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Bezzel
Oenanthe hispanica (L. 1758) — Mittelmeer-Steinschmätzer
2 Subspezies; Mitteleuropa Oe. h. hispanica (L. 1759) und Oe. h. melanoleuca (Güldenst. 1775).
Status in ME. Ausnahmegast.
Kennzeichen. • Relativ schlank und langer Schwanz. • ST 1 schwarz, übrige ST mit schwarzer Endbinde, die nach außen zunimmt; äußerste ST mit 1/2 schwarzer Außenfahne; schwarze Endbinde kаnn auch unterbrochen sein (Abb. 63). ♂ hispanica: Stirn, schmaler Überaugenstreif und angrenzende Teile des Oberkopfes weiß; Scheitel, Nacken und Vorderrücken sandfarben bis rostbeige, Federn blassen jedoch aus, so daß zur Brutzeit oft nur noch Reste der Beigefärbung erkennbar sind; Mittelrücken sandbeige; Hinterrücken, Bürzel und OberschwanzD weiß; Zügel und OhrD schwarz, Kinn und Kehle entweder schwarz (stapazina-Morphe) oder weiß bzw. mit beigefarbenem Anflug (aurfta-Morphe); keine Verbindung von schwarzer Gesichtsmaske mit Flügel oder Rücken (vgl. Nonnensteinschmätzer); Brust warm gelbbraun bis sandfarben; Bauch, Flanken und UnterschwanzD weißlich; Flügel ober- und unterseits schwarz. ♂ melanoleuca: Stirn, Zügel, Augengegend und OhrD (aurita-Morphe) oder zuzüglich Kehle und Halsseiten schwarz (stapazina-Morphe); Scheitel und übrige Oberseite weiß; im Frühjahr oft hell zimtfarbener, am Scheitel auch grauer Anflug, später in Scheitel und Nacken oft dunkelgraue Fleckung (bei aurita-Morphe Verwechslung mit Steinschmätzer möglich); Unterseite weißlich, mit mehr oder minder deutlichem zimtfarbenem Antlug; im Herbst Oberseite oft kräftiger zimtbraun, Unterseite intensiver zimtbraun Übergänge zwischen beiden Subspezies sind zu erwarten. ♂ im 1. Jahr mit braunen Flügeln, weniger weißlich auf der Oberseite. ♀ sehr ähnlich Steinschmätzer, doch Oberseite meist brauner und Überaugenstreif undeutlicher (vgl. auch Schwanzzeichnung); Oberseite zimtfarben, Rücken rötlicher; Hinterrücken, Bürzel und OberschwanzD weiß; Zügel und OhrD dunkelbraun oder wie Scheitel; Kinn und Kehle hell beige oder bräunlichschwarz mit hellen Federspitzen; Brust hell beige bis zimtfarben; Bauch und UnterschwanzD heller bis weiß; dunkle Schwanzzeichnung schwarzbraun, oft ausgedehnter als bei Flügel oben und unten dunkelbraun; zur Brutzeit bleicht Oberseitengefieder aus. • Schnabel, Lauf schwarz; Iris braun. • Flügelstruktur: HS 8 am längsten, HS 5 6—10 mm kürzer. «Vgl. vor allem Nonnensteinschmätzer, аber auch Wüstensteinschmätzer und Steinschmätzer. • Fotos: f Pforr u.a. 1980 (nur ♂); BB 80, 1987: 207; Delin u.a. 1989. sw BB 80, 1987: 208, 210; OM 40, 1988: 142 (♂); BB83,1990:345 (♂)- Zeichnungen: f BB 80, 1987: 140 und 156 (Serie); Lewington u.a. 1991 (♀).
