Heinroth
Der Zwergstrandläufer (Calidris minuta Leisi.)
ist im nördlichsten Europa und Asien zuhause, durchzieht Mitteleuropa, überwintert in Afrika sowie anscheinend auch in Südasien und geht bis Kapstadt. Der Flügel des Männchens mißt 92—99, der Schwanz 40—43, der Schnabel 15,8—19, der Lauf 20—22 mm. Die entsprechenden Maße des Weibchens sind: 96—102, 42—45, 17,5 bis 19, 20,5—23 mm. Das Gewicht des gut genährten Vogels beträgt ungefähr 30, dаs des Eies gegen 6 g. Besondre Beobachtungen konnten wir аn diesem nicht grade sehr scheuen аber doch auch nicht zutraulichen Wildfange, den wir nach dem Photographieren weggaben, nicht machen. Von dem Temmincks-Strandläufer unterschied er sich durch die weißre Färbung, namentlich des Gesichts.
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Hartert
1911. Erolia minuta (Leist).
Zwergstrandläufer.
Tringa minuta Leisler, Nachtr. zu Bechsteins Naturg. Deutschl., p. 74 (1812— Bei Hanau am Main).
Pelidna pusilla (nec Scolopax pusilla Falk et Gmelin!) Brehm, Handt. Naturg. Vög. Deutschl., p. 666 (1831— Deutschland).
Pelidna, minuta, germanica, parva A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 13 (1866— Nomina nudal).
Tringa minuta orientalis Taczanowski, Bull. Soc. Zool. France 1885, p. 475 (Nomen nudum!); id. Faune Sib. Orient. II, p. 918 (1893, in Mein. Acad. Peters- bourg XXXIX — „Partim: … dans le nord de l’ancien continent …“).
Engl.: Little Stint. — Ital.: Gambecchio. — Schwed.: Småsnäppa.
Abbild.: Dresser, B. Europe VIII, Taf. 549, 550, 552; Neuer Naumann VIII, Taf. 17, 19.
Völlige Mauser August bis Dezember, zweite ebenfalls so gut wie volle (einschließlich Handschwingen!) März bis Mai. — ♂♀ ad. im Brutgefieder: Oberseite rostrot, Federmitten ausgedehnt schwarz, Säume gräulichweiß, die schwarzen Flecke am Hinterhalse undeutlich. Handschwingen schwarzbraun, Schäfte zum größten Teile weiß, Innenfahnen аn der Wurzel weißlich, die inneren mit schmalen weißen Außensäumen, Armschwingen mit mehr Weiß аn der Wurzel und mit schmalen weißen Spitzensäumen, die innersten verlängerten mit breiten rostroten Säumen. Oberflügeldecken dunkelbraun, die längste Reihe mit breiten weißen Spitzen. Steuerfedern hell graubraun mit weißen Schäften und in frischem Gefieder mit äußerst feinen weißen Säumen, die mittelsten verlängerten braunschwarz mit rostroten Säumen. Stirn weißlich, Zügel und Ohrdecken rostbraun, Halsseiten rostrot, braun und weiß gestrichelt. Unterseite weiß, über die Kropfgegend eine graue Schattenbinde mit rostfarbenen und braunen Fleckchen. Unterflügeldecken weiß, die am Rande stehenden braun, die Unterhanddecken fahl braungrau. Iris braun, Schnabel und Füße schwarz. Flügel ♂ 92—99, ♀ 96—102, Schwanz ♂ 40-43, ♀ 42—45, Lauf ♂ 20—22, ♀ 20.5—23, Schnabel ♂ 15.8—19, ♀ 17.5 —19 mm. Im Sommer wird die Oberseite infolge Abnutzens der weißlichen Federränder dunkler. —Winterkleid: Oberseite graubraun, die Federn mit schwarzen Mittelflecken, Unterseite weiß, Kropfgegend mitunter mit vereinzelten braunen Punkten. — Juv. Oberseite schwarz mit rostbraunen und аn den Seiten des Rückens und Schulterfittichen weißen oder weißlichen Federsäumen. Unterseite weiß, ungefleckt, Kropfgegend und Brustseiten hell gelblich oder bräunlich isabellfarben. — Dunenjunges: Wie dаs von E. temminckii, аber die Oberseite nicht schwarz und hell rostbraun, sondern schwarz und dunkler rostfarben.
Brutgebiet: Nördlichstes Norwegen (Porsanger Fjord) und Nordrußland (Murmanküste, Kola-Halbinsel, bei Archangel, аn der unteren Petschora), die Inseln Kolgujew, Waigatsch und Nowaja Semlja, Halbinsel Jalmal, in Westsibirien am Jenissei und in der Taimyr-Halbinsel; nach Buturlin auch аn der unteren Indigirka in Ostsibirien sowie südlich bis in die Gegend von Moskau, Jaroslaw, Perm, bei Jekaterinburg, in den Gouvernements von Uralsk und Turgai und am Ilek (nach Sarudny und Suschkin), zwischen dem Flusse Emba und den Mugodschar-Bergen, am Flusse „Urgiz“. Nach Buturlin wurden junge Stücke аn der Küste des Ochotskischen Meeres und in Kamtschatka gesammelt. — Auf dem Zuge in Europa und Westasien, überwinternd in Afrika bis zur Kapstadt, von den Südküsten des Kaspischen Meeres bis Ceylon, gelegentlich auf Madeira, den Canaren und Azoren.
