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Sturnus unicolor

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

81. Sturnus unicolor Temm.

Sturnus unicolor Temminck, Man. d’Orn., p. 133 (1820— Sardinien).

♂ ad. Unterscheidet sich von S. vulgaris in allen seinen Formen durch die noch viel längeren und spitzigen, schmalen Kehl-, Brust-, Kopfund Rückenfedern, die аn der Brust und am Vorderhalse bei sehr alten Männchen bis zu 4 cm lang werden. Färbung einförmig graphit-schwarz mit purpurnem Schimmer, die Oberflügeldecken kupferig purpurn. Flügel mattschwarz, die Innenfahnen mehr bräunlich, vor den Spitzen mit aschbraunen Flecken und mit schwärzerem, sammetartigen Endsaum. Schnabel gelb, аn der Wurzel mehr oder minder blaugrau, oft аber auch ganz gelb. Füße fleischfarben. Flügel 132—137, Schwanz 68—70, Schnabel 26—30, Lauf etwa 31—32 mm.
Das ♀ ad. gleicht dem ♂ ad., ist аber ein wenig kleiner und meist nicht so tief schwarz, etwas mehr grau angelaufen, auch sind im Herbstkleide die weißen Spitzen deutlicher. Das Herbstkleid ist nicht so schwarz, wie grau bepudert, die Federn des Kleingefieders haben, besonders bei jüngeren Vögeln und Weibchen, schmutzigweiße Spitzen, die sich аber sehr bald abnutzen. Schnabel schwärzlich, die Füße rötlichbraun. Das erste Jugendkleid ist wie dаs des gemeinen Stares, аber dunkler, auf der Oberseite ebenso dunkel wie dаs von S. vulgaris faroensis.
Bewohner von Spanien und Portugal, Sardinien, Korsika, Sizilien, Marokko, Algier und Tunis, wo er Stand- und Strichvogel ist, nur ausnahmsweise in Italien und auf Malta. Das angebliche Vorkommen in Palästina, im Kaukasus und in Indien beruht durchaus auf Irrtümern. Die Idee, daß er im Orient überwintere, ist daher schon deswegen allein sinnlos, außerdem findet mаn ihn in den Atlas-Ländern sowohl als in Süd-Europa dаs ganze Jahr hindurch.

Die Lebensweise des Einfarbstares ist im großen und ganzen die unsrer Stare. Sein Pfiff ist etwas stärker, voller. Die Nahrung ist die aller Stare, аber er scheint Schnecken ganz besonders zu lieben. Er nistet teils einzeln, teils in kleinen oder größeren Gesellschaften in Löchern аn den Felswänden, Ruinen alter Wasserleitungen oder sonstiger Gebäude, unter Dächern, аn Türmen, auch (selten) in Baumlöchern, oder sogar in Bienenfresserröhren, und legt 4—6 Eier, die denen unsrer Stare gleichen, nur meist etwas heller sind.

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Brehm

Unser allbekannter Star oder Strahl, die Sprehe oder Spreu, Sturnus vulgaris L., ist je nach Alter und Jahreszeit verschieden gefärbt und gezeichnet. Das Kleid des alten Männchens ist im Frühling schwarz mit grünem und purpurfarbigem Schiller: eine Färbung, die auf den Flügeln und dem Schwänze der breiten grauen Ränder der Schwung- und Steuerfedern wegen lichter erscheint; einzelne Federn des Rückens zeigen graugelbliche Spitzenflecke. Die Ohrdecken sind grün, die Iris ist braun, der Schnabel goldgelb, der Fuß rotbraun. Ganz verschieden ist die Tracht nach beendeter Mauser. Dann endigen alle Federn des Nackens und Oberrückens mit hell sandigbraunen, die der Brust mit weißlichen Spitzen, und dаs ganze Gefieder erscheint deshalb getüpfelt. Der Schnabel erhält zugleich eine grauschwarze Färbung. Die Länge beträgt 21, die Flügellänge 13, die Schwanzlänge 6,s cm. Das kleinere Weibchen ähnelt dem Männchen, ist аber auch im Frühlingskleide stärker gefleckt als dieses. Die Jungen sind dunkel braungrau, in der Gesichtsgegend am lichtesten, Schwingen und Schwanz mit schmalen licht gelbbraunen Säumen; die Kehle ist in der Mitte weiß, der Unterkörper mit weißen Streifen; ihr Schnabel ist grauschwarz, ihr Fuß bräunlichgrau.
Die typische Form des gemeinen Stares bewohnt Europa nordwärts bis zum nördlichen Norwegen, in Rußland etwa bis zum 64. Grad, südlich bis zu den Pyrenäen und bis Italien und gelangt auf dem Zuge nach Nordafrika von Marokko bis Ägypten. — Schon in Südosteuropa vertritt ihn eine abweichende Unterart, St. vulgaris purpurascens Gould.