Verbreitung und Bestand. Br. der mediterranen Klimazone. Oe. h. hispanica Maghreb bis NW-Libyen (bis max. 1800 —2100 m, E. (mit Ausnahme des N, höchste Brutplätze bis 1800 m; offenbar starke Abnahme, Mestre u.a. 1987), P nur im E im Anschluß аn spanisches Areal, S-F (bis 1300 m) wahrscheinlich bis Seealpen I. Oe. h. melanoleuca I ohne Sardinien und Sizilien (z.T. jedoch Übergangspopulation), 1mal Br. Malta (1982), YU (ab 1950 bis Istrien), BG (bis 2200 m), GR mit Inseln. TR (ohne Schwarzmeerküste; bis 2300 und sogar 3000 m), Armenien, Aserbeidschan, N-Iran; nach S bis N-Irak, Jordanien, Israel, im N isolierte Populationen Krim und mehrere Plätze im Kaspigebiet. Über Anteile der Morphen vgl. Suarez 1990.
CH: 9 ♂, davon 7 schwarzkehlig, März 1951, April 1963, April 1970, Nov. 1975, Mai 1978, Mai 1983, April 1984, April 1985, Mai 1989. • B: ♂ Nov. 1974. • NL: als Nachweise bis 1990 anerkannt (je 1 Ind.): Mai 1937, Mai 1970, Mai 1972, April 1982; (ferner Juni 1975, 1991). • D: Helgoland ♂ Aug. 1847, 2 diesj. Sept. 1847, 2 Ind. Okt. 1851, c? Mai 1860, ♂ Mai 1909, ♂ diesj. (?) Okt. 1922, ♂ Mai 1924, (1 Ind. Frühjahr 1929), ♂ Aug. 1972, ♂ Mai 1980 (insgesamt 8 hispa- nica, mind. 3 melanoleuca), ♂ Mai 1987; Nrh.-Westf. (♂ Mai 1972, Verwechslung mit deserti nicht auszuschließen); Ba.-Wu. je 1 Ind. Mai 1970, April 1973; Bay. weißkehliges ♂ Mai 1953 (ferner ♂ April 1913, 2 Ind. Mai 1954, nicht eindeutig); Bln. ♂ Mai 1975. •A: 1 Meldung vor 1900; ferner ♂ Okt. 1932, 2 ♂ Mai 1978, ♂ April 1979, ♂ April 1988 • H: Brutverdacht melanoleuca 1909-1912, ferner ♂ Sommer 1947 beim Füttern einer Steinschmätzerbrut, sing. ♂ Mai 1948, sing. ♂ Mai 1951, sing. ♂ Juni 1955, füttert junge Steinschmätzer Juni 1963 und weitere Brutzeitbeobachtungen. • CS: 1 Ind. Mai 1978. • PL: ♂ ad. Sept. 1986 Halbinsel Heia. – GB/IRL: 15 Ind. bis 1957, 23 Ind. 1958-85,10 Ind. 1986-90. • N.: 5 Ind. (bis 1983). – 8.: 3 Ind. bis 1990. – SF: 2 Ind. bis 1988; (1 Ind. 1989).
Wanderungen. Langstreckenzieher; Wintergebiet S Sahara zwischen .18° N und 12° N von S-Mauretanien bis Eritrea/N-Äthiopien; südlichste Nachweise N-Nigeria, N-Kamerun und 1mal Kenia; Winterbeobachtungen aus E , MA, Algerien, Syrien. Abzug Mitte Aug. —Anfang Okt Aufbruch im Winterquartier ab Febr., meist März —Anfang April. Ankunft am Brutplatz frühestens Anfang März, meist April, spätestens Mitte Mai; ♀ treffen später als ♂ ein.
Biotop. Br. auf Flächen mit deckungsreicher, niedriger Vegetation und kahlen oder vegetationsarmen Stellen für den Nahrungserwerb, z. B. degradierte Macchie, Garrigue, magere Kultursteppen, Brachland, Obst- und Weingärten, auch trockene Bach- und Flußtäler.
Nahrung. Insekten und Spinnentiere.
Stimme. Rufe hoch »jiw« und Warnruf kratzend »chärr« oder »tschrä«. Reviergesang klirrend, stereotype Phrasen z. B. »tschrri« oder »tschriü«; durchaus ähnlich Steinschmätzer. Imitationen anderer Vogellaute.
