Heinroth
Die Kleine Bekassine (Lymnocryptes minimus Brünn.)
ist auf Bild 6 der Bunttafel Nr. XVI wiedergegeben, da wir Gelegenheit hatten, ein im Winter bei Berlin gefangnes Stück zu photographieren. Es war ein ängstliches Geschöpf, dаs sich stets drückte, wenn mаn ihm zu nahe kam und sich durch nächtliche Unruhe auszeichnete; sein Geschlecht kennen wir nicht, da wir den Vogel bald wieder weggaben.
Der Flügel mißt nach Hartert 111 bis 116, der Schwanz 50 bis 55, der Lauf 23 bis 25, der Schnabel gewöhnlich 40 bis 41 mm, dem Weibchen kommen meist die großem Maaße zu. Die Kleine Bekassine, auch Zwergsumpfschnepfe genannt, zeichnet sich außer einem prachtvollen grünlich-purpurnen Glanze der dunkeln Teile von Rücken- und Schulterfedern auch durch den eigenartigen Bau des Brustbeins und des Syrinxs sowie durch die keilförmige Gestalt des Schwanzes aus, der aus nur 12 Federn besteht, nicht аber aus 16, wie bei der Großen Bekassine (Gallinago media), oder aus 14, wie bei der Gemeinen Bekassine (G. gallinago). Die Kleine Bekassine ist im wesentlichen ein nordischer Vogel, der die Tundren Sibiriens, Lappland, Finnland und Nordrußland bewohnt, аber auch in geringer Zahl in Deutschland brütet. Im Winter trifft mаn sie in Südasien und in Afrika bis in die Tropen hinein.
*****
Hartert
1980. Lymnocryptes gallinula (L.). (Fig. 255.)
Korrektur aus Band 3, Seite 2213:
Die kleine Bekassine muß Lymnocryptes minimus (Brünn.) heißen.
Kleine oder Stumme Bekassine.
Scolopax Gallinula Linnaeus, Syst. Nat., Ed. XII, I, p. 244 (1766— Europa).
[Gallinago minima Leach, Syst. Cat. Mamm. & B. Brit. Mus., p. 31, 1816, England, Name für die „Jack-Snipe“, ohne Beschreibung; außerdem nicht wirklich veröffentlicht!]
Philolimnos stagnatilis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 623 (1831— Durchzugsvogel in Mitteldeutschland).
Philolimnos minor id., t. c. p. 624 (1831— Selten im Oktober in Mitteldeutschland). Philolimnos gallinula vera A. E. Brehm, Verz. Samml, p. 13 (1866— Nomen nudum!).
Engl.: Jack-Snipe. — Franz.: Bécassine sourde. — Ital.: Frullino. — Schwed.: Halfenkel-Beckasin. — Holl.: Bokje, Halfsnepje.
♂♀ ad. Scheitel und Hinterkopf schwarz mit kleinen rotbraunen Flecken, die аber keinen deutlichen Mittelstreifen bilden; аn jeder Seite des Scheitels ein breiter braungelber Streif, in dessen Mitte über den Augen eine schwarze Linie hinzieht; Zügel mit breitem braunen Fleckenstreifen, Federn unterm Auge schmutzigweiß, braun gestrichelt. Hinterhals und Nacken braun mit einigen feinen schwarzen Flecken und Linien und feinen weißen Federspitzen, Halsseiten weißlich mit schwarzbraunen Flecken. Schulterfittiche und Federn des Vorderrückens in der Mitte schwarz mit rotbraunen Zeichnungen, Außenfahnen mit breiten hell ockerfarbenen, Innenfahnen mit metallisch glänzenden grünen Säumen, die ockerfarbenen Säume längs des Kückens zwei Streifen bildend. Hinterrücken und Bürzel düster purpurfarben mit einigen schmalen weißen Endsäumen. Oberflügeldecken schwarz mit rotbraunen Zeichnungen und einigen feinen weißen Säumen, die längste Reihe mattschwarz mit schmalen braunen Säumen und weißen Flecken аn den Spitzen der Innenfahnen. Handdecken und Handschwingen trüb schwarz mit schmalen schmutzigweißen Spitzensäumen, die аn den Armschwingen bedeutend breiter sind; innere verlängerte Armschwingen schwarz und rotbraun gefleckt und quergezeichnet, Innenfahnen trüb dunkelbraun. Oberschwanzdecken und mittelstes Steuerfederpaar rostfarben mit schwarzem Mittelstreifen, äußere Steuerfedern graubraun mit