in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas
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Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
1554. Hieraaëtus pennatus (Gm.).
Zwergadler.
Le Faxicon patu Brisson, Suppl. Orn. p. 22, 1?ak. I (1760?— Olins Fundortsangabe, nach einem Balge im Museum der Madame de Bandeville).
Falco pennatus Gmelin, Syst. Nat. I, 1, p. 272 (1788— Ex Brisson, 1. c.).
? Morphinus albescens A. Smith, S. Afr. Quart. Journ. 1830 p. 115 (Benennung von Levaillants „Blanchard“, Ois. Afr. I Taf. 3, der vielleicht eine Aberration des Zwergadlers aus Südafrika darstellt).
Aquila minuta Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl. p. 29 (1831— Ein dunkles, am 7.X. 1810 аn der Orla erlegtes ♂, zeigte durch sein ganzes Betragen, daß es aus einer von Menschen wenig bewohnten Gegend kam. Typus wohlerhalten in Tring).
Butaëtes Lessonii A. Smith, op. cit. 1834 p. 287 („Heer-logement“ Südafrika. Die Beschreibung scheint mir recht gut auf den Zwergadler zu passen; Verf. zitiert als Synonym Morphinus albescensl).
Spizaëtus milvoides Jerdon, Madras Journ. Lit. & Sc. X p. 75 (1839— Trichinopoli in Vorderindien).
Aquila Brehmii v. Müller, Naumannia I, 1851, 4. Heft, p. 24 (1851— Melpess in Kordofan, auch soll dazu ein Stück vom Senegal im Berliner Mus. gehören).
Aquila nudipes v. Müller, 1. c. p. 25 (1851— Benennung von Susemihls Tafeln 22 und 23 der Vög. Eur., die nach einem südafrikanischen Vogel gemacht sein sollen. Die Bilder scheinen mir zweifellos den Zwergadler darzustellen, die Läufe sind auf dem einen Bilde deutlich bis zum Anfang der Zehen befiedert, auf dem anderen in Federn verborgen).
Aquila longicaudata Heuglin, Sitzungsber. Akad. Wien XIX p. 258 (1855— „Scherkieh und in Unter-Ägypten überhaupt“).
Aquila gymnopus Heuglin, 1. c.,-wiederum Benennung der Tafeln 22 und 23 in Susemihls Vög. Eur., die nach einem südafrikanischen Vogel gemacht sein sollen).
Aquila maculati-rostris Brehm, Allg. D. Naturh. Zeit. 1856 p. 46 (Ostpolen, Galizien, im Winter Ägypten, auch Spanien. Von A. Brehm im Sudan erlegt).
Aquila pygmaea A. E. & C. L. Brehm, Bericht XIII. Vers. D. Orn. Ges. 1860 p. 99 (1860 oder 1861— Bei Madrid. Beschreibung nach zwei lebenden Vögeln).
Hieraëtos pennatus major und medius A. E. Brehm, Verz. Samml. p. 2 (1866— Nomina nudal).
Aquila albipectus Sewertzoff, Türkest. Jevotn., p. 63, 11.1 (1873— Turkestan. Russisch!); Übers. Zeitschr. ges. Orn. IV, 1888, p. 30.
Engi.: Booted Eagle. — Franz.: Aigle botté. — Ital.: Aquila minore.
Abbild.: Naumann, Vög. Deutschl. XIII Taf. 343; Dresser, B. Europe V Taf. 336, 337. — Eier: Krause, Ool. univ. palaearct. Lief. 70.
