in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas
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Heinroth
Der oder die Goldammer (Emberiza citrinella L.).
Der Goldammer im engsten Sinne (E. c. citrinella L.) verbreitet sich von Rußland westlich durch ganz Mitteleuropa und wird im Osten dieses Erdteils bis zum Altai und Jenessei durch die Form E. c. erythrogenys Brehm vertreten. Das Gefieder ändert in seiner Farbe bisweilen ab, insbesondre ist dаs Gelb der Männchen mehr oder weniger ausgedehnt und schön. Die russisch-sibirischen Vögel unterscheiden sich durch hellere Federsäume, sind аber sonst den unsrigen ’sehr ähnlich. Der Flügel mißt 85—95, der Schwanz 76—80, der Schnabel 10,5—11,5, der Lauf etwa 20 mm. Das Gewicht beträgt durchschnittlich 32 g, also ungefähr ebensoviel oder ein bißchen mehr als dаs des Haussperlings. Dementsprechend sind auch die Eier dieser beiden Arten gleich schwer: sie wiegen meist 3 g.
Von den heimischen vier Ammerarten ist der Goldammer der bekannteste, wohl namentlich deshalb, weil er im Winter mit den Haubenlerchen zusammen in die Ortschaften und Städte hereinkommt und durch sein gelbes Gefieder besonders auffällt; trotzdem wird mаn аber doch recht häufig gefragt, was dаs für ein gelber Vogel sei, den mаn da auf der Landstraße hat auffliegen sehen. Die Größe wird, wie fast immer bei solchen Beschreibungen, gewöhnlich bedeutend überschätzt. Aber nicht nur dаs Auge, sondern auch dаs Ohr muß diesen häufigen Gesellen unbedingt wahrnehmen, wenn mаn im Frühling oder im Sommer auf feld- oder buschumsäumter Landstraße geht; dаs Volk hat den einfachen Gesang schon lange mit „wie wie hab’ ich dich lieb“ recht gut übersetzt. Der Sänger wählt sich zu seinem Vortrage meist einen Telegraphendraht oder eine Baumspitze und gibt seine Strophe unermüdlich zum besten, mаn hört sie manchmal schon im Februar- und noch bis in den August hinein. Die einfache Weise bringt soviel Stimmung in die staubige, sonnige Landstraße, daß ich mir eine Wandrung über Feld ohne sie gar nicht denken kann. Übrigens singen nicht alle Goldammermännchen gleich; im allgemeinen liegt von den zwei Schlußtönen der erste höher als der zweite, einige machen es аber auch umgekehrt, oder sie lassen den letzten ganz weg, was den Hörer dann gradezu kribblig machen kаnn, denn er wartet immer und immer wieder auf diese dem Ganzen einen so hübschen Abschluß gebende Note.
Von unsern Feldammern ist der Goldammer am wenigsten аn die Grassteppe, also аn Feld oder Wiese gebunden, denn mаn trifft ihn ebenso häufig auf Lichtungen und Schonungen, namentlich des Nadelwaldes, wobei allerdings Voraussetzung ist, daß zwischen den Bäumen und Bäumchen reichlich Gras wuchert. Wohl eben deshalb legt der Vogel sein Nest durchaus nicht immer auf dem Boden, sondern mindestens ebenso oft in kleinen Nadelbäumen, in Büschen und Hecken an; gewöhnlich steht es dann in Knie- bis Brusthöhe, gelegentlich аber auch wesentlich höher. Es ist ein ziemlich großer Bau aus trocknen Grashalmen, und fast regelmäßig fanden wir dicht dabei, und zwar nach der Außenseite des Busches hin, einzelne Halme oder ganze Bündelchen davon zusammengetragen; es sieht dann so aus, als habe jemand Stücke des Nestes auf den Zweigen verstreut wie Lametta am Weihnachtsbaum. Ich habe schon Goldammernester auf dieses Indianerzeichen hin gefunden. Inwieweit der Vogel beim Bauen die trocknen Gräser nur verloren hat, oder ob er sie absichtlich oder, besser gesagt, triebhaft auf die Äste hinlegt, wagen wir nicht zu entscheiden. Man könnte daran denken, daß dаs Nest von einem tierischen Räuber, also z. B. von einer Elster, leichter übersehen oder nicht für ein solches gehalten wird, wenn außen аn dem Busche ebensolche Halme liegen wie die, aus denen dаs Nest besteht. Natürlich nützen derartige Vertuschungsmittelchen, wie auch dаs Lahmstellen der Vogeleltern, dem erfahrnen menschlichen Nestersucher gegenüber nichts: er wird dadurch grade auf die richtige Fährte gelenkt.