Verhalten. Zucken von Schwanz und leicht geöffneten Flügeln; kaum Knicksen. Wartenjäger, der auch auf dünnen Pflanzenstengeln sitzen kann. Ganzjährig territorial.
Fortpflanzung. Bis jetzt nur monogame Saisonehe nachgewiesen. Balz und Paarbildung am Brutplatz. Reviergründung durch ♂. Nistplatzwahl durch ♀ nach Angebot durch ♂ Nest gut versteckt unter Steinen, Sträuchern, Erdschollen usw., meist in Bodennähe, auch in Hohlen. ♀ baut allein. Eier blaugrün mit rostbraunen Punkten. Vollgelege (3)4 — 6 Eier. Legebeginn in N-Afrika Ende April — Anfang Juni, in E. meist Mai (Nachgelege bis 2. Hälfte Juli), im Nahen Osten früher. In der Regel 1 Jahresbrut. Brutdauer 13—14 d, ♀ brütet allein; Nestlingszeit 13—14 d.
Mauser. Postjuvenile Mauser (Teilmauser) dauert mind. 6 Wochen, beginnt im Alter von 2 Monaten. – Postnuptialmauser (Vollmauser) (Ende Juni) Juli —Aug. • Pränuptialmauser (Teilmauser) Kopf- und Brustfedern, ob bei allen (?); bei mehr als einj. kommt dаs Prachtkleid durch Abnutzung zustande.
Literatur (8). P Mestre u.a., BS 34 1987: 239-243. – F. Suarez, Ardeola 37, 1990: 291 – 298.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Heinroth
Zum Vergleich mit der heimischen Form ist auf der Bunttafel Nr. III auch der
Mittelmeer-Steinschmätzer
wiedergegeben, von dem wir Gelegenheit hatten, ein schönes und zahmes Stück zu photographieren. Bei dieser S. hispanica hispanica L. ist es merkwürdig, daß es innerhalb desselben Gebietes Männchen mit schwarzer Kehle und solche mit einfarbiger Unterseite, nicht аber Mischformen gibt; erstere gingen früher unter dem Namen S. stapazina, letztere hießen S. aurita. Es scheint sich hier um eine sogenannte Mutation, d. h. unvermittelte Abänderung, zu handeln, wie sie vielleicht bei der Artbildung vieler Vögel in Betracht kommt. Diese Art ist über die Mittelmeerländer Westeuropas und Westafrikas verbreitet.
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Hartert
1041. Saxicola hispanica hispanica (L.).
Mittelmeersteinschmätzer.
Motacilla hispanica Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, I, p. 186 (1758— „Hispania“. Ex Edwards, Orn. nov. I, Taf, 31 und Text, wo ein schwarzkehliges und schwarzohriges ♂ von Gibraltar als ♂ und ♀ abgebildet und beschrieben sind).
Motacilla Stapazina Linnaeus, Syst. Nat. Ed. XII, I, p. 331 (1766— „Habitat in Hispania, Italia“. Ex Aldrovandi, Willughby, Edwards, Brisson. Absolut auf die westliche Form mit weiblicher Kehle bezüglich).
Vitiflora rufa Stephens, Shaw’s Gen. Zool. X, II, p. 569 (1817— „Gibraltar und Bologna“. Neuer Name für Mot. stapazina, nach denselben Autoren kompiliert. Zweifellos die westliche Form).
Oenanthe albicollis Vieillot, Nouv. Biet. d’Hist. Nat., nouv. ed., XXI, p. 424 (1818— Süd-Frankreich, Spanien, Italien).
Saxicola aurita Temminck, Man. d’Orn., 2. Ed., I, p. 241 (1820— Süd-Europa. Die Beschreibung stimmt besser auf die östliche Form, trotzdem bezieht sich der Name ganz oder größtenteils auf die westliche, weißkehlige Form, wie die Zitate und die Verbreitung beweisen,, zumal auch, daß der Autor Edwards’ Tafel 31 [siehe oben unter M. hispanica], die einen übertypischen westlichen Vogel von Gibraltar darstellt, sehr exakt nennt).
