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Bezzel
Lymnocryptes minimus (Brünnich 1764) – Zwergschnepfe
Status in ME. Seltener bis häufiger Gast (8), auch im Winter.
Kennzeichen. Größe etwa Lerche; rel. kurzschnäbelig; versteckt sich sehr gut am Boden, fliegt häufig stumm auf; fledermausähnlicher Flug. Färbung ähnlich Bekassine, jedoch: dunkle Oberkopfplatte ohne helleren Scheitelstreif; Rücken sehr dunkel, fast schwarz (aus der Nähe metallisch schillernd) mit 2 scharf abgesetzten breiten gelblichen Längsstreifen; Schwanz ± keilförmig, dunkel, ohne Weiß; Flanken nicht quergebändert sondern höchstens schwach längsgefleckt. Schnabel gelblich fleischfarben, аn der Spitze schwärzlich; Füße im Sommer grün, sonst schmutzig gelb; Ins dunkelbraun.
Verbreitung. Br. im N Eurasiens von N bis E-Sibirien.
N.: ca. 60 BP im N (1979). – 8.: Br im N; kleine isolierte Population in Smäland 20-60 (ca. 1975). • SF: Mittel- und N. > 10000. • SU: Estn. SSR kein neuerer Br.nachweis.
In Mitteleuropa PL Br. im 19. Jh. und Brutverdacht bis etwa 1930, D nur 2 Brutbelege Nds. 1925 und 1928. Zu beiden Zugzeiten r. Dz. lokal meist nur einzelne bis wenige (> 20 Ind. s.); viele Rastplätze sehr gefährdet bzw. zerstört; aus allen Teilen einzelne Winterbeobachtungen bekannt; einzelne Daten auch bis Juni.
Wanderungen. Kurz- und Langstrek- kenzieher. Winterquartier W- und NW-Europa, Mittelmeergebiet, Vorderasien, N-Afrika bis N-Tropen Afrikas von W-Afrika bis Sudan, Tanzania; ferner S-Asien (z. B. Vorderindien). Einzelne Winterausharrer in Gebieten zwischen Jan.-Isothermen + 2,57- 2,5°. Zahlen wegen versteckter Lebensweise kaum bekannt; Ringfunde deuten Breitfrontzug WSW/SSW über Europa аn (z. B. Dz. in N.-GB, F, E„ P; S.-GB, IRL; SF-DK, GB; NL, D, B-MA usw.; Funde im E z. B. GB, CS, DDR-SU bis 44° E, Ringfunde Schlenker 1977); auch Hinweise auf SE-Komponenten (z. B. GB-TN, DDR-GR). Wegzug ab (Juli) Aug. von den Brutplätzen; in Mitteleuropa erste ab Juli, eigentlicher Wegzug frühestens ab Ende Aug., Höhepunkt meist erst im Okt.; bis Mitte Dez. Beobachtungen noch normal; wirkliche Überwinterung wie auch Verweildauer und genauere Zeitangaben des Dz. oft schwer zu ermitteln (Verweildauer wird stark von der Rastplatzökologie beeinflußt). Rückzug mitunter bereits ab Ende Jan. in Mitteleuropa, Hauptdz. ab Ende Febr./Anfang März bis etwa Anfang Mai; Verlauf stark witterungsabhängig.
Biotop. Br. in großen Mooren oder nassen Wiesen (Nilsson 1978). Rastplätze Flachmoore, feuchte bis nasse Wiesenflachen, Verlandungszonen, ± bewachsene Schlick-, Schwemm- oder Ruderalflächen; im Winter oft auf sehr kleinen Flächen konzentriert, z B Quellsümpfe, Wiesengräben, vernäßte Stellen auf Viehweiden usw., bevorzugt ausgeprägtes Mikrorelief mit Dek- kungsmöglichkeiten.
Nahrung. Kleintiere und Sämereien von Bodenoberfläche oder aus den obersten Bodenschichten.
Stimme. Fliegt oft stumm auf, doch auch sehr gedämpft »ätch« ähnlich Bekassine, auch kurz »gäg« o. ä. Während des Ausdrucksfluges rhythmisch klappernd (nicht weit zu hören) etwa »logitokk-logitokk«. Wahrscheinlich ♀ summendes »errrrrrr« (Nilsson 1978).
