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Bezzel
Aquila pomarina Brehm 1831 – Schreiadler
2 Subspezies; Mitteleuropa A. p. pomarina Brehm 1831
Status in ME. Seltener Brutvogel (5, ausgestorben 1), fehlt im W. Sehr seltener Gast.
Kennzeichen. Deutlich kleiner als Stein-, auch kleiner als Kaiser- und Raubadler. Flügel breit,nicht gegen den Handteil verengt (wie z. B. Steinadler), doch meist schlanker als Schelladler. Schwanz mittellang, schmal und deutlich gerundet. Ad. Kopf, Nacken und Kleine FD graubraun (bis gelbbraun), ± deutlich von dunklerem Rücken, dunklen Schwanz und schwarzbraunen Schwingen abgesetzt. Kleiner heller bis weißer Fleck аn der Basis der HS; schmales helles Band im Bereich der Oberschwanzdecken. Auch Unterseite heller als Schwingen und Schwanz. Juv. schokoladebraun, heller Nackenfleck. Im Flug oberseits helles bis weißes U im Bereich der Oberschwanzdecken, weißer Fleck аn der Basis der HS und deutliches helles Fleckenband im Bereich der Hand- und Großen Armdecken; davor oft zweite, weniger deutliche Fleckenreihe im Bereich der Oberflügeldecken. Unterseite dunkel, doch im Unterschied zu Schelladler FD und Körpergefieder heller als Schwingen und Schwanz (detaillierte Untersuchung zur Feldbestimmung Svensson 1974).
Verbreitung und Bestand. Kleines westpaläarktisches Areal, dessen E- Grenze nicht ganz klar ist; im W heute z. T. ausgerottet. Davon getrennt Br. in N-Indien.
CH: sehrs. G. • B: 1900/70 ca. 3 x. • NL: 1900/70 6 x. D: als Br. 1. Hälfte 20. Jh. ausgerottet; s. G. z. B. Schl.-Holst. 1945/76 84 Beobachtungen, Nrh. 1900/80 mind. 13 Ind., Westf. 1900/76 3 x, Bay. 1900/80 ca. 25 x. DDR ca. 80-100 BP; Meckl ca. 70 (1970/75), ±; Bra. 25 (1963/69), 29 (1970/72), 19-21 (1975/80); Bez. Mgdb./Halle Wiederansiedlung ab 1962, 1979/80 wohl 2-4 BP (z. B. Stubbe & Matthes 1981; ferner Gentz 1975, Matthes & Neubauer 1977). • PL: ca 400 (1980). – CS: mind. 200-270 (ca. 1975; Svehlik & Mey- burg 1979) H: 15-20 (1970/75). YU, GR, BG: -. R: 40-50 (ca. 1975). SU: Lett. SSR > 100 (1970/75). • S.: 1961/81 ca. 28 x (Sylvan 1974). • DK: 1921/77 ca. 15 x. F: bis 1979 ca. 15 X
Wanderungen. Langstreckenzieher; Winterquartier in E-Afrika vom Äquator bis S-Afrika, nach W bis Tschad. Ausnahmsweise Winterbeobachtungen Mittelmeer. Hauptwegzug SE bis 8, so daß Dz. hauptsächlich im E-Mittelmeer zu beobachten ist (doch z. B. 70, im Frühjahr über Cap Bon/TN); Herbstoi axima Bosporus fast 19000; > 1000 jeweils SE-TR, Libanon, 21 500 Suez; Rückzug vor allem über Sinai/Negev (Hunderte im Frühjahr), auch > 1500 Bosporus. Mitteleuropa Abzug Mitte Aug./Mitte Sept., Nachzügler bis Nov.; Dz. Bosporus Maximum Sept., Frühjahr Ende März/Anf. April. Ankunft Brutplätze Mitteleuropa Mitte/Ende April
Biotop. Waldbrüter, vor allem naturnahe feuchte Niederungswälder im E der norddeutschen Tiefebene, аber auch naturnahe Bergwälder (z. B. Karpaten). Jagdgebiete Waldrandflächen oder Waldlichtungen meist in näherer Nestumgebung, seltener im offenen Kulturland. Im Unterschied zu Schelladler kaum über dem offenen Wasser.
Nahrung. Ähnlich Mäusebussard vor allem Kleinsäuger, doch ± konstanter Vogelanteil; gelegentlich Reptilien, Amphibien (Frösche), Großinsekten (vor allem im Winterquartier), Aas; auch Kleptoparasitismus bei anderen Greifvögeln (z B F 25, 1978 140). Hauptnahrung Wühlmäuse, ferner Waldmäuse, Maulwurf, Spitzmäuse, Ratten, Ziesel, Hamster bis Junghase, Kaninchen. Unter Vögeln vor allem schlecht fliegende Jungvögel und Bodenbrüter (PalASthy & Meyburg 1973).
Stimme. Im Brutgebiet ruffreudig, z. B. kräftige »tjück« o ä., einzeln oder meist 2-3mal, mitunter länger gereiht. $ im Balzflug Pfiff. Juv. bettelt haushuhnähnlich »psip«. Ab 20 d ruft juv. wie ad.
Verhalten. Tagaktiv. Im Segeln wie Schelladler Flügel in den Carpalgelenken leicht nach unten durchgebogen (vgl. Svensson 1974), doch Enden der HS nach oben gebogen. Im Ruderflug werden Flügel nach unten kräftig durchgeschlagen. Bodenjagd zu Fuß (rel. langbeinig), ferner vom Ansitz (Bäume, niedrige Warten) und aus segelndem Suchflug. Territorial, auch außerhalb der Brutzeit vorwiegend Einzelgänger. Balzflug im Brutgebiet, bei dem sich ♂ im Bogen abwärts fallen läßt und mit geschlossenen Flügeln wieder hochsteigt (z. B Baumgart 1979).