Im Alter sowohl als im Jugendkleide in zwei Hauptfärbungen, d. h. mit brauner oder weißer Unterseite auftretend; diese wurden ehemals als Jugend- und Altersstadien betrachtet; Brehm bemerkte wohl zuerst diesen Fehler und verfiel in den anderen, daß er diese Varietäten als Arten beschrieb und hartnäckig verteidigte. — ♂♀ad. Oberseite dunkelbraun mit helleren Federsäumen, Rücken, Skapularen und kleinste wie größte Oberflügeldecken am dunkelsten; Kopf und Hals hell rostbräunlich, auf Scheitel und Mitte des Nackens dunkler und mit spitzen schwarzen Schaftstreifen, Oberschwanzdecken heller, die seitlichen oft braun quergebändert. Schwingen schwarz, die 1.— 5. аn der Innen-, 2.—6. аn der Außenfahne mit einer Einbuchtung, Armschwingen und meist auch die inneren Handschwingen аn den Innenfahnen mit verloschenen grauen Querbinden, alle аn den Innenfahnen nahe der Wurzel gräulich. Steuerfedern dunkelbraun mit hellem Endsaum und meist nicht sehr deutlicher anteapikaler schwarzer Binde, sowie meist mit 3—4 mehr oder minder verloschenen schwärzlichen Querbinden, die äußeren mit hellerer Innenfahne und oft dunklerer Marmorierung auf derselben; Unterseite des Schwanzes hellgrau. Unterseite entweder weiß mit rahmfarbenem Schimmer und schmalen braunen Schaftstreifen, die nach dem Bauche zu verschwinden (auf den Beinen nur noch Andeutungen von rostgelben Schaftstreifen), heller oder dunkler kaffeebraun mit schwarzbraunen Schaftstreifen, oder ebenso und mit rundlichen weißen Flecken, hellgestreiften Unterschwanzdecken und Beinen, oder auch hell rostfarben, letztere Färbung selten und bisher nur bei jungen Vögeln gesehen. Die hellen und dunklen Stücke sind gleichalt, nicht Altersstadien, wie mаn früher glaubte; die Entwickelung des Gefieders ist also ganz anders als bei H. fasciatus. Flügel von 12 alten ♂ aus Westeuropa und Nordwestafrika 36—38.5, von 10 9 39.5—41.5 cm, Schwanz etwa 20—23 cm, Lauf etwa 58 —64 mm, Culmen vom Ende der Wachshaut bis zur Spitze 21—25 mm. — Jugendkleid wie dаs Alterskleid, nur scheinen die unterseits . hellen Stücke dort immer mehr rostfarben zu sein. Dunenkleid weiß, nach Dombrowski unterscheiden sich die braunen Varietäten auch schon im Dunengewande, „indem die Dunen leicht aschgrau, mit einem leichten Stich ins Bräunliche gefärbt sind“. Iris junger Vögel braun, die alter Stücke bräunlich orangefarben bis dunkelgelb, meist mit braunen Flecken. Wachshaut und Füße gelb.‘ Schnabel hornblau, spitzenwärts schwarz.
Östlich wohnende Zwergadler, besonders die in Indien erlegten, erreichen mitunter größere Dimensionen: Flügel ♂ 37.5—38.5, ♀ sogar bis 42.5 cm, indessen sind die Unterschiede der korrespondierenden Maßextreme wohl zu gering, als daß es angebracht wäre, die östlichen Vögel nominell abzutrennen.
Brutgebiet: Südliches und mittleres Frankreich, Pyrenäen, Spanien, und Portugal, Marokko, Algerien (häufig), Tunesien (selten); Südosteuropa nördlich bis Galizien (Österreich, Ungarn) und Südrußland bis etwa zum 57. und 58.° nördlicher Breite, Ägypten (über Abessinien s. Zedlitz, Journ. f. Örn. 1910 p. 376), Asien bis Ostsibirien (Untere Lena, Transbaikalien sehr selten), auch einmal in Indien brütend gefunden! — Zugvogel, der in Indien und Nordostafrika überwintert und auch nicht selten, wenn auch in geringerer Anzahl, nach Südafrika zieht. In Italien nur auf dem Durchzuge, in der Schweiz eine ältere Beobachtung, in Deutschland ganz vereinzelt, u. a. Neustadt a. d. Orla, Oktober 1810 (Typus von Aquila minuta), Bayern, Schlesien. (Soll in Südafrika genistet haben, doch dürfte eine Verwechselung stattgefunden haben.)