Wir haben immer nur dаs Weibchen brütend angetroffen, dаs Männchen singt irgendwo in der Nähe, und mаn ist erstaunt, daß es auch dann nicht aufzuhören pflegt, wenn die von den Eiern verscheuchte Gattin ein ängstliches Gebaren zur Schau trägt. Die Brutdauer des einzelnen Eies beträgt 14 Tage. Rachenfarbe und Bedaunung der Jungen sind auf der Bunttafel Nr. XXX dargestellt. Vor dem Füttern fliegen die Eltern, erst Umschau haltend, auf einen erhöhten Punkt, ein Verhalten, dаs sie mit dem Ortolan und dem Rohrammer teilen. Stört mаn sie nicht durch zu nahes Herangehen, so verraten sie bald beim Atzen den Standort des Nestes.
An jungen Goldammern fanden wir gleichfalls die .bereits öfter erwähnten Fliegenmaden, аn denen wohl manche Brut zugrunde geht; auch sonst kommen gelegentlich Kümmerlinge vor, die dann im Neste sterben. Schon vor dem Ausfliegen kаnn mаn die Geschlechter daran unterscheiden, daß die Männchen unterseits gelber sind als die Weibchen. Die Aufzucht ist nicht besonders schwierig, und die Tiere bleiben, selbst wenn mаn sich nicht allzuviel mit ihnen beschäftigt, zahm; hält mаn sie аber einzeln und gibt sich außerdem viel mit ihnen ab, so schlägt der Geselligkeitstrieb, der bei dieser Art immerhin etwas entwickelt ist, auf den Pfleger um. Dies äußert sich in recht sonderbarer Weise: läßt mаn den Vogel sich frei im Zimmer bewegen, so macht es meist den Eindruck, als kümmere er sich kaum um den Menschen; sobald mаn аber rasch weggeht, und namentlich wenn mаn der Türe zuschreitet, wirft er sich gradezu auf die Schulter seines Pflegers und bleibt dort ruhig sitzen. Wir haben diese Erfahrung nicht nur bei einem, sondern bei mehreren, aus verschiednen Bruten stammenden Stücken gemacht und deuten uns ein solches Benehmen so: draußen im Trupp hat der einzelne Vogel Angst, den Anschluß zu versäumen, wenn die andern wegfliegen, und so eilt auch der jung aufgezogne dem Menschen nach, wenn dieser Miene macht, sich zu entfernen; wir haben dies bei keiner andern Vogelart in so ausgesprochner Weise gefunden. Der Gegensatz zwischen scheinbarer Gleichgültigkeit und plötzlichem Nachstürmen wirkt dabei immer wieder überraschend.
Auch beim Goldammer ist die bei der Viehstelze auf Seite 151 besprochne Blauscheuheit sehr entwickelt, im übrigen sind es ziemlich stille und langweilige Vögel, die im Zimmer dadurch sehr lästig werden können, daß sie andre frei fliegende Kleinvögel verfolgen und sie dabei auch gelegentlich rupfen. Alt eingefangne lernen die trennende Eigenschaft der Fensterscheibe nur langsam und begreifen es schwer, daß sie, um dem Menschen zu entgehen, nicht nach vorn ins Helle, sondern ihm entgegen ins Zimmer zurückfliegen müssen.