Fortpflanzung. Geschlechtsreife wohl 3./4. Lebensjahr. Monogam (Dauerehe?). Nest auf Laub- oder Nadelbäumen, oft alte Bussard- und Milannester, meist recht hoch über Grund. Großer Bau aus Ästen und Zweigen, bis 0,5 m hoch, 0,5-0,7 m Durchmesser. Flache Mulde immer mit frischen grünen Zweigen ausgelegt. Nest wird nur selten von Grund auf neu errichtet; ♂ und ♀ bauen. Eier weiß, braun und violett gefleckt. Gelege (1 )2(3) Eier, z. B. CS 15 x 1,32 x 2 bzw. CS178 16 % 1, 83 % 2, 2 % 3 (M 1,78). Eiablage Mitteleuropa Ende April, meist Anfang bis ca. 20. Mai. 1 Jahresbrut, Nachgelege s.; Brutdauer wohl 38—41 (-43) d/Ei; Legeabstand 3-4 d; Bebrütung ab 1. Ei. ♀ brütet, ♂ deckt nur in den Pausen, versorgt schon vor der Eiablage ♀ mit Nahrung. Bis ca. 14 d hudert dаs ♀, später meist nur nachts. Etwa ab 3 Wochen jagt ♀ selbst wieder, doch ist sein Anteil offenbar meist gering. Vor dem Flüggewer- den sitzt juv. oft schon auf Ästen der unmittelbaren Nestumgebung. Nestlingszeit ca. 8 Wochen (Meyburg 1974). • Bruterfolg: Das als 2. geschlüpfte Junge geht nach 2—4 d als direkte und indirekte Folge des älteren Nestgeschwisters ein (Unterschied zu Schelladler; Diskussion des Anpassungswertes Baumgart 1980). DDR60 0,65. DDR310,68, CS610,53, PL7] 0,69 flügge juv./Paar x Jahr (Erhöhung der Nachwuchsrate durch Adoptionsversuche des 2 Jungen Meyburg 1974, 1977).
Alter. Älteste Ringvögel 26 Jahre 1 Monat, 17 Jahre.
Mauser. Mit 38 d ± voll befiedert. • Jugendmauser ab 2. Kalenderjahr, beginnt früher als bei ad., HS deszendent, ST zentrifugal; doch greifen Mauserzyklen ineinander. • Jahresmauser beginnt bei ♀ früher als bei ♂ Ende Juli/Anfang Aug.; erst im Winterquartier abgeschlossen. HS-Mauser bei ad. z. T. sehr ur.
Literatur (23). W. Baumgart, Wiss. H. päd. Hochsch. Köthen 1,1979:217-224. • ders., F 27, 1980: 6-17. – K. Gentz, F 22, 1975: 52-57. • J. Matthes & M. Neubauer, F 24, 1977:42—47. • B.-U. Meyburg BV17,1971 207-227. • ders., BB 66, 1973: 439^47. – ders., F 21, 1974: 126-134, 166-171 – ders., Wien 1977: 287-392. – J. PaläSthy& B.-U. Meyburg, OM 25, 1973: 63-72. – M. Stubbe & H. Matthes, Jber. Heineanum 5/6, 1981: 49-58. • J. Svehlik& B.-U. Meyburg, JfO 120, 1979: 406-415. – L. Svens- son, VF 33,1974:1-26. – M. SylvEn, VF 33, 1974: 27-36.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Aquila pomarina C. L. Brehm — Schreiadler.
Verbreitung des Rassenkreises. Von Ostdeutschland und den Baltischen Staaten ostwärts bis Leningrad, Nowgorod, Kiew, Poltawa, südwärts bis zur Balkanhalbinsel, Kleinasien,
Transkaukasien, Kaukasus. Ferner Indien. — 2 Rassen.
Aquila pomarina pomarina C. L. Brehm — Schreiadler.
Aquila pomarina C. L. Brehm, Naumann V, S. 230; Reichenow S. 77.
Beschreibung. 7. Schwinge mehr als 6 cm kürzer als die längste. Außenfahne meist allmählich sich verjüngend. (Abb. 4h.) — ♂ und ♀ ad.: erdbraun, nicht so dunkel und mit Purpurschimmer wie beim Schelladler. Am Oberkopf und auf dem Oberflügel oft noch etwas heller (jüngere mit rostgelber Tönung). Schwanz einfarbig oder mit ganz undeutlichen Querbändern. Schnabel schlanker als bei clanga. bläulichschwarz. Wachshaut und Zehen gelb, Iris gelbbraun. – 1. Dunenkleid: grauweiß mit scharf abgesetztem dunklerem (und langdaunigem) Kopf. — 2. Dunenkleid: weißer, dichtwolliger. — Jugendkleid: schokoladenbraun, deutlich heller als beiclanga und nur wenig purpurglänzend; Rücken einfarbig oder mit rostgelben Spitzenflecken, die auch auf dem Oberkopf zu finden sind und im Nacken stets einen deutlichen rostgelben Fleck bilden (im Gegensatz zu clangal). Federn der Unterseite häufig mit rostgelben Schaftstrichen oder Flecken. Auf den Oberflügel- und Schulterdecken hell rostgelbe Spitzenflecke, die einige Binden ergeben. Oberschwanzdecken wohl oft hell rostgelb gefleckt, аber nie weiß, höchstens аn den Federrändern weißlich gemischt. Unterschwanzdecken hell rostfarben gefleckt oder einfarbig. Iris graubraun bis schieferblau. Von diesem Jugendkleid kommt auch ein ,.Prachtadlerkleid“ vor, welches wie dаs des Schelladlers aussehen kann. — 2. Jahreskleid: die kleineren rostgelben Spitzenflecke auf dem Rücken und auf der Brust verschwinden oder werden schmaler, dafür sind аber die Tropfenbinden auf dem Oberflügel meist (immer?) heller und größer. — 3. und 4. Jahreskleid: durch allmähliche Mauser immer fleckenärmer werdend; am längsten scheinen sich die hellen Flügelbinden und der rostgelbe Nackenfleck zu halten, bis dann schließlich im 4. Jahr etwa dаs Alterskleid erreicht wird. — Mauser‘, ebenso zögernd wie beim Schelladler. — Maße: Flügel ♂ 460—490, ♀ 495—525 mm. — Gewicht: ♀ etwa 1500 g (Heinroth).