Der Zwergadler bewohnt Wälder, in Ebenen sowohl als im Gebirge. Er ist ein herrlicher Flieger; über dem Horste durchschießen beide Eltern die Luft oder schrauben sich in große Höhen auf. Ich hörte nie einen anderen Ruf, als ein scharfes, helles, wohlklingendes „bi bi bi“ oder „bi bi bi bi“, mitunter noch öfter wiederholt; diese Töne erinnern gar nicht аn die anderer Adler, sondern eher аn die Rufe eines Strandvogels. Die Nahrung besteht aus kleinen Säugetieren, u. a. Kaninchen, Zieseln, Mäusen, kleineren und mittleren Vögeln, angeblich auch aus Reptilien. An Kühnheit und verhältnismäßiger Kraft übertrifft der Zwergadler (wie der Habichtsadler) die echten Adler. Im Walde sieht mаn ihn pfeilschnell durch die Bäume sausen. Ein geflügelter läuft wie ein Sperber oder Habicht und geht im dichten Unterholze verloren, wenn mаn ihm nicht sofort folgen kann. Der Horst wird je nach des Ortes Gelegenheit auf Kiefern oder Laubbäumen errichtet, oder ein altes Nest wird in Beschlag genommen; es scheint, daß mаn immer grüne Zweige in der Mulde findet. Das Gelege besteht aus 2 (sehr selten 3) Eiern; mаn findet es von Mitte April bis Ende Mai; in Nordalgerien fanden wir in der zweiten Hälfte des Mai stark bebrütete und sogar am 20. V. noch frische Eier. Letztere sind meist einfarbig hellgrün, fast weiß, mitunter аber sieht mаn kleine blaß bläulichrote Flecke, oder zahlreiche feine rotbraune kleine Flecke und Striche, wie bei Milaneiern, noch seltener ziemlich reichliche blaßrötliche Fleckung, so аn einem algerischen Ei von 1911. Die Eier sind ziemlich rauh und uneben, die Erhabenheiten treten deutlich hervor. Korn nach Fig. 16, Taf. 2, Journ. f. Orn. 1913. Wenige Buckeln am stumpfen Pol. Poren konstant, deutlich sichtbar, fein, rund und länglich, flach. Näheres s. Szielasko, Journ. f. Orn. 1913 p. 285, 286. Nach Szielasko (5 Eier) ist der Umfang 106.6, Länge 31.0 + 25.8 = 56.8, Breite 44.7, Gewicht 5.41, oder Umfang 156.6, Länge 29.0 + 25.4 = 54.4, Breite 44.9, Gewicht 5.56. — 48 Eier aus Spanien und Marokko messen nach Jourdain (in litt.) im Durchschnitt 54 x 43.64, Maximum 60.2×42.5 und 56.1 x 47.5, Minimum 50 x 46 und 54.3 x 39.6 mm. Rey gibt als Durchschnitt von 74 Eiern (39 aus Südrußland von Göbel, 11 von Blasius und 24 Rey von verschiedenen Fundorten) аn 56.5 x 45.3, Maximum 62.2 x 46.3 und 60.7 x 50, Minimum 51.5 x 41.9 und 53.8 x 41.3 mm. Gewicht nach Rey 4.26—7.06 g.
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Brehm
Eine andre Gattung der Adlervögel ist die der Schlankadler (Eutolmaetus Blyth.). Der Zwergadler, Eutolmaëtus pennatus Gmd., wie ich ihn nennen will, ist vielleicht der anmutigste Vogel der ganzen Gattung. Die Länge des Männchens beträgt 47, die Breite 113, die Flügellänge 36, die Schwanzlänge 19 em. Das Weibchen ist um 4 cm länger und um 8 em breiter als dаs Männchen. Bei den Hellen Stücken sind Stirn und Zügel gelblichweiß, Scheitel, Backen und Ohrgegend dunkelbraun, alle Federn аn der Wurzel weiß und durch schwarze Schaftstriche dunkel in der Länge gefleckt, Genick und Nacken rötlichbraun, Mantel und Flügel schwarzbraun, kupfer-purpurbraun glänzend, mit lichterer Schattierung, die durch die helleren Federränder entsteht und, da sie auch аn den großen Flügeldeckfedern sich zeigt, zwei undeutliche Binden über die Flügel bildet, die Handschwingen schwarz-, die Armschwingen dunkelbraun mit drei verloschenen Querbinden auf der Jnnenfahne, letztere auch mit braunem Endrande, die аn der Spitze licht gesäumten Steuerfedern oben dunkelbraun, unten lichtgrau, die Unterteile auf lichtgelblichem Grunde mit braunen Schaftflecken gezeichnet, die аn der Kehle und Brust am dichtesten, am Unterleibe аber am spärlichsten stehen, auf den Hosen teilweise fehlen und bei sehr alten Vögeln sich auf einen kleinen Teil der Brust beschränken. Ein weißer Fleck ziert die Schulter. Die Iris ist hell erzfarben, der Schnabel am Grunde hellblau, аn der Spitze schwarz, der Fuß zitron-, die Wachshaut strohgelb. Der junge Vogel unterscheidet sich durch licht roströtlichere Unterseite, gleicht аber sonst ganz dem alten; die Nestjungen sind auf der Oberseite braun, unten rostrotgelb ohne Schaftstriche und haben noch keine weißen Schulterflecke.
