Print This Beitrag

Calidris maritima

Heinroth

Der Seestrandläufer (Calidris maritima Brünn.)

ist аn seinem verhältnismäßig derben Körper und den kurzen Beinen gut kenntlich. Er bewohnt auch felsigere Küsten und macht daher in seinen Bewegungen einen vielseitigern Eindruck als die meisten stelzenden Langbeiner. Der Flügel ist 125 bis 140, der Schwanz 57 bis 62, der Lauf 21 bis 22, der Schnabel 28 bis 36 mm lang. Die größten Stücke sind, wie gewöhnlich in dieser Gruppe, Weibchen. 16 Gewichte Hantzschs, die uns aus Labrador und Island vorliegen, schwanken zwischen 64 und 95 g; 80 g scheint der Durchschnitt der Weibchen, 70 bis 75 der der Männchen zu sein.
Das Brutgebiet umfaßt beinahe den ganzen hohen Norden, nur аn einzelnen Stellen wird C. m. maritima durch drei sehr ähnliche Arten vertreten. Im Gegensatze zu vielen andern Strandläufern reisen diese Nordländer meist nur bis аn die Nord- und Ostsee und vereinzelt bis zum Mittelmeergebiet, viele überwintern in Grönland und noch mehr auf Island.
Am 8. November schickte uns Drost freundlicherweise zwei auf Helgoland gefangne Stücke, die etwas abgemagert 55 und 56 g wogen, aber, da sie gut ans Futter gingen, bald zunahmen, und von denen eins jetzt noch nach fast zwei Jahren im hiesigen Zoologischen Garten lebt; es wiegt ungefähr 80 g.
Die Vögel sind auf der Bunttafel Nr. XVI und der Schwarztafel Nr. 37 wiedergegeben. Der Unterschied zwischen dem Ruhe- und Brutkleid ist, wie mаn sieht, nicht sehr auffallend.

*****

Hartert

1922. Erolia maritima maritima (Brünn.).

Seestrandläufer.

Tringa Maritima Brünnich, Orn. Ber., p. 54 (1764— Christiansöe und Norwegen).

Tringa striata auct., nee Linne 1766!

Tringa lincolniensis Latham, Ind. Orn. II, p. 734 (1790— Lincolnshire in England).

Tringa nigricans Montagu, Trans. Linn. Soc. London IV, p. 40, Taf. 2, Fig. 2 (1796 — Wales).

Tringa canadensis Latham, Ind. Orn. Suppl., p. LXV (1801— Canada).

Trynga arquatella (partim) Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. II, p. 190 (1827— Ingria, Wolga, Barabinski-Steppe, Kurilen, Bering-Insel).

Tringa littoralis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 652 (1831— „Island und andere nördliche Länder“).

Tringa maritima vulgaris A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 13 (1866— Nomen nudum!).

Engl.: Purple Sandpiper. — Franz.: Bécasseau violet. — Schwed.: Skärsnäppa.