Sylvia rufescens Savi, Orn. Toscana I, p. 223 (1827— Toscana, Rom usw. Westliche weißkehlige Form).
Saxicola atrogularis Dubois, Ois. de l’Europe, 2. ser., I, p. 56 (1868— Portugal, Spanien, Italien, Pyrenäen, Süd-Frankreich, Kaspisches Meer, Tirol, Senegal, Ägypten, Nubien, Abyssinien. Taf. 56. Die Abbildung — besonders Ausdehnung des Schwarz аn der Kehle des ♂ — stellt die schwarzkehlige westliche Form dar, Beschreibung fehlt, Verbreitung Mischmasch).
Saxicola occidentalis Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova (2) III, p. 116 (1886— „Questa è la forma occidentale della Monachella gola nera“).
Vitiflora assimilis (partim!) Brehm, Vogelfang, p. 224 (1855— „Süd-Frankreich und Ägypten“. Weißkehlige Form).
Saxicola rufa longirostris (partim), brevirostris, crassirostris, aurita brevi- und longirostris (partim), aurita occidentalis(?), nigribarbata crassirostris, tenuirostris A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 5 (1866— nomina nudal).
Saxicola caterinae Whitaker, Ibis 1898, p. 624; B. Tunisia I, Taf. III (noch ein Name für die schon mindestens fünfmal sicher benannte westliche weißkehlige Form).
♂ ad. im Herbstkleide: Oberseite lebhaft hell ockerfarben, аn der Stirn etwas heller, am Bürzel in Weiß übergehend; Schulterfittiche teilweise schwarz, nämlich die nach dem Rücken zu liegenden Federn wie letzterer, die nach dem Flügel zu sich befindlichen schwarz, die Ausdehnung der beiden Farben nicht ganz konstant. Schwingen bräunlich schwarz, die Innenfahnen bräunlicher, die Außenfahnen reiner schwarz, Handschwingen, Handdecken und kleine Oberflügeldecken schmal weißlich ockergelb gesäumt, Armschwingen und größere Oberflügeldecken breiter und mehr fahl ockerfarben gesäumt; Innensäume der Schwingen mehr oder minder deutlich weißlich oder fahlgrau. Mittelstes Steuerfederpaar schwarz, nur аn der Wurzel etwa 1—1 1/2 cm weiß, die übrigen Steuerfedern weiß mit schwarzer
Endbinde, alle in frischem Gefieder mit ganz schmalen weißen Endsäumen; die schwarze Endbinde variiert sehr аn Ausdehnung, am äußersten Paare ist die Außenfahne meist über ein Drittel, die Innenfahne 1—2 1/2 cm schwarz, die übrigen zeigen 5—15 mm breite Bänder oder sogar nur kleine Flecke аn beiden oder nur аn den äußeren Fahnen. Zügel und großer damit in Verbindung stehender Fleck unter und hinterm Auge schwarz. Unterseite rahmgelb bis fahl ockerfarben, аn der Brust und am Kopf lebhafter ockerbraun; die Kehle ist entweder bis zum Kinn hinauf rahm- bis hell ockerfarben oder etwa 15—20 mm weit schwarz und von der Kropfgegend durch einen meist sehr deutlichen weißlichen Fleck getrennt. Unterflügeldecken, Axillaren, Schnabel und Füße schwarz, Iris braun. Durch Abnutzung und Ausbleichen wird dies Kleid im Frühjahr ganz anders: die Oberseite fahl ockerfarben bis fast weißlich rahmfarben, Flügel fast ganz schwarz, Unterseite rahmfarben bis fast weiß. Flügel аn 60 ♂ 89—94, Schwanz 64—69, Lauf 23—24.5, Culmen 16 —19 mm. — ♀ ad. Oberseite nicht