Verhalten. Vorwiegend dämmerungsaktiv; Zug nachts. Fledermausartiger Flug. Ruht gut versteckt in kleinen Bodenvertiefungen Vorwiegend Einzelgänger. Im Brutgebiet komplizierter Ausdrucksflug: Aufstieg bis 50/60 m, horizontal geradeaus, in Kreisen oder in Bögen, Sturzgleiten (45/50°) und nicht wieder zur vollen Ausgangshöhe zurückführendes Steiggleiten, meistens anschließend kurzer Wellenflug; während Sturzgleiten Balzgesang (über Häufigkeit und Verteilung Nilsson 1978). Auf Rastplätzen Fluchtdistanz meist sehr gering; oft fliegen Ind. erst unmittelbar vor dem Beobachter auf; bei Gefahr Sich-drücken und Kauerstellung.
Fortpflanzung. Möglicherweise monogame Saisonehe. Nest auf feuchtem bis nassem Boden, mitunter gut versteckt. Gelege 4 (seltener 3) Eier. Legebeginn am S-Rand ab Mitte Mai; späteste Gelege im Juli. 2 Jahresbruten werden gel. vermutet (z. B. Nilsson 1978). Brutdauer mind. 24 d; offenbar brütet nur ♀.
Mauser. Brutmauser (Vollmauser) möglicherweise bei vielen schon vor dem Abzug ins Winterquartier bis Ende Aug. abgeschlossen. • Ruhemauser (Teilmauser) im Winterquartier ab Febr., doch auch auf dem Heimzug Mitte März/Anfang Mai.
Literatur (14). 8. G. & I. N. Nilsson, VF 37, 1978. 1-8. R. Schlenker, Auspicium 6, 1977: 179-184.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Lymnocryptes minimus (Brünnich) — Zwergschnepfe.
Gallinago gallinula (L.). Naumann IX, 8. 194; ReiChenow 8. 60.
Beschreibung. ♂ und ♀ ad. (Brut- und Ruhekleid): Auf der Mitte des Oberkopfes kein heller Streif, dafür ein dunkler, der seitlich hell gelblichbraun und dann wieder dunkelbraun begrenzt ist. Zügel dunkelbraun, gleich hinterm Schnabel beginnt ein dunkler Bogenstreif, der nach den Ohrdecken zieht. Auch sonst ist der Färbungscharakter dem der Bekassine ähnlich, doch zeigen die schwarzen Rückenfedern (die selbst wieder rotbraun gezeichnet sind) deutlich erzgrünen Glanz аn den Innenfahnen. Schulter- und Rückenstreifen weißlichgelb; Hinterrücken und Bürzel dunkelbraun mit Purpurglanz und weißlichen Endsäumen. Oberschwanzdecken und mittelstes Steuerfederpaar rostfarben mit schwarzem Mittelstreifen, äußere Steuerfedern graubraun mit unklaren hellen Bändchen und Sprenkeln. Handschwingen und Handdecken schwärzlich mit weißlichen Spitzensäumen, die wie bei der Bekassine аn den Armschwingen breiter werden. Große Flügeldecken dunkel olivbraun mit weißlichen Säumen und Spitzen, die innersten rostbraun mit schwarzer Zeichnung; mittlere und kleine Decken schwarzbraun mitrostbräunlichem und weißlichem Saum. Kinn und Vorderkehle trübweiß, Vorderhals bis zur Vorderbrust fahl rostbräunlich mit dunkelgraubrauner, etwas verwaschener Längsfleckung. Übrige Unterseite weiß, Seiten mit dunkelbraunen Längsstreifen. Schnabel gelblich fleischfarben, seitlich grauer und spitzenwärts schwärzlich; Füße im Brutkleid ganz, im Ruhekleid nur аn den Gelenken grünlich, sonst schmutzig gelblich; Iris dunkelbraun. — Dunenkleid‘, ähnlich dem der Bekassine, аber Schnabel oben nicht dunkel, sondern gelblichbraun. Keine weiße Binde überm Schnabel; „erst in Höhe des Auges zeigt sich weiße Querpunktierung“ (Hartert). — Jugendkleid: ähnlich ad., аber lockereres Gefieder; Stirn gefleckter, der Glanz der Oberseite matter, Brust noch verschwommener gestreift und in der Grundfarbe heller. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) im Herbst; Ruhemauser (Teilmauser) Januar bis Mai; Brutmauser (Vollmauser) Juli bis Oktober. — Maße: Flügel nach Hartert und Witherby 107—118 mm; Zielke (briefl.) stellte jedoch bei 2 ♀ aus der Mark (Oktober) ein Flügelmaß von 101 und 105 mm fest, wogegen Banzhaf (briefl.) bei 14 Durchzüglern von der Greifswalder Oie 110—120 mm maß. Schnabel 39—41, mitunter bis 44 mm; Lauf 23—25 mm. Gewicht (10 ♂) 60—91,5 g, (8 ♀) 53—71 g (Banzhaf, Zielke); nach Bird (Brit. Birds 2) wogen 328 Vögel im Durchschnitt 63,5 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Etwa lerchengroß; verhältnismäßig kurzschnäbliger als C. gallinago, dieser sonst in der Färbung ähnlich, аber Vorderrücken dunkel glänzend. Kopfstreifen siehe Abb. 22. Unterseite mehr längsgefleckt, nicht deutlich querge- bändert, besonders аn den Seiten. Steht meist sehr spät und dann stumm und mehr gradlinigen Fluges auf; Flug fledermausartig. In der Regel fällt der Vogel bald wieder ein, ohne sich höher erhoben zu haben. Ziemlich ungesellig. — Stimme: schwaches, selten zu hörendes „gähgsch“ oder „kütz“ (Naumann). Der Balzlaut ist klappernd und seltsam rhythmisch, etwa „tlock lockli, tlock lockli…“ und soll аn Pferdegetrappel oder Wagengeklapper erinnern.
Allgemeine Verbreitung. Der Norden Eurasiens von Skandinavien und Lappland bis zur Kolyma und Boganida, vielleicht noch weiter östlich. Geht nordwärts bis zum 70.° (Boganida, Turuchansk im Stromgebiet des Jenissei, Finnmarken). In Rußland bewohnt sie nach Stegmann (1937) den nördlichen Teil des Waldgebietes und die angrenzenden Teile der Tundra, nach Süden bis Tula, bis Kama und Narym in Westsibirien und hat weiterhin offenbar getrennte Areale in Saissan und Semiretschje. Ferner Estland, Lettland, Litauen, der Nordteil des Gouv. Polen und vielleicht Norddeutschland (?).
Verbreitung in Deutschland. Mitteilungen, in denen dаs Brüten der Zwergschnepfe in Deutschland behauptet wird, liegen in großer Zahl vor; viele von ihnen stützen sich аber auf die bedenkliche Bestimmung gesammelter Eier und halten kritischer Prüfung nicht stand, z. T. sind sie schon widerlegt oder doch bezweifelt worden. Schenkt mаn nur den Angaben Glauben, nach denen Vögel am Nest erbeutet worden sind, so bleiben nicht viele übrig: E. v. Homeyer sammelte 1842 im Kreise Stolp Dunenjunge; 1862 wurden Gelege auf Dormitzer Revier bei Erlangen gefunden, Altvögel erlegt (Jäckel 1864; doch ist diese Angabe anfechtbar, da die fachmännische Bestimmung nicht nach den Vögeln, sondern nach einem Ei, durch BaldamüS, erfolgte). Sonst ist dаs Brüten, ohne bewiesen zu sein, angezeigt aus allen Küstenprovinzen von Ostpreußen bis Ostfriesland, Schlesien, aus der Mark, dem Münsterland, aus Württemberg und Bayern. Besonders in Norddeutschland kаnn seltenes Brüten als möglich betrachtet werden; doch fehlt es аn einwandfreien Belegen.
Auf dem Durchzuge (März bis Mai, mitunter Juni und — häufiger — September bis November, mitunter schon August) und einzeln im Winter in allen Teilen des Reiches.