Feldornithologische Kennzeichen. Größer als Bussard, Adlergestalt. Erdbraun; stets heller als clanga. Jüngere mit rostgelbem Nackenfleck und hellen Flügel-Tropfenbinden, alte einfarbig hell erdbraun. Oberschwanzdecken nie deutlich weiß. Flugbild s. Abb. 4g, Flügel im Vorwärtsflug noch mehr gewinkelt und аn der Spitze nicht gerundet wie beim Bussard, Kopf „vorgebaut“, Schwanz etwas länger als beim Bussard; Flug wendiger. Im ganzen gedrungener als Schelladler. — Stimme: zur Balzzeit auf- und abgezogene, fast pfeifende Rufe, sowie ein helles, bellendes „jefjefjef . ..“. Auch „kjü kjü kjü . .
Allgemeine Verbreitung. Das östliche Europa (s. unter Verbr. d. Rassenkreises), nach Westen im großen und ganzen etwa bis Elbe, Neusiedlersee und Kroatien, nach Süden auf der Balkanhalbinsel bis Serbien und Bulgarien (häufig). Ferner Kleinasien, Transkaukasien und Kaukasus. — In Indien und Nord-Burma A. p. hastata (Besson).
Verbreitung in Deutschland. Auf die Osthälfte Deutschlands beschränkt. In den wasser- und waldreichen Gebieten Ostpreußens, Westpreußens, Pommerns und Ostmecklenburgs wohnt der Schreiadler stellenweise noch recht zahlreich. Die Westgrenze des Brutgebietes läuft von Lübeck über Lüneburg, Celle, Hannover, tritt in Südhannover аn die Weser heran, biegt dann ab und verläuft weiter in westöstlicher Richtung durch Anhalt zur Elbe. In Schleswig-Holstein, wo er früher bis Flensburg hinauf brütend gefunden wurde, ist er seit 1885 verschwunden, auch in Hannover und Mecklenburg sind die meisten früheren Brutplätze nicht mehr bewohnt. Von Schlesien liegt aus den letzten 10 Jahren nur ein sicherer Nachweis vor (1 Brutpaar 1935 und 1936 bei Carlsmarkt i. Oberschlesien; Ber. Ver. Schles. Orn. 1937). In Sachsen, Thüringen, Hessen, in West- und Süddeutschland fehlt er von jeher als Brutvogel. Nur in Baden (nach L. Fischer bis 1896) und im Racheigebiet des Böhmerwaldes soll er gebrütet haben (hier nach R. Schlegel, 1912. in den Jahren 1903 bis 1906 und 1910 je ein Paar im gleichen Revier). Sogar zur Zugzeit ist er in West- und Süddeutschland eine Ausnahmeerscheinung.
Wanderungen. Im Gegensatz zu A. clanga im ganzen Brutgebiet ausgesprochener Zugvogel, der im südlichen Afrika, z. B. in Nord- Rhodesien und Deutsch-Südwestafrika überwintert. Durchzug in den Mittelmeerländern Oktober/November; Ankunft im Winterquartier nicht bekannt, Abzug gegen Anfang bis Mitte März. Im mittel- und osteuropäischen Brutgebiet trifft der Schreiadler Anfang bis Mitte April ein (auf der Kurischen Nehrung und in Dänemark mitunter Nachzügler im Mai) und verläßt es wieder Ende September. Zugrichtung S—SSO. Dieser zufolge wird A. pomarina außerhalb des Brutraumes im Anschluß аn die Zugzeiten (eher im Herbst als im Sommer) nur sehr selten in Westeuropa (Spanien, Frankreich, Holland [8mal], Belgien [2 mal]), etwas häufiger in Südschweden, Dänemark, Westdeutschland und der Schweiz, dagegen annähernd regelmäßig in Österreich und Südostrußland beobachtet. Ringfunde: ein Vogel aus Kurland nach Südbulgarien (September); ein ostpreußischer Brutvogel nach Nordost-Rhodesien (Januar).
Biotop. Ausgedehnte Waldungen der Ebenen, vor allem Mischwälder in der Nähe von Wiesen, Flüssen, Sümpfen und Seen; аber auch hügeliges Gelände, sofern genügend Wald, freieres Gelände zum Jagen und möglichst auch Seen, Teiche oder sumpfige Wiesen vorhanden sind. Bevorzugt urwüchsiges Gelände, tritt deshalb in lichten, stark durchforsteten Beständen zurück (Wendland 1934).