Lebensweise wie die anderer Erolien. Im allgemeinen wenig scheu, äußerst gesellig, sowohl untereinander als mit anderen Arten von Strandläufern. Stimme etwas tiefer als die von E. temminckii, wie „diirrr, dürrrii oder dirrr, dirrrit-it-it“ (Naumann). Die Nester sind kleine Vertiefungen in der Tundra, mit Hälmchen und dürren Blättchen ausgelegt. Die Eier sind hellgelblichbraun, mitunter auch grünlich oder graubräunlich mit dunkelrotbraunen, meist nicht sehr großen, mitunter аber auch ausgedehnteren Flecken und einigen wenigen tieferliegenden helleren Zeichnungen. Zwei Eier wiegen nach Rey 0.270 und 0.300 g. 90 Eier (79 Jourdain, 11 Collett) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 28.87 x 20.76, Maximum 31.7 x 20.3 und 30 x 21.4, Minimum 26.7 x 20 und 28.7 x 19.6 mm.
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Brehm
Der Zwergstrandläufer oder Raßler, Limonites minuta Leisi. (Tringa), ist die kleinste aller Strandläuferarten. Seine Länge beträgt 14, die Breite 30, die Flügellänge 9, die Schwanzlänge 4 cm. Im Frühlingskleide sind die Federn des Oberkopfes schwarz, rostfarben gerundet, die des Hinterhalses grau, dunkler gewölkt, die des Mantels dunkelschwarz, breit hochrostfarben gesäumt, die der Kehle weiß, die аn den Seiten des Halses und der Oberbrust hell rostfarben, fein braun gefleckt; über dаs Auge zieht sich ein weißlicher, zwischen ihm und dem Schnabel steht ein tiefbrauner Streifen. Die Iris ist braun, der gerade Schnabel schwarz, der Fuß grünlichschwarz. Im Herbstkleide sind die Oberteile dunkel aschgrau, mit deutlich braunschwarzen Schaftstrichen gezeichnet, die Gurgel, die Seiten des Kopfes, die Unterbrust rostgrau, die übrigen Unterteile weiß.
Bestimmt verschieden und schon аn seinem gebogenen Schnabel und den niedrigen Fußwurzeln kenntlich ist dаs Sandläuferchen, Limonites temmincki Leisi. (Tringa). Seine Länge beträgt 15, die Breite 29, die Flügellänge 9, die Schwanzlänge 5 cm. Das Gefieder ist im Hochzeitskleide oberseits auf bräunlichgrauem Grunde schwarz und rostfarben gefleckt, unterseits bis auf die dunkler gestrichelten Kropfseiten weiß, im Winterkleide oberseits fast einfarbig bräunlich aschgrau, unterseits auf dem Kropfe bräunlichgrau, dunkler längsgestrichelt, im übrigen weiß. Die Iris ist braun, der Schnabel аn der Wurzel gelblich, sonst schwarz, der Fuß schmutzig grüngelb.
Auch der Zwergstrandläufer gehört dem hohen Norden an, zieht аber so weit, daß mаn ihn fast аn allen Meeresküsten, nachweislich аn denen Europas, Asiens, Afrikas und Australiens, sowie аn Flüssen und stehenden Gewässern im Innern dieser Erdteile gefunden hat. In Ägypten überwintert er in großer Anzahl. Das Sandläuferchen teilt die Heimat des Zwergstrandläufers, wandert im Winter jedoch nicht so weit, sondern nimmt schon in Südeuropa, Nordostafrika, China und Indien Herberge. Beide folgen auf ihrem Zuge der Küste des Meeres und den Ufern der Ströme und Flüsse, wandern gewöhnlich in Gesellschaft mit Verwandten, zuweilen аber auch in starken Flügen, die nur von einer der beiden Arten gebildet werden, regelmäßig des Nachts und treiben sich am Tage аn einer geeigneten Stelle, Nahrung suchend, umher. Schlammiger Boden scheint ihnen mehr zuzusagen als sandiger, obwohl sie sich auch auf solchem finden. Sie sind sehr niedliche, höchst bewegliche, behende, regsame Vögel, die vortrefflich laufen und gewandt und schnell fliegen, bei Tage аber selten größere Strecken durchmessen, vielmehr sich gewöhnlich in einem Gebiet von geringer Ausdehnung umhertreiben und, verjagt, nach derselben Stelle zurückkehren. Mit ihresgleichen leben sie in tiefstem Frieden, gegen andere Tiere zeigen sie wenig Scheu, dem Menschen gegenüber eine gewisse Zutraulichkeit. Die Stimme klingt sanft und angenehm wie „dürrr“ oder „dürrrüi“, manchmal auch „dirrrit“. Im übrigen ähneln beide den bereits geschilderten Verwandten.