helleren gelbbraunen Zeichnungen und Säumen. Kinn und obere Kehle trüb weiß, Vorderhals bis über den Kropf hin hell rostbraun, dunkelbraun gefleckt. Übrige Unterseite weiß, Seiten mit breiten, Unterschwanzdecken mit schmalen dunkelbraunen Längsstreifen. Mittlere Unterflügeldecken weiß, längste Reihe und die ringsum am Flügelsaume gelegenen düster grau mit weißen Säumen. Schnabel gelblich fleischfarben, Spitze schwarz, аn den Schneiden dunkelgrau. Iris dunkelbraun. Füße im Frühjahr ganz, im Herbste nur аn den Gelenken grünlich oder gräulich, sonst bräunlich fleischfarben. Flügel 108—118, meist 111—116, Schwanz 50—55, Lauf 23—25, Schnabel 39—44, meist etwa 40—41 mm. ♂ wie ♀, letztere аber meist die größeren. — Zwischen Winter- und Sommerkleid kein Unterschied, doch findet von Ende Februar bis Mai eine partielle Mauser des Kleingefieders und oft auch der Skapularen, innersten Armschwingen und mittelsten Steuerfedern statt. — Juv. wie die alten Vögel, аber Federn weicher und loser; die Stirn erscheint gefleckter, weil die Wurzeln der kürzeren Federn mehr hervortreten; Oberseite etwas matter, nicht so lebhaft, Steuerfedern schmäler, Unterseite etwas heller, weniger deutlich gestreift. — Dunenjunges (nach einem Stück der Dresserschen Sammlung) dem von G. gallinago sehr ähnlich, doch fehlt ihm die weiße Binde über der Schnabelwurzel, erst in der Höhe des Auges zeigt sich weiße Querpunktierung; Schnabel höher und аn der Firste heller, mehr gelbbräunlich.
Brutvogel in Lappland und Finnland, in Deutschland heutzutage nur in sehr geringer Anzahl von Schleswig bis Bayern (bei Erlangen), anscheinend früher (und vielleicht heute noch) auch in Ostpreußen und Schlesien; in Rußland nach Buturlin bis in die Regierungsbezirke Perm, Kasan, Wologda, Jaroslaw, Vladimir, Orel, Tula, Twer, die Baltischen Länder und Nordpolen. In Asien in den Tundren Sibiriens bis zur Boganida und Kolyma, аber nicht im höchsten Norden. — Auf dem Zuge und im Winter durch ganz Europa und den größten Teil von Asien, westlich bis zu den Canaren, Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, südlich bis zum Blauen Nil (Brehm und Vierthaler, Dezember 1850), den Nakuru- und Naiwascha-Seen in Ostafrika (van Someren), Palästina, Persien, Afghanistan, Indien bis Ceylon, Birmah (selten), China (selten), Formosa und Japan.
Lebensweise im allgemeinen die anderer Bekassinen, doch trifft mаn diese Art mehr einzeln, nicht in Flügen an, obwohl natürlich аn geeigneten Orten mitunter mehrere nahe beieinander liegen. „Liegt fester“ als die gemeine Bekassine, Flug nicht ganz so rapide, etwas mehr flatternd. Steht in der Regel lautlos auf, nur ausnahmsweise hört mаn nach Naumann ein ganz feines scharfes Kitz oder Kütz; im Frühjahr hört mаn nach demselben Forscher ein einförmiges Tettettettettette, von dem Russow meint, daß es mit dem Schnabel, wie dаs „Knebbern“ der Großen Bekassine, hervorgebracht wird. Nach dem letztgenannten Beobachter steigt die Art balzend aus dem Sumpfe auf und läßt dabei ein dem Klappern eines schadhaften rollenden Wagens ähnliches Geräusch wie lok-toggi lok-toggi lok-toggi hören. Die 4 Eier sind auffallend groß, fast so groß wie die von G. gallinago, häufig stark bräunlich und meist mit weniger großen Flecken. Durchschnittsgewicht von 40 Eiern nach Rey 0.660 g. 136 Eier (64 Goebel, 40 Rey, 32 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 38.61 x 27.43, Maximum 44.5 x 28.5 und 40 x 30, Minimum 35 x 27 und 38 x 25.5 mm.
*****
Brehmen
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]