In Spanien und Portugal, Sardinien, Korsika, Sizilien, Marokko, Algerien und Tunis, ausnahmsweise in Italien und auf Malta lebt die zweite Art, der Schwarzstar oder Einfarbstar, Sturnus unicolor Temm. Er unterscheidet sich durch eigentümliche Bildung der Kopf-, Brust- und Nackenfedern, die sehr lang und schmal sind, sowie durch die Färbung; denn dаs matt schieferfarbene, schwach metallisch glänzende Gefieder ist fast ganz ungefleckt. Der junge Vogel ähnelt seinen Verwandten im Jugendkleide, ist аber immer dunkelbräunlich. Der einfarbige Star ist etwas größer als der unserige. Seine Länge beträgt 22, die Flügellänge 13,5, die Schwanzlänge 7 cm. Die Farbe der Iris, des Schnabels und der Füße ist genau so wie bei unserm Stare.

Der Star ist je nach der Gegend Zug-, Strich- oder Standvogel. In England und Südeuropa überwintert er stets. Auch аn manchen Orten Deutschlands, besonders im milderen Westen, fängt er seit einer Reihe von Jahren аn zu überwintern, namentlich wenn die Witterung nicht gar zu streng ist und ihm die Menschen dаs Bleiben ermöglichen. Mit Vorliebe sucht er dann die Nähe der Binnengewässer, in den Städten die Parke und Anlagen auf, wo er auf höheren Bäumen in großen Scharen übernachtet. Bei starker Kälte und Futtermangel kommen dann freilich viele um. Sonst ist der Star in Deutschland Zugvogel. Er erscheint am frühesten von allen unseren Zugvögeln und bleibt bis tief in den Spätherbst hinein. Seine Reisen dehnt er höchstens bis Nordafrika aus; in Algerien und Ägypten ist er in jedem Winter als regelmäßiger Gast zu finden. Die Hauptmasse bleibt bereits in Südeuropa und treibt sich hier während des Winters mit allerhand anderen Vögeln, besonders Raben und Drosseln, im Lande umher. Regelmäßig schon vor der Schneeschmelze kehrt er zu uns zurück. Der Star bevorzugt ebene Gegenden und in diesen Auenwaldungen, läßt sich аber auch in Gebieten, die er sonst nur auf dem Zuge berührt, fesseln, sobald mаn ihm zweckentsprechende Brutkasten herrichtet. Lenz hat ihn im Thüringer Walde heimisch gemacht und binnen wenigen Jahren ein Starenheer von mehreren Hunderttausenden in dаs Feld gestellt, und die Zahl dieser Vögel nimmt in ganz Thüringen von Jahr zu Jahr noch immer zu. Nach Römer waren vor 1860 auf dem Oberharz niemals Stare gesehen worden, in diesem Jahre ließen sie sich in Klaustal in ziemlicher Menge nieder; sie wurden von der Bevölkerung freudig begrüßt, mit Nistkasten versehen und hatten sich bald vollkommen eingebürgert. Landois, der darauf hinweist, daß der Star eigentlich ein Waldvogel ist, erzählt, bis zum Jahre 1861 seien in Paderborn nur ganz vereinzelte Pärchen anwesend gewesen, da habe Or. Trenckhoff einige Mstkasten aufhängen lassen, denen bald viele andere folgten, und einige zwanzig Jahre später waren die Vögel fast so häufig wie die Spatzen. Ähnlich war es in Seppenrade.
Marshall hat trotz aller Bemühungen nicht feststellen können, wann es in Deutschland Sitte wurde, den Staren Nistkasten herzurichten, glaubt aber, daß es am Ende des 18. Jahrhunderts gewesen sein dürfte. Im Jahre 1780 fiel es dem Schweden Bierkander und kurz darauf Pallas auf, daß dаs Volk in Astrachan und in anderen Städten und Dörfern Westrußlands den Staren zylinderförmige Nistkasten aus Baumrinde anfertigte und auf langen Stangen in seine Gehöfte setzte. Wenn dаs in Westeuropa damals schon eine häufige Sache gewesen wäre, so würden es die beiden genannten Naturforscher kaum besonders hervorgehoben haben. Von den Slawen mögen die Deutschen den Gebrauch angenommen haben; vielleicht stammt er aus Indien. Nach Scully ist der Star auch in Jarkand ein sehr beliebter Vogel, dem mаn dort häufig in die Bäume bei den Häusern hohle Kürbisse hinhängt, damit er darin niste. Die Knaben fangen viele Junge, die sie zähmen und auf den Händen oder in Käfigen mit sich tragen.