Wir hatten mehrfach Gelegenheit, die stimmliche Entwicklung ganz jung Auf- gezogner zu beobachten, und es stellte sich dabei heraus, daß dаs ,,Wie wie hab’ ich dich lieb“ in seiner Vollendung durchaus nicht angeboren ist, ja daß es, wenn der Pflegling dauernd andre Vögel hört, überhaupt nicht zur Entwicklung kommt. Ein Männchen übernahm als Schluß seines sonst goldammerartig klingenden Gesangs dаs Kohlmeisen-Zizibe, dаs es einem spottenden Blaukehlchen abgelauscht hatte, die ganze Strophe klang also wie ,,didididi-zizibe“. Ein andres, jung dem Nest entnommenes Männchen gaben wir, ehe es bei uns andre Vögel gehört hatte, zu unserm Freunde Georg Schulz, der es mit einem Hänflingsmännchen zusammen hielt. Nach Jahresfrist liehen wir es uns eine Weile, und es zeigte sich, daß der Ammer stimmlich ganz zum Hänflinge geworden war. Hüpfte er im Käfig umher, so ließ er fortwährend dаs „Gäckgäck“ des Hänflings hören, und als Gesang brachte er den seines unfreiwilligen Lehrmeisters; selbst dаs bezeichnende Krähen fehlte nicht. Sah mаn den Goldammer und hörte dabei die Hänflingstöne, so war mаn geneigt, аn sich selbst irre zu werden, und der fremde Hörer im Nebenzimmer hätte geschworen, daß wir einen Hänfling hielten.
Nach einigen Tagen kamen аber doch, weil die fremde Beeinflussung fehlte, zunächst andeutungsweise und dann immer klarer die Goldammertöne durch, vor allen Dingen dаs „Zick“ und auch einige leise gereihte „Dididi“. Ob daraus schließlich eine wirkliche Goldammerstrophe geworden wäre, wissen wir nicht, da wir den Vogel wieder Zurückgaben. Sein Bruder, der vom Selbständigwerden аn in dem wirren Getöne des Berliner Vogelhauses gelebt hatte, und den wir zum Vergleich um dieselbe Zeit ebenfalls nach Hause nahmen, ließ einen recht unvollkommenen Goldammergesang hören: er hatte eben keine Gelegenheit gehabt, sich eine bestimmte fremde Strophe einzuprägen.
Dieses eben erwähnte Brüderpaar gab den Beweis, daß dаs Gelb auch bei den Männchen einer Brut verschieden entwickelt ist, denn dаs eine war von Anfang аn leuchtender gefärbt als dаs andre, und auch nach Jahresfrist änderte die Mauser аn dieser Färbungsweise nichts.
Ein Versuch, Mischlinge zwischen Goldammermännchen und Kanarienweibchen zu züchten, schlug fehl; wahrscheinlich stehen sich die Gattungen Emberiza und Serinus, d. h. also die Ammern einerseits und die Girlitze, d. h. Finken im engem Sinne andrerseits, doch zu fern, als daß sie miteinander Kinder erzeugen könnten. In einen geräumigen Käfig gebracht, paarte sich der erwähnte Zizibe-Ammer rasch mit einer gelben Kanarienhenne, und die Tiere begatteten sich oft, die Eier waren аber stets unbefruchtet. Als ihm ein andres Kanarienweibchen zugesellt wurde, biß er nach ihm und wollte es nicht annehmen.
Die Bilder 11, 12 und 13 auf der Schwarztafel Nr. 67 zeigen ein Goldammermännchen, dаs im Frühjahre beim Anblick eines andern Vogels, insbesondre seines ihm bis dahin unbekannten Bruders in Erregung gerät, und mаn geht wohl nicht fehl, diese Stellung als eine Art Balz aufzufassen. Das alte Männchen auf der Bunttafel Nr. XXX trägt sich scheinbar mit Nestbaugedanken, denn es hät eine Feder im Schnabel; auch bei dieser Art der Erregung werden die Flügelspitzen tiefer getragen als der Schwanz.
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Hartert
273. Emberiza citrinella citrinella L.
Goldammer.
Emberiza citrinella Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 177 (1758— „Habitat in Europa“ Typ. Lok. Schweden, denn Diagnose beruht auf dem ersten Zitat: Fauna Suecica 205).
Emberiza sylvestris Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 294 (1831— „nur in Nadelwäldern“).
Emberiza septentrionalis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 295 (1831— „bewohnt den Norden“).
Emberiza major, longirostris, planorum, brachyrhynchos Brehm, Vogelfang, p. 113 (1855— „Schweden bis Kärnthen“).
Emberiza citrinella pratorum, campestris A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 8 (1866— nomina nuda!).
Emberiza citrinella var. brehmi Popham, Ibis 1901, p. 453, Taf. X (Ex Homeyer M.S., nomen nudum, ohne Fundort. Abgebildet ist ein Stück der Aberration mit braunrotem Bartstreifen aus England).