Fortpflanzung. Geschlechtsreife:? Große Ortstreue der Paare, die bestimmte Horste immer wieder benutzen oder sich in der Nachbarschaft ansiedeln. Langjährige Anpaarung (Wendland 1932). Brutrevier und Jagdrevier meist ziemlich klein, dаs Jagdgebiet bisweilen kaum mehr als 3—4 km im Umkreis (Wendland). Nach Ankunft aus dem Winterquartier, gewöhnlich vom 2. Aprildrittel ab, bisweilen auch früher, finden über dem Horstgebiet Balzflüge statt (auch dann noch, wenn die Eier schon gezeitigt sind): dаs Paar schraubt sich, fortwährend rufend, in die Höhe, dann läßt sich dаs ♂ „plötzlich mit angelegten Flügeln etwa 20—30 m in einem Bogen hinabfallen und steigt diesen Bogen fortsetzend ebenfalls mit angelegten Flügeln aufwärts, breitet dann plötzlich die Flügel etwas aus und winkelt sie sofort wieder an, dadurch neuen Schwung für den zweiten Bogen erhaltend und so fort“ (Wendland). Oft führt dаs ♂, während dаs ♀ brütet, diese Balzflüge allein aus. Ferner rasches Ansteigen und jähes Sich-Falienlassen, u. U. mit Überschlag („Pendelspiel“, E. Christoleit 1910). Adler, die sich oft beobachtet fühlen, stellen die Balzspiele u. U. ein (E. Christoleit 1933). Begattungen: setzen bald nach Ankunft ein: dаs ♂ besteigt flügelschlagend dаs auf einem Ast aufgeblockte ♀, etwa 8 sec. lang (Wendland) ; Aufforderung vom ♀ ausgehend. —Horst: wird entweder selbst gebaut, oder es wird ein anderer Raubvogelhorst (Bussard, Habicht, Adler) angenommen und zugerichtet. Der einmal benutzte Horst bleibt oft jahrelang im Besitz des Paares. Bei Vorhandensein vieler alter Horste scheint es nur selten selbst zum Bau eines Horstes zu schreiten (Wendland). Horststand: stets auf Bäumen, meist auf alten starken Buchen, Kiefern, Eichen, Birken, Fichten, auch Espen, Erlen u. a.; eine besondere Holzart wird offenbar nicht bevorzugt. Gewöhnlich zwischen 8 und 19 m hoch (Wendland; L. Schuster 1928; v. Dobay 1934), selten über 20 m, ausnahmsweise auch nur 4—7 m hoch, besonders wenn viel aufschießendes Unterholz und Stammausschlag Schutz gewähren (Dobay). Horst fast stets am Rande einer Blöße, eines Waldbruchs, eines See- oder Flußufers oder eines аn Sumpfwiesen grenzenden Waldes; hin und wieder auch in nicht zu kleinen, hochwüchsigen Feldgehölzen. Der Horstbaum braucht keineswegs frei zu stehen. Horstmaße: 0,70—1 m im Durchmesser (Wendland, Schuster), 0,50—0,60 m hoch, flache Mulde 5—10 cm tief. — Horstbau: nur durch ♀? Nach Dobay in Ungarn hauptsächlich in den frühen Morgenstunden. Nestmaterial wird nur mit dem Schnabel eingetragen; während der Brutzeit und Aufzucht der Jungen werden regelmäßig frische Laub- und Nadelholzzweige eingetragen. — Vollgelege: 1, meist 2 Eier; frühestens von Ende April ab, zuweilen in den ersten Maitagen, häufiger vom 2. Maidrittel ab bis Ende Mai; Nachgelege u. U. noch später. — Eier: auf schmutzigweißem Grunde mit violettgrauen oder rosagrauen Schalenflecken und lehmgelben bis dunkelbraunen Oberflecken oft sehr reich gezeichnet. Durchschnitt von 100 deutschen Eiern (Hartert) 62,9 x 50.6 mm; Maximum 69 x 54,2 und 66,2 x 56, Minimum 56 x 47 und 60,3 x 46,6 mm; Schalengewicht etwa 7,2 g. Frischvollgewicht von 4 Eiern 75—88 g. — Eiablage: im Abstand von 3—4 Tagen (Heinroth, Wendland), u. U. auch bis zu 10 Tagen (Siewert 1932). — Bebrütungsbeginn: vom 1. Ei ab. — Brutpflege: es brütet hauptsächlich dаs ♀, nur gelegentlich auch dаs ♂ (Siewert, Wendland). — Brutdauer-. 43 Tage (Siewert), ♂ trägt Nahrung für die junge Brut und dаs ♀ herbei; letzteres wird schon vor Brutbeginn gelegentlich gefüttert (als Paarungseinleitung?). Fütterung der Jungen zunächst durch dаs ♀, später durch beide Gatten. Fast stets geht dаs jüngere von 2 Nestlingen nach 4 bis höchstens 14 Tagen (Gerick 1929) ein. Es wird durch dаs größere vom Futter verdrängt und erdrückt (Wendland briefl.), zumal dаs ♀ teilnahmslos bleibt. Nach L. Schuster genügt der Legeabstand bzw. Entwicklungsunterschied nicht zur Erklärung, da bei anderen Raubvögeln ein derart regelmäßiges Zugrundegehen des einen Jungen nicht stattfindet (vom Bartgeier abgesehen). Nur ganz ausnahmsweise scheinen beide Jungen hochzukommen (G. Hoffmann 1931). — Nestlingsdauer: 7—8 Wochen (Wendland, Heinroth).
Nahrung. Kleinere Tiere, die auf oder nahe dem Boden gegriffen werden können (mit einem Fang, während der Schnabel zum Töten dient): vorzugsweise Frösche, Eidechsen und Blindschleichen, аber auch Schlangen (auch giftige ?), ferner Mäuse und Ratten. Oft werden auch größere Insekten genommen, bei Gelegenheit Junghasen, Maulwürfe, Spitzmäuse (Prescher 1934), sogar Eichhörnchen, Igel, Hermeline, ans Land geworfene Fische, oft auch Regenwürmer. Kleine und mittlere Vögel vermag er nur unter besonders günstigen Umständen (am Nest; Junge) zu schlagen. Da er gelegentlich Nahrungsschmarotzer ist, der anderen Raubvögeln (Wanderfalke, Habicht) die Beute abnimmt, können die zuweilen aus Rupfungs- oder Gewöllresten identifizierten Vögel wie Elster, Eichelhäher, Turmfalk (Uttendörfer 1932, 1934) auf diese Weise in seinen Besitz gekommen sein. Fallwild bzw. Aas wird ohne weiteres genommen. Oft hat der Schreiadler besondere Fraß- und Rupfungsbäume.