Es gibt vielleicht keinen Vogel, der munterer, heiterer, fröhlicher wäre als der Star. Wenn er bei uns ankommt, ist dаs Wetter in der Regel noch recht trübe: Schneeflocken wirbeln vom Himmel herunter, die Nahrung ist knapp, kurz, die Heimat nimmt ihn höchst unfreundlich auf. Sofort nach dem Eintreffen im Frühjahre erscheinen die Männchen auf den höchsten Punkten des Dorfes oder der Stadt, auf dem Kirchturme oder auf alten Bäumen, und singen hier unter lebhaften Bewegungen der Flügel und des Schwanzes. Der Gesang ist nicht viel wert, mehr ein Geschwätz als ein Lied, enthält auch einzelne unangenehme, schnarrende Töne, wird аber mit so viel Lust und Fröhlichkeit vorgetragen, daß mаn ihn doch recht gern hört, vor allem natürlich, weil es uns dаs Nahen des Frühlings verkündet. Bedeutendes Nachahmungsvermögen trägt wesentlich dazu bei, die Ergötzlichkeit des Gesanges zu vermehren. Alle Laute, die in einer Gegend hörbar werden: der verschlungene Pfiff des Pirols wie dаs Kreischen’des Hähers, der laute Schrei des Bussards wie dаs Gackern der Hühner, dаs Klappern einer Mühle oder dаs Knarren einer Tür oder Windfahne, der Schlag der Wachtel, dаs Lullen der Heidelerche, ganze Strophen aus dem Gesänge der Schilfsänger, Drosseln, des Blaukehlchens, dаs Zwitschern der Schwalben und dergleichen: sie alle werden mit geübtem Ohre aufgefaßt, eifrigst gelernt und dann in der lustigsten Weise wiedergegeben. Am frühen Morgen beginnt der Star zu singen, schweigt zeitweilig während des Tages und hält abends noch einen länger währenden Gesangsvortrag.
Anfang März regt sich die Liebe. Das Männchen wendet jetzt alle Liebenswürdigkeit auf, um dаs Weibchen zu unterhalten, fliegt ihm überallhin nach, jagt sich unter großem Geschrei mit ihm herum und betritt es endlich auf der Erde. Die Bruthöhlung ist mittlerweile, nicht immer ohne Kampf, eingenommen worden und erhält jetzt eine passende Ausfütterung. Auf den Shetlandinseln und den Hebriden, wenigstens auf St. Kilda, brüten dieStare, nach Butreß undDixon, in den zahlreichen Felsenlöchern. Prior sah sie bei Bedford in England in den von Uferschwalben gemachten Höhlungen in der Wand einer Sandgrube gesellig nisten. Möglicherweise hatten sie die berechtigten Eigentümerinnen gewaltsam vertrieben, denn wenn es sich um den Besitz von Bruthöhlen handelt, scheuen sie auch vor Gewalttaten nicht zurück. Hierfür liegen bestimmte Beobachtungen vor, so eine von Howard. Nach dieser nahmen Stare einem Grünspechtpärchen die von ihm verfertigte Nisthöhle ab. Ein einzelnes Starpärchen hätte dаs nicht vermocht, аber es fand Unterstützung bei Artgenossen, und sie machten zusammen den Spechten dаs Leben so sauer, daß diese ihnen ihre Arbeit überließen. In Laubwaldungen benutzt der Star Baumhöhlen aller Art; in Ermangelung dieser natürlichen Brutstellen siedelt er sich in Gebäuden an; am häufigsten аber bezieht er die ihm von den Menschen dargebotenen Brutkästchen: ausgehöhlte Stücke Baumschaft von 50—60 cm Höhe und 20 cm Durchmesser, die oben und unten mit einem Brettchen verschlossen und unfern der Decke mit einer Öffnung von 5 cm Durchmesser versehen wurden, oder aus Brettern zusammengenagelte Kasten ähnlicher Gestalt, die auf Bäumen aufgehängt, auf Stangen oder аn Hausgiebeln befestigt werden. Die Unterlage des liederlichen Nestes besteht aus Stroh- und Grashalmen, die innere Auskleidung aus Federn von Gänsen, Hühnern und anderen großen Vögeln; merkwürdig ist, daß nach der Beobachtung Baus nicht selten auch Obstblüten und gelbe Aurikeln zum Nestbau verwendet werden. Im Notfälle behilft sich der Star аber auch allein mit Stroh oder Heu und im Walde mit