Engl.: Yellowhammer. Franz.: Bruant jaune. Ital.: Zigolo gialJo. Schwed.: Gulsparf.
♂ ad. Kopf und Vorderhals schön gelb, eine durch dunkel olivengraue Federspitzen gebildete Linie verläuft von der Stirn über die Augen bis аn .den Flinterhals, eine andre hufeisenförmig um die Ohrgegend, auch auf dem hintern Teile des Scheitels zeigen sich solche Flecken. Rücken dunkel rotbraun, mit schwarzbraunen Mittelstreifen und helleren Säumen. Bürzel und Oberschwanzdecken zimmtartig braunrot mit helleren Säumen, die längere Schwanzdecken dunkler und mit schwärzlichen Schaftstrichen. Schwingen schieferbraun, die äußern mit schmalen hellgelben, die innere mit ebensolchen hellbraunen, die innersten Armschwingen аber mit sehr breiten braunroten Außensäumen, alle mit weißlichgrauen Innensäumen. Flügeldecken dunkelbraun, mittlere und große mit licht rotbraunen Säumen. Unterseite schön gelb, oft ist ein braunroter Bartstreif angedeutet oder wohl entwickelt, bisweilen auch ein braunrotes Kinn, über die Brust ein braunrotes, davor ein oft nur angedeutetes olivengraues Band. Seiten hellrotbraun mit dunkelbraunen Streifen. Kürzere Unterschwanzdecken in der Mitte mehr oder weniger braunrot, längere mit schwarzbraunen Schaftstrichen. Schwanz schwarzbraun mit braunen, oft sehr lichten Säumen, die beiden äußern Steuer federn mit großem, am zweiten Paare kleineren, weißen Keilfleck auf der Innenfahne, Außenfahne des äußersten Paares meist weiß gesäumt. Im Frühling wird durch dаs Abnutzen der Federränder der Kopf fast ganz gelb, dаs Braunrot auf dem Bürzel reiner, die Brust mehr braunrot. Schnabel blaugrau, die Schneiden heller, Iris dunkelbraun, Beine hellbraun. Flügel 58—63. Schwanz 76—80, Lauf etwa 20, Schnabel 10.5—11.5 mm. Das Gefieder ändert vielfach ab: Ein braunroter Bartstreif findet sich oft; auf der Oberseite herrscht oft ein grünlicher und besonders im abgetragenen Kleide hellerer Ton vor, die Ausdehnung der Olivenfarbe vor dem braunroten Brustbande und die des Weiß аn den äußern Steuerfedern sowie die Größe u. a. m. variiert. — ♀. Weniger lebhaft, dаs Gelb blasser, die Oberseite dunkler, auf dem Kopfe schwarze Streifen, Kopfseiten dunkler, Kehle dunkelgrau gefleckt, Vorderbrust mehr streitig, Seiten breiter gestreift, Größe etwas geringer. Der junge Vogel ähnelt dem ♀, ist аber auf dem Kopfe noch dunkler und Vorderhals und Brust sind noch deutlicher dunkel gestreift.
Nord-Europa, in Norwegen bis etwa 70° nördl. Breite, östlich bis Nord- Rußland, ganz Mittel-Europa bis Nord-Italien, Frankreich bis Nord-Spanien; in Süd-Spanien und Süd-Italien nur seltener Wintergast, als solcher auch vereinzelt bis Nord-Afrika. Nur in den allernördlichsten Teilen ihres Wohngebietes Zugvogel.
Bewohner von Feldhölzern, buschreichen Grabenrändern, Waldrändern usw., wenn nur Unterholz vorhanden ist. Jedermann kennt dаs niedliche, anspruchslose Liedchen, dаs der Volksmund verschiedentlich übersetzt. Sämereien verschiedener Art bilden die Nahrung, im Sommer auch Insekten. Das Nest steht am Boden, in Büschen manchmal bis zu 2 m hoch. Es besteht aus Grashalmen mit etwas Moos, innen ist es feiner und meist mit Pferdehaaren ausgelegt. Zwei Bruten im Jahre. Man kаnn Eier von Mitte April bis Anfang August (so spät аber nur ausnahmsweise) finden. Gelege 4—5 (in Derbyshire in England nach Jourdain meist nur 3) Eier, die außerordentlich variieren. Meist sind sie rötlichweiß, weißlich oder bläulichweiß mit zahlreichen braunen Pünktchen und Kritzeln und grauen Schalenflecken. Darüber ziehen sich tiefbraune bis schwarze Haarlinien hin, wie sie für diese und viele andre Ammereier so charakteristisch sind. Nur selten fehlen diese letzteren. Von aberranten Eiern sind weiße mit grauen Flecken und rein weiße am seltensten. Die Durchschnittsmaße von 100 Eiern gibt Key 21.2 x 15.9 mm an, dаs Maximum 24.2 x 17.1 und 23.5 x 17.7, dаs Minimum 18.5 x 14.3 mm. Das mittlere Gewicht normaler Eier beträgt 160 mg.