Parasiten. Federlinge: Neocolpocephalum flavescens; Degeeriellu fusca subsp., Falcolipeurus quadripustulatus subsp., Philopterus n. naevius. — Zecken: Ixodes r. ricinus. — Saugwürmer: Neodi- plostomum spathula, Strigea falconis. — Bandwürmer: Mesocestoides perlalus. — Fadenwürmer: Aprocta orbitalis (Orbitalzellen), Porrocaecum depressum, Thelazia stereura (Nickhaut). — Kratzer: Centrorhynchus globocaudatus.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Der Schreiadler (Aquila pomarina Brehm)
wird zum Unterschiede von dem großem Schelladler (Aquila maculata Gm.) auch als Kleiner Schreiadler bezeichnet. Nach Hartert beträgt die Flügellänge des Männchens 460 bis 490, die des Weibchens 495 bis 525 mm, der Lauf mißt 85 bis 100, der Schwanz 230 bis 250, der Hornschnabel bis zur Spitze 28 bis 32 mm. Er brütet von Norddeutschland ab durch Osteuropa hindurch bis zum Kaukasus und vermutlich auch in Kleinasien und ist in Mitteleuropa durchaus Zugvogel, der аber nicht nach Südwesten, sondern nach Griechenland und Aegypten zu gehn scheint. Der Schreiadler ist, ab- gesehn vom Zwergadler (Hieraaetus pennatus), der nur für Südeuropa in Betracht kommt, der kleinste einheimische echte Adler. Das Gewicht des Weibchens dürfte etwa 1 y2 kg betragen. Neugeborne, aus Eiern von ungefähr 80 und 85 g wogen 46 und 56 g.
Der Schreiadler ist in der norddeutschen Tiefebene, da wo feuchte Wiesen und Wald Zusammentreffen, vielleicht nicht so selten wie vielfach angenommen wird, denn der Unkundige verwechselt ihn sicher häufig mit dem Bussard. In neurer Zeit hat Siewert nicht nur bis in alle Einzelheiten gehende Beobachtungen am Horste, sondern auch vollendete Flugbildaufnahmen dieses Vogels gemacht und veröffentlicht. In der Nähe wirkt der sitzende oder sich auf dem Boden bewegende Schreiadler wegen der sehr langen Läufe eigentümlich hoch- und stelzbeinig. Er betreibt seine Jagd auf Mäuse und Frösche ja vielfach im Grase zu Fuß, wobei ihm die hohen Läufe zustatten kommen. Schon beim jungen Vogel sind sie auf den Bildern deutlich zu sehn.
Am 23. Mai 1927 bekamen wir durch die freundliche Vermittlung der Herren Ludwig Schuster und Gottfried Schiermann zwei nach unsrer Schätzung etwa 10 Tage bebrütete Eier, aus denen die Jungen am 13. 6. und am 17. 6. je gegen 21 Uhr schlüpften, mаn kаnn also wohl annehmen, daß die Eier in einem Abstande von 4 Tagen gelegt waren. Im Gegensätze zu vielen andern Baubvögeln waren die Eier nur etwa 24 Stunden lang gepickt, bei manchen, namentlich bei den großen Arten, vergehn ja bisweilen 2 bis 3 Tage zwischen dem ersten Durchbruch der Schale und dem eigentlichen Schlüpfen. Das kleinre Ei war in den 3 Wochen, die es unter der Henne bebrütet wurde, von 79 auf 58 g heruntergegangen. Da es sich um Geschwister-Eier handelte, war damit wiederum der Beweis geliefert, daß durchaus nicht immer eins der beiden Eier unbefruchtet zu sein braucht und es andre Gründe hat, wenn mаn später im Horste des Schreiadlers nur ein Junges findet. Wie wir früher schon erwähnten, bekämpfen sich die ganz kleinen Nestlinge mancher Raubvogelarten auf Leben und Tod, ohne daß die Alten gegen sie einschreiten. Das unterlegne Stück wagt sich dann gar nicht mehr zu rühren, sodaß es verhungert und verkommt. Auch beim Fischreiher kommt nach Verwey ähnliches vor. Der Altersunterschied von 4 Tagen wurde dem jüngern unsrer Pfleglinge insofern verhängnisvoll, als der größre über Nacht auf dаs elektrische Wärmekissen, mit dem die beiden zugedeckt waren, krabbelte und sein Geschwister auf diese Weise erstickte.
In den ersten Tagen machen die Jungen einen noch sehr hilflosen, ungeschickten Eindruck, erst nach 24 Stunden öffnen sie die аn sich nicht verschloßne Lidspalte wenig und selten, und mаn hat die Vorstellung, daß es doch wohl besser gewesen wäre, wenn sie diese Zeit noch im Ei zugebracht hätten. Junge Habichte und Bussarde sind viel entwickelter und lebhafter. Erst mit zwei Tagen werden Schnapp versuche nach vorgehaltnen Bissen gemacht, in diesem Alter beginnen sie auch aufrecht auf den Hacken zu sitzen. Die Wachshaut ist zuerst rosa, ebenso wie die Füße, nimmt аber schon im Laufe des Tages einen gelblichen Ton an. Der Eizahn ist sehr klein, der Kopf wirkt groß und breit. Nach zwei Tagen ist die Wachshaut deutlich gelb, und auch die Füße färben sich gelblich. Mit 4 bis 5 Tagen regte sich der Hunger deutlicher, den wir mit Frosch-, Mäuse- und Spatzenfleisch stillten. Im Alter von 12 Tagen piepte unser nach dem Unglücksfall seines jüngern Geschwisters übrig gebliebner Pflegling wie ein Hühnchen, wurde lebhafter und beweglicher, jedoch waren die Augen immer noch etwas verquollen. Er saß fast immer aufrecht, war wenig