lebhaft hell ockerfarben, sondern mehr schmutzig zimmtbraun, im Frühjahr in ein helles, fahles Zimmtbraun übergehend, Oberdecken wie der Rücken oder etwas dunkler. Unterseite ebenfalls mehr bräunlich, als beim ♂, im Frühjahr blasser. Unterflügeldecken schmutzig fahlbraun, nur nach der Wurzel zu schwarz. Flügel in der Regel 2— 4 mm kürzer. Daß bei dieser Form ♀ mit schwärzlicher Kehle vorkommen, konnte ich nicht feststellen, jedoch sind ♂ im ersten Herbstkleide dem ♀ sehr ähnlich, nur daß die Grundfarbe der Ohrdecken und Kehlfedern schwarz ist. und die Unterflügeldecken schwarz mit fahlbraunen Säumen. — Nestkleid: Oberseite hellbraun, Federränder dunkelbraun, Federmitten ausgedehnt weißlich, Bürzel und Oberschwanzdecken weiß. Unterseite blaß rahmfarben, Kropf und Vorderbrust mit braunen Federsäumen. Flügel und Schwanz wie bei den alten Vögeln im Herbstkleide. — 3. und 4. Schwinge gleich und am längsten, 5. etwas kürzer, 1. zwischen der 5. und 6., seltener länger als die 5., 1. etwas länger als die Handdecken, 3. und 4. immer, 5. mitunter nur undeutlich, oft аber ebenso stark vor der Mitte verengt.
Brutvogel in den Mittelmeerländern West-Europas: In den Mittelmeerprovinzen Südfrankreichs, vereinzelt bis in dаs südliche Savoyen, in Portugal und Spanien, Italien bis in die Südabhänge der Alpen, Südtirol, südlich des Brenner und Istrien, auf den Inseln und in Nordwest-Afrika: Marokko, Algerien, Tunesien und Tripolis; hauptsächlich nördlich des Atlas, inmitten desselben, auf nicht zu hohen Plateaus, und аn den Südabhängen, jedenfalls niemals in der eigentlichen Wüste brütend. — Zugvogel, der die westliche Sahara durchwandert und südlich bis Senegambien beobachtet wurde. — Zweimal verflogen in England und Helgoland.
Man findet diesen Steinschmätzer in allerlei steinigem Gelände, Steinhalden, Feldern, kurzgrasigen Triften, аn Wegen, sehr häufig auch in Weinbergen, wenn nur Steine, Mauern u. dgl. Plätze vorhanden sind, unter denen und in deren Löchern und Ritzen er nisten kann. Meade-Waldo will ihn zwar ausnahmsweise in großen Höhen im Atlas beobachtet haben, аber in der Regel geht er nicht sehr hoch ins Gebirge. In seiner Lebensweise stimmt er ganz mit andern Steinschmätzern überein. Der Gesang besteht aus einer kurzen, aus pfeifenden und gepreßten, schnarrenden Lauten zusammengesetzten echt steinschmätzerartigen Strophe, und wird in zuckendem, wippendem Fluge sowohl als im Sitzen vorgetragen. Das Nest steht unter Steinen, in Ritzen und Löchern аn Felsen und Uferwänden, in Mauern, аn verlassenen Gebäuden usw. Es ist ziemlich lose gebaut, die Ausfütterung enthält meist, аber nicht immer Pferdehaare und es enthält im Mai 4—5 Eier. Letztere sind auf licht blaugrünem, mattglänzendem Grunde mit matt rotbraunen, meist auch einigen blaßvioletten Schalenflecken, Flecken und Punkten gezeichnet. 60 Eier (34 Jourdain, 13 Koenig, 7 Erlanger, 6 Hartert) messen im Durchschnitt 19.83 x 15.28, Maximum 21.5 x 15.1 und 21 x 16, Minimum 17 x 14 mm.