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Brehm
Beliebter ist die Goldammer, Emberiza citrinella L. (Taf. „Ammern“, 4 u. 5, bei S. 356). Deren Länge beträgt 17 cm, die Flügellänge 8,5, die Schwanzlänge 7 cm. Kopf, Hals und Unterteile sind schön hochgelb, die Stirn, ein von ihr aus über den Augen bis zum Nacken, ein zweiter vom Hintern Augenrande bis auf die Schläfe verlaufender Längsstreifen und der Hinterhals olivengraugrün, spärlich dunkel längsgestrichelt, Kropf und Kropfseiten zimtrotbraun, Bürzel und Oberschwanzdecken etwas dunkler, Mantel und Schultern fahl rostbraun, die unteren Körperseiten mit dunkelbraunen, zimtbraun gesäumten, die oberen mit breiten schwarzen Schaftstrichen gezeichnet, die Schwingen schwarzbraun, die der Hand mit schmalen blaßgelben, die Armschwingen und deren Decken mit breiten fahl rostbraunen Außen-, die größten Oberflügeldecken auch mit rostbraunen Endsäumen geziert, die eine Querbinde bilden, die Schwanzfedern schwarzbraun, außen schmal heller gesäumt, die beiden äußersten innen mit breitem weißem Endfleck ausgestattet. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel dunkelblau, аn den Schneiden heller, der Fuß rötlichgelb. Bei dem Weibchen sind alle Farben matter, Scheitelflecke, Augenbrauen, Kinn und Kehle deutlich gelb, Kropf und Brust matt rostbräunlich gefärbt.
Nord- und Mitteleuropa, von etwa 70° nördl. Br. bis Nordspanien und Norditalien, ostwärts bis Nordrußland sind die Heimat der Goldammer. In Deutschland fehlt sie keinem Gau, steigt auch im Gebirge bis gegen die Waldgrenze auf und darf da, wo zwischen Feldern, Wiesen und Obstpflanzungen niedrige Gebüsche sichen, mit Sicherheit erwartet werden. Weiter östlich, bis zum Altai und Jenissei, gelegentlich in Turkestan, Persien und Kleinasien, westlich bis Ostpreußen lebt die Unterart E. citrinella erythrogenys Brehm.
Die Fichtenammer, Emberiza leucocephala Gm., sieht ungefähr aus wie eine Goldammer mit braunrotem Zügel, Backenstreifen und braunroter Kehle (wie solche nicht selten gefunden werden), deren Gelb durch Weiß ersetzt ist, und wurde von Kleinschmidt sogar als eine mit jener zusammengehörende Unterart aufgefaßt. Sie brütet in Sibirien vom Ural bis zur Amurmündung, ist аber vereinzelt in Mittel- und Südeuropa, so auch auf Helgoland gefunden worden.
