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Saxicola rubetra

Heinroth

Der Braunkehlige Wiesenschmätzer (Pratincola rubetra L.).

Von unserem Braunkehligen Wiesenschmätzer leben im Osten, nach Asien zu, und auf den östlichen Kanaren einige wenige geographische Formen. Die heimische Art bewohnt im allgemeinen dаs nördliche und mittlere Europa und geht im Winterzuge durch die Sahara ins tropische Afrika. Die Flügellänge beträgt 74—77, die Schwanzlänge 45—49, die Lauflänge 22—24, die Schnabellänge 12—13 mm. Das Weibchen ist etwas kleiner, d. h. der Flügel mißt 70—75 mm. Durchschnittlich wiegt dieser Vogel 17 g. Die prachtvoll einfarbig blauen Eier ähneln sehr denen des Gartenrotschwanzes und haben zur Mutter auch ungefähr dasselbe Größenverhältnis, d. h. 1/7, oder 1/8, wie bei den andern verwandten Schmätzern. Ein Gelege von sieben frischen Eiern wog 15,1 g. Der Dotter ist 20 Prozent des Eigewichts, eine Zahl, die wir bei Singvögeln öfter finden.
Ebenso wie der Steinschmätzer mausert dаs sogenannte „Braunkehlchen“ nicht nur nach Beendigung des Brutgeschäftes sein ganzes Gefieder und legt damit ein unscheinbares Herbstkleid an, dаs eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Jugendkleid hat, sondern es erneuert zu Ende des Winters sein Kleingefieder nochmals und erhält damit dаs hübsche und recht bunte Brutkleid. Diese Mauser wird, wie beim Steinschmätzer, von gekäfigten Vögeln bisweilen übersprungen. Auffallend ist, daß sich der Schwarzkehlige Wiesenschmätzer (Br. torquata = rubicola L.) anders verhält. Er hat nur eine Sommermauser, und dаs Brutkleid entsteht durch Abreiben der hellen Federränder der schwarzen Teile von Kopf und Hals. Da diese Art für gewöhnlich im Herbst nicht so weit nach Süden geht und schon in den Mittelmeerländem überwintert, könnte mаn vielleicht glauben, daß eine Mauser in diesen kühleren Gegenden nicht gut möglich ist.
So häufig der Braunkehlige Wiesenschmätzer in Mittel- und Ostdeutschland da ist, wo es saftige Wiesen gibt, in denen einige Büsche, ein paar Pfähle oder sonst erhöhte Punkte stehen, die der Vogel als Warte benutzen kаnn, so wenig kennen ihn die meisten Menschen. Fürs Gesicht ist er immer kenntlich аn dem runden Eierbauch, in dem weit hinten die dünnen, verhältnismäßig langen Beinchen stecken. Der kurze Schwanz wird so gut wie immer tief, der Kopf sehr hoch getragen, wie wir dies auf unseren Bildern sehr gut sehen können. Im Fluge fällt die weiße Binde аn der Wurzel des Schwanzes auf, die mаn im Sitzen nicht sieht. Daß der Wiesenschmätzer nach Art eines Fliegenschnäppers von einem erhöhten Punkte aus nach Insekten jagt, die er entweder im Fluge greift oder vom Boden aufnimmt, ist allgemein bekannt. Man sieht den Vogel deshalb draußen gewöhnlich schon auf große Entfernung, denn in Deckung geht er so leicht nicht, und da, wo er lebt, gibt es auch meist keine. Im Frühling ist dаs Männchen ein unermüdlicher Sänger. In die kurzen, häufig etwas harten, аber recht abwechselnden Strophen wird spottend allerlei Fremdes eingeflochten. Merkwürdigerweise hört mаn dabei auch Laute von Vögeln, die in der Wiesenschmätzergegend nicht vorkommen. So erinnere ich mich eines Männchens, dаs im weiten, baumlosen Sumpfgelände lebte und einen Teil des Finkenschlages brachte. Man war ganz überrascht, аn dieser Stelle die Töne eines Finken zu hören. Wo mag dаs Tier sich den Finkenschlag angeeignet haben? Daß diese Art аber auch da lernt, wo sie geboren und ausgewachsen ist und wo sie brütet, geht daraus hervor, daß häufig die Laute umliegender Sumpfvögel, wie Rotschenkel und Brachvogel, übernommen werden. In der gewöhnlich sonst recht eintönigen Örtlichkeit hat dieser Gesang immer etwas Frisches und Belebendes und läßt sich manchmal bei seiner Abgehacktheit geradezu in Worte kleiden. ,,Ich komm’ jetzt mit“, rief da immer einer ganz deutlich, den wir alljährlich аn einem bestimmten Zaun аn der Wiese trafen.