Vollständige Mauser August bis November, partielle (ohne Steuerfedern und den größten Teil der Flügel) im Frühjahr. — Schwanz stumpf keilförmig, die seitlichen Steuerfedern nach der Mitte zu allmählich länger werdend, die mittelsten ziemlich stumpf spitzig und die übrigen nur wenig überragend. Zehen kräftiger und breiter, Nägel stumpfer als bei den typischen Erolien, Unterschenkel bis zum Fersengelenke von Federn überdeckt, Lauf ein wenig kürzer als die ausgestreckte Mittelzehe mit Nagel. — ♂♀ ad. im Sommer: Rücken und Schulterfittiche glänzend schwarz mit rostroten, hier und da in Rostgelb oder in Weiß übergehenden Federsäumen. Bürzel und Oberschwanzdecken schwarz. Handschwingen braunschwarz, 1. mit weißen, übrige mit bräunlichweißen Schäften, außerdem mit feinen weißen Endsäumen; Armschwingen mit etwas breiteren Endsäumen und breiten weißen Innensäumen, innere fast ganz weiß, letzte verlängerte wie der Bürzel; Oberflügeldecken schwarz mit aschgrauen Kanten, längste Reihe mit weißen Spitzen. Steuerfedern graubraun mit schmalen weißen Säumen, die mittelsten schwarz. Oberkopf schwarz und rostbraun gestreift, Hinterhals gräulich, dunkel gestrichelt. Schmaler weißer, braun gefleckter Superziliarstreif. Kinn weiß, Vorderhals, Halsseiten, Kropf und Brust aschgrau mit schwarzbraunen und einigen weißlichen Flecken. Körperseiten weiß mit dunkler Fleckung, ebenso Unterschwanzdecken. Mitte des Unterkörpers weiß. Iris braun. Schnabel braunschwarz, аn der Wurzel ockergelb. Füße bräunlich ockergelb. Flügel 125—140, die größten gemessenen Stücke ♀, аber ♂ nicht immer kleiner, Schwanz 57—62, Lauf 21—22.3, Schnabel 28—36, Mittelzehe mit Kralle 26—27.5 mm. — Winterkleid: Oberseite schwarz mit grauen Federrändern, Hals und Kopf einfarbig rauch-schwarzgrau, Oberflügeldecken braunschwarz mit gräulichweißen Säumen, die längste Reihe mit breiten weißen Spitzen. Kinn weißlich, Kopf- und Halsseiten und Vorderhals aschgrau, Kropf und Seiten weiß mit graubrauner Längsfleckung, Unterkörper ausgedehnter weiß als im Sommer. Unterflügeldecken in beiden Kleidern dunkel graubraun mit weißen Säumen, die mittlern und längsten nebst den Axillaren rein weiß. Füße und Schnabelbasis gelblicher (nicht so ockerfarben) als im Sommer. — Juv. Federn des Rückens mit weißlichen oder rahmfarbenen, Oberflügeldecken mit ebensolchen breiteren, scharf abgesetzten Säumen, ebenso Skapularen und Handschwingen. Vorderhals und Vorderbrust schmäler und weniger auffallend gefleckt als bei alten Vögeln. — Dunenjunges: Wie andere Erolien im Dunenkleide, oberseits dunkelbraun mit rotbraunen Zeichnungen und weißen perlenartigen Dunenspitzen.
Brutgebiet: Arktisches Amerika von der Melville-Insel und Ellesmere-Land bis Grönland, Island, die Färöer, Nord-Skandinavien, Spitzbergen, Franz-Josef-Land, Nowaja Semlja, die Murman-Küste, Waigatsch und wahrscheinlich östlich bis zur Taimyr-Halbinsel und den Neusibirischen Inseln.
— Nördlich wohnende Meeresstrandläufer sind Zugvögel, die zum Überwintern аn die Gestade der Nord- und Ostsee und vereinzelt bis zum Mittelmeere, Marokko und den Azoren, in Amerika bis zu den Großen Seen, Long Island, Georgia, Florida und Bermuda ziehen; indessen überwintern auch schon viele in Grönland, auf Island die meisten.