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Brehm
Unser einheimischer Steinschmätzer, Steinfänger, Steinquaker, Steinelster, Steinklitsch, Steinfletscher, Steinpicker und Steinbeißer, Weißschwanz, Weißbürzel, Sommer- und Totenvogel usw., Saxicola oenanthe L. (Abb., S. 155), ist auf der Oberseite hell aschgrau, auf dem Bürzel und der Unterseite, mit Ausnahme der rostgelblichen Brust, weiß; die Stirn und ein von ihr aus verlaufender Augenstreifen sind weiß, ein Zügelfleck, die Flügel und die beiden mittleren Schwanzfedern schwarz, die übrigen am Grunde weiß, аn der Spitze schwarz. Die Iris ist braun, der Schnabel und die Füße sind schwarz. Im Herbste nach der Mauser zieht die Färbung der Oberseite ins Rostfarbige, die der Unterseite ins Rostgelbliche. Beim Weibchen herrscht Rötlichaschgrau vor; die Stirn und der Augenstreifen sind schmutzig weiß, die Zügel mattschwarz, die Unterteile lichtbräunlich rostfarben, die rauchschwarzen Flügelfedern lichtgelblich gesäumt. Die Länge beträgt 16, die Breite 29, die Flügellänge 9, die Schwanzlänge 6 cm. Das Weibchen ist um mehrere Millimeter kürzer und schmäler. Die Jungen sind, nach Friderich, im ersten Kleide oben matt rostgrau mit gelblichweißen Schaftflecken, unregelmäßig dunkel braungrau geschuppt, auf dem Bürzel weiß mit grauen Schmitzchen.
Es ist fast leichter, zu sagen, in welchen Ländern der Steinschmätzer nicht gefunden wird, als anzugeben, wo er vorkommt. Brutvogel ist er von den Pyrenäen und dem Parnaß аn bis zu den Färöer, den Lofoten und nach Lappland hinauf sowie auf Island; in Lappland ist er аn der Meeresküste besonders häufig, ebenso in allen Ländern Asiens, die ungefähr unter derselben Breite liegen, wogegen er in der Neuen Welt auf den Norden Alaskas beschränkt zu sein scheint. Gelegentlich seiner Winterreise durchwandert er mehr als die Hälfte Afrikas: ich habe ihn im Sudan beobachtet, andere Forscher trafen ihn in Westafrika an. Dasselbe gilt für Asien: in Indien ist er, laut Jerdon, ein wenn auch seltener Wintergast der nördlichen Provinzen. — Eine sehr ähnliche, nur größere Unterart, Saxicola oenanthe leucorhoa Gm., die auf dem Zuge vereinzelt auch nach Deutschland gelangt ist, vertritt unseren Steinschmätzer in Nordamerika.
Der Rötel- oder Ohrensteinschmätzer, Saxicola hispanica L. (aurita, stapazina), ist um wenige Millimeter kleiner als unsere Art, oberseits hell ockerfarben, unterseits graurötlichweiß, аn der Kehle entweder ebenso gefärbt oder schwarz, wobei dann zwischen Kehle und Kropf noch ein weißlicher Fleck vorhanden ist; ein schmaler Streifen vom Schnabelrande zum Auge und ein länglicher Wangenfleck, der jenes teilweise umschließt, der Flügel, die beiden mittleren Schwanzfedern und die Spitze der übrigen аber sind schwarz. Er ist Brutvogel in Südfrankreich, Italien, Portugal, Spanien, Istrien und Südtirol sowie Nordwestafrika von Marokko bis Tripolis; er überwintert in Westafrika.
In Südrußland, Kleinasien, Palästina, Ägypten und Abessinien brütet außerdem der unserer deutschen Art nahe verwandte, etwas größere, oberseits fahl sandbraun, auf dem Bürzel lebhafter, unterseits fahl isabellgelb gefärbte Isabellsteinschmätzer, Saxicola isabellina Crtzschm.; Osteuropa besucht zuweilen der Asien entstammende, auf Kopf, Vorder- und Hinterhals, der Oberseite und den beiden mittleren Schwanzfedern schwarze, im übrigen weiße Nonnensteinschmätzer, Saxicola pleschanka Lepech.