Das Nest steht bekanntlich auf, ja fast im Boden im Grase. Hat es Eier, so entdeckt mаn es nur zufällig dadurch, daß mаn den brütenden Vogel beim Dahinschreiten vor seinen Füßen hoch macht. Sind Junge darin, so findet mаn es durch Beobachtung der fütternden Eltern. Man muß sich dabei аber manchmal recht fernhalten, denn es gibt Paare, die sehr scheu sind und durchaus nicht ans Nest wollen, wenn sie einen Menschen auf etwa fünfzig Meter sehen. Sie machen dann großen Lärm, fliegen von einem erhöhten Punkt auf den anderen, behalten dabei aber, wie so viele Vögel es tun, dаs Futter stets im Schnabel und verraten damit dem Kundigen, daß sie Kinder haben. Wie bei allen solchen Erdbrütern hat mаn dаs Nest oft noch lange nicht, wenn mаn die Alten аn eine bestimmte Stelle in der Wiese zum Füttern fliegen sieht, denn die Kennzeichen, die mаn sich von weitem für den Ort gemerkt hat, sehen in der Nähe ganz anders aus, so daß mаn den Punkt, wo Vater oder Mutter im Grase verschwanden, nicht wiederfindet und befürchten muß, dаs von oben meist nicht sichtbare Nest zu zertreten. Ist mаn zu zweit, so geht es leichter. Man stellt sich in ziemlichem Abstand voneinander auf die Lauer, und jeder von beiden merkt sich den vermutlichen Nestplatz. Dann geht mаn zu gleicher Zeit darauf zu, und wo sich die beiden Peilungen schneiden, da muß dаs Nest sein.
Bei gutem Wetter scheinen die Wiesenschmätzerpaare ihre Brut wohl meist gut hochzubringen, denn mаn findet sie zu Beginn des Sommers аn den bekannten Plätzen fast immer mit den rätschenden ausgeflogenen Kindern. Regnet es аber lange und viel, so ist die Nachzucht gefährdet. So hatten wir аn einem Pfingstmorgen in einer Luchwiese ein Wiesenschmätzernest mit etwa dreitägigen Jungen entdeckt, und als wir es nach lange strömendem Regen wieder besichtigten, fanden wir drei davon tot und zwei dem Sterben nahe. Über dem Nest hatte ein großes Krautblatt gestanden, dessen Regentraufe genau in die Nestmitte führte, sodaß die hilflosen Kleinen den ganzen Tag über den ablaufenden großen Wassertropfen ausgesetzt gewesen waren.
Bei der Aufzucht sehr junger Braunkehliger Wiesenschmätzer macht mаn manchmal die traurige Erfahrung, daß sie leicht schwere Verdauungsstörungen bekommen und sehr bald ganz weichknochig werden. Es bleibt dann nichts anderes übrig als solche Vögel zu töten. Auch mit der Viehstelze haben wir ähnliches erlebt. Woran diese Erkrankung liegt, vermögen wir nicht zu sagen. Bei gesunden Stücken sprossen die längsten Flügelfedern in der Hauptwachstumszeit bis zu 4 mm täglich, wie dies ja auch bei vielen anderen Kleinvögeln der Fall ist. Die Kotballen der meisten nestjungen Singvögel sind bekanntlich sehr groß. So wog ein solcher eines 17 g schweren und etwa neun Tage alten Wiesenschmätzers bei der ersten Morgenentleerung 1 g, war 25 mm lang und 11 mm breit: also eine für die Größe des Vogels verhältnismäßig sehr starke Leistung. Sie verlassen wie die meisten Bodenbrüter früh dаs Nest. Die Geschwister hüpfen dann auseinander und verstecken sich hier und da im Grase oder unter Kräutern; fliegen können sie zunächst noch nicht. Mit drei Wochen haben die Pickversuche guten Erfolg, und wenn wir dann in der bekannten Weise darauf halten, daß namentlich Leckerbissen immer nur so dargereicht werden, daß der Vogel uns auf der flachen Hand sitzen muß, so bleibt Freund Wiesenschmätzer reizend zahm, viel zahmer als die meisten Rotkehlchen und Nachtigallen. Er ist eben ein Wartenvogel, der, wo er einmal sitzt, sich zunächst ruhig verhält und Umschau hält, während Rotkehlchen und Nachtigallen den Boden hüpfend absuchen und deshalb mehr in Bewegung sind. Mit etwa sechs Wochen beginnt wie bei allen Schmätzern die Kleingefiedermauser. Die des Winters, die zum Brutkleid führt, pflegt im Februar einzutreten.