Beide Strandläuferarten nisten in den Tundren Europas und Asiens; Nester und Eier ähneln denen anderer Arten, doch sind die Eier kleiner, die des Zwergstrandläufers 29, die des Sandläuferchens 28 nun lang, jene 21, diese 20 nun dick, die einen wie die anderen glattschalig, feinkörnig und glänzend, auf trübem, gelblichgrauem bis olivengrünem Grunde mit aschgrauen, wolkenartigen Unterflecken und Rändern, dunkelbraunen Flecken und schwarzbraunen Punkten namentlich am stumpfen Ende gezeichnet.
Über dаs Fortpflanzungsgeschäft des Sandläuferchens und des Zwergstrandläufers liegen sehr hübsche Beobachtungen Colletts vor, die in Finnmarken gemacht wurden und denen wir dаs Folgende entnehmen. Ebenso wie bei Pelidna alpina (Alpenstrandläufer), Tringa canutus (Roststrandläufer) und den meisten anderen Arten hat dаs Männchen in der Zeit des Paarens und Brütens ein ganz eigentümliches Balzspiel, bei dem es singend und zwitschernd in die Lüfte steigt, hier in einer verhältnismäßig geringen Höhe mit zitternden Flügeln kreist, sich zuweilen mit schnellen Flügelschlägen wie ein Turmfalke rüttelnd in der Luft hält und sich endlich auf einen Zaun, einen größeren Stein oder auf die Spitze eines Strauchs niederläßt, wobei es fortwährend singt. Oft setzen die Vögel аn solch einem Ruheplätzchen ihren Gesang fort, der beinahe wie der einer Grasmücke klingt. Sie heben dabei die Flügel hoch in die Höhe, fliegen wohl auch, um ihr Liebesspiel fortzusetzen, aufs Feld zurück und sind augenscheinlich in höchster Verzückung. Vom Weibchen bemerkt mаn hierbei nicht viel, denn es hält sich oft verborgen. Bei beiden Arten können auch die Weibchen singen, allerdings ist ihr Gesang mehr ein feines Zwitschern. Das Sandläuferchen ist in den nördlichen Teilen Norwegens im ganzen sehr häusig und brütet аn den meisten günstig gelegenen Stellen zahlreich, besonders in den Küstengegenden, doch seltener auf den dem offenen Meere nahe gelegenen Inseln und Werdern. Es zieht die mit Gras oder Heidekraut bewachsene Küstenlinie des Festlandes sowie die der sich hierin nicht unterscheidenden größeren Inseln vor. Im Innern kommt dieser Vogel nur ausnahmsweise vor und selten in größerer Entfernung von der See, auch scheint er auf der eigentlichen Tundra im Innern Finnmarkens sich nicht aufzuhalten. Die Sandläuferchen nisten immer in größeren oder kleineren Kolonien, selten oder niemals bloß paarweise. In der Nähe der Brutstelle dieser Strandläuferart und des Zwergstrandläuferchens müssen Tümpel oder Teiche liegen, wo sie sich ihr Futter holen können, denn nur ausnahmsweise suchen sie sich dieses in der Brütezeit аn den flachen Flußufern oder am Meeresstrand. Die Nester liegen in den meisten Fällen ganz offen, entweder аn der Seite eines größeren oder mehrerer kleinerer Steine oder zwischen Gras, zuweilen unter einem der niedrigen Weidenbüsche. Auf dem Boden des Nestes fand Collett immer eine Schicht verwelkter Blätter oder etwas Stroh. Die Zahl der Eier war in beinahe 40 Gelegen immer 4. Wenn der brütende Vogel vom Neste verscheucht wurde, war sein Betragen etwas verschieden. Meist flog er ruhig ab, verschwand auf kurze Zeit und zeigte sich nach Verlauf einiger Zeit wieder in der Nähe des Nestes, verhielt sich eine Weile still und ließ sich ohne weiteres betrachten, bis er sich wieder zum Brüten niedersetzte. Zuweilen аber gebärdete er sich wie verwundet, lief mit ängstlichem Geschrei und hängenden Flügeln über dаs Feld und setzte sich oft in die höchsten Zweige der Gebüsche. So verfuhr er beinahe immer, wenn die Eier stark bebrütet waren oder er selbst unvermutet auf dem Neste überrascht wurde, während er zu dieser List seine Zuflucht nicht nahm, wenn er einen sich Nähernden aus einiger Entfernung hatte beobachten können. Nur die Männchen haben allein Brutflecke und brüten entweder ausschließlich oder doch hauptsächlich, beim Zwergläuferchen finden sie sich bei beiden Geschlechtern.