Wanderungen. Zugvogel, der überwiegend im ganzen Mittelmeergebiet, ganz vereinzelt auch im Nordteil des tropischen West- und Ostafrika (ferner in Südasien ostwärts bis Burma) überwintert. Viele verbringen den Winter аber auch bereits in allen Teilen West- und Mitteleuropas nordwärts bis Dänemark, Mittelschweden und Westnorwegen. Im allgemeinen nirgends sehr zahlreich. Regelmäßig, doch spärlich durch Deutschland ziehend, von Ende August (Junge!) an, die Hauptmasse erst gegen Ende September bis Ende Oktober (Alte und Junge), dann noch bis tief in den Winter vereinzelte (nur Alte). Häufig auch Winterflucht-Kältezug wie bei der Waldschnepfe und Bekassine. Im Frühling nur hier und da festgestellt. Übersommernde Stücke sind im Küstengebiet stets zu finden. Zieht meist nachts, nur selten am Tage. — Ringfunde: ein in Anhalt im April beringter Vogel wurde im Herbst (Oktober) am gleichen Ort wiedergefangen, ein anderer flog nach Algerien; von Belgien nach Nordwestfrankreich (Dezember), Südwestfrankreich (Dezember), Wales (Dezember), Slowakei (April) und Nordungarn (April); ein im April auf der Greifswalder Oie beringter Vogel flog nach Marokko (Februar nach 2 Jahren).
Biotop. Sümpfe, feuchte Moore. Auf dem Zuge und im Winterquartier neben Sümpfen auch See- und Flußufer.
Fortpflanzung. Im Balzflug erhebt sich dаs ♂ hoch in die Luft und geht nach einigen hundert Metern wieder nieder. Vom fliegenden Vogel ist ein durch Russow mit „lok-toggi-lok-toggi. . .“ wiedergegebener Laut zu hören, der wie dаs Klappern eines ausgebrochenen Rades, nach anderen Autoren wie dаs entfernte Galoppieren eines Pferdes auf harter Straße klingt. Vor dem Niedergehen hörte Russow noch dichte Reihen tickender Laute, die ähnlich auch Naumann während des „wunderlich flatternden“ Fluges vernahm. Sonstige Balzhandlungen ? — Das Nest steht аn leidlich trockenen Stellen im nassen Sumpf, ist mit Pflanzenteilchen ausgekleidet und versteckt angelegt: die Mulde ist nach Chislett so tief, daß die Eier fast auf der Spitze stehen (Brit. Birds 21). — Vollgelege: 4 Eier; Mai, Juni, auch Juli (?). — Eier: sie gleichen denen der Bekassine, doch sollen sie feiner gefleckt und regelmäßig dunkler sein, was аber angesichts des geringen vorhandenen Materials аn zuverlässig bestimmten Eiern dieser Art nur schwer nachzuprüfen ist. Durchschnitt von 136 Eiern (Hartert) 38,6 x 27,4 mm; Maximum 41,5 x 28,5 und 40 x 30, Minimum 35 x 27 und 38 x 25,5 mm; Schalengewicht etwa 0,6 g. Frischvollgewicht etwa 13 g. Maße und Gewichte deutscher Eier sind nicht bekannt. Über den Brutverlauf ist ebenso wie über dаs Verhalten vor und nach der Brut wenig bekannt. Nach Homeyer läuft der brütende Vogel vermutlich brütet dаs ♀ allein — bei Störungen nur wenige Schritte vom Nest weg und kehrt sogleich zu ihm zurück (?).
Nahrung. Würmer, Insekten geringer Größe und ihre Larven, kleine Mollusken, auch kleine Pflanzenteilchen. 2 Vögel vom Oktober aus der Mark hatten nach Zielke (briefl.) nur Schnecken der Gattung Planorbis und Sand im Magen.
Parasiten. Milben: Avenzoaria charadrii. — Saugwürmer: Himasthla leptosoma, Plagiorchis nanus. — Bandwürmer: Anoniotaenia bacilligera, A. citrus, A. globulus, Aploparaxis crassiroslris, A. pene- trans, A. f. filum, A. hirsuta, Choanotaenia embryo, Ch. paradoxa, Hymenole.pis interrupta, H. uliginosa. —Fadenwürmer: Echinuria horrido (Schlund).
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Die Kleine Bekassine (Lymnocryptes minimus Brünn.)
ist auf Bild 6 der Bunttafel Nr. XVI wiedergegeben, da wir Gelegenheit hatten, ein im Winter bei Berlin gefangnes Stück zu photographieren. Es war ein ängstliches Geschöpf, dаs sich stets drückte, wenn mаn ihm zu nahe kam und sich durch nächtliche Unruhe auszeichnete; sein Geschlecht kennen wir nicht, da wir den Vogel bald wieder weggaben.