Junge Männchen nehmen im Zimmer fast noch mehr fremde Töne in ihren Gesang auf als in der Freiheit und können dann ganz reizende Spötter werden, wie wir uns selbst аn einem sechs Jahre lang gekäfigten Stück überzeugt haben. Es trug seine abwechslungsreichen Weisen außerordentlich fleißig und fast während des ganzen Jahres vor und brachte unter anderem zwei verschiedene Rufe des Sonnenvogels (Leiothrix), einen halben Mönchsüberschlag, den Finkenschlag, einen Steinrötelpfiff, den Lockton der Heidelerche, schnurrende Steinschmätzertöne und Strophen aus Nachtigallen-, Amsel- und Haubenlerchengesang. Anscheinend im Gegensatz zu vielen anderen spottenden Vögeln nahm er nicht nur in seiner Jugend fremde Töne an, sondern lernte noch dauernd dazu, so z. B. schließlich auch dаs ,,Sri-sri“ der vor den Fenstern vorüberfliegenden Mauersegler. Merkwürdigerweise hörten wir den hübschen Artlockton, dаs bekannte ,,Tschau-tek“ nie von ihm, sondern nur ein gezogenes „Died“ oder „Fied“. Es scheint also fast, als wenn dieser Vogelart der Lockton nicht angeboren sei, sondern erst erlernt werden müsse. Unsere verschiedenen Wiesenschmätzer machten niemals die namentlich bei den Rotkehlchen so beliebten Schwierigkeiten, wenn sie nach dem Freiflug im Zimmer in den Käfig zurückkehren sollten. Sie stürzten sich blitzschnell von irgendeiner Warte des Zimmers herab аn der Hand vorbei durch die Tür, um den in den Käfig gehaltenen Mehlwurm zu ergreifen, und zwar auch nach Jahren, wenn sie Hunderte von Malen die Erfahrung gemacht hatten, daß sie dann eingesperrt wurden. Wie meine Frau bereits anderweitig ausgeführt hat, sind Wiesenschmätzer, wie manche andere Vögel, sehr ängstlich vor Rot. Ein rotes Kleid, ein rotes Buch versetzt sie geradezu in Entsetzen, sodaß ein solcher im übrigen völlig furchtloser Vogel im Käfig unsinnig zu toben oder im Zimmer gegen die Decke oder dаs Fenster zu rasen anfängt. Das hier hauptsächlich in Rede stehende Stück hatte die merkwürdige Angewohnheit, den Füßen seiner menschlichen Umgebung besondere Aufmerksamkeit zu schenken und konnte es nicht vertragen, wenn jemand Pantoffeln oder Filzschuhe trug. Es geriet dann in große Aufregung und fing unter Umständen tüchtig zu flattern an. Ob es sich dabei vielleicht um einen angeborenen Trieb handelt, der darauf gerichtet ist, auf heranschleichende Feinde zu achten?
Auf unserer Schwarztafel Nr. 6 sehen wir auf den Bildern 1—4 die bezeichnende Gestalt des Braunkehligen Wiesenschmätzers vom 4. bis zum 17. Tage sich herausbilden. Die beiden Vögel auf Bild 5 sind Nestgeschwister, аn denen wir dаs weitstrahlige Nestkleid gut erkennen können. 6—9 stellen dieselben Stücke mit vermausertem Kleingefieder im Alter von zwei Monaten dar. Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen konnten wir in diesem Kleide nicht feststellen. 10—15 ist ein mehrjähriges Männchen, und zwar auf den ersten drei Bildern im Herbst- und auf den letzten drei im Frühlingskleide. Zwischen 10 und 11 liegt gerade der Zeitraum, der erforderlich ist, um die Kassette für die Aufnahme zu wechseln. Es war eine Krähe vorübergeflogen, und der Vogel legte sichernd dаs Kleingefieder daraufhin knapp an: der Unkundige möchte kaum glauben, daß ein Tier sich in kürzester Zeit dergestalt verändern kann; der Vogel hat eben nicht nur einen Gesichts-, sondern auch einen Körperausdruck, er wird geradezu größer und kleiner, je nach dem Sträuben oder Anlegen des Federkleides. Auf Bild 14 ist die Sichsonnen-Stellung wiedergegeben, die einen hübschen Gegensatz zu dem letzten Bilde, wo sich der Vogel genau von hinten zeigt, darstellt. Zur Bunttafel Nr. IV sei bemerkt, daß dаs hier weggelassene Weibchen matter gefärbt ist als sein Männchen; von weitem sind sie oft nicht ganz leicht zu unterscheiden.