Gegenden, in denen Steine vorherrschen, sind die Lieblingsplätze aller genannten Steinschmätzerarten. Selten im bebauten Lande, finden sich diese Vögel regelmäßig bereits da, wo zwischen den Feldern Felsblöcke hervorragen, Steinmauern aufgeschichtet oder Steinhaufen zusammengetragen wurden. In dem аn Steinen reichen Schweden, in Süddeutschland, in der Schweiz ist unser Steinschmätzer gemein; in Skandinavien darf er als eines der nördlichsten Tiere überhaupt betrachtet werden. Ich habe ihn überall angetroffen, wo ich hinkam, in Lappland ebensowohl wie in der Nähe der Gletscher des Galdhöpig, der Furka oder des Großglockners. In den Schweizer Alpen steigt er bis über den Gürtel des Holzwuchses empor. In ähnlicher Weise leben die übrigen Arten. Sie sind die Bewohner der wüstesten Gegenden und der eigentlichen Wüste selbst; sie gewahrt mаn noch inmitten der glühenden Öde, wo alles Leben erstorben zu sein scheint.
Unser Steinschmätzer, auf den ich meine Schilderung beschränken darf, ist ein höchst beweglicher, munterer, gewandter, unruhiger, flüchtiger, ungeselliger und vorsichtiger Vogel. Er liebt allein zu wohnen und lebt mit keinem andern Vogel in engerem Vereine. Nur auf dem Zuge und noch mehr in der Winterherberge vereinigt er sich mit Angehörigen anderer Arten seiner Gattung; аber niemals geht er mit ihnen einen Freundschaftsbund ein. Es kommt wohl vor, daß zwei Pärchen nahe beieinander hausen und brüten, sie liegen аber dann fortwährend in Hader und Streit. Wer beobachtet, muß den Steinschmätzer bald bemerken. Dieser wählt sich stets den höchsten Punkt seines Wohnkreises zum Ruheplatz; in aufrechter Haltung sitzt er auf dem Felsen, jedoch niemals still, schlägt wenigstens von Zeit zu Zeit mit dem Schwanze nach unten und macht wiederholt Bücklinge, zumal wenn er etwas Auffallendes bemerkt. Die Spanier nennen ihn und andere Arten deshalb „Sakristan“, und alle Steinschmätzerarten machen diesem Namen Ehre. Auf dem Boden hüpft unser Vogel mit schnellen und kurzen Sprüngen dahin, so rasch, daß er, wie Naumann sagt, hinzurollen scheint. Aber im schnellsten Laufe hält er plötzlich an, wenn ein Stein im Wege liegt; gewiß klettert er auf die Erhöhung, bückt sich wiederholt und setzt erst dann seinen Weg fort. Der Flug ist ausgezeichnet. Immer fliegt der Steinschmätzer dicht über dem Boden dahin, auch wenn er kurz vorher auf einer bedeutenden Höhe saß und sich erst in die Tiefe hinabgesenkt hat. Er bewegt die Flügel sehr rasch und streicht in einer fast geraden, aber, genau besehen, kurzbogigen Linie über der Erde fort, gewöhnlich nach einem ziemlich weit entfernten zweiten Sitzpunkte hin, zu dessen Höhe er förmlich in der Luft emporklettert, indem er, am Fuße angelangt, sich wieder nach oben schwingt. Naumann sagt sehr treffend, daß der so dahinfliegende Vogel, weil mаn seinen weißen Bürzel am deutlichsten wahrnimmt, аn eine vom Winde fortgetragene Gänsefeder erinnert. Nur während der Zeit der Liebe ändert dаs Männchen seine Flugbewegung. Es steigt dann in schiefer Richtung 6—10 m in die Luft empor, singt dabei fortwährend, fällt hierauf mit hoch emporgehobenen Schwingen wieder schief herab und beendet sein Lied, nachdem es unten angekommen ist. Es lockt „giuv giuv“ und hängt diesem sanft pfeifenden Laute gewöhnlich, zumal wenn es in Aufregung gerät, ein schnalzendes „Tack“ an. Der sonderbare und nicht gerade angenehme Gesang besteht meist auch nur aus wenigen Strophen, in denen vorzüglich der Lockton und krächzende Laute abwechseln. Doch gibt es auch unter Steinschmätzern einzelne Meistersänger, die ziemlich gute Spottvögel sind; außerdem sucht jeder durch Eifer zu ersetzen, was ihm аn Begabung abgeht: der Steinschmätzer singt mit wenigen Unterbrechungen vom frühen Morgen bis zum späten Abend und oft noch mitten in der Nacht.
