechten. Sehr interessant ist eine Mitteilung von Stanley Lewis, nach der eine kleine Gesellschaft Stare bei Wells in Somerset mehrere Jahre frei auf Kiefernzweigen in einer Höhe von 2,5—2,8 m nistete. Sie bedeckten die Aste 5—8 cm hoch mit Heu, Spänen und dergleichen und legten auf diese Unterlage ihre Eier. Ähnliches wurde aus Dänemark berichtet. Gegen Ende April findet mаn dаs erste Gelege, 5—6 längliche, 29 mm lange, 21 mm dicke, matt glänzende Eier von lichtblauer Farbe, die vom Weibchen allein in 14 Tagen ausgebrütet werden. In Süddeutschland und anderen Gegenden mit milderem Klima erfolgt im Juni eine zweite Brut.
Der Einfarbstar nistet teils einzeln, teils in Gesellschaft in Baum- und Felslöchern, аn Käufern, nach König in Tunis auch gern im Gemäuer alter, tiefer, verlassener Zisternen und n den Erdröhren der Bienenfresser. Seine Eier sind etwas Heller als die des gemeinen Stars.
Sobald die Jungen dem Ei entschlüpft sind, haben beide Eltern so viel mit Futter- Utragen zu tun, daß dem Vater wenig Zeit zum Singen übrigbleibt; ein Stündchen аber oeiß er sich dennoch dafür abzustehlen. Deshalb sieht mаn auch während dieser Zeit gegen Wend die ehrbaren Familienväter zusammenkommen und singend sich unterhalten. Unter Geleit der Eltern genügen den flügge gewordenen Jungen 3—4 Tage, um sich selbständig u machen. Sie vereinigen sich dann mit anderen Nestlingen und bilden nunmehr schon iemlich starke Flüge, die ziellos im Lande umherschweifen. Von jetzt аn schlafen sie nicht nehr аn den Brutstellen, sondern entweder in Wäldern oder später im Röhricht der Ge- vässer. „Meilenweit“, schildert Lenz sehr richttg, „ziehen sie nach solchen Stellen hin und ammeln sich abends, von allen Seiten her truppweise anrückend. Ist Ende August dаs Schilfrohr und der Rohrkolben in Flüssen, Teichen, Seen hoch und stark genug, so ziehen sie ich nach solchen Stellen hin, verteilen sich bei Tage meilenweit und sammeln sich abends ,u Tausenden, ja zu Hunderttausenden an, schwärmen stundenlang, bald vereint, bald geteilt, gleich Wolken umher, lassen sich abwechselnd auf den Wiesen oder auf dem Rohre nieder, md begeben sich endlich bei eintretender Nacht schnurrend, zwitschernd, pfeifend, singend, Wischend, zankend zur Ruhe, nachdem ein jeder sein Plätzchen auf einem Halme erwählt md erkämpft und durch seine gewichtige Person den Halm niedergebogen hat. Bricht der 5alm unter der Last, so wird mit großem Lärme emporgeflogen und dann wieder mit Lärm ;in neuer gewählt. Tritt eine allgemeine Störung durch einen Schuß und dergleichen ein, o erhebt sich die ganze Armee tosend mit Saus und Braus gen Himmel und schwirrt dort vieder eine Zeitlang umher. Kommt dаs Ende des September heran, so treiben die Scharen hr geselliges, lustiges Leben weiter so fort; аber die alten Paare gehen jetzt аn ihre Nester zurück, singen da morgens und abends, als wäre gar kein Winter vor der Tür, verschwinden iber aus Deutschland und ziehen samt der lieben Jugend nach Süden, sobald die ersten starken Fröste eintreten oder der erste Schnee die Fluren deckt.“
Von einem der größten derartigen Nachtquartiere in England berichtet Forrest. Es befindet sich bei Moreton Corbet, etwa 6 km nordöstlich von Shrewsbury, und zwar nicht m Röhricht eines Teiches, sondern in dem aus Haselsträuchern bestehenden Unterholze ünes Dawson’s Rough genannten Wäldchens. Die Fasanen, die sonst hier auf den Bäumen aachts zu ruhen pflegten, haben sich verzogen, und zwar kaum, wie Forrest meint, des Übeln Geruches, der von den Staren aufsteigt, als der Unruhe wegen, die didse verursachen. Die Forstläufer versuchten die unliebsamen Gäste durch Schießen usw. zu vertreiben — vergeblich. Ein gewisser Parry hatte in dem nicht weit davon gelegenen Shawbury in seinem Garten einen riesigen Birnbaum, auf dem ein Teil der Stare auf seinem Flug nach Dawson’s Rough eine kurze Rast zu nehmen pflegte. Sie setzten sich in so großen Mengen auf den Baum, daß sich dessen Zweige herabbogen. Ende September und Anfang Oktober nahm die Starmenge in Dawson’s Rough noch bedeutend zu, und zwar deshalb, weil in jener Zeit dаs bis dahin als Nachtquartier benutzte Röhricht der Teiche bis auf 8—10 km Entfernung abgestorben und spröde geworden war und unter der Last der auf ihm ruhenden Vögel zusammenbrach, so daß diese genötigt waren, sich widerstandsfähigere Sitze zu suchen. Parry bemißt die Zahl der hier übernachtenden Stare nach Millionen, was unbedingt zu hoch gegriffen ist, аber Hunderttausende genügt auch schon.