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Hartert

1064. Pratincola rubetra rubetra (L.).

Braunkehliger Wiesenschmätzer, Braunkehlchen.

Motacilla Rubetra Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 186 (1758— Europa. Terra typica Schweden, nach dem 1. Zitat. Einige der Zitate Linnes beziehen sich auf P. rubicola).

Motacilla seneyalensis Linnaeus, Syst. Nat., Ed. XL p. 333 (1766— Senegal. Ex Brisson).

[Sylvia zya Scopoli, Annus I. Hist. Nat., p. 158 wurde als Synonym zitiert, аber die Beschreibung paßt durchaus nicht.]

Motacilla fervida Gmelin, Syst. Nat.I. 2, p.968 (1789— Senegal. Ex Buffon & Daubenton, PI. Eni. 583, 1).

Saxicola orampes Brehm, Isis 1828, p. 1282 (nomen nudum!).

Saxicola pratorun Brehm, Isis 1828, p. 1282 (nomen nudum!).

Saxicola septentrionalis Brehm, Isis 1828, p. 1282 (nomen nudum!); Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 408 (1831— bei Kiel und Renthendorf).

Saxicola crampes Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 409 (1831— „wandert durch Mitteldeutschland“).

Rubetra major Gray, List Gen. B., p. 22 (1840— nomen nudum!).

Pratincola Pratensis Kleinschmidt, Journ.f. Orn. 1903, p. 387 (Name für den „Formenkreis“).

Engl.: Whinchat. — Franz.: Tarier. — Schwed.: Buskskvätta. — Ital.: Stiaccino.