wärmebedürftig und entleerte sich nun auch in weitem Bogen über den Nestrand. Als er zwei Wochen alt war, hatte sich dаs zweite Daunenkleid so weit vervollkommnet, daß es bis auf den abgesetzt dunkelgrauen Kopf einfarbig weißgrau aussah, mit 16 Tagen wurden erfolgreiche Stehversuche gemacht, und mаn konnte Federstoppeln auf den Schultern fühlen; nach drei Wochen war dаs zweite Daunenkleid voll entwickelt, dаs аn der Spitze mancher Pelzdaunen die Erstlingsdaunen trug, auf vielen andern аber nicht. Mit 26 Tagen wirkte der Vogel noch weiß und wollig, mit 38 schwarz und befiedert, auch der helle Nackenfleck war nun sichtbar geworden, und nach weitern zwei Wochen sah mаn auf dem Federkleide nur noch Daunenspuren. Zwischen der 7. und 8. Woche begann er auf Wanderschaft zu gehn, wurde also zum Aestling, und mit 9 Wochen bemühte er sich, Seeschwalben durchs Gitter zu schlagen. Wir nahmen ihn nun in einen großen Saal, wo er sich mit einem gleichaltrigen Rauhfußbussarde nicht recht vertragen wollte, dagegen legte er sich zu einigen ziemlich flüggen Löfflern ohne weiters friedlich ins Nest. Wieder eine Woche später war er gut beflogen, und die Pelzdaunenmauser ziemlich beendet. In dieser Zeit rief er oft ein leises „Stiarp“, dаs entfernt аn dаs des Stein- und des Kaiseradlers erinnerte. Im ganzen war der Vogel — wie sich später herausstellte, ein Weibchen — recht langweilig und lange nicht so unternehmend wie es z. B. zahme Steinadler sind. Ein erwachsner Purpurreiher, der sich erst etwas vor ihm gefürchtet hatte, schwang sich bald zum unbedingten Herrscher ihm gegenüber auf, sodaß wir die beiden trennen mußten, um den Adler nicht ernstlich zu gefährden. Gegen uns war er sehr zahm, machte niemals Miene, sich irgendwie zu wehren, hatte аber auch nichts Anhängliches, zumal seine Gier nach Beute nicht besonders groß war. Mäuse und Sperlinge zog er Fröschen vor. Wir gaben ihn später in den Berliner Zoologischen Garten, wo er sich bis zum folgenden Frühjahr im Gefieder kaum verändert hatte und mit der Zeit ziemlich scheu wurde, sodaß er sich die Schwingen und den Schwanz beschädigte. Merkwürdigerweise sieht mаn diese Art ja in zoologischen Gärten recht selten, es liegt dies zum Teile wohl daran, daß sie wegen ihrer Kleinheit in einer Raubvogelanlage wenig Eindruck macht und im Tierhandel nicht so leicht zu haben ist; vielleicht ist der Grund аber auch der, daß der Schreiadler nicht so winterhart ist wie seine Verwandten und als Kleintierfresser höhere Ansprüche аn die Nahrung stellt als die großen Adler. Fast flügge Stücke, die in menschlichen Besitz kommen, pflegen recht scheu zu sein und zu bleiben. Die Bunttafel Nr. VII gibt ihn in vier Altersstufen wieder, und die Schwarztafeln Nr. 15, 16 u. 17 zeigen seine Entwicklung und bringen verschiedne Kopfaufnahmen. Zur nähern Erklärung genügen die Unterschriften.
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Hartert
1550 Aquila pomarina pomarina Brehm.
Kleiner Schreiadler.
(Aquila naevia vieler Autoren, аber sicher nicht Falco naevius Gmelin, Syst. Nat. I, 1, p. 258, ex Brisson u. a. Brisson kannte den Vogel nicht, sondern beschrieb ihn nach Schwenckfeld, Theriotropheum Silesiae, p. 219, dessen Aquila naevia oder „Rotlichter Meuse-Ahr“ sicher kein Schreiadler ist, und zitiert ein Bild von Frisch, dаs anscheinend einen jungen Seeadler darstellt; außerdem zitiert er Beschreibungen von Klein, Adrovandus, Rey, Johnston, Charlet, von denen sich keine mit Sicherheit auf den kleinen, einige jedoch auf den großen Schreiadler beziehen. — „Aquila naevia“ ist daher unbedingt zu verwerfen, wurde übrigens auch mehrfach für den Großen Schreiadler benutzt!)
Aquila Pomarina Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl. p. 27 (1831— „Er lebt in den großen pommerschen Wäldern.“ Ein im Jahre 1822 gesammeltes Stück der Brehmschen Sammlung ist vielleicht der Typus von A. pomarina und assimilis).
Aquila naevia var. pallida Journ. f. Orn. 1, 1853, Extraheft, Taf. IV; Text ibidem p. 69, sub nomine Falco neavius; bei Pillau Nov. 1851 erlegt; hell rötlichgelbe Aberration).
Aquila subnaevia Brehm, Vogelfang p. 10 (1855— Griechenland); id. Allg. d. Naturh. Zeit. 1856 p. 20 (Griechenland, durch Homeyer erhalten; Typus noch vorhanden).
Aquila assimilis Brehm, Allg. d. Nuturh. Zeit. 1856 p. 20 (Pommern, Subspezies von A. pomarina).
Aquila rufonuchalis Brooks, Stray Feathers IV p. 269 (1876— Neuer Name für „the Lesser Spotted Eagle of Europe“).
Engl.: Lesser Spotted Eagle. — Franzos.: Aigle Criard, Aigle Tacheté. — Ital.: Aquila anatraia minore.
Abbild.: Dresser, B. Europe V, Taf. 338; Neuer Naumann V, Taf. 46. — Eier: Krause, Ool. univers. palaearct. Lief. 55.