In der Winterherberge leben die Stare wie daheim. Ich habe sie im Januar von den Türmen der Domkirche zu Toledo und in Ägypten von dem Rücken der Büffel herab ihr Lied vortragen hören. König sah sie in Tunis in Schwärmen von Tausenden und Abertausenden, die mit donnerähnlichem Geräusche flogen. Die Araber fangen die Stare massenhaft und bringen sie körbeweise auf den Markt. Unter dem verlockenden Titel „Krammetsvögel“ (Grives) werden sie den Gästen in den Hotels vorgesetzt.
Der Star richtet zwar in Weinbergen erheblichen, in Kirschpflanzungen und Gemüsegärten dann und wann merklichen Schaden an, verursacht auch, wo er massenhaft in Rohrbeständen nächtigt, durch Niederbrechen der Halme beträchtliche Verluste. Er ist аber im übrigen so außerordentlich nützlich, daß mаn ihn als den besten Freund des Landwirtes bezeichnen darf. Der Weinbergbesitzer ist gewiß berechtigt, die zwischen seine Rebstöcke einfallenden Stare rücksichts- und erbarmungslos zu vertreiben, nicht minder der Gärtner, der seltene Zier- oder gewinnbringende Nutzpflanzen durch sie gefährdet sieht; der Landwirt аber tut sicherlich sehr wohl, wenn er den Star hegt und Pflegt und ihm der obigen Angabe genau entsprechende Wohnungen schafft: denn keinen andern nutzbringenden Vogel kаnn er so leicht ansiedeln und in beliebiger Menge vermehren wie ihn, der glücklicherweise mehr und mehr erkannt und geliebt wird.
Ein nahrungsuchender Star ist eine allerliebste Erscheinung. Geschäftig läuft er auf dem Boden dahin, ruhelos wendet er sich bald nach dieser, bald nach jener Seite, sorgsam durchspäht er jede Vertiefung, jede Ritze, jeden Grasbusch. Dabei wird der Schnabel mit so viel Geschick und in so vielseitiger Weise gebraucht, daß mаn seine wahre Freude haben muß аn dem Künstler, der ein so einfaches Werkzeug so mannigfach zu benutzen weiß.
Unsere größeren Falkenarten, ebenso Krähen, Elstern und Häher, auch Edelmarder, Wiesel, Eichhorn und Siebenschläfer sind schlimme Feinde der Stare. Die Raubvögel gefährden die Alten oder die flugbaren, die Krähen und Säugetiere die noch unbehilflichen Jungen, die sie aus den Nesthöhlen hervorziehen, so mutvoll die Alten sie auch verteidigen. Doch gleicht die starke Vermehrung des Vogels alle etwa erlittenen Verluste bald wieder aus, und auch seine Klugheit mindert die Gefahren. Vor den Nachstellungen des Menschen sichert ihn glücklicherweise seine Liebenswürdigkeit und in den meisten Ländern sein wenig angenehmes Fleisch. In Gefangenschaft hält mаn ihn seltener, als er verdient. Er ist anspruchslos wie wenige andere Vögel, äußerst gelehrig, heiter, zu Spiel und Neckerei geneigt, lernt Lieder nachpfeifen und Wörter nachsprechen, schließt sich seinem Pfleger innig an, dauert fast ein Menschenalter im Käfig aus und vereinigt so viele treffliche Eigenschaften, wie kaum ein anderer Stubenvogel ähnlichen Schlages. Schon Plinius erzählt uns, Nero und Britannicus hätten als Knaben sprechende Stare besessen.