Durch seine kurzen, stämmigen Läufe und den eingezogenen Hals erscheint die Art gedrungener, plumper als andere typische Erolien, auch ist sie fast durchweg weniger scheu und аn ihren Brutplätzen so zahm, daß mаn sich ihr bis auf wenige Meter nähern kann. In der Nahrung wenig wählerisch, die meist aus kleineren und jungen Mollusken, Insekten und deren Larven, im Sommer auch großenteils aus Knospen, Blättern, Algen, Moostrieben und Samen besteht. Die gewöhnliche Stimme ist ein kurzes Tiwit oder twit, Hantzsch erwähnt auch ein rauhes Tschrididi. „Zu Beginn der Brutzeit übt dаs ♂ häufig seinen Balzflug aus. Es erhebt sich eifrig singend einige Meter hoch in die Luft und senkt sich dann schräg zum Erdboden hinab“ (le Boi), wobei es einen wohllautenden, nach le Boi bei einem wie tuit, tuit wütwütwütwüt witwitwitwit trü tritriitrii klingenden Gesang hören läßt. Das Nest steht einzeln und ist eine halbkugelige oder flachere Vertiefung im Moos oder anderen dichten Pflanzenwuchs oder auch zwischen Steingeröll auf dem kahlen Boden; es ist fast immer mit einigen Blättchen, Moos oder Halmen, nach le Boi mitunter auch mit wenigen Federchen ausgelegt. Auf den Färöer wurden die normalerweise 4 Eier schon vom 20. Mai an, im hohen Norden später, auf Island hauptsächlich in der ersten Hälfte des Juni gefunden, auf Spitzbergen fällt die Legezeit nach le Boi meist ins letzte Drittel des Juni. 23 Eier wiegen nach le Boi 0.48 — 0.65, im Durchschnitt 0 59 g. Sie sind bald mehr, bald weniger gestreckt birnförmig, feinkörnig, matt glänzend. Sie sind auf graugrünlichem bis olivengrünlichem oder bräunlichem Grunde mit dunkelbraunen oder tiefrotbraunen Flecken, einigen blaßgrauen Schalen- und bisweilen noch übergelagerten rein schwarzen Flecken und Zügen gezeichnet; häufig sind die Flecke infolge der Drehung im Eileiter spiralig gedreht. 100 Eier (50 Jourdain, 26 le Boi, 24 Bey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 37.33×26.52, Maximum 40 x 28, Minimum 35.1 x 26.6 und 37.3 x 24.8 mm.