Kleine Käfer, besonders Laufkäferchen, Schmetterlinge, Fliegen, Mücken und deren Larven, sowie, nach MacGillivray, Schneckchen und Würmer sind des Steinschmätzers Nahrung. Von seinem hohen Standpunkte aus überschaut der Vogel sein Gebiet, und sein scharfes Auge nimmt jedes Wesen wahr, dаs sich auf dem Boden oder in der Luft bewegt. Laufenden Insekten jagt er zu Fuße nach, fliegende verfolgt er nach Rotschwanzart bis hoch in die Luft.
Das Nest steht regelmäßig in Felsenritzen oder Steinlöchern, seltener in Holzstößen, unter alten Stämmen, in Erdhöhlen, unter überhängenden Felsen oder selbst in Baumlöchern, stets wohl verborgen und immer von obenher geschützt. In vielen Gegenden Deutschlands findet der Steinschmätzer kaum noch geeignete Niststätten, leidet аn Wohnungsnot und nimmt, falls er nicht vorzieht, auszuwandern, mit jeder Höhlung vorlieb. Das Nest ist ein wirrer, liederlicher, dickwandiger Bau aus feinen Würzelchen, Grasblättern und Halmen, der innen mit Tier- oder Pflanzenwolle, Haaren und Federn dicht und weich ausgefüttert ist. Das Gelege bilden 5—7, meist аber 6 dickbäuchige, zartschalige Eier von sanft bläulicher oder grünlichweißer Färbung, die durch dаs Bebrüten dunkler wird; nur ausnahmsweise findet mаn mit bleichen, gelbroten Punkten gezeichnete. Reys Sammlung enthält eins mit ziemlich großen, am stumpfen Pole gehäuften Punkten. Die Eier haben 21 mm Längs-, 15 mm Querdurchmesser (Eiertafel V, 4 u. 5). Auf der zu der Hebrideninsel Lewis gehörigen Halbinsel Harris ist der Vogel so häufig, daß die Knaben, laut MacGillivray, seine sehr wohlschmeckenden Eier als Nahrungsmittel suchen. Das Weibchen brütet fast allein; in die Erziehung der Jungen teilen sich аber beide Geschlechter mit gleichem Eifer. Ihre Sorge um die Brut ist sehr groß. Solange dаs Weibchen auf den Eiern sitzt, hält dаs Männchen in geringer Entfernung von dem Neste förmlichWache und umkreist jeden herannahenden Feind mit ängstlichem Geschrei. Das Weib-chen nimmt bei großer Gefahr zu Verstellungskünsten seine Zuflucht. Gewöhnlich brütet dаs Paar nur einmal im Jahre, und zwar im Mai, nach MacGillivray аber in Großbritannien zweimal: dаs erstemal von Mitte Mai bis in den Juni, dаs zweitemal vor Ende Juli. Die ausgeflogenen Jungen verweilen bis zu dem Wegzuge bei den Alten und treten mit diesen gemeinschaftlich ihre Reise an. Sie verschwinden Ende September und kehren im März wieder zurück.
Alt eingefangene Steinschmätzer gewöhnen sich schwer, aus dem Neste gehobene Junge leicht аn den Verlust der Freiheit, gewinnen sich аber nur kundige Beobachter zu Freunden.