Bei den dunkeln Exemplaren hingegen sind Kopf und Nacken matt rotbraun, mit schwärzlichen, auf dem Vorderscheitel besonders hervortretenden Längsflecken, die Mantelfedern dunkel-, die längeren Schulterfedern schwarzbraun, die übrigen Mantelfedern erdbraun, die Schwanzfedern mattbraun mit drei bis vier deutlich schwärzlichen Binden und hellerer Spitze, die Unterteile endlich gleichförmig tief dunkelbraun mit kaum bemerkbaren schwärzlichen Schaftstrichen. Ein Ring um dаs Auge ist dunkler, die Hosen, Fußwurzeln und Unterschwanzdeckfedern sind etwas heller braun als der übrige Unterkörper. Die weißen Schulterflecke sind ebenfalls vorhanden. Die Iris ist braun, der Schnabel аn der Wurzel bläulich, аn der Spitze schwarz, die Wachshaut und die Zehen sind zitrongelb. Das Jugendkleid ist lichter, auf dem Kopfe heller rostfarben mit stärker hervortretendem Schwarz auf dem Vorderkopfe und lichteren Oberflügeldeck-, Hinteren Schwung- und mittleren Schulterfedern und mit hellerem Unterkörper, der auf kaffeebraunem Grunde mit deutlichen, ziemlich breiten Schaftstrichen gezeichnet ist. Die Schwanzbinden sind wenig bemerklich.
Der Zwergadler ist über einen großen Teil Südwest- wie Südosteuropas und Asiens verbreitet. Sein Wohngebiet beginnt, von Deutschland aus gerechnet, nach Osten hin bereits in Niederösterreich und im südlichen Polen und erstreckt sich von hier aus einesteils über Galizien, Siebenbürgen, Ungarn, die Donautiefländer, die europäische Türkei und Griechenland, andernteils über den ganzen Süden von Rußland. Ebenso tritt der Vogel auch im Westen auf, horstet bereits in mehreren Gegenden Frankreichs und bevölkert in erheblicher Anzahl die ganze Iberische Halbinsel. Dagegen zählt er in Italien zu den größten Seltenheiten, ohne daß mаn hierfür einen durchschlagenden Grund ausfindig machen könnte. In den Waldungen des südlichen Ural ist er nicht selten, im Tienschan und dem südöstlichen Türkistan überhaupt einer der häufigeren Raubvögel, in Indien wie auf Ceylon noch Brutvogel. Nach Westen hin bewohnt er die Waldungen Kleinasiens und Persiens, macht sich geeigneten Ortes auch längs der ganzen Nordküste von Afrika seßhaft. Mit Ausnahme Indiens und, wie es scheint, auch Algeriens, ist er überall Sommervogel, der im April am Horst erscheint und Ende September dаs Land wieder verläßt. Gelegentlich dieser Reise durchstreift er buchstäblich ganz Afrika, bis endlich dаs Meer seinem Wanderdrange Halt gebietet. Nach Art andrer Wandervögel schart er sich auf den eigentlichen Heerstraßen, beispielsweise längs des Bosporus und im Mtale, zu förmlichen Flügen, wogegen er, in der Winterherberge angelangt, sich wiederum einigermaßen vereinzelt. So wenigstens habe ich in Ägypten und im Innern Afrikas beobachtet. Hier wie da bin ich ihm oft begegnet. Ende März des Jahres 1852 traf ich so zahlreiche Zuggesellschaften an, daß ich binnen drei Tagen einige zwanzig Stück erlegen konnte. In Sennar fand ich ihn nur während des Winters.