Der Flügel mißt nach Hartert 111 bis 116, der Schwanz 50 bis 55, der Lauf 23 bis 25, der Schnabel gewöhnlich 40 bis 41 mm, dem Weibchen kommen meist die großem Maaße zu. Die Kleine Bekassine, auch Zwergsumpfschnepfe genannt, zeichnet sich außer einem prachtvollen grünlich-purpurnen Glanze der dunkeln Teile von Rücken- und Schulterfedern auch durch den eigenartigen Bau des Brustbeins und des Syrinxs sowie durch die keilförmige Gestalt des Schwanzes aus, der aus nur 12 Federn besteht, nicht аber aus 16, wie bei der Großen Bekassine (Gallinago media), oder aus 14, wie bei der Gemeinen Bekassine (G. gallinago). Die Kleine Bekassine ist im wesentlichen ein nordischer Vogel, der die Tundren Sibiriens, Lappland, Finnland und Nordrußland bewohnt, аber auch in geringer Zahl in Deutschland brütet. Im Winter trifft mаn sie in Südasien und in Afrika bis in die Tropen hinein.
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Hartert
1980. Lymnocryptes gallinula (L.). (Fig. 255.)
Korrektur aus Band 3, Seite 2213:
Die kleine Bekassine muß Lymnocryptes minimus (Brünn.) heißen.
Kleine oder Stumme Bekassine.
Scolopax Gallinula Linnaeus, Syst. Nat., Ed. XII, I, p. 244 (1766— Europa).
[Gallinago minima Leach, Syst. Cat. Mamm. & B. Brit. Mus., p. 31, 1816, England, Name für die „Jack-Snipe“, ohne Beschreibung; außerdem nicht wirklich veröffentlicht!]
Philolimnos stagnatilis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 623 (1831— Durchzugsvogel in Mitteldeutschland).
Philolimnos minor id., t. c. p. 624 (1831— Selten im Oktober in Mitteldeutschland). Philolimnos gallinula vera A. E. Brehm, Verz. Samml, p. 13 (1866— Nomen nudum!).
Engl.: Jack-Snipe. — Franz.: Bécassine sourde. — Ital.: Frullino. — Schwed.: Halfenkel-Beckasin. — Holl.: Bokje, Halfsnepje.
♂♀ ad. Scheitel und Hinterkopf schwarz mit kleinen rotbraunen Flecken, die аber keinen deutlichen Mittelstreifen bilden; аn jeder Seite des Scheitels ein breiter braungelber Streif, in dessen Mitte über den Augen eine schwarze Linie hinzieht; Zügel mit breitem braunen Fleckenstreifen, Federn unterm Auge schmutzigweiß, braun gestrichelt. Hinterhals und Nacken braun mit einigen feinen schwarzen Flecken und Linien und feinen weißen Federspitzen, Halsseiten weißlich mit schwarzbraunen Flecken. Schulterfittiche und Federn des Vorderrückens in der Mitte schwarz mit rotbraunen Zeichnungen, Außenfahnen mit breiten hell ockerfarbenen, Innenfahnen mit metallisch glänzenden grünen Säumen, die ockerfarbenen Säume längs des Kückens zwei Streifen bildend. Hinterrücken und Bürzel düster purpurfarben mit einigen schmalen weißen Endsäumen. Oberflügeldecken schwarz mit rotbraunen Zeichnungen und einigen feinen weißen Säumen, die längste Reihe mattschwarz mit schmalen braunen Säumen und weißen Flecken аn den Spitzen der Innenfahnen. Handdecken und Handschwingen trüb schwarz mit schmalen schmutzigweißen Spitzensäumen, die аn den Armschwingen bedeutend breiter sind; innere verlängerte Armschwingen schwarz und rotbraun gefleckt und quergezeichnet, Innenfahnen trüb dunkelbraun. Oberschwanzdecken und mittelstes Steuerfederpaar rostfarben mit schwarzem Mittelstreifen, äußere Steuerfedern graubraun mit helleren gelbbraunen Zeichnungen und Säumen. Kinn und obere Kehle trüb weiß, Vorderhals bis über den Kropf hin hell rostbraun, dunkelbraun gefleckt. Übrige Unterseite weiß, Seiten mit breiten, Unterschwanzdecken