*****

Brehm

Der Seestrandläufer, Felsenstrandläufer, Arquatella maritima Gmel. (Tringa), ist merklich kleiner als der Roststrandläufer: seine Länge beträgt etwa 21, die Breite 42, die Flügellänge 12, die Schwanzlänge 5 cm. Im Hochzeitskleide sind Oberkopf und Nacken schwarz, weiß und ockerfarben längsgestreift, Kopfseiten und Hals schmutzigweiß, bräunlichschwarz gestreift, Oberseite und Rücken glänzend schwarz, durch die rostfarbenen, weiß gesäumten Ränder der Federn gezeichnet, Brust und Seiten auf weißem Grunde schwärzlichgrau gefleckt, die übrigen Unterteile weiß, die weißschaftigen Schwungfedern schwärzlich, die letzten der Hand weiß gesäumt, die mittleren Schwanzfedern schwarz, die übrigen schwärzlichgrau, ihre Schäfte weiß, alle mit lichten, die mittleren mit rostgelblichen, die äußeren mit weißlichen Säumen geziert. Die Iris ist braun, der Schnabel rötlich-, der Fuß safrangelb. Dem Winterkleide fehlt alles Rostgelb, und Schnabel und Füße haben minder lebhafte Färbung. Der mehr als kopflange Schnabel ist sanft gebogen
Wie die meisten Gattungsgenossen brütet auch der Roststrandläufer nur im hohen Norden, durchwandert im Herbst und Winter аber Europa oder fast ganz Asien, einen großen Teil von Amerika, ebenso auch Afrika; sogar auf Neuseeland ist er angetroffen worden. Auf diesen Wanderungen verläßt er die Seeküste nur ausnahmsweise, um nahegelegene Binnengewässer zu besuchen, gehört daher im Innern des Landes stets zu den seltenen Erscheinungen. Am Seestrande schart er sich zu sehr zahlreichen Gesellschaften, die gemeinschaftlich leben und handeln. Viele solcher Flüge überwintem schon im Norden, andere ziehen gemächlich südwärts, verweilen unterwegs, wo sie reichliche Nahrung finden, so z. B. nach Feilden аn gewissen sandigen Strichen der englischen Küste, die mit einer ungeheuern Masse amphibisch lebender, kleiner Brackwasserschnecken (Hydrobia ulvae), einem Lieblingsfutter der Strandläufer, bedeckt sind. Ein bestimmtes Reiseziel scheinen die Vögelchen nicht zu erstreben, und wenden sich wiederum der Heimat zu, wenn die Brutzeit herannaht. An unseren Küsten wie dann und wann im Binnenlande erscheinen sie bereits im August und September und ziehen im Mai wiederum ihrer nordischen Heimat zu.
Der Seestrandläufer entstammt derselben Heimat, durchwandert ebenfalls beide Erdhälften, ist noch weiter südlich beobachtet worden, erscheint аber seltener аn unseren Küsten als sein Verwandter und besucht die Binnengewässer unsers Vaterlandes nicht. Auch er überwintert bereits im Norden, häufiger аn den Küsten Großbritanniens, Hollands, Frankreichs, erscheint und verschwindet ungefähr zu derselben Zeit, führt überhaupt fast die gleiche Lebensweise wie jener.
Beide Arten sind trotz ihres gedrungenen Baues sehr bewegliche, behende, gewandte, fast ununterbrochen tätige, rastlose, unruhige, kluge und vorsichtige, wenn auch nicht immer scheue Vögel, laufen und fliegen vortrefflich, schwimmen auch recht gut, haben eine laute, hohe, pfeifende, аber angenehme Stimme, lieben Geselligkeit, leben jedoch mehr mit ihresgleichen als mit verwandten Arten zusammen.
Ihre Nahrung, die aus dem verschiedensten Kleingetier, besonders Würmern, kleinen zartschaligen Weichtieren, Insekten und deren Larven und dergleichen besteht, lesen sie nur von der Oberfläche des Kieses oder Schlammes der Küste wie der Ufer ab, laufen deshalb mit äußerster Geschäftigkeit auf und nieder und halten sich, während sie jagen, etwas entfernt voneinander. Nach Walter frißt der Seestrandläufer auch feinen Grassamen, selbst Gras sowie Süßwasseralgen.
Der Roststrandläufer brütet nach Rehs Eierwerk аn der Hudsonsbai, in Grinnell- Land, in Grönland, аn der Taimyrbucht und auf den Neusibirischen Inseln. Die etwas länglichen, birnenförmigen Eier haben starken Glanz und sind auf einem Grunde von grauer Cremefarbe stark mit kastanienbraunen Oberflecken und blaß purpurroten Schalenflecken gezeichnet. Sie variieren sehr stark. Ihre Maße sind etwa 43 x 30 mm. — Vom Seestrandläufer wissen wir, daß er schon auf den Shetlandinseln und weiter nach Norden hin überall in der Nähe der Küste nistet. Er erwählt zur Niststelle gewöhnlich einen erhöhten steinigen, mit kurzem Grase oder Moose bestandenen Platz und legt Ende Mai seine 4 mäßig großen, etwa 36 mm langen, 26 mm dicken, birnförmigen, nach Färbung und Zeichnung abändernden, auf grünlich- oder olivenbräunlich-grauem Grunde mit zahlreichen großen, umberbraunen Flecken gezeichneten Eier in eine seichte, kaum ausgekleidete Grube oder Mulde. Das brütende Weibchen sitzt sehr fest und nimmt bei Gefahr zur Verstellung seine Zuflucht, um den Feind abzulenken. Die Jungen wachsen rasch heran und sind oft schon Ende Juni flügge.
Die Jagd beider Strandläuferarten ist mühelos, der Fang auf einem Herd auch nicht schwierig; dаs Wildbret lohnt jedoch, da es tranig zu schmecken pflegt, die Jagd nicht. Gefangene Rost- und Seestrandläufer benehmen sich wie andere Arten der Gattung.