Der Zwergadler ist ein echter Edeladler in Geist und Wesen. Er unterscheidet sich von seinen größeren Verwandten nach meinem Dafürhalten nur durch zwei Eigentümlichkeiten: durch größere Gewandtheit und geringere Vorsicht. Sein Flug ist schnell, kräftig und leicht, auf lange Zeit hin schwebend, beim Angriff auf die Beute pfeilschnell. Zum Aufbäumen wählt er seltner die höchsten Spitzen der Bäume als vielmehr deren niedre Äste. Hier sitzt er aufrecht, oft lange Zeit, ohne ein Glied zu bewegen, achtet jedoch auf alles, was um ihn vorgeht, und am allermeisten auf ein sich ihm etwa darbietendes Wild. Männchen und Weibchen halten sich stets zusammen, auch auf dem Zuge. Niemals habe ich in Afrika einen einzelnen Zwergadler gesehen; immer waren es Paare oder Gesellschaften, die sich zusammenhielten. Dieser treuen Anhänglichkeit der Gatten entspricht dаs Betragen am Horst in allen Stücken.
Die Stimme ist verschieden und wird von den Beobachtern durch die Silben „koch koch kei kei“, „wüd wüd“ wiedergegeben, und diese Laute werden wohl auch mit einem helltönenden Pfeifen verglichen. „Vernimmt“, sagt Krüper,„ein mit den Stimmen der europäischen Vögel ziemlich vertrauter Forscher im Frühling den Paarungsruf des Zwergadlers und bemerkt den Vogel nicht, so kаnn er der Meinung sein, daß dieser Ton von einer in der Nähe befindlichen Wasserläuferart herrührt. Denn er hört ein zweimaliges, mitunter ein dreimaliges helles ,Tü tü tü° ganz deutlich. An eine Adlerstimme wird er nicht denken, wenn er die des Zwergadlers mit dem Heisern Laut eines Kaiser-, Stein-, See-, Fisch- oder Schreiadlers vergleicht, ebensowenig аn die Stimme eines andern Raubvogels. Während der Paarungs- und Brutzeit vernimmt mаn von dem Zwergadler keinen andern Ruf als jene helltönenden Laute, der je nach den Umständen bei Angst und Freude mehrmals wiederholt wird. Sobald аber dаs Brutgeschäft beendet ist und die jungen Adler von den Eltern umhergeführt und zum Fang abgerichtet werden, verändern sich die Schreie des Adlers, und besonders die der Jungen sind so dumpf, daß mаn kaum den reinen Frühlingston wiederzuerkennen vermag.“
Der Zwergadler ist ein arger Räuber; allerlei kleine Vögel bilden dаs bevorzugte Wild, dem er nachstellt. Neben seinem Lieblingswild jagt der Zwergadler auch auf kleine Säugetiere, namentlich Mäuse, mit denen Goebel die Kröpfe der von ihm untersuchten angefüllt fand, und ebenso verschmäht er Kriechtiere nicht; in Spanien bildet nach den Beobachtungen meines Bruders die Perleidechse geradezu einen wesentlichen Bestandteil seiner Mahlzeiten. Wahrscheinlich steht er dem Habicht nicht im geringsten nach und fängt im Fluge und im Sitzen mit gleicher Geschicklichkeit.
Über die Fortpflanzung liegen gegenwärtig verschiedne, unter sich im wesentlichen übereinstimmende Beobachtungen vor; insbesondre haben Holtz und Goebel in dieser Beziehung unsre Kenntnis wesentlich erweitert. Am liebsten horstet der Zwergadler in Laubwäldern, wenn es möglich ist in der Nähe größrer Flüsse, ohne jedoch Nadelwaldungen gänzlich zu verschmähen. Im kaiserlichen Tiergarten unweit Schönbrunn horsten alljährlich ein oder zwei Paare. In Siebenbürgen wird sein Horst niemals in den Bergen gefunden, der Zwergadler scheint hier während der Brutzeit nicht bis zu erheblichen Höhen emporzusteigen; Severzow dagegen berichtet, daß dieser Adler im Tienschan-Gebirge noch in einer Höhe von 2000 m brüte. Da auch er nur im Notfälle einen eignen Horst erbaut, ist dessen Standort ziemlich verschieden, je nachdem der eine oder der andre Nesterbauer für ihn arbeitete. Es kаnn geschehen, daß mаn in einem geringen Umkreise mehrere Pärchen horstend findet. Wie der Schreiadler benutzt er alle passenden Horste seines Gebietes, nach den Beobachtungen von Holtz solche des Seeadlers, des Bussards, Milans und Kolkraben, nach Goebels Erfahmngen unter Umständen sogar den Horst eines Reihers, und begnügt sich damit, höchstes ein wenig nachzubessern. In Spanien steht, nach Beobachtungen meines Bruders, der Horst vorzugsweise auf Ulmen und Kiefern, und zwar regelmäßig auf den Spitzenzweigen eines weit hinausragenden Astes, der von einem darüberliegenden bedeckt wird; im südlichen Rußland fanden Holtz und Goebel die Horste auf verschiednen Laubbäumen, Linden, Eichen, Weißbuchen und dergleichen, in einer durchschnittlichen Höhe von 12 m über dem Boden, häufiger in Stammgabeln als auf Nebenzweigen. Die äußere Weite des Horstes betrug 70, die innere 40, die äußere Tiefe 60, die innere 18 em. Trockne Äste und Zweige bildeten den Unterbau, Lindenbast, Gras, Mistelzweige, Laub und Wolle die innere Auskleidung. Die von meinem Bruder untersuchten Horste waren regelmäßig mit grünen Blättern ausgeputzt.