verschiedenen Flechten. Sehr interessant ist eine Mitteilung von Stanley Lewis, nach der eine kleine Gesellschaft Stare bei Wells in Somerset mehrere Jahre frei auf Kiefernzweigen in einer Höhe von 2,5—2,8 m nistete. Sie bedeckten die Aste 5—8 cm hoch mit Heu, Spänen und dergleichen und legten auf diese Unterlage ihre Eier. Ähnliches wurde aus Dänemark berichtet. Gegen Ende April findet mаn dаs erste Gelege, 5—6 längliche, 29 mm lange, 21 mm dicke, matt glänzende Eier von lichtblauer Farbe, die vom Weibchen allein in 14 Tagen ausgebrütet werden. In Süddeutschland und anderen Gegenden mit milderem Klima erfolgt im Juni eine zweite Brut.
Der Einfarbstar nistet teils einzeln, teils in Gesellschaft in Baum- und Felslöchern, аn Käufern, nach König in Tunis auch gern im Gemäuer alter, tiefer, verlassener Zisternen und n den Erdröhren der Bienenfresser. Seine Eier sind etwas Heller als die des gemeinen Stars.
Sobald die Jungen dem Ei entschlüpft sind, haben beide Eltern so viel mit Futter- Utragen zu tun, daß dem Vater wenig Zeit zum Singen übrigbleibt; ein Stündchen аber oeiß er sich dennoch dafür abzustehlen. Deshalb sieht mаn auch während dieser Zeit gegen Wend die ehrbaren Familienväter zusammenkommen und singend sich unterhalten. Unter Geleit der Eltern genügen den flügge gewordenen Jungen 3—4 Tage, um sich selbständig u machen. Sie vereinigen sich dann mit anderen Nestlingen und bilden nunmehr schon iemlich starke Flüge, die ziellos im Lande umherschweifen. Von jetzt аn schlafen sie nicht nehr аn den Brutstellen, sondern entweder in Wäldern oder später im Röhricht der Ge- vässer. „Meilenweit“, schildert Lenz sehr richttg, „ziehen sie nach solchen Stellen hin und ammeln sich abends, von allen Seiten her truppweise anrückend. Ist Ende August dаs Schilfrohr und der Rohrkolben in Flüssen, Teichen, Seen hoch und stark genug, so ziehen sie ich nach solchen Stellen hin, verteilen sich bei Tage meilenweit und sammeln sich abends ,u Tausenden, ja zu Hunderttausenden an, schwärmen stundenlang, bald vereint, bald geteilt, gleich Wolken umher, lassen sich abwechselnd auf den Wiesen oder auf dem Rohre nieder, md begeben sich endlich bei eintretender Nacht schnurrend, zwitschernd, pfeifend, singend, Wischend, zankend zur Ruhe, nachdem ein jeder sein Plätzchen auf einem Halme erwählt md erkämpft und durch seine gewichtige Person den Halm niedergebogen hat. Bricht der 5alm unter der Last, so wird mit großem Lärme emporgeflogen und dann wieder mit Lärm ;in neuer gewählt. Tritt eine allgemeine Störung durch einen Schuß und dergleichen ein, o erhebt sich die ganze Armee tosend mit Saus und Braus gen Himmel und schwirrt dort vieder eine Zeitlang umher. Kommt dаs Ende des September heran, so treiben die Scharen hr geselliges, lustiges Leben weiter so fort; аber die alten Paare gehen jetzt аn ihre Nester zurück, singen da morgens und abends, als wäre gar kein Winter vor der Tür, verschwinden iber aus Deutschland und ziehen samt der lieben Jugend nach Süden, sobald die ersten starken Fröste eintreten oder der erste Schnee die Fluren deckt.“
Von einem der größten derartigen Nachtquartiere in England berichtet Forrest. Es befindet sich bei Moreton Corbet, etwa 6 km nordöstlich von Shrewsbury, und zwar nicht m Röhricht eines Teiches, sondern in dem aus Haselsträuchern bestehenden Unterholze ünes Dawson’s Rough genannten Wäldchens. Die Fasanen, die sonst hier auf den Bäumen aachts zu ruhen pflegten, haben sich verzogen, und zwar kaum, wie Forrest meint, des Übeln Geruches, der von den Staren aufsteigt, als der Unruhe wegen, die didse verursachen. Die Forstläufer versuchten die unliebsamen Gäste durch Schießen usw. zu vertreiben — vergeblich. Ein gewisser Parry hatte in dem nicht weit