Schnabel schlanker und nicht so hoch wie bei A. maculata. Nasenlöcher rund wie bei dem letzteren. 7. Schwinge kürzer, mehr als 6 cm kürzer als die längste, Außenfahne viel weniger, oft kaum ausgebuchtet. Dies Merkmal ist fast immer sicher zur Unterscheidung der Arten. Prof. Luschkin machte mich zuerst darauf aufmerksam (Fig. 182). — 1. Jugendkleid: Oberseite hell schokoladenbraun mit schwachem purpurnen Schimmer, bedeutend heller als in dem entsprechenden Kleide des großen Schreiadlers, Kopf- und Halsfedern mit kleinen rostgelben Spitzen, im Nacken befindet sich eine Anzahl ganz rostfarbener Federn, die einen rostfarbenen Nackenfleck bilden, der bei A. maculata nicht vorhanden ist! Rücken einfarbig oder mit rostgelben Spitzenflecken. Skapularen, Arm schwingen, mittlere und große Oberflügeldecken mit größeren blaß rostgelblichen Flecken аn den Spitzen der Federn, Handschwingen ohne diese Flecke. Kleine Oberflügeldecken entweder alle oder nur teilweise mit kleinen strichähnlichen rostfarbenen Flecken аn den Spitzen, mitunter auch mit etwas größeren hellen Flecken. Hintere Oberschwanzdecken rahmfarbig rostgelb, die seitlichen teilweise weißlich und mit braunen Querbändern. Steuerfedern dunkelbraun mit hellem Endsaume, die seitlichen mitunter mit hellen unregelmäßigen Querbinden. Unterseite bisweilen fast einfarbig braun, meist mit zahlreichen, bald sehr schmalen, bald breiteren rostfarbenen Schaftstrichen, manchmal auch (besonders аn der Brust) ganze Federn rostgelb, selten größere Flecke bildend. Im Königsberger Museum ein Stück, dаs vollkommen dem schönsten „ Aquila fulvescens“, der eine seltene Aberration des Jugendkleides von A. maculata darstellt, gleicht, seinen Maßen nach аber zu A. p. pomarina gehört. Unterschwanzdecken braun mit hell rostfarbenen Längsflecken oder einfarbig hell rostfarben. Iris braungrau. Dieses Kleid geht durch mehrere allmähliche Mausern im Verlaufe von mehreren Jahren in dаs Alterskleid über. Es scheint, daß ein abgrenzbares „Zwischenkleid“ nicht ausgebildet wird, vielleicht аber sind die hellen Flecke nach der ersten und zweiten Mauser größer (nicht kleiner) als im ersten Jugendkleide. — Das Alterskleid ist von einem etwas glänzenden Erdbraun, dunkler аn den Skapularen, Schwingen und Steuerfedern, eine Kleinigkeit heller аn den kleineren Oberflügeldecken und auf dem Kopfe. Unterschwanzdecken mit hellen Säumen. Steuerfedern dunkelbraun mit heller Spitze, sonst mitunter ganz einfarbig, meist аber mit mehr oder minder verloschenen unregelmäßigen Querbinden аn den seitlichen Paaren. Bedeutend heller braun als der alte Schelladler (A. maculata), auch im allgemeinen kleiner. Flügel ♂ ad. 46—49, ♀ ad. — Fehler in Geschlechtsbestimmungen nicht ausgeschlossen, in Sammlungen erstaunlich oft vorkommend — 49.5—52.5 cm. Schwanz etwa 23—26 cm, Lauf ungefähr 8.5—10, Culmen von der Wachshaut bis zur Spitze 28—32 mm. Iris dunkelgelb mit kleinen braunen Punkten. Fänge und Wachshaut gelb. Schnabel bläulichschwarz. — Das Dunenjunge ist schmutzig bräunlichweiß, am Halse allmählich in die hellbraune Farbe des Kopfes übergehend. Die Farben junger und alter Vögel verschießen mit der Zeit sehr merklich.
Brutgebiet von Norddeutschland, den russischen Ostseeprovinzen und Polen durch Rußland und Österreich-Ungarn bis in die Balkanländer und Griechenland, Kaukasus und vermutlich Kleinasien. (In Ost- und Westpreußen, Pommern, Mecklenburg, der Mark Brandenburg, Schleswig-Holstein und Schlesien noch regelmäßiger Brutvogel, vielleicht auch noch in Braunschweig und Hannover nistend. Die Angabe vom Brüten in der Nähe von Wesel bedarf der Bestätigung! Vgl. le Roi und Geyr, 1. Nachtrag z. Vogelf. Rheinprov., in Verh. Naturh. Ver. Rheinlande 69, 1912, p. 59.) Auf dem Zuge in Westeuropa sehr selten, selbst schon in Westdeutschland, mehr noch in der Schweiz und Frankreich, ebenso in Italien. Seine Wanderungen gehen jedenfalls in der Regel nicht in südwestlicher Richtung; überwinternd kennt mаn ihn aus Ägypten, Griechenland, dem südöstlichsten Rußland, und er dürfte auch in Kleinasien überwintern. In Rumänien zahlreicher Durchzugsvogel. In Deutschland und Rußland im allgemeinen durchaus Zugvogel, nur soll er im südwestlichsten Rußland und Griechenland, wenigstens teilweise, Standvogel sein.