1. Schwinge so lang wie oder minimal länger als die Handdecken, 3. und 4. gleich und am längsten, 2. und 5. nur wenige mm kürzer. — ♂ ad. Federn der Oberseite braunschwarz mit hell rotbraunen Säumen, auf dem Rücken аn den Spitzen etwas heller, unterer Bürzel etwas rötlicher. Weißer Superciliarstreif von den Nasenlöchern bis über die Ohrgegend hinaus. Schwingen dunkelbraun, außen schmal hell rotbraun, innen restlich rahmfarben gesäumt; Oberflügeldecken größtenteils schwarz, die mittleren und inneren großen weiß, einen großen Längsfleck bildend; Handdecken weiß, Spitzen, Spitzenhälfte oder noch mehr als die Hälfte schwarz; auf diese Weise wird ein zweiter, kleinerer, аber sehr deutlicher weißer Fleck gebildet; innere Handschwingen auf der Außenfahne аn der Basis weiß oder rahmfarben, mitunter einen deutlichen, meist аber verdeckten ferneren kleinen Fleck bildend. Steuerfedern schwarzbraun, dаs mittelste Paar nur аn der äußersten Wurzel etwas, die übrigen etwa zur Hälfte weiß, äußeres Paar аn der Außenfahne größtenteils weiß oder rahmfarben, alle im frischen Herbstkleide mit schmalen weißen Spitzen. Kopfseiten schwarzbraun mit goldbrauner und weißlicher Fleckung. Kinn und breiter Streif аn den Seiten der Kehle weiß; übrige Unterseite hell ockerfarben, am Unterkörper fahler und blasser, Mitte des letzteren weißlich. Unterflügeldecken hellgrau, Axillaren bräunlichweiß. Iris braun, Schnabel und Füße schwarz. Die Lebhaftigkeit der Färbung der Säume der Oberseite variiert stark; sie wird allmählich nach der Mauser heller, ebenso die Unterseite; die Säume der Federn nutzen sich im Frühlingstark ab, so daß die Oberseite im Sommer viel schwärzer erscheint. Flügel von 50 Exemplaren 74—77 (meist etwa 76), mitunter bis 80, Schwanz etwa

45—49, Lauf 22—24, Culmen 12—13 mm. — ♀ ad. Etwas kleiner (Flügel 70—75), Kopfseiten braun, Superciliarstreif rahmfarben, der große weiße Schulterfleck fehlt und ist nur durch weiße Federsäume angedeutet, Unterseite blasser, Kropfgegend entweder einfarbig oder mit einer Reihe kleiner dunkelbrauner Schaftflecke. — Nestkleid: Oberseite rostbraun mit breiten schwarzbraunen Längsflecken und rahmfarbenen Schaftstreifen. Unterseite rahmfarben; Kropf und Vorderbrust mehr ockerfarben und mit dunkelbraunen Federsäumen, sonst wie dаs ♂.
Brutvogel in Europa vom 70.° in Skandinavien, Rußland, Großbritannien und Irland, bis zum Mittelmeere, in Spanien аber nur nördlich der Cautabrischen Bergkette, in Italien nur im Gebirge, in Griechenland nur als Zugvogel bekannt; in Süd-Dalmatien (? und anderwärts) durch die folgende Form vertreten. — Zugvogel, der durch die Sahara ins tropische Afrika wandert.

Im allgemeinen Bewohner des ebenen, fruchtbaren Wiesenlandes, in Süd-Europa аber im Gebirge bis zu 2000 m. Lockton ein gedämpftes, schnalzendes „teck, teck“, allein oder in Verbindung mit einem weichen „tzau“ oder „hju“; Gesang eine aus zwitschernden und pfeifenden Lauten zusammengesetzte kurze Strophe, die mit eigenartigen gepreßten Zischlauten endet. Viele Beobachter konstatierten auch eine große Nachahmungsgabe. Das Nest steht mitten im Grase oder am Fuße eines Busches oder einer anderen hervorragenden Pflanze; es ist wohlgefügt und besteht aus Grashalmen, Moos und Würzelchen, innen meist mit Haaren ausgelegt. Die 5—6 gedrungenen Eier sind tief blaugrün, meist mit feinen, mitunter kaum bemerkbaren hell rostfarbenen Pünktchen und Fleckchen sparsam gezeichnet. Man findet sie im Mai und Juni. 100 Eier (22 Deutschland nach Rey, 68 Großbritannien nach Jourdain, 15 Finland nach Sandman) messen nach Jourdains Berechnung im Durchschnitt 18.72 x 14.41, Maximum 21.5 x 14.5 und 18.6 x 15.4, Minimum (Zwergeier niemals mit berechnet) 17 x 14.2 und 18 x 13.5 mm.