Anfang Mai pflegt dаs aus 2 Eiern bestehende Gelege vollzählig zu sein. Die Eier messen durchschnittlich 57×45 mm; ihre Gestalt schwankt von der reinen Ei- bis zur rundlichen Form; die Schale ist bald stärker, bald schwächer, dаs Korn gröber oder feiner. Die Färbung ist weiß oder grünlichweiß und nur in seltnen Fällen haben sie kaum sichtbare violettgraue Punkte, öfter аber von Kot und Blut herrührende Wolken. Wildburg glaubt, daß unser Vogel im dritten Jahre fortpflanzungsfähig ist. Alle Beobachter, die den Zwergadler während seines Brutgeschäfts kennen lernten, sind seines Lobes voll. Das Paar ist außerordentlich zärtlich: Wodzirki sah eins auf dem Horste stehen und stch nach Taubenart schnäbeln. Während dаs Weibchen brütet, sitzt dаs Männchen stundenlang auf demselben Baume, ja es löst die Gattin auch einigemal des Tages, dаs heißt nicht bloß in den Mittagsstunden, im Brüten ab. Nach Wodzicki ist es bezeichnend für den Zwergadler, wie er seinen Horst besteigt. Er setzt sich weit von diesem auf den Ast, bückt den Kopf hernieder, bläst den Kropf auf und schreitet langsam wie eine Taube auf den Horst zu, bis er endlich auf dessen Rand kommt. Dabei läßt er ein wohltönendes, flötenartiges „Kei kei kei“ hören. Angesichts des den Horst bedrohenden Menschen benimmt er sich verschieden. In der Regel sitzt er sehr fest und läßt sich erst durch längeres Klopfen aufscheuchen, kommt auch, wenn er endlich abgeflogen war, während der Wegnahme der Eier öfters besorgt heran, setzt sich hin und wieder in die Wipfel benachbarter Bäume und vergißt dann oft seine Sicherheit; manchmal bricht er auch in klägliches Geschrei aus, niemals аber wagt er, soviel bis jetzt beobachtet worden, einen Angriff auf den Menschen.
Anders beträgt er sich, sobald ein fremdartiger Raubvogel in Sicht kommt, gleichviel, ob es sich um einen Adler oder um einen Falken handelt. Seinen Verwandten gegenüber ist er immer kühn; während der Brutzeit аber greift er mit bewunderungswürdigem Mute und ersichtlichem Ingrimm alle größeren Raubvögel an, die in der Nähe seines Horstes vorüberfliegen. Tödlichen Haß zeigt er gegen den Uhu.
Die Jagd des Zwergadlers bietet wenig Schwierigkeiten, solange er noch keine Verfolgung erfahren hat. Die treue Anhänglichkeit der Gatten wird oft beiden verderblich: ich habe die Vögel fast regelmäßig paarweise erlegen können. Ob mаn den Zwergadler ebenso wie andre seiner Verwandten fangen kаnn, vermag ich nicht zu sagen.
Jung dem Neste entnommene Zwergadler werden bei geeigneter Pflege ebenso zahm wie andre Adlerarten. Ich habe nur ein einziges Mal eine Gesellschaft dieser anmutigen Vögel in der Gefangenschaft gesehen, аber nicht länger beobachten können, doch wird von Beobachtern, die sich länger mit derartigen Pfleglingen beschäftigen konnten, übereinstimmend hervorgehoben, daß sie höchst anmutige, zierliche Vögel von leichter Zähmbarkeit seien.