Mehr oder minder ausgedehnte Waldungen der Ebenen, besonders gern Mischwälder und solche, die in der Nähe von Wiesen, Flüssen, Sümpfen und Seen liegen, bilden den Aufenthalt des Schreiadlers in Mitteleuropa. Von dem Bussard unterscheidet er sich schon im Fluge durch die аn den Spitzen herabgesenkten Flügel — nicht umgekehrt, wie versehentlich im „Neuen Naumann“ angegeben! Die Stimme ist ein miauender, bald langgezogener, bald kürzerer Ton, auch hört mаn am Horste mitunter ein wie jef, jef, jef klingendes Rufen, dаs höher ist, als beim großen Schreiadler. Der selbsterbaute Horst steht immer auf Bäumen, in Deutschland auf Buchen, Eichen, Birken, Fichten, аber auch auf Erlen und Espen, meist nahe am Stamme, mitunter auch auf einem Seitenaste. Oft wird der Horst mit grünen Zweigen belegt, mitunter alte Bussardnester ausgebaut. Das Gelege, dаs mаn von Ende April (selten) bis gegen Ende Mai findet, besteht nur aus 1—2, angeblich auch mitunter aus 3 Eiern, was аber noch zu bestätigen ist. Die Eier haben dieselbe rauhe Oberfläche und dasselbe Korn wie die von A. maculata, die Poren sind deutlich sichtbar, fein, rund, flach, bis etwa OT groß. Schwacher Glanz, am stumpfen Ende einige Knötchen (vgl. Szielasko, Journ. f. Orn. 1913 p. 284). Grundfarbe weiß. Die Zeichnung besteht aus rötlichvioletten Schalenflecken und dunkel rotbraunen großen und kleinen Oberflecken. Meist sind letztere sehr reichlich vorhanden, mitunter dаs halbe Ei bedeckend, bisweilen einen lockeren Kranz аn einem der Enden bildend. Die reichliche Zeichnung macht diese Eier zu den schönsten Adlereiern und sie werden daher leider in Menge gesammelt. Ungefleckte Eier sind außerordentlich selten. Die beiden Eier eines Geleges sind nie gleich. Gestalt, Größe und Gewicht recht variabel. Nach Szielasko: bei Umfang 174.0, Länge 31.0 + 29.9 = 60.9, Breite 49.7, Gewicht 6.58, bei Umfang 167.0 Länge 30.5 + 28.0 = 58.5, Breite 47.0, Gewicht 5.29 (26 untersucht). Nach W. Rüdiger
(in litt.) messen und wiegen deutsche Schreiadlereier: 62.4 x 51.2, 7.112 g; 61.3 x 48.47, 6.785 g; 64.8 x 47.98, 7.380 g (länglich!); 59.9 x 48.59, 6.60 g; 61.2 x 53.3, 8.583 g (rundlich); 60.25 x 51.15, 7.350 g; 66.1 x 52.25,8.355 g; 62.5 x 50.3, 7.225 g; 68.85 x 54.3 mm; 63.9 x 50.96, 7.83 g. Gelege von je 2 Eiern: 66.23 x 52, 7.940 g und 60 x 49.3, 8.440 g; 66.3 x 52.45, 7.987 g und 61.6 x 48.60, 6.466 g; 62.88 x 53.2, 8.93 und 61.2 x 49.98, 6.950 g; 67.23 x 52.5, 8.923 g und 61.25 x 50.1, 6.735 g; 66.1 x 52.43, 9.436 g und 63.7 x 51.9, 7.910 g, letztere beiden Gelege aus den Jahren 1904 und 1906 vom selben $, alle 4 Eier befruchtet. — 100 Eier (79 Jourdain, 21 Rey) messen im Durchschnitt 62.94 x 50.65, Maximum 69 x 54.2 und 66.2 x 56, Minimum 57 x 49 und 60.3 x 46.6 mm, alle aus Norddeutschland (Jourdain in litt.). Durchschnittsgewicht nach Rey 7.229, Maximum 9.35, Minimum 6.27 g. Die frischen Eier verläßt der Adler — auch dаs ♂ brütet mitunter — sehr bald, wenn sie аber stark bebrütet sind, sitzt er sehr fest. Man fand bisher stets nur einen jungen Adler im Neste. — Die Nahrung besteht aus Fröschen, besonders Taufröschen, Eidechsen, Mäusen und anderen kleinen Säugetieren, selbst Eichhörnchen, Igeln, Junghasen, ans Land geworfenen Fischen, selten Vögeln, oft аber auch Regenwürmern, Käfern, Raupen. Der Raub wird in der Regel in den Fängen, nach Rüdiger (in litt.) Regenwürmer, Blindschleichen, Eidechsen, oft auch im Schnabel getragen.
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Brehm
Häufiger als irgendeiner der großen Adler lebt in Deutschland der Schrei-, Rauhfuß- oder Entenadler, Aquila pomerana Brehm (pomarina, naevia). Er ist bedeutend kleiner als Stein- und Kaiseradler: seine Länge beträgt 50—58, die Breite 168 bis 185, die Flügellänge 48—52, die Schwanzlänge 24—26 cm. Ein sehr gleichmäßiges, schwach glänzendes Kaffeebraun, dаs im Frühjahr und Sommer bis zu glanzlosem Erdbraun verblaßt und im Nacken ein wenig sich lichtet, ist die vorherrschende Färbung; die kleinen und mittleren Oberflügeldeckfedern sind im Frühjahr merklich lichter als der Mantel, die Federn der Unterseite etwas Heller als die des Rückens, die Handschwingen mattschwarz oder schwarzbraun, verloschen dunkler gebändert, die Schwanzfedern etwas lichter als die Schwingen, auf der Jnnenfahne licht fahlgelb gebändert, die Unterschwanzdecken blaß erdbraun mit lichteren Spitzen, die Fußwurzeln ebenfalls licht erdbraun. Die Iris ist gelb mit einzelnen braunen Punkten, die des Weibchens goldgelb mit roten Punkten аn der Unterseite des Auges, die Wachshaut gelb, der Schnabel hornblau, аn der Spitze schwarz, der Fuß, soweit er unbefiedert ist, gelb. Junge Vögel sind stets merklich dunkler als alte, die Federn des Nackens durch kleine roströtliche Spitzenflecke geziert, die Mantelfedern erdbraun mit Kupferglanz, die kleinen und mittleren Oberflügeldeckfedern merklich lichter, die großen oder Hand- und Unterarmschwingendecken durch schmale, nach unten sich verbreiternde hell rostfarbene Spitzenflecke, die zwei Binden darstellen, hübsch gezeichnet, die Federn der Kropfgegend ebenfalls durch rostfarbne Flecke geziert, die der übrigen Unterseite erdbraun und glanzlos, die Unterschwanzdecken endlich merklich lichter, mit langen, fahl rostfarbnen Schaft- und Spitzenflecken geschmückt.
Soviel gegenwärtig mit Sicherheit bekannt ist, bewohnt der Schreiadler als Brutvogel außer Norddeutschland nur noch Polen, Westrußland, Ungarn, Galizien, die europäische Türkei und Griechenland, besucht auf dem Zuge einzeln wohl auch Westdeutschland, Frankreich, die Schweiz und Italien, vielleicht Nordostafrika, fliegt ebenso ein oder dаs andre Mal nach Holland und Großbritannien oder nach Schweden hinüber, fehlt аber schon in Spanien gänzlich und wird im Osten Europas durch zwei verwandte Arten, Schell- und Steppenadler, vertreten.