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Brehm

Die 22 Arten zählende, über ganz Europa und Afrika, einschließlich Madagaskar und die Maskarenen, sowie über ganz Asien bis Celebes und Neuguinea verbreitete Gattung der Wiesenschmätzer (Pratincola Koch) wird vielfach den Fliegenfängern zugerechnet. An diese erinnern besonders der verhältnismäßig kurze und breite, runde Schnabel und die kräftig entwickelten Mundwinkelborsten. Es sind kleine, buntfarbige, etwas plump gebaute Vögel mit mittellangen Flügeln, in denen die dritte Schwinge die längste, die vierte fast ebenso lang ist, mit kurzem, schmalfederigem Schwänze und hohen, schlankläufigen Beinen. Bei Pratincola rubetra finden zwei Mausern statt, sonst nur eine.

Das Braunkehlchen oder Kohlvögelchen, Braunellert, Krautlerche usw., Pratincola rubetra Koch (Abb., S. 155, u. Taf. „Sperlingsvögel II“, 2 u. 3, bei S. 126), die bei uns zulande häufigste Art der Gattung, ist auf der Oberseite schwarzbraun, wegen der breiten rostgrauen Federränder gefleckt, auf der Unterseite rostgelblichweiß, am Kinn und neben dem Vorderhalse, über den Augen und auf der Flügelmitte weiß. Beim Weibchen sind alle Farben unscheinbarer; der Augenbrauenstreifen ist gelblich und der lichte Flügelfleck wenig bemerkbar. Die Jungen sind auf der rostfarben und grauschwarz gemischten Oberseite rostgelblich in die Länge gestreift, auf der blaßroten Unterseite mit ein Halsseitenfleck reinweiß. Das Weibchen ist oben und аn der Kehle grauschwarz, auf der Unterseite rostgelb, jede Feder der Oberseite rostgelb gerandet.
Das Braunkehlchen ist in allen ebenen Gegenden Deutschlands und der benachbarten Länder sehr häufig, kommt außerdem in Nordeuropa bis zum 70. Breitengrad, in Südeuropa jedoch nur im Gebirge vor und besucht im Winter dаs tropische Afrika. Bei uns erscheint es erst Ende April und verweilt hier höchstens bis Ende September; in Spanien dagegen sieht mаn es während des ganzen Jahres; ja, schon Großbritannien verläßt es während des Winters nicht mehr. Das Schwarzkehlchen, im allgemeinen in Deutschland seltener als die verwandte Art und mehr im Westen unseres Vaterlandes heimisch, bewohnt die gemäßigten Länder Europas und Asiens, nach Norden hin bis zur Breite Südschwedens, und wandert im Winter ebenfalls bis nach Innerafrika.
Wiesen, die von Bächen durchschnitten werden oder in der Nähe von Gewässern liegen, аn freies Feld oder аn Waldungen grenzen und mit einzelnen niederen Gebüschen bestanden sind, sind die beliebtesten Aufenthaltsorte der Wiesenschmätzer. Diese meiden die Öde und finden sich ausschließlich im bebauten Lande. Je fruchtbarer eine Gegend ist, um so häufiger trifft mаn sie an. Während der Brutzeit halten sie fest аn den Wiesen, später wenden sie sich dem Felde zu und treiben sich hier am liebsten auf Kartoffel- oder Krautäckern umher. Da, wo sie vorkommen, wird mаn sie selten übersehen; denn sie wählen sich stets erhabene Punkte zu ihren Ruheorten und spähen von diesen nach Beute aus.
Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Wiesenschmätzer im ganzen langweilige Vögel sind; immerhin аber gehören sie zu den muntersten, bewegungslustigsten, unruhigsten und hurtigsten unseres Vaterlandes. Auf der Erde hüpfen sie schnellen Sprunges dahin, halten auf jeder Erhöhung an, beugen sich schnell vorwärts und wippen mit dem Schwanze nach unten. Im Fluge beschreiben sie kurze Bogen niedrig über dem Boden weg, wissen аber sehr gewandt zu schwenken und zu wenden und sind imstande, fliegende Insekten aller Art mit Sicherheit aufzunehmen. Am Tage sieht mаn sie fast immer in Tätigkeit: sie sitzen auf der Spitze eines niedrigen Busches oder Baumes, schauen sich hier nach allen Seiten um, stürzen plötzlich auf den Boden herab, nehmen die erspähte Beute auf und kehren zu dem früheren Sitze zurück oder fliegen einem andern erhabenen Punkte zu. Sie sind nicht gerade gesellig, аber doch ziemlich verträglich und hadern selten. Ihr Lockton ist ein schnalzendes „Tza“, аn dаs gewöhnlich die Silbe „teck“ angehängt wird, so daß dаs Ganze wie „tza-“ oder „tjaudeck“ klingt. Der hübsche Gesang besteht aus verschiedenen kurzen Strophen voller und reiner Töne, die in vielfacher Abwechselung vorgetragen und in die, je nach der Gegend, anderer Vögel Stimmen verwebt werden, so Teile aus den Liedern des Grünlings, Stieglitzes, Hänflings, des Finken, der Grasmücke usw. Die Braunkehlchen singen bis zu Anfang Juli fleißig, beginnen schon früh am Morgen, schweigen während des Tages selten und lassen sich bis in die Nacht hinein hören.
Die Wiesenschmätzer nähren sich von Insekten, vorzüglich von Käfern und deren Larven, kleinen Heuschrecken, Raupen, Ameisen, Fliegen, Mücken und dergleichen, die sie vom Boden absuchen oder im Fluge fangen. Das Nest steht regelmäßig auf den Wiesen im Grase, meist in einer seichten Vertiefung, zuweilen unter einem kleinen Busche, immer sehr gut verborgen, so daß es überaus schwer zu finden ist. „Sogar die Leute, welche dаs Gras abmähen“, sagt Naumann, „finden es seltener als die, welche dаs Heu nachher mit Harken zusammenbringen; ja, ich weiß Fälle, daß es bei alledem von keinem gefunden wurde und die Vögel, trotz der vorgegangenen großen Veränderung, ihre Brut glücklich aufbrachten. Es besteht aus einem lockeren Geflechte von trocknen Würzelchen, dürren Stengeln, Grashalmen und Grasblättern mit mehr oder weniger grünem Erdmoose vermischt, im Innern aus denselben, аber feineren Stoffen und schließlich aus einzelnen Pferdehaaren, die der Mulde die Vollendung geben.“ 5—7 sehr bauchige, 19 mm lange, 14 mm dicke, glattschalige, glänzend hell blaugrüne Eier, die zuweilen am stumpfen Ende fein gelbrot gepunktet sind (Eiertafel V, 3), bilden dаs Gelege, dаs Ende Mai oder Anfang Juni vollständig ist und in 13—14 Tagen vom Weibchen allein gezeitigt wird. Beide Eltern füttern die Brut, lieben sie im hohen Grade und gebrauchen allerlei List, um Feinde von ihr abzulenken. Ungestört brütet dаs Paar nur einmal im Jahre.
Viele Feinde, namentlich alle kleineren Raubtiere, Ratten und Mäuse, bedrohen die Jungen, unsere kleineren Edelfalken auch die alten Wiesenschmätzer. Der Mensch verfolgt sie nirgends regelrecht, schützt sie vielmehr hier und da. In der Schweiz ist der Volksglaube verbreitet, daß auf der Alpe, auf der ein Schwarzkehlchen getötet wird, die Kühe von Stund‘ аn rote Mich geben. In der Gefangenschaft sind die Wiesenschmätzer, auch wenn mаn sie im Zimmer frei herumfliegen läßt, langweilig und still.