Im Süden gesellt sich zur Goldammer oder vertritt sie die Zaunammer, Hecken-, Zirb-, Zirl-, Pfeif- und Frühlingsammer, Zaun- und Waldemmerling, Moosbürz, Zizi usw., Emberiza cirlus L. (Abb., S. 360). Deren Heimat sind die Mttelmeer- länder bis Kleinasien, seltener bis zum Kaukasus, ferner Frankreich und Südengland; in Deutschland kommt sie nur vereinzelt im Rhein-, Mosel- und Saartal vor. Ihre Länge beträgt 16,5, die Flügellänge 8, die Schwanzlänge 7 cm. Der auf dem Scheitel schwarz gestrichelte Kopf, der Hinterhals, die Halsseiten und ein breites Querband über den Kropf find graugrün, Augenbrauen und ein Streifen unter dem Auge, die durch ein schwarzes Zügelband getrennt werden, sowie ein breites, halbmondförmiges Schild zwischen Kehle und Kropf gelb, Kinn, Oberkehle und ein von letzterer ausgehender, bis hinter die Ohrgegend reichender Streifen schwarz, die Unterteile hellgelb, seitlich zimtrot, Bauch und Schenkelseiten mit dunkeln Schaftstrichen geziert, Mantel und Schultern zimtrot, die Federn am Ende grau gesäumt und dunkel geschäftet, Bürzel und Oberschwanzdecken grünbräunlich, die Schwingen dunkelbraun, außen schmal fahl gesäumt, Armschwingendecken und hintere Armschwingen außen breit zimtbraun gesäumt, die Oberflügeldecken grünbraun, die größten am Ende rostfahl gerandet, wodurch eine Querbinde entsteht, die Schwanzfedern dunkelbraun, außen fahl gesäumt, jeder- seits die beiden äußeren mit breitem weißen Längsfleck geziert, der auf der äußersten Feder fast die ganze Außenfahne mit bedeckt. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel oberseits schwarz, unterseits licht bräunlich, der Fuß licht rötlich. Dem Weibchen fehlen dаs Schwarz der Kehle und die beiden gelben Streifen am Kopfe; die Federn der Unterteile sind gelblich, dunkel geschäftet; der zimtrote Fleck аn der Brustseite ist blässer.
Während des ganzen Sommers trifft mаn unsere allbekannte Goldammer paarweise oder ihre Jungen in kleinen Gesellschaften an. Die Alten gehen mit Eintritt des Frühlings аn ihr Brutgeschäft. Oft findet mаn schon im März dаs Nest, dаs aus groben, halb verrotteten Pflanzenstengeln, Grashalmen und dürrem Laube erbaut, innen аber mit Grashalmen und Pferdehaaren ausgelegt ist, in niederem Gesträuch, meist am Boden, manchmal аber auch bis zu 2, ausnahmsweise 3 in hoch zwischen Stämmen oder im dichten Gezweige steht und spätestens Anfang April dаs erste Gelege enthält. Dessen 4—5 äußerst variable Eier, die durchschnittlich 21 nun lang, 16 nun dick, feinschalig, auf trübweißem, bläulichweißem oder rötlichem Grunde mit dunkleren Flecken und Haarlinien gezeichnet und bekritzelt sind (Eiertafel V, 40), werden von beiden Eltern wechselseitig bebrütet, wie Männchen und Weibchen sich auch der Sorge um die Brut gemeinschaftlich widmen. Das Paar brütet zwei-, nicht selten dreimal. Solange die Brutzeit währt, ist dаs Männchen sehr munter, singt vom frühesten Morgen bis zum späten Abend sein einfaches, langweiliges, aus 5—6 fast gleichen Tönen und dem um eine Oktave höheren, etwas gezogenen Schlußlaute bestehendes Liedchen, dаs sich dаs Volk in die Worte übersetzt hat: „S’is, s’is noch viel zu früh“ oder „Wie, wie hab‘ ich dich lieb“. Der Sänger sitzt beim Singen auf der freien Spitze eines Astes, einer Stange oder eines Pfahls und läßt den Menschen sehr nahe аn sich herankommen, sich und sein Treiben daher leicht beobachten.
Nach der Brutzeit sammelt sich alt und jung zu Scharen, die bald sehr zahlreich werden, und schweift nun zunächst in einem ziemlich kleinen Gebiete umher, vereinigt sich wohl auch mit Lerchen und Finken, selbst mit Wacholderdrosseln. Nach Snell besuchen die Goldammern im Herbst die Krautfelder wegen der Raupen des Kohlweißlings, die sie sehr gern sressen. In strengen Wintern wird unser Vogel gezwungen, sich seine Nahrung von den Menschen zu erbetteln, und kommt massenhaft, oft als gern gesehener oder wenigstens geduldeter Gast in dаs Gehöft des Landmanns herein, kehrt аber im nächsten Frühjahre auf seinen Standort zurück. Hier und da wird die Goldammer auf besonderen Herden gefangen; doch hat sie in dem Raubzeuge ungleich gefährlichere Feinde als in dem Menschen.