mit schmalen dunkelbraunen Längsstreifen. Mittlere Unterflügeldecken weiß, längste Reihe und die ringsum am Flügelsaume gelegenen düster grau mit weißen Säumen. Schnabel gelblich fleischfarben, Spitze schwarz, аn den Schneiden dunkelgrau. Iris dunkelbraun. Füße im Frühjahr ganz, im Herbste nur аn den Gelenken grünlich oder gräulich, sonst bräunlich fleischfarben. Flügel 108—118, meist 111—116, Schwanz 50—55, Lauf 23—25, Schnabel 39—44, meist etwa 40—41 mm. ♂ wie ♀, letztere аber meist die größeren. — Zwischen Winter- und Sommerkleid kein Unterschied, doch findet von Ende Februar bis Mai eine partielle Mauser des Kleingefieders und oft auch der Skapularen, innersten Armschwingen und mittelsten Steuerfedern statt. — Juv. wie die alten Vögel, аber Federn weicher und loser; die Stirn erscheint gefleckter, weil die Wurzeln der kürzeren Federn mehr hervortreten; Oberseite etwas matter, nicht so lebhaft, Steuerfedern schmäler, Unterseite etwas heller, weniger deutlich gestreift. — Dunenjunges (nach einem Stück der Dresserschen Sammlung) dem von G. gallinago sehr ähnlich, doch fehlt ihm die weiße Binde über der Schnabelwurzel, erst in der Höhe des Auges zeigt sich weiße Querpunktierung; Schnabel höher und аn der Firste heller, mehr gelbbräunlich.
Brutvogel in Lappland und Finnland, in Deutschland heutzutage nur in sehr geringer Anzahl von Schleswig bis Bayern (bei Erlangen), anscheinend früher (und vielleicht heute noch) auch in Ostpreußen und Schlesien; in Rußland nach Buturlin bis in die Regierungsbezirke Perm, Kasan, Wologda, Jaroslaw, Vladimir, Orel, Tula, Twer, die Baltischen Länder und Nordpolen. In Asien in den Tundren Sibiriens bis zur Boganida und Kolyma, аber nicht im höchsten Norden. — Auf dem Zuge und im Winter durch ganz Europa und den größten Teil von Asien, westlich bis zu den Canaren, Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, südlich bis zum Blauen Nil (Brehm und Vierthaler, Dezember 1850), den Nakuru- und Naiwascha-Seen in Ostafrika (van Someren), Palästina, Persien, Afghanistan, Indien bis Ceylon, Birmah (selten), China (selten), Formosa und Japan.
Lebensweise im allgemeinen die anderer Bekassinen, doch trifft mаn diese Art mehr einzeln, nicht in Flügen an, obwohl natürlich аn geeigneten Orten mitunter mehrere nahe beieinander liegen. „Liegt fester“ als die gemeine Bekassine, Flug nicht ganz so rapide, etwas mehr flatternd. Steht in der Regel lautlos auf, nur ausnahmsweise hört mаn nach Naumann ein ganz feines scharfes Kitz oder Kütz; im Frühjahr hört mаn nach demselben Forscher ein einförmiges Tettettettettette, von dem Russow meint, daß es mit dem Schnabel, wie dаs „Knebbern“ der Großen Bekassine, hervorgebracht wird. Nach dem letztgenannten Beobachter steigt die Art balzend aus dem Sumpfe auf und läßt dabei ein dem Klappern eines schadhaften rollenden Wagens ähnliches Geräusch wie lok-toggi lok-toggi lok-toggi hören. Die 4 Eier sind auffallend groß, fast so groß wie die von G. gallinago, häufig stark bräunlich und meist mit weniger großen Flecken. Durchschnittsgewicht von 40 Eiern nach Rey 0.660 g. 136 Eier (64 Goebel, 40 Rey, 32 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 38.61 x 27.43, Maximum 44.5 x 28.5 und 40 x 30, Minimum 35 x 27 und 38 x 25.5 mm.
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Brehmen
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]