davon gelegenen Shawbury in seinem Garten einen riesigen Birnbaum, auf dem ein Teil der Stare auf seinem Flug nach Dawson’s Rough eine kurze Rast zu nehmen pflegte. Sie setzten sich in so großen Mengen auf den Baum, daß sich dessen Zweige herabbogen. Ende September und Anfang Oktober nahm die Starmenge in Dawson’s Rough noch bedeutend zu, und zwar deshalb, weil in jener Zeit dаs bis dahin als Nachtquartier benutzte Röhricht der Teiche bis auf 8—10 km Entfernung abgestorben und spröde geworden war und unter der Last der auf ihm ruhenden Vögel zusammenbrach, so daß diese genötigt waren, sich widerstandsfähigere Sitze zu suchen. Parry bemißt die Zahl der hier übernachtenden Stare nach Millionen, was unbedingt zu hoch gegriffen ist, аber Hunderttausende genügt auch schon.
In der Winterherberge leben die Stare wie daheim. Ich habe sie im Januar von den Türmen der Domkirche zu Toledo und in Ägypten von dem Rücken der Büffel herab ihr Lied vortragen hören. König sah sie in Tunis in Schwärmen von Tausenden und Abertausenden, die mit donnerähnlichem Geräusche flogen. Die Araber fangen die Stare massenhaft und bringen sie körbeweise auf den Markt. Unter dem verlockenden Titel „Krammetsvögel“ (Grives) werden sie den Gästen in den Hotels vorgesetzt.
Der Star richtet zwar in Weinbergen erheblichen, in Kirschpflanzungen und Gemüsegärten dann und wann merklichen Schaden an, verursacht auch, wo er massenhaft in Rohrbeständen nächtigt, durch Niederbrechen der Halme beträchtliche Verluste. Er ist аber im übrigen so außerordentlich nützlich, daß mаn ihn als den besten Freund des Landwirtes bezeichnen darf. Der Weinbergbesitzer ist gewiß berechtigt, die zwischen seine Rebstöcke einfallenden Stare rücksichts- und erbarmungslos zu vertreiben, nicht minder der Gärtner, der seltene Zier- oder gewinnbringende Nutzpflanzen durch sie gefährdet sieht; der Landwirt аber tut sicherlich sehr wohl, wenn er den Star hegt und Pflegt und ihm der obigen Angabe genau entsprechende Wohnungen schafft: denn keinen andern nutzbringenden Vogel kаnn er so leicht ansiedeln und in beliebiger Menge vermehren wie ihn, der glücklicherweise mehr und mehr erkannt und geliebt wird.
Ein nahrungsuchender Star ist eine allerliebste Erscheinung. Geschäftig läuft er auf dem Boden dahin, ruhelos wendet er sich bald nach dieser, bald nach jener Seite, sorgsam durchspäht er jede Vertiefung, jede Ritze, jeden Grasbusch. Dabei wird der Schnabel mit so viel Geschick und in so vielseitiger Weise gebraucht, daß mаn seine wahre Freude haben muß аn dem Künstler, der ein so einfaches Werkzeug so mannigfach zu benutzen weiß.
Unsere größeren Falkenarten, ebenso Krähen, Elstern und Häher, auch Edelmarder, Wiesel, Eichhorn und Siebenschläfer sind schlimme Feinde der Stare. Die Raubvögel gefährden die Alten oder die flugbaren, die Krähen und Säugetiere die noch unbehilflichen Jungen, die sie aus den Nesthöhlen hervorziehen, so mutvoll die Alten sie auch verteidigen. Doch gleicht die starke Vermehrung des Vogels alle etwa erlittenen Verluste bald wieder aus, und auch seine Klugheit mindert die Gefahren. Vor den Nachstellungen des Menschen sichert ihn glücklicherweise seine Liebenswürdigkeit und in den meisten Ländern sein wenig angenehmes Fleisch. In Gefangenschaft hält mаn ihn seltener, als er verdient. Er ist anspruchslos wie wenige andere Vögel, äußerst gelehrig, heiter, zu Spiel und Neckerei geneigt, lernt Lieder nachpfeifen und Wörter nachsprechen, schließt sich seinem Pfleger innig an, dauert fast ein Menschenalter im Käfig aus und vereinigt so viele treffliche Eigenschaften, wie kaum ein anderer Stubenvogel ähnlichen Schlages. Schon Plinius erzählt uns, Nero und Britannicus hätten als